PJ in Nordirland – Innere Medizin

12. August 2015

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Innere Medizin, Land, Nordirland, Praktisches Jahr im Ausland

Nordirland, Belfast, Ulster Hospital (04.05.-28.06.2015)

Trotz unterschiedlicher Meinungen, die mitunter über das Gesundheitssystem im Vereinigten Königreich zu hören sind, hatte ich mich kurzfristig entschlossen, einen Abschnitt meines PJ in Nordirland, genauer gesagt in Belfast, zu absolvieren. Und ich muss im Anschluss daran sagen, dass ich meinen Aufenthalt am Ulster Hospital in Belfast als sehr lehrreich empfunden habe.

Meine Entscheidung für Nordirland

Im Rahmen meines Praktischen Jahres habe ich acht Wochen in der Inneren Medizin am Ulster Hospital in Dundonald/Belfast in Nordirland verbracht. Seit Studienbeginn stand für mich fest, einen Teil meines PJ im Ausland zu verbringen. Da ich sowohl Positives aber vor allem auch Negatives über das Gesundheitssystem im Vereinigten Königreich gehört hatte, wollte ich mir gerne ein eigenes Bild machen. Da ich zudem meine Englischkenntnisse verbessern wollte, bot sich ein PJ-Aufenthalt im UK geradezu an.

Bewerbung

Das Rathaus in Belfast
Das Rathaus in Belfast

Die Organisation und Vorbereitung des Aufenthaltes in Belfast war vergleichsweise einfach. Da ein geplanter Aufenthalt an einer anderen Universität nicht zustande kam, hatte ich mich relativ kurzfristig, fünf Monate vorher, an die Studentenkoordinatorin des Ulster Hospitals, gewandt. Ihre Kontaktdaten hatte ich auf der Homepage der Queen’s University Belfast gefunden. Die zuständige Koordinatorin hatte sehr schnell geantwortet und war ausgesprochen hilfsbereit bei der Organisation des Aufenthaltes.

Die Formalitäten haben sich dabei sehr in Grenzen gehalten. Ich musste zwei kurze Formulare ausfüllen und diese zusammen mit einem Dokument, das den Studentenstatus an der Heimatuniversität bestätigt, an die Koordinatorin zurückschicken. Da ich mich direkt bei ihr um ein „elective“ in der Gastroenterologie beworben hatte, hat sie mir einen Supervisor zugewiesen. Man kann sich aber auch direkt an einen Consultant des Ulster Hospitals wenden und um eine Supervision bitten.

Organisation nach erhaltener Zusage

  • Frühstück am St. George's Market - Ulster Fry
    Frühstück am St. George’s Market – Ulster Fry

    Unterkunft

Im Rahmen der weiteren Organisation meines Aufenthaltes hatte mir die Koordinatorin die Kontaktdaten einer Ansprechpartnerin zukommen lassen, die für die Unterbringung am Gelände des Ulster Hospitals zuständig ist. Zum Zeitpunkt meines Aufenthaltes war die Unterbringung von Medizinstudenten am Gelände des Ulster Hospitals kostenlos. Ich habe aber gehört, dass die Unterbringung aufgrund der hohen Nachfrage demnächst kostenpflichtig sein wird.

Ich wurde im sogenannten „Kelly House“ untergebracht. Die Unterbringung im „Kelly House“ und auch in den anderen Häusern auf dem Gelände ist sehr einfach. Man hat ein eigenes kleines Zimmer und teilt sich Küche, Bad und einen Gemeinschaftsraum mit seinen Mitbewohnern. Das „Kelly House“ ist wenige Gehminuten vom Hauptgebäude des Krankenhauses entfernt, leider gibt es kein stabiles Wi-Fi in dieser Unterbringung. Aus diesem Grund würde ich empfehlen, bei der Reservierung bei Clare um eine Unterbringung im ersten Stock im „Kelly House“ oder im sogenannten „Home 1“ zu bitten. Gegenüber des Wohnheims befindet sich im Headquarter des South Eastern Health and Social Care Trust eine kleine E-Library, die man unter der Woche und auf Anfrage beim Security Office auch am Wochenende nutzen kann.

  • Versicherungen und Konto/Kreditkarte

Für das PJ-Tertial hatte ich eine Auslandskrankenversicherung als auch eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Ich habe kein britisches Konto eröffnet, da ich über eine Bank über eine Kreditkarte verfüge, mit der ich weltweit kostenlos Bargeld abheben kann. Als Back-up hatte ich zudem eine Kreditkarte bei einer weiteren Bank beantragt.

Das Leben in Dundonald & Belfast

Auf der Black Taxi Tour vor den Murals im Westen von Belfast
Auf der Black Taxi Tour vor den Murals im Westen von Belfast

Das Ulster Hospital befindet sich am östlichen Stadtrand von Belfast. In Dundonald selbst gibt es fußläufig vom Krankenhaus alles, was man für das tägliche Leben braucht (Supermarkt, Post, Apotheke etc.). Es gibt zudem einige Restaurants und auch ein Kino, viel mehr hat Dundonald allerdings nicht zu bieten.

  • Öffentliche Verkehrsmittel

Das Ulster Hospital ist eine 15-20minütige Busfahrt vom City Center in Belfast entfernt. Das öffentliche Verkehrsnetz in Belfast ist relativ gut; außer sonntags verkehren die Busse in sehr hohem Takt. Am besten kauft man sich eine „dayLink Card“, auf die man ein, fünf oder zehn Tagestickets zum vergünstigten Preis von 3 Pfund pro Tagesticket aufladen kann, und/oder eine „Smartlink Multi-Journey Card“, auf die man Einzelfahrten aufladen kann zum Preis von 1,25 Pfund pro Fahrt.

  • Kommunikation

Ich habe mir eine SIM-Karte des Anbieters „Three“ (3) gekauft, mit der ich sehr zufrieden war. Mein „Pay as you go“-Paket enthielt 300 Freiminuten, 3.000 SMS und „unlimited data“ für 30 Tage zu einem Preis von 15 Pfund. Einen „Three“-Shop gibt es beispielsweise im Victoria Square Shopping Centre. Mit dieser SIM-Karte verfügt man auch über 25 GB Datenvolumen in bestimmten anderen Ländern, z.B. in Irland, was sehr vorteilhaft ist, wenn man beispielsweise einen Trip nach Dublin plant.

Wie bereits erwähnt, gibt es im „Kelly House“ im Gegensatz zum restlichen Krankenhausgelände leider kein besonders stabiles Wi-Fi. Mit meiner SIM-Karte war es leider nicht möglich, einen gut funktionierenden Hotspot für den Laptop einzurichten, denn dies ist nur bei abgeschlossenen Verträgen möglich, dafür braucht man allerdings eine britische Debit-Karte. Deshalb hatte ich mir zusätzlich noch mobiles Breitband von „Three“ gekauft, was allerdings relativ teuer war mit 25 Pfund für den Stick, der 1 GB Datenvolumen enthält und weitere 25 Pfund für einen Voucher für ein Datenvolumen von 7 GB.

Das Ulster Hospital

Das Ulster Hospital in Dundonald gehört zum sogenannten South Eastern Health and Social Care Trust, eine von fünf Versorgungseinheiten in Nordirland. Es ist eines der Lehrkrankenhäuser der Queen’s University Belfast. Als Medizinstudent bekommt man im Rahmen seines „clinical elective“ einen „Consultant“ als Supervisor zugewiesen. „Consultants“ sind im United Kingdom das Pendant zum Oberarzt.

Am ersten Tag sollte man sich zuerst einen ID Badge beim Security Office besorgen. Ich habe für das elective am Ulster Hospital keinen Kittel gebraucht. Ansonsten sollte man Stoffhosen und Blusen bzw. Hemden tragen. In der A&E (Accident & Emergency/Notaufnahme) ist der Dresscode lockerer. Leider habe ich keinen eigenen Computerzugang bekommen, habe aber von einer anderen Ärztin die Zugangsdaten erhalten und konnte über ihren Account Laborergebnisse und Bildgebungen einsehen.

Mein Clinical Elective

Queen's University Belfast
Queen’s University Belfast

Mein Supervisor war einer der „Consultants“ in der Gastroenterologie, so dass ich primär der gastroenterologischen Station zugeteilt war. Mein Tagesablauf bzw. die Wochenplanung orientierte sich zunächst einmal sehr an dem Zeitplan meines Supervisors. Feste Termine umfassten die Visite an zwei halben Tagen pro Woche und die gastroenterologische Ambulanz an einem halben Tag pro Woche. Darüber hinaus bestand die Möglichkeit an Gastroskopien, Koloskopien und ERCPs teilzunehmen. Dieses Angebot hatte ich vermehrt zu Beginn wahrgenommen.

Mein Supervisor war ausgesprochen motiviert, mir so viel wie möglich beizubringen. Die Visite und die endoskopischen Untersuchungen waren dabei sehr lehrreich, denn er wurde nie müde, mir immer wieder Fragen zu den verschiedenen Krankheitsbildern und dem weiteren Vorgehen zu stellen. In der Ambulanz habe ich anfangs die Patienten gemeinsam mit meinem „Consultant“ gesehen und nachbesprochen. Später bekam ich die Möglichkeit, neue Patienten zuerst alleine zu untersuchen und schließlich dem „Consultant“ vorzustellen.

Auf der gastroenterologischen Station gibt es zudem einen zweiten „Consultant“, der ebenfalls gerne bereit ist, Studenten zur Visite (drei halbe Tage pro Woche), in die Ambulanz (einen halben Tag pro Woche) oder in die Endoskopie mitzunehmen.

Außerhalb dieser festen Termine war es vorgesehen, sich an der Stationsarbeit zu beteiligen. Die Eigenverantwortung der einheimischen Medizinstudenten und der Ärzte im ersten Jahr ist allerdings relativ gering, was demnach auch für ausländische Studenten gilt. Man hat zwar die Möglichkeit, Patienten auszuwählen, deren Verlauf zu verfolgen und sie zu untersuchen, eine alleinige Betreuung unter Supervision ist jedoch nicht möglich. Zudem ist die Einbeziehung von Studenten in das Ärzteteam auf Station leider oftmals nicht gegeben. Man muss sehr oft auf sich aufmerksam machen und die Bereitschaft für Teaching ist unter den Stationsärzten nicht besonders groß. Dies macht den Stationsalltag oftmals zu einem schwierigen Unterfangen. Gerne wird hingegen gesehen, wenn man sich für das Blutabnehmen bereit erklärt.

Darüber hinaus findet zweimal pro Woche eine fächerübergreifende Vorlesung zu verschiedenen Themen statt, die oftmals sehr lohnenswert ist. Während der Sommerzeit ist allerdings Vorlesungspause. Einmal pro Woche hat man die Möglichkeit, an einem interdisziplinären Tumorboard teilzunehmen. Dort werden auch Fälle der eigenen Station besprochen.

Auf Nachfrage erhält man die Möglichkeit, auf eine andere Station oder auch in die Notaufnahme zu rotieren. So habe ich zwei Wochen meines achtwöchigen Aufenthaltes in der Notaufnahme verbracht, was sich als sehr lohnenswert erwiesen hat und was ich sehr empfehlen kann. Die A&E in Dundonald gilt als die meist besuchte Notaufnahme in Nordirland. Es gibt keine fächerspezifische Unterteilung, so dass das Spektrum an Krankheitsbildern sehr groß ist. Man hat die Möglichkeit, eigenständig Patienten zu untersuchen, die Ergebnisse zu dokumentieren und nach der Vorstellung des Falles die Patienten zusammen mit einem Arzt weiter zu betreuen. Abgesehen davon, wird man auch immer wieder darauf hingewiesen, wenn interessante Fälle eingetroffen sind.

Die Bereitschaft und Motivation für das Teaching von Medizinstudenten ist in der A&E sehr groß. Immer wieder wird man gefragt, was man gerne lernen möchte. So habe ich beispielsweise an einem kleinen EKG-Kurs von insgesamt vier Unterrichtsstunden oder auch an einer Einheit zum Befunden von Röntgenbildern teilgenommen.

Die Arbeitszeiten waren insgesamt sehr moderat. Arbeitsbeginn war um 9:00 Uhr, in seltenen Fällen um 8:00 Uhr. Arbeitsende war meist zwischen 16:00 Uhr und 17:00 Uhr.

Freizeit

Das Titanic Museum in Belfast
Das Titanic Museum in Belfast

In und um Belfast gibt es viele Freizeitmöglichkeiten. Sehr zu empfehlen sind das Titanic Museum sowie das Ulster Museum. Auf dem St. George Market kann man von Freitag bis Sonntag lokale und internationale Spezialitäten genießen und Livemusik hören. Wer mehr über die Geschichte von Belfast erfahren möchte, kann sich während einer „Black Taxi Tour“ über die „Troubles“ informieren oder eine Führung im „Crumlin Road Jail“ unternehmen. Empfehlenswert ist außerdem eine Führung im prachtvollen Rathaus von Belfast.

Das Queen’s Quarter rund um die Universität sowie das Cathedral Quarter bieten eine Vielzahl an Restaurants und Pubs. In der sogenannten Helen’s Bay zwischen Belfast und Bangor kann man wunderschön am Meer spazieren gehen und diese ist auch gut mit dem Zug zu erreichen. Zudem bietet es sich an, den Bus oder Zug nach Dublin zu nehmen. Ein „Must-See“ ist der „Giant’s Causeway“, eine Unesco Weltkulturerbe Stätte, die an der schönen „Causeway Coastal Route“ liegt. Sonntags kann man in ganz Nordirland für 9 Pfund Zug fahren. Das Schienennetz ist nicht besonders gut ausgebaut, aber eine Fahrt durch die schöne Landschaft und z.B. nach Londonderry/Derry lohnt sich.

Fazit

Auf der Causeway Coastal Route in Nordirland
Auf der Causeway Coastal Route in Nordirland

Ich habe meinen Aufenthalt in Belfast als sehr lehrreich empfunden. Besonders interessant war für mich, das britische Gesundheitssystem kennenzulernen, das sich grundlegend von unserem System unterscheidet. Wer allerdings gerne viel Eigenverantwortung am Patienten übernehmen möchte, ist hier eher nicht an der richtigen Stelle. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase gewöhnt man sich auch schnell an den Akzent und kann wunderbar an seinen Englischkenntnissen feilen.

PJ-Aufenthalte in englischsprachigen Ländern sind oftmals mit großem Aufwand verbunden, was auf ein „elective“ am Ulster Hospital nicht zutrifft. Wer sich also kurzfristig für einen Aufenthalt bewerben möchte oder einen langen Bewerbungsprozess scheut, dem bietet sich hier eine gute Alternative. Gebt bei der Bewerbung bei der zuständigen Koordinatorin eine Wunschstation für Euer „clinical elective“ an, ansonsten werdet Ihr automatisch für die Gastroenterologie eingeteilt.

Versucht unbedingt eine Rotation in der Notaufnahme (A&E) zu absolvieren und fragt dort die Ärzte nach Teaching! Generell kann man auch länger als acht Wochen am Ulster Hospital bleiben, wobei ich persönlich den Zeitraum von acht Wochen als ausreichend empfunden habe.

Belfast ist nicht unbedingt die schönste Stadt, hat aber eine sehr interessante Geschichte und eine wunderschöne Umgebung zu bieten, die einen Aufenthalt auf jeden Fall lohnenswert machen!

W., M.

Belfast, Juni 2015

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