PJ in der Schweiz – Dermatologie

27. August 2015

in Chancen im Ausland, Dermatologie, Fachgebiet, Land, Praktisches Jahr im Ausland, Schweiz

Schweiz, Zürich, Triemlispital Zürich (16.03.-04.05.2015)

Zürich ist in erster Linie für eine Sache bekannt: „Teuerste Stadt der Welt“. Und wer nicht gerade ein Appleprodukt dort kaufen möchte, wird sich auf jeden Fall mit hohen Kosten anfreunden müssen. Aber, ob es sich lohnt und welche Vorteile es mit sich bringt, dort ein PJ-Tertial bzw. einen PJ-Abschnitt zu absolvieren, lest Ihr in diesem Erfahrungsbericht.

Entscheidung für die Schweiz, Zürich und das Triemlispital

Zürich ist eine sehr weltoffene Stadt, Zentrum für zahlreiche Banken, Wirtschaftszentren und auch so findet sich hier vieles, das reich ist und nach Geld aussieht. Ein Gang durch die Stadt verdeutlicht, wo „Schick und Reich“ sein Geld ausgibt und in welchen Läden Lebensqualität in Frankenscheinen gekauft werden kann. Nirgendwo sonst habe ich so viele Luxusautos durch die Straßen fahren sehen. Nichtsdestotrotz gibt es auch viele Bürger aus einfachen Verhältnissen und gerade dies macht die Stadt auch sehr attraktiv und menschlich.

Für PJ-Studenten gibt es in Zürich zwei Möglichkeiten, Dermatologie zu machen. Entweder das UniversitätsSpital  oder das Triemlispital. Die Wahl fiel schnell auf das Triemlispital, da in der Universitätsklinik sehr viele Unterassistenten arbeiten und man sich im Triemli besser um die Studenten kümmert. Eine Entscheidung, die sich bewahrheiten sollte. Leider ist es für deutsche Medizinstudenten sehr schwer, einen Platz zu bekommen, da die Plätze zuerst an die Züricher, dann Schweizer und dann erst an die ausländischen Studierenden vergeben werden.

Das Triemlispital

Plakat im Eingangsbereich der Klinik für Dermatologie - Triemlispital Zürich
Plakat im Eingangsbereich der Klinik für Dermatologie – Triemlispital Zürich

Das Spital liegt neben dem Rotlichtmilieu in der Stadt und wurde früher auch „Tripperhaus“ genannt. Man kann sich also darauf einstellen, mit STDs in Kontakt zu kommen und dann Geschichten zu hören, die die Vorstellungskraft menschlicher Sexualentfaltung in ungeahnte Ebenen führt. Daneben gibt es natürlich auch all die ganzen „normalen“ dermatologischen Erkrankungen, die ebenfalls vertreten sind.

Die Klinik für Dermatologie befindet sich in der Stadt und damit nicht im Hauptspital, das alle Abteilungen beherbergt. Also eine eigenständige Dependance. Dafür fährt man viel durch Zürich und hat zusätzlich die Möglichkeit, „Lunch Checks“ zu beziehen, doch dazu später. Das Ambulatorium besitzt auch keine Betten, so dass man wirklich nur montags bis freitags zu den Office Arbeitszeiten da ist, d.h. also keine Wochenend-, Spät- oder Nachtdienste. Das Besondere an der Klinik ist, dass es eine offene Sprechstunde gibt. Patienten ziehen eine Karte und kommen mit der Karte zu dem Arzt. Der Arzt weiß also erst beim Gespräch, was der Patient hat. Also eine sehr diskrete Medizin. Man hat hier ein sehr breites Spektrum an Erkrankungen. Und man sieht die Primäreffloureszenzen, die zum Teil sehr eindrücklich sind.

Als Unterassistent in der Dermatologie

Eingang ins Dermatologische Ambulatorium - Triemlispital Zürich
Eingang ins Dermatologische Ambulatorium – Triemlispital Zürich

Die Arbeit als Unterassistent findet überwiegend in der Sprechstunde statt. Man führt die Vorgespräche und ruft dann die Assistenzärztin dazu, der man zugeteilt ist. Die kleineren Eingriffe, wie Biopsien oder Shaves von Warzen, kann man auch selbstständig durchführen. Kontrolltermine kann man manchmal auch selbstständig betreuen. Wenn ein Zimmer frei ist, nimmt man zudem komplett Patienten auf und kann alles vorbereiten, um es am Ende mit der Ärztin abzusprechen und dann mit dem Patienten zu besprechen. Man arbeitet also fast genauso wie ein frischer Assistenzarzt. Dies gab mir somit das Gefühl von Verantwortung und Zugehörigkeit und so machte mir die Arbeit natürlich auch viel Freude.

In der OP-Zeit, die meist einmal wöchentlich stattfand, werden dann größere Biopsien oder Exzisionen durchgeführt. Oder man benutzt den Laser für Condylombehandlungen etc. Stets freitags findet der Studentenkurs für die Züricher Medizinstudenten statt, bei dem man die Patienten vorbereitet und selbst auch teilnimmt. Es werden mehrere Patienten vorgestellt und besprochen. Eine willkommene Abwechslung und ein guter Unterricht.

Der typische Tagesablauf. Der Tag fängt morgens um 7:30 Uhr an. Dann werden die ersten Patienten nachkontrolliert, bis es kurz vor 9:00 Uhr eine kleine Pause gibt. Danach fängt die offene Sprechstunde an, die dann bis 12:00 Uhr geht. Die Mittagspausen sind zum Teil sehr lang. Montags eine Stunde, dienstags fast zwei Stunden, mittwochs zwei Stunden, freitags drei Stunden und an den Donnerstagen hat man ab 12:00 Uhr komplett frei. Diese werden dann auch zum gemeinsamen Joggen genutzt. Natürlich für alle Ärzte, die Lust haben. Am Mittwoch und Freitag wird meist draußen in Restaurants in der Nähe zu Mittag gegessen. Es ist eine gute Abwechslung zum normalen Arbeiten und man lernt das Team besser kennen. Mit den „Lunch Checks“ ist es auch gut bezahlbar (halber Preis).

Dienstags findet zudem noch eine Diaklinik statt, in welcher dann alle Fotobilder der Woche gezeigt werden, ähnlich der Röntgenbesprechung in der Klinik. Freitags gibt es noch ein Teammeeting, bei dem Fragen und schwere Patienten in der großen Runde besprochen werden. Nach der Mittagspause geht es dann weiter mit Terminpatienten und dann folgt die offene Sprechstunde bis 17:30 Uhr. Danach kann man noch seine eigenen Krankenakten mit der Assistenzärztin korrigieren oder auch gehen, wenn man etwas zu tun hat. Meist war ich gegen 18:30 Uhr fertig mit der Arbeit. Freitags hat man einen langen Arbeitstag, denn an diesem Tag geht die offene Sprechstunde bis 19:30 Uhr, aber dafür hat man drei Stunden Mittagspause und donnerstags schon ab Nachtmittag frei.

Das Ambulatorium hat mehrere Behandlungsräume, von denen man als Unterassistent auch eins benutzen darf, wenn ein Arzt fehlt. Es gibt eine Mitarbeiterküche, in der man sein Essen warm machen kann und auch zu Mittag isst. Oben ist eine Bibliothek, die man benutzen darf. Ansonsten ist im Untergeschoss die komplette Diagnostik vorhanden (Serum, STDs etc.). Man bekommt einen Schrank in der Umkleide. Im Arztzimmer befindet sich ein Mikroskop, mit dem man direkt Pilzpräparate untersuchen kann.

Das Team von Prof. Lautenschlager ist durchweg sehr hilfsbereit und nett. Ich hatte nie das Gefühl, jemandem zur Last zu fallen. Die Ärzte haben sich viel Zeit genommen, mir die Krankheiten zu erklären und auch vor den Patienten zu unterrichten. Für zu Hause habe ich dann interessante Artikel mitbekommen. Ich wurde wirklich sehr gut betreut und kann nachvollziehen, warum das Triemlispital beliebt unter Studierenden ist. Bei schweren Fällen während der Sprechstunde kommt manchmal einer der Oberärzte dazu. Das ganze Team ist wirklich gut eingespielt und die Chemie stimmt einfach. Auch mit den MPAs arbeitet man gut zusammen und wenn man etwas falsch macht, wird man freundlich darauf hingewiesen.

Verdienst und Unterkunft

Ausblick aus dem 15. Stock des Wohnheims auf Zürich
Ausblick aus dem 15. Stock des Wohnheims auf Zürich

Das Gehalt ist für Zürich wirklich sehr gering – unter 1.000 Franken. Da bleiben nach Abzug des Wohnheims (300 Franken), Gehaltsabgaben, der Fahrkarte (84 Franken) und den „Lunch Checks“ (100 Franken) vielleicht knapp unter 500 Franken pro Monat übrig. Deshalb muss man schon gut überlegen, wofür man sein Geld ausgibt, denn dies wären ca. 15 Franken pro Tag. Die „Lunch Checks“ kosten 100 Franken und man erhält Essensgutscheine, die man in fast jedem Restaurant oder Cafe einsetzen kann im Wert von 200 Franken. Ein lohnendes Angebot.

Das Wohnheim befindet sich übrigens neben dem Hauptspital. Es sind mit der Bahn morgens ca. 15-20min. Das Wohnheim ist in einem sehr schlechten Zustand und man fühlt sich fast wie in einer anderen Zeit, in der das Wohnen noch keine richtige Lebensqualität darstellte. Die Unterassistenten sind zudem über alle Stockwerke verteilt. Das einzig Gute an diesem Wohnheim ist der günstige Preis von 300 Franken und der Sportraum im 1. Stock, der ein Laufband und ein paar andere Geräte bereitstellt.

Es wird übrigens auch an einem WLAN Zugang gearbeitet, so dass dies die Lebensqualität stark verbessern wird. Wenn man übrigens bei den 15 Stockwerken ganz oben wohnt und einen Blick auf die Stadt hat, dann ist die Miete jeden Rappen wert. Wenn man aber Pech hat, schaut man auf eine Baustelle im untersten Stockwerk, denn das Triemlispital wird nun gerade neu gebaut. Neben dem Wohnheim gibt es den Minisupermarkt „Migrolino“, der fast immer geöffnet hat. Wer günstiger einkaufen gehen möchte, kann dies von 8:00-20:00 Uhr nur eine, zwei Haltestellen entfernt beim Discounter „Denner“. Einen „Lidl“ gibt es auch, der ist aber am anderen Ende der Stadt.

Leben in Zürich

Zürich ist eine Großstadt und hat sehr viel zu bieten. Neben Kunstmuseum, Landesmuseum und Völkerkundemuseum gibt es viele, fast jedes Wochenende stattfindende, ganz spezielle Programme. Ich habe z.B. an einer Kirchennacht mitgemacht und ein indisches Volkskonzert besucht. Im März findet das „Sächsilüüüte“ statt, ein Fest zum Beginn des Frühlings, bei dem ein Schneemann angezündet wird und dann explodiert. Zudem gibt es eine grosse Parade, die Zürich von seiner besten Seite zeigt.

Die Stadt Zürich hat viele Facetten, die Altstadt ist traumhaft. Daneben gibt es viel Natur. Zahlreiche Wanderwege, wie die am „Ütliberg“, bieten eine atemberaubende Aussicht an. Der Züricher Zoo ist eine alte und wichtige Institution auf der Welt und der Besuch lohnt sich allemal. Dann ist da schließlich auch der Zürichsee, dessen Umrundung mit dem Fahrrad mehrere Stunden in Anspruch nimmt. Auch sporttechnisch wird einem viel geboten. Leider darf man als ausländischer Student nicht kostenlos am Unisport teilnehmen. Hier wird ein immenses Programm angeboten. Es gibt aber auch zahlreiche Fitness Studios oder man kann schön joggen gehen. In der Stadt wird derzeit zudem eine Außentrainingsanlage gebaut, die im Sommer Sportbegeisterte anlocken soll. Also wer gerne unterwegs ist, ist in Zürich in der Tat bestens aufgehoben. Und ab März ist das Wetter auch sehr gut.

Zusätzlich befindet sich Zürich sehr nah an zahlreichen anderen Städten der Schweiz, die man mit der Bahn oder dem Auto sehr gut erreichen kann.

Resümee

Grandioser Blick vom Uetliberg - dem Zürcher Hausberg
Grandioser Blick vom Uetliberg – dem Zürcher Hausberg

Ob die Schweiz etwas für die  zukünftige Karriere ist, muss jeder für sich entscheiden. Es braucht aber sicherlich seine Zeit, um mit den Menschen vor Ort warm zu werden und Freunde zu finden, die einen in ihren engeren Kreis aufnehmen. Eine Umfrage hat ergeben, dass es den eingewanderten Deutschen auch schlichtweg an Freunden fehle und dies ein wichtiger Grund sei, warum viele wieder zurückkehrten.

Als PJ-Student ist ein Besuch der teuersten Stadt der Welt auf jeden Fall eine Bereicherung, sowohl arbeitstechnisch, als auch persönlich.

P., T.

Zürich, April 2015

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