Famulatur in Australien – Innere Medizin

24. Juni 2015

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Australien, Adelaide, Flinders Medical Centre (13.02.-14.03.2014)

Eine Zusage für eine Famulatur auf der Acute Medical Unit im Flinders Medical Centre in Adelaide „down under“ in Australien zu erhalten, ist schon mit einigem Bewerbungsaufwand verbunden. Ich bin jedoch froh, dies in Kauf genommen zu haben. Diese Famulatur war eine tolle Erfahrung. Ich habe einiges gelernt, die Atmosphäre auf Station war einfach sehr entspannt, man wurde auf Station ernst genommen und mit der richtigen Eigeninitiative wurde einem auf Nachfrage viel erklärt.

Australien – ich komme wieder!

Seit ich in der 11. Klasse ein Jahr in Australien verbracht hatte, hat mich dieses Land fasziniert und für mich stand schnell fest, dass ich gerne eine Famulatur in Australien machen würde. Außerdem wollte ich durch diese Famulatur mein medizinisches Englisch festigen und einfach Erfahrungen in einem ausländischen Krankenhaus sammeln.

Bewerbung und Vorbereitung

Beworben habe ich mich mit Bewerbungsschreiben und Lebenslauf per Email bei der zuständigen Ansprechpartnerin für ausländische Medizinstudierende der Flinders University, die man auf der entsprechenden Homepage findet. Nach einer vorläufigen Zusage musste ich einige Unterlagen wie ein übersetztes polizeiliches Führungszeugnis, Nachweis von Krankenversicherung und Haftpflichtversicherung, Impfnachweis und ein Empfehlungsschreiben meiner Universität einreichen. Kurze Zeit später hatte ich dann die endgültige Zusage bekommen.

Zur Vorbereitung auf meine Famulatur habe ich den Medical English Kurs unserer Universität besucht. Rückblickend hat sich dieser nicht wirklich gelohnt, da man nur selber einige Kapitel am Computer durchgehen und sich die Aussprache medizinischer Fachbegriffe vorspielen lassen konnte. Die Ärzte auf meiner Station waren alle sehr gut zu verstehen. Die Fachbegriffe und Abkürzungen, die einem fehlten, hatte man durch Nachfragen dann auch bald gelernt.

Ich bin mit dem EVisitor Visum eingereist. Auf der Homepage des Flinders Medical Centre war angegeben, dass man sich kein Working oder Business Visum beantragen soll, da es sich um einen „Observation Visit“ handelt. Ich wurde nach der Einreise aber auch nicht weiter nach meinem Visum gefragt. (Anm.d.Red.: Um wirklich auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Ich hatte das Medical English Pocket mitgenommen mit der Absicht, auf Station Begriffe nachzuschlagen, habe es aber nie benutzt. Ansonsten empfehle ich den Reiseführer Lonely Planet. Speziell ein Reiseführer für Adelaide ist eigentlich nicht notwendig, da man auch so schnell rausfindet was sehenswert ist.

In Australien herrscht im Krankenhaus ein „formal dress code“. Dies bedeutet, Frauen kommen in Rock bzw. schwarze Hose und Bluse oder auch im Kleid und mit geschlossenen Schuhen. Männer haben eine schwarze Hose und Hemd getragen.

Ankunft und Unterkunft in Adelaide

lenelg Beach - einer von Adelaides schönen Stränden
Glenelg Beach – einer von Adelaides schönen Stränden

Meinen Flug hatte ich bei STA Travel gebucht und einen guten Preis mit Studentenrabatt bekommen. In Adelaide selber sind die Verkehrsverbindungen nicht so gut. Es fahren zwar regelmäßig Busse vom Flinders Medical Centre in die Stadt und zum Strand, aber man ist mit 30-60min für eine Strecke sehr lange unterwegs. Auch gibt es im Bus keine Anzeigen, sodass man bei der ersten Fahrt nicht wirklich weiß, wo man aussteigen soll. Die Busfahrer sind aber sehr freundlich und weisen einen auf den richtigen Halt hin, wenn man sie vorher darum bittet. Im Flinders Medical Centre (FMC) könnt Ihr Euch unten beim Kiosk eine Karte kaufen, die man mit Geld für die Busfahrten auflädt. Die Fahrten sind dadurch deutlich günstiger. Beim Kauf sollte man nicht vergessen zu sagen, dass man Student ist.

Was die Kommunikation betrifft, so hatte ich mir zu Beginn eine australische Simcard für 2AUD im Supermarkt „Coles“ gekauft und zwar für den Anbieter „Optus“. Ich hatte dann das Angebot genommen, bei dem man für 1Cent/Minute nach Deutschland telefonieren konnte. Australische Anrufe waren dann etwas teurer. Für 10AUD kann man sich noch 1GB Internet dazu holen. Insgesamt war dies wirklich günstig und hat sich gelohnt. Im Flinders Medical Centre gibt es sowohl in der Bücherei als auch außerhalb Computer, die man umsonst benutzen kann. Dafür muss man sich zu Beginn der Famulatur ein Passwort ausstellen lassen. In dem Wohnheim beim FMC gibt es kein Internet.

Die Währung in Australien ist der australische Dollar (AUD). Ich habe zum Geld abheben normal meine EC-Karte verwendet, wobei kleinere Beträge an Gebühren angefallen sind. Auch mit der Visa Karte kann man überall bezahlen und Geld abheben. Ansonsten sollte man sich darauf einstellen, dass Australien von den Lebenshaltungskosten her teurer ist. Besonders Nahrungsmittel und auch Essen im Restaurant ist deutlich teurer, sodass man für eine einfache Pizza gerne mal 20 Dollar zahlen kann.

Ich habe in den Flinders Flats für medizinisches Personal direkt beim Flinders Medical Centre gewohnt. Die Wohnungen sind sehr einfach und zweckmäßig eingerichtet, aber für einen Monat vollkommen ausreichend. Badezimmer und Küche teilt man sich mit acht anderen Mitbewohnern. Die Kontaktdaten der zuständigen Managerin der Flats erhält man nach der Bestätigung der Famulatur. Die Lage der Wohnungen zum Krankenhaus war mit 5min Fußweg perfekt. Zur Stadt benötigte man 45min und zum Strand 30min mit dem Bus, was schon etwas nervig sein konnte.  Es ist aber wohl auch nicht schwierig, auf www.gumtree.com oder über Aushänge ein WG-Zimmer zu finden. Man muss einfach für sich selber entscheiden, ob einem ein kurzer Weg zum Krankenhaus oder eine zentrale Lage wichtiger ist.

Ich bin zwei Tage vor Beginn meiner Famulatur in Adelaide angekommen, sodass ich mir erst einmal in Ruhe die Umgebung anschauen konnte und organisatorische Dinge wie Simcard etc. erledigen konnte. Am Tag vor meiner Famulatur habe ich mich bei einer mir im Vorfeld genannten Ansprechpartnerin vorgestellt, welche mich dann wiederum schon einmal auf meiner Station, der Acute Medical Unit (AMU) vorgestellt hat. Außerdem war ich bei der Studentensekretärin, über die ich mich für die Famulatur beworben hatte und welche einem eine ID Karte, ohne die man nicht auf Station kommt, und den FAN für die Computer ausstellte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war einen Monat lang auf der Acute Medical Unit (AMU), welche zum General Medicine Department gehört. Hierbei handelt es sich um eine Zwischenstation zwischen Emergency Department (ED) und „Long Stay Ward“. Die Patienten werden auf zwei Teams – AMU1 und AMU2 – aufgeteilt. Nach Aufnahme wird entschieden, ob es sich um „long stay“ Patienten handelt, welche dann auf eine andere Station verlegt werden oder um „short stay“ Patienten, welche dann für maximal drei Tage auf der Acute Medical Unit bleiben.

Die Patienten der General Medicine sind schwer zu definieren. Eine Kardiologie-, Nephrologie-, Pneumologie- und Gastroenterologie-Station gibt es noch einmal extra. Häufig hat es sich um ältere Patienten gehandelt, die gestürzt sind, an Schwindel litten oder akute Magen-Darm Beschwerden hatten. Da die Patienten nur kurz auf Station blieben, hat man viele verschiedene Patienten kennengelernt und Krankenanamnesen gehört.

Der Tag begann immer mit einer Ward Round. Geleitet wurde diese von einem „Consultant“ (Oberarzt) und es nahmen zudem „Resident Medical Officer“ (Assistenzärzte im 2./3. Jahr), „Interns“ und Studenten teil. Je nachdem, welcher Consultant die Ward Round leitete, die Consultants wechselten alle paar Tage, war sie mehr oder weniger lehrreich. Der Großteil der Consultants hat aber gerne und viel erklärt und einen auch mal selber ausgefragt. Nach der Visite haben die Resident Medical Officer (RMO) und Interns die Stationsarbeiten erledigt.

Ich bin dann meist zu dem „Registrar“ gegangen, der an diesem Tag für die Aufnahmen zuständig war. Dieser hat mir dann einen Patienten zugeteilt, bei dem ich die Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen konnte. Anschließend habe ich den Patienten dem Registrar vorgestellt und den Fall mit ihm besprochen. Meist wurde mir in diesem Zusammenhang dann auch noch etwas zu dem jeweiligen Krankheitsbild erklärt. Ansonsten wurde mir ziemlich Freiraum gelassen. Ich konnte Aufnahmen machen, im Internet Sachen recherchieren oder einem der Ärzte folgen. Allerdings musste man hierfür auch Eigeninitiative zeigen. Nach der Ward Round kam eigentlich niemand auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich eine Aufnahme oder ähnliches machen möchte. Wenn ich nachgefragt habe, waren aber alle sehr freundlich und bemüht, mir etwas zu erklären und zu zeigen. Uns Medizinstudenten war auf Station ferner ein Supervisor zugeteilt, den wir immer fragen konnten und der uns auf Nachfrage gerne EKGs, Röntgenbilder etc. erklärt hat.

Ich habe immer um 9:00 Uhr morgens angefangen und der Dienst ging offiziell bis 17:00 Uhr. Auf Nachfrage konnte ich aber auch mal etwas eher gehen und habe auch mal ein, zwei Tage für Ausflüge freibekommen. Dies ist auch im Flinders Medical Centre sehr stationsabhängig. Auf einer Station in der Chirurgie sind die Studenten meist schon nach 12:00 Uhr gegangen. Auf einer anderen Station musste eine Studentin bis 17:00 Uhr bleiben, obwohl sich nach der Ward Round keiner mehr um sie gekümmert hat. Auf meiner Station durften wir zwar erst später gehen, aber uns wurde wenigstens viel erklärt, sodass es voll in Ordnung war.

An den australischen Akzent hatte ich mich schnell gewöhnt und hatte kaum Schwierigkeiten, die Leute zu verstehen. Schwierig wird es, wenn die Ärzte anfangen, mit Abkürzungen um sich zu werfen wie z.B. „Triple A“, was dann Abdominal aortic aneurysm heißt. In solchen Fällen und auch generell sollte man einfach viel nachfragen, denn dann wird einem auch viel erklärt. Ein Tipp: Lasst Euch die Begriffe aufschreiben, die Ihr nicht versteht. Man glaubt nicht, wie eigentlich simple Wörter mit den verschiedenen Akzenten von Indern, Japanern, Australiern etc. teilweise ausgesprochen werden. Wenn man sie geschrieben sieht, kommt dann doch meist der „Aha-Effekt“.

„Down under“

Die Whitsunday Islands an der wunderschönen Ostküste
Die Whitsunday Islands an der wunderschönen Ostküste

Auf meiner Station waren alle Ärzte und Studenten sehr nett. Die Atmosphäre war locker und es wurden viele Witze gemacht. Wenn nicht viel los war, hat man sich auch privat nett unterhalten können und man wurde öfters mal von den „Interns“ oder Ärzten auf einen Kaffee eingeladen. Die Studenten am Flinders Medical Centre haben fast alle den Postgraduate Studiengang gemacht. Das heißt, sie hatten bereits einen „Degree“ und waren dementsprechend meist deutlich älter, sodass man privat meist nicht wirklich etwas unternommen hat, auf Station konnte man sich aber gut mit allen unterhalten.

Auf meiner Station war noch eine andere deutsche Medizinstudentin und insgesamt weiß ich noch von 8-10 anderen deutschen Studenten, die zu der Zeit am Flinders Medical Centre waren. Die deutschen Medizinstudierenden haben neben asiatischen Studenten den Großteil der international Students ausgemacht. Wir haben viel zusammen unternommen und die Gegend erkundet. Ein Ausflug nach Kangaroo Island für zwei Tage lohnt sich auf jeden Fall! Die Insel ist einfach wunderschön. Auch ein Trip nach Melbourne in Verbindung mit der Great Ocean Road ist toll. Man findet schon sehr billige Inlandsflüge.

Ein Wochenende haben wir auch einen Surf Kurs in „Goolwa“, mit dem Bus 2h von Adelaide entfernt, bei „Kingo´s Surfschool“ gemacht, was sehr weiter zu empfehlen ist. Ansonsten hat Adelaide selbst ebenfalls ein paar sehr schöne Strände zum Entspannen. Das Nachtleben in Adelaide ist ziemlich ruhig im Vergleich zu Melbourne und Sydney und man kommt nach 24:00 Uhr zudem nicht mehr mit dem Bus zurück zu den Flats.

Wenn Ihr die Zeit übrig habt, ist eine Reise entlang der Ostküste unvergesslich. Ich bin mit meinem Freund nach der Famulatur noch dreieinhalb Wochen von Cairns nach Sydney gereist. Highlights sind hier auf jeden Fall die Whitsunday Islands, Fraser Island, Byron Bay und Sydney mit den Blue Mountains.

Ich habe die Australier wieder als sehr freundlich und hilfsbereit kennengelernt, habe mich mit vielen fremden Leuten in Läden oder auf der Straße unterhalten und immer Hilfe bekommen, wenn ich etwas nicht gefunden habe. So wurden wir zum Beispiel, als wir verloren in Melbourne auf der Straße standen und die Bahnhaltestelle zum Strand gesucht haben, von einer älteren Dame mit ihrem Auto zum Strand gefahren, was für sie eine Stunde Umweg bedeutete.

Mein Fazit  

Kangaroo Island
Kangaroo Island

Ich würde meine Famulatur jederzeit wieder in der Acute Medical Unit im Flinders Medical Centre absolvieren und bin froh, dass ich den ganzen Aufwand mit der Bewerbung in Kauf genommen habe. Diese Famulatur war eine tolle Erfahrung. Ich habe einiges gelernt und viel Spaß gehabt, da die Atmosphäre auf Station einfach sehr entspannt war und viel gelacht und Kaffee getrunken wurde.

Man wurde auf Station ernst genommen, einem wurde auf Nachfrage viel erklärt, aber es war auch kein Problem, ein verlängertes Wochenende frei zu bekommen, um das Land zu erkunden. Adelaide würde ich wahrscheinlich nur zu deren Sommer empfehlen, da der Winter aus Erzählungen auch sehr regnerisch und ungemütlich sein kann. Australien selbst ist wunderschön und auf jeden Fall eine Reise wert.

F., R.

Köln, November 2014

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1 Kommentar

  • Hi,
    ich würde mich auch gerne für eine Famulatur dort bewerben, aber habe auf der Internetseite gelesen dass die nur Studenten im letzten Jahr nehmen.
    Könntest du mir evlt die Email Adresse von dieser Ansprechpartnerin geben?

    Liebe Grüße,

    Teresa

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