Famulatur in Thailand – Notfallmedizin

12. Februar 2015

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Land, Notfallmedizin, Thailand

Thailand, Koh Samui, Bangkok Hospital Samui (18.08.-17.09.2014)

Nach einem Auslandssemester in Frankreich sollte es unbedingt ein weiteres Mal im Rahmen meines Medizinstudiums ins Ausland gehen. Mein Ziel – eine Famulatur in Thailand. Dies bedeutete zusätzliche Mühen für Planung und Vorbereitung. Bei dem zeitintensiven Medizinstudium und dem Ausblick auf eine noch zeitintensivere Assistenzarztzeit war es für mich aber das Richtige, um mir auch später nicht sagen zu müssen, ich bin am Leben vorbeigelaufen.

Meine Motivation

Nachdem ich aus Bordeaux wiederkam, wo ich im Rahmen meines Medizinstudiums ein Auslandssemester lang als „Free-Mover“ studiert hatte, war für mich schnell klar, dass ich noch nicht genug hatte. Ich wollte unbedingt nochmal ins Ausland, um ein weiteres Mal vor so einer Aufgabe zu stehen, sich selbst in einem fremden Land zurechtzufinden.

Das Auslandssemester in Frankreich hatte mir schon sehr gut gefallen und mich in der französischen Sprache weit voran gebracht. Dieses Mal wollte ich nun mein Englisch ein bisschen verbessern. So entschied ich mich für Thailand, da dort neben Thai auch viel Englisch gesprochen wird. Des Weiteren war ich daran interessiert, erneut eine völlig andere Kultur kennenzulernen. Ich war schon einmal in Tokio gewesen, aber diese Stadt kann man natürlich schlecht mit dem Rest Asiens vergleichen.

Ich wollte gerne die Landschaft Asiens erkunden, das dortige Essen kennenlernen und an einen Ort mit warmen Klima. Wenn man Koh Samui bei Google sucht, dann findet man bei den Bildern schon starke Argumente, dort einen Monat zu verbringen. Die Inselgruppe Koh Samui, Koh Tao, Koh Phangan bietet schönste Strände mit weißem Sand und tolle Wasserfälle.

Die Bewerbung …

Bangkok Hospital Samui auf Koh Samui
Bangkok Hospital Samui auf Koh Samui

Ich hatte mich für das Krankenhaus Bangkok Hospital Samui entschieden, da dieses auf deren Internetseite einen guten Eindruck  gemacht und ich schon einige Erfahrungsberichte von diesem Hospital gelesen hatte, die mir gefielen. Es ist ein privates Krankenhaus, in dem hauptsächlich Touristen behandelt werden. Dies war für mich gar nicht so schlecht, da mit den Touristen englisch gesprochen werden musste und ich dadurch die Anamnese und geplante Therapie besser mitverfolgen konnte als bei thailändischen Patienten.

Für meine Famulatur, die ich von Mitte August bis Mitte September 2014 absolvierte, hatte ich mich ca. ein Jahr im Voraus beworben. Hierbei war nicht mehr als eine kurze, sachliche Bewerbung mit Lebenslauf nötig. Ich musste nie Geld an die Klinik zahlen – weder für die Bewerbung, noch für den Aufenthalt. Kurz bevor ich die Flüge buchte, hatte ich mich nochmal vergewissert, ob ich auch wirklich dort famulieren darf, da die Zusage so schnell und problemlos in einem kurzem Text gekommen war, was mich doch etwas erstaunte.

Es hat alles wunderbar geklappt, aber trotzdem würde ich das nochmalige Nachhaken jedem empfehlen. Ohne den Thailändern etwas vorwerfen zu wollen, läuft das Leben auf Koh Samui doch etwas ruhiger und lockerer ab als in Deutschland. Da kann es schon mal vorkommen, dass etwas vergessen wird und das wäre bei solch teuren Flügen sehr ärgerlich.  Ich hatte dann auch sofort die Bestätigung bekommen und habe meine Flüge gebucht.

… und wichtige Schritte zur Vorbereitung

Da ich mich länger als 30 Tage in Thailand aufhielt, musste ich ein Visum beantragen. Das Touristen-Visum war sechs Monate nach Ausstellung gültig. (Anm.d.Red.: Um wirklich auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Außerdem habe ich mich noch impfen lassen. Hierzu hatte ich mich im Tropeninstitut von den Ärzten beraten lassen. Die Impfungen sind nicht gerade günstig und werden auch nicht immer von jeder Krankenkasse bezahlt, weshalb man sich vorher informieren sollte! Vor allem für Impfungen wie Tollwut (dreimal!) sollte man mit dem Termin nicht zu lange warten, da ja rechtzeitig vor dem Abflug alles fertig werden sollte, wenn man denn geschützt sein will. Auch wenn Koh Samui nicht unbedingt als hohes Risiko Malaria Gebiet gilt, hatte ich mich dazu entschlossen, eine Malaria Prophylaxe mitzunehmen.

Wer keine Auslandsreisekrankenversicherung hat, sollte sich noch um eine kümmern.

Um auch auf Koh Samui „flüssig“ zu bleiben, habe ich ein neues Konto bei einer Bank aufgemacht, bei der man kostenlos eine Visa Karte erhält und mit dieser zudem kostenlos im Ausland Geld abheben kann. „Maestro“ ist auf Koh Samui eher seltener vertreten, deshalb hat dies schon sehr geholfen. Es gibt verschiedene Banken, die so etwas anbieten.

Auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes kann man sich viele Informationen über Thailand holen. Von aktuellen Hinweisen, über landesspezifische Sicherheitshinweise bis zu medizinischen Hinweisen und vieles mehr. Die Seite ist ganz hilfreich, allerdings sollte man sich beispielsweise von den Sicherheitshinweisen nicht verrückt machen lassen. Dazu aber später mehr.

Dann hatte ich mich vorher noch erfolgreich bei Medizinernachwuchs.de für eines der  Auslandsstipendien 2013-2014 beworben. Der zeitliche Aufwand für eine Bewerbung ist für diese Unterstützung vergleichsweise gering. Ich wurde für eine Förderung ausgewählt und erhielt für meine Famulatur in Thailand einen einmaligen Förderbetrag in Höhe von EUR 250.-, der mir sehr geholfen hat, da man als Student ja bekanntlich Geld nicht im Überfluss hat und die Reise sehr teuer war. Vielen Dank auch hier nochmal an Medizinernachwuchs.de!

Famulatur am Bangkok Hospital Samui

Der Empfangsbereich im Bangkok Hospital Samui
Der Empfangsbereich im Bangkok Hospital Samui

Das Bangkok Hospital Samui ist Teil eines privaten Netzwerkes in Thailand. Es handelt sich also nicht um ein akademisches Lehrkrankenhaus. Das Personal war von Anfang an sehr freundlich zu mir. Da in diesem Hospital, wie schon vorher erwähnt, viele Touristen behandelt werden, sprechen dort auch die meisten Englisch. Ein Kittel wurde gestellt, aber es wurde verlangt, dass ich ein weißes Hemd oder Poloshirt mit langer Hose trage. Die Klinik ist gut klimatisiert und deshalb war die lange Hose kein großes Problem.

Zunächst führte mich die Ärztin, mit der ich im Vorfeld bei meiner Bewerbung Kontakt aufgenommen hatte, durch das Krankenhaus. Danach wurde ich in die Notaufnahme geschickt, für die ich für die Famulatur angemeldet war. Die Fachbereiche, mit denen ich zu tun hatte, waren dementsprechend vielseitig. Ich habe viel von einem Neurochirurgen gezeigt bekommen, aber auch von Toxikologen und Internisten. In der Notaufnahme musste man sich den Ärzten zwar ein wenig aufdrängen, aber dann haben sie einen zu den verschiedenen Untersuchungen mitgenommen und viel erklärt. Ich hatte vermutet, dass dort auch erwartet wird, dass man viele medizinische Tätigkeiten übernimmt. Dies war allerdings nicht so. Ich habe höchstens Blut abgenommen oder beim Nähen attestiert.

Der Tagesablauf war jeden Tag unterschiedlich, je nach diensthabendem Arzt, was auch mal sehr spannend war. Im Schnitt musste ich 6-7 Stunden anwesend sein. Dies hing ganz davon ab, wie viel gerade zu tun war. Generell war der Beginn um 09:00 Uhr. Als erstes habe ich mich immer in das Arztzimmer begeben und mit dem Arzt/den Ärzten besprochen, was für Patienten gekommen sind, welcher Fall für mich interessant sein könnte und mich dann an den entsprechenden Arzt „herangehängt“. Ich bin ihm/ihr zu den Untersuchungen gefolgt, bei denen ich dann helfen durfte, mir wurden Fragen gestellt und ich bekam vieles erklärt.

Wenn es mal nichts zu tun gab, haben die Ärzte gerne mal Privat-Unterricht gemacht. Hierbei hörte ich Vorträge über 1. Hilfe und „Gefahren aus dem Meer“, z.B. zu Unfällen bzw. Verletzungen, die mit dem Meer, etwa beim Tauchen bzw. mit dessen tierischen Bewohnern assoziiert sind, oder wurde über Malaria und weitere tropische Krankheiten unterrichtet. Manchmal wurde ich zudem als Dolmetscher für französische und deutsche Patienten geholt, die nicht so gut Englisch sprachen. Gegen 12:00 Uhr bzw. 12:30 Uhr konnte ich in die Kantine gehen, in der es kostenfrei Essen gab. Es gab immer Reis mit einem typisch thailändischen Gericht.

Anschließend ging ich dann wieder in die Notaufnahme und bin den Ärzten zu den neu eingetroffenen Patienten gefolgt. Diese wurden dann häufig genäht, mit Verbänden versorgt oder aber auf die entsprechende Station verschoben. Ich bin auch mal im Krankenwagen mitgefahren, als wir z.B. einen Patienten vom Hafen abgeholt haben, welcher mit Verdacht auf Gelbfieber mit dem Speedboot von der Nachbarinsel abgeholt worden war. Die Famulatur hat wirklich viel Spaß gemacht und war sehr aufregend. Da es die Notaufnahme war, wurde man natürlich mit allen möglichen Krankheiten konfrontiert. Hauptsächlich waren es Wunden, welche  genäht werden mussten, denn die Verkehrsbedingungen in Thailand sind nicht die besten und viele Motorradfahrer fahren ohne Helm. Wir hatten aber auch einige Schlaganfälle und tropische Infektionen.

Bei der Unterhaltung musste man sich zunächst etwas an den Akzent gewöhnen. Ich habe anfangs nur wenig verstanden, da die Thailänder beispielsweise häufig das „r“ zu einem „l“ bei der Aussprache umwandeln. Wenn man sich aber darauf einstellt, ist dies eigentlich kein Problem mehr.

Unterkunft

In der Nähe des Krankenhauses auf Koh Samui gibt es eine „Residence“, welche der Klinik gehört und in der man wohnen kann. Ich habe diese allerdings nicht genutzt und habe deshalb leider keine Infos über Preise und an welche Adresse man sich wenden sollte.  Über meinen Nebenjob hatte ich Kontakte zu einem Deutschen, der sich auf Koh Samui niedergelassen hatte und habe dort einen Monat für EUR 230.- gewohnt. Das Zimmer bietet keinen besonderen Luxus, man hat aber alles, was man braucht und falls man Hilfe benötigt, kann man sich dort an den Vermieter wenden (http://feel-travel.eu/information/about-us.html).

Über ihn hatte ich ferner gleich ein Auto für weitere EUR 270.- für den Monat gemietet, was sich sehr gelohnt hat, das es dort keine Busse oder sonstige öffentliche Verkehrsmittel gibt. Taxis sind auf Koh Samui verglichen mit dem restlichen Thailand sehr teuer.

Wer eher in dem Gebiet wohnen möchte, wo sich viele Bars und Clubs befinden, sollte sich im Osten der Insel eine Unterkunft suchen.

Leben & Essen auf Koh Samui

Kajak Tour im Marine Nationalpark auf Koh Samui
Kajak Tour im Marine Nationalpark auf Koh Samui

Kaum auf Koh Samui gelandet, war ich schon vom Flughafen begeistert. Überall Palmen und die Gebäude haben eher den Stil von Strandhäusern als den eines Flughafens. Ein Fahrer des Vermieters holte mich ab. Der Vermieter heißt Phillipp, ist 28 Jahre alt, hat Touristik studiert und kennt sich gut auf der Insel aus. Er bietet auch Touren für Touristen an. Ich habe über ihn eine Kajak-Tour gebucht, die sich sehr gelohnt hat.

In Thailand kocht man eigentlich nicht selber, es gab bei Phillipp leider auch nicht wirklich die Möglichkeit dazu. In Thailand wird aber wirklich überall Essen angeboten. Phillipp‘s Frau hat im gleichen Haus ein kleines Restaurant, was sehr zu empfehlen ist.

Essen gehen war allerdings teurer, als ich erwartet hätte. Man kann zwar schon für EUR 2.- essen, aber dann ist die Auswahl nicht mehr sehr groß und es gibt zudem viele Stände an der Straße, an denen man aus hygienischen Gründen besser nicht essen sollte. Ich selbst habe leider ebenfalls diese Erfahrung gemacht und mir ging es nicht sehr gut danach. Für 2-3 EUR mehr isst man dafür aber schon in Restaurants, in denen dann selbst die Ratten teilweise Haarnetze tragen. Wenn man günstig essen möchte, sollte man sich verständlicher Weise für thailändisches Essen entscheiden. Westliches Essen ist teuer, aber zumindest ist das Angebot da, weil die Insel sehr touristisch ist.

Mit diesem Stichwort möchte ich nochmal etwas aufgreifen, was ich vorhin schon angedeutet habe. Ich habe mich auf der Seite des Auswärtigen Amtes über die Sicherheit Koh Samui‘s informiert. Ich denke, dies sollte man auch tun, wenn man für so lange Zeit in ein fremdes Land fährt, allerdings sollte man sich auch nicht verrückt machen lassen. Ich möchte nicht sagen, dass die Informationen auf der Seite nicht wichtig sind und man sollte sie immer im Hinterkopf behalten, aber ich habe mich auf Koh Samui ziemlich sicher gefühlt, da es fast immer noch andere Touristen um mich herum gab. Man braucht sich keine einsame Insel mit verlassenen Stränden vorstellen. Dies trifft schon eher auf die Nachbarinseln Koh Tao und Koh Phangan zu.

Mit dem Auto bin ich um die ganze Insel herum gefahren und habe mir viele schöne Wasserfälle, die teilweise während der Trockenzeit kein Wasser haben, und Strände der Insel angesehen. Auf Koh Samui ist es sehr warm und schwül, in der Unterkunft ist deshalb eine Klimaanlage unbedingt zu empfehlen.

Die Thailänder sind höflich. Einige wissen aber auch, was sie den Touristen sagen müssen, um ihnen das Geld aus der Tasche zu locken. Kein Taxi fährt mit dem Taxameter. Man wird ständig angesprochen, einen Blick in das Restaurant bzw. Geschäft zu werfen, was nach einer Weile durchaus etwas nerven kann.

Ich habe einen Tauchkurs auf Deutsch auf Koh Tao gemacht, der dort sehr günstig angeboten wird. Des Weiteren habe ich einen Tagestrip nach Koh Phangan gemacht, was ebenfalls eine wirklich sehr schöne Insel ist – eigentlich so, wie ich mir Koh Samui vorgestellt hatte.

Mein Fazit

Traumhafte Natur - Wasserfall auf Koh Samui
Traumhafte Natur – Wasserfall auf Koh Samui

Die Famulatur war toll und ich bin wieder um eine Erfahrung reicher. Ich kann es nur jedem ans Herz legen, so etwas zu machen und sich nicht durch seine Zweifel abbringen zu lassen. Mein Englisch hat sich nicht wirklich sehr verbessert, dafür sprachen die Thailänder meist leider doch nicht so gut Englisch, wie ich gehofft habe.

Ich habe viele tolle Landschaften gesehen und man kommt mit dem Gefühl zurück, etwas erlebt zu haben. Bei dem sonst eigentlich zeitintensiven Medizinstudium und dem Ausblick auf eine noch zeitintensivere Assistenzarztzeit war es für mich aber das Richtige, um mir auch später nicht sagen zu müssen, ich bin am Leben vorbeigelaufen.

B., B.

Hamburg, November 2014

Stipendiat im Rahmen der Auslandsstipendien 2013-2014

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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2 Kommentare

  • Hallo,
    wir überlegen mit unserem BAby nach Thailand zu fliegen. Ist das Krankenhaus auf einen guten international Stand? und wie ist die KInderstation?

    Ich hoffe du kannst mir weiterhelfen.lg

  • Hallo,
    ich hoffe, dieser Kommentar erreicht den/die Autor/in dieses Erfahrungsberichtes.
    Ich würde auch gerne eine Famulatur in Thailand in der Notfallambulanz machen und ich finde, deine Erzählungen über das Krankenhaus, wo du warst, hören sich sehr interessant und inspirierend an! Eigentlich genau das, was ich mir auch wünschen würde!
    Kannst du mir sagen, an wen du dich genau gewandt hast, für deine Bewerbung? Wende dich gerne einfach per Mail an mich über die angegebene Adresse!
    Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn du mir weiterhelfen könntest!!!
    Liebe Grüße,
    Leonie

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