PJ in der Schweiz – Gynäkologie und Geburtshilfe

14. November 2014

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Gynäkologie und Geburtshilfe, Praktisches Jahr im Ausland

Schweiz, Dättwil, Kantonsspital Baden (19.05.- 05.09.2014)

Das Wahlfach in der Schweiz zu absolvieren war für mich eine gewagte, aber im Nachhinein richtige Entscheidung. Ich werde meine Kollegen und die wunderschöne Schweizer Landschaft vermissen. Für mich stand schon lange im Voraus fest, ein Tertial in der Schweiz zu absolvieren. Gründe waren zunächst die meist positiven Erfahrungen anderer PJler, das selbstständige Arbeiten, aber natürlich auch das Gehalt.

Erste Überlegungen und Bewerbung

Zunächst hatte ich mir überlegt, welches meiner Tertiale ich in der Schweiz absolvieren möchte. Viele meiner Kommilitonen hatten sich dazu entschieden, ihr Wahlfach in Berlin zu machen, um sich somit schon einmal eine zukünftige Stelle zu „sichern“. Ich hatte aber aus der Schweiz gehört, dass PJler dort viel selbstständig arbeiten dürfen und dadurch sehr viel lernen. Ich habe hin und her überlegt und mich dann letztendlich dazu entschieden, dass ich genau aus diesem Grund mein Wahlfach in der Schweiz verbringen möchte. Es sollte sich als richtige Entscheidung herausstellen.

Beworben hatte ich mich im Oktober 2013, also gut ein dreiviertel Jahr im Voraus. In den beliebten Städten wie Zürich, Bern, Basel etc. waren natürlich schon lange alle Plätze vergeben. Daher hatte ich mich im Internet beim Landesprüfungsamt belesen, welche Kliniken in der Schweiz für uns Medizinstudierende der Charité – Universitätsmedizin Berlin anerkannt werden. Ich wollte gerne in die Nähe von Zürich und so bin ich auf das Kantonsspital in Baden gestoßen.

Der äußerst gute Verdienst von 1.500 CHF im Monat hatte mich dann letztendlich überzeugt. Ich habe mich direkt an das Sekretariat der Frauenklinik gewandt. Das Bewerbungsverfahren verlief ganz unkompliziert. Ich habe zunächst eine einfache Anfrage per E-Mail gestellt, auf die ich eine zügig Antwort erhalten habe. Einige Tage später hatte ich dann den Arbeitsvertrag im Briefkasten. Diesen musste ich nur noch unterschrieben zurück schicken. Zusätzlich habe ich von den Personalliegenschaften ein Zimmer für 400 CHF im Monat im Wohnheim, direkt auf dem Gelände der Klinik, angeboten bekommen. Da die Mieten in der Schweiz sehr teuer sind, habe ich das Angebot gerne angenommen.

Anreise und meine ersten Tage in der Schweiz

Baden in der Schweiz
Baden in der Schweiz

Baden ist ein kleiner hübscher Ort in der Nähe von Zürich. Dättwil, das Dorf, in dem das Spital liegt, ist mit dem Bus ca. 10 Minuten von Baden entfernt. Die Anreise bietet sich mit dem Flugzeug oder mit der Bahn bis Zürich an. Ich bin immer geflogen, da die Verbindung zwischen Berlin und Zürich sehr günstig war. Airlines wie Swissair oder Air-Berlin fliegen stündlich von Berlin nach Zürich und umgekehrt. Vom Zürich Airport fährt dann ca. halbstündlich eine Regionalbahn nach Baden oder man nimmt die S-Bahn bis nach Baden. Mit der „Regio“ ist man in ca. 20 Minuten in Baden und kann dort in den Bus nach Dättwil steigen.

Die ersten Tage habe ich, da ich noch Urlaub hatte, in Zürich in einem Hostel verbracht, um die Stadt kennen zu lernen. Außerdem habe ich mir in dieser Zeit ein Schweizer Konto bei der Post-Finance und eine Prepaid-Karte von Aldi zugelegt. Die Post-Finance Bank bietet ein kostenloses Ausbildungskonto mit Online-Banking an. Das Kantonsspital in Baden verlangt als Arbeitgeber, dass Ihr ein Schweizer Konto eröffnet. Nach einigen wunderschönen Tagen in Zürich bin ich dann nach Dättwil gefahren. Der Zimmerschlüssel war für mich bei der Notaufnahme hinterlegt, sodass ich problemlos auch an einem Samstag anreisen konnte.

Das Zimmer

Mein Zimmer
Mein Zimmer

Das Zimmer war wirklich sehr gut. Es hatte ca. 25 m² mit eigenem Bad mit Dusche und eine Küchenzeile mit Kühlschrank und zwei Herdplatten. Außerdem hatte ich ein 90cm Bett mit eigener Bettwäsche, die zweimal im Monat gewechselt wurde. Was ich allerdings im Vorfeld nicht wusste, ist, dass die Küche nicht mit Tellern, Töpfen, Geschirr etc. ausgestattet war. Daher musste ich mich dann erst einmal auf die Suche nach Kochutensilien begeben, was sich als echt kompliziert und teuer herausgestellt hat. Diese Dinge sollten daher lieber aus Deutschland mitgebracht werden.

Ich habe bei meiner Abreise in der Klinik aber einen Schrank für die Unterassistenten („UHUs“) eröffnet, in dem ich meine gekauften Sachen hinterlegt habe. An diesen darf sich jeder für die Dauer seines Aufenthaltes bedienen und gerne auch erweitern. Ein Staubsauger, Schreibtisch mit Schreibtischlampe als auch ein passend großer Kleiderschrank waren ebenfalls im Zimmer vorhanden. Waschmaschinen und Trockner befanden sich im Keller des Wohnhauses, wo auch für jeden ein kleines, verschließbares Kellerabteil vorhanden war.

Das Dorf Dättwil

Die Küchenzeile
Die Küchenzeile

In Dättwil liegt der Hund begraben. Eigentlich gibt es dort nur das Spital und einen Wald, der sich aber zum Joggen und Wandern anbietet. Viel mehr bietet Dättwil selbst leider nicht. Neben dem Krankenhaus ist ein „Spar“, sodass man dort immerhin Lebensmittel einkaufen kann. Allerdings für sehr teures Geld. Es ist  also besser, wenn Ihr  zum Einkaufen nach Baden rein fahrt.

Allerdings fand ich es auf Dauer recht teuer, ständig mit dem Bus zu fahren (ca. 2,6 CHF/ Strecke). Zu Fuß braucht man ungefähr 45 Minuten. Daher empfehle ich Euch, wenn möglich, ein Fahrrad mitzunehmen. Ich habe mir eine Halbtax-Karte gekauft. Mit dieser Karte, die einmalig 175 CHF kostet und ein Jahr gültig ist, bekommt man fast alle Fahrten zum halben Preis. Da ich viel am Wochenende gereist bin, hat sich diese für mich bereits gelohnt.

Mein Start im Spital

Das Kantonsspital Baden ist recht groß und hat ein Einzugsgebiet von ca. 300.000 Personen. Es ist das Kantonsspital aus dem östlichen Teil des Kantons Aargau. Neben der Gynäkologie und Geburtshilfe umfasst die Klinik die Bereiche Innere Medizin, Chirurgie, Anästhesie, Pädiatrie und Unfallchirurgie.

An meinem ersten Tag wurde ich sehr freundlich von allen begrüßt. Zunächst musste ich einige administrative Dinge erledigen und dann hat sich eine andere Unterassistentin, die schon länger da war, um uns zwei neue „UHUs“ gekümmert. Arbeitskleidung bekommt jeder vom Spital gestellt. Ebenfalls erhält man einen persönlichen Badge, mit dem man sich ausweisen, elektronisch gesicherte Türen öffnen und bezahlen kann. Im Spital läuft für Angestellte alles bargeldlos. Das Mittagessen und der Kaffee etc. lassen sich so bequem bezahlen.

Am Ende des Monats werden Eure Ausgaben mit dem Gehalt verrechnet, das heißt, man bekommt nur das Geld ausgezahlt, welches übrig geblieben ist. Die Monatsmiete für das Zimmer wird ebenfalls direkt verrechnet. Ein Mittagessen im Spital kostet ca. 8-10 CHF. Ich hatte im Schnitt um die 850 CHF am Ende des Monats für mich raus.

Meine Aufgaben als Unterassistentin

Das Kantonsspital Baden
Das Kantonsspital Baden

Der Arbeitstag begann in der Regel gegen 7:45 Uhr mit einem Morgenrapport und endete meist gegen 17:00-18:00 Uhr. Nachmittags gab es zusätzlich einen Rapport gegen 15:45 Uhr, bei dem die relevanten Dinge des Tages besprochen wurden. So gut wie jeden Mittwoch war gegen 7:15 Uhr der Rapport, da im Anschluss eine „Gyn to go“-Fortbildung war. Zusätzlich waren montags gegen 17:00 Uhr Fortbildungen. Eine zunächst angekündigte „UHU“-Fortbildung, die zusätzlich stattfinden sollte, hat es leider nicht gegeben. Vielleicht war auch von unserer Seite zu wenig Eigeninitiative dabei, da nach den vielen Nachtschichten und Wochenenddiensten die Luft raus war.

In der Klinik gab es für mich drei relevante Bereiche. Zunächst der Kreißsaal, dann die Wöchnerinnenstation im 4.Stock und die allgemeine Gynäkologie im 5.Stock.

Im 5. Stock war es meine Aufgabe, die Patienten aufzunehmen, die am Folgetag operiert werden sollten. Ich musste eine Anamnese und einen Status erheben. Im Anschluss habe ich mir einen Assistenzarzt gesucht und ihm die Patientin vorgestellt. Dieser hat die Patientin dann untersucht und aufgeklärt. Die Aufnahmen/ Eintritte der Patientinnen fanden immer vormittags statt. Am Nachmittag hatte ich vor allem administrative Dinge zu erledigen, wie z.B.  die Eintritte des nächsten Tages vorzubereiten oder das Tumorboard zu bearbeiten.

Beim Tumorboard, welches immer dienstags gegen 16:15 Uhr stattfand, wurden alle Krebspatienten interdisziplinär besprochen. Welche Therapiemöglichkeiten gibt es? Welche Medikamente können die Patienten erhalten? Muss noch einmal operiert werden? Von den „UHUs“ mussten dafür bis spätestens Dienstagmittag Folien erstellt werden, auf denen die wichtigsten Fakten zu den Patientinnen festgehalten wurden.

Eine weitere Unterassistenten-Aufgabe im 5. Stock war es, bei Operationen zu assistieren. Häufig habe ich bei Brustoperationen assistiert, da das Kantonsspital Baden ein Brustzentrum hat und somit viele brustchirurgische Eingriffe durchführt. Wenn man sich für eine bestimmte Operation interessierte, durfte man jederzeit zuschauen – wenn man Zeit hatte. Außerdem freuten sich die Ärzte immer sehr, wenn man sie in die Sprechstunden begleitete.

Wenn mehrere Unterassistenten parallel in einer Abteilung sind, müssen diese sich eigenständig auf die einzelnen Stationen aufteilen. Ich persönlich war am liebsten im Kreißsaal. Hier gab es i.d.R. nicht so viele administrative Dinge zu erledigen wie auf der Gynäkologie. Außerdem habe ich in der Geburtshilfe mehr gelernt. Ich durfte die Schwangerschaftskontrollen mit Ultraschall selber durchführen. Patientinnen, die übertragen hatten, also über dem errechneten Entbindungstermin waren, kamen regelmäßig ca. alle drei Tage zu den Kontrollen. Dadurch konnte ich eine gute Beziehung zu diesen Patientinnen aufbauen, sodass ich dann häufig auch bei den Geburten dabei sein konnte. Dann konnte man sich direkt selbst davon überzeugen, ob das mittels Biometrie berechnete Kindsgewicht auch tatsächlich richtig war. Zusätzlich musste man im Kreißsaal bei den Kaiserschnitten assistieren, wobei dann natürlich fleißig das Nähen geübt werden konnte.

Die Hebammen waren durchweg alle super nett und hilfsbereit. Dies war ich aus Deutschland leider anders gewöhnt. Auf Nachfrage durfte ich einen Abend einen Geburtsvorbereitungskurs der Hebammen besuchen. Das hat sich wirklich sehr gelohnt. Ich konnte viel durch die Hebammen lernen.

Auf der Wöchnerinnenstation mussten die Austrittuntersuchungen bei den Wöchnerinnen vorgenommen werden. Dies bedeutete eine Untersuchung der Geburtsverletzungen und der Brüste und zusätzlich ein Gespräch mit der Mutter über die kommenden Wochen. Auch hier konnte man als „UHU“ schnell selbstständig arbeiten.

Des Weiteren musste jede Nacht ein Unterassistent für den Pikett-Dienst, also die Rufbereitschaft, erreichbar sein. Gerufen wurde man aber nur zu Kaiserschnitten. Wenn allerdings nur zwei oder drei „UHUs“ angestellt waren, hatte man leider sehr oft Pikett. Daher haben einige Male die Hebammen freundlicherweise den Dienst übernommen. In den ersten Wochen musste ich jede Pikett-Nacht mehrfach raus. Das war sehr anstrengend. Mit der Zeit hat sich das jedoch zum Glück normalisiert, aber man muss schon damit rechnen, einige Male während der Pikett-Dienste raus zu müssen. Da das Wohnheim aber nur drei Gehminuten von der Station entfernt ist, konnte man zügig dort sein. Falls man nachts mal länger raus musste, durfte man zum Ausgleich auch am nächsten Tag länger schlafen. Einen finanziellen oder zeitlichen Ausgleich gab es allerdings für die Pikettdienste nicht.

Zusätzlich musste jedes Wochenende durch einen Unterassistenten besetzt sein. Ich fand die Wochenenddienste eigentlich immer super. Anders als in der Woche, ist man viel in der Rettungsstelle und auch im Kreißsaal und man hat eine eins zu eins Betreuung durch den Assistenzarzt und den Oberarzt. An den Wochenenden habe ich vor allem gelernt, wie man gynäkologisch untersucht. Für die Wochenenddienste gab es zwei Tage Ausgleich.

Sehr gut am Kantonsspital Baden fand ich auch, dass wir „UHUs“ unseren Dienstplan selber gestalten durften. Somit konnte jeder seine individuellen Wünsche loswerden. Man hatte jeden Monat 1,5 Urlaubstage.

Nachteilig ist eindeutig die Lage von Dättwil. In der Woche lohnt es sich kaum, nach Baden oder Zürich zu fahren. Daher ist man abends oft in Dättwil gefangen. Wir „UHUs“ haben uns dann oft getroffen und zusammen gekocht oder Fernsehen geschaut. Ohne Auto oder Fahrrad ist man aber wirklich sehr eingeschränkt. Dättwil ist daher nichts für jemanden, der gerne auch in der Woche raus geht. In Baden selbst ist in der Woche eigentlich immer was los, aber die Busse fahren leider nur bis Mitternacht zurück nach Dättwil.

Mein Fazit

Italienische Schweiz – Ein Besuch lohnt sich
Italienische Schweiz – Ein Besuch lohnt sich

Das PJ-Tertial in der Gynäkologie und Geburtshilfe am Kantonsspital Baden war sehr lehrreich, die Leute super nett, das Gehalt bombastisch, das Kantinenessen sehr lecker und die anderen „UHUs“ Freunde fürs Leben, aber Dättwil ist ein Dorf und man muss sehr viel arbeiten. Insgesamt kann ich die Schweiz sehr empfehlen.

Am Wochenende oder an seinen Kompensationstagen kann man das Land super erkunden. Im Sommer kann man wandern und im Winter Ski fahren. Also packt Eure Sachen und los geht‘s!

Katharina S.
Berlin, Oktober 2014

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