PJ in Großbritannien – Innere Medizin

1. Oktober 2014

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Großbritannien, Innere Medizin, Land, Praktisches Jahr im Ausland

Großbritannien, Epsom, Epsom General Hospital (14.07.- 05.09.2014)

Einmal an einer englischen Universität studieren – dies war seit Ewigkeiten mein Traum. Im PJ hatte ich dann endlich die Chance, diesen Traum zu verwirklichen. Ich habe insgesamt acht Wochen im Epsom General Hospital, das in der Grafschaft „Surrey“ liegt und ein Lehrkrankenhaus der St George’s University of London ist, verbracht.

Motivation – das hochgelobte Teaching

Ich hatte so viel Positives über die medizinische Ausbildung und das grandiose „Bedside- Teaching“ in England gehört, dass ich unbedingt einen Abschnitt meines Tertials für Innere Medizin dort verbringen wollte. Daher bewarb ich mich für einen achtwöchigen Abschnitt, in dem ich sowohl in die Kardiologie als auch in die Pneumologie rotieren konnte.

Ich hatte mir unter anderem das Epsom General Hospital herausgesucht, das durch seine Nähe zu London sehr reizvoll schien. Die extrem gute Organisation durch die „Undergraduate Manager“ vor Ort machte dieses Krankenhaus letztendlich zu meinem Favoriten. Ich bekam auf alle meine Anfragen dort sehr schnelle und hilfreiche Antworten, was in England normalerweise eher selten der Fall ist.

Bewerbung und Vorbereitung

Das Epsom General Hospital
Das Epsom General Hospital

Da ich schon von vornherein wusste, dass ich einen Teil des PJs in England absolvieren wollte, habe ich ca. anderthalb Jahre vor Beginn des Praktischen Jahres angefangen zu recherchieren, welche Krankenhäuser in Frage kommen könnten. Leider bieten viele Häuser nur vier- bis sechswöchige Abschnitte an. Wenn man allerdings ein PJ- Tertial splittet, muss ein Abschnitt acht Wochen lang sein. Darum blieben am Ende nur noch wenige Häuser übrig.

Die Bewerbung in Epsom war ein absoluter Glücksgriff, denn hier hat man zwei feste Ansprechpartner, die sich wirklich um alles Organisatorische vor Ort kümmern. Letztendlich habe ich mich ca. ein Jahr vor PJ- Beginn in Epsom beworben und auch relativ schnell meine Zusage erhalten. Ich habe allerdings erfahren, dass kurz nach meiner Bewerbung schon keine Zusagen mehr gemacht werden konnten, weil das Krankenhaus schon bis 2015 „ausgebucht“ war. Wenn Ihr Euch also bewerben wollt, würde ich raten, dies langfristiger zu planen. In den Berichten, die ich davor gelesen hatte, stand überall, dass man sich auch kurzfristig bewerben kann. Dies scheint mittlerweile auch eher Glücksache zu sein, da das Krankenhaus recht beliebt geworden ist.

Die beiden „Undergraduate Manager“ kümmerten sich, nachdem ich meine Zusage erhalten hatte, um alles Weitere. Sie organisierten mir meine Rotationen sowie die Unterkunft im Krankenhauswohnheim. Gesundheitsuntersuchungen wurden im Vorhinein keine verlangt. Diese bekommt man alle vor Ort. Man bekommt dann einen festen Termin zur Blutabnahme. Sollte etwas auffällig sein, wird man benachrichtigt und erhält, sofern möglich, die nötigen Booster-Impfungen.

Als Vorbereitung auf meine Zeit in England hatte ich zwei Sprachkurse für Medical English absolviert, die an meiner Universität angeboten werden. Diese waren weitestgehend ausreichend, da man die meisten Sachen dann sowieso vor Ort lernt. Allerdings war es für mich ein gutes Training, um vorher überhaupt wieder ins Englisch „reinzukommen“, da ich sehr lange kein Englisch mehr gesprochen hatte. Abgesehen davon, lernt man in den Kursen schon ein paar nützliche Wörter für medizinische Gegenstände und Verfahren.

Ich hatte mir zudem ein Pocket-Lehrbuch für „Medical English“ gekauft, das ich aber, ehrlich gesagt, dann doch gar nicht gebraucht habe. Das meiste lernt man dann eben doch „by doing“. Da ich direkt vor dem PJ schon das schriftliche Staatsexamen absolviert hatte, habe ich nicht ganz so viele Lehrmaterialien mitgenommen. Da für Innere Medizin der „Herold“ immer eine gute Quelle ist, hatte ich nur diesen mit nach Großbritannien genommen. Epsom hat glücklicherweise eine kleine, ordentliche Bibliothek, in der ich mir dann noch die aktuelle Ausgabe vom Oxford Handbook of Clinical Medicine ausleihen konnte. Dieses Buch kann ich wirklich empfehlen, da es in England eines der Standardwerke ist und besonders für die Pneumologie sehr hilfreich war.

Vor Antritt eines Auslandstertials lohnt es sich auch, über eine Auslandskrankenversicherung nachzudenken. Hier eine kurze Story dazu: Während meiner Zeit in Epsom musste ein Kommilitone vor Ort aufgrund einer Infektion für drei Tage i.v. Antibiotika erhalten. Eine Woche später flatterte die Rechnung in seine Unterkunft: 356 Pfund. Gottseidank war er auslandskrankenversichert. In seinem Fall hat es sogar noch die gesetzliche Krankenversicherung übernommen. Kritisch wird es jedoch beim Krankenrücktransport. Dieser ist damit nicht abgedeckt, darum hatte ich mich zusätzlich um eine separate private Auslandskrankenversicherung, die dies mit abdeckt, gekümmert. Ansonsten hatte ich noch eine Haftpflichtversicherung sowie eine Hausratsversicherung für mein Zimmer im Wohnheim.

Unterkunft und Finanzierung

Ein Pub in Epsom
Ein Pub in Epsom

Das Epsom General Hospital verfügt über ein Wohnheim, das direkt zum Krankenhaus gehört. Ich hatte einfach bei der Bewerbung nach einem Zimmer gefragt. Die „Undergraduate Manager“ haben mich dann im Wohnheim eingebucht. Es gibt verschiedene Zimmer: die Zimmer ohne Bad kosten aktuell 11 Pfund pro Nacht, die mit eigenem Bad kosten 13 Pfund pro Nacht. Für England ist das ein sehr günstiger Preis. Das Wohnheim verfügt über zwei Gemeinschaftsküchen und einen Gemeinschaftsraum mit großem Fernseher. Nach anfänglichen Problemen mit den Verwaltern des Wohnheims hatte ich mich dort schnell eingelebt. Da das Epsom General Hospital auch ein Lehrkrankenhaus der „American University of the Carribean“ ist, wurde das Wohnheim vor ein paar Jahren für die amerikanischen Studenten renoviert.

Auch wenn die Lebenshaltungskosten in England natürlich viel höher sind als in Deutschland, ließ sich Epsom noch verhältnismäßig gut finanzieren. Man zahlt eine einmalige Verwaltungsgebühr von 250 Pfund, dafür fallen aber keine Universitätsgebühren an und man benötigt auch keinen teuren TOEFL-Test, um hier seinen PJ-Abschnitt absolvieren zu können.

Da das Krankenhaus über eine sehr gute Kantine verfügt, kann man als Personal kostengünstiger frühstücken oder mittag- und abendessen. Ich habe meist nur mittags im Krankenhaus gegessen und für alle anderen Mahlzeiten meine Lebensmittel in der Gemeinschaftsküche gelagert. Für ein Mittagessen zahlt man in der Kantine zwischen 2,70 Pfund und 3,80 Pfund. Das Wasser gibt es kostenlos, was ein großer Pluspunkt in England ist. Die Gemeinschaftsküche verfügt übrigens auch über einen Wasserhahn für Trinkwasser, sodass man sich nicht andauernd Wasser kaufen muss. Man hat eigentlich auch immer genug Zeit, um in Ruhe Mittag essen zu gehen. Das heißt, wem die Kantine zu teuer ist, der kann sich im Wohnheim selbst versorgen. 

Arbeit und Tagesablauf am Epsom General Hospital

Epsom General Hospital - das Bettenhaus
Epsom General Hospital – das Bettenhaus

In Epsom erhält jeder Student zu Beginn seines jeweiligen Tertials beziehungsweise seiner jeweiligen Rotation einen Stundenplan, der für jeden Wochentag einen anderen Ablauf vorgibt. Vorweg sollte man sagen, dass Medizinstudenten in Epsom in der Regel wirklich „nur“ zum Lernen in der Klinik sind. Je nach Engagement der Lehrbeauftragten variiert die Ausbildung von Studenten zwischen sehr und weniger gut. Ich hatte in beiden Rotationen allerdings ziemliches Glück mit den beauftragten Lehrärzten. Von anderen Stationen habe ich aber auch Gegenteiliges gehört. Es ist also, wie in allen Häusern, von Abteilung zu Abteilung unterschiedlich.

Der Tag beginnt im Wesentlichen mit Stationsarbeit oder der Teilnahme an einer Sprechstunde. Für den Nachmittag ist dann meist ein Teaching anberaumt. Hierzu zählen unter anderem ein „Bedside-Teaching“, welches direkt und ausschließlich für Studenten angeboten wird sowie das so genannte FY1-Teaching, das für die Ärzte des „Foundation – Year 1“, erstes Arbeitsjahr der englischen Ärzte, und auch für Studenten abgehalten wird. Während meiner Zeit in Epsom hatte ich auch das Glück, an einem „Immediate Life Support Kurs“ teilnehmen zu können.

Während die „Teachings“ wirklich sehr hilfreich sind, ist die Arbeit auf Station nach einer gewissen Zeit eher ermüdend, da man als Student bei weitem nicht so viele Aufgaben hat, wie man es aus deutschen Kliniken gewohnt ist. Ab und zu fällt mal eine Blutentnahme, eine arterielle Blutgasanalyse oder eine Flexüle an, die an die Studenten weitergereicht wird. Grundsätzlich besteht das Stationsteam jedoch aus FY1- und FY2-Ärzten, die gerade erst frisch angefangen haben und meistens alle Hände voll mit der Visite zu tun haben. Bei dieser ist man zwar dabei, steht aber eigentlich nur daneben.

Deshalb ist hier Eigeninitiative gefragt! Je mehr Fragen man von sich aus stellt, desto mehr wird einem von den Ärzten erklärt und desto mehr Gelegenheiten hat man, Dinge wie z.B. das Interpretieren von Blutgasanalysen oder EKGs zu lernen. Ab und zu wird man von den Ärzten auch nach Inhalten gefragt. Meistens  geht es dabei darum, alle Ursachen eines bestimmten Symptoms zu kennen.

Von der Ausstattung her merkt man dem NHS (National Health Service) deutlich den Mangel an finanziellen Mitteln an. Auf den Stationen sind Achtbettzimmer mit Vorhängen an der Tagesordnung. Teilweise teilen sich 10 Patienten eine Toilette. Klimaanlagen gibt es nicht, dafür stehen überall Ventilatoren rum. Arztzimmer? Fehlanzeige! Das Team teilt sich gemeinsam mit den Pflegekräften wenige PCs, der Kurvenwagen steht in der Mitte der Station. An diesem halten sich Ärzte, Pfleger, Physiotherapeuten und „Cardiac Physiologists“ gleichzeitig auf. Nebenbei trällert im Hintergrund lautstark das Radio. So war es zumindest auf den Stationen, auf denen ich war.

Ich persönlich bin daher lieber in die Sprechstunde, Funktionsdiagnostik oder wahlweise auf die Rettungsstelle gegangen, wann immer ich die Gelegenheit dazu hatte. Dort erfährt man meistens eine 1:1 Betreuung durch den jeweiligen „Consultant“ (eine Art Oberarzt) oder die „Registrars“ (Ärzte in der Facharztausbildung). Vor allem bei der körperlichen Untersuchung wurde mir dabei genauestens auf die Finger geschaut, was ich sehr nützlich fand, denn oftmals merkt man es alleine gar nicht, wenn sich über die Jahre der eine oder andere Fehler dabei eingeschlichen hat.

Wie bereits erwähnt, ist man in England vor allem der Ausbildung halber im Krankenhaus. So kann man auch selbstständig zu den Interventionen gehen, wenn man sich diese anschauen möchte. Ich war bei Bronchoskopien, Schrittmacherimplantationen sowie in der kardiologischen Funktionsdiagnostik dabei. Generell galt in Epsom, dass man im Rahmen seiner Rotation alles machen konnte, von dem man selbst der Meinung war, dass es einen in der medizinischen Ausbildung weiterbringt.

Großbritannien – Land und Leute

Beeindruckende Architektur - die Suspension Bridge in Bristol
Beeindruckende Architektur – die Suspension Bridge in Bristol

Da ich bereits einige Male zum Urlaub in Großbritannien gewesen war, war ich schon im Vorhinein mit einigen Gepflogenheiten des Landes vertraut gewesen. Auf das englische Essen hatte ich mich demzufolge schon eingestellt. Meistens konnten wir es jedoch erfolgreich durch gemeinsames Kochen im Wohnheim umgehen und haben uns nur ab und an mal „Fish n‘ Chips“ oder „Mash and Pie“ gegönnt. Was mir allerdings jedes Mal wieder Schwierigkeiten bereitet, ist der Linksverkehr. Teilweise rasen die Autos in einem Tempo über die Straßen, dass man sich wirklich eine Minute mehr Zeit nehmen sollte, um die Straße zu überqueren.

Meine Wochenenden habe ich größtenteils damit verbracht, das Land zu bereisen. Dabei war ich in Westengland (Bristol und Bath), Wales, Cornwall und natürlich in London unterwegs. Glücklicherweise hatte ich zudem ein langes Wochenende erwischt, das so genannte „Bank Holiday Weekend“. Generell habe ich in Epsom aber nicht andauernd das Gefühl verspürt, nach freien Tagen zu fragen, da die Ärzte dort eine sehr positive Arbeitseinstellung hatten, was nach einer Weile natürlich auch auf die Studenten abfärbt. Ich habe eigentlich nie mitbekommen, dass sich dort jemand über seine Arbeit beklagt. Es waren von den Pflegern, über die Therapeuten bis hin zu den Ärzten alle froh, dass sie einen Job im Krankenhaus haben, da diese Branche in Großbritannien wohl eine der höchsten Arbeitssicherheiten bietet.

Mein Fazit

Die Küstenregion von Cornwall
Die Küstenregion von Cornwall

Insgesamt würde ich mein PJ-Tertial in Epsom als eine unglaubliche Bereicherung beschreiben, da ich zum einen eine etwas andere Art der medizinischen Ausbildung kennengelernt, zum anderen aber auch die Vorteile des deutschen Gesundheitssystems erkannt und schätzen gelernt habe.

Ich bin jedenfalls sehr motiviert wieder in den Flieger nach Berlin gestiegen und freue mich nun auf meine beiden nächsten PJ-Tertiale.

I., J.

Berlin, September 2014

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