Famulatur in Neuseeland – Gastroenterologie

17. Juli 2014

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Gastroenterologie, Land, Neuseeland

Neuseeland, Hastings, Hawke’s Bay Hospital Soldiers’ Memorial (15.03.-13.04.2014)

„Kia ora!“ – Eine Famulatur am anderen Ende der Welt. Im März/April 2014 absolvierten eine Kommilitonin und ich unsere Famulatur im Hawke‘s Bay Hospital Soldiers Memorial in Hastings, Neuseeland. Und nach dieser Famulatur kann ich sagen, dass ich mir sicher bin, dass ich eines Tages noch einmal nach Neuseeland zurückkehren werde, ob beruflich oder privat. Dieses Land versteht es zu begeistern!

Ein beschwerlicher Weg

Wellington - die Hauptstadt Neuseelands
Wellington – die Hauptstadt Neuseelands

Wir hatten uns einstimmig entschieden, aus der kalten Jahreszeit in Deutschland in den Sommer zu reisen. Unser Ziel Neuseeland. Die atemberaubenden Landschaften, die Kiwis, die Hobbits – das war das perfekte Reiseziel für unsere Famulatur im Ausland!

Wir begannen also, vielen Krankenhäusern in Neuseeland zu schreiben,  ob sie zwei Famulanten aufnehmen würden. Jedoch forderten sämtliche Krankenhäuser, sofern sie überhaupt ausländische Medizinstudenten aufnahmen, dass sich diese im letzten Studienjahr befinden oder immense Gebühren entrichten. Beim Hawke’s Bay Hospital in Hastings fanden wir aber schließlich unser Glück. Wir mussten einige Formalien inklusive einer Health Form ausfüllen, dann war es offiziell.

„Let’s have some Coffee!“

Das Hawke´s Bay Hospital in Hastings
Das Hawke´s Bay Hospital in Hastings

Diesen Spruch hörte ich während der Famulatur im Laufe jedes Tages mindestens dreimal.
Mit meiner betreuenden Assistenzärztin der Gastroenterologie ging ich jeden Vormittag auf die sogenannten „Ward Rounds“. Sowohl bekannte Patienten als auch Neuaufnahmen visitierten wir täglich und erkundigten uns nach deren Befinden sowie ihren Fortschritten, um anschließend ggf. neue Anordnungen in die Patientenakten einzutragen. Fast immer waren auch ein „Consultant“ und der „Chief of Department“ anwesend.

Beeindruckend fand ich die auffällig flachen Hierarchien. Man sprach sich gegenseitig mit Vornamen an und wusste auch über private Lebensinhalte des anderen Bescheid. Aber auch das Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten war sehr eng. Statt weißem Kittel tragen Ärzte in Neuseeland sehr gepflegte Alltagskleidung, reden die Patienten mit Vornamen an und stellen sich selbst mit Vornamen vor. Jedes Gespräch findet sowohl inhaltlich als auch physisch auf Augenhöhe statt – mancher Arzt kniet sich dafür neben das Patientenbett!

Für jeden einzelnen Patienten nahm sich das Ärzteteam so viel Zeit, wie dieser benötigte, auch wenn er einen Schwank aus seinem Leben berichtete. Vielleicht nahmen gerade deshalb nahezu alle Patienten die Therapievorschläge der Ärzte bereitwillig und begeistert auf. Überhaupt fiel mir auf, wie aufgeklärt und informiert alle Patienten waren. Jeder war zu jedem Zeitpunkt voll informiert über seine Erkrankung, Vorerkrankungen und Therapie!
Kurze Kaffeepausen zwischendurch sowie die Lunch-Pause nutzen die Ärzte der verschiedenen Disziplinen zum Austausch nicht nur privater Inhalte sondern auch zur Beratung über ausgewählte Patienten, um sich in aller Ruhe Meinungen von Kollegen einzuholen.

Ich empfand den Krankenhausalltag demnach als durchaus sehr konzentriert, jedoch nicht hektisch oder stressig. Sowohl auf das Wohlergehen der Patienten als auch der Ärzte wurde Acht gegeben. Womöglich ermöglichte gerade dies die freundliche und herzliche Atmosphäre während der Arbeit. Jeder einzelne Arzt, Pfleger, Physiotherapeut und jede Sekretärin war mir gegenüber sehr nett und entgegenkommend.

Die Lehre wird in Neuseeland groß geschrieben, sodass mir bei jeder Gelegenheit unterschiedlichste Krankheitsbilder erläutert wurden. Auch am wöchentlichen Teaching der Assistenzärzte durfte ich teilnehmen. Regelmäßig fragte mich meine betreuende Assistenzärztin, was ich mir noch gerne anschauen möchte, sodass ich im Laufe meiner Famulatur auch das Team der Neurologie und der Endokrinologie begleiten durfte, Vormittage in der „Outpatient Clinic“ verbrachte, Endoskopien sah und zusammen mit einer „Nurse“ der endokrinologischen Sprechstunde verschiedene „GPs“ (General Practitioner), sprich Allgemeinmediziner, in Hastings besuchte.

Der praktische Anteil während der Famulatur war leider recht gering, zumal im neuseeländischen System das Konzept von Famulaturen unbekannt ist. Da ich jedoch im Gespräch immer beteiligt war, vermisste ich nichts.

Leben und Wohnen in Neuseeland

Der malerisch gelegene Lake Pukaki auf der Südinsel Neuseelands
Der malerisch gelegene Lake Pukaki auf der Südinsel Neuseelands

Die neuseeländischen Ärzte sowie ihre zahlreichen aus dem United Kingdom eingewanderten Kollegen wussten um die Schönheit ihres Landes sehr gut Bescheid.  So erhielt ich regelmäßig zahlreiche Hinweise, was ich mir in Hawke’s Bay noch anschauen sollte. Diese Gelegenheit nutzte ich sehr gerne. Mit geliehenen Fahrrädern erkundeten meine Kommilitonin und ich zunächst Hastings, wo es bis auf die „Horse of the Year Show“ und den sonntäglichen „Farmers‘ Market“ nicht sonderlich viel zu sehen gab, und schließlich auch Hawke’s Bay.

Wir fuhren nach „Napier“, der Hauptstadt des Art Déco, und schwelgten im Charme der 20er und 30er Jahre, wanderten hinauf zum „Te Mata Peak“ bei Havelock North, verbrachten Zeit am Strand und wagten sogar einen Tagesausflug zum „Cape Kidnappers“. Da Hawke’s Bay die sonnenreichste Region Neuseelands ist, freuten wir uns täglich über Sonnenschein und sommerliche Temperaturen, während allmählich im Rest Neuseelands der Herbst begann.

Untergebracht waren wir im „Canning House“, direkt gegenüber vom Krankenhaus. Unsere drei bzw. später vier Mitbewohner waren allesamt Medizinstudenten aus dem United Kingdom, Neuseeland und Deutschland, die ebenfalls ihre Famulaturen bzw. „Electives“ im Hawke’s Bay Hospital absolvierten. Zusammen kochten wir an manchen Abenden, unternahmen gemeinsam Tagesausflüge und tauschten uns über unsere Erfahrungen aus.
Dank der aufgeschlossenen Art der Neuseeländer fanden wir auch in Hastings schnell Anschluss und wurden zu Barbecue und Strandausflügen eingeladen.

Reisen in Neuseeland

Der Lake Tekapo - ein Gletschersee auf der Südinsel Neuseelands
Der Lake Tekapo – ein Gletschersee auf der Südinsel Neuseelands

Es ist empfehlenswert, genügend Zeit vor oder nach der Famulatur einzuplanen und sie mit einer Rundreise durch das Land zu kombinieren. Die Vielfalt und Schönheit der Natur darf man sich nicht entgehen lassen! Ob mit gemietetem Auto oder per InterCity Bus, es gibt ausreichend viele Möglichkeiten zur Fortbewegung, um den Gletscher in „Franz Josef“ zu sehen, den berühmten „Nevis Bungy Jump“ in „Queenstown“ zu wagen, im wunderschönen „Lake Tekapo“ die Füße zu kühlen oder Delfine in „Kaikoura“ zu entdecken.

Da das Klima in Neuseeland sehr ähnlich dem deutschen ist, empfiehlt es sich, während der Wintermonate, also hier Sommer, den Aufenthalt zu planen und insbesondere wegen des Ozonlochs viel Sonnencreme mitzubringen!

Fazit

Blick auf den Mount Doom in Neuseeland
Blick auf den Mount Doom in Neuseeland

Zusammenfassend kann ich jedem, der eine Famulatur im englischsprachigen Ausland in Erwägung zieht, Neuseeland ans Herz legen! Es bietet insbesondere durch das einladende Wesen seiner Bewohner eine einzigartige Gelegenheit, Eindrücke von einem anderen Gesundheitssystem zu sammeln, das Medical English aufzubessern und viele tolle Menschen kennen zu lernen.

Auch wenn es nicht sehr leicht ist, einen Famulatur-Platz in Neuseeland zu ergattern, lohnt sich die Mühe, um ein neues Konzept von Arbeitsalltag zu erleben. Zusammen mit den Eindrücken des Landes erlebt man eine Zeit, an die man sich wohl seinen Lebtag wehmütig zurückerinnern wird.

Ich bin mir sicher,  dass ich eines Tages noch einmal nach Neuseeland zurückkehren werde, ob beruflich oder privat. Dieses Land versteht es zu begeistern!

 

Caroline P.

Berlin, Juni 2014

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2013-2014

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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