Medizinstudium in Bulgarien

9. April 2014

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Bulgarien, Varna, Medizinische Universität „Prof. Dr. Paraskev Stoyanov“

Medizinstudienplätze in Deutschland sind hart umkämpft. Das heißt für viele Abiturienten, die nicht die erforderliche Abiturnote erreichen, und deren Traumstudienfach nun mal ein Medizinstudium ist, sich zum Beispiel auf lange Wartezeiten einzustellen oder sich doch für ein anderes Studium zu entscheiden. Bevor ein solcher Traum platzt, könnte man aber auch die Chance ergreifen, und trotz einiger Hürden ein Medizinstudium im Ausland aufnehmen, so wie es die Autorin dieses Erfahrungsberichtes mit Erfolg getan hat. 

????? ??? zukünftige Kommilitonen!

Logo StudiMed
Logo StudiMed

Wie Ihr vermutlich schon mitbekommen habt, sind die Studienplätze für Medizin in Deutschland hart umkämpft. Hohe NC-Beschränkungen und lange Wartezeiten verwehrten auch mir die Zulassung zu meinem Wunschstudium. „Scrubs“ und „Greys Anatomy“ hatten hier natürlich wohlbemerkt keinen fundamentalen Einfluss auf meine Berufswahl ausgeübt.

Doch was blieb mir anderes übrig, außer auf einen der begehrten Plätze für ein Medizinstudium zu warten? Nach einem abgebrochenen Studium der Rechtswissenschaften, etlichen Praktika im Krankenhaus und einer angefangenen medizinischen Ausbildung wurde mir klar, dass es so wie bisher nicht mehr weitergehen konnte und durfte. Ich war nicht bereit, sechs Jahre auf einen Studienplatz für Medizin zu warten und entschied mich deshalb, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

Nach etlichen schlaflosen Nächten und einem Stapel voller Recherche stieß ich dann zufällig auf die Website von StudiMed.de (www.studimed.de/medizinernachwuchs.html ). In nur sechs Schritten zum Medizinstudienplatz? Dies klang für mich vorerst wie ein Märchen und die Vermittlungsgebühr ließ mich noch mehr an einem Happy End zweifeln. Ich hatte jedoch nichts zu verlieren und hatte nur noch ca. eine Woche bis zum Eignungstest Zeit. Also tat ich, was ich tun musste und rief voller Skepsis Herrn Loll von StudiMed.de an, welcher all meine Fragen geduldig beantwortete. Ich muss dazu sagen, dass ich ein hysterisches „Pack“ war und ihn die folgenden Tage nur mit Fragen über Fragen durchlöcherte.

Nachdem ich freundlich von den StudiMed.de Mitarbeitern beraten wurde und sofort alles Infomaterial zugesandt bekommen hatte, musste ich mich nun auch schnell entscheiden, da die Prüfung bevorstand. Ich war 22 Jahre alt, hatte keine Aussicht auf einen Medizin Studienplatz innerhalb der nächsten sechs Jahre und wollte unbedingt „Frau Doktor“ werden und wie sagt man so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Also unterzeichnete ich den Vertrag, fuhr zum Test nach Köln und wie es ausging, könnt Ihr Euch sicherlich ausmalen.

Erste Hürde – der Eingangstest

Da ich mich so kurzfristig für den Sprachtest beworben hatte, hatte ich umso mehr Angst, diesen nicht zu bestehen. Ich hatte nur vier Tage zu lernen und wie sollte ich das nur schaffen? Herr Loll sandte mir glücklicherweise Übungsmaterial zu und beruhigte mich. Der Test fand an einem Samstag in einem Hotel in Köln statt. Viele reisten schon am Abend davor an, sodass man noch Gelegenheit hatte, sich bei einem Abendessen sowohl gegenseitig kennenzulernen als auch vier der Professoren, die extra einreisten. Im Großen und Ganzen war es ein lustiger und angenehmer Abend, die Professoren waren sehr aufgeschlossen und nett und meine zukünftigen Kommilitonen mindestens genauso aufgeregt wie ich.

Nach einem gesunden Frühstück und einigen Einführungssätzen seitens StudiMed.de und der Professoren ging der Test dann auch los. Wider Erwarten war der Test relativ übersichtlich und unkompliziert. Er ging über einige Stunden, natürlich mit Pausen, und war in vier Abschnitte gegliedert. Davon waren drei schriftlich (Englisch, Biologie und Chemie) und einer mündlich. Die Aufgaben waren so gut wie alle textbezogen und die Englischkenntnisse, welche man wahrend des Abiturs erworben hatte, waren mehr als erforderlich.

Beim mündlichen Part hatte man 12 Karten mit verschiedenen Themen, die einem vorher schon bekannt waren und man musste eine davon vom Stapel ziehen, um in einigen wenigen Sätzen etwas zum Thema zu erklären. Anschließend wurde man noch gefragt, warum man Mediziner werden und warum man gerade an der Medizinischen Universität Varna studieren möchte. Mit etwas Vorbereitung konnte man problemlos die Prüfung bestehen. Auch wahrend der Prüfung waren die Professoren und StudiMed.de Mitarbeiter stets bemüht, einem die Angst und Nervosität zu nehmen. Sie kümmerten sich sehr nett um uns und die Professoren beantworteten sogar während des Tests freundlich und geduldig unsere Fragen. Das Lernen der verschiedenen Systeme (nur wofür sie dienen) und einiger Organbezeichnungen sowie zu wissen bzw. zu begründen, warum man den Beruf des Mediziners ausüben möchte, waren mehr als genug.

Uns wurde direkt im Anschluss an die Prüfung mitgeteilt, ob wir zukünftige Studenten der Universität Varna sind oder nicht. Glücklicherweise hatte jeder von uns bestanden! Im Anschluss gab es nochmal ein Essen und anschließend reisten die meisten auch schon ab.

Varna – ich komme!

Goldstrand von Varna
Goldstrand von Varna

Ich war so nervös, mein Abenteuer Auslandsstudium konnte endlich losgehen und mir fiel es immer noch schwer zu glauben, dass ich endlich Medizin studieren sollte. Ich konnte es einfach nicht realisieren und hatte so wenig Zeit, um so viel zu erledigen. Nachdem alle meine Unterlagen eingereicht und abgesegnet waren, erhielt ich ca. einen Monat später, die Zusage von der Medical University Prof. Dr. Paraskev Stoyanov in Bulgarien. Ich beschloss, einen Monat eher nach Varna zu reisen als geplant, damit ich genug Zeit hatte, um mich in meinem neuen Umfeld einzuleben und eventuell einige Brocken Bulgarisch bereits aufzuschnappen.

Bevor ich mit meinen Schilderungen fortfahre, möchte ich klarstellen, dass Bulgarien nicht Deutschland ist! Es ist eine völlig andere Kultur, mit anderen Sitten und Bräuchen. Der Verkehr und die Infrastruktur lassen zu Wünschen übrig, Armut ist Gang und Gebe und die Mülltrennung wird von Katzen und Hunden durchgeführt. Bekannter Weise gibt es aber auch noch die Kehrseite einer Medaille.

Ich reiste noch während der Sommerzeit nach Bulgarien und konnte somit einen richtig schönen Urlaub am bekannten „Goldstrand“ in Varna genießen. Sommer, Sonne, Strand, lange schlaflose Partynächte und Shoppingmarathon, die man sich bei den günstigen Preisen leisten konnte. Nachdem ich sofort meine neue Wohnung beziehen durfte, die ich mit Hilfe von StudiMed.de fand, ging ich auch sofort runter zum Meer, das sich durch seinen feinsandigen Strand und dem wunderschönen, angrenzenden Meeresgarten auszeichnet. Hier gehören Parasailing, JetSki und Banana Boot fahren zum täglichen Programm. Der Besuch des Delfinariums, die atemberaubende Kathedrale, der Besuch der römischen Therme und verschiedener Museen, machten mir das Einleben leichter. Zu Beginn hatte ich noch gedacht, dass ich in einem kleineren Ort landen würde, stellte jedoch zum Glück sehr schnell fest, dass Varna praktisch nie schläft. Man mag es kaum glauben, aber man kann praktisch 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr einkaufen. Es gibt hier sogar einige bekannte Geschäfte und Einkaufsmöglichkeiten wie Kaufland, Lidl, dm etc.

Leben und wohnen in Varna

Theater in Varna
Theater in Varna

Varna hat viel zu bieten, vor allem wenn es dunkel wird. Man hat unzählige Clubs und Bars sowohl entlang des Strandes mit offenen Locations und Blick zum Meer als auch geschlossene Locations im Winter. Es ist unglaublich, wie viele neue Leute man innerhalb so kurzer Zeit kennenlernt und wieviel Spaß man gemeinsam haben kann. Viele Clubs haben mehrere „Floors“, sodass für jeden Musikgeschmack etwas dabei ist. In Varna wird es einem so gut wie nie langweilig und dies hilft einem ungemein, über das Heimweh hinwegzukommen. Man erlebt so viele neue und positive Eindrücke, dass man kaum Zeit hat, sich mit anderen Dingen zu befassen.

Die Lebensunterhaltungskosten sind verglichen mit anderen Ländern und Städten sehr, sehr gering. Ein EURO ist hier umgerechnet ungefähr zwei „Leva“, anders formuliert, fast alles kostet ungefähr die Hälfte von dem in Deutschland. 300-400 EURO zum Leben im Monat reichen völlig aus.

Die Wohnungen sind günstiger, wenn man eine WG gründet, jedoch zahlt man selten mehr als EUR 300.-, wohlbemerkt komplett und modern eingerichtet. Man muss nicht extra noch Möbel kaufen, da die Wohnungen meist alles bzw. so gut wie alles haben, was ein Haushalt braucht.

Die bulgarische Küche unterscheidet sich natürlich von der deutschen, jedoch empfand ich sie nicht als „gewöhnungsbedürftig“. Wem das Essen dennoch nicht schmeckt, hat etliche Möglichkeiten auswärts zu essen wie z.B. bei McDonalds, Subway, KFC oder im berühmten Happy’s, einer Fast Food Kette hier vor Ort. Und wenn dies alles auch nicht gut genug ist, kann man in seiner schönen eigenen Küche mit frischen Zutaten, welche man aus dem sogenannten „Basar“ erwerben kann, selbst kochen.

Die meisten Studenten benutzen hier ein Taxi um von A nach B zu gelangen, da man für umgerechnet 5-7 EURO durch die ganze Stadt fahren kann. Kurze Strecken kosten demnach umgerechnet um die 1-3 EURO. Jedoch ist hierbei Vorsicht geboten, da viele Taxifahrer einen versuchen, übers Ohr zu hauen. Man lernt jedoch mit der Zeit, gut damit umzugehen als auch bei welchem Anbieter man mitfahren sollte und bei welchem nicht. Wer Feilschen kann, ist klar im Vorteil.

Erste Eindrücke vom Medizinstudium an der Medizinischen Universität in Varna

Die Medizinische Universität von Varna
Die Medizinische Universität von Varna

Die Einführungswoche an der Medizinischen Universität „Prof. Dr. Paraskev Stoyanov“ begann relativ unspektakulär mit vielen Willkommensveranstaltungen und langen Reden. Man lernte viele der Studenten aus verschiedenen Nationen kennen und erhielt alle notwendigen Informationen, die man zum Leben in Varna braucht. StudiMed.de Mitarbeiter vor Ort halfen bei den Behördengängen und kümmerten sich ebenfalls um andere Belange.

Nachdem man in Gruppen eingeteilt worden war und seinen Stundenplan erhalten hatte, ging es auch schon los. Das Gefühl, endlich Medizinstudent sein zu dürfen, war unbeschreiblich und der Moment, als man das erste Mal im weißen Kittel vor einer Leiche stand, noch unbeschreiblicher.

Was ich persönlich sehr vorteilhaft finde, ist, dass man wirklich in kleinen Gruppen bis zu 12 Personen unterrichtet wird, man somit nicht den Anschluss verliert und die Gruppe zu einer Art Ersatzfamilie wird. Die Vorlesungen und der Semesterplan sind gut strukturiert und meist verständlich. Man darf nicht allzu hohe Erwartungen an die Englischkenntnisse mancher Dozenten haben, aber keine Sorge, man kann ihnen dennoch gut folgen und die Professoren sind stets bemüht, alle Fragen zu beantworten. Zum größten Teil hat man sogar die privaten Kontaktdaten der Dozenten, sofern Fragen anstehen oder man Hilfe benötigt. Außerdem sehen die Professoren hier einen nicht nur als reinen „Schüler“ an, sondern sie begrüßen Dich hier mit den Worten: „Hallo Kollege“. Viele theoretische Informationen werden mit Hilfe von praktischen Übungen unterstützt und belegt, sodass man leichter versteht, was einem zuvor erklärt wurde.

Die Medizinische Universität und der Campus sind übersichtlich und sauber. Man hat eine kleine Mensa, in der man seine Freistunden verbringen kann und einige extracurriculare Angebote, die man in Anspruch nehmen kann. Außerdem hat man überall in der Universität W-LAN Zugang und Orte des Rückzugs, wenn man einfach nur in Ruhe lernen will.

Mein bisheriges Resümee

Auch die Freizeit kommt nicht zu kurz
Auch die Freizeit kommt nicht zu kurz

Wer sich zu diesem großen Schritt entscheidet, in Bulgarien Medizin zu studieren, sollte sich bewusst sein, dass, egal wie schön es in Varna auch ist, man viel dafür tun muss, um sein Ziel zu erreichen. Dazu gehört, dass man sein gewohntes Umfeld und seine Liebsten zurück lässt, eine völlig neue Sprache und Kultur kennenlernen und viel Zeit in das Studium investieren muss.

Ich kann aber rückblickend nur sagen, dass es wirklich die beste Entscheidung meines Lebens war, nach Varna zu kommen! Ich war am Anfang sehr ängstlich als auch skeptisch und hätte niemals gedacht, dass sich mein Leben innerhalb so kurzer Zeit, so verändert. Alles ist zwar auch nicht perfekt, aber die überwiegende Anzahl der positiven Dinge macht es einem leicht, über die kleinen unschönen Punkte hinwegzusehen, zumal der Gedanke, am Ende der Reise endlich Ärztin zu werden, bei mir alles andere in den Schatten stellt.

Ich kann jedem nur empfehlen, so eine Erfahrung zu machen, da man echt nur positives erfahren kann. Es prägt einen ungemein und das Wichtigste ist: Man kommt seinem Ziel näher!

 

K., Funda

Varna/Köln, April 2014

Infos zur Aufnahme eines Medizinstudiums an der Medizinischen Universität in Varna/Bulgarien sowie an den Universitäten in Iasi/Rumänien, Bratislava/Slowakei, Kaunas/Litauen, Vilnius/Litauen als auch in Split/Kroatien finden Abiturienten und am Studienfach Medizin Interessierte unter: www.studimed.de/medizinernachwuchs.html

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