Famulatur in Nepal – Notfallmedizin

23. April 2014

in Chancen im Ausland, Famulatur im Ausland, Nepal

Nepal, Kathmandu, Tribhuvan University Teaching Hospital (01.03.-31.03.2013)

Famulatur in Nepal, das hieß, eintauchen in eine komplett andere Kultur und Religion, einen Einblick in die verschiedensten Krankheitsbilder in der Notaufnahme zu bekommen und gleichzeitig zu erleben, wie man mit weniger technischen und finanziellen Möglichkeiten Notfälle behandeln kann. Man lernt, mit weniger Materialien zu arbeiten und auch, unser Gesundheitssystem hierzulande wertzuschätzen.

Meine Motivation

Schon immer hatte ich Interesse, einmal in einem Krankenhaus in einem nicht westlichen Land zu arbeiten. Dabei interessierte mich insbesondere die Arbeit in einer Notaufnahme, weil man dort einen großen Einblick in die verschiedensten Krankheitsbilder bekommt. Ich wollte sehen, wie man mit weniger technischen und finanziellen Möglichkeiten Notfälle behandeln kann, um selbst zu lernen, wie man in Ausnahmesituationen auch ohne großes Equipment helfen könnte. Außerdem hatte mich interessiert, wie eine komplett andere Kultur und Religion die Arbeit in einem Krankenhaus beeinflusst. Deshalb hatte ich mich über die BVMD (Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland) für eine Famulatur in Nepal beworben.

Bewerbung

Bei der BVMD musste man sich ab Mitte Juni bis Anfang Juli für Famulatur- oder Forschungsplätze im Ausland bewerben. Also hatte ich mich ein gutes Semester vor Antritt meiner Famulatur im März 2013 mit all meinen Bewerbungsunterlagen beworben. Das Ausfüllen und Besorgen aller Unterlagen nimmt einige Zeit in Anspruch, sodass man mindestens 4-6 Wochen vor Bewerbungsende mit den Besorgungen beginnen sollte. So brauchte man z.B. einen Englisch-Test, für den man bei der Universität erst einen Termin machen musste. Hat man alle Unterlagen zusammen, die genaue Angabe aller Unterlagen findet Ihr auf der Homepage der BVMD, wartet man auf die Rückmeldung. Diese erreichte mich Ende November 2012, jedoch erhielt ich erst relativ spät, und zwar im Januar 2013, eine definitive Zusage für den Platz. So konnte ich leider erst ca. sechs Wochen vor Abflug wirklich mit den Vorbereitungen beginnen.

Darüber hinaus habe ich vor Ort in Nepal deutsche Medizinstudenten getroffen, die sich privat direkt an das Tribhuvan University Teaching Hospital in Kathmandu gewandt und einen Famulatur-Platz bekommen hatten. Sie mussten jedoch eine Gebühr von ca. 400€ pro Monat an das Krankenhaus zahlen. Für die Bewerbung reichte es, ein Anschreiben, einen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben und einen sog. „Dean´s letter“ direkt an den Leiter des Krankenhauses per Email zu schicken.

Wichtige Schritte bei der Vorbereitung

Nepalesisches Essen
Nepalesisches Essen

Sobald man eine Zusage hat, sollte man zügig einen Flug buchen. Dabei habe ich festgestellt, dass die Fluggesellschaften Etihad Airways und Qatar Airways mit die günstigsten Angebote hatten und einen sehr guten Service leisteten. Für meinen sechs Wochen im Voraus gebuchten Flug habe ich ca. 850€ bezahlt.

In der Regel ist es sehr wichtig ein solides Englisch zu sprechen, da sonst der Lernerfolg sehr eingeschränkt ist. Ich kann also empfehlen, ruhig noch einen Englischkurs für Mediziner zu absolvieren, sofern Eure Universität dies anbietet, oder zumindest ein Wörterbuch für „Medical English“ mitzunehmen.

  • Literaturempfehlung

An Literatur habe ich mich voll und ganz auf den „Lonely Planet“ verlassen, wie wohl die meisten Nepalreisenden. Dies hatte leider auch den Nachteil, dass es sogenannte Insidertipps quasi nicht gab. Doch meiner Meinung nach gibt dieser Reiseführer einen guten Einblick und auch etwas Lesestoff über Land und Leute.

  • Visum

Um nach Nepal einzureisen, ist ein Visum erforderlich. Dieses kann man sowohl im Vorhinein in Deutschland bei der Nepalesischen Botschaft oder direkt bei der Einreise am Flughafen in Kathmandu, was wohl die meisten Touristen tun, beantragen. Man sollte entweder ein einfaches Touristenvisum oder ein Studentenvisum beantragen. Da man jedoch auf dem Flughafen in Nepal nur Formulare für Touristen bekommt, habe auch ich letztlich nur ein Touristenvisum beantragt. Nun muss man am Flughafen entscheiden, für wie lange man ein Visum erhalten möchte. Das Standardvisum ist nur für 30 Tage (Kosten ca. 40 US$) gültig und damit wohl in der Regel für eine Famulatur zu kurz. Am Flughafen kann jedoch nur dieses oder ein 90 Tage Visum (Kosten ca. 80€) ausgestellt werden.

Aus diesem Grund hatte ich mich entschieden, nur das 30 Tage Visum zu nehmen und dann in Kathmandu noch einmal zur offiziellen Visa-Behörde zu gehen, um mir eine Verlängerung zu holen. Das geht relativ unkompliziert innerhalb von vier Stunden. Man kann eine Verlängerung von 14 Tagen bekommen (Kosten 30 US$) und darüber hinaus eine tageweise Verlängerung (Kosten pro Tag 2 US$). Deshalb lohnt sich der Gang in die Behörde durchaus, wenn man weniger als zwei Monate in Nepal ist.

(Anm.d.Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

  • Impfungen und geforderte ärztliche Untersuchungen

Der Gang zum Tropeninstitut ist durchaus empfehlenswert, um Deine Impfungen auf den neusten Stand zu bringen und auch „exotische“ Impfungen abzudecken. Außerdem ist eine gute Reiseapotheke sehr wichtig. Ich selbst bin nur mit sehr wenigen Medikamenten aufgebrochen, da ich bis jetzt nie Probleme in Entwicklungsländern hatte. Doch in Nepal habe ich die Erfahrung gemacht, dass doch noch mehr Vorsicht geboten ist, wie z.B. Obst sehr gut abwaschen, beim Zähneputzen gekauftes Wasser benutzen, und sich an das Essen „heranzutasten“. Wirklich jeder westliche Tourist, den ich getroffen habe, ist einmal während seiner Reise krank geworden. Deshalb nehmt ruhig genügend Schmerzmittel und Elektrolytpulver, aber auch Loperamid, Buscopan und Vomax A, z.B. für Busreisen, mit. Ihr könnt dies allerdings auch alles vor Ort  günstig kaufen. Außerdem sind Sonnencreme, Mückenspray, Pflaster und Toilettenpapier, dies alles kann man dort vor Ort auch kaufen, für den Anfang ebenfalls nützlich. Desweiteren ist es sinnvoll, einen Mundschutz mitzubringen, da die Luftverschmutzung in Kathmandu enorm ist! Handschuhe für die Arbeit im Krankenhaus braucht man dagegen nicht, da diese genügend vorhanden sind.

Im Falle einer ernsthaften Erkrankung und dem Wunsch einen Arzt zu sehen, kann ich die Internationale Klinik in Kathmandu empfehlen. Die Ärzte sprechen alle sehr gutes Englisch und das Krankenhaus entspricht westlichen Standards. Die Behandlungskosten muss man natürlich erstmal aus eigener Tasche bezahlen. Hat man jedoch eine gute Auslandsreisekrankenversicherung, sollte einem dies alles erstattet werden. Ich bin mit einer privaten Auslandsreisekrankenversicherung aufgebrochen. Man sollte sich im Vorfeld noch mal bei seiner Versicherung erkundigen, inwiefern Kosten, die im Ausland entstehen, erstattet werden, weil sonst die Behandlung in einer Internationalen Klinik schnell teuer werden kann.

Mitzunehmen – einige Tipps

Aufgrund von Wettervorhersagen im Internet hatte ich für den Monat März vor allem lange Klamotten mitgenommen. Jedoch war es schon sehr warm (25-30°C) und wurde nur nachts recht frisch. Deshalb war ich doch dankbar dafür, dass ich einen dicken Schlafsack mitgeschleppt hatte, ich vermisste jedoch meine kurzen Sachen.

Wenn man eine Trekkingtour plant, ist es durchaus empfehlenswert, auch wärmere Kleidung mitzunehmen, weil es in den Bergen schnell kalt wird. Sämtliche Spezialausrüstung kann man immer noch direkt in Pokhara und Kathmandu kaufen. Die Qualität ist je nach Laden und Preis sehr verschieden, aber man kann wirklich gute Qualität finden oder aber auch sehr gute Schnäppchen machen. Eure Wanderschuhe solltet Ihr jedoch auf jeden Fall schon mitbringen! Außerdem ist eine Taschenlampe überlebenswichtig, so z.B. wenn man doch mal abends draußen ist oder es Stromausfälle gibt, und ein, zwei Bücher können auch nicht schaden, da, wenn es abends gegen 19:00 Uhr dunkel wird, das soziale Miteinander ein jähes Ende findet.

Wichtig zu erwähnen, finde ich zudem, dass sich der Staub der Straßen in Euren Klamotten festsetzt und man sich leicht seine weißen T-Shirts „versauen“ kann, weil die rötlichen Ränder nicht mehr rausgehen. Man kann übrigens seine Wäsche relativ günstig in einer Wäscherei waschen lassen – und dies innerhalb von 24h für 50Rs/kg.

Für seine Arbeit am Krankenhaus braucht man einen weißen Kittel, Scrubs und ein Stethoskop. Scrubs sind nicht unbedingt notwendig, weil keiner der Ärzte sie trägt, aber man fühlt sich sicherlich besser, wenn man nach einem Tag im Krankenhaus aus seinen Sachen raus kann. Handschuhe braucht man keine mitzubringen, wohingegen man Händedesinfektion auch für das alltägliche Leben auf der Straße einplanen sollte.

Meine Arbeit im Krankenhaus

Tribhuvan University Teaching Hospital - Kathmandu
Tribhuvan University Teaching Hospital – Kathmandu

Das Tribhuvan University Teaching Hospital in Kathmandu ist ein öffentliches Krankenhaus mit ca. 450 Betten. In diesem Lehrkrankenhaus wird komplett in englischer Sprache ausgebildet und praktiziert, d.h. Ärzte, Schwestern und Medizinstudenten sprechen Englisch. Die Patienten sprechen jedoch nur selten Englisch. Aufgrund meiner Erfahrung kann ich das Teaching Hospital in Kathmandu empfehlen, weil es das größte Krankenhaus Nepals ist, von der Regierung finanziell unterstützt wird, d. h., die Ärmsten der Armen kommen aus dem ganzen Land angereist und es gibt sehr spannende Fälle, und das Krankenhauspersonal Englisch spricht. Jedoch möchte ich auch anmerken, dass man nach vier Wochen Kathmandu gewiss genug von dieser großen, lauten sowie vor allem dreckigen Stadt hat und vielleicht deswegen auch an die weitaus angenehmere Alternative Pokhara denken sollte.

Außerdem sollte man sich auf eine große Umstellung in der medizinischen Versorgung einstellen. An meinem ersten Tag in der Notaufnahme war ich überwältigt: es war laut, voll und es hat schrecklich gestunken. Alles war ganz anders und die Eindrücke prasselten auf mich ein. Dennoch fiel mir der Anfang recht leicht, da mir eine andere deutsche Medizinstudentin alles erklären konnte, während ich nicht verloren herum stand. Zugleich hatte ich jedoch auch sofort den Eindruck, dass sich die Ärzte darauf ausruhten, dass sich eine andere Studentin um mich kümmerte und somit niemand Verantwortung für mich übernahm. Auch für den Rest der Famulatur hatte ich stets das Gefühl, ein Außenstehender zu sein, den alle freundlich behandelten, aber nicht integrierten.

Allgemein handelt es sich am Tribhuvan University Teaching Hospital in Kathmandu um eine sehr neue Notaufnahme. Im Gegensatz zum Rest des Krankenhauses ist das Gebäude (noch) sauber und ordentlich. Die technischen Möglichkeiten sind sehr begrenzt und jede Behandlung muss gut abgewogen werden, da sich die Patienten nicht viel leisten können. Ein einzelnes Leben scheint hier nicht viel wert zu sein, da sich die Ärzte längst daran gewöhnt haben, den schlimmen Fällen nicht helfen zu können und täglich sterben Patienten in der Notaufnahme. Es ist teilweise sehr frustrierend, mit was für einer Gelassenheit und Ruhe die Ärzte behandeln und dass manchmal unnötige Wartezeiten entstehen, weil die Chirurgen einfach nicht zum Konsil kommen.

Alle Patienten müssen im Vorhinein die Medikamente in der Apotheke kaufen, sonst werden sie nicht behandelt. Teilweise teilten sich bis zu drei Personen ein Krankenbett und die hygienischen Umstände waren katastrophal. Jedem sei selbst dazu geraten, auf nötige Schutzmaßnahmen zu achten, da es von dem nepalesischen Personal nicht getan wird. So ist es keine Seltenheit, dass Patienten mit Tuberkulose sich Betten mit anderen Patienten teilen und nicht immer einen Mundschutz tragen. Eine Händedesinfektion erfolgt nie, stattdessen werden die Patienten mit Antibiotika vollgepumpt.

Am Ende meiner Famulatur kam ein australischer Arzt an, da die Notaufnahme ein Austauschprogramm mit einem australischen Krankenhaus hat. Dieser Arzt sollte die nepalesischen Ärzte unterrichten und man merkte, wie die einheimischen Ärzte neben dem neuen Arzt sehr verloren wirkten. In Notfallsituationen waren sie teilweise ratlos und hatten keine Organisation in ihrer Arbeit. Außerdem korrigierte der australische Doktor die Behandlungsansätze und klärte sie über grundlegende Hygienemaßnahmen auf. Ich war doch etwas schockiert, wie viele Sachen den nepalesischen Ärzten nicht klar waren und wie viele „Fehler“ sie machten.

Mein Tagesablauf in der Klinik

EKG-Gerät im Hospital
EKG-Gerät im Hospital

Der Tagesablauf war einfach und ließ Platz für Freiheiten… Vor 9:00 Uhr passierte nichts in der Frühschicht und selbst dann musste man manchmal noch eine halbe Stunde warten, bis die Visite in der Notaufnahme losging. Dabei war die Station in drei Teile (grün, gelb, rot) aufgeteilt, je nach Dringlichkeit und Schwere der Erkrankung des Patienten. So konnte man jeden Morgen entscheiden, welcher Abteilung man sich anschloss. Ich entschied mich überwiegend für den roten Bereich, da dort meiner Meinung nach die erfahrensten Ärzte mit dem „besten“ Englisch behandelten und auch die Patientenfälle sehr interessant als auch abwechslungsreich waren, jedoch mitunter oft hoffnungslos. Im Nachhinein denke ich, dass man auch mal in den grünen Bereich gehen sollte, wenn man an Dingen wie zum Beispiel Nähen interessiert ist.

Die Visite bestand aus ca. drei Ärzten, 2-3 Medizinstudenten sowie ein oder zwei Schwestern und dauerte ca. eine Stunde. Jeder Patient wurde vorgestellt und das weitere Vorgehen diskutiert. Je nachdem, welcher Arzt Dienst hatte, wurde mehr oder weniger erklärt und es fand „Bedside-Teaching“ statt. Nachdem die Visite vorbei war, machten sich die Schwestern an die Arbeit, denn sie sind für sehr viele Behandlungen verantwortlich. Sie verabreichen alle Medikamente, schreiben EKGs und nehmen Blut ab. Die wirklich pflegerischen Aufgaben werden den Angehörigen übertragen. Man kann sich also vorstellen, dass die Notaufnahme nicht nur wegen der Vielzahl der Patienten oft überfüllt war, sondern gerade deshalb, weil zu jedem Patienten noch mindestens zwei oder drei Angehörige gehörten, die ständig um einen herumstanden.

Die Ärzte dagegen waren viel mit dem Aufnehmen neuer Patienten und dem Dokumentieren der Krankengeschichte beschäftigt und hatten leider selten Zeit, detaillierte Erklärungen zu geben. Man muss ferner sagen, dass das Englisch einiger Ärzte nicht ausreichte, um mir medizinische Sachverhalte flüssig zu erklären. Darum war man oft nach der Visite auf sich allein gestellt, konnte versuchen, Akten zu lesen oder einen Arzt zu erhaschen, der bereit war, Röntgenbilder und Krankheitsbilder zu erklären. Ab und zu durfte man selber Hand anlegen und den Blutdruck eines Patienten messen. Die Anamnese eines Patienten zu machen, war natürlich aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse unmöglich. Wenn man Glück hatte, konnte man beim Drainage oder Katheter legen assistieren oder sogar eine Herzdruckmassage machen. Doch leider war man viel zu oft sich selbst überlassen, weil die Ärzte teilweise unterbesetzt und schwer beschäftigt waren. Normalerweise wurde regelmäßig gegen Mittag ein Vortrag von den jungen Assistenzärzten gehalten. In der Zeit, in der ich da war, geschah dies jedoch nicht regelmäßig.

Die Arbeitswoche beginnt am Sonntag und endet freitags, d. h. nur der Samstag ist für Medizinstudenten frei. Die Nepalesen haben jedoch sehr viele Feiertage, im März waren es 5-6 Tage, an denen die Studenten offiziell auch nicht kommen mussten. Dennoch liegt es im Ermessen der verantwortlichen Ärzte und sollte mit ihnen abgesprochen werden, ob man an diesen Tagen anwesend sein muss. Hierbei habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie sehr kulant sind und auch bei akuten Erkrankungen vollstes Verständnis haben. Außerdem gewährt einem das Büro für internationale Beziehungen während der 4-wöchigen Famulatur 3-4 Tage Urlaub, sodass Wochenendausflüge über mehrere Tage möglich sind.

Normalerweise begann die Frühschicht mit der Visite gegen 9:00 Uhr. Zwischen 12:00 und 13:00 Uhr gingen die meisten Ärzte Mittag essen, danach lag es im eigenen Ermessen, wie lange man noch im Krankenhaus bleiben wollte. Einige Studenten gingen zusammen mit den nepalesischen Medizinstudenten nach der Mittagspause, aber man konnte auch noch bis 16:00-17:00 Uhr und damit bis zum Ende der Schicht bleiben.

Unterkunft und Finanzielles

Straßenszene in Kathmandu
Straßenszene in Kathmandu

Ich habe in Kathmandu in einer Gastfamilie gelebt, die mir von der bvmd vermittelt wurde. Diese Familie nimmt seit Jahren regelmäßig ausländische Medizinstudenten auf und ist gut vorbereitet. Zusammen mit der anderen deutschen Medizinstudentin habe ich mir ein Zimmer geteilt. Am Ende meines Aufenthalts reisten zwei neue Studenten an, die aber in einem anderen Zimmer wohnten. Die Familie war nett, freundlich und stets hilfsbereit.

Das Haus war überraschend groß und einfach, aber durchaus ausreichend ausgestattet. So gab es 24h heißes Wasser, eine Seltenheit in Kathmandu, und Wifi. Morgens und abends wurde eine gute Mahlzeit gereicht, bei der stets darauf geachtet wurde, dass die westlichen Gäste es auch vertragen und trotzdem bekam man einen tollen Einblick in die nepalesische Kochkunst. Der Aufenthalt in einer Gastfamilie ist empfehlenswert, aber privat vielleicht schwer zu organisieren. Als Alternative kann man auch im Touristenviertel in einem Hostel für ca. 2-3 € pro Nacht übernachten.

Der größte Kostenpunkt bei einer Famulatur in Nepal ist wahrscheinlich der Flug nach Kathmandu, der sich auf 700 bis 900 € beläuft, wobei man sich hier für Fahrtkostenzuschüsse bei der bvmd oder für Auslandsstipendien bei Medizinernachwuchs.de (http://I.hh.de/Auslandsstipendien) bewerben kann.

Das normale Leben in Nepal ist um einiges günstiger. In Kathmandu kann man gut und günstig essen. Eine Mahlzeit kostet ca. 2-3€, Getränke 0,5-1€. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, in internationale Restaurants zu gehen, die dann immer noch günstig, aber teurer sind. So kostet eine gute Pizza z.B. 4-5€. Dabei gilt wie immer, in Touristenvierteln ist es teurer. Da man zwei gute Mahlzeiten am Tag von der Gastfamilie bekommt, lässt es sich sehr günstig leben. Öffentliche Verkehrsmittel kosten zwischen 10-30 Cent für Strecken in Kathmandu, Taxis zwischen 2-3€.

Zusätzlich kommen Kosten für das Weggehen mit Freunden und unendliches Souvenirshoppen, das sehr variabel ist, dazu. Was wirklich teuer ist, sind organisierte Touristenausflüge. So kostet ein 3-Tages-Trip in den „Chitwan Nationalpark“, all inclusive, ca. 80€, Bungy-Jumping 75€, Paragliding 70€ und ein Guide bzw. Porter für Wanderungen im Himalaya 12€/Tag.

Leben in Nepal

BuddhistsicheTempel in Nepal
BuddhistsicheTempel in Nepal

Nepal war für mich ein sehr faszinierendes Land. Das chaotische und laute Straßenleben, die Farbenpracht, egal, wohin man geht, die verschiedenen asiatischen Einflüsse in Kultur und Menschen machten meinen Aufenthalt sehr interessant. In Kathmandu und dem umliegenden Valley gibt es eine Menge Tempel und Plätze zu besuchen, die wirklich sehenswert sind – so z.B. „Patan“, „Bhaktapur“, „Bodnath“, „Budhanilkantha“, „Swayambhunath“, „Pashupatinath“, um nur einige zu nennen. Hierbei kann man einiges in der Stadt selbst erlaufen, Taxis nehmen (zwischen 200-300Rs je nach Strecke) oder sich durch das Chaos der öffentliche Busse wuseln (10-30Rs pro Fahrt). Man kann zudem relativ günstig (10Rs mit Krankenhausausweis) alle 3-4 Minuten vom Krankenhaus mit einem Minibus zum Touristenviertel „Thamel“ fahren.

Die umliegenden Sehenswürdigkeiten im „Kathmandu Valley“ sind gut mit den öffentlichen Bussen zu erreichen, auch wenn diese oft überfüllt und uralt sind, sodass das Vertrauen in sie eher begrenzt ist. Mit diesen kann man auch kleine Wanderausflüge machen, etwa nach „Nagarkot“, dem „Shivapuri Nagarjun National Park“ und so bei gutem Wetter den Himalaya bestaunen. Dieser Mix aus Kultur und Natur hat für mich den persönlichen Reiz Nepals ausgemacht. Außerdem bin ich manchmal übers Wochenende aus Kathmandu heraus gefahren und habe längere Strecken zurückgelegt – z.B. in den „Chitwan Nationalpark“, sechs Stunden von Kathmandu entfernt und verbunden mit einem 3-Tages Trip, oder nach Pokhara, das sieben Stunden von Kathmandu entfernt liegt. Für diese längeren Strecken empfiehlt es sich wirklich, die Touristenbusse zu nehmen.

Bei etlichen Touristenbüros kann man problemlos und zu „fixed prices“ einzelne Tickets, also ohne Zwang zu einem teuren all inclusive Paket, kaufen und dies für einen Preis von ca. 500-600Rs pro Fahrt. Den Luxus eines eigenen Platzes, der einem im Touristenbus garantiert ist, sollte man sich bei diesen schlaglochreichen Straßen wirklich leisten. Die Touristenbusse fahren jeden Tag morgens um 7:00 Uhr in Kathmandu los und gelten als sicher.

Nach meiner Famulatur hatte ich noch eine Woche Zeit, um nach Pokhara zu reisen – ein Muss, wie ich finde. Diese Stadt ist wesentlich ruhiger und angenehmer als Kathmandu und die umgebende Landschaft ist einfach großartig. Ich hatte mich für einen 4-Tages-Trek („Ghorepani“ nach „Ghandruk Loop“) entschieden und war unglaublich begeistert. Ich bin alleine mit einem „Guide“ gewandert und habe unterwegs sehr viele Leute getroffen. Einen „Guide“ braucht man nicht unbedingt, sollte man aber einen wollen, empfehle ich, bei der Auswahl auf gute Englischkenntnisse zu achten. Dann war ich in Pokhara zum Paragliding und habe noch etwas vor Ort entspannt.

Nepal bietet viele verschiedene Religionen, sehr interessante Traditionen und eine verwirrende politische Lage. Man sollte stets das Gespräch mit Einheimischen oder Touristenführern suchen, die ein bisschen Licht ins Dunkel bringen können. Dabei habe ich sehr von meiner Gastfamilie profitiert, die stets bereit war, vieles zu erzählen und zu erklären, sodass ich auch einen echten Einblick in die Traditionen und das Leben in Nepal bekam.

Sicherheitsaspekte vor Ort

Die allgemeine Sicherheit in Nepal soll sich in den letzten Jahren stabilisiert haben und die Einheimischen sprechen von sicheren Bedingungen. Während meines gesamten Aufenthalts hatte ich nie Angst oder das Gefühl, mich in einer gefährlichen Umgebung zu befinden. Jedoch gab es politische „Unruhen“, da die politische Zukunft Nepals nicht klar ist. Es wurde viel protestiert und gestreikt, wobei es sich um Generalstreiks handelte, die wirklich das gesamte öffentliche Leben inkl. Verkehr betrafen. Dabei wurde mir auch nahe gelegt, mich von den Protestanten fernzuhalten, da die Proteste auch mal gewaltsam werden könnten.

Des Weiteren sollte man  generell bei großen Menschenansammlungen vorsichtig sein, wie z.B. bei hinduistischen Feierlichkeiten – insbesondere beim „Holi-Festival“ in Kahtmandu. Wenn es dunkel wird, leeren sich die Straßen Kathmandus sehr schnell und man sollte nicht mal mehr mit dem Taxi unterwegs sein. Das gilt auch für die Einheimischen! Es gibt wohl Jugendbanden, die regelmäßig umherziehen und Leute nachts ausrauben. Leider habe ich auch gehört, dass vereinzelt Männer westliche Frauen belästigen oder Kinder Gemeinheiten gegen Fremde äußern, wobei man sagen muss, dass die meisten Kinder sehr freundlich sind und einem auf der Straße die Hand geben und einen grüßen.

Alles in allem muss ich sagen, dass ich Nepal als sicher empfunden habe. Ich habe nichts von Diebstählen gehört, man sollte aber trotzdem immer vorsichtig sein! Viele Nepalesen sind hilfsbereit und ehrlich. Natürlich gibt es korrupte „Geschäftsmänner“, jedoch wesentlich weniger als vielleicht woanders. Von meinem persönlichen Empfinden her empfehle ich Frauen, aus Höflichkeit, aber auch für das eigene Wohlempfinden, Schultern und Dekolleté etwas zu bedecken und nicht zu kurze Hosen oder Röcke zu tragen. Jedoch gibt es auch genug Touristen, die das nicht tun – das muss jeder für sich entscheiden!

Mein Fazit

Die Annapurna im Himalaya in Nepal
Die Annapurna im Himalaya in Nepal

Alles in allem hatte ich einen guten Aufenthalt in Nepal und habe die Zeit genossen. Jedoch habe ich für mich im Nachhinein erkannt, dass ich sofort am Anfang im Krankenhaus mehr Initiative hätte zeigen müssen und mich demonstrativ an einen Arzt hätte dranhängen müssen. So hatte ich zwar das Gefühl, einen Einblick in die doch sehr andere Art der medizinischen Behandlung und Denkweise zu bekommen und auch sehr interessante Sachen zu sehen, aber ich habe leider nicht oft selbst Hand anlegen können. Außerdem muss ich zu bedenken geben, dass ich manchmal auch das Gefühl hatte, dass nicht alle Ärzte so kompetent waren, wie man es vielleicht aus Deutschland gewöhnt ist und ich deshalb etwas skeptisch bei einigen Erklärungen oder Therapieansätzen war. Eine längere Ausbildung dort erachte ich als wenig sinnvoll, weil dann vielleicht der medizinische Lernerfolg leidet.

Trotzdem denke ich, hat sich die Famulatur gelohnt, da man lernt, mit weniger Materialien zu arbeiten und auch unser Gesundheitssystem wertzuschätzen. Manchmal ist man wirklich gezwungen, sich auf das klinische Bild eines Patienten zu verlassen und es deshalb genau zu interpretieren, da man sich CT oder Röntgen einfach finanziell nicht leisten kann.

Ich möchte außerdem allen empfehlen, wenn es möglich ist, nach der Famulatur noch einige Zeit in Nepal zu bleiben, um auch von der Landschaft zu profitieren. So fand ich es sehr schade, dass ich nur eine Woche zum Reisen hatte. Die großen, sehr empfehlenswerten Wanderungen dauern in der Regel zwischen 7 bis 20 Tagen und davon gibt es einige. Es stimmt also wirklich, was man über Nepal sagt: „Wenn man einmal da war, kommt man immer wieder!“

Natürlich hat dieser Auslandsaufenthalt Lust auf mehr gemacht und es wird mich sicherlich – auch im medizinischen Bereich – wieder ins Ausland ziehen. Beim nächsten Mal werde ich jedoch darauf achten, in ein Land zu gehen, wo ich die Amtssprache beherrsche, da gerade der fehlende Kontakt zum Patienten mich sehr gestört und mich nur zum „Beobachter“ gemacht hat.

 

J. Aulich

Berlin, Juni 2013

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