International English Language Testing System – und wie man den IELTS Test besteht

14. März 2014

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Als Ärztin/Arzt im englischsprachigen Ausland arbeiten, ein internationales Examen ablegen, ein Studium in Englisch absolvieren. Wer dies möchte, kommt in vielen Fällen nicht an einem besonderen Sprachtest vorbei – dem „International English Language Testing System“, kurz genannt IELTS. Eine im Ausland arbeitende deutsche Ärztin und Absolventin dieses Tests gibt Hilfestellung und Antwort auf die wichtigsten Fragen.

„Was“ ist der IELTS

Der IELTS heißt „International English Language Testing System“, er gilt als international anerkannter Test Deiner Englisch Sprachkenntnisse. Er wird oft vor einem Studium auf Englisch verlangt, oder, wenn man auf Englisch arbeiten will oder als Arzt eines der vielen internationalen Examen machen muss, um in einem Land registriert werden zu können.

Gleich zu Anfang möchte ich Euch warnen. Der IELTS ist nicht ohne, man muss sich schon hinsetzen und üben, selbst wenn man fließend im Englischen ist und kein Problem mit Rechtschreibung hat. Meiner Meinung nach ist der IELTS ein nicht besonders guter Test, da er oft schwer in den hohen Noten zu bestehen ist, obwohl man fließend in der Sprache ist und auch beim Schreiben keine Probleme hat. Manche kommen sofort mit der gewollten Note in jedem Teil durch, manche beißen sich buchstäblich die Zähne aus.

Der Aufbau des IELTS

Der Test besteht aus vier Teilen. „Listening“, „Speaking“, „Writing“ und „Reading“. Dies bedeutet, man muss die richtigen Noten in jedem der vier Teile bekommen, was oft sehr schwer zu schaffen ist. Mal klappt es beim Lesen und Zuhören, dann aber beim Schreiben und Reden nicht und beim nächsten Mal hakt es woanders.

Der Score heißt „Band Score“ und hat eine Spannbreite von 1.0 bis 9.0. Wer etwas über 6.0 in jedem Fach im Akademischen IELTS erreichen möchte, muss sich auf etwas „Lernerei“ gefasst machen. Es kann sehr schwer sein, über einen Band score von 6.0, 6.5 oder 7.0 hinauszukommen. Die Meisten haben das größte Problem im Teil „Schreiben“.

  • Der „Listening“ Teil:

Dieser Teil dauert 30 Minuten. Es werden vier aufgenommene Texte gespielt, die Lautstärke ist gut, man muss sich nur von der ersten Sekunde an voll konzentrieren. Es fängt sehr einfach an, mit „heeeellllooo, myyyy naaameee iss…“, wirklich sehr langsam, aber ruht Euch nicht darauf aus, denn der nächste Test ist schnell viel schneller und schwerer! Es gibt verschiedenartige Fragebögen. Der eine ist einfach und man muss nur eintragen, was man hört. Ein anderer sagt, dass man die richtige Antwort im Text hören muss, was oft nur als „sinngemäß“ gemeint ist. Je mehr Englisch man versteht, kann es manchmal etwas verwirrend sein, da es natürlich nicht direkter Wortlaut ist. Schwierig wird es, wenn man das sinngemäß Gehörte schnell übersetzen, die Antwort in A bis E finden und gleichzeitig schnell in Sätze integrieren muss. Hierbei gilt es, schnell zuzuhören, um die nächste Antwort nicht zu verpassen. Also ist fleißiges Üben angesagt! Und dies selbst wenn man auf Englisch leben und diskutieren kann!

Der „Listening“ Teil ist also, wie bereits erwähnt, 30 Minuten lang. Es werden vier „Sections“ abgefragt. Diese können ungefähr so aussehen:

– Sektion 1: Eine Unterhaltung zwischen zwei Leuten mit alltäglichem Inhalt.

– Sektion 2: Ein Monolog – z.B. über ein Museum oder andere Einrichtungen. Oft mit Beschreibungen, wo etwas ist, was eingetragen werden muss, oder wie weit Dinge voneinander entfernt sind.

-Sektion 3: Eine Unterhaltung zwischen bis zu vier Leuten in einem Universitäts- oder Unterrichtskontext. Oft werden „Assignments“ diskutiert.

-Sektion 4: Ein Monolog über ein spezielles Thema. So spricht z.B. ein Universitätsprofessor auf hohem Niveau über die Antarktis und die Eisschmelze. Das Ganze ist sehr ähnlich einer Vorlesung, jedoch teilweise sehr schnell und auf hohem Niveau.

  •   Der „Reading“ Teil

Dieser Teil des IELTS ist 60 Minuten lang und es muss sehr schnell gelesen werden. Je nach Aufgabe lohnt es sich, die Fragen vorher zu lesen, um zu sehen, worauf man in den Artikeln acht geben muss. Ich bin ein schneller Leser und sogar auf Englisch schneller als viele „native speaker“, doch hier wurde es manchmal recht knapp. Es sind oft recht komplizierte Journal Artikel oder Zeitungsausschnitte und die Fragen können auch als Absätze gestellt werden, die einen Umstand beschreiben. Wo dieser sinngemäß im Aufsatz beschrieben wird, muss gefunden werden. Oder verschiedene Absätze einem Titel zugeordnet werden. Oft hängt man zwischen zwei Möglichkeiten fest.

40 Fragen sind zu beantworten und ganz schön viele Seiten zu lesen – und das Ganze, wie gesagt, in 60 Minuten.

  • Der „Writing“ Teil

Dieser Part ist oft der „Sargnagel“ vieler, die den IELTS mit einem hohen Score bestehen müssen. Es gibt zwei Aufgaben und man hat ebenfalls wieder 60 Minuten Zeit. Hierbei 20 Minuten für den einen Teil und 40 Minuten für den anderen.

Task 1:

Hierbei kann ein Graph, eine Tabelle, ein Diagramm oder ein Chart vor einem liegen. Man muss es interpretieren und wissenschaftlich nach IELTS-Rezept beschreiben. 20 Minuten sind hier am besten angesetzt.

Task 2:

Es soll ein Assay geschrieben werden. Oft wird einem ein Statement vorgelegt und gefragt, ob man gleicher Meinung ist, was die Vor- und Nachteile sind oder man soll Vor- und Nachteile und die eigene Meinung vertreten.

Das Problem bei diesem Teil ist wirklich, dass man nur 60 Minuten Zeit hat. Man muss also sozusagen alles direkt runterschreiben, da man in Task 1, glaube ich, mindestens 150 Zeichen schreiben muss und in Task 2 über 200. Dann muss alles noch fehlerfrei sein, mit guter Argumentation als auch Punkt- und Kommasetzung. Auch hier gilt es zu üben, vor allem nach dem IELTS-Rezept.

  • Der „Speaking“ Teil

Dies ist nun der einfachste Part des IELTS. Man bekommt einige Fragen gestellt und unterhält sich 15 Minuten lang. Das „Gemeine“ ist, es wird ein Aufnahmegerät direkt vor einem eingeschaltet, man fühlt sich dadurch wie in einer Vernehmung und vergisst sein ganzes Englisch. Zunächst werden Fragen über Dich gestellt, zum Beispiel wo man herkommt, was die Familie macht, wo man arbeitet oder studiert sowie welche Interessen man hat. Dies dauert ungefähr fünf Minuten.

Anschließend erhält man eine Karte, auf der ein Thema steht. Man hat nun kurz Zeit, sich etwas zu überlegen, und muss dann für zwei Minuten darüber reden. Schließlich werden noch ein, zwei Fragen gestellt und dann geht’s weiter. Als letztes wird man noch mit Fragen zum vorherigen Thema und seiner Weltanschauung gedrillt und dann ist der Test auch schon vorbei – und man ist fix und fertig.

Ein „Information for candidates booklet“ gibt es unter: http://www.ielts.org/test_takers_information/what_is_ielts/test_format.aspx.

„Welchen“ IELTS muss ich machen?

Es gibt einen „Academic“ und einen „General“ IELTS, wobei der General Training IELTS einfacher ist. Der Akademische hat es in sich. Man sollte sich also genau informieren, welchen Test man braucht, welche Noten man in den vier Teilen benötigt und dementsprechend auch das Lernen ausrichten. Sich Material für den „General“ zu kaufen, wenn man den „Academic“ IELTS machen muss, bringt also nicht viel. Die „Listening“ und „Speaking“ Teile sind bei den beiden Tests gleich. Beim „Akademischen“ IELTS liegen der „Writing“ und „Reading“ Teil auf einem recht viel höheren Niveau.

„Wo?“ ist die nächste Frage

London - Blick vom Dach der St. Paul's Cathedral
London – Blick vom Dach der St. Paul’s Cathedral

Ich hätte es nicht gedacht, aber die Frage, wo man den IELTS machen möchte, ist sehr wichtig. So habe ich den IELTS zum Beispiel in London gemacht und dabei den für Neuseeland geforderten sehr hohen „score“ im Teil „Schreiben“ nicht geschafft. Das hat mich ziemlich umgehauen, zumal ich fließend Englisch rede, seit vier Jahren mit meinem neuseeländischen Freund zusammenlebe, das heißt nur Englisch spreche, und obendrauf auch ein „paper“ auf Englisch geschrieben habe, was im „CANCER“ veröffentlicht wurde. Tja, das hilft alles nichts, wenn man nicht genau nach dem Rezept des IELTS die Aufgaben beantwortet, geht der Score gleich runter, bei mir auf 6.0. Ich brauchte aber eine 7.5.

Zwei Wochen später, habe ich mit viel lernen in Deutschland eine 8.5 gemacht. Ich habe bei einem „Bridging Course“, für das klinische Examen in Australien und Neuseeland, ungefähr 50 Leute getroffen, und alle haben gesagt, dass, wenn man den IELTS in einem nicht englischsprachigen Land macht, es einfacher ist!

Vergesst auch nicht, dass man auf der IELTS Seite gleich gewarnt wird, dass selbst „native speaker“, also wenn man mit Englisch aufgewachsen ist, den IELTS oft nicht mit sehr hohen Noten bestehen. Auf der anderen Seite und mit horrend viel Übung, kann auch jemand, der nicht so gut im Englischen ist, den IELTS mit erstaunlich hohen Noten bestehen. Also meine „message“ hier ist: üben, üben, üben! Auch wenn es recht anstrengend ist. Ich habe welche getroffen, die den IELTS 15 oder sogar 20-mal versucht haben, bei EUR 200.- pro Test hätte man sich da auch einen Kleinwagen kaufen können. Also 2-3 Versuche sind meiner Meinung nach drin, danach sollte man sich überlegen, wofür man den IELTS eigentlich braucht oder ob nicht der „OET“ auch geht. „OET“ ist der „Occupational Englisch Test“, der recht viel einfacher sein soll. Wenn Ihr den auch machen könnt und er für Eure Zwecke ausreicht, würde ich auf jeden Fall den IELTS links liegen lassen.

„Wie?“ kommt gleich danach

http://ielts-simon.com ist die Webseite, die mir durch den ganzen IELTS geholfen hat und vielen anderen auch. Und alles umsonst! Ich würde zuerst einen Testlauf machen und mir einen der „free IELTS“ im Internet ansehen und ihn auf Zeit durchlaufen. So könnt Ihr schnell Eure Schwächen herausfinden. Besonders, wie gesagt, beim Schreiben gilt es üben. Auf Simon´s Website sind sehr viele Übungsaufgaben, die einem genau den Aufbau, der beim IELTS bewertet wird, erklärt. Man kann seine Version schreiben und dann nachschauen, was er geschrieben hat, und was für ein „Band-score“ er erreicht hat. Er hat, soweit ich weiß, selber sehr lange IELTS korrigiert und hat recht gute Ahnung.

Seiten, auf denen es Tests umsonst gibt, habe ich unten angemerkt. Manchmal sind es nur Teile, aber es lässt sich viel zusammensuchen. Kaufen muss man eigentlich nichts und ich würde erst irgendeinen Kurs machen, wenn es mit eigener Vorbereitung nicht geklappt hat.

Hier also die Seiten für IELTS. Manche zeigen nur Teile, um den Rest zu verkaufen. Ich habe nichts gekauft, denn es gibt genug freies Material:

http://takeielts.britishcouncil.org/prepare-test/free-practice-tests

http://www.ipassielts.com/ielts_training/free_practice/listening/

http://www.canadavisa.com/ielts/free-practice-tests.html

http://www.idpielts.me/en/

http://www.ielts-   exam.net/index.php?option=com_content&task=section&id=15&Itemid=64

http://www.world-english.org/ielts_free_tests.htm

http://www.ieltshelpnow.com/page34.html

http://www.examenglish.com

http://www.testden.com/challenge/free-ielts.asp

http://www.ieltsbuddy.com

http://esl.about.com/cs/toefl/a/a_ielts.htm

http://www.ielts.studyau.com

http://www.ielts-blog.com

http://www.testpreppractice.net/IELTS/Free-Online-IELTS-Practice-Tests.aspx

http://www.roadtoielts.com/testdrive/

http://www.ieltsessentials.com/prepare/how_to_prepare.aspx

„Wann?“ ist auch sehr wichtig

Wann man den IELTS machen sollte, ist einfach mit einem Probetest herauszufinden. Wenn es gar nicht klappt, würde ich mir mindestens einen Monat mit täglichem Lernen vornehmen. Wenn es schon recht gut klappt, reichen 2-3 Wochen. Aber lieber ein wenig zu viel Zeit als zu wenig. Der Test kostet in Hamburg EURO 200.-. In Cork, Irland, sind es z.B. nur EUR 185.-, also es lohnt sich, herumzugucken, wenn Ihr sowieso schon im Ausland seid. Aber wie gesagt, in einem nicht Englisch-sprachigen Land soll es einfacher sein, wenn man der Allgemeinheit glaubt.

„Warum?“ und wie hoch muss der score sein

Lest Euch genau durch, ob Ihr wirklich den IELTS für Eure Absichten machen müsst oder ob der OET („Occupational Englisch Test“) auch geht. Dieser ist viel einfacher. Die Leute, die ich kenne und die den OET bestanden haben, sind nicht sehr fließend in der Englischen Sprache, aber ich kenne einige, die sehr gut sind, aber gewisse „Band-Scores“ im IELTS einfach nicht schaffen.

Dann gibt es auch andere Fälle, wie ein Bekannter, der ordentliches Englisch spricht, aber nicht in englischsprachigen Ländern gelebt hat, und auch sonst öfter nach Wörtern suchen muss. Er fand den IELTS extrem einfach und hatte überhaupt kein Problem 7.5 „Band-Score“ in allen einzelnen Fächern zu erreichen. Wie bereits erwähnt, habe ich jedoch an die 50 Leute kennen gelernt, die alle den IELTS sehr schwer fanden, und man kann auch online sehen, dass viele Probleme haben. Auch auf Simon´s Website sieht man viele Assays, die nur eine 6.0 bekommen haben und man sich fragt, wieso eigentlich…

Letzte Ratschläge

Akaroa - Halbinsel bei Christchurch
Akaroa – Halbinsel bei Christchurch

Vergesst nicht, dass der IELTS von vorne bis hinten durch geht, d.h. keine Pausen, kein nichts. Also wer sich nicht von der ersten Sekunde an konzentriert, hat gleich einen Teil verloren. Auch muss man aufpassen, dass man genug vorher isst, aber nicht zu viel trinkt. Wir haben geschlagene zwei Stunden im Raum gesessen und auf das Material gewartet. Halb durch den Test, hat man soviel Magenknurren gehört, dass man sich kaum konzentrieren konnte.

Und natürlich sehr wichtig ist es, dass man alle Teile des IELTS übt. Ich habe z.B. nur „Schreiben“ geübt, da ich in den anderen Teilen recht gut am Anfang abgeschnitten hatte. Aber der Test trügt. Wenn man nicht genügend Probetests macht, kommt man schnell raus. Besonders, wenn man nicht nur einen allgemeinen „Score“ braucht, sondern in allen einzelnen Fächern zum Beispiel über 7.5 kommen muss. Man muss also ganze Tests üben, damit man alles auf hohem Standard absolvieren kann.

Ich wünsche Euch viel Glück!

R., D.

Christchurch/Neuseeland, Februar 2014

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