Forschungsaufenthalt in Brasilien

21. März 2014

in Brasilien, Chancen im Ausland, Forschung im Ausland

Brasilien, Natal, Universidade Federal do Rio Grande do Norte (UFRN)  (25.02.- 25.03.2013)

Brasilien ist ein wunderschönes Land mit sehr liebevollen Einwohnern. Du kannst dort eine tolle Zeit verbringen, wenn Du kontaktfreudig bist und offen für eine andere Kultur mit Samba, lockerem Umgang, eine andere Art von Pünktlichkeit und eine Frohnatur, wie man sie hier in Deutschland nur selten findet. Brasilien und die Universität in Natal waren für mich genau die richtige Wahl für einen Forschungsaufenthalt im Rahmen meines Medizinstudiums.

Brasilien – meine zweite Heimat

Das fünftgrößte Land der Erde ist berühmt für seinen Fußball, die Samba-Rhythmen, die Herzlichkeit und den Karneval. Doch ich war mir sicher, dass es noch viel mehr zu bieten hat als das. Wie ist die medizinische Technik dort drüben ausgereift?  Wie ist die Forschung organisiert? Diese Fragen stellte ich mir schon lange und wollte sie mit Hilfe eines Forschungsaufenthaltes in Brasilien beantworten können.

Die Vorbereitung

Statistik in der Universidade Federal do Rio Grande do Norte
Statistik in der Universidade Federal do Rio Grande do Norte

Auf der Suche nach einem zu mir passenden Projekt bin ich auf die internationale Datenbank der International Federation of Medical Students‘ Associations (IFMSA) gestoßen und habe dort das Projekt gefunden, welches perfekt zu den Vorbereitungen meiner Doktor-Arbeit passte. Doch leider war ich zum Zeitpunkt der Bewerbungsfrist der BVMD noch im Rahmen meines ERASMUS-Studiums im Ausland. Daher entschied ich mich dazu, mich in Eigenverantwortung direkt bei dem Projektleiter in Natal, Brasilien zu bewerben.

Zu diesem Zeitpunkt sprach ich glücklicherweise schon Portugiesisch, sodass der Schriftverkehr keine Schwierigkeiten bereitete. Die begeisterte Antwort und Zusage aus Brasilien kam auch schnell. Jetzt ging es los mit den tatsächlichen Vorbereitungen:

  • Kann ich das auch finanzieren?

Solche Unternehmungen sind immer durch einen finanziellen Rahmen limitiert und ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Mediziniernachwuchs.de bedanken für die finanzielle Unterstützung im Rahmen der Auslandsstipendien! Ohne Medizinernachwuchs.de wäre mein Vorhaben nicht umsetzbar gewesen.

  • Visum, ja oder nein?

Ich habe kein Visum benötigt. Man kann mit der deutschen Staatsbürgerschaft nach Brasilien einreisen und bekommt dort ein 3monatiges Touristenvisum, mit dem man sich frei im Land bewegen kann. Dies bedeutet, dass man durchaus vor oder nach dem Forschungsaufenthalt/ der Famulatur noch ein wenig vom atemberaubenden Land anschauen und die verschiedenen Kulturen innerhalb des riesigen Landes entdecken kann.

Normalerweise erhält man ein Touristenvisum problemlos am Flughafen ohne jegliche Zahlung. Es heißt, dass mindestens fünf Monate zwischen der letzten Ausreise und neuen Einreise liegen sollten. Bei mir lag nur etwas mehr als ein Monat dazwischen und es war überhaupt kein Problem.

(Anm.d.Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

  • Die Sprache

In Brasilien wird das brasilianische Portugiesisch gesprochen, welches weicher klingt und eine etwas andere Aussprache und Grammatik als das Portugiesisch aus Portugal hat. So wird in Brasilien z.B. in der 3. Person Singular gesprochen, wenn man in der Du-Form spricht. Das ist allgemein in Südamerika so üblich.

Man trifft eher selten auf Menschen, die wirklich gut Englisch können. Ich empfehle daher jedem, der einen Forschungsaufenthalt oder eine Famulatur in Brasilien machen möchte und dort auch etwas lernen mag, dass man schon eine gewisse Grundkenntnis an Portugiesisch haben sollte, um sich sowohl mit den Patienten zu unterhalten als auch den Erklärungen der Ärzte folgen zu können.

Ich konnte dank meiner vorherigen Spanischkenntnisse und auch bereits absolvierten Brasilienaufenthalte schon fließend Portugiesisch, sodass ich mich nicht noch einmal gesondert auf die Sprache vorbereiten musste. Trotzdem habe ich vorher noch einmal einen zusätzlichen Kurs gemacht, um die Grammatik noch zu festigen.

Unterkunft und weitere Tipps

  • Blick auf den Praia de Genipabu
    Blick auf den Praia de Genipabu

    Wo werde ich wohnen?

Bei der Organisation meiner Unterkunft hatte ich Glück, denn mein Professor in Natal hatte eine Email innerhalb seines Labors versendet und letztendlich konnte ich bei einer Studentin aus diesem Labor mit in ihrer WG wohnen. Dadurch hatte ich gleich Kontakt zu den anderen dort arbeitenden Studenten und die Lage der Wohnung zu meiner Arbeitsstelle war ideal. Ich brauchte nur 10min mit dem Fahrrad zu fahren. Ich habe für meine Wohnung für einen Monat, mit eigener Hängematte zum Entspannen, umgerechnet EUR 160.- plus Internet gezahlt. Das ist wirklich sehr günstig gewesen.

  • Nützliche Literatur

Ich hatte den „Lonely Planet“ von Brasilien mit, um Kernfakten über die Städte und das Land zu haben. Vor Ort habe ich mich dann mit mehr Material für Touristen versorgt.

Für das spezifische Vokabular für das Labor habe ich von meinem Professor viele Artikel und Bücher zu lesen bekommen.

  • Nicht zu viel und nicht zu wenig einpacken?!

Das allerwichtigste ist: Sonnencreme! Vor allem auch mit LF 50. Diese ist in Brasilien wahnsinnig wichtig, denn man sollte sich schon aufgrund der starken Sonneneinstrahlung jeden Tag eincremen. Die Sonnencreme in Natal ist unfassbar teuer. Sie kostet dort ca. das Dreifache vom üblichen Preis hier in Deutschland.

Außerdem braucht man lange Hosen und T-Shirts für die Klinik. Man stirbt zwar fast vor Hitze auf dem Weg dorthin, doch ansonsten wird man nicht in die Universität bzw. ins Krankenhaus gelassen. Es gibt sonst einen kleinen Aufstand, es werden extra Krankenhausklamotten zum Eingang gebracht und man muss sich dann auf der Besuchertoilette umziehen. Die Räume innerhalb des Labors und der Kliniken werden jedoch durch die Klimaanlagen so stark abgekühlt, dass man auch dicke Sachen dabei haben sollte. Man sitzt schon so einige Male bei 18°C im Raum und friert.

Ansonsten sollte man ganz viele schöne Sommerkleidung einpacken: Schwimmsachen, Handtücher, kurze Shorts, schicke Sachen zum Tanzen, als Frau zudem auf jeden Fall hochhackige Schuhe, und ganz viel gute Laune! Ich habe dann noch meine Inlineskates und Sportsachen dabei gehabt, da ich es einfach liebe, an der Strandpromenade Sport zu treiben.

Leben in Brasilien

  • An der Praia de Genipabu - einfach traumhaft
    An der Praia de Genipabu – einfach traumhaft

    Gut zu wissen: Sicherheit

Man sollte sich vor der Entscheidung, Natal bzw. auch Brasilien zu wählen, darüber im Klaren sein, dass Brasilien weit entfernt ist von unserer deutschen Sicherheitslage. Man lebt viel gefährlicher dort. Vor allem auch als blonde Frau, die schon aus 500m Entfernung als Touristin wahrgenommen werden kann. Ich war nun schon viermal in diesem Land und der Süden Brasiliens (Rio Grande do Sul, Santa Caterina, Parana, Mato Grosso do Sul, Sao Paulo, Minas Gerais und Rio de Janeiro) sind schon sicherer als der Norden, jedoch noch immer gefährlicher als Deutschland.

Ich wusste schon vorher, dass Brasilien gefährlich wird und habe mich darauf einstellen können. Man muss vor allem auch die Anweisungen der Einheimischen befolgen, dass man ab einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr allein unterwegs ist, sondern nur mit einem eigenen Auto fährt bzw. sich fahren lässt. Ich hatte so einige Ängste in Natal, doch ich bin immer selbstbewusst aufgetreten, hatte nur das Nötigste an Wertsachen mit und war fast immer mit Freunden und Einheimischen gemeinsam unterwegs.

Wenn Ihr also nach Brasilien möchtet, dann haltet Euch bitte immer an die Einheimischen! Die wissen einfach am besten, wo und was man machen kann und dann ist dies auch super. 

  • Geld

In Brasilien zahlt man mit „Reais“. Die Umrechnung war damals ungefähr 1 EUR = 3 Reais. Es werden häufig nur „Reais“ akzeptiert und ganz selten auch Amerikanische Dollar. Es ist sehr zu empfehlen, sich vorher z.B. eine VISA-Card zu besorgen, mit der man weltweit kostenlos abheben kann. Ich selbst hatte eine kostenlose VISA-Card zu meinem Onlinekonto von der ING-DiBa, doch ich habe gehört, dass das gleiche System auch von anderen Banken angeboten wird. Mit der VISA-Card hatte ich niemals Probleme, an Geld zu kommen. In Brasilien kann man dann bei der „Banco do Brasil“, bei „Santander“ oder auch bei „Bradesco“ abheben. Die anderen brasilianischen Banken akzeptieren ausländische VISA-Cards häufig nicht.

Ich hatte niemals viel Bargeld dabei, weil ich wusste, dass ich am Flughafen und auch an jedem größeren Ort an Geld komme und ich dann die unglaublich teuren Wechselgebühren nicht zu zahlen bräuchte. Daher ist mein Tipp, mit einer VISA-Card zu reisen und dann direkt vor Ort in Brasilien auf dem Flughafen am Geldautomaten „Reais“ abzuheben.

Brasilien ist innerhalb des Landes sehr unterschiedlich teuer. Im Norden, z.B. in Natal, Maceió, Recife, Manaus, etc., ist alles günstiger als in Deutschland: die Wohnungen, das Essen im Allgemeinen, das Mieten eines Autos. Doch was teurer oder mindestens genauso teuer ist, sind Obst, Inlandsflüge und das Weggehen abends – also zum Beispiel ein Clubeintritt und Cocktails. Ansonsten kommt man dort gut mit dem Geld aus, das man hier in Deutschland auch ausgeben würde. Im Süden, speziell in Rio de Janeiro, ist es mindestens genauso teuer wie in Deutschland bzw. in Rio sogar noch teurer. Gerade Unterkunft und die Touristenattraktionen in Rio sind sehr teuer. 

  • Kommunikation

Ich hatte meinen eigenen Computer und auch mein Handy aus Deutschland mitgenommen. Internet hatte ich sowohl in meiner WG als auch im Labor, wobei ich auch Skype genutzt habe, um mit meiner Familie zu telefonieren.

Für das Handy hatte ich mir dort eine günstige Telefonkarte von „TIM“ gekauft, wodurch ich auch auf dem Handy Internet hatte und WhatsApp benutzen konnte. Die Kommunikation nach Hause, inkl. Bilder verschicken, und auch die Kommunikation mit den Brasilianern war damit gesichert, denn dort ist WhatsApp die wichtige Kommunikationsbasis. Man sollte also auf jeden Fall ein internetfähiges Handy besitzen und WhatsApp mitbringen, damit man sich dort gut mit den Einheimischen verabreden kann.

  • Verkehrsverbindungen

Nach Brasilien kommt man von Deutschland per Flugzeug oder mit dem Boot. Ich habe die deutlich schnellere Variante genommen und bin geflogen. Ich bin mit der TAP über Lissabon nach Natal geflogen, welches zu der Zeit das günstigste Angebot war.

Mit dem Bus innerhalb Brasiliens zu reisen, ist günstig, jedoch sollte man nicht die Größe dieses Landes unterschätzen! Man fährt wirklich lange von einem Ort zum anderen. Es gibt auch ein Tempolimit, welches sehr gut eingehalten wird.

Ansonsten hatte ich extra einen Inlandsflug von Natal nach Sao Paulo gebucht und bin von dort dann wieder viel Bus gefahren, so z.B. nach Rio de Janeiro und Campinas. Dies hat auch immer alles gut geklappt, das Ganze war pünktlich und sicher. In Sao Paulo hatte ich mir auch für ein paar Tage ein Auto gemietet. Dies ist grundsätzlich kostengünstiger, jedoch sollte man daran denken, dass man immer noch „Pedagio“ (Maut) zahlen muss.

Ich würde jedem empfehlen, so wenig wie möglich Inlandsflüge zu machen, da diese deutlich teurer sind. Man sollte jedoch auch nicht nur mit dem Bus fahren, wenn man größere Strecken zurücklegen möchte, denn sonst sitzt man durchaus mal für eine Woche im Bus. 

Meine Ankunft und die ersten Tage

Bei der Reise hatte ich keine Probleme und bin nachts auf Flughafen in Natal angekommen. Da gibt es dann jedoch keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr. So habe ich erst einmal Geld am Automaten abgehoben und bin mit dem Taxi bis zu meiner WG gefahren.

Ich bin schon seit vier Jahren aktives Mitglied bei www.couchsurfing.com und auch in Natal hat es mir wieder gute Dienste geleistet. Während meiner Umsteigewartezeit in Lissabon schrieb ich an liebe Mitglieder dieser Seite in Natal, dass ich kommen und für einen Monat dort meinen Forschungsaufenthalt machen würde.

Bei couchsurfing.com kann man ortsansässige Leute finden, die man um Information, Stadtführungen und Unterkünfte bitten kann. Und dies alles kostenlos! Ich hatte ja schon meine Unterkunft, doch ich habe vor Ort noch nach lieben Menschen gesucht, die mir etwas von ihrer Stadt und ihrem Leben zeigen wollten. Das ging auch schnell und schon zwei Tage später traf ich auf die ersten Couchsurfing-Freunde Fred und Larissa, welche mich mittlerweile sogar schon in Berlin besuchten.

So füllte ich meine ersten Tage mit meinem Einleben in der WG, mit den lieben WG-Leuten und den couchsurfing-Bekanntschaften.

Mein Forschungs-Projekt in Brasilien

Das Team der Universidade Federal do Rio Grande do Norte
Das Team der Universidade Federal do Rio Grande do Norte

Am Montag begann dann der ernstere Teil meines Brasilienaufenthaltes, aber mindestens genauso toll! Ich wurde von meiner WG-Mitbewohnerin mit ins Labor genommen und dem Professor als auch sonst allen dort Arbeitenden vorgestellt.

In dem Projekt „Schlaf-Wach-Zyklen und Biorhythmus“ des Forschungsbereiches „Núcleo de Pesquisa em Rítmicidade, Sono, Memória e Emoção“ („Kernuntersuchung des Tagesrhythmus, Schlafes, Gedächtnisses und der Emotionen“) an der Universidade Federal do Rio Grande do Norte (UFRN) habe ich viel über die in Brasilien vorherrschenden Mess- und Studientechniken erfahren können. Ich habe dort verschiedene Stationen durchlaufen, in jeden Bereich hineinschnuppern können und sogar meine eigene kleine Studie erhalten, um zu erlernen, wie ich einen korrekten Studienplan erstelle.

Dies alles in vier Wochen klingt viel, war es auch und hat trotzdem unheimlich viel Spaß gemacht, denn die Brasilianer sind in jeder Lebenslage sehr entspannt und so auch im Labor.

Ich erhielt zunächst eine umfangreiche Einführung in das Thema, wobei ich auch viel Literatur selbst las. Die ersten zwei Wochen gab es vormittags immer für ca. zwei Stunden Vorlesungen – vom Professor selbst gehalten, für seine Laborstudenten.

Zudem wurde ich an der Universität als Doktorandin immatrikuliert, alles ohne Gebühren für mich, sodass ich auch an den Physiologie-Praktika für die einheimischen Medizinstudenten teilnehmen konnte, die der Professor zum Thema Schlaf und Biorhythmus anbot. Zu meiner großen Freude wurde mir dadurch auch der Zugang zum Sportprogramm und zum Studententicket ermöglicht.

Für einige Nächte bin ich mit ins Schlaflabor des Krankenhauses gegangen, um dort zu verstehen, wie die Messungen funktionieren und einmal durfte ich auch die Probandin sein, dort schlafen und wurde gemessen. Meine Erfahrung war die, dass man dort ganz anders schläft und wenn Elektroden abfallen, muss man auch geweckt werden.

Im Labor erhielt ich ferner Einblicke in die Tierforschung mit Hilfe von Ratten und Pinseläffchen, wie diese behandelt werden müssen und konnte bei einigen Operationen mit dabei sein.

Bei meiner eigenen kleinen Studie ging es darum, dass ich selbst Probandin war und auch noch 15 Studenten als Probanden hatte, die ich natürlich selbstständig rekrutieren musste, und welche über eine Woche ein Gerät benutzten, welches rund um die Uhr die Lichteinstrahlung und die eigene Bewegung misst. Dazu bekamen die Probanden einen von mir entworfenen Fragebogen, um zu ermitteln, wie gut sie und wieviel (Eigeneinschätzung)  sie geschlafen haben, und noch andere Fragen zur alltäglichen Aktivität sowie zu Tages- und Schlafgewohnheiten.

Die ganzen Daten wertete ich dann aus, überführte sie mit Hilfe eines vom Professor entwickelten Programmes in eine schöne Statistik mit vielen Graphiken. Damit war mein Praktikum leider um, jedoch konnte ich so in kurzer Zeit sehr viel lernen. Besonders die Techniken und die Herangehensweisen zum Studienaufbau konnte ich schon jetzt  für meine eigene Doktorarbeit hervorragend nutzen.

Eindrücke zu Land und Leuten

Athletikverein Sportvida
Athletikverein Sportvida

Das Bussystem als öffentliches Verkehrsmittel ist in Natal wirklich umfangreich, doch dadurch sehr unübersichtlich. Man weiß niemals, wann ein Bus kommt und muss immer den Fahrer fragen, wohin der Bus fährt und wann man aussteigen muss. Man sollte daher schon ausreichend Portugiesisch-Kenntnisse mitbringen, um die Antwort auch verstehen zu können. Tagsüber ist es ziemlich sicher, nachts sollte man auf ein anderes Verkehrsmittel wie Taxi oder Auto umsteigen.

Ich war jeden Tag noch zusätzlich unterwegs und habe sehr viel Sport mit den Einheimischen getrieben. Dank meiner Immatrikulation an der Universität und weil das neue Semester gerade erst begonnen hatte, konnte ich mich in dem kostenlosen Uni-Sportangebot mit einschreiben. Hier wählte ich den Leichtathletik-Kurs, zu dem man sich 3-4 Mal die Woche traf, und noch einen Kurs im Uni-eigenen Fitnessstudio. Und natürlich entschied ich mich zusätzlich für einen „Carpoeira“-Kurs, denn wenn ich schon in Brasilien bin, dann wollte ich auch diese bekannte traditionelle Kampfsportart erlernen.

Es war perfekt. Ich kam auf diese Weise ungezwungen unter Leute und lernte super viele tolle Menschen kennen! Durch den Leichtathletik-Verein konnte ich auch Teile von Natal sehen, die man sonst gar nicht betreten durfte, wie z.B. den Naturschutzpark der Dünen, und bin so auch zu einem 10km-Lauf im Süden Natals mitgefahren.

Zusätzlich hatte ich von einer der Labor-Studentinnen ein Fahrrad ausgeliehen bekommen, womit ich innerhalb Natals problemlos mobil und immer flexibel war.  Man sollte jedoch wissen, dass es in Natal keine Fahrradwege gibt, keiner auf Fahrradfahrer achtet und man wirklich vorsichtig fahren muss! Außerdem war ich natürlich auch viel schwimmen. Brasilien ist einfach das Land des Sports und der fitten Menschen.

Neben meinen Sportaktivitäten habe ich natürlich auch die wunderschöne Umgebung entdeckt und war eigentlich immer mit meiner WG, mit couchsurfing-Freunden, Leuten aus dem Labor oder anderen Studenten der Universität oder Freunden vom Leichtathletik-Verein unterwegs. Irgendjemand hatte immer Zeit, Lust und ein Auto, was ganz wichtig ist, gerade abends. Ich hatte eigentlich nur Kontakt zu Einheimischen, die mir ihre tolle Stadt gezeigt und jede Minute meiner Zeit mit eindrucksvollen Dingen gefüllt haben. Es war herrlich!

Ich habe eine Fahrt mit dem Buggy gemacht, wobei mir die Strände des Nordens gezeigt wurden, habe ganz viel „Acaí“ gegessen, eine bestimmte Frucht Brasiliens, die wie Eis zubereitet wird, aß traditionsgerecht Krebs mit Hämmerchen, sah den größten Cashew-Baum der Welt, habe mir das älteste Fort Brasiliens angeschaut, lernte die Zubereitung der traditionellen „Tapioca“, war für ein Wochenende in „Pipa“ mit den Delphinen schwimmen und lag Kokosnuss schlürfend am Wochenende am Strand.

Ich habe jede freie Minute sehr gut nutzen können und wenn ich etwas noch einmal anders machen könnte, dann würde ich auf jeden Fall länger bleiben, um noch mehr erleben zu können.

Mein Fazit

Im Parque das Dunas - Natal
Im Parque das Dunas – Natal

Ich würde jedes Mal wieder das Abenteuer wagen und einen Forschungsaufenthalt in Brasilien verbringen. Ich denke sogar darüber nach, ein Tertial meines Praktischen Jahres in diesem wunderschönen und beeindruckenden Land zu verbringen.

Man lernt wirklich viel in Brasilien, sowohl aus der fachlichen Sicht, als auch für sich und seinen Lebensweg.

Abschließend kann ich jedem einen Brasilienaufenthalt empfehlen! Wer weiß, vielleicht trifft man sich ja eines Tages bei einer Runde Samba?

B., J.

Berlin, Januar 2014

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2012-2013

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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