Famulatur in Vietnam – Anästhesie

28. März 2014

in Anästhesie, Chancen im Ausland, Famulatur im Ausland, Vietnam

Vietnam, Ho Chi Minh City, Cho Ray Hospital (14.08.–14.09.2013)

Im Ausland zu famulieren, eine gute Betreuung durch die Ärzte vor Ort zu haben und dadurch viel zu lernen. Und zusätzlich ein neues Land und seine Kultur kennenzulernen. Dies waren die Ziele, die ich mir bei der Auswahl des Landes gesetzt hatte. Meine Wahl fiel schließlich auf Vietnam – und dies auch aufgrund meiner väterlichen Wurzeln.

Bewerbung und Vorbereitung

Es ist nicht schwer, einen Platz am Cho Ray Hospital in Ho Chi Minh City zu bekommen. Bei meiner Bewerbung kam dann auch prompt der „letter of acceptance“. Einige Medizinstudenten schilderten sogar, sie seien drei Tage vorher direkt dahin gegangen und hätten die Woche darauf angefangen.

Ein Visum gibt es beim zuständigen Konsulat von Vietnam in Berlin für 88€. Man schickt seinen Pass an diese Stelle und erhält ihn in zwei Tagen wieder mit eingetragenem Visum zurück.

Ein Impfcheck wird natürlich stark empfohlen. Hepatitis A und B hat man als Medizinstudent ja, des Weiteren habe ich Tetanus, Tollwut und Japanische Encephalitis impfen lassen. Die Kosten hierfür hat die Techniker Krankenkasse vollständig getragen. Dazu habe ich noch Malarone bestellt, gegen den Malariaschub, wenn kein Krankenhaus in der Nähe sein sollte. Eine Auslandsreisekrankenversicherung ist natürlich ein „must have“ und ich habe sie auch gebraucht.

Ansonsten sollte man nicht groß viel einpacken, denn dort gibt es alles. Trotz Regenzeit ist es sehr warm und feucht in Vietnam. Ab und zu hat es für eine Stunde geregnet, ansonsten konnte man Sonne pur genießen.

Meine Famulatur in der Anästhesie

Auf Station
Auf Station

An meinem ersten Tag am Cho Ray Hospital, das ein akademisches Lehrkrankenhaus der Ho Chi Minh City University of Medicine and Pharmacy ist, bin ich zur Training Division gegangen und habe alle Papiere abgegeben, die nach der Famulatur ausgefüllt werden sollten. Davor musste ich pro Woche Famulatur 50$ bezahlen. Warum, weiß ich nicht, zumal in Vietnam wirklich nicht viel verdient wird. Selbst erfahrene Ärzte verdienen weniger als 1.000$.

Dann wurde ich meinem Chef aus der Anästhesie vorgestellt und habe zusätzlich einen Cho Ray Kittel geliehen bekommen. Dr. Dat, leitender Oberarzt, hat mich herzlichst empfangen und mich die gesamte Zeit über sehr gut betreut.

Zu Beginn am ersten Tag habe ich zunächst nur zugesehen und einen Einblick in die mir bevorstehende Arbeit bekommen. Ich wartete immer im Flur vor den OP Sälen, bis die Patienten reingeführt wurden. Die OP Assistenten legen normalerweise die Zugänge und bereiten die Medikamente vor. Wenn ich also intubieren oder Zugänge legen wollte, musste ich vorher die Assistentin fragen. Eigentlich freuen sie sich immer und helfen Dir sogar, das Material vorzubereiten.

Am ersten Tag habe ich von sieben Intubationen keine alleine hinbekommen. Und von neun Zugängen habe ich acht „vergeigt“. Die Ärzte und Assistenten haben schon echt gelacht. Aber hier wird nicht geurteilt. Das gefiel mir sehr. Ich habe jedoch schnell Fortschritte gemacht und hatte am Ende schon gute praktische Fähigkeiten.

Was mir wirklich Schwierigkeiten bereitete, war, dass man im Krankenhaus nicht verstand, was eine Latexallergie ist. Ich hatte zwei Tage lang bei mindestens zehn Apotheken nachgefragt, bis ich am Ende latexfreie Handschuhe gefunden habe, leider nur in Größe S. Aber für meine Arbeit in der Klinik haben sie gereicht.

Bei schweren Fällen und Komplikationen wurde ich von den Anästhesisten dazugerufen und mir wurde viel erklärt. Ab Woche zwei stand auf dem Plan, dass ich eine komplette Narkose vorbereite und durchführe. In Woche drei sollte ich dann Medikamente mit aufziehen und in Woche vier mit in die Patientenakten schauen. Ich hatte eigentlich immer etwas zu tun. Bei 32 Patienten als einziger Student ist es aber auch eine Herausforderung, alle Braunülen zu legen und möglichst oft zu intubieren. Ich durfte einmal einen Bronchotube setzen. Auch arterielle Zugänge durfte ich legen. Der Arzt war die ganze Zeit neben mir und hat mir geholfen.

Die Arbeitszeit ging von 7:30 Uhr bis 16:00 Uhr. Nach 16:00 Uhr kamen die Privatpatienten. Manchmal durfte ich bleiben und auch dort helfen, dies war aber nicht so gerne gesehen. Eine Mittagspause konnte ich mir immer nehmen. Essenszeiten sind für die Vietnamesen sehr wichtig. Oft wurde ich zum Essen eingeladen. Die Ärzte mögen den Kontakt mit ausländischen Medizinstudenten. Sie üben auch gerne ihr Englisch oder wollen Kontakte aufbauen. Ausländische Studenten gibt es übrigens sehr viele. In allen Bereichen findet man sie, insbesondere aus Deutschland. Nicht ohne Grund, denn in der Chirurgie darf man erste Assistenz sein, in der Zentralen Notaufnahme darf man nähen, bis zum umfallen und auch sonst genießen die Studenten die Möglichkeiten im Cho Ray Hospital.

Die Patienten sprechen meist nur vietnamesisch, deshalb sind einige Grundkenntnisse in der vietnamesischen Sprache sehr wertvoll. Ansonsten gilt es, das Beste aus Zeichensprache und Zeigen zu machen.

Das Cho Ray Hospital

In der Wartehalle am Cho Ray Hospital
In der Wartehalle am Cho Ray Hospital

Das Krankenhaus selbst war brechend voll. Die Leute schlafen in den Gängen und auf den Betten sieht man manchmal zwei Patienten, die sich ein Bett teilen. Die Infusionen werden an Türgabeln gehängt und es wird Blut abgenommen, ohne Handschuhe zu tragen. Und dies bei einer HIV Rate von 10-15 Prozent. Einmal habe ich einem Patienten Blut abgenommen, als daneben auf dem Boden zwei Chirurgen an einer vom Motorradunfall abgehackten Hand gearbeitet haben. 60 Prozent aller OPs sind Traumaunfälle, man sieht echt viel. Von Messerstecherei bis zum Verkehrsunfall ist alles dabei. Es ist alles sehr gewöhnungsbedürftig, aber man kommt schnell rein.

Der OP Bereich gliedert sich in 16 OP Säle. Und pro OP Saal finden zeitgleich zwei Operationen statt. Es ist manchmal wenig Platz und ich hatte ein wenig Angst, wenn man nach der chirurgischen Händedesinfektion erstmal 20m gehen musste, um an den Tisch zu gelangen. Die Vietnamesen arbeiten sehr unkompliziert. Gestaut wird oft mit Handschuhen, oft desinfiziert wurden die Hände vom Gefühl her nicht. Manchmal sieht man Operateure im OP Saal auf dem Boden sitzen, oder sogar schlafen, bis die OP losgeht.

Leben und wohnen in Vietnam

In Ho Chi Minh City selbst findet man sich sehr schnell zurecht. Neben den Bussen, die aus dem Backpacker Viertel direkt zum Cho Ray Hospital fahren, kann man sich ein Mototaxi oder ein normales Taxi nehmen. Die Kosten halten sich in Grenzen, ca. 2-3$ für eine Fahrt. Gerechnet wird dort sowieso in Dollar. Es ist aber sehr günstig dort. Essen gibt es von 1-4$ und die Miete betrug ca. 200$.

Das Krankenhaus hat kein Schwesternwohnheim. Die meisten Studenten wohnen in WGs oder im Hostel im Backpackerviertel. Im Nachhinein würde ich nicht im Internet etwas vorreservieren lassen, denn vor Ort kann man echt gut nochmal über die Preise verhandeln, insbesondere, wenn man länger bleibt. Da ich Off-Season (Regenzeit) da war, hätte ich gut etwas rausschlagen können.

Ho Chi Minh City hat viel zu bieten. Ein Hafen, ein Kriegsmuseum, der Präsidentenpalast und zahlreiche weitere Attraktionen warten darauf, von den zahlreichen Touristen erkundet zu werden. Am Wochenende kann man Tagestouren in den Mekong Delta oder zu den Kriegstunneln in „Cu Chi“ buchen. Es gibt zahlreiche Reisebüros, die einem Trips ins ganze Land anbieten. Für das Wochenende kann man auch einfach einen der zahlreichen günstigen Flüge buchen und sich an den Strand oder die Halong-Bucht bringen lassen. Wer das Land selbst erkunden möchte, kann auch mit Backpack losziehen und sich die Route selbst zusammenstellen. Dies geht in Vietnam ohne Probleme.

Ho Chi Minh City

Ho Chi Minh City, der frühere Name war Saigon, besteht aus verschiedenen Districts. Dort findet man alle Gesellschaftsschichten. Und alle möglichen Läden. Von Streetfoodverkäufern bis zu ganzen Shopping Malls, in denen gefälschte Waren verkauft werden. Eine Stadt, in der jeder etwas für seinen Geschmack finden wird. Und nach so einer Shopping Tour kann man sich dann einen Zuckerrohrsaft oder einen frischen Smoothie gönnen, um sich auch vollständig im Paradies zu fühlen.

Es gibt aber auf der anderen Seite auch Schattenseiten, denn leider beherbergt Vietnam auch viele Kriminelle. Es gab Drogenhändler, Pickpockets, Einbrecher oder einfache Trickbetrüger. Mir selbst wurde mein Handy gestohlen und Falschgeld gegeben. Andere wurden direkt im Hostel beklaut oder im Bus bzw. während der Bahnfahrt.

Mein Resümee

Cho Ray Hospital – Eingang Operating Theatre
Cho Ray Hospital – Eingang Operating Theatre

Trotz meiner letzten Anmerkungen ist Vietnam echt eine Reise wert und wenn man Zeit hat, kann ich nur empfehlen, dieses Land zu bereisen. Es gibt traumhafte Landschaften, wunderschöne Strände, köstliches Essen und viele Shoppingmöglichkeiten. Und es ist sehr günstig, was es für Studenten auch noch erschwinglich macht.

Wer etwas lernen und eine neue Kultur kennenlernen möchte, ist hier am Cho Ray Hospital  und in Vietnam genau richtig.

P.,T.

Hamburg, September 2013

Stipendiat im Rahmen der Auslandsstipendien 2013

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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1 Kommentar

  • Hey, toller Bericht! Ich würde auch gern eine Famulatur in Vietnam machen und wäre dankbar für alle Tipps und Kontaktdaten 🙂 Danke!! LG

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