Medizinstudium in Lettland

3. Januar 2014

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Lettland, Riga, Latvijas Universitate
(27.08.2012-01.02.2013)

Endlich Medizinstudentin! Nachdem ich aufgrund meiner Abiturnote keinen Medizinstudienplatz in Deutschland erhalten hatte, hatte ich mich entschieden, mich in Riga, der Hauptstadt Lettlands und in 2014 eine der beiden Kulturhauptstädte Europas, für einen Studienplatz zu bewerben. Meine Bewerbung an der Latvijas Universitate war erfolgreich und ich konnte mit meinem Medizinstudium beginnen.

Warum gerade nach Riga?

Willkommen an der Medizinischen Fakultät in Riga
Willkommen an der Medizinischen Fakultät in Riga

„Medizinstudium! Wo genau? In Lettland! Wo liegt denn das?“ Dies haben mich viele meiner Freunde gefragt, als ich ihnen mitteilte, dass ich ab dem kommenden Wintersemester endlich meinen Traum verwirklichen und Medizin studieren werde – in Riga, Lettland.Nachdem ich feststellen musste, dass mein eigentlich recht passabler Abiturschnitt von 2,… für einen Medizinstudienplatz in Deutschland leider nicht ausreichte, fing ich an, mich nach Alternativen im Ausland umzuschauen.

Ein Studium in der Karibik oder in Ungarn war für mich persönlich zu teuer, die Wahrscheinlichkeit einen Studienplatz in den Niederlanden, Österreich oder Tschechien zu ergattern, zu gering.So war es ein glücklicher Zufall, als ich erfuhr, dass man an der Latvijas Universitate in Riga auf Englisch Medizin studieren kann. Die hohe Wahrscheinlichkeit im nächsten Semester sofort anfangen zu können, überzeugte mich natürlich, mich gleich zu bewerben. Auf der Homepage der Universität kann man gut zusammengefasst die benötigten Unterlagen für die Bewerbung finden (http://www.lu.lv/eng/istudents/application/transfer). Die Zeit ging schnell vorbei und schon hielt ich am 29.06.2012 endlich die Bestätigung in der Hand: ab dem 3. September endlich Medizinstudentin!

Meine Vorbereitungen begannen

Das Abenteuer, in Osteuropa Medizin zu studieren, sollte nun bald losgehen und ich fing mit den Vorbereitungen an. Foren wie z.B. Studis-online oder auch die Erfahrungsberichte der College-Contactseite, welche sich jedoch auf die Riga Stradins University beziehen, lieferten mir gute Informationsquellen. Das Studium in Riga hatte ich geplant, mit meinem Ersparten, aber auch mit der Unterstützung von Auslandsbafög, zu finanzieren. Also schickte ich den ausgefüllten BAföG Antrag so schnell es ging nach Chemnitz an das für Lettland zuständige Studentenwerk.

Nun ging es auf die Suche nach einer Unterkunft. In Erfahrungsberichten hatte ich oft vom „Green Apple“ (das Green Apple wurde leider im Februar 2013 geschlossen) gelesen, welches für die meisten Studenten in Riga oftmals die erste Anlaufstelle ist. Also entschloss ich mich damals, für die erste Zeit in Riga mir ein Bett im Dreierzimmer des „Green Apple Hostels“ zu buchen, das direkt in der Altstadt und somit sehr zentral liegt. Der Flug wurde für den 28. August gebucht, vorher noch ein paar Routineuntersuchungen bei Ärzten gemacht, und schon ging es auch los.

Angekommen in Riga

Das Rathaus von Riga - Europas Kulturhauptstadt 2014
Das Rathaus von Riga – Europas Kulturhauptstadt 2014

Mit einem 23 kg schweren Koffer, dem Anatomieatlas in der Hand, den es von Mama zum Geburtstag gab, stieg ich in den Flieger. Im Flugzeug war ich umringt von deutschen Rentnern, die ihre x-te Baltikums-Reise machten und mir heiße Insidertipps verrieten. Nach zwei Stunden Flug landete ich dann in einem mir bis dahin unbekannten Land.Ach ja, erstes Vorurteil ist, dass es in Lettland immer kalt und verschneit ist. War es aber gar nicht.

Also erstmal Jacke aus und den Koffer in den Bus hieven. Ein Busticket ins Zentrum kostet 0,70 Centimes also umgerechnet 1 € für eine 30 minütige Fahrt vorbei an einsamen Holzhäusern und eindrucksvollen Einkaufszentren. Die ersten Eindrücke: so ein gut ausgebautes Wifi Netz hatte ich noch in keiner europäischen Stadt erlebt, dermaßen viele langbeinige Frauen in High-Heels selten gesehen, genauso wie die hohe Anzahl an alten, bettelnden Menschen.Da ich im „Green Apple“ wohnte und die meisten anderen Mitkommilitonen sich auch dafür entschieden hatten, lernte man sich recht schnell kennen. Gemeinsam wurden dann kleine Dinge, wie das Eröffnen eines lettischen Bankkontos (z.B. Swedbank) erledigt oder auch die Anschaffung einer lettischen Sim-Karte (z.B. Bite, O-Karte, Tele 2). Dies ist alles auf Englisch oder Russisch ohne weitere Probleme möglich. Schnell bildeten sich auch Grüppchen, die dann gemeinsam auf Wohnungssuche gingen und auch recht bald alle ein neues Heim fanden.

Mein Start ins Medizinstudium

Zellbiologie Unterricht
Zellbiologie Unterricht

Während der Einführungswoche war im Gegensatz zu den deutschen Universitäten eigentlich fast nichts geplant – bis auf eine einzige Veranstaltung: die „Welcome Lecture“ in der Medizinischen Fakultät am Ende der Woche. Von Studenten aus höheren Semestern wurde uns erklärt, wo man am günstigsten und besten einkauft und wo abends am meisten los ist. Aber am spannendsten für uns war natürlich das gegenseitige Kennenlernen.

Keine große Überraschung war, dass 20 der 34 Studenten aus Deutschland kamen und sozusagen im „NC-Exil“ Riga nun ihr Glück versuchten. Der Rest kam aus dem Libanon, aus Norwegen, Griechenland, Frankreich, Estland und Finnland. Interessant war auch die Altersspanne. Der jüngste war 18, hatte gerade das Abitur gemacht und der älteste war 39 Jahre alt und verheiratet.Das letzte freie Wochenende näherte sich dem Ende und dann ging auch schon am Montag, 3. September, der Ernst des Lebens los.

Die Medizinische Fakultät der Latvijas Universitate (LU) besitzt keinen Campus. Wenn man also von der Chemie Fakultät zur Anatomiefakultät fahren möchte, kann es gut hinkommen, dass man mit dem Bus ungefähr eine halbe Stunde unterwegs ist, da man die „Daugava“, den Fluss, der Riga teilt, überqueren muss. Es muss für die Letten ein komisches Bild abgegeben haben, als ca. 20 Deutsche aufgeregt schnatternd und dicht gedrängt in einem Bus auf dem Weg zu ihrer ersten Zell-Biologievorlesung waren.Die noch ordentlich gebügelten Kittel übergestreift, ging es dann los zur ersten Vorlesung, die nicht, wie man erwarten würde, in einem Hörsaal stattfand, sondern in einem schlauchförmigen Raum, der ca. 17 m² groß war. Eng an eng saßen wir hinter Schulbänken und lauschten der Professorin, die einen Mix aus 60 Prozent Englisch und 40 Prozent Russisch sprach. Sie gab uns gleich zu spüren, dass wir es hier mit einem ganz anderen System zu tun hatten, das hieß, hier wird gelernt und nicht gefaulenzt! Unsere Anatomieprofessorin schien da etwas lockerer, aber trotzdem auch auf Disziplin bedacht.

Anatomie und Zellbiologie sind im ersten Semester die wichtigsten und zeitaufwendigsten Fächer neben Psychologie, Latein, „Introduction into Medicine“, Physik, Anorganische Chemie und nicht zu vergessen Lettisch. Lettisch, ja das ist so ein Fach für sich. Da die meisten deutschen Studenten sowieso vorhaben, nach vier Semestern in die Heimat zurückzuweichen, kann man vielleicht auch nachvollziehen, dass sie in das Erlernen der lettischen Sprache nicht so viel Energie stecken. Die ersten Wochen des Studiums gingen schnell vorbei und schon hatten wir unsere ersten Prüfungen.

Wohnen & Leben in Lettland

Die Nationaloper von Riga - Europas Kulturhauptstadt 2014 - im Sommer
Die Nationaloper von Riga – Europas Kulturhauptstadt 2014 – im Sommer

Zu meinem Erstaunen und im Vergleich zu deutschen Großstädten ist der Mietpreis in Riga sehr angenehm und man kann wirklich schöne, renovierte Wohnungen im Zentrum oder in der Hauptstadt Lettlands finden. Man sollte sich auf jeden Fall, so früh es geht, um eine Bleibe kümmern und vielleicht schon vorher im Internet suchen. Es gibt dazu eine Menge Seiten wie z.B. http://www.rentinriga.lv/ , http://www.ss.lv/ , http://www.kivi.lv/en, http://www.apartments-riga.com/ , auf denen man für jedes Budget eine schöne, preisgünstige Wohnung finden kann.

Auf jeden Fall sollte das traute Heim auf der Seite der „Daugava“ sein, auf der das Zentrum und auch die Altstadt sind, denn dort spielt sich das Leben ab, mit kulturellem Angebot, aber auch mit viel mehr Supermärkten, als auf der anderen Seite.Aber Achtung! Die Wohnungssuche in Lettland gestaltet sich anders als in Deutschland. Man muss höllisch aufpassen, dass man nicht übers Ohr gehauen wird und sollte auf keinen Fall einen Mietvertrag auf Lettisch unterschreiben. Am besten immer noch von jemand Einheimischem prüfen lassen, ob alles stimmt und erst dann unterschreiben.

Nicht ganz unwichtig bei der Auswahl der neuen Wohnung ist, wie nah die nächste Bus- oder Tramhaltestelle ist, da man im Winter ungern lange Fußmärsche unternehmen möchte. Das Verkehrssystem in Riga ist gut ausgebaut und hat verschiedene Transportmöglichkeiten wie zum Beispiel Trolleybusse, Autobusse, Straßenbahnen und Minibusse. Die Studenten erhalten von der Universität eine Fahrkarte mit Studentenrabatt, welche sie dann immer wieder aufladen können.Zum Einkaufen gibt es in Riga ein paar verschiedene Supermärkte mit unterschiedlicher Qualität, wobei ich sagen muss, dass die Preise umgerechnet höher sind als in Deutschland. Eine gute Möglichkeit ist es, sich auf dem Markt frisches Gemüse, Fleisch und Obst zu besorgen.

Freizeit in Riga

Die schöne Nationaloper in Riga von innen
Die schöne Nationaloper in Riga von innen

Riga, in 2014 eine der beiden Kulturhauptstädte Europas, bietet eigentlich wie jede Hauptstadt viele verschiedene Möglichkeiten, sich seine Freizeit schön zu gestalten. Man kann die wunderschöne Oper in der Altstadt Rigas besuchen oder auch an einem regnerischen Tag ins Museum gehen. Ich persönlich finde jedoch, dass man die Ausstattung der Museen in Riga nicht mit den deutschen vergleichen kann. Bei meinen Besuchen des „State Museums of Art“ oder des „Museums of Dekorative Art“ war ich fast ein wenig enttäuscht.

Die Oper kann ich aber wärmstens empfehlen! Man bekommt ab 2,50 Latz ein Ticket und kann sich ein schönes Ballett, Theaterstück oder eine Oper anschauen.Wer gerne ins Kino geht, wird in Riga auch fündig. Es gibt viele verschiedene kleine alternative Kinos und einige große. Die Filme werden im Originalton mit lettischem und russischem Untertitel gezeigt und wie auch die Preise für die Oper sind hier die Eintrittspreise ebenfalls sehr günstig.Für die sportlichen Medizinstudenten gibt es eine Menge verschiedener Fitnessstudios, die im Vergleich zu den deutschen Studios wirklich günstig sind. Zudem kann man dort auch verschiedene Kurse von Karate, Ballett bis Pilates belegen. Wer es ein wenig extremer mag, kann ferner außerhalb der Innenstadt Paintball spielen oder Kartfahren. Und wenn es mal ein ruhiger Nachmittag in einem Café sein soll, gibt es unzählige schöne Cafés im Zentrum von Riga, in denen man entweder lernen oder sich zum Unterhalten treffen kann.

Fazit meines ersten Semesters in Riga

Riga - Europas Kulturhauptstadt 2014 - im Winter
Riga – Europas Kulturhauptstadt 2014 – im Winter

Das erste Semester ging schnell vorbei, die ersten Monate waren sehr aufregend und in manchen Augenblicken auch kräftezehrend, doch ich kann sagen, dass ich die Entscheidung, nach Lettland gegangen zu sein, keinesfalls bereue. Im Gegenteil, ich bin sehr froh, den Schritt gewagt zu haben, in ein unbekanntes Land zu reisen, um dort Medizin zu studieren.Leider muss ich zugeben, dass ich bisher noch nicht so viel Kontakt mit den Letten hatte und mich auch noch nicht außerhalb von Riga aufgehalten habe. Doch ich hoffe, dass dies sich im zweiten Semester ändern wird und ich dann neben den Einzelheiten zu meinem Medizinstudium auch ein wenig mehr über Land und Leute berichten kann!

Anastasia Basmanov
Riga, Oktober 2013

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6 Kommentare

  • Hey ihr beiden,

    man kann doch aber auch an der Stradins Universität Medizin studieren, oder? Wo ist es besser, was denkt ihr? Ich will mich aufs Sommersemester 2016 dort bewerben.

    Liebe Grüße

    Katha

  • Sehr interessant! Ich möchte unbedingt Medizin studieren und wie bei dir reicht auch meine Abiturnote nicht für ein Studium in Deutschland. Aber nicht so schlimm, bisher hab ich nur gutes über die LU in Riga gehört und möchte mich auf jeden Fall für das Wintersemester 2015/16 bewerben.
    Gibt es denn auch einen Aufnahmetest an der LU und hast du die Bewerbungsunterlagen persönlich in Riga abgegeben oder per Post geschickt?
    Danke für deinen Artikel!
    Ruben

    • Hey Ruben,

      ich hoffe du liest das hier, im WS 2015 möchte ich mich auch an der LU in Riga bewerben! Vielleicht hast du ja Lust dich mit mir auszuauschen?

      lg Dennis

  • Hallo Anastasia,
    Zuerst einmal Danke für deinen Bericht über das Medizinstudium in Riga.
    Ich bin Medizinstudentin und bin mir am überlegen die restlichen 4 Jahre des Studiums im Ausland zu absolvieren. Ich wollte fragen ob du mir empfehlen würdest nach Riga zu gehen (trotz fehlender Kenntnisse der Sprache)? Kennst du Leute die vom Ausland kommen und das Studium dort abgeschlossen haben? Ausserdem hatte ich Mühe mit Multiple-choice Prüfungen, hat es viele davon?
    Danke viel mals schon im Voraus für deine Antwort
    Liebe Grüsse Lorenza

  • Hey Anastasia,

    es ist echt super wie viel Informationen du hier über Riga schreibst. Bei meiner Suche über ein Studium im Ausland bin ich auch noch auf die Seite der MSA – Medizin im Ausland studieren http://www.medizin-studium-ausland.de/ gestoßen. Die bieten sogar kostenlose Beratungen an und helfen einem bei der Wohnungssuche. Werde da mal anrufen. Dir wünsche ich noch weiterhin eine tolle Zeit in Lettland!

    Grüße
    Dörte

  • Hey Anastasia,
    ich interessiere mich auch für ein Studium in Lettland und würde gerne näheres dazu wissen und hoffe du kannst mir weiterhelfen.
    Wie hoch sind eigentlich die Studiengebühren an der Universität Latvijas und ist es schwer dort einen Studienplatz zu bekommen?

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