Famulatur auf Barbados – Psychiatrie

25. Oktober 2013

in Barbados, Chancen im Ausland, Famulatur im Ausland, Psychiatrie

Barbados, Bridgetown, Queen Elizabeth Hospital (03.08.-01.09.2013)

Famulatur auf Barbados – eine großartige Sache, aber auch die große Chance hinter all‘ die Kulissen eines karibischen Inselstaates zu schauen, Dinge zu erleben, die einem Touristen verborgen bleiben und die Licht- und Schattenseiten eines Inselparadieses kennenzulernen. Und durch Zuschauen und durch die Erklärungen der Ärzte viel theoretisches Wissen festigen und einiges über den korrekten Umgang mit psychiatrischen Patienten lernen.

In der Psychiatrie auf Barbados… eine etwas andere Famulatur

Weiße Traumstrände mit türkisblauem Wasser – das ist Barbados. Einen Monat lang in einem solchen Umfeld seine Freizeit gestalten zu können, war durchaus eine Hauptmotivation für diese Famulatur. Allerdings hat man überdies die großartige Chance hinter die Kulissen von Hotelidylle und karibischer Urlaubs-Fassade zu blicken und das echte Leben eines kleinen Inselstaates und seiner Bewohner kennenzulernen.

Es war mir wichtig, einmal eine Famulatur in einem ganz anderen Umfeld außerhalb der Industrienationen zu verbringen und zu sehen, wie Medizin mit begrenzten Mitteln gestaltet werden kann.

Bewerbung und erste organisatorische Schritte

Queen Elizabeth Hospital
Queen Elizabeth Hospital

Das Queen Elizabeth Hospital, an welchem man seine Famulatur verbringt, ist das Lehrkrankenhaus der University of the West Indies (UWI). Die universitäre Anbindung erfordert zwar die Entrichtung von Studiengebühren, garantiert aber einen organisierten Ablauf mit Lehrveranstaltungen. Die Anerkennung eines Aufenthaltes für das Praktische Jahr scheint ebenso möglich zu sein. Die Klinik ist zentral in der Inselhauptstadt Bridgetown gelegen.

Da es sich um ein international sehr beliebtes Ziel für medizinische Studienaufenthalte handelt, sollte man mindestens ein Jahr im Voraus seine Famulatur planen und Kontakt mit der Fakultät für medizinische Wissenschaften der UWI sowie der zuständigen Sachbearbeiterin aufnehmen. Man bekommt daraufhin mitgeteilt, in welchen Abteilungen noch Kapazität besteht.

Zunächst muss man danach einen Lebenslauf, eine Leistungsübersicht und ein Empfehlungsschreiben des Dekanats vorlegen. Man sollte bald darüber informiert werden, ob man für einen Aufenthalt akzeptiert wurde. Ich erhielt eine Bestätigungs-Mail allerdings erst drei Wochen vor fraglichem Famulatur-Beginn. Um den angebotenen Platz in Anspruch zu nehmen, muss ein Bewerbungsbogen ausgefüllt werden, welcher erneut die Mithilfe des Dekanats beansprucht, sowie eine Bewerbungsgebühr von US$100 bezahlt werden. Außerdem ist ein Gesundheitsfragebogen von einem Arzt auszufüllen. Es werden hierfür negative MRSA-Abstriche sowie Nachweise über die Immunisierung von Hepatitis B, Röteln und Varizellen gefordert.
Die noch ausstehende Studiengebühr von US$250 ist vor Ort gleich am ersten Tag zu bezahlen.

Nach Rücksprache mit der Botschaft von Barbados in München war ein Visum nicht notwendig. Für die Einreise benötigt man aber bereits sein Rückflug-Ticket und natürlich einen gültigen Reisepass.

Für meinen Hinflug nahm ich ein Angebot der Fluggesellschaft Condor in Anspruch, welche vom Flughafen Frankfurt am Main, von einer kurzen Zwischenlandung auf Tobago abgesehen, Barbados direkt anfliegt. Hierfür zahlte ich 500,– €. Mein Weiterflug in die USA kostete mich etwa 350,–€.

Vor der Abreise sollte man sich auf jeden Fall um eine Auslandsreisekrankenversicherung kümmern.

Wohnen auf Barbados

Von der bereits erwähnten und für die Bewerbung zuständigen Sachbearbeiterin der University of the West Indies erhält man drei mögliche Wohnadressen mit Monatsmieten zwischen US$350 und US$450. Ich habe mich für das Gästehaus von Antje entschieden, welches etwa acht Gehminuten vom Queen Elizabeth Hospital entfernt gelegen ist. Ich war mit dieser Entscheidung zufrieden und habe die dortige freundliche als auch entspannte Atmosphäre sehr genossen. Man teilt sich das Haus mit fünf weiteren Mitbewohnern, hat eine vollausgestattete Küche zur Verfügung und kann auf der Veranda entspannen. Bis zum Strand, der wunderschönen Carlisle Bay, sind es etwa 15 Gehminuten. Man wohnt generell recht zentral und in einer sicheren Wohngegend. Supermarkt sowie Busverbindungen sind gut zu erreichen. Man kann Antje über folgende Email-Adresse kontaktieren:

An dieser Stelle sei erwähnt, dass die öffentlichen Verkehrsmittel auf Barbados für karibische Verhältnisse ausgezeichnet sind. Man kann fast alle interessanten Stellen der Insel mit dem Bus erreichen und zahlt immer nur US$1 pro Fahrt. Gerade die südlichen Küstenabschnitte von Bridgetown sind mit kleinen Minibussen fast ohne Wartezeiten bequem zu besuchen.
Im Gegensatz zum öffentlichen Transport sind sonstige Lebenshaltungskosten, vor allem Nahrungsmittel, wesentlich höher als in Deutschland.

Famulatur auf der Psychiatrie

Psychiatric Hospital Admission Ward
Psychiatric Hospital Admission Ward

Bereits am ersten Tag am Queen Elizabeth Hospital offenbarten sich deutliche Unterschiede zu deutschen Krankenhäusern. Die Stationen bestehen hier nämlich aus großen Räumen mit über zwölf Patientenbetten, einer Aufenthaltszone und der Schwesternzentrale. Privatsphäre und eine ruhige Unterbringung treten wohl aufgrund von Kostengründen in den Hintergrund. Auch wirken die Wartebereiche der ambulanten Versorgung stets überfüllt und Patienten müssen sehr lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Die Famulatur selbst gestaltete sich etwas anders, als ich es von anderen Famulaturen gewohnt war. Anstelle mehr oder weniger selbständig am Stationsalltag teilzunehmen, war man stattdessen dem Praktikum der lokalen Medizinstudenten zugeordnet. In einer Kleingruppe von 3-7 Studenten besuchte man verschiedene Lehrveranstaltungen. Dies hatte den Vorteil, dass sich immer entsprechende Ärzte verantwortlich gefühlt haben und sehr bemüht waren, viel Wissen und Fertigkeiten zu vermitteln. Der Nachteil war allerdings, dass ein selbständiges Arbeiten und Üben nur selten möglich war. Hierfür musste man Eigeninitiative zeigen und beispielsweise auf Station fragen, ob man Patientengespräche führen darf. Mit etwas Glück fand die Oberschwester einen „passenden“ Patienten, mit welchem man sich dann unterhalten durfte.

Die obligatorischen Lehrveranstaltungen bestanden aus theoretischen Einheiten, in deren Rahmen die lokalen Studenten manchmal auch Referate halten mussten, und aus Praktika. Letztere fanden entweder am Queen Elizabeth Hospital selbst, wie z.B. die „Ward Rounds“, oder an externen Krankenhäusern bzw. Polikliniken statt.

Während der „Ward Rounds“ der Psychiatrie wurden verschiedene interessante Patienten erstmalig oder im Verlauf gesehen und intensiv besprochen. Hierbei wurden nicht nur Gespräche mit den Patienten, sondern auch mit deren Angehörigen geführt. Die Krankheitsbilder waren sehr verschieden und enthielten z.B. affektive, psychotische oder Angst-Störungen. Gerade wenn die sozialen Hintergründe näher beleuchtet wurden, zeigten sich die deutlichsten Unterschiede zu Deutschland. Dies machte einem immer wieder klar, welche große Rolle Kultur und sozialer Status in der Pathogenese der meisten Krankheiten spielen. Gerade Familienstrukturen und Berufsleben unterschieden sich stark von deutschen Verhältnissen und verursachten oftmals den psychiatrischen Erkrankungen zugrunde liegende Problematiken.

Diese Erfahrungen wurden von den Besuchen der Polikliniken außerhalb weiter untermauert. Diese Versorgungszentren wirkten teilweise ein wenig improvisiert und meist überfüllt. Man konnte hier einen guten Eindruck von der ambulanten Langzeitbetreuung psychiatrischer Patienten gewinnen.

Ein Höhepunkt waren die Besuche des Psychiatric Hospitals, einer ausgegliederten psychiatrischen Spezialklinik, welche besonders schwerwiegende oder chronische stationäre Fälle betreut. Hier konnte man z.B. Schizophrenien in stark fortgeschrittenen Stadien begutachten, welche aufgrund rechtzeitiger adäquater Behandlung in Deutschland wohl nur selten in diesem Ausmaß zu sehen sind.

An den Nachmittagen konnte man fakultativ die Unterrichtsveranstaltungen der Medizinethik besuchen. Diese waren meist als Seminar gestaltet und behandelten Themen wie Schweigepflicht, Patientenverfügungen oder Ethik in der Forschung.

Die medizinische Ausbildung an der University of the West Indies ähnelt stark dem US-amerikanischen System und den Alltag der lokalen Medizinstudenten zu erleben, war eine sehr interessante Erfahrung. Diese waren stets nett und hilfsbereit. Generell waren die Arbeitszeiten sehr freundlich. Der Krankenhausalltag begann meist um 9:00 Uhr und die Vormittagsveranstaltungen endeten zwischen 12:00 und 13:00 Uhr. Die Nachmittage enthielten meist freiwillige Unterrichtseinheiten. In seiner Freizeit konnte man versuchen, selbständig Patientengespräche auf Station zu führen.

Die Verständigung mit Ärzten und Studenten funktionierte ohne Probleme. Manche Patienten sprachen allerdings in einem starken Dialekt und waren abhängig vom Krankheitsbild nur sehr schwer zu verstehen. Die Bitte, etwas langsamer und deutlicher zu sprechen, half hier aber oft weiter.

Zusammenfassend muss man sagen, dass selbständiges und praktisches Üben leider in den Hintergrund trat. Dafür konnte man durch Zuschauen und die Erklärungen der Ärzte viel theoretisches Wissen festigen und einiges über den korrekten Umgang mit psychiatrischen Patienten lernen.

Leben auf Barbados

Crane Beach - ein Traum
Crane Beach – ein Traum

Barbados ist eine wirklich schöne Insel und bietet genügend Möglichkeiten, seine Freizeit sinnvoll zu nutzen. So hat jede Küstenregion ihre Eigenheiten und der edle Nordwesten, der lebhafte Süden oder der raue Osten sind lohnende Ausflugsziele. Außerdem kann man verschiedenen sportlichen Aktivitäten nachgehen, wie z.B. Tauchen, Surfen oder auch Trekking.

Am Wochenende gibt es verschiedene kulturelle Angebote, wobei das „Oistins Fish Fry“ das Highlight am Freitagabend ist. Der fangfrische Fisch des Fischerortes „Oistins“ wird hierbei bei einer Art kulinarischem Volksfest nach typischer „Bajan“-Art zubereitet.

Bridgetown selbst ist tagsüber eine geschäftige Stadt mit vielen kleinen Läden und Straßenständen sowie den großen Duty-free-Edelkaufhäusern für die Kreuzfahrt-Touristen. Abends spielt sich das Leben eher in den südlichen Vororten ab, wie z.B. in St. Lawrence Gap, welche mit den Minibussen leicht erreicht werden können. Barbados gilt als sichere Insel.

Ein Blick zurück

West Coast Sunset
West Coast Sunset

Meine Famulatur auf der karibischen Trauminsel Barbados würde ich durchaus als gelungen bewerten. Man konnte sehr gut das Notwendige mit dem Schönen verbinden. Auch wenn das selbständige, praktische Arbeiten am Patienten eher gering ausgeprägt war, so konnte man sein Wissen und Gefühl für psychiatrische Patienten durch die angebotenen Lehrveranstaltungen und Praktika verbessern. Die Ärzte waren sehr bemüht und stets freundlich. Am meisten profitierte man jedoch von den fachlich ungebundenen Erfahrungen, welche man im medizinischen Sektor einer fremden und doch sehr unterschiedlichen Kultur sammelt.

Außerdem bot sich die wohl einmalige Chance, einen Monat lang auf einem Inselparadies zu leben und dieses in seiner Gänze, also mit Licht- und Schattenseiten, kennenzulernen.

M. Mader
Mainz, September 2013

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