PJ in Australien – Chirurgie

27. September 2013

in Australien, Chancen im Ausland, Chirurgie, Praktisches Jahr im Ausland

Australien, Sydney, Royal Prince Alfred Hospital (25.02.-21.04.2013)

Nach 20 Stunden Flug landete ich in Australien, mit dem Ziel, einen Abschnitt meines PJ am Royal Prince Alfred Hospital, einem Lehrkrankenhaus der Central Clinical School der University of Sydney, zu absolvieren. Es erwartete mich eine Zeit, in der ich ein breites Spektrum an Prozeduren und Operationen sehen und Erfahrungen in der Stationsarbeit in einem englischsprachigen Land sammeln sollte.

Entscheidung für einen PJ-Aufenthalt „down under”

Australien – der Kontinent am anderen Ende der Welt. Schon lange fasziniert von den Besonderheiten dieses Erdteils und bestärkt durch positive Erfahrungsberichte, entschied ich mich, einen Teil meines Praktischen Jahres dort zu verbringen. Nach einer kurzen Einführung zu organisatorischen Belangen möchte ich anschließend ausführlich die Tätigkeit im Krankenhaus und die allgemeinen Eindrücke aus Australien schildern.

Die Bewerbung und wichtige organisatorische Punkte

Kontraste der Architektur - im Vordergrund das mondäne Queen-Victoria-Building
Kontraste der Architektur – im Vordergrund das mondäne Queen-Victoria-Building

Für die Bewerbung um einen PJ-Platz in Australien ist es aus meiner Sicht ratsam, sich anderthalb bis zwei Jahre vor dem gewünschten Zeitraum zu bewerben; so hat man bei den verfügbaren Fachrichtungen noch die freie Wahl. Im Falle der University of Sydney läuft die Bewerbung über eine der Clinical Schools, denen jeweils ein Lehrkrankenhaus zugeordnet ist. Das Bewerbungsverfahren selbst und auch die Kosten unterscheiden sich meines Wissens nicht und belaufen sich auf ca. 1.200 AUD für einen PJ-Aufenthalt von acht Wochen.

Neben Lebenslauf und Anschreiben sind unter anderem ein Impfnachweis, ein übersetztes Führungszeugnis, ein Dekanatsbrief, ein Australian National Police Check und einige andere Dokumente einzureichen. Allerdings sind die notwendigen Schritte auch in einem „Application Package“ nochmals sehr gut erklärt.

Zweite Hürde nach der Zusage der Universität ist die Erteilung eines Visums. Hier haben sich aktuell Anfang 2013 Änderungen ergeben, so dass die hier gemachten Angaben unter Umständen nicht mehr zutreffen. Allerdings war bisher ein elektronischer Visums-Antrag zu stellen, welcher dann von den zuständigen Stellen geprüft und gegebenenfalls mit weiteren Auflagen versehen wird. Gibt man an, im medizinischen Bereich zu arbeiten, wird eine Gesundheitsprüfung bei einem von der australischen Einwanderungsbehörde anerkannten Arzt verlangt. Diese finden sich beispielsweise in Berlin, Hannover, Frankfurt/Main und München. Dort werden unter anderem eine körperliche Untersuchung durchgeführt und ein Röntgen-Thorax angefertigt; leider ist diese Untersuchung relativ teuer (ca. 250,- EUR) und wird in der Regel nicht von der Krankenkasse erstattet.

Nachdem man diese Hürden bewältigt hat, kann man sich an die Buchung eines Fluges machen. Die Flugzeit beträgt ca. 20 h, in der Regel mit Zwischenstopp in Dubai/Abu Dhabi oder Singapur, je nach Fluglinie. Auch hier ist frühes Buchen sicher ratsam.

Allgemein ist Australien ein Land mit sehr hohen Lebenshaltungskosten; dies spiegelt sich in Mieten und Lebensmittelpreisen wieder. Für die Unterkunftsbeschaffung gibt es verschiedene Strategien. Man kann anreisen und erst vor Ort suchen, oder versuchen, bereits von Deutschland aus eine Unterkunft zu beschaffen. Beides hat Vor- und Nachteile. Eine Option, sowohl zur Überbrückung als auch für den gesamten Zeitraum, können „Guesthouses“ sein, die Ein- oder Mehrbettzimmer mit geteiltem Bad und geteilter Küche anbieten. Achtung: generell werden Mieten in Australien immer pro Woche angegeben. Je nach Zeitraum (Semesterferien) können eventuell auch Wohnheimplätze in den Colleges der Universität zu haben sein.

Meine Tätigkeit am Royal Prince Alfred Hospital

Das Royal Prince Alfred Hospital in Sydney
Das Royal Prince Alfred Hospital in Sydney

Nun jedoch zur eigentlichen klinischen Arbeit. Im Royal Prince Alfred Hospital, dem Lehrkrankenhaus der Central Clinical School der University of Sydney, konnte ich Einblicke in die Allgemeinchirurgie und die Herzgefäßchirurgie gewinnen. Beide Abteilungen arbeiteten nach ähnlichen Prinzipien, die sich jedoch von denen bei uns üblichen unterscheiden. So definieren sich die einzelnen Abteilungen in erster Linie als „Team“ einer bestimmten Richtung, in meinem Fall beispielsweise „Upper Gastrointestinal“ oder „Cardiovascular“.

Dieses Team besteht aus „Consultants“, die unseren Fachärzten entsprechen, sowie „Fellows“, „Registrars“ und „Residents“, dies sind verschiedene Ausbildungsstufen auf dem Weg zum Facharzt. Hinzu kommen „Interns“, die – ähnlich dem früheren „AiP“ (Arzt im Praktikum) – das Medizinstudium abgeschlossen haben und nun für ein Jahr auf verschiedenen Stationen arbeiten, um anschließend ihre Vollapprobation zu erhalten. Anzumerken ist, dass die „Consultants“ in der Regel in mehreren Krankenhäusern und einer eigenen Praxis arbeiten, und nur tageweise im jeweiligen Haus anzutreffen sind. Patienten werden einem „Consultant“ zugeordnet, und er ist dann auch nur für „seine“ Patienten zuständig. Diese Zuständigkeit bezieht sich hauptsächlich auf die durchzuführende Operation, da die reguläre Stationsarbeit Aufgabe der „Interns“ oder „Residents“/“Registrars“ ist.

Eine zweite, damit direkt zusammenhängende Abweichung vom uns bekannten System ist, dass Patienten durchaus auf unterschiedlichen Stationen liegen können, aber immer noch zum betreffenden Team gehören, und auch von diesem betreut werden. In der Folge erstrecken sich morgendliche Visiten oft über mehrere Stationen und Stockwerke – je nachdem, wo ein Patient des eigenen Teams untergekommen ist. Allerdings gibt es trotz allem eine Station, welcher die Patienten hauptsächlich zugewiesen werden.

Sowohl in der Allgemein- als auch der Herzgefäßchirurgie nahm ich an den morgendlichen Visiten um 7:00 Uhr teil, bei der aktuelle Beschwerden, Medikationsumstellungen sowie anstehende Prozeduren oder Entlassungen besprochen wurden. Nach ca. ein bis zwei Stunden konnte man dann entweder auf der Station bleiben, und dort Patienten untersuchen, bei der Einholung von Konsilen helfen, kleinere Handgriffe durchführen wie z.B. IV-Zugang legen oder Blut abnehmen. Man konnte aber auch in den OP gehen und dort bei den Eingriffen zuschauen und assistieren.

Im OP konnte man viele interessante und typische Eingriffe sehen; neben Gallenblasen- und Blinddarmentfernungen sowie Hernienoperationen gab es unter anderem auch Whipple-Operationen und Leberresektionen / -transplantationen. Oft war es möglich, auch selbst am Tisch zu stehen und entweder Haken zu halten oder, bei den häufig laparoskopisch durchgeführten Eingriffen, die Kamera zu bedienen.

In der Herzgefäßchirurgie stellte sich der Tagesablauf sehr ähnlich dar; das Operationsspektrum reichte von Endarteriektomien und Venenstrippping über diverse Kathetherinterventionen bis zu Aneurysmaoperationen und anderen großen Eingriffen.

In beiden Abteilungen wurde ich sehr herzlich willkommen geheißen. Oft wurde, vor allem von den jüngeren Ärzten, vorhandene freie Zeit für das Erklären von Untersuchungsbefunden, Krankheitsbildern oder diversen Techniken verwendet. Auch in den OPs war der Umgang immer ausgesprochen freundlich. Auffällig ist im Übrigen auch die ausgeprägte Internationalität, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Krankenhauses. Große Teile des medizinischen Personals kommen aus europäischen oder asiatischen Ländern. Selbiges gilt auch für die Patienten, die oft einen Einwanderungshintergrund haben. So begegnet man vielen verschiedenen Akzenten, und es kann darüber hinaus auch vorkommen, dass man zur Kommunikation mit einem Patienten einen Dolmetscher benötigt. Ein normaler Arbeitstag endete für mich zwischen 17:00 Uhr und 18:00 Uhr.

Eintauchen in einen fernen Kontinent

Das berühmte Wahrzeichen Sydneys - das Opernhaus
Das berühmte Wahrzeichen Sydneys – das Opernhaus

Auch wenn nach einem normalen Arbeitstag kaum noch Zeit für Erkundungen bleibt, so kann man doch die freien Wochenenden für viele Besichtigungen und Ausflüge nutzen. Sydney ist dabei vermutlich die vielseitigste und spannendste Stadt Australiens und bietet eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten sowie kulturelle und andere Highlights. Beispielhaft erwähnt seien das berühmte Opernhaus, der in unmittelbarer Stadtnähe befindliche „Bondi Beach“ oder auch die diversen Kunstmuseen.

Für Tagesausflüge bieten sich die im unmittelbaren Hinterland gelegenen „Blue Mountains“ und die Hauptstadt Canberra an. Mit nur 360.000 Einwohnern besitzt Canberra nur ein Zehntel der Einwohner Sydneys. Dennoch lohnt sich ein Besuch insbesondere für kulturell und architekturgeschichtlich Interessierte in der vor 100 Jahren gegründeten Planstadt.

Leider unterschätzt man als Europäer im Allgemeinen die gewaltigen Distanzen in Australien. Ein Großteil aller berühmten Sehenswürdigkeiten des Landes sind über 1.000 oder noch mehr Kilometer von Sydney entfernt. Das weltberühmte „Great Barrier Reef“, Alice Springs mit „Uluru/Ayers Rock“ oder auch Melbourne können de facto nur per Flugzeug erreicht werden. Allerdings gibt es oft relativ günstige Inlandsflüge von verschiedenen Anbietern. In der Regel wird es im Krankenhaus sogar begrüßt, wenn man einen Wochenendausflug um einen Tag verlängert. Die Australier sind sich der Dimensionen ihres Landes wohlbewusst, und freuen sich, wenn man es etwas bereisen möchte.

Mein Resümee

Ein Eindruck aus dem Red Center Australiens
Ein Eindruck aus dem Red Center Australiens

Insgesamt konnte ich während meiner acht Wochen am Royal Prince Alfred Hospital, hinter dessen viktorianischer Fassade sich ein moderner Gebäudekomplex verbirgt, ein breites Spektrum an Prozeduren und Operationen sehen und Erfahrungen in der Stationsarbeit in einem englischsprachigen Land sammeln.

Zudem konnte ich bei meinem Aufenthalt in Australien meine Sprachkenntnisse verbessern und wenigstens ein paar erste Eindrücke von einem faszinierenden Kontinent sammeln.

B., M.
Freiburg, September 2013

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