PJ in der Schweiz – Chirurgie

15. Juli 2013

in Chancen im Ausland, Chirurgie, Praktisches Jahr im Ausland, Schweiz

Schweiz, Luzern, Luzerner Kantonsspital (04.06.-09.09.2012)

Meine Entscheidung, für die Chirurgie in die Schweiz zu gehen, würde ich genauso noch einmal treffen. Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Nicht nur, dass ich in meinem Vorhaben bestärkt wurde, in Zukunft chirurgisch tätig zu sein. Vielmehr habe ich gelernt, selbstständiger und selbstsicherer zu arbeiten. Und hinzukam, dass nicht nur die Assistenzärzte, sondern auch die Oberärzte bis hin zu den Chefärzten, einen als Teil des Ganzen sahen.

Motivation

Den Wunsch, einen Teil meiner medizinischen Ausbildung in der Schweiz zu absolvieren, hatte ich schon vor Beginn meines Medizinstudiums. Nicht nur, weil die Schweiz ein wunderschönes Land mit vielen eindrucksvollen Orten ist, sondern weil ich die Arbeits- und Lebensweise dieses Landes entdecken und erleben wollte. Da die Schweiz nicht alleinig im medizinischen Hinblick bezüglich Ausbildung und Weiterbildung wertvolle Konzepte aufweist, bot sich mir besonders der Reiz, diese Erfahrung selbst zu machen.

Leider ist es so, dass das Chirurgie-Tertial im Medizinstudium des Öfteren mit negativen Assoziationen behaftet ist und das typische „Hakenhalten“ häufig im Vordergrund steht.
Da ich jedoch eine Vorliebe für die chirurgische Seite der Medizin habe, wollte ich dieses Tertial in einer Klinik verbringen, welche mein Interesse am chirurgischen Arbeiten fördert.

Bestärkt wurde ich in meinem Vorhaben von einem Arzt, der ebenfalls sein Chirurgie-Tertial
in der Schweiz im Kantonsspital Luzern absolviert hatte. Seine Begeisterung für diese Stadt und das Arbeiten dort, ermutigte mich dazu, mich auch frühzeitig in diesem Haus zu bewerben.

Da ich zu diesem Zeitpunkt noch keine rechten Vorstellungen vom Praktischen Jahr hatte, wartete ich gespannt auf diese Zeit, welche ich heute nicht mehr missen möchte.

Vorbereitung und Bewerbung

Meine Bewerbungsvorbereitungen begannen etwa zwei Jahre vor PJ-Beginn. Die lange Vorlaufzeit erwies sich als sehr wertvoll, da bereits zu diesem Zeitpunkt nur noch Unterassistentenstellen in der Chirurgie für das zweite Tertial frei waren. Letztendlich war ich darüber im Nachhinein jedoch froh, da der Sommer in Luzern durchaus seinen Reiz hat.

Ich richtete meine Bewerbung um eine Unterassistentenstelle mit Lebenslauf an die Chirurgische Klinik des Spitals und erhielt binnen kurzer Zeit eine schriftliche Zusage mitsamt Praktikumsvertrag, Klinikbroschüre und der Bitte um eine Kopie des Personalausweises für das Amt für Migration. Im Vorfeld hatte man die Möglichkeit im beigelegten Rotationspräferenzschreiben die Abteilungen anzugeben, durch welche man vorrangig rotieren möchte und welche von den drei Abteilungen Traumatologie, Viszeral und Herz-/Thorax- und Gefäßchirurgie das Haupteinsatzgebiet sein sollte.

Ich erhielt schließlich etwa drei Monate vor Stellenantritt weitere Informationen über die folgenden administrativen Vorbereitungen und die Sekretärin des Chirurgischen Sekretariats war sehr bemüht, aufkommende Fragen telefonisch oder per Mail zu beantworten, welche bei der Fülle an Unterlagen schon einmal aufkommen können.

Da die Lohnauszahlung über ein Lohnkonto in der Schweiz erfolgt, empfiehlt es sich, dieses bei der „Postfinance“ zu eröffnen. Es kann als Ausbildungskonto unter Vorlage des Arbeitsvertrages und einer gültigen Immatrikulationsbescheinigung kostenfrei geführt werden.

Insgesamt erwiesen sich die Vorbereitungen seitens des Spitals als sehr organisiert.

Organisatorische Dinge

  • Kapellbrücke über der Reuss von Luzern
    Kapellbrücke über der Reuss von Luzern

    Impfungen

Vom Personalärztlichen Dienst erhielt ich ebenfalls ein Schreiben mit den erforderlichen
Impfungen und der Bitte um eine Kopie des Impfausweises sowie eine hausärztliche Bescheinigung aller durchgeführten Impfungen mit Antikörpertiter für Hepatitis B . Die Impfungen unterscheiden sich nicht von denen, welche in Deutschland zum PJ- Antritt im Allgemeinen empfohlen werden.

  • Aufenthaltsbewilligung

Das Amt für Migration fordert bei einer Beschäftigung von Staatsangehörigen der EU-17-, EU-8- und EFTA-Staaten von länger als drei Monaten in der Schweiz eine Aufenthaltsbewilligung. Innerhalb von acht Tagen nach Arbeitsaufnahme sollte man sich beim Einwohnermeldeamt anmelden. Hierbei sind der Arbeitsvertrag, zwei Passfotos, der Personalausweis und die Bescheinigung der Krankenkasse vorzulegen. Die Kosten für die Anmeldung betragen 35 Schweizer Franken und mit Erhalt der Aufenthaltsbewilligung für „Kurzfristig Erwerbstätige“, welche man anschließend im Personalbüro vorzulegen hat, fallen weitere 72 CHF an.

Am besten erledigt man diese Angelegenheiten direkt am ersten Tag, da die Öffnungszeiten nicht mit dem normalen Dienstende zu vereinbaren sind.

  • Versicherungen

Bezüglich des Krankenversicherungsschutzes wird eine private (nicht staatliche) Krankenversicherung gefordert, da man während des Aufenthaltes in der Schweiz obligatorisch krankenversichert sein muss. Diese habe ich im Ärzte Service Center Freiburg für einen geringen Unkostenbeitrag monatlich zusätzlich zu meiner gesetzlichen Krankenversicherung abgeschlossen.

Mit dieser Bestätigung über Versicherungsschutz wird man automatisch von der Versicherungspflicht in der Schweiz befreit.

Für erwerbstätige Personen in der Schweiz ist es obligatorisch, auf ihr Erwerbseinkommen Beiträge an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung zu bezahlen. Falls man noch nie in der Schweiz gearbeitet hat, muss man deshalb einen Antrag für den Versicherungsausweis für die AHV/IV stellen. Hierfür muss man lediglich das beigelegte Formular unterschreiben und wenig später wird dieser zugeschickt.

Es gibt des Weiteren eine NBU- Zusatzversicherung (Nichtberufsunfallversicherung).
Wenn man aber bereits unfallversichert ist, kann man auf diese verzichten, sollte der Personalabteilung jedoch rechtzeitig eine schriftliche Verzichtserklärung zusenden.

Was die Berufshaftpflichtversicherung angeht, ist man als PJler in Freiburg über die Universität versichert. Diesbezüglich kann man sich an das Studentenwerk wenden und unter Angabe der persönlichen Daten einen Nachweis über Versicherungsschutz anfordern.

Das Luzerner Kantonsspital

Kantonsspital Luzern

Das Luzerner Kantonsspital (LUKS) ist das Zentrumsspital der Innerschweiz. Durchschnittlich werden 700 Betten betrieben, wovon ca. 175 auf das chirurgische Department entfallen. Im Kantonsspital Luzern werden jährlich ca. 24.100 Patienten stationär sowie 180.000 Patienten ambulant behandelt.

In der Schweiz werden die Spitäler hinsichtlich ihres Versorgungsumfangs in die Kategorien U, A, B und C unterteilt, wobei das LUKS der Kategorie A angehört. Zu den A-Spitälern zählen alle schweizerischen großen Spitäler mit Maximalversorgung, welche aber keine Universitätskliniken sind. Als akademisches Lehrkrankenhaus ist das Kantonsspital in Luzern mit den Universitäten Basel, Bern und Zürich verbunden.

Das Chirurgische Department bietet außer der Transplantationschirurgie alle operativen Subspezialitäten an. Das Department der Chirurgie setzt sich aus den Kliniken Chirurgie (Unfall-, Viszeral-, Neuro- und Hand- Plastische Chirurgie), Herz- Thorax-, Gefäßchirurgie, Urologie, Orthopädie und der Mund- Kiefer-Gesichtschirurgie zusammen. Patienten werden via Hausärzte, Permanence-Praxis, Notfallpraxis, anderen Spitälern, Notfall und Sprechstunden auf die verschiedenen Abteilungen zugewiesen.

Unterkunft

Es besteht die Möglichkeit, während der Unterassistentenzeit in einem der beiden Personalwohnhäuser zu wohnen, welche sich direkt auf dem Klinikgelände befinden.
Den Vertragsunterlagen ist ein Formular des Logierwesens beigelegt, sodass man direkt ein Zimmer für den gewünschten Zeitraum reservieren kann. Zum damaligen Zeitpunkt wurden die Wohnheimzimmer renoviert. Als Mietpreise für Personen in der Ausbildung wurden zuletzt 350 CHF verlangt. Mittlerweile gibt es dort auch die Möglichkeit, Internet für einen weiteren Beitrag von etwa 20 CHF monatlich zu nutzen.
Email:
Tel: 0041 41 205 4491

Erste Eindrücke in der Klinik

Im Vorfeld erhält man per Post einige Unterlagen und Informationen bezüglich des Spitals, u.a. einen „Leitfaden für Unterassistenten“, welcher sich als sehr nützlich erwiesen hat, indem er alle wichtigen Informationen zum allgemeinen Ablauf enthält. In der Schweiz werden die PJler „Unterassistenten“ oder kurz „Uhus“ genannt.

Außerdem bekommt man eine sogenannte „Eintrittscheckliste“ zur Hand, anhand deren man jegliche personaladministrative Formalität zu erledigen hat, hierunter gehören Essenschip, Namensschild etc.

Für den Fall, dass man zu Anfang des Monats sein PJ-Tertial beginnt, findet um 8:30 Uhr eine hausinterne Begrüßung statt. Nach der Vorstellung im Sekretariat der Abteilung für Gefäßchirurgie wird man vom diensthabenden Unterassistenten in Empfang genommen und erhält eine kurze Einführung. Nach einem Rundgang durch das Haus (OP-Säle, Stationen, Stationsbüros, Arztbüros, Chirurgischer Notfall, Wundversorgung und Schockraum) geht es quasi direkt los.

Ich war für die ersten Wochen in der Abteilung für Herz-, Gefäß- und Thorax -Chirurgie eingeteilt. Zu den allgemeinen Aufgaben der Unterassistenten gehörten die Patientenaufnahmen („Eintritte“), die Anwesenheit bei Rapporten, Visiten und Fortbildungen sowie die erste und zweite Assistenz bei den täglichen Operationen.

Jeden Tag gibt es einen Dienstunterassistenten, der auf dem Dienstplan als solcher ausgewiesen ist. Seine Aufgabe besteht in der Organisation und Disposition aller Unterassistenten auf die am Tag stattfindenden Operationen sowie Notfall-OPs jeder Abteilung (Allgemein- und Viszeral-Chirurgie, Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie und Traumatologie/Plastische Chirurgie). Das heißt, wir konnten uns somit untereinander absprechen, wer bei welchem Eingriff assistieren durfte.

Die Arbeit in der Klinik

Kantonsspital Luzern

Der Tagesablauf begann in der Regel um 7:00 Uhr morgens mit dem jeweiligen Frührapport und der anschließenden Stationsvisite mit den Assistenzärzten. Für das Blutabnehmen und Legen intravenöser Zugänge ist in der Schweiz die Pflege zuständig, sodass dieser Teil der PJ- Aufgabe, wie es in Deutschland so üblich ist, wegfällt.

Die „Uhus“, die nicht in den OP abgerufen wurden, waren somit für die Neuaufnahmen („Eintritte“) der Station verantwortlich, welche man am Vortag einer Liste entnehmen konnte. Somit hatte man die Möglichkeit, sich auf die jeweiligen Krankheitsbilder etwas vorzubereiten. Nachdem man einen Patienten aufgenommen, untersucht („gestatet“) und die Krankengeschichte angelegt hatte, sollte man dem Assistenten oder dem Spitalarzt die Patienten vorstellen.

Es bestand auf Nachfrage fast immer die Möglichkeit, die Patienten im Beisein des jeweiligen Assistenten kurz nachzuuntersuchen, für den Fall, dass man sich bei der einen oder anderen Untersuchung etwas unsicher war. Des Weiteren sollte man anhand alter sowie vorliegender Krankenunterlagen kontrollieren, ob alle erforderlichen präoperativen Untersuchungen durchgeführt wurden und gegebenenfalls weitere Konsilien und Untersuchungen wie z.B. EKG, Röntgen usw. anmelden. Im Nachmittagsrapport stellten wir dann der Abteilung die neu aufgenommenen Patienten vor. Es bestand anschließend die Möglichkeit, bei den Patienten, welche wir jeweils betreut haben, während der Operation zu assistieren.

Insgesamt hat mir das Arbeiten im OP sehr viel Spaß gemacht. Es herrschte insgesamt eine sehr nette Atmosphäre, woran ich mich sehr gerne erinnere. Je nachdem, wie man sich einbrachte, Fragen stellte und Interesse zeigte, konnte man bei den jeweiligen Operationen nicht nur assistieren, sondern auch lernen. Man hatte des Öfteren die Gelegenheit, die Hautnähte selbstständig durchzuführen. Die Ärzte waren zum Großteil auch sehr bemüht, einem das Nähen während der OP geduldig zu zeigen, sodass man sich nicht unter Druck fühlte, sondern in Ruhe und in seinem Tempo üben konnte.

Auch das Miteinander mit der OP-Pflege war erstaunlich gut, was man leider sonst nicht in allen Häusern so erfährt. Je öfters man den OP-Saal betrat, desto herzlicher wurde der Empfang.

Neben dem Einsatz in den verschiedenen Abteilungen, durch welche man rotierte, gab es noch den einwöchigen OP-Dienst, Notfall-Tag- sowie Notfall-Nachtdienst. Als OP-Dienst Unterassistent begann man ab 17:00 Uhr mit der Ablösung der anderen „Uhus“ in den noch laufenden OP-Sälen. Bis am nächsten Morgen um 7:00 Uhr sollte man dann erreichbar für jegliche weitere OP-Assistenz sein. Nach sieben Nächten (Montagabend bis Montagmorgen der nächsten Woche) folgte in der Regel eine Kompensation von zwei Tagen mit anschließend drei Ferientagen.

Der Notfall-Tag/Nachtdienst war einer der besten Dienste, in welchen man einiges lernen konnte. Zusammen mit dem Notfallstations- und dem Stationsassistenten war man in der chirurgischen Notaufnahme tätig. Man hatte hier die Möglichkeit, unter Supervision eigenständig Patienten direkt vom Rettungsdienst zu übernehmen, zu „staten“, Aufnahmeuntersuchungen anzufordern oder selbstständig durchzuführen wie z.B. Ultraschall und die Patienten weiter mit dem jeweiligen Assistenten zu betreuen.
In der Wundversorgung durfte man auch selbstständig tätig werden und die Assistenten gaben sich sehr viel Mühe, uns die Grundzüge der chirurgischen Wundversorgung beizubringen. Auch hier durfte man die eine oder andere Riss-Quetsch-Wunde versorgen. Gerade, wenn in manchen Nächten eher weniger Betrieb herrschte, bot sich viel Raum, um Fragen zu stellen.

Nicht nur die Assistenten, sondern auch der diensthabende Oberarzt, in meiner Nachtwoche war dies der Unterassistentenbeauftragte, nahmen sich dann die Zeit, die Patientenfälle in Ruhe durchzusprechen und ausführlich zu erklären. Hier war das „Bedside teaching“ sehr lehrreich. Man hat zudem auch einen Einblick in die Plastische Chirurgie und die Mund- Kiefer-Gesichtschirurgie bekommen, wobei man je nach Patientenfall auch das eine oder andere Mal die Möglichkeit hatte, bei der Erstversorgung mitzuhelfen.

Die Dienstzeiten des Notfall-Nachtdienstes waren von 22:00 Uhr bis am nächsten Morgen um 7:00 Uhr. Der Notfall-Tag-Dienst gliederte sich bei guter Unterassistentenbesetzung in einen Frühdienst (7:00 bis 17:00 Uhr) und einen Spätdienst (14:00 bis 23:00 Uhr). Wenn weniger „Uhus“ in der Chirurgie tätig waren, gab es den Notfall-Tag-Dienst von 10:00 bis 22:00 Uhr. Jeweils nach einer Woche Notfalldienst folgten zwei Kompensationstage. In der Regel wurden anschließend drei Ferientage eingeplant.

Bezüglich der Dienstpläne kann man jederzeit beim dafür zuständigen Assistenten Dienst- und Kompensationswünsche abgeben. Man hat ein Anrecht auf 1,5 Tage pro Monat Ferien, kann dies aber auch nach Absprache mit seinen Kompensationstagen zusammenlegen.

Es besteht unter anderem auch die Möglichkeit, in die urologische Abteilung zu rotieren.

Fortbildung

Was die Lehre anbelangt, so gab es einige Möglichkeiten, welche den klinischen Alltag auf Station und im OP ergänzten.

Jeden Montag um 17:00 Uhr fand zusammen mit den Unterassistenten der Inneren Medizin eine ein- bis eineinhalbstündige Fortbildung statt, welche teilweise sehr lehrreich war und wobei auch praktische Übungen mit eingebracht wurden.

Dienstags nach dem Frührapport fand die sog. „schlaue Stunde“ statt, welche unterschiedliche chirurgische Themen abdeckte. Am Nachmittag folgte um 16:30 Uhr der „Journal Club“, bei welchem Studien präsentiert und diskutiert wurden. Im Anschluss daran bot die Abteilung für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie wöchentlich eine Fortbildung an, welche nicht nur Spezialwissen, sondern auch Basisthemen aufgriff und Raum für Fragen und Erklärungen bot.

Am Mittwoch um 16:30 Uhr stand das „Babstorama“ an, wobei die Unterassistenten der Traumatologie Patientenfälle vorstellten, welche dann gemeinsam mit dem Oberarzt besprochen und anhand von Röntgenbildern diskutiert sowie interpretiert wurden. Anschließend konnte man an den jeweiligen Tumorboards teilnehmen.

Zusätzlich fand in der Regel jeweils am ersten Donnerstag aller ungeraden Monate ein Naht-Kurs für die chirurgischen Unterassistenten statt. Hier hatte man die Möglichkeit, verschiedene Nahttechniken an „echter“ Haut von Leichenpräparaten zu üben. Auch hier geben sich die Assistenten teilweise sehr viel Mühe und bringen viel Zeit, Engagement und Geduld auf, einem das Nähen beizubringen oder zu verbessern.

Einmal pro Woche konnte man zudem ein Radioseminar besuchen, welches einem die Herangehensweise an die radiologische Diagnostik näherbrachte. Auch diese Veranstaltung hat man immer gerne besucht.

Regelmäßig finden auch Fort- und Weiterbildungen (AMTS) in einem Art Skills-Lab für Assistenzärzte statt, bei welchen man als Unterassistent auch teilnehmen kann. Hier werden unterschiedliche chirurgische Fertigkeiten an Leichen oder Kunstknochen geübt.

Insgesamt bietet die Chirurgie am Kantonsspital Luzern einige Möglichkeiten an Fort- und Weiterbildungen, die zum Großteil sehr lehrreich sind und eine gute Abwechslung als auch eine Ergänzung zum chirurgischen Alltag darstellen.

Jeder Unterassistent erhält zusammen mit dem Leitfaden einen Fortbildungsnachweis, auf welchem man sich die Teilnahme an den jeweiligen Seminaren und sonstigen Veranstaltungen unterschreiben lässt.

Am Ende und während des PJ-Tertials hat man zudem die Möglichkeit, die Abteilung sowie die Betreuung der Assistenten zu beurteilen. Gleichzeitig wird man für vier Rotationen ebenfalls von unterschiedlichen Assistenzärzten evaluiert, was letztlich die Grundlage des Abschlusszeugnisses bildet.

Nicht nur für das Abschlusszeugnis, sondern auch für jegliche Fragen und Sorgen kann man sich an den Unterassistentenbeauftragten wenden. Er war jederzeit bemüht, dass man sich wohlfühlte und setzte sich zudem sehr engagiert für die Verbesserung der Lehre ein.

Leben, Land und Leute

Die Schweiz ist, wie wir sie alle kennen, ein wunderschönes Land mit einer derartigen Vielseitigkeit, dass es mir letztlich schwergefallen ist, ihre schöne Stadt Luzern am Ende meines PJ-Tertials wieder zu verlassen.

Die Zentralschweiz bietet neben dem Arbeiten in der Klinik zahlreiche Möglichkeiten, Ausflüge in die Umgebung zu unternehmen. Die direkte Lage Luzerns am Vierwaldstättersee macht den Feierabend im Sommer zu einem Highlight. Die Berge Pilatus, Rigi und viele mehr, die in unmittelbarer Nähe liegen, laden zum Wandern an den freien Wochenenden ein.
Die Stadt bietet nicht nur kulturell sehr viel, sondern glänzt ganzjährlich durch ein umfangreiches Veranstaltungsangebot wie v.a. im Sommer mit genialen Musikfestivals, Openair-Konzerten und vielem mehr.

Trotz der langen Arbeitstage, welche manchmal über zehn Stunden hinausgehen können, macht die Stadt mit ihrem Leben nach der Arbeit alles wieder wett. Das Leben und Arbeiten dort hat mir gezeigt, dass es von allergrößter Wichtigkeit ist, sich stetig eine Lebensqualität mit viel Abwechslung zu erhalten, um dem Alltag in der Klinik gerecht zu werden. Man hat den Eindruck, dass die Schweizer in vielen Dingen entspannter sind und dies spiegelt sich teilweise im Arbeitsleben wieder.

Die Lebenshaltungskosten sind bekanntermaßen höher als bei uns in Deutschland. Mit dem Unterassistentengehalt von 1.250 CHF monatlich lässt es sich dort jedoch ganz gut leben.

Persönliches Fazit

Idyllische Aussicht über den Vierwaldstätter See mit Blick auf den Pilatus
Idyllische Aussicht über den Vierwaldstätter See mit Blick auf den Pilatus

Insgesamt war dieses Tertial für mich das lehrreichste von allen in meinem Praktischen Jahr. Meine Entscheidung, für die Chirurgie in die Schweiz zu gehen, würde ich genauso noch einmal treffen. Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Nicht nur, dass ich in meinem Vorhaben bestärkt wurde, in Zukunft chirurgisch tätig zu sein. Vielmehr habe ich gelernt, selbstständiger und selbstsicherer zu arbeiten.

Das Arbeitsklima in meinen Abteilungen war mehr als angenehm und man ist jeden Tag gerne ins Spital gegangen. Da das Luzerner Kantonsspital ein Haus der Maximalversorgung ist, kann es somit nie langweilig werden und man hat einen großen Einblick in alle Bereiche bekommen. Vor allem hat mich die Herz- und Thorax-Chirurgie mit all ihren verschiedenen Eingriffen fasziniert und die Zeit in der Notfallambulanz möchte ich auch nicht missen wollen.

Nicht nur die Assistenzärzte, sondern auch die Oberärzte bis hin zu den Chefärzten, sehen einen als Teil des Ganzen.

Insgesamt kann ich nur sagen, dass diese Zeit einzigartig war und kann jedem nur raten, sein PJ nicht nur in Deutschland zu verbringen, sondern auch einmal im Nachbarland weitere Erfahrungen zu sammeln.

W., S.
Freiburg, Februar 2013

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