Famulatur in den USA – Chirurgie

20. Juni 2013

in Chancen im Ausland, Chirurgie, Famulatur im Ausland, USA

USA, Houston, Texas Heart Institute (04.03.-02.04.2013)

Everything is bigger in Texas! Für meine Famulatur in den USA hatte ich mir mit dem Texas Heart Institute in Houston eine der renommiertesten amerikanischen Kliniken für Herzgefäßchirurgie ausgesucht. Meine Auslandsfamulatur hat sich absolut gelohnt und ich bin sehr froh über diese schöne, interessante als auch bereichernde Zeit.

Mein Ziel – die USA

Oft hört man von den USA als dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten – und dies vor allem auch in Sachen Medizin. Daher wollte ich mir selbst ein Bild vom medizinischen Alltag und der Patientenversorgung in einer großen amerikanischen Klinik machen.

Als Fachgebiet wählte ich kardiovaskuläre Chirurgie, welche mich schon immer fasziniert hat. Bei der Auswahl der Klinik fiel meine Wahl auf das Texas Heart Institute in Houston.

Die Entscheidung für das Texas Heart Institute

Das Texas Medical Center in Houston

Für meine Famulatur in den USA hatte ich mich für das Texas Heart Institute (THI) in Houston aufgrund einiger positiver Aspekte entschieden. Es handelt sich hierbei um eine der renommiertesten Herz-Thorax-Gefäß-chirurgischen Kliniken der USA und einige berühmte Chirurgen sind hier tätig. Auch in der Vergangenheit wurden große medizinische Erfolge am THI errungen. So wurde hier u.a. das erste Herz in den USA transplantiert und Dr. Cooley implantierte als erster ein künstliches Herz.

Das Texas Heart Institute befindet sich im St. Luke’s Episcopal Hospital und gehört somit zum riesigen Texas Medical Center. Ein großer Vorteil des THI ist, dass keinerlei Studiengebühren für ausländische Studierende anfallen. Dies ist eine Rarität in den USA. Des Weiteren war ich neugierig auf Texas und wollte mit Houston die viertgrößte Stadt der USA kennenlernen.

Die Bewerbung

Blick auf das Texas Medical Center vom Hermann Park aus

Der Bewerbungsprozess gestaltete sich relativ unkompliziert. Ansprechpartnerin ist die Sekretärin von Dr. Duncan, welcher das Gaststudentenprogramm organisiert. Sie ist sehr freundlich und hilfsbereit. Etwa drei Monate vor meiner Famulatur nahm ich Kontakt zu ihr auf und sie reservierte mir einen Platz.

Für die Bewerbung benötigt man einen Brief vom Dekan sowie zwei weitere Empfehlungsschreiben. Außerdem muss man diverse Immunisierungen, einen negativen Tuberkulose-Test und entsprechende Englischkenntnisse nachweisen. Eine medizinische Haftpflichtversicherung und ein Visum werden ebenfalls benötigt. Mein Visum war ein B1/B2-Visum und kostete EUR 128.-. Nach Übersendung der Dokumente bekam ich wenige Tage später bereits die Zusage für meine Famulatur.

Es ist ebenfalls möglich und wohl auch üblich ein ganzes oder ein halbes PJ-Tertial am Texas Heart Institute zu verbringen. In diesem Fall bekommt man eine Bestätigung vom Baylor College of Medicine, da das THI ein akademisches Lehrkrankenhaus dieser Medizinischen Fakultät ist.

Unterkunft und Finanzielles

Studenten müssen sich selbst um ihre Unterkunft kümmern, allerdings bekommt man von der Sekretärin von Dr. Duncan eine Liste mit einigen Vorschlägen. Wohnungen in Houston sind recht teuer und insbesondere rund um das Medical Center und die Rice University steigen die Preise noch weiter an. Dies erklärt sich durch den sehr hohen Bedarf an möblierten Zimmern. Diesen spürte ich sehr deutlich, da ich mich erst kurzfristig auf Wohnungssuche begeben und Mühe hatte, überhaupt eine bezahlbare Bleibe zu finden.

Von dem hohen Preis von etwa $ 1.300 pro Monat abgesehen, war ich mit meinem Zimmer in einer 5er-WG aber sehr zufrieden. Große saubere Räume mit ordentlichen Möbeln, voll ausgestattete Küche, Waschmaschine, Wifi und Lage direkt am Medical Center mit etwa 8 min Fußweg zum THI. Das Gebiet rund um das Medical Center gilt außerdem als sehr sicher. Den Vermieter Luke erreicht man über folgende Email-Adresse: Eine andere Möglichkeit ist eine Wohnung von Dr. Chan. Diese muss allerdings schon frühzeitig gebucht werden. Die Wohnungen sind etwas weiter von der Klinik entfernt und man ist auf den Bus oder besser ein Fahrrad angewiesen. Die Monatsmiete beträgt etwa $ 700-800. Die E-Mail-Adresse von Dr. Chan lautet:

Einen weiteren Kostenpunkt stellt der Flug dar. Ich zahlte für Hin- und Rückflug EUR 480.-, flog allerdings nach bzw. von Miami.

Meine Famulatur am Texas Heart Institute

Das Texas Heart Institute in Houston

Am ersten Tag am THI regelt man insbesondere organisatorische Dinge und wird in Sachen Hygiene und Scrubbing unterrichtet als auch mit einem kleinen Test geprüft. An den folgenden Tagen findet man sich montags bis freitags auf dem OP-Plan wieder. Das Tätigkeitsgebiet der Studenten beschränkt sich fast ausschließlich auf den OP. Selten wird man für die „Outpatient Clinic“ eingeteilt, in welcher die Chirurgen Patienten prä- oder postoperativ untersuchen.

Normalerweise sind ein bis zwei Medizinstudenten für einen der 12 OP-Säle verantwortlich. Anwesend sollte man um 7:00 Uhr morgens sein, die Operationen starten meistens gegen 7:30 Uhr. Je nach Auslastung kann es vorkommen, dass man schon vor 12:00 Uhr mit den geplanten Operationen fertig ist, man sollte dann aber den Nachmittag über noch für Notfälle zur Verfügung stehen. Selten kommt es vor, dass man bis in den Abend benötigt wird. Insgesamt hat man genügend Freizeit zur Verfügung und die Wochenenden sind frei.

Als Student hilft man zunächst bei der Vorbereitung des Patienten, wie z.B. bei Rasur, Lagerung und Hautdesinfektion. Man kann außerdem den Blasenkatheter legen. Im Anschluss wäscht man sich steril ein und assistiert den Chirurgen. Oft beginnt der „Fellow“ mit dem operativen Zugang und der Student ist erste Assistenz. Für die Arbeit an Herz oder Gefäß übernimmt der „Attending“ und die Aufgaben des Medizinstudenten beschränken sich im Wesentlichen auf Haken bzw. Herz halten oder auch nur zuschauen.

Sobald der „Fellow“ die Wunde wieder verschließt, kommen dem Medizinstudenten wieder mehr Aufgaben zu Teil. So hilft man beispielsweise bei der Verdrahtung des Sternums und darf meist die Hautnaht übernehmen. Nach der Operation hilft man den Schwestern mit den Verbänden und der Umlagerung. Im Anschluss begleitet man den Patienten zur Intensivstation und bringt die Ausrüstung wieder zurück in den Saal. Das Personal ist meist freundlich und hilfsbereit. Als Student hat man mehr Kontakt zu den „Fellows“ als zu den „Attendings“, aber auch letztere beantworten normalerweise gerne Fragen. Zwischen den Operationen hat man frei und kann beispielsweise den hauseigenen McDonalds (!) besuchen. Es gibt außerdem ein Learning Center, in welchem man viele Bücher und Filme zur Herzgefäßchirurgie findet. Des Weiteren hat man Zugang zu Internet und Druckern.

Montagmorgens findet vor dem OP-Programm eine kurze Unterrichtseinheit statt, in welcher verschiedene relevante Krankheitsbilder mit Therapie thematisiert werden. Donnerstagmorgens nimmt man an der Morbidity-and-Mortality-Conference teil. Neben der Analyse von Todesfällen halten die „Fellows“ Vorträge und es wird diskutiert. Falls man die Zeit findet, kann man weitere kardiologische Konferenzen besuchen.

Während meiner 30 Tage am Texas Heart Institute bekam ich eine große Bandbreite an herz- bzw. gefäßchirurgischen Eingriffen zu sehen. Das OP-Programm war sehr abwechslungsreich und beinhaltete u.a. Bypass-Chirurgie an Herz und Gefäßen, Klappenrekonstruktionen und -ersatz, Aortenaneurysmus-Reparaturen und Thorakoskopien. Besonders spektakulär waren eine Herz-Lungen-Transplantation, LVAD-Implantationen sowie eine Perikardektomie. Überdies finden manchmal auch allgemeinchirurgische Operationen, wie z.B. Nieren- oder Lebertransplantationen statt, welche man beobachten kann.

Das Leben in Houston

Houston Downtown

Bei Houston handelt es sich um eine typische amerikanische Großstadt, welche durchaus einiges zu bieten hat. So gibt es neben Museen, Theatern und einer imposanten Skyline eine wahre Vielzahl an Restaurants. Essen ist nämlich eine der Lieblingsbeschäftigungen der Texaner und gehört definitiv zum Kulturprogramm – insbesondere „Texan BBQ“ und „Tex-Mex-Küche“ sollte man probiert haben. Um nach Feierabend noch etwas trinken zu gehen, bietet sich das in der Nähe vom Medical Center gelegene „Rice Village“ an. Ebenfalls beliebt ist Shopping in der großen Galleria-Mall.

Anfang März war es noch relativ kühl, so dass man eine Jacke benötigte. Bald wurde es jedoch wärmer und Sommerkleidung konnte getragen werden. Man sollte für seine Planung beachten, dass es im Sommer sehr heiß werden soll, so dass in „Downtown“ deshalb sogar extra ein Tunnelsystem gebaut wurde.

Negativ ist allerdings der öffentliche Nahverkehr zu bewerten, denn vieles ist nur mit einem Auto zu erreichen. Dies ist leider ebenfalls typisch texanisch. Es gibt eine Straßenbahnlinie, welche u.a. das Medical Center mit „Downtown“ verbindet. Ansonsten ist man auf Busse angewiesen, welche weitaus unzuverlässiger und weniger frequentiert verkehren. Man sollte sich mittels eines Briefes von Dr. Duncan eine „Studenten-Q-Card“ ausstellen lassen, da man so sehr günstig Bahn und Bus benutzen kann.

Wer Houston im März besucht, kann bei einem besonders texanischen Event dabei sein: dem Houston Rodeo. Hier messen sich Cowboys in verschiedenen Disziplinen, z.B. im „Bullriding“, und Farmer werden für ihre Zuchttiere prämiert. Im Anschluss gibt es meist noch ein Konzert im gewaltigen Reliant-Stadium. Houston beheimatet überdies Teams aller großen Sport-Ligen. Ich besuchte ein Spiel der „Rockets“ und kann dies absolut weiterempfehlen.

Ausflugsziele in der näheren Umgebung sind Galveston, eine Stadt an der Golfküste, und das „Houston Space Center“. Sehr zu empfehlen sind außerdem Ausflüge nach Austin und San Antonio. Austin ist die schöne Hauptstadt von Texas und beherbergt das „Texas State Capitol“ sowie viele Studenten. San Antonio überzeugt mit mexikanischem Charme, dem „Riverwalk“ und dem „Alamo“. New Orleans ist ebenfalls nicht allzu weit entfernt und stellt mit seinem französischem Flair und vielen Jazz-Bars eine weitere lohnende Ausflugsmöglichkeit dar.

Mein Fazit

Am St Patrick's Day in Houston

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich meine Auslandsfamulatur gelohnt hat und ich sehr froh über diese schöne und bereichernde Zeit bin. Günstiger und mit weniger Aufwand ist es wohl kaum möglich, einen medizinischen Studienaufenthalt in den USA zu organisieren. Dafür bekommt man eine der renommiertesten Kliniken für Herzgefäßchirurgie und eine tolle Stadt geboten. Man ist bei Operationen dabei, welche man an seiner Heimatuniversität vielleicht nicht zu sehen bekommen hätte. Ein Blick in das US-amerikanische Gesundheitssystem ist äußerst interessant und man lernt viel Neues kennen.

Dennoch bleibt die Freizeitgestaltung in Texas nicht auf der Strecke und auch auf nicht-medizinischer Ebene profitiert man ausgesprochen von seinem Aufenthalt. „Houston, not a problem at all!”

M. Mader
Mainz, April 2013

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1 Kommentar

  • Hallo 🙂

    das klingt nach einer tollen Zeit in Texas! Ich würde auch ungeimlich gerne eine Famulatur dort machen, am liebsten allerdings im Bereich Emergency medicine. Leider kriege ich nicht raus, wer da der richtige Ansprechpartner ist. Wie bist du denn auf Dr. Ducan gekommen? ( Ich denke mal, dass der nur für die Herzchirurgie zuständig ist? Oder für das gesamte Medical center?)
    Bin für jeden Hinweis dankbar ;D
    Liebe Grüße
    Frieda

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