Famulatur in Kroatien – Dermatologie

28. März 2013

in Chancen im Ausland, Dermatologie, Famulatur im Ausland, Kroatien

Kroatien, Zagreb, University Hospital Centre Zagreb (01.-30.09.2011)

Zu einer Famulatur nach Kroatien und damit in ein Land, das nicht zu den so häufigen Zielen der in Deutschland studierenden Medizinstudenten gehört. Die betreuenden Ärzte waren stets und sichtlich bemüht, mir die wichtigsten Krankheitsbilder zu zeigen und mir die diagnostischen Methoden sowie die therapeutischen Konsequenzen beizubringen. Bedenken sollte man aber eine mögliche Sprachbarriere bei der Betreuung von Patienten und sich dementsprechend vorbereiten.

Meine Entscheidung für Kroatien

Vor der Dermatologie der Universitätsklinik Rebro in Zagreb
Vor der Dermatologie der Universitätsklinik Rebro in Zagreb

Gemeinsam mit vier anderen Medizinstudentinnen der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf war ich mit der Fluggesellschaft Croatian Airlines von Hamburg nach Zagreb, Kroatiens Hauptstadt, geflogen, um dort eine Famulatur in der Dermatologie am Universitätsklinikum „Rebro“, wie das University Hospital genannt wird, zu absolvieren.

Zagreb hat knapp 800.000 Einwohner, gilt seit Jahrhunderten als der politische und kulturelle Mittelpunkt Kroatiens und liegt knapp 200km vom Adriatischen Meer entfernt.
Die Währung in Kroatien ist „Kuna“, dabei entsprechen acht Kuna ca. einem Euro. Am 1. Juli 2013 wird Kroatien der 28. Mitgliedsstaat der Europäischen Union werden.

Aufmerksam auf die Kooperation wurde ich durch einen Aushang von Prof. Dr. med. Hans Joachim Seitz, der an der Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf für die Organisation von Auslands-Famulaturen in Südosteuropa verantwortlich ist. Ich habe mich zum damaligen Zeitpunkt sehr gefreut, ein mir unbekanntes Land kennenlernen zu dürfen. Die Famulatur schien laut Ausschreibung sehr gut organisiert zu sein und die mögliche freie Wahl der Fachrichtung in Zagreb hatte mich für dieses Projekt begeistert.

Organisatorische Dinge

Über mögliche Vorlaufzeiten bezüglich einer Bewerbung, wenn man sich selbst direkt am Universitätsklinikum „Rebro“ bewirbt, kann ich nicht aus eigener Erfahrung berichten, aber die kroatischen Ärzte berichteten mir, dass sie internationale Studenten regelmäßig als Praktikanten einstellen. Was eine Unterkunft betraf, so war im Voraus vom Studentenwohnheim angegeben worden, dass die Bestätigung über eine erfolgte TBC-Impfung bei Einzug der Studentenwohnheimsverwaltung vorliegen müsse. Nach dieser Bescheinigung wurde aber de facto nie gefragt.

Laut Auswärtigem Amt gelten folgende Vorschriften bezüglich eines Visums:
„Für touristische Aufenthalte bis zu 90 Tagen pro Halbjahr besteht keine Visumspflicht. Bestimmte Tätigkeiten unterliegen ebenfalls nicht der Visumspflicht, wenn sie max. zwischen 30 und 90 Tagen pro Jahr ausgeübt werden und arbeitserlaubnisfrei sind. Wird ein längerfristiger Aufenthalt (über 3 Monate) angestrebt, muss – außer in den Fällen von Familienzusammenführung mit einem kroatischen Staatsangehörigen und Arbeitsaufnahme – vor der Einreise bei der zuständigen kroatischen Auslandsvertretung ein Einreisevisum beantragt werden.“ Das Einreisen nach Kroatien kann mit gültigem Personalausweis oder Reisepass erfolgen.

Das Auswärtige Amt empfiehlt neben einem Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie und – für uns Medizinstudenten selbstverständlich auch gegen Hepatitis B – eine Impfung gegen Hepatitis A, bei Langzeitaufenthalt über vier Wochen oder besonderer Exposition auch gegen Tollwut und FSME.

Famulatur in der Dermatologie

Beispielhaftes Untersuchungszimmer in der Dermatologischen Klinik

Ich hatte in Zagreb das Fach Dermatologie für die Famulatur gewählt, da ich zu diesem Zeitpunkt noch zwischen einer Facharztausbildung zur Dermatologin bzw. Radiologin nach dem Examen schwankte und ich mir erhoffte, dass ich in der Dermatologie von den inspektorischen und palpatorischen Eindrücken der jeweiligen Krankheitsbilder lernen könne, da ich Sprachbarrieren mit den kroatischen Patienten und Ärzten schon vermutete.

Dies war genau die richtige Entscheidung, da ich in eine sehr nette Abteilung ohne hierarchische Strukturen, bestehend aus kroatischen Assistenz- und Oberärzten, eingeteilt wurde. Um 08:45 Uhr sollte ich morgens im Krankenhaus erscheinen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Ärzte bereits mit der Betreuung der ersten ambulanten Patienten beschäftigt.
Als Famulant setzte man sich mit in eines der Untersuchungszimmer und schaute den Ärzten und Krankenschwestern bei Ihrer Arbeit „über die Schulter“. Man konnte in die verschiedenen Arbeitsbereiche rotieren (Allgemeine Ambulanz, Hautkrebsscreening, Kinderdermatologie, Sprechstunde für atopische Dermatitis, Sprechstunde für Geschlechtskrankheiten, Eingriffsraum) und konnte dabei Patienten selbst- bzw. mituntersuchen und den Ärzten bei kleinen operativen Eingriffen assistieren.

Die betreuenden Ärzte sprachen bis auf wenige Ausnahmen flüssiges, verständliches Englisch. Sie bemühten sich, mir Wissen zu vermitteln, und gaben mir dafür Fachliteratur in englischer Sprache unmittelbar zu den jeweiligen Krankheitsbildern zum Lesen in die Hand oder zeigten mir Erläuterungen der Erkrankungen im Internet. Ein „Bedside-Teaching“ fand nicht statt. Unterricht in Form einer Fortbildung bekam ich in den vier Wochen einmal von einer sehr freundlichen und engagierten Oberärztin über das „Maligne Melanom“, da sie der richtigen Überzeugung war, dass alle Ärzte dieses erkennen können müssten, unabhängig von ihrer praktizierten Fachrichtung.

Während meiner Famulatur wurde mir stets das Gefühl vermittelt, dass ich jederzeit Fragen hätte stellen können und dass ich ein fester Bestandteil des Teams war. Dies zeigte sich besonders an der Gestaltung der Kaffeepausen zwischen den Patiententerminen. In diesen Pausen gingen die Ärztinnen in ein kleines Studentencafé direkt neben der Klinik, nahmen mich wie selbstverständlich mit, luden mich zu einem Kaffee ein und interessierten sich für mein Studentenleben in Deutschland.

Die Kommunikation mit den Patienten war schwierig, da diese überwiegend ausschließlich kroatisch und sehr selten Englisch und Deutsch sprechen konnten. Unsere Kontaktperson innerhalb der Medizinischen Fakultät gab uns am Tag der Ankunft Lagepläne der verschiedenen Kliniken, einen Stadtplan von Zagreb und stand uns freundlicherweise für alle Fragen bezüglich unserer Famulatur während des gesamten Zeitraums zur Verfügung.

In dem Gebäude der Medizinischen Fakultät gibt es die Möglichkeit, kostenfrei und ohne Login-Daten das Internet zu nutzen. Vier internetfähige Computer befinden sich im ersten Stock der Fakultät neben großen Hörsälen, im Erdgeschoss befindet sich eine Bibliothek, in der es ebenfalls internetfähige Computer und zudem ausreichend Ruhearbeitsplätze sowie Fachliteratur in englischer Sprache gibt.

Unterkunft

Das Studentenwohnheim „Cvjetno nasalje“ liegt im Südwesten von Zagreb in der Nähe des Flusses Save. Mit der Tram, es gibt keine U-Bahn in Zagreb, dauert die Fahrt vom Studentenwohnheim zum Klinikgebäude der Dermatologie ca. 40 Minuten. Von der Haltestelle bei der Medizinischen Fakultät hatte ich noch einen ca. zehnminütigen Fußweg zum Klinikgebäude der Dermatologie. Da sich die Kliniken meiner Kommilitoninnen (Gynäkologie, Kardiologie, Zentrale Notaufnahme) am Stadtrand befanden, fuhren diese noch ca. 20 Minuten länger via Tram vom Studentenwohnheim zur jeweiligen Klinik.

Das Studentenwohnheim befindet sich auf einem umzäunten Gelände. Es gibt insgesamt sechs Wohnhäuser und eine Mensa sowie verschiedene Verwaltungsgebäude. Das Essen in der Mensa des Studentenwohnheims war international und überwiegend lecker. Toll war, dass man für wenig Geld, umgerechnet ca. 2.- EUR, einen Salat, ein Hauptgericht und ein Getränk bekam. Joghurt und/oder Obst konnte man sich für den nächsten Tag mitnehmen, wenn man nach dem reichlichen Menü nicht alles aufessen konnte.

Im Studentenwohnheim gibt es Zweibettzimmer. Diese waren mit zwei Einzelbetten (90cm), einem Wandschrank, einem großen Schreibtisch und einer Garderobe ausgestattet.
Dem Zimmer war ein Badezimmer mit Dusche/WC angeschlossen. Im September war das Studentenwohnheim, nach meinem Erachten, ruhig und leer. Viele Studenten ziehen während der Ferien aus, besuchen ihre Verwandten in ganz Kroatien und kehren erst im Herbst wieder nach Zagreb zum Studieren zurück. Enttäuschenderweise gab es weder eine Küchenzeile noch einen verfügbaren Kühlschrank, so dass wir trotz heißer Temperaturen mit bis zu 30°Celsius unsere Lebensmittel ungekühlt lagern mussten.

Glücklicherweise befindet sich direkt an einem Ausgang der eingezäunten Anlage ein kleiner Supermarkt, der sogar sonntags geöffnet hat und die wichtigsten Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel anbietet. Ansonsten ist man auf die Verpflegung durch die Mensa angewiesen oder man isst mit mehreren Personen in der ca. fünf Minuten Fußweg entfernten „Pizzeria Maslina“, Stupni?ka 14, 1000 Zagreb, eine Pizza. Dort gibt es nach meinen Erfahrungswerten die beste Pizza in Zagreb und dies zu einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis.

Aufgrund des seit einigen Jahren bestehenden Famulanten-Austauschprogramms zwischen der Universität Zagreb und der Universität Hamburg mussten wir keine Miete für die Unterkunft bezahlen, sie kostet aber für Studenten im Normalfall umgerechnet ca. 20.- EUR im Monat. In Kroatien müssen einheimische Studenten sehr gute Noten vorweisen, um einen Platz im Studentenwohnheim zu erhalten sowie hohe Studiengebühren bezahlen. Die Studenten werden im Gegenzug mit günstigem Essen und günstiger Unterkunft staatlich unterstützt.

Im Studentenwohnheim selber gibt es keinen WLAN-Anschluss, allerdings gibt es neben dem Supermarkt ein gut besuchtes, gemütliches Straßencafé, in dem man WLAN für eine Stunde kostenfrei nutzen kann. Wer nicht im Studentenwohnheim wohnen möchte, kann sich auch an folgende Email-Adresse wenden: Diese wird von kroatischen Studenten verwaltet, die internationalen Austauschstudenten bei der Suche nach Privatwohnungen oder Wohngemeinschaften unterstützen.

Leben in Zagreb

Buntes Treiben auf dem Ban-Jelacic-Platz in Zagreb

Die Stadt Zagreb selbst hat viel zu bieten und man kann, wenn man denn möchte, täglich etwas anderes unternehmen. Die Stadt teilt sich auf in eine Ober- und Unterstadt und diese beiden Stadtbezirke sind durch eine Standseilbahn miteinander verbunden, die seit 1891 die Unterstadt mit der Oberstadt verbindet. Wenige „Kuna“ bezahlen – und man kann sich in die Kabine setzen und nach oben befördern lassen, wenn man nicht die Treppenstufen links und rechts der Bahn steigen möchte, was aber locker zu Fuß zu schaffen ist. An jedem Tag in der Woche gibt es in einem anderen Museum freien Eintritt. Ich persönlich fand den Botanischen Garten sehr schön und eindrucksvoll angelegt. Die vielzähligen Kirchen, das kroatische Nationaltheater sowie das Stadtzentrum mit seinen zahlreichen Shoppingstraßen gefielen mir ausgesprochen gut.

Besonders schön ist der „Dolac Platz“. Er ist der zentrale Marktplatz der Stadt, eine Art Terrasse, oberhalb des „Ban Jela?i? Platz“ gelegen. Hier werden auf zwei Ebenen jeden Vormittag wie auf einem Wochenmarkt in Deutschland Waren angeboten. In der Markthalle unter der Terrasse werden ganz frische Fleisch- und Wurstwaren, Käse- und Backwaren verkauft. An den Marktständen auf der oberen Ebene werden Obst und Gemüse sowie Blumen unter freiem Himmel angeboten.

Die „Tkal?i?eva Straße“ wird von Boutiquen, Cafés und Bars gesäumt. Hier tobt das Leben! Die Straßencafés und Bars waren insbesondere bei schönem Wetter nahezu überfüllt und man kann hier hervorragend den Kroaten beim Feiern zuschauen und natürlich auch selber mitfeiern. Der Lebensunterhalt in Kroatien ist nach Aussage deutscher, bereits länger dort lebenden Studenten, die wir in der Medizinischen Fakultät kennenlernten, günstiger als in Deutschland, allerdings spürten wir dies selbst, wenn überhaupt, nur bei einigen Lebensmitteln.

Das Straßenbahnsystem ist sehr komfortabel und das Zentrum von Zagreb sowie das direkte Umland sind problemlos und günstig mit der Tram oder auch Bussen erreichbar. Via Bus kann man auf einen nahegelegenen kleinen Gebirgszug „Medvednica“ hochfahren, um wunderbar zu einer alten Burg zu wandern. Die „Medvednica“ ist ein sehr beliebtes Naherholungsziel der Zagreber Bevölkerung und liegt vom Stadtzentrum ca. eine halbe Stunde Busfahrzeit entfernt. Die abwechslungsreiche Landschaft ist von vielen Wanderwegen durchzogen. Im Winter ist sie ein beliebtes Skigebiet.

Von Zagreb aus sind wir zudem mit dem Bus in ca. 3,5 Stunden zum Weltkulturerbe „Plitvycer Seen“ gefahren. Es handelt sich dabei um einen Park mit wunderschönen Seen, türkisblauem Wasser und vielen Wasserfällen. Wer unberührte Natur liebt und gerne wandert, sollte diesen Hotspot Kroatiens auf keinen Fall verpassen. Der Eintritt kostet für Studenten je nach Jahreszeit zwischen 60-80 „Kuna“.

Auf das Bussystem in Kroatien war leider nicht immer Verlass. Busse fuhren mitunter einfach an Bushaltestellen vorbei, obwohl sich dort wartende Fahrgäste befanden. Außerdem sollte man zum Fahrscheinkauf versuchen, sich nicht als Tourist zu „outen“. Die Schalterangestellten verkaufen Touristen scheinbar immer nur One-Way-Tickets, obwohl Hin- und Rückfahrttickets, gleichzeitig gekauft, um einiges günstiger sind.

Nach meiner vierwöchigen Famulatur habe ich am Ende meines Aufenthaltes in Kroatien mit meiner Zimmernachbarin noch via Bus Split und Dubrovnik erkundet. Beide Städte lohnen sich sehr, obwohl sie sehr touristisch sind. Insbesondere in Split ist es nicht notwendig, ein Hotelzimmer vor der Anreise zu buchen, da schon am Busbahnhof sehr viele Privatpersonen mit Schildern auf die Vermietung ihrer Zimmer hinweisen und die Buchung sehr unbürokratisch gehandhabt wird.

Mein Fazit

Blick über Zagreb von der Oberstadt aus
Blick über Zagreb von der Oberstadt aus

Alles in allem würde ich eine Famulatur in einem Land wie Kroatien empfehlen. Ich bin aber der Meinung, dass man sich darauf einstellen sollte, an der Betreuung der Patienten – also z.B. Anamnese erheben, Patienten Befunde überbringen, Befunde und Arztbriefe schreiben – ohne kroatische Sprachkenntnisse nicht mitwirken zu können. Realistisch als Zielsetzung für eine Famulatur in Kroatien ist, sich die Abläufe des Arztalltags in einem fremden Land anschauen und einen Einblick in ein anderes Gesundheitssystem bekommen zu wollen.

Das kroatische Gesundheitssystem ist in den letzten Jahren, insbesondere unter dem Aspekt des zeitnahen Anschlusses an die EU, flächendeckend mit modernen Krankenhäusern in den Großstädten und einem modernen Sozialversicherungssystem ausgebaut worden. In den ländlichen Gebieten gibt es zahlreiche kleine Polikliniken.

Ich empfehle eine Famulatur in Zagreb deutschen Medizinstudenten, die nicht unmittelbar vor Beginn des Praktischen Jahres stehen, sondern noch weitere Famulaturen in Deutschland oder im Ausland absolvieren werden. Während der Famulatur in Zagreb habe ich nicht ausreichend üben können, wie man eine umfassende Anamnese erhebt, eine körperliche Untersuchung eines internistischen/dermatologischen Patienten durchführt sowie ein Procedere anhand der Verdachtsdiagnose entwirft und schriftlich dokumentiert.

Dies ist ausschließlich auf die Sprachbarriere zurückführbar gewesen, da die Ärzte sichtlich bemüht waren, mir die wichtigsten Krankheitsbilder zu zeigen und mir die diagnostischen Methoden sowie die therapeutischen Konsequenzen beizubringen.

Susanne Anton
Hamburg, Januar 2013

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