PJ in Großbritannien – Innere Medizin

22. Februar 2013

in Chancen im Ausland, Großbritannien, Innere Medizin, Praktisches Jahr im Ausland

Großbritannien, Epsom, Epsom General Hospital (27.08.-21.10.2012)

Zum PJ nach Großbritannien. Nach meinem achtwöchigen PJ-Abschnitt in der Inneren Medizin kann ich ein absolut positives Fazit ziehen und muss sagen, dass ich in England wirklich viel gelernt habe. Zum einen hat sich mein Englisch enorm verbessert, zum anderen bin ich fachlich auch echt weitergekommen, was nicht zuletzt an den sehr guten und regelmäßigen „Teachings“ in meinem Hospital lag. Diese Zeit hat sich wirklich gelohnt.

Auf nach England

Den ersten Teil meines PJ-Tertials Innere Medizin habe ich im Epsom General Hospital in Großbritannien absolviert. Ich hatte mehrere Gründe nach England zu gehen. Der Erste war die Sprache. Ich wollte in ein Englisch sprachiges Land, um meine Sprachkenntnisse weiter auszubauen, da ich flüssiges Englisch für sehr wichtig halte.

Ein weiterer Grund war, dass ich mit diesem Land viele schöne Erinnerungen verbinde. Als kleiner Junge lebte ich für zwei Jahre in der Nähe von London und ging dort zur Grundschule. Außerdem habe ich schon viele Reisen nach England gemacht und habe auch Verwandte, die dort leben und die ich einige Male besucht habe. In diesem Land fühle ich mich einfach wohl und ich schätze die Höflichkeit der Engländer sehr.

Die Bewerbung…

Pier in Eastbourne
Pier in Eastbourne

Dass ich ausgerechnet in die kleine Stadt Epsom südlich von London gegangen bin, war mehr Zufall. Ich hatte mich an sehr vielen akademischen Lehrkrankenhäusern beworben. Ein halbes Jahr vor meinem PJ-Beginn im August hatte ich angefangen, die einzelnen Kliniken anzuschreiben. Und dies war definitiv zu spät. Die meisten Kliniken, gerade die Universitätskliniken in London haben Bewerbungsfristen, die zum Teil schon ein Jahr im Voraus enden.

Ich war etwas blauäugig an die ganze Sache rangegangen und hatte mir gedacht, ich schreibe zwei bis drei Emails an ein paar große Krankenhäuser und dann gehe ich einfach rüber und fange an. Aus den zwei bis drei Emails sind dann um die 70 geworden, wovon nur etwa 30 beantwortet wurden. Von diesen 30 Antworten waren 20 Absagen und nur etwa zehn Kliniken konnten mir ein konkretes Angebot für eine PJ-Stelle machen.

Das Hauptproblem war, dass die meisten Kliniken nur Plätze für maximal sechs Wochen angeboten haben. Ich brauchte jedoch acht Wochen. So habe ich dann am Ende nur vier Bewerbungsformulare für eine konkrete Stelle ausgefüllt und zurückgeschickt. Ich musste dort jeweils angeben, welches Fachgebiet ich machen wollte und welche Abteilungen ich gerne besuchen würde. Ich habe mich dafür entschieden, Innere Medizin in England zu machen, da mich das Fach Innere sehr interessiert und ich möglichst viel Kontakt mit den Patienten haben wollte, um viel mit ihnen auf Englisch zu reden und ich meine Anamnese und Untersuchungen gerne auf Englisch durchführen wollte. Ich hatte daher bei den Bewerbungen Fächer wie Kardiologie, Gastroenterologie, Nephrologie und Rheumatologie angegeben.

Die Zusage…

Pub in Hastings
Pub in Hastings

Dann kam erst einmal keine Antwort. Nach etwa einem Monat erhielt ich dann vom Epsom General Hospital, dieses Krankenhaus gehört zur St. Georges University in London, eine Zusage für eine PJ-Stelle. Und dieses Angebot klang echt gut: Ich durfte einen Monat Innere Medizin auf der Kardiologie und einen Monat Innere Medizin auf der Gastroenterologie machen, es gab ein Wohnheim direkt am Klinikum und ich würde sogar kostenlos vom Flughafen abgeholt werden. Ein all-inclusive Paket also. Eine aufwendige Gesundheits-Voruntersuchung mit dutzenden Attesten, wie sie die anderen Krankenhäuser erwarteten, wurde auch nicht verlangt. Nur eine Unterschrift vom Dekan, dass ich an der Universität in Deutschland eingeschrieben und ein ordentlicher, verantwortungsvoller Student bin, wurde verlangt.

Nur leider gab es zu dem Zeitpunkt, an dem ich kommen wollte, kein freies Zimmer mehr im Wohnheim, man hatte mir aber gleich die Adresse eines Hotels gegenüber dem Krankenhaus mitgeschickt. Darauf habe ich jedoch verzichtet, da ich die Möglichkeit hatte, bei meiner Tante und meinem Onkel zu wohnen, die glücklicherweise nur eine dreiviertel Stunde mit dem Bus entfernt in einem Nachbarort leben.

Die Kommunikation mit dem Klinikum war sehr leicht, da es eine extra Abteilung für Studenten gibt, welche die „medical electives“, wie der Aufenthalt dort genannt wird, organisiert. Der Verantwortliche für dieses „Undergraduate Education Center“ ist sehr hilfsbereit und bemüht sich, den Aufenthalt am Klinikum so problemlos und angenehm wie möglich zu gestalten – und alles mit einer ausgesprochenen englischen Höflichkeit!

Nachdem die Formalitäten mit dem Verantwortlichen geklärt waren, hatte ich mich mit Büchern für Kardiologie und Gastroenterologie sowie einem „Medical English Pocket“ Buch versorgt und meine Reise geplant. Da ich mit dem Auto nach England gefahren bin, um mobil zu sein, hatte ich auf den Abholservice vom Flughafen verzichtet und bin eine Woche vor PJ-Beginn losgefahren, um mich vorher etwas auf England einzustimmen und noch ein bisschen zu reisen.

Der Start am Epsom General Hospital

Das Angenehme an England ist, dass man nicht so früh aufstehen muss. Generell beginnt alles erst um 9:00 Uhr morgens. So auch mein erster Arbeitstag im Epsom General Hospital.
Ich habe den Verantwortlichen im „Undergraduate Education Center“ getroffen, einem sehr schönen Bereich im zweiten Stock des Klinikums, extra für die Studenten. Es gab Schulungsräume und eine Bibliothek mit guter Auswahl an englischer medizinischer Literatur und viele Lernplätze. Außerdem gab es neben dem Aufenthaltsbereich mit Sofas und Sesseln auch einen Computerraum mit Drucker, zu dem wir 24h Zugang hatten. Der Verantwortliche empfing mich in seinem Büro und zeigte mir erst einmal neben Personalkantine und Cafeteria die wichtigsten Bereiche des etwas verwinkelten Klinikums.

Das Epsom General Hospital ist ein Krankenhaus mit 300 Betten, das über alle Fachbereiche der Medizin verfügt und stationäre sowie ambulante Patienten betreut. Außerdem verfügt das Krankenhaus über eine große Notaufnahme, in der jährlich etwa 48.000 Patienten behandelt werden.

Nach der Führung durch die Klinik erhielt ich einen Stundenplan, auf dem meine täglichen Aktivitäten verzeichnet waren. Neben der alltäglichen Stationsarbeit waren Ambulanzaktivitäten, Besuche in der Notaufnahme und sehr viele Lehrveranstaltungen aufgeführt. Das Lehrangebot im Epsom Hospital war wirklich überragend. Fast jeden Tag gab es Veranstaltungen, die man besuchen konnte. Neben Themen spezifischen „Bedside teachings“, gab es Unterricht für die neuen Assistenzärzte („Junior Doctors“), an denen wir teilnehmen konnten. Ferner spezielle Untersuchungs- und Anamnese Kurse, Blutabnahme Trainings, EKG Kurse, Pharmakologie Seminare und ein wirklich ausgezeichnetes Radiologie Teaching, bei dem wir in kleinen Gruppen Röntgen- und CT Bilder befundet und eine Menge gelernt haben.

Die Gesundheitsuntersuchung zum Antritt meines PJ-Tertials habe ich dann vor Ort vom „Occupational Health Team“ erhalten und sie bestand aus einem Fragebogen sowie einer Blutentnahme.

Mein PJ-Abschnitt auf der Kardiologie…

Meine erste Station der acht Wochen Innere Medizin war die Kardiologie. Ich war auf einer kardiologischen Allgemeinstation eingeteilt, auf der vor allem Patienten mit Klappenvitien, Endokarditis, Herzinsuffizienz und Rhythmusstörungen behandelt wurden. Man muss dazu sagen, dass in England die Ärzte-Karriere etwas anders verläuft als in Deutschland. Direkt nach dem Examen startet man als „Junior Doctor“ und durchläuft zwei Jahre (F1 und F2), bis man dann zum „House Officer“ und dann später zum „Senior House Officer“ aufsteigt. Fachärzte werden „Registrars“ genannt und die Oberärzte, welche die Station leiten, sind die „Consultants“.

Ich wurde von einem „Junior Doctor“ betreut und hatte auch einen „Registrar“ als Ansprechpartner zur Verfügung. Die „Consultants“ habe ich immer auf der Visite begleitet.
Jeden Tag gab es Visiten mit den „Junior Doctors“ und den „Registrars“, die auch die eigentliche Stationsarbeit gemacht haben. Mehrmals die Woche gab es dann die Visite mit den „Consultants“, bei denen man sich auf die eine oder andere Frage gefasst machen musste, die man dann nachbereiten und das nächste Mal vortragen musste.

Mein Tag fing um 9:00 Uhr auf der Station an, auf der ich dann Patienten aufgenommen habe. Dazu gehörten die Blutentnahme, Anamnese und körperliche Untersuchung, die Dokumentation und die anschließende Vorstellung beim zuständigen Arzt. Am Anfang hatte ich noch etwas Probleme, alles richtig zu verstehen und ab und zu gingen mir auch die Wörter für „Spritze“ oder „Stauschlauch“ aus, aber das gab sich recht schnell, da ich den ganzen Tag gezwungen war, Englisch zu reden und von Anamnese bis Vorstellung der Patienten ja auch alles auf Englisch gemacht habe. Die Schwestern waren ebenfalls sehr freundlich und haben mich immer unterstützt, wenn ich mal etwas nicht gefunden oder gewusst habe.

Die Ärzte haben mich zu allen Untersuchungen mitgenommen und mir viel gezeigt. Neben dem Interpretieren von EKGs und dem Heraushören von Klappenvitien habe ich auch spezielle Untersuchungen wie Kardioversionen oder das Punktieren von Perikardergüssen miterlebt. Zudem durfte ich an Untersuchungen in den Ambulanzen wie Herzecho, Transösophagealem Echo, Belastungs-EKG und Schrittmacherkontrollen teilnehmen. Wenn mal Zeit war, haben mich die Ärzte beiseite genommen und mir EKG Unterricht gegeben.
Am Nachmittag gab es dann meistens ein teaching im „Undergraduate Education Center“. Um 17:00 Uhr war mein Tag dann meistens zu Ende und ich habe den Bus nach Hause genommen.

… und auf der Gastroenterologie

Der Monat auf der Kardiologie ging dann sehr schnell vorbei und schon war ich wieder bei Stephen, der mir meinen neuen Stundenplan aushändigte. Den zweiten und letzten Monat war ich auf der Gastroenterologie eingeteilt. Dort hatte ich mit sehr vielen alten, meistens multimorbiden Patienten zu tun und vielen Patienten mit Alkoholabusus sowie Virushepatitiden. Ich war viel auf der Station und habe am Stationsalltag teilgenommen, ähnlich wie auf der Kardiologie.

Sehr interessant waren auch die Sprechstunden für ambulante Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder eine Hepatitis. Dabei ist es ein interessanter Unterschied zu Deutschland, dass die Krankenschwestern in England viel mehr Kompetenzen und Verantwortung als in Deutschland haben und zum Teil eigene Sprechstunden leiten. Auch technische Untersuchungen wie Ultraschall werden von speziell ausgebildeten Krankenschwestern durchgeführt, was den Ärzten eine Menge Arbeit abnimmt und sie extrem entlastet.

Ein besonderes Highlight waren auch die Gastros- und Koloskopien, bei denen mir der „Consultant“ ab und zu das Endoskop in die Hand gegeben hat und ich die Windungen und Winkel des Darmrohrs inspizieren durfte.

Mein „Consultant“ hat mich außerdem auch zu den „Multi-Disciplinary-Meetings“ mitgenommen, bei denen Fälle von Tumor Patienten von Ärzten aus verschiedenen Bereichen wie Radiologie, Innerer Medizin und Chirurgie diskutiert wurden. So hat man einen umfassenden Blick auf die Patienten bekommen und die verschiedenen Behandlungsstrategien von Chemotherapie bis Operation konnten besprochen werden.

Zu meinem Monat Gastroenterologie gehörte auch ein Besuch der Notaufnahme, bei denen ich die „Doctors on call“ von meiner Station begleitet habe. Dort durfte ich eine Menge Venenverweilkanülen legen, arterielle Blutentnahmen für Blutgasanalysen durchführen sowie Urinkatheter und Magensonden legen. Auch die Anamnese und Untersuchung von Notfallpatienten durfte ich dort üben. Von Herzinfarkt, Luftnot bis Schlaganfall habe ich dort viel gesehen.

Das Fazit

Very british - Fish and Chips
Very british – Fish and Chips

Der zweite Monat ging dann ebenfalls relativ schnell vorbei und die erste Hälfte meines PJ-Tertials Innere Medizin war damit zu Ende. Ich muss sagen, dass ich in England wirklich viel gelernt habe. Zum einen hat sich mein Englisch enorm verbessert, zum anderen bin ich fachlich auch echt weitergekommen, was nicht zuletzt an den sehr guten und regelmäßigen „Teachings“ im Epsom General Hospital lag. Ich möchte die Zeit dort auf keinen Fall missen, denn ich habe viele tolle Erfahrungen gemacht.

Die Kehrseite ist, dass England sehr teuer ist. Lebensmittel kosten mehr als in Deutschland, das Ausgehen ist teurer und das Tanken kostet auch sehr viel. Ich hatte jedoch das Glück, dass ich umsonst bei meinen Verwandten wohnen konnte, sonst wären noch einmal je nach Zimmer im Wohnheim dreihundert bis fünfhundert Pfund an Miete angefallen. Das Hotel gegenüber dem Krankenhaus wäre sogar um einiges teurer gewesen. Ich musste außerdem zweihundert Pfund Anmeldegebühr für die acht Wochen im Krankenhaus bezahlen. Ferner habe ich jeden Tag im Klinik Casino gegessen, was mit etwa fünf Pfund pro Mahlzeit dazu kam. Aber dafür war das Essen ausgezeichnet.

Das viele Geld habe ich jedoch gerne ausgegeben und hatte glücklicherweise als Zuschuss eines der PJ-Auslandsstipendien von Medizinernachwuchs.de erhalten, denn ich hatte eine einmalige Zeit in England und habe viel im Krankenhaus gelernt und erlebt. Ich kann daher das Epsom General Hospital wegen seiner ausgezeichneten Lehre und der guten Organisation nur weiterempfehlen. Es lohnt sich wirklich sehr, dort hinzugehen!

D.,G.
München, Januar 2013

Stipendiat im Rahmen der Auslandsstipendien 2012

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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