Krankenpflegepraktikum in Spanien – Innere Medizin und Intensivstation

7. Dezember 2012

in Chancen im Ausland, Innere Medizin, Krankenpflegepraktikum im Ausland, Spanien

Spanien, Benidorm, Hospital Clinica Benidorm (13.08.-11.09.2012)

Zum Krankenpflegepraktikum im Rahmen des Medizinstudiums ins Ausland? Nach Spanien? Warum nicht. Zusammenfassend kann ich nach diesem Aufenthalt an einer spanischen Klinik sagen, dass ich in Benidorm eine schöne Zeit hatte und am dortigen Hospital mit einem sehr netten Pflegepersonal zusammen gearbeitet habe. Zudem hat sich mein Spanisch in diesem Monat meines Krankenpflegepraktikums stark verbessert.

Meine Entscheidung für Spanien

Im Sommer 2012 habe ich im Rahmen meines Medizinstudiums den letzten Monat meines dreimonatigen Krankenpflegepraktikums an der Hospital Clinica in Benidorm/Spanien absolviert. Nachdem ich die ersten beiden Monate des Praktikums bereits in Deutschland gemacht hatte, suchte ich für den dritten Monat eine neue Herausforderung – ein Krankenpflegepraktikum im Ausland. Spanien bot sich an, da ich dort die Möglichkeit hatte, während des Praktikums bei Bekannten zu wohnen. Zudem empfand ich es als gute Möglichkeit, mal wieder etwas Spanisch zu sprechen.

Die Bewerbung

Da es in Spanien kein so dichtes Netz an Krankenhäusern gibt wie in Deutschland, schrieb ich lediglich zwei Kliniken an, die sich in der Nähe meiner Bekannten befanden. Beide Kliniken hätten mich sofort genommen. Ich habe mich letztendlich für die Klinik in Benidorm entschieden, da es sich hierbei um eine Privatklinik handelte, die einen sehr modernen Eindruck machte.

Um Kontakt mit dem Hospital aufzunehmen, hatte ich einfach an die Emailadresse der Pflegedienstleitung geschrieben, welche meine Email dann an die Verwaltung weiterleitete. Auf meine Anfrage wurde mir daraufhin sehr schnell geantwortet. Ich hatte mich circa ein halbes Jahr vor meinem Aufenthalt mit der Klinik in Verbindung gesetzt, sollte mich dann jedoch erst zwei Wochen vor meinem Aufenthalt wieder melden, um die Details abzuklären. Ich schätze daher, dass auch eine relativ kurzfristige Bewerbung noch möglich ist. Der Grund hierfür ist wohl, dass die spanischen Medizinstudenten das Glück haben, im Rahmen ihres Medizinstudiums kein Pflegepraktikum machen zu müssen und die Klinik deshalb natürlich froh über jede zusätzliche Hilfe ist.

Als Bewerbung wollte das spanische Krankenhaus lediglich eine Zusammenarbeitsbestätigung mit meiner Universität haben. Hierfür hatte ich einfach beim Dekanat der Ludwig-Maximilians-Universität in München nachgefragt und das erforderliche Schreiben dann sogar in Spanisch erhalten. Zudem ist eine Haftpflichtversicherung notwendig, die auch im Ausland gilt.

Erste Eindrücke am Hospital Clinica Benidorm

Hospital Clinica Benidorm

Vor meinem ersten Arbeitstag am Hospital Clinica Benidorm war ich natürlich recht aufgeregt, wie das wohl mit der Sprache werden würde, da ich Spanisch zwar drei Jahre in der Schule gelernt, aber nie richtig in Spanien gesprochen hatte und meine Schulzeit auch schon wieder zwei Jahre her war. Und wie alles in einem spanischen Krankenhaus abläuft, wusste ich auch nicht.

Ich sollte mich am Montagmorgen um 9:00 Uhr bei der Dame der Verwaltung des Krankenhauses, mit der ich vorher geschrieben hatte, melden. Als erstes musste ich mir Kleidung besorgen und zwei Straßen weiter den Arbeitsbekleidungsladen aufsuchen. Die Klinik übernahm jedoch die Kosten für die Kleidung. Ich erhielt allerdings nur eine Garnitur, so dass man relativ oft waschen musste. Danach wurde ich zur Pflegedienstleitung auf die Station gebracht. Dort musste ich dem Pflegedienstleiter erst einmal auf Spanisch erklären, was genau ich denn hier machen sollte, da die Spanier sich unter einem Krankenpflegepraktikum recht wenig vorstellen können.

In Spanien gibt es zwei Typen an Pflegepersonal. Einmal richtige Krankenschwestern und Krankenpfleger, welche vier Jahre an der Universität studiert haben müssen und sich um die Medikamente kümmern, aber auch Aufgaben wie Blut abnehmen übernehmen. Diese heißen „Enfermera bzw. Enfermero“. Dann gibt es noch die Krankenpflegehelfer und Krankenpflegehelferinnen, welche eine einjährige Ausbildung durchlaufen und drei Monate Praktikum gemacht haben. Diese werden als „Auxiliares“ bezeichnet. Diese übernehmen die pflegerischen Aufgaben wie Waschen, Essen austeilen, Betten machen. Die ersten drei Wochen war ich ihnen zugeteilt.

Die pflegerische Tätigkeit war mehr oder weniger die gleiche wie in Deutschland. Klar musste man sich am Anfang erst einmal auf der Station einfinden, aber dadurch, dass die Aufgaben sehr ähnlich denen hierzulande waren, ging das recht gut. Die meisten Personen, denen ich zugeteilt wurde, konnten auch einigermaßen Englisch, so dass die Verständigung halb in Englisch und Spanisch recht gut klappte.

Da es sich bei dem Krankenhaus um eine Privatklinik handelte, war diese nicht sehr groß. Es gab 166 Betten und 14 Intensivbetten, natürlich auch eine Notaufnahme und einen OP-Bereich. Das Ganze war aufgeteilt auf drei Stationen. Ich war auf der zweiten Station eingeteilt. Diese war für die Innere Medizin, Urologie, Kardiologie als auch die Herz- und Bauchchirurgie zuständig, deckte also ein relativ breites Krankheitsspektrum ab.

Die allgemeine Arbeitszeit für die Praktikanten war immer von 8:00-15:00 Uhr, man hatte also nur Frühschicht und den Rest des Tages noch Freizeit. Daher ist es auf jeden Fall empfehlenswert, das Praktikum im Sommer zu absolvieren, da man dann nach getaner Arbeit den Strand und das tolle Wetter super genießen kann.

Mein Krankenpflegepraktikum

Schwesternzimmer der Intensivstation

Ein typischer Arbeitstag läuft auf der Station folgendermaßen ab: Die Arbeit fängt um 8:00 Uhr an. Zu dieser Zeit fängt auch die normale Frühschicht des Pflegepersonals an, also circa zwei Stunden später, als dies in Deutschland üblich ist. Als erstes wird das Frühstück ausgeteilt, dieses können sich die Patienten selbst zusammenstellen. Dazu gibt es einen Zettel in den jeweiligen Patientenzimmern, auf dem die Patienten die gewünschten Sachen angekreuzt haben. Diesen holt man, nimmt sich ein Tablett und sucht sich die angekreuzten Sachen von dem Frühstückswagen heraus, bringt das fertige Frühstück dem Patienten und hilft ihm gegebenenfalls beim Essen. Anders als in Deutschland ist es in Spanien übrigens üblich, Kekse, Muffins und anderes süßes Gebäck zum Frühstück zu essen.

Danach geht es an die Pflege der Patienten. In Zweier-Teams werden die Patienten jeden Morgen entweder in der Dusche oder im Bett gewaschen. Außerdem werden die Betten jeden Morgen frisch bezogen und es wird geschaut, ob bei den Patienten alles in Ordnung ist. Diese pflegerischen Tätigkeiten sind Aufgabe der „Auxiliares“. Zur gleichen Zeit gehen auch die Krankenschwestern und Krankenpfleger ihre Runde, hängen neue Medikamente an und schauen sich die Wunden der Patienten an.

Nach den pflegerischen Tätigkeiten gibt es eine Pause, in der erst mal gefrühstückt wird. Es bleiben meist viele Brötchen, Süßigkeiten, Brot Beläge und sogar frisch gepresster Orangensaft vom Frühstückswagen übrig. Dies alles kann dann vom Pflegepersonal gegessen werden. Man kann sich jederzeit etwas davon nehmen, da man sonst kein Frühstück oder Mittagessen gestellt bekommt.

Nach dieser Pause kommt jeden Tag eine Lieferung der Apotheke, welche man im Keller des Krankenhauses abholen muss und dann im Stationszimmer einsortiert. Nach dieser Tätigkeit ist der Tag eigentlich schon so gut wie vorbei und man hat viel Zeit, sich mit den Schwestern auf Spanisch zu unterhalten. Lediglich das Mittagessen muss noch ausgeteilt werden und danach folgt ein kleiner Rundgang, bei dem Windeln und Urinkatether gewechselt werden. Um 15:00 Uhr ist der Arbeitstag dann nach sieben Stunden auch schon zu Ende. Das spanische Pflegepersonal und man selbst arbeitet demzufolge also eine Stunde weniger als in den meisten deutschen Krankenhäusern.

Krankenpflegepraktikum auf der Intensivstation

Patientenzimmer auf der Intensivstation

Die letzten 10 Tage verbrachte ich dann auf der Intensivstation. Der Tagesablauf hier war in etwa der gleiche. Die Station war dort natürlich viel kleiner und hatte lediglich 14 Betten, von denen meist nur 6-8 besetzt waren. Dadurch, dass die Besucher nur zu gewissen Zeiten auf die Intensivstation durften und die Station wesentlich kleiner war, ging es hier viel ruhiger zu und die morgendliche Pflege war schneller getan.

Danach war somit ausreichend Zeit, um mit den Krankenschwestern und Krankenpflegern mitzugehen. Diese erledigen viele Aufgaben, welche in Deutschland nur von Ärzten ausgeführt werden wie etwa Blutabnehmen oder das Legen von arteriellen Zugängen. Allgemein waren die zehn Tage auf der Intensivstation viel spannender als auf der normalen Station. Es gab viele interessante Krankheitsbilder zu sehen und auch einige kleinere Eingriffe. Die Ärzte auf der Intensivstation waren ebenfalls sehr nett und haben einem die dazugehörigen Röntgenbilder gerne erklärt.

Unterkunft

Ich hatte, wie bereits erwähnt, das Glück, keine Unterkunft suchen zu müssen. Zu der gleichen Zeit war jedoch auch eine weitere deutsche Praktikantin auf meiner Station, welche über eine Organisation im Internet eine super nette Gastfamilie gefunden hatte. Das Finden einer guten Unterkunft scheint also auf jeden Fall auch relativ problemlos möglich zu sein. An weiteren Kosten neben der Miete kommt für ein Krankenpflegepraktikum in Spanien natürlich noch der Hin- und Rückflug dazu als auch der Lebensunterhalt.

Fazit

Strand in Benidorm

Zusammenfassend hatte ich in Benidorm eine schöne Zeit. Das spanische Pflegepersonal war sehr nett, was man in Deutschland auch oft anders erlebt. Insgesamt sind die Spanier viel offener und herzlicher im Umgang miteinander. Man wird gleich mit Küsschen und Umarmung begrüßt und dies bleibt dann auch die ganze Zeit so. Auch das Verhältnis zwischen den Krankenpflegehelfern, den Krankenschwestern und den Ärzten ist wesentlich enger und entspannter als in vielen deutschen Kliniken.

Mein Spanisch hat sich in diesem Monat meines Krankenpflegepraktikums stark verbessert, aber auch ohne Spanischkenntnisse ist es möglich, dort ein Praktikum zu machen. Im Sommer sprechen die meisten Patienten sowieso kein Spanisch, sondern meist Englisch, Deutsch oder Holländisch. Man kann sich also mit fast allen Patienten sehr gut verständigen und das spanische Pflegepersonal ist oft froh, wenn dann wenigstens einer versteht, was der Patient denn gerade möchte.

H., L.
München, September 2012

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1 Kommentar

  • Hallo,
    ich bin auch eine Medizinstudentin(Saarland) und wollte ein Teil meines Pflegepraktikums in Soanien ableisten (ich bin Spanierin) weiss aber nicht wie ich das machen soll. könntest du mir mal die email adresse der Pflegedirektion schicken und dann kann ich mal fragen, ob das gehen würde?was genau musstes du schicken? es wäre ganz lieb von dir, ich will die Semesterferien halt in meiner Heimat verbringen!

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