PJ in der Schweiz – Dermatologie

3. Oktober 2012

in Chancen im Ausland, Dermatologie, Praktisches Jahr im Ausland, Schweiz

Schweiz, Zürich, Universitätsspital Zürich (18.06.-07.10.2012)

Die Dermatologie hatte sich im Laufe meines Medizinstudiums immer mehr als das Fachgebiet herauskristallisiert, das mich interessierte. Gleichzeitig bestand der Plan, während meines Praktischen Jahres Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Mein Wahlfach Dermatologie im PJ in der Schweiz abzuleisten, stellte daher für mich die ideale Lösung dar.

Zum Wahlfach im PJ ins Ausland

Im Laufe des klinischen Abschnitts des Medizinstudiums hatte sich bei mir durch immer größer werdendes Interesse aufgrund meiner abgeleisteten Famulaturen recht schnell herausgestellt, dass ich mein Wahlfach des PJs unbedingt im Fachbereich der Dermatologie absolvieren wollte. Wie so viele andere hatte auch ich den Wunsch, Auslandserfahrungen zu sammeln.

Durch eine Kommilitonin, welche einen Teil des Praktischen Jahres in der Dermatologie in Zürich verbracht hatte und von Grund auf begeistert war, kam ich auf die Idee, mich unter anderem dort zu bewerben.

Infos rund um die Bewerbung …

Blick von der Poly-Terrasse an der ETH in Zürich
Blick von der Poly-Terrasse an der ETH in Zürich

Bei meiner Bewerbung damals war ich noch eineinhalb Jahre von meinem PJ-Antritt entfernt. Ich hatte im Frühjahr 2011 ganz unverbindlich per Mail bei der zuständigen Sekretärin der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich angefragt, ob noch Unterassistentenstellen für den entsprechenden Zeitraum frei wären. Diese hatte sich sehr schnell um die Bearbeitung gekümmert und innerhalb von zwei Tagen erhielt ich die Zusage zum gewünschten Tertial in meinem E-Mailpostfach.

Mir wurde mitgeteilt, dass ich als Unterassistentin zwischen den einzelnen Bereichen der Dermatologie rotieren und 930 CHF im Monat verdienen würde. Jedem Unterassistent stünden sechs Urlaubstage für einen Zeitraum von 16 Arbeitswochen zu.

Die Formalitäten mit dem Unispital Zürich verliefen alle recht unkompliziert. Nachdem ich die Zusage erhalten hatte, sollte ich der Vollständigkeit halber noch eine komplette schriftliche Bewerbung mit Lebenslauf, Passfoto und Kopie meines Personalausweises an meine Ansprechpartnerin schicken. Daraufhin erhielt ich meinen vorläufigen Arbeitsvertrag per Mail, den ich dann unterschrieben an sie zurücksenden sollte.

Am ersten Arbeitstag sollte ich dann mit dem zugesandten Schreiben um 8:00 Uhr im Sekretariat der Dermatologischen Klinik erscheinen und mich noch innerhalb der ersten Tage im zuständigen Kreisbüro melden.

Bezüglich Unterkunftsmöglichkeiten in Zürich wurden mir die Personalwohnheime des Unispitals empfohlen, bei welchen man sich frühestens drei Monate vor Antritt um ein Zimmer bewerben konnte. Die Preise variieren hierbei zwischen 450 CHF bis 1.100 CHF pro Monat, je nachdem, ob man ein Zimmer mit Flurgemeinschaft oder ein Studio präferiert. Der Preis versteht sich inklusive Nebenkosten, allerding ohne Internet. Man kann zwei Häuser-Präferenzen wählen. Die monatliche Miete muss immer im Voraus in bar beim Kundendienst des Universitätsspitals bezahlt werden.

… und zu einigen Formalitäten

Die Limmat mit Fraumünster und St. Peterkirche in Zürich
Die Limmat mit Fraumünster und St. Peterkirche in Zürich

Um das Gehalt von 930 CHF des Unispitals Zürich erhalten zu können, empfiehlt sich eine kostenlose Kontoeröffnung in der Schweiz und zwar bei der Postfinance Bank, ein sogenanntes Ausbildungskonto, welches von den meisten Unterassistenten genutzt wird.

Um auch im Ausland im Krankheitsfall abgesichert zu sein, sollte man sich bei der eigenen Krankenversicherung über die Gültigkeit des Vertrags in der Schweiz informieren und gegebenenfalls eine Zusatzversicherung bzw. Auslandsreisekrankenversicherung abschließen.

Vor Ort soll man sich innerhalb von acht Tagen nach der Anreise noch im zuständigen Kreisbüro von Zürich anmelden.

Mein erster Tag

Um 8:00 Uhr wurde ich im Direktionssekretariat der Dermatologischen Klinik sehr herzlich empfangen und über die üblichen Formalitäten informiert. Als erstes musste ich mich dann zum Kundendienst des Unispitals begeben. Hier bekam ich gegen eine Kaution von 100 CHF einen Lichtbildausweis und einen eigenen Spint am Klinikum zugewiesen. Danach ging es zur Abholung der Dienstkleider, welche man sich dann für den Zeitraum des Tertials wöchentlich jeden Montag im Gebäudetrakt West aushändigen lässt.

Nach diesen Erledigungen sollte ich wieder in die Dermatologie zurückkommen und wurde dort direkt auf die Privatstation gebracht, auf welcher ich die ersten drei Wochen als Unterassistentin arbeiten sollte. Auch hier waren der Empfang und die Begrüßung durch die Assistenzärzte als auch die Pflegekräfte sehr offen und herzlich.

Ich war für die Zeit auf Station einer Assistenzärztin zugeteilt, welche mich am ersten Tag in die Stationsabläufe und meine Aufgaben einwies. Ich erhielt einen eigenen Arbeitsplatz mit Computer und Zugangsdaten für das Patientendatennetzwerk des Klinikums. Wir hatten recht viele stationäre Aufnahmen an meinem ersten Tag, sodass ich mich direkt mit dem Verfassen von Eintritts- und Statusberichten neuer Patienten einbringen konnte, was u.a. eine der essentiellen Aufgaben eines Unterassistenten auf Station darstellt.

Mittags um 12:00 Uhr war dann die sogenannte „MIVI“, die Mittagsvisite und Fallvorstellung, bei der sich alle Dermatologen des Klinikums einfinden und verschiedene aktuelle Patientenfälle präsentiert als auch diskutiert werden. Dies sind zum Teil Patienten der Station, aber vor allem Patienten, die in der Poliklinik visiert wurden. Ich war diesbezüglich für die Patientenorganisation zuständig.

Nach der „MIVI“ hatten wir dann unsere Mittagspause, die meistens in der nahegelegenen Cafeteria verbracht wird, in der kleine Snacks, Teilchen und Salate angeboten werden. Es gibt auch eine große Kantine/Restaurant, in welcher man zwischen verschiedenen Menüs auswählen kann.

Am Nachmittag ging es dann weiter mit Patientenaufnahmen, Konsil-Anordnungen und einer Biopsie, welche ich zusammen mit meiner Assistenzärztin ausführen konnte.

Der erste Tag war recht lang. Erst um 18.30 Uhr konnte ich das Klinikum verlassen. Dies ist, wie sich im Laufe der nächsten Tage jedoch herausstellen sollte, nicht die Regel. Meist kann man schon um 16.00 Uhr gehen, je nachdem auf welcher Station man eben eingeteilt ist und wie viel noch zu tun ist. Die offizielle Arbeitszeit beginnt um 8:00 Uhr und endet um 17:00 Uhr.

Meine Tätigkeiten in der Dermatologie

Die nächsten Wochen war ich stets für die Neuaufnahmen auf Station verantwortlich. Sprich, ich führte die Anamnese, Erstuntersuchung, Fotografien der Hautveränderungen und Eintrittsverordnungen aus und verfasste jeweils die Status- und Eintrittsberichte sowie die Dokumentation des kontinuierlichen Verlaufs. Die neuen Patienten durfte ich dann in der Mittagsvisite dem Oberarzt oder Chefarzt (auf der Privatstation) vorstellen.

Das Dokumentationssystem für Patienten ist am Universitätsspital in Zürich komplett elektronisch zu führen. Papierpatientenakten, wie ich sie noch von meiner Heimatuni und kleinen Kreiskrankenhäusern aus Deutschland kannte, sind hier längst Vergangenheit. Dies vereinfacht viele Dinge wie Anordnungen, Konsil-Anfragen, Terminvereinbarung als auch die Kommunikation mit der Pflege enorm und bedeutet einen großen Zeitgewinn gegenüber dem deutschen System.

Biopsien (Punchbiopsien oder Spindelexzisionen) machte ich beim ersten Mal unter Aufsicht des Arztes und durfte diese dann später immer alleine durchführen.

Direkt am ersten Wochenende hatte ich meinen ersten Dienst. Das bedeutet Arbeiten an einem Samstag oder Sonntag und zwar von 8:00 Uhr bis 17:00 Uhr. Man trägt hierbei einen Notfallpiepser und macht morgens gemeinsam mit dem diensthabenden Arzt und Oberarzt die Visiten der kompletten Bettenstation durch, nimmt z.T. neue geplante Patienten stationär auf oder eben Patienten, die sich aufgrund eines Notfalles vorstellen. Die Unterassistenten müssen die Einteilung der Wochenenddienste selbst untereinander organisieren. Jedes Wochenende müssen so zwei Unterassistenten in der Klinik sein und dem Assistenzarzt aushelfen.

Die Dienste waren meist recht spannend, denn auch hier kann man des Öfteren seine Biopsie-Fähigkeiten ausbauen und Therapiestrategien sowie Diagnostika gemeinsam mit dem Assistenzarzt erstellen. Die meisten der Assistenzärzte hatten auch wirklich Interesse, den Unterassistenten etwas beizubringen und von ihrem bisherigen Wissen weiter zu geben. Das Verhältnis war meist kollegial-freundschaftlich.

Später war ich dann im OP (OPS) und in der Poliklinik eingeteilt. Am meisten von allen Abteilungen hatte mir die Poliklinik gefallen. Hier kann man wirklich schon richtig selbständig arbeiten. Man bekommt sein eigenes Untersuchungszimmer mit Liege und Arbeitsplatz, nimmt die angemeldeten Patienten auf, macht erste Diagnostika, Hautuntersuchungen, entwirft Therapiestrategien und stellt den Patienten dann jeweils dem betreuenden Assistenzarzt vor. In dieser Zeit habe ich mit Abstand das Meiste gelernt, sowohl im Praktischen als auch im Umgang mit den dermatologischen Patienten und multiplen Krankheitsbildern mit ihren jeweiligen Schwierigkeiten.

Auch hier gibt es nur Positives über das Verhältnis mit den anderen Ärzten, Oberärzten und der Pflege zu berichten. Das Duzen ist hier allgegenwärtig und die Hierarchie ist bei Weitem nicht so streng wie in einigen deutschen Kliniken. Der Umgangston miteinander ist selbst in heikleren Situationen stets höflich und teambetont.

Studientage gab es leider keine. An manchen Tagen gab es aber insbesondere auf Station am Nachmittag nicht mehr so viel zu tun, sodass man hier auch mal etwas früher gehen konnte.

Leben in Zürich

Die Stadt Zürich hat einen ausgesprochen reizvollen Charme mit all seinen kleinen Gässchen links der Limmat und den tollen Stuckfassaden an sämtlichen Hauswänden. Zu dem Charme tragen natürlich auch das Grossmünster, das Fraumünster, das Rathaus und die St. Peterkirche bei, welche das Stadtbild neben vielen anderen Prachtbauten prägen.

Die meisten der Personalwohnheime sind am Hang des Zürichbergs gelegen. Von hier hat man einen tollen Blick über die ganze Stadt bis zum gegenüberliegenden „Hausberg Zürichs“ – dem „Uetliberg“. Ein Aufstieg dorthin lohnt sich bei gutem Wetter allemal, denn der Weg von der Tramhaltestelle bis zum Gipfel dauert gerade mal eine Stunde bei zügigem Gang und bietet einen sehr weiten Ausblick über den kompletten Zürichsee bis zu den nahe gelegenen Alpen.

In meinen ersten Wochen in Zürich war es noch richtig heiß, was uns Unterassistenten regelmäßig zum abendlichen Baden in der Limmat oder direkt im Zürichsee verlockt hatte. Am Letten-Schwimmbad, welches sich etwas flussaufwärts auf Höhe der „Platzspitz“ befindet und im Zürichsee selbst, z.B. vom Bellerive-Park aus, ist das Schwimmen kostenlos. Wen es dennoch in ein komfortableres Schwimmbad lockt, hat eine große Auswahl an Bädern in Zürich. Hier wären zum Beispiel das Bad am „Utoquai“, das „Frauenbad“, ein Jugendstilbad mitten in der Limmat, welches abends zu einer Barfuß-Bar umfunktioniert wird, das „Männerbad“ und viele andere mehr zu nennen. Das Wasser im See und den beiden Flüssen Sihl und Limmat hat hier Trinkwasserqualität. Überall stehen daher auch öffentlich Trinkwasserspender an sämtlichen Straßenecken.

Eine Auswahl zum Shoppen bietet Zürich ebenso, allerdings hauptsächlich für „betagtere“ Geldbeutel. Das Leben ist insbesondere hier in Zürich wie auch in der restlichen Schweiz um einiges teurer als in Deutschland.

Aber es gibt auch einige Viertel, in denen man auch mit schmalerem Geldbeutel zu Rande kommt. Vorreiter hierbei ist der „Kreis 5“, links vom Bahnhof gelegen, das ehemalige Industrieviertel Zürichs, welches sich mittlerweile zu einem echten alternativ-modernen Künstler-Szeneviertel gewandelt hat. Für die Wochenenden gibt es hier einige gute Clubs und studentenfreundliche Cafés bzw. Bars.

Für alle Kunstinteressierten ist das Züricher Kunsthaus wärmstens zu empfehlen. Hier gibt es einige Werke von Monet, van Gogh, Cézanne, Chagall und Munch zu bestaunen.

Fazit

Zürichsee bei Nacht: Blick vom Bürkliplatz auf den Utoquai
Zürichsee bei Nacht: Blick vom Bürkliplatz auf den Utoquai

Mein PJ-Tertial in der Dermatologie in Zürich ist eine tolle und sehr lehrreiche Zeit gewesen, für mich persönlich war es sogar die schönste Zeit meines gesamten bisherigen Studienverlaufes.

Ich kann jedem mit gutem Gewissen empfehlen, sich hier an der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals in Zürich für ein PJ-Tertial zu bewerben. Ihr werdet es nicht bereuen!

K., M.
Zürich, September 2012

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