Famulatur in Südafrika – Innere Medizin

22. August 2012

in Chancen im Ausland, Famulatur im Ausland, Innere Medizin, Südafrika

Südafrika, Kapstadt, Somerset Hospital (01.11.-30.11.2011)

Bereits im Jahr 2005 hatte ich den Norden Südafrikas im Rahmen eines Schüleraustauschs besucht. Seitdem gab es für mich keinen größeren Traum, als eine meiner Famulaturen in Südafrika zu absolvieren. Trotz gebrochener Kniescheibe machte ich mich auf den Weg nach Kapstadt und dies ohne es bereut zu haben.

Vorbereitung und Anreise

Das Somerset Hospital in Kapstadt
Das Somerset Hospital in Kapstadt

Eine Bewerbung für eine Famulatur am Somerset Hospital in Kapstadt sollte zwei Jahre im Voraus geschehen. Die Bewerbung kann man an die zuständige Betreuerin für die Austauschstudenten am Somerset Hospital senden. Sobald man eine Zusage bekommt, wird eine Gebühr von ca. 400-500 EUR pro Monat Famulatur fällig, wodurch man sich gleichzeitig den Platz sichert.

Ein Visum ist erst ab einer Aufenthaltsdauer von 90 Tagen nötig. (Anm.d.Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Flüge nach Kapstadt werden von allen größeren Fluglinien angeboten (ca. 800 EUR). Die Studienkoordinatorin des Somerset Hospitals bietet für R 150 einen Abholservice vom Flughafen an. Eine Auslandsreisekrankenversicherung sollte man vorher abschließen, da einem immer etwas passieren kann.

Man sollte seinen Routineimpfstatus zuvor checken. Zusätzliche Impfungen sind nicht notwendig. In Kapstadt gibt es keine Malaria, je nach Reiseziel sollte man sich um eine Prophylaxe kümmern. Eine HIV-PEP ist ebenfalls ratsam, da fast jeder Patient HIV positiv ist. Unterschätzt hatte ich das Tuberkuloserisiko. Es gibt viele Patienten mit einer offenen Tuberkulose, die nicht isoliert wurden. Auch hier ist eine Prophylaxe mit Isoniazid eine Überlegung wert.

Unterbringung und Verpflegung

Nursing Residence am Somerset Hospital
Nursing Residence am Somerset Hospital

Dem Somerset Hospital angegliedert ist eine Nursing Residence. Es ist sehr praktisch, dort zu wohnen, da die Residence durch einen Tunnel mit dem Krankenhaus verbunden ist. Der Tunnel erweist sich als sehr nützlich, da man zum Mittagessen nach Hause gehen kann, und wenn man „on-call“ ist, kann man auch Zuhause sein, bis man gerufen wird.

Die Nursing Residence ist ähnlich wie ein Studentenwohnheim aufgebaut. Man darf sich bei seinem ersten Besuch nicht vom Gebäude, das wie ein Gefängnis aussieht, abschrecken lassen. Man hat ein eigenes Zimmer (15 m²) mit Waschbecken, Schreibtisch, Schrank und Bett. Es gibt eine gemeinschaftliche Küche, die gut ausgestattet ist, und einen Aufenthaltsraum. Im Aufenthaltsraum ist Internet verfügbar. Es ist sehr nett, da man mit anderen Medizinstudenten und „Interns“ schnell in Kontakt kommt.

In der ersten Woche kostet die Übernachtung R 140 pro Nacht und in den folgenden Wochen R 120 pro Nacht. Andere Medizinstudenten waren für ähnliche Preise außerhalb untergebracht. Dies mag etwas luxuriöser gewesen sein, jedoch mussten diese mit dem Auto zum Krankenhaus fahren.

Der Sicherheitsstandard ist mittelmäßig. An der Tür sitzt eine Sicherheitskraft vom Hospital. Wir haben unsere Türen und den Aufenthaltsraum immer abgeschlossen, da im Prinzip jeder ein- und ausgehen kann. Ein Zimmer kann man bei der am Somerset Hospital für die Austauschstudenten zuständigen Betreuerin anmieten.

Eine schöne Alternative zur Nursing Residence ist die Villa Bianca. Sie ist ein Guesthouse mit acht wunderschönen Zimmern, zwei Bädern, einer großen Wohnküche, zwei Balkonen, einem Pool und einer Hausfrau. Die Villa wird von einem sehr netten Ehepaar geführt und liegt direkt am Tafelberg in „Oranjezicht“. Es sind 5 min bis in die Stadt und mit dem Auto 15 min bis zum Somerset Hospital. Der monatliche Mietpreis liegt bei ca. 300 EUR. Die Kontaktadresse ist: .

Organisatorisches zum Ablauf der Famulatur

Männersaal am Somerset Hospital
Männersaal am Somerset Hospital

Das Somerset Hospital hat eine ideale Lage für jegliche Vorhaben. Es liegt in Green Point neben dem Stadion und gegenüber der bekannten „Waterfront“. In der „Waterfront“ findet man alles, was das Herz begehrt. Es ist eine riesige Mall mit vielen Geschäften und Restaurants. Es ist ein sehr touristischer Punkt, wodurch es sehr sicher ist und man ohne Probleme alleine hinlaufen kann.

Fast alle bürokratischen Formalitäten wie z.B. Nachweis englischer Sprachkenntnisse, Letter of recommendation, Studiengebüren konnten im Voraus geklärt werden. Wenn man dann in Kapstadt ankommt, muss man sich noch an der Universität registrieren. Die Registration ist aber kein Problem, da die Studienkoordinatorin sehr nett ist und einen dorthin begleitet. Hierzu ist nur noch der Reisepass nötig.

Am ersten Tag meiner Famulatur hatte ich mich im Büro der Inneren Medizin gemeldet und wurde dort einem Team, das aus „Registrar“ und „Intern“ bestand, zugeteilt. Ich wurde im Krankenhaus herumgeführt, damit ich mich zu Recht fand. Das Somerset Hospital besteht aus einem neuen und einem alten Trakt sowie der neuen Notaufnahme, die zur Fußball-WM 2010 auf modernen Standard gebracht wurde. Die Stationen bestehen aus riesigen Schlafsälen, die in einen Männersaal und zwei Frauensäle aufgeteilt sind. Es gibt keine Isolierzimmer. Diese Tatsache bedeutet, dass auch die Patienten mit offener Tuberkulose in diesen Sälen liegen, was mit einem Infektionsrisiko einher geht.

Um im Alltag zu Recht zu kommen, sollte man gutes Englisch können. Hilfreich ist auch etwas „Afrikaans“, da viele Patienten diese Sprache sprechen. Sinnvoll für eine Famulatur in der Inneren Medizin ist zudem, HIV und Tuberkulose bis ins Detail auswendig zu können. Fast alles dreht sich um diese beiden Erkrankungen. Nützliche Literatur ist das Oxford Handbook of Clinical Medicine. Die südafrikanischen Studenten lernen mit diesem Buch für ihre Prüfungen. Es ist gut strukturiert und man lernt automatisch die englischen Abkürzungen, die im Alltag verwendet werden, kennen.

Das Somerset Hospital ist gut mit Desinfektionsmittel, Handschuhen, Spritzen mit Sicherheitsschutz und Masken ausgestattet. Mitzubringen sind ein Stethoskop, Leuchte, Stift und ein Stauschlauch. Hier wird mit einem Handschuh gestaut, was ich als nicht sehr praktisch empfand.

Arbeitstag und Arbeitszeiten

Frauensaal am Somerset Hospital
Frauensaal am Somerset Hospital

Die tägliche Arbeit begann mit der Visite, die auch mal drei Stunden dauern kann. Mit seinem Team geht man jeden einzelnen Patienten durch. Hierbei wird immer nach dem Befinden des Patienten gefragt und das Röntgenbild als auch das Blutbild betrachtet. Daraufhin widmet man sich den Blutabnahmen, Lumbalpunktionen, Pleurapunktionen, Zugängen, dem Schreiben von Entlassungsbriefen und Überweisungen und sonstigen Stationsarbeiten. All diese Tätigkeiten bekommt man beigebracht und darf sie, wenn man sich dazu bereit fühlt, selbst durch führen.

Fünf- bis siebenmal im Monat ist das Team „on-call“. Am Tag vor dem „on-call“ musste man versuchen, möglichst viele Patienten zu entlassen, damit an diesem Tag Platz für neue Patienten ist. Bei einem „on-call“-Tag war man in der Notaufnahme und hat alle Patienten, die der Inneren Medizin zugeteilt waren, untersucht und gegebenenfalls aufgenommen. Diese Dienste waren besonders lang. Es wurde erwartet, dass man bis ca. 22:00 Uhr am Dienst teilnimmt. Gerne wurde auch gesehen, wenn man die Nacht mit durcharbeitete. Es waren anstrengende, aber auch sehr lehrreiche Dienste.

Die Patienten, die man während des Dienstes unter Aufsicht des „Interns“ aufnahm, waren dann bis zu deren Entlassung die „eigenen“ Patienten, die man regelmäßig visitierte und über deren Gesundheitszustand man informiert sein sollte. Am nächsten Morgen war dann die „post-call“-Visite, in der alle neuen Patienten dem Oberarzt vorgestellt wurden. Die Visiten waren, wenn genügend Zeit da war, sehr lehrreich. Man ist das Röntgenbild, das EKG und die Anamnese durchgegangen und konnte bei interessanten Befunden den Patienten erneut untersuchen. Danach war dann für den Tag erst einmal Feierabend. Tage, an denen das Team nicht „on-call“ war, endeten zwischen 14:00 und 16:00 Uhr. Die Zeiten sind nicht verpflichtend, aber es wird gern gesehen, wenn man sie einhält.

Die Famulatur in Südafrika gibt einem eine große Chance, Krankheitsbilder zu sehen, die man in Deutschland kaum zu Gesicht bekommt. Großen Wert wird hier auf die klinische Untersuchung gelegt. Nur mit Stethoskop und seinen beiden Händen bekommt man die körperliche Untersuchung bis ins Detail beigebracht und man lernt so manchen praktischen Handgriff. Es wird wenige apparative Diagnostik durchgeführt, da für diese kein Geld zur Verfügung steht und auch nur gering vorhanden ist. Umso genauer sollte die Untersuchung durchgeführt werden. Hier wird Medizin noch als ein „Handwerk“ angewendet, was sehr spannend ist und mir sehr viel Spaß bereitet hat. Leider gehörte der Tod auch zum täglichen Geschehen dazu.

Die südafrikanischen Medizinstudenten sind einem deutschen Medizinstudenten sehr weit voraus. Die Studenten sind praktisch enorm gut ausgebildet und arbeiten in ihren Einsätzen im Krankenhaus sehr selbstständig.

Leben in Kapstadt und Sicherheitsaspekte

Blick von Robben Island auf Kapstadt
Blick von Robben Island auf Kapstadt

Die Freizeitmöglichkeiten in Kapstadt sind riesig. Ein Muss ist ein Aufstieg auf den Tafelberg und auf den „Lions Head“, ferner Besuche von „Robben Island“, „District 6 Museum“, Kap der Guten Hoffnung, „Kistenbosch Botanical Gardens“ und „Camps Bay“.

Die Umgebung von Kapstadt hat ebenfalls viel zu bieten. Man kann Ausflüge nach „Hermanus“ unternehmen, um Wale anzuschauen. Außerdem bieten sich Exkursionen auf der „Garden Route“, in die Weinberge nach „Stellenbosch“ und in die „Cederberge“ an.

Hierzu ist immer ein Auto notwendig. Dieses kostet im Monat ca. 300 EUR und das Benzin lag derzeit bei knapp 1 EUR pro Liter. Generell ist ein Auto in Kapstadt sehr sinnvoll, da man sich zur jeder Tageszeit ohne Probleme bewegen kann. Es geht auch ohne Auto. Die Taxis sind preiswert, pro Kilometer zahlt man ca. 1 EUR, jedoch weiß ich nicht, ob ich ein Taxi alleine in der Dunkelheit nehmen würde. Die Busse sind tagsüber ebenfalls eine gute Fortbewegungsmöglichkeit und seit der WM 2010 gut ausgebaut. Der Preis für eine Strecke liegt zwischen 5 und 8 Rand. Den Zug habe ich nie genommen, habe aber gehört, dass er unter der Woche tagsüber sicher ist. Man kann sich auch mit Minibustaxen fortbewegen, aber mir wurde davon abgeraten.

Ich habe mich nirgends unsicher gefühlt. Ich würde aber dringend raten, sich immer in Gruppen fortzubewegen, nicht in der Dunkelheit herumzulaufen, keine Markenanziehsachen zu tragen, keinen teuren Schmuck anzuziehen und Kamera sowie Portemonnaie nicht offen zu tragen.

Die Jahreszeiten sind umgekehrt zu unseren, aber sonst den deutschen Temperaturen ähnlich. Kapstadt ist immer sehr windig und dadurch sind die warmen Sommertemperaturen gut erträglich. Wer Windsurfen oder Wellensurfen kann oder lernen möchte, ist hier genau richtig. Es gibt viele Strände für Surfer. Die Strände laden im Sommer auch zum Sonnenbaden ein, jedoch nicht zum schwimmen gehen, da das Wasser nur eine Temperatur von 10 Grad hat. Wenn man im Meer schwimmen gehen möchte, muss man Richtung „Garden Route“ fahren.

Nachmittage kann man in schönen Cafés verbringen und abends kann man gut und preiswert Essen gehen. Auf der „Longstreet“ kann man abends gut feiern gehen. Generell sind die Lebensunterhaltungskosten etwas günstiger als in Deutschland. Alle Attraktionen sind jedoch touristischen Preisen angepasst. Für Südafrika ist Kapstadt sehr teuer. Wenn man Afrika kennenlernen möchte, ist man in Kapstadt am falschen Ort, da die Stadt sehr europäisch ist.

Die Kosten können je nach Freizeitgestaltung stark variieren. Lebensmittel im Supermarkt haben einen vergleichbaren Preis zu unseren in Deutschland. Das Essen im Restaurant und die Getränke in Bars sind günstiger als in Deutschland.

Mein Resümee

Die University of Cape Town
Die University of Cape Town

Die Famulatur in Kapstadt hat mir die Möglichkeit gegeben, ein anderes Gesundheitssystem als das Deutsche kennenzulernen und Krankheiten in einem Ausmaß zu sehen, die in Deutschland nicht auftreten. Ich habe viele praktische und theoretische Tätigkeiten gelernt.

Im November und Dezember sind im Somerset Hospital keine Tutorien, ich habe jedoch trotzdem sehr viel beigebracht bekommen, da mein Team immer versuchte, mir etwas beizubringen und ich immer Fragen stellen konnte. Ich war sehr zufrieden mit der Betreuung sowohl durch die Ärzte als auch durch die Studienkoordinatorin.

Kapstadt selbst bietet einen sanften Einstieg in einen faszinierenden Kontinent.

V., D.
Hamburg, Juli 2012

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