Famulatur in Ecuador – Neurochirurgie

15. August 2012

in Chancen im Ausland, Ecuador, Famulatur im Ausland, Neurochirurgie

Ecuador, Quito, Hospital Carlos Andrade Marin (10.02.-27.03.2012)

Südamerika hatte mich schon seit Jahren interessiert und da fiel mir meine Entscheidung, wo ich eine Famulatur im Ausland absolvieren wollte, sehr leicht. Entschieden hatte ich mich letztlich für Ecuador, genauer gesagt für die Hauptstadt Quito. Verbunden mit einem Spanisch-Intensivkurs vor Ort sollte es eine interessante Zeit, verbunden mit einer unvorhergesehenen Überraschung, werden.

Meine Entscheidung für Ecuador

Meine Famulatur, die ich im Februar 2012 gemeinsam mit zwei Kommilitoninnen aus Berlin begann, brachte mich nach Quito, der Hauptstadt Ecuadors. Quito liegt auf 3.000 Höhenmetern, 20km südlich des Äquators und gilt damit als höchste Hauptstadt der Welt mit insgesamt 1,4 Millionen Einwohnern. Die zweitgrößte Stadt des Landes ist für ihre zum Weltkulturerbe gehörende Altstadt bekannt.

Meine ersten Eindrücke von Südamerika hatte ich während meines zweiten Pflegepraktikums in Französisch-Guyana, im Nordosten des Kontinents, gewonnen. Die Offenheit der Menschen und die kulturelle Vielfalt begeisterten mich und förderten mein Interesse. Kenntnisse des für mich noch zum Großteil unbekannten Landes wurden mir erst durch Beschäftigung mit Literatur bewusst, die ich in Anbetracht meiner Famulatur studierte. Diese zeigte mir, dass Ecuador mit seinen Bewohnern, seinen Regionen und seinen Städten viel mehr bietet, als ich mir zunächst vorstellte.

Ecuador zählt geographisch, ethnisch und klimatisch zu einem der vielfältigsten Länder der Erde. Es ist aber auch eines der ärmsten Länder des Kontinents und stellt so gewissermaßen einen Gegensatz zum recht wohlhabenden Französisch-Guyana dar, das ich bisher kennenlernen konnte. Ich wollte mehr erfahren über dieses Land, seine Geschichte und Kultur als auch über das Leben der Menschen. So entstand mein Wunsch nach Ecuador zu kommen, nicht im Rahmen einer Urlaubsreise, sondern um dort für eine gewisse Zeit in den Alltag integriert zu leben.

Bewerbung, Vorbereitung und Förderung

Um mir eine neue Kultur und Sprache zu erschließen, hatte ich mich entschieden, während meines Medizinstudiums die Möglichkeit einer Famulatur in einem spanisch sprachigen Land zu nutzen. Aus diesem Grund bewarb ich mich für eine Famulatur in Quito und dies drei bis vier Monate vor Beginn des Auslandsaufenthaltes. Die Entscheidung für Ecuador hatte ich auch mit Blick auf mein kommendes Studienjahr in Spanien getroffen, das ich über das ERASMUS-Programm der Charité International Cooperation (CHIC) machen werde.

Meine Bewerbung wurde freundlicherweise von einem deutschen Freund übermittelt, der ebenfalls Medizinstudent ist und eine längere Zeit in Ecuador gelebt hat. Er gab mir auch zwei Buchempfehlungen:

  1. Kulturschock Ecuador – Verlag Reiseknowhow
  2. Ecuador – Michael Müller Verlag

Für die Einreise benötigt man als deutscher Staatsbürger bis zu einem Zeitraum von drei Monaten kein Visum. (Anm.d.Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Auch Impfungen sind nicht obligatorisch, allerdings ist eine Gelbfieber-Impfung vor Reiseantritt meiner Ansicht nach zu empfehlen.

Der Großteil der Kosten entstand durch den Flug, die Unterkunft in einer Gastfamilie und einen Spanisch-Unterricht. Da ich diese komplett selbst tragen musste, bewarb ich mich um das Auslandsstipendium von Medizinernachwuchs.de und freute mich sehr, als ich das Stipendium bekam. Medizinernachwuchs.de vermittelt, wie ich denke sehr kompetent, Kontakte und Erfahrungsberichte von Medizinstudenten an Medizinstudenten und fördert darüber hinaus Medizinstudenten durch Auslandsstipendien.

Sprachliche Vorbereitung und Unterkunft

Blick auf La Virgen de Quito

Da ich zu Anfang meines Aufenthaltes nur über Basiskenntnisse in der spanischen Sprache verfügte, nahm ich in den ersten zwei Wochen einen Spanisch-Intensivkurs in einer der Sprachschulen. Diese sind in Quito sehr zahlreich und vermitteln auch Gastfamilien an ihre Sprachschüler.

Meine Gastfamilie war ein älteres Ehepaar, deren Kinder bereits erwachsen waren und nicht mehr zuhause wohnten. Es war sehr schnell zu merken, dass sie die Gastschüler nicht nur wegen des Geldes aufnahmen. Regelmäßig abends um sieben Uhr gab es Abendessen und anschließend saßen wir immer noch anderthalb Stunden zusammen und unterhielten uns. Anfangs war dies teilweise noch etwas kompliziert, bedingt durch fehlende Vokabeln, aber mit der Zeit bekam ich Praxiserfahrung und die Unterhaltung fiel immer leichter. Mein Gastvater arbeitete in einer staatlichen Kreditbank und hatte einen Teil seines Studiums, gemeinsam mit seiner Ehefrau, die Hausfrau war, in Frankreich absolviert.

Meine Famulatur auf der Neurochirurgie

Nach den ersten beiden Wochen sollte dann meine Famulatur im Krankenhaus beginnen, wo ich am Montagmorgen erschien. Seit einigen Wochen hatte das Krankenhaus einen neuen Direktor, da der ehemalige Direktor aus politischen Gründen entlassen worden war. Vor einiger Zeit hatte es einen Putschversuch gegen den sozialistischen Präsidenten gegeben, der dieses daraufhin zum Vorwand nahm, Angehörige der Opposition aus hohen staatlichen Ämtern zu entlassen. Diese neue Direktion versagte uns dann trotz der offiziellen Bestätigung ihres Krankenhauses und unserer nachdrücklichen Forderung unsere Famulatur-Plätze. Glücklicherweise konnten meine Kommilitoninnen und ich uns dann mit der Hilfe unseres deutschen Freundes, der unsere Bewerbungen schon an das erste Krankenhaus übermittelt hatte, kurzfristig neue Famulatur-Plätze auf der Neurochirurgie im halbstaatlichen Krankenhaus „Carlos Andrade Marin“ organisieren, welches auch unweit des Hauses meiner Gastfamilie lag und somit gut mit dem Bus zu erreichen war.

In Ecuador gibt es drei Arten von Krankenhäusern: Die öffentlichen Krankenhäuser, die in staatlicher Hand sind, ermöglichen allen Ecuadorianern eine kostenlose Basis-Behandlung mit Selbstkostenübernahme für Material, Medikamente und Operationen. Häufig sind diese Krankenhäuser hoffnungslos überfüllt. Arbeitnehmer, die in eine Krankenversicherung einzahlen, haben Zugang zu den halb privaten, halb staatlichen Krankenhäusern, die einen höheren Standard haben und eine bessere medizinische Versorgung gewährleisten können. Dennoch sind lange Warteschlangen die Regel und die Standards sind nicht mit Deutschland zu vergleichen. Letztlich gibt es noch die privaten Krankenhäuser, zu denen nur die Oberschicht Zugang hat.

Der Tagesablauf auf Station ist mit dem in einem deutschen Krankenhaus zu vergleichen. Die Arbeit beginnt um 7:00 Uhr morgens. Gegen 8:00 Uhr folgt die Visite mit Chef-, Ober- und Assistenzärzten, bei der die Patienten, verglichen mit deutschen Patienten, kaum zu Wort kommen.

Im weiteren Tagesverlauf mussten die Assistenzärzte wechselnd ihre Patienten den Oberärzten vorstellen und deren Fragen beantworten. An diesen Fallbesprechungen durfte ich immer teilnehmen. Zudem konnte ich regelmäßig bei Operationen zuschauen, was sehr interessant für mich war, da ich vorher noch nie neurochirurgische Operationen zu Gesicht bekommen hatte. Fast alle Ärzte auf der Station waren sehr hilfsbereit und nahmen sich Zeit, uns viel zu erklären. Des Weiteren bekam ich Einblicke in die Röntgen- und MRT-Räume und die Notfallaufnahme. Gegen 15:00 Uhr war die normale Schicht vorbei.

Ecuador – das Land, seine Kultur und seine Bewohner

Traumhafte Natur – Wasserfall im Regenwald

Am Ende meiner Zeit reiste ich noch gemeinsam mit meinen Kommilitoninnen für einige Tage an die Küste im Westen Ecuadors. Zuvor hatten wir schon regelmäßig Wochenendausflüge in die Orte in Quitos Umgebung unternommen. Zum Reisen bieten sich die sehr günstigen und zuverlässigen Reisebuse an, mit denen man alle Orte in Ecuador gut erreichen kann. Mitunter sind die Strecken durch das Gebirge oder den Regenwald sehr abenteuerlich, aber dennoch war ich immer sehr zufrieden. Mit dem Ausflug an die Küste sahen wir so alle drei Regionen Ecuadors – Costa (Küste), Selva (Urwald) und die Sierra (Hochland).

Ecuador zeigte sich als ein Land mit sehr offenen und freundlichen Menschen, einer beindruckenden kulturellen Vielfalt und einer wunderschönen Landschaft. So vergingen die sieben Wochen viel zu schnell, als es dann hieß, die Koffer zu packen. So ging eine sehr spannende Zeit in Südamerika schnell vorbei. Auch meine Sprachkenntnisse haben sich sehr verbessert.

Fazit

Quito bei Nacht

Insgesamt bot mir die Famulatur interessante Einblicke in das ecuadorianische Gesundheitssystem. Der Vergleich mit einer Famulatur in Deutschland fällt mir schwer, da es meine erste Famulatur gewesen ist. Gewünscht hätte ich mir jedoch noch mehr praktische Tätigkeiten wie Nähen, Anamnesen oder Zugänge legen.

Letztlich füge ich noch die Internetadresse meiner Sprachschule hinzu, die mir sehr gut gefallen hat und zudem auch kostenlos Gastfamilien und Praktikumsplätze vermitteln kann. Alle Lehrer der Sprachschule haben Spanisch studiert und der Unterricht ist qualitativ sehr gut, sodass ich sie ausdrücklich weiterempfehlen möchte. Mails an die Sprachschule können auch in Deutsch oder Englisch geschrieben werden.

www.bananaspanish.com/index.html

B., M.
Berlin, April 2012
Stipendiat im Rahmen der Auslandsstipendien 2011-2012

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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1 Kommentar

  • In dem Artikel wird davon gesprochen, dass Du dein Pflegepraktikum bzw. einen Teil davon in Französisch Guyana absolviert hast. Kannst Du mir vielleicht ein paar Tipps dazu geben? Gerne auch per Mail, ich würde mich sehr freuen!

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