PJ in der Schweiz – Innere Medizin

20. Juli 2012

in Chancen im Ausland, Innere Medizin, Praktisches Jahr im Ausland, Schweiz

Schweiz, Zürich, Universitätsspital Zürich (19.12.2011-06.04.2012)

Als „UHU“ während des PJ in die Schweiz gehen. Für mich war dies genau die richtige Entscheidung. Meine vier Monate am UniversitätsSpital Zürich in der Inneren Medizin haben mir sehr gut gefallen und ich kann es uneingeschränkt empfehlen, dort ein Tertial zu absolvieren.

Meine Entscheidung für die Schweiz

Die Limmat

Auch ich war ein „UHU“ – soweit die inoffizielle Umschreibung für die „Unterassistenten“, also die PJler in der Schweiz. Die Abkürzung komme, so wurde mir glaubhaft versichert, von „Unterhund“, einer Umschreibung, die dem tatsächlichen Ansehen der Medizinstudenten im letzten Jahr zum Glück nicht gerecht wird.

Die Idee, in die Schweiz zu gehen, war zugegebenermaßen angesichts der vielen Kommilitonen, die es ebenfalls im Praktischen Jahr in die Berge zieht, nicht besonders originell, aber das hat auch seine Gründe. Internetseiten wie pj-ranking.de, medilearn.de oder medizinernachwuchs.de geben aufschlussreiche Informationen über verschiedenste Krankenhäuser und Städte.

Die Frage, ob und warum man für das PJ in die Schweiz gehen soll, lässt sich leicht beantworten: Bereits im Vorfeld wurde mir von Freunden, die zuvor in der Schweiz gewesen waren, von der guten Lehre, dem freundlichen und kollegialen Umfeld und dem Erlebnis „PJ im Ausland“ als solches vorgeschwärmt. Finanzielle Interessen sollten definitiv nicht im Vordergrund stehen und man kann sich glücklich schätzen, wenn man es geschafft hat, gerade in Zürich, der aktuell teuersten Stadt der Welt, nach dem Tertial nicht ärmer zu sein als vorher.

Bewerbung, Finanzielles und Unterkunft

Ausblick von der Politerrasse

Meine Bewerbung mit den üblichen Unterlagen hatte ich früh, mindestens eineinhalb Jahre vorher, an den entsprechenden Ansprechpartner am UniversitätsSpital Zürich versendet und habe schnell über Email eine Rückmeldung bekommen. Auf der Internetseite der Klinik für Innere Medizin des Unispitals Zürich werden zudem verfügbare Zeiträume immer aktualisiert aufgelistet.

Das Gehalt für Unterassistenten am UniversitätsSpital Zürich beträgt derzeit 933.- CHF, was ca. 775.- EUR entspricht. Eine günstige und beliebte Unterkunft, nicht nur für Unterassistenten, sondern auch für Pflegepersonal oder wissenschaftliche Mitarbeiter, sind die Personalwohnheime des Unispitals Zürich. Es finden sich Zimmer und Wohnungen in allen Preisklassen zwischen 450.- CHF und 1.000.- CHF pro Monat.

Ich war im Wohnheim „Plattenstraße“ untergebracht, was das größte Wohnheim der Uniklinik ist. Wenn man das Glück hat, eines der oberen Zimmer in dem 17-stöckigen Gebäude zu ergattern, kann man eine herrliche Aussicht über ganz Zürich genießen. Anderenfalls geht man einfach auf die Dachterrasse, wo im Sommer häufig Grillabende im Kreis der „UHUs“ stattfinden.

Insgesamt ist dieses Wohnheim sehr sauber, jeder hat seinen eigenen Kühlschrank in der Gemeinschaftsküche auf dem Stock und man hat ein eigenes Telefon auf dem Zimmer. Mehrere Toiletten und Duschen teilt man sich mit seinen zehn Mitbewohnern. Internet wird bisher leider nicht in den Wohnheimen bereitgestellt, aber man kann sich entweder bei netten Zimmernachbarn in das privat organisierte WLAN gegen geringe Beteiligung einloggen oder mit dem Laptop rüber in die Uniklinik gehen, wo es auch kostenloses WLAN gibt. Ein wesentlicher Pluspunkt der kleineren Wohnheime ist sicherlich, dass sie etwas weniger anonym sind und man sich auch mal ohne Verabredung über den Weg laufen kann…

Mein PJ-Tertial in der Inneren Medizin

Das UniversitätsSpital Zürich
Das UniversitätsSpital Zürich

Nachdem ich ein Jahr vor dem PJ bereits eine Famulatur in der Inneren Medizin im UniversitätsSpital Zürich gemacht hatte, wusste ich, was mich erwartet und wurde so zum „Wiederholungstäter“. Da parallel ca. 20 Unterassistenten in der Inneren Medizin arbeiten, ist der gesamte Ablauf ziemlich gut durchorganisiert. Es gibt klare Dienstpläne, welcher „UHU“ für wie lange Zeit auf welcher Station oder Funktionsabteilung eingeteilt ist.

Im Vorfeld kann man zwei Wünsche angeben, die nach Möglichkeit auch berücksichtigt werden. Normalerweise startet man auf einer allgemeinen Station, wie bei mir beispielsweise, mit dem Schwerpunkt Gastroenterologie/Hepatologie. Dort ist man alleine mit einem festen Stationsarzt für ca. zehn Patienten zuständig. Es hängt dabei sehr von dem Stationsarzt ab, wie viel man selbstständig machen darf und ob man dabei auch etwas lernt.

Der Arbeitsalltag beginnt um 8.30 Uhr mit der Röntgenbesprechung und dem Morgenrapport, nach dem anschließenden kurzen Kaffeetrinken folgt die Visite auf der Station. Anschließend werden neue Patienten aufgenommen oder es folgt der internistische Papieralltag. Gelegentlich kann man Patienten auch komplett alleine betreuen und alles mit dem zuständigen Stationsarzt besprechen, Labor- und andere Untersuchungen anordnen und Berichte schreiben. Das in Deutschland gerne an die PJler abgetretene Blutabnehmen wird in der Schweiz von der Pflege übernommen.

Meine Wünsche Kardiologie und Notfallstation wurden erfreulicherweise beide berücksichtigt, sodass ich nach einem Monat in die kardiologische Ambulanz kam. Hier hat man seine eigenen Patienten, die meist zur Verlaufskontrolle kommen. Nach Einlesen in die Patientengeschichte, Anamnese und körperlicher Untersuchung stellt man die Patienten dann dem Assistenten oder Oberarzt vor und ist beim anschließenden Patientengespräch dabei. Es finden fast täglich Fortbildungen statt, bei denen es auch häufig belegte Brote gibt, sodass man das relativ teure Mensaessen einsparen kann.

Es gibt in der Inneren Medizin sowohl Fortbildungen, die nur für Unterassistenten gedacht sind, als auch solche, bei denen die ganze Abteilung erscheint. Insgesamt finden so viele Fortbildungen statt, dass man theoretisch gar nichts anderes mehr vornehmen muss. Man hat oft die Gelegenheit, nach Rücksprache auch Untersuchungen in den Funktionsabteilungen, z.B. Ergometrie oder Herzkatheter, anzusehen.

In den letzten acht Wochen war ich in der Notaufnahme eingeteilt, was rückblickend die beste Zeit im ganzen Tertial war. Man arbeitet auf der Notfallstation im Schichtdienst, also entweder von 8:00-15:00 Uhr, 15:00-22:00 Uhr oder im Nachtdienst. Nach sieben Tagen Tagdienst, Spätdienst oder Nachtdienst hat man ca. eine Woche kompensationsfrei, die man für diverse Ausflüge in und um Zürich herum nutzen sollte.

Das Unispital Zürich verfügt über eine große, interdisziplinäre Notaufnahme, an deren Eingang die Patienten in chirurgische und internistische Fälle eingeteilt werden. Als Unterassistent hat man, je nachdem wie der Andrang ist, seine eigenen Patienten, die man untersucht und dann den weiteren Behandlungsplan mit einem Arzt bespricht. Ein ganz großer Vorteil der Notaufnahme ist die Vielfalt an Krankheitsbildern, die man innerhalb kürzester Zeit zu sehen bekommt. Leider ist es andererseits ziemlich stressig, sodass die Ärzte manchmal wenig Zeit haben, die aufkommenden Fragen ausführlich mit den Unterassistenten zu besprechen. Wenn man aber die Augen und Ohren offen hält, kann man von der Zeit in der Notaufnahme unglaublich profitieren. Ein weiterer Nachteil der Arbeit auf dem Notfall ist, dass man häufig zeitlich versetzt zu den anderen Unterassistenten arbeitet. Trotzdem ist es ein absolutes Glück, wenn man die Gelegenheit hat, in einer der größten Notaufnahmen der Schweiz zu arbeiten.

Freizeit

Am Zürichsee
Am Zürichsee

Zürich ist zwar kürzlich zur teuersten Stadt der Welt erklärt worden, dürfte aber gleichermaßen auch zu den schönsten Städten der Welt zählen. Die direkte Lage am Zürichsee und die Nähe zu den Alpen sorgen für viel Abwechslung im Sommer und im Winter. In ca. einer Stunde hat man das nächste Skigebiet erreicht und die nächsten großen Städte in der Umgebung lassen sich auch in unter zwei Stunden mit der Bahn erreichen.

Ich hatte das Glück, einige meiner Kommilitonen aus der Heimat, die zu dieser Zeit ebenfalls in der Schweiz waren, in Luzern, Basel und St. Gallen besuchen zu können. Im Winter war ich ein paar Mal mit anderen Unterassistenten Ski fahren, einmal davon, wurden wir alle von der Abteilung für Innere Medizin auf den jährlichen Betriebsausflug eingeladen. Für längere Aufenthalte kann ich die Anschaffung einer „Halbtax-Karte“ der Schweizer Bahn empfehlen, ähnlich der Bahncard 50, durch die man eine Reduzierung bei Bahn-, Skilift-, Tram- und vielen anderen Tickets erhält.

In der Altstadt von Zürich (Niederdorf) gibt es zahlreiche kleine Bars und Lokale, das „BQM“, eine Studentenkneipe, ist direkt an der Politerrasse und ein beliebter Treffpunkt nach der Arbeit. Ebenfalls Pflicht ist ein Besuch im „Rimini“, einem alten Männerbad im Fluss, das abends zur Open-Air-Bar umfunktioniert wird und herrlich beleuchtet ist. Zürich bietet eine große Vielfalt an kulturellen Erlebnissen, von denen hier vor allem ein Besuch im Kunsthaus und im Schauspielhaus genannt werden sollten.

An den Dialekt der Züricher konnte ich mich glücklicherweise schnell gewöhnen, auch wenn man immer wieder Schmunzeln muss – „Ds Magesüürii häts Gschwüürlii verursachet…“. Um vorab die Schweizer und ihre Mentalität etwas besser kennen zu lernen, empfehle ich das nicht vollständig ernst gemeinte Buch „Gebrauchsanweisung für die Schweiz“ von Thomas Küng.

Fazit

Malerische Stimmung am Zürichsee
Malerische Stimmung am Zürichsee

Die Zeit am UniversitätsSpital Zürich hat mir sehr gut gefallen und ich kann es uneingeschränkt empfehlen, dort ein Tertial zu absolvieren. Meine Erwartungen waren vorab nicht allzu hoch, da mein erstes Tertial in der Chirurgie einer deutschen Uniklinik ziemlich ernüchternd verlief. Umso mehr wurde ich vom freundlichen Umgang der Ärzte und Unterassistenten in Zürich beeindruckt. Man versuchte immer, soweit es möglich war, die Interessen der Medizinstudenten zu berücksichtigen und Fragen zu erklären.

Zürich ist eine herrliche und lebenswerte Stadt und bietet, zusammen mit den umliegenden Städten, eine unglaubliche Vielfalt an Freizeitmöglichkeiten.

G., M.
Zürich, Juni 2012
Stipendiat im Rahmen der Auslandsstipendien 2011-2012

Infos zur Entscheidung der Auslandsstipendien 2012

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