Famulatur in China – Chirurgie

25. Mai 2012

in Chancen im Ausland, China, Chirurgie, Famulatur im Ausland

China, Hong Kong, United Christian Hospital (12.03.-09.04.2012)

Mein Interesse an China und an der Chirurgie führte mich zu meiner ersten Famulatur in die Metropole Hong Kong. Es wurde eine tolle Zeit mit interessanten und einmaligen Einblicken in die Arbeit einer chirurgischen Abteilung, aus der ich sehr viele Erfahrungen mit nach Deutschland nehmen konnte. Auch die Metropole Hong Kong hat mich sehr beeindruckt und ich kann nur jedem empfehlen, selbst einmal diese beeindruckende Erfahrung während des Medizinstudiums zu machen.

Faszination China

Ausflug nach Lama-Island

Schon seit meiner Kindheit war ich sehr fasziniert von der chinesischen Kultur, hatte aber leider nie die Gelegenheit gehabt, dieses ferne, faszinierende Land mit eigenen Augen zu sehen. So entschloss ich mich, dass ich eine Famulatur in China absolvieren möchte. Relativ bald hatte ich mich dann für Hong Kong entschieden, wenn es auch nicht direkt zu China gehört, sonder den Status einer Sonderverwaltungszone hat.

Meine Entscheidung für diese Stadt fiel aus den folgenden drei Gründen:

  • Erstens ist Hongkong kulturell, aber auch historisch und geographisch natürlich sehr mit China verbunden und ich könnte mir meinen Traum, die chinesische Kultur hautnah zu erleben, an diesem Ort sehr gut erfüllen.
  • Zweitens hat Hong Kong als großen Vorteil Englisch neben Chinesisch (Kantonesisch) als offizielle Amtssprache, was die Verständigung mit den Bewohnern und den Ärzten sehr vereinfacht und damit natürlich den Lernerfolg der Famulatur sehr viel größer macht bzw. überhaupt erst ermöglicht.
  • Und drittens handelt es sich bei Hong Kong um ein sehr entwickeltes und wohlhabendes Land. Die Krankenhausausstattungen sowie die Arztausbildung stehen denen in Deutschland in nichts nach und ich konnte mir sicher sein, dass die Erfahrungen, die ich während der Famulatur sammeln würde, absolut auf dem neuesten Stand der Medizin beruhen.

Meine Bewerbungsschritte

Zunächst suchte ich via Internet nach geeigneten Einrichtungen für eine Famulatur und schrieb danach verschiedene Krankenhäuser an. Nach den ersten Antworten erschien mir das United Christian Hospital als die am meisten geeignete und als die kooperativste Einrichtung. Die Antwort auf meine Anfrage kam relativ schnell und zwar innerhalb von fünf Tagen und es war keine gesonderte Bewerbung erforderlich. Meine erste Anfrage-Email hatte dafür bereits ausgereicht.

Nun hieß es, nur noch die benötigten Unterlagen per Post ans Krankenhaus zu senden. Dazu gehörten:

  • Aktuelle Studienbescheinigung
  • Kopie über akademische Qualifikationen und berufliche Erfahrungen. Ich habe einfach eine Kopie meines Physikum-Zeugnisses beigelegt.
  • Garantie der finanziellen Mittel für den Zeitraum. Daher entweder eine Bankauskunft über den eigenen finanziellen Status, was ich gemacht habe, oder eine Bankauskunft eines Elternteiles mit einer Kopie des Ausweises beilegen.

Zum zeitlichen Aufwand für meine Bewerbung möchte ich erwähnen, dass ich die erste Email an das United Christian Hospital am Anfang des Semesters, also etwa fünf Monate vor Abflug, verschickt und alles ohne Probleme gut hinbekommen habe. Ich würde aber trotzdem empfehlen, es etwas früher in die Wege zu leiten. Das Beantragen des Visums dauerte ca. zwei Monate, andere Fristen gab es nicht.

Einreiseformalitäten/Arbeitsvisum

Erforderlich war hier ein Arbeitsvisum. Die Kosten beliefen sich auf EUR 16.-. Hierzu noch ein wichtiger Hinweis. Um mein Visum hatte sich Mrs. Li vom Krankenhaus gekümmert, wodurch ich teure Visa-Agenturen umgehen konnte.

Die entsprechenden Unterlagen dafür musste ich einfach mit den anderen Papieren per Post ans Krankenhaus schicken:

  • Antrag (wurde mir vom Krankenhaus zugeschickt)
  • Passbild
  • Kopie des Reisepasses

Knapp zwei Monate später wurde mir das Visum dann per Post zugeschickt. Die Gebühren von umgerechnet EUR 16.- habe ich persönlich bei Mrs. Li bei meiner Ankunft beglichen.

Unterkunft

Getrockneter Fisch auf der Straße
Getrockneter Fisch auf der Straße

Mrs. Li vom Krankenhaus hatte mir bei meiner Bewerbung auch direkt angeboten, dass ich im Wohnheim des Krankenhauses wohnen könne. Man zahlt dafür EUR 10.- pro Tag, was für die Wohnverhältnisse in Hong Kong sehr günstig ist. Zudem kann man den ganzen Tag preiswertes, echtes chinesisches Essen in der Kantine bekommen und hat eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Ein Nachteil dieses Wohnheimes ist es, dass es nicht ganz im Zentrum liegt. Bis zum Zentrum braucht man ca. 25 Minuten mit der Metro, was aber für diese riesige Stadt trotzdem noch sehr schnell ist.

Außer für mein Zimmer fielen für mich keine weiteren fixen Kosten. Seine Lebenshaltungskosten kann man in Hong Kong relativ günstig gestalten.

Weitere Vorbereitungen

Zur Sprache ist zu sagen, dass Englisch neben Chinesisch (Kantonesisch) die offizielle Amtssprache in Hong Kong ist. Trotzdem sind die Menschen auf der Straße nicht immer in der Lage, Englisch zu verstehen. Die Krankenhausangestellten jedoch sprechen alle ein gutes Englisch.

Was die Gesundheit bzw. Impfungen betraf, so bestand laut meinem Hausarzt sowie der Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für Hong Kong zum Zeitpunkt meiner Reise „keine besondere Impfpflicht.“ Die Standardimpfungen gemäß dem Robert-Koch-Institut waren daher ausreichend.

Famulatur in der Chirurgischen Abteilung am United Christian Hospital

Meine Famulatur am United Christian Hospital, es ist übrigens kein akademisches Lehrkrankenhaus, stellte sich als ein sehr interessantes und abwechslungsreiches Praktikum heraus. Bereits bei meiner Ankunft wurde ich sehr freundlich empfangen und das Krankenhauspersonal gab sich große Mühe, die Famulatur so spannend wie möglich für mich zu gestalten. Alle Krankenhausangestellten können gutes Englisch sprechen – allerdings nicht alle Patienten – und waren stets sehr höflich und zuvorkommend. Der mich betreuende Chirurg, Dr. Henry Joeng, stellte sich als eine sehr nette Person heraus und hatte stets ein offenes Ohr für meine Probleme und Wünsche.

Man hatte für mich einen richtigen Zeitplan für die vier Wochen ausgearbeitet. Dabei wurde ich für jede Woche einem anderen Team zugeordnet, sodass ich zwei Wochen vor allem bei Operationen des unteren Verdauungstrakts, hier gab es zwei Teams, eine Woche bei OPs des oberen Verdauungstraktes und eine Woche bei Operationen im Hals- und Gesichtsbereich verbrachte. Dabei hatte ich stets eine Hauptansprechperson im Team, konnte aber auch bei Fragen und Wünschen immer zu dem mich betreuenden Arzt Dr. Henry Joeng gehen.

Die allermeiste Zeit meiner Famulatur verbrachte ich also direkt am OP-Tisch. Bei den Fällen handelte es sich oft um:

  • Tumorentfernungen im unteren und mittleren Verdauungstrakt
  • Tumorentfernung in der Leber
  • Verschiedene Endoskopien (Rektoskopie, Gastroskopien etc.)
  • Hernienentfernungen
  • Entfernung oder Positionierung von Enterostoma (oft Ileostomas)
  • Teilweise oder komplette Pankreatektomie

Zudem gab es natürlich auch außergewöhnlichere und seltenere Operationen wie beispielsweise eine Tumorentfernung am Penis und die anschließende plastische Rekonstruktion.

Ich war also während meiner ganzen Zeit am United Christian Hospital bei sehr vielen verschiedenen Operationen anwesend und konnte sehr vieles von den Ärzten erfragen und erlernen. Die Ärzte waren stets bemüht, mir so detailreich wie möglich die jeweilige Operation zu erklären und nahmen sich für meine Fragen immer Zeit.

Zudem hatte ich auch einige praktische Aufgaben. So durfte ich beispielsweise:

  • Blasenkatheter legen
  • Wunden nach den Operationen verschließen
  • Operationshaken halten
  • Assistieren bei der Eröffnung des Operationsgebietes

Manchmal wünschte ich mir auch etwas anspruchsvollere Aufgaben und fragte dementsprechend bei den Ärzten nach, ob dies möglich sei. Zu meinem Bedauern war dies aus Patientenschutzgründen nur Personen mit abgeschlossener Arztausbildung erlaubt und alle Ärzte hielten sich streng daran.

Rückblickend betrachtet, denke ich auch, dass es richtig ist, einem Medizinstudenten im 5. Semester keine zu anspruchsvollen Aufgaben zu übertragen. Leider fehlt mir hier die Erfahrung, um dies mit einer Famulatur in Deutschland zu vergleichen, da dies meine erste Famulatur überhaupt war, aber ich vermute, dass es in Deutschland ähnlich gehandhabt wir.

Neben den OPs war ich auch einmal die Woche in der Ambulanz der chirurgischen Abteilung mit eingeteilt. Dies machte die Sache noch abwechslungsreicher, wobei hier besonders die Sprachbarriere Probleme machte, da die Patienten oft kein Englisch sprachen und die Ärzte für mich vieles übersetzen mussten. Dies war mir besonders unangenehm, da ich wusste, unter welchem zeitlichen Druck die Ärzte arbeiten mussten und sich dann aber trotzdem die Zeit für mich nahmen, wofür ich ihnen sehr dankbar war. Doch trotz ihrer Bemühungen blieb vieles während der Patientengespräche für mich unverstanden, was ich sehr schade fand.

Ein typischer Tagesablauf sah bei meiner Famulatur etwa so aus: Morgens um 8:00 Uhr begannen die ersten Operationen im Krankenhaus. Dank meines Wochenplanes wusste ich immer genau, bei welcher OP ich eingeteilt war oder hatte am Tag zuvor mit dem operierenden Chirurgen abgesprochen, dass ich seine Operation besuchen möchte. Je nachdem, wie lange die Operationen dauerten, ging ich irgendwann zwischen 12:00 Uhr und 14:00 Uhr mit Ärzten aus der Chirurgie oder auch mal alleine für eine halbe Stunde zum Essen in die Kantine. Danach ging es in die zweite Operationsrunde. Wann ich fertig wurde, hing stets stark davon ab, wie lange die zweite OP dauerte oder ob ich noch eine dritte besuchte. Meistens war ich aber um 17:00 Uhr, selten auch erst um 18:00 Uhr fertig.

Leben in Hong Kong

Hochhäuser soweit das Auge reicht
Hochhäuser soweit das Auge reicht

Hong Kong ist eine absolute Megametropole, in der es wahnsinnig viel zu entdecken und zu erleben gibt. Neben zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie Tempeln und futuristischen Hochhäusern gibt es zahlreiche Inseln rund um Hong Kong, die alle einen Tagesausflug wert sind. Zudem ist in dieser Metropole eine sehr interessante Mischung aus westlicher und chinesischer Kultur entstanden, die wohl einmalig auf der Welt ist und die man nur Vorort erleben kann. Auch das Nachtleben ist sehr vielseitig und es gibt eine Menge an Bars als auch Clubs.

Die einheimische Bevölkerung ist sehr höflich und zuvorkommend, eine Sache, die ihnen sehr wichtig ist und worauf sie auch stolz sind. Es sind zwar nicht alle Menschen in der Lage, Englisch zu sprechen, aber zumindest bei den jüngeren Generationen stehen die Chancen sehr gut. Sehr wichtig ist es den Menschen, dass man unterscheidet, dass sie eben keine Chinesen sondern Einwohner von Hong Kong sind, was wohl auch mit ihrem Selbstverständnis als souveräner Staat zusammenhängt.

Sehr beeindruckend ist auch die Sauberkeit und Sicherheit auf den Straßen, besonders bei der enormen Größe Hong Kongs.

Mein Fazit

Ingesamt war es eine tolle Famulatur mit interessanten und einmaligen Einblicken in die Arbeit einer chirurgischen Abteilung, aus der ich sehr viele Erfahrungen mit nach Deutschland nehmen konnte. Auch die Metropole Hong Kong hat mich sehr beeindruckt und ich kann nur jedem empfehlen, selbst einmal diese beeindruckende Erfahrung zu machen.

G. Barinov
Mai, Freiburg 2012

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