PJ in Vietnam – Chirurgie

16. März 2012

in Chancen im Ausland, Chirurgie, Praktisches Jahr im Ausland, Vietnam

Vietnam, Hue City, University Hospital (15.08.-04.12.2011)

Zum Chirurgie-Tertial meines Praktischen Jahres hatte es mich nach Asien gezogen, genauer gesagt nach Hue in Vietnam. Und rückblickend kann ich sagen, dass diese Entscheidung genau die Richtige war und dies sowohl, was die Universitätsklinik Hue betrifft als auch das Land Vietnam selbst. Ich habe viel in der Chirurgie gelernt und zudem neue Freunde gewonnen.

Warum Vietnam?

Nachdem ich bereits für eine Famulatur in Mittelamerika war und dort sehr gute Erfahrungen gemacht hatte, wollte ich auch einen Teil meines PJs im außereuropäischen Ausland absolvieren. Die Entscheidung ist auf Vietnam gefallen, nachdem ich mit anderen PJ-Studenten gesprochen und viele verschiedene Erfahrungsberichte gelesen hatte. Dabei erfuhr ich, dass die Ärzte in Vietnam sehr engagiert seien und Lehre sehr ernst nähmen – beide Punkte empfand ich damals als sehr wichtig und kann ich nun im Nachhinein auch mehr als bestätigen.

In Vietnam kann man sein PJ in drei verschiedenen Städten absolvieren – in Ho-Chi-Minh-Stadt, in Hue und in Hanoi. Meine Wahl fiel auf Hue, da ich mir erhoffte, dort, in einer kleineren Stadt, besser mit den Menschen in Kontakt zu kommen und dass dort außerdem weniger „PJ-Tourismus“ aus Deutschland vorherrscht. Auch diese beiden Erwartungen haben sich erfüllt, daher kann ich ein PJ-Tertial in Hue an jene weiterempfehlen, die gerne neben dem Medizinischen auch kulturell etwas Neues lernen wollen.

Allerdings würde ich meine Empfehlung nicht für alle Fächer aussprechen. Chirurgische Fächer sind meiner Meinung nach in jedem Fall geeignet, Fächer aus dem Bereich der Inneren Medizin nur eingeschränkt. Man muss sich im Vorhinein darüber klar sein, dass nur wenige Patienten Englisch oder Französisch sprechen, man bei der Kommunikation mit den Patienten daher auf die Ärzte und Medizinstudenten vor Ort angewiesen ist. Auf deren Hilfe kann man glücklicherweise immer zählen. Die meisten Ärzte und Studenten sprechen Englisch, daher ist die Kommunikation im Operationssaal immer gut möglich, kommt es doch einmal zu Schwierigkeiten, dann werden auch gerne Hände und Füße zum Verständigen eingesetzt.

Meine Vorbereitungen

Klinik in Hue City

Ich hatte mit der Vorbereitung und Bewerbung etwa ein Jahr vor Tertial-Beginn angefangen. Die Organisation verläuft aber auch unproblematisch, wenn man sich erst spontan, wenige Wochen oder Monate vorher, bewirbt. Man kann sich an zwei verschiedenen Kliniken in Hue bewerben und zwar am etwas größeren Central Hospital oder am University Hospital. Beide Kliniken stehen direkt nebeneinander und die lokalen Medizinstudenten arbeiten und praktizieren an beiden Kliniken.

Welche Klinik für wen von Euch am besten in Betracht kommt, hängt von den fachlichen Vorlieben, die meisten Fachrichtungen werden an beiden Kliniken ausgeübt, und von denen des jeweiligen Prüfungsamtes ab. Beim LPA sollte man immer vorher nachfragen, ob ein Tertial an der jeweiligen Klinik akzeptiert wird, sonst kann es zu Problemen mit der Anerkennung kommen, insbesondere durch den vietnamesischen Stempel auf dem Formular.

Je nachdem, an welche Klinik man möchte, muss man sich an eines der beiden International Offices der Kliniken wenden. In meinem Fall war es jenes der Universitätsklinik. Allerdings kann ich für beide Stellen sagen, dass das Personal sowohl im E-Mailverkehr als auch vor Ort immer sehr freundlich und zuvorkommend war. E-Mails wurden meistens innerhalb der nächsten drei Tage beantwortet. Falls einmal keine Antwort kommen sollte, lohnt es sich, nochmals nachzufragen, da es auch mal vorkommen kann, dass eine Mail verloren geht oder falsch verstanden wird. Dank der Hilfe des International Office sind meine Vorbereitungen sehr gut verlaufen, auf jede meiner Fragen konnte eine Antwort gefunden werden.

Die Damen aus dem Sekretariat des International Office sind zudem auch gerne bei der Wohnungssuche vor Ort behilflich, bei Nachfrage geben sie auch Vorschläge für preiswerte Hotels oder Guesthouses, daher ist es problemlos möglich, ein sauberes und gut ausgestattetes Zweibettzimmer für etwa zehn Dollar pro Tag in Laufweite des Krankenhauses zu finden – und dies entweder per Reservierung im Vorhinein oder auch spontan vor Ort.

Selbst was die teilweise komplizierten Regeln beim Ausfüllen der PJ-Formulare angeht, kann man immer mit guter Kooperation rechnen. Auch in Bezug auf das richtige Visum kann man sich mit dem International Office in Verbindung setzen, allerdings lohnt sich auch eigene Recherche auf der Homepage der Vietnamesischen Botschaft. Was das Visum anbelangt, lässt sich allgemein sagen, dass es relativ teuer ist. Man muss mit etwa 100 EUR Gebühren rechnen.

Mein PJ-Tertial in der Chirurgie

Im OP

Auch was die Zeit in der Klinik selbst und damit das eigentliche Praktikum angeht, bin ich sehr zufrieden und konnte das mitnehmen, was ich mir im Vorhinein erhofft hatte. Dank des stetigen Engagements der Ärzte und dem guten Teaching im Operationssaal hat mir die Arbeit in der Chirurgie immer Spaß gemacht. Von Anfang an hat man sich gut aufgehoben gefühlt – was natürlich hauptsächlich an den unglaublich offenen und freundlichen Ärzten und Studenten lag.

Ein Arbeitstag in Hue ist vom Ablauf her vergleichbar mit einem Tag in Deutschland, d.h. morgens eine Frühbesprechung mit Planung des jeweiligen OP-Tages und Nachbesprechung aller Notfälle, die in der Nacht aufgetreten sind. Danach machen die Ärzte üblicherweise noch einen kleinen Rundgang auf Station, um nach ihren Patienten zu sehen und dann wird häufig nochmals gemeinschaftlich gefrühstückt, um schließlich einen langen Tag im Operationssaal zu beginnen. Die offiziellen Arbeitszeiten gehen etwa von 7:00 Uhr morgens bis 18:00 Uhr abends. Auffällig ist die ausgedehnte Mittagspause von 11:00 bis 14:00 Uhr. Bei dem tropisch warmen Klima in Hue kann man diese auch sehr gut brauchen, da man bei Temperaturen um die 40 Grad im Schatten nur schwierig klar denken und operieren kann.

Üblicherweise konnte man es sich am Morgen aussuchen, ob man auf Station bleiben oder mit in den Operationstrakt gehen möchte. Eine gute Einteilung war es zum Beispiel, am Vormittag die Patienten auf Station zu untersuchen und am Nachmittag mit im OP zu sein. Beides hat meistens sehr viel Spaß gemacht, da die Medizinstudenten und Ärzte normalerweise sehr viel Engagement an den Tag legten, um uns ausländischen Studenten Fälle und Behandlungstechniken zu erklären.

Je nach OP-Gebäude waren die technischen Standards verschieden. In den letzten Jahren wurde vor allem in der Herz-Thorax-Chirurgie viel Geld investiert, so dass in Hue nun regelmäßig Nierentransplantation und sogar bereits eine Herztransplantation stattgefunden haben. Zudem gibt es einen modernen allgemeinchirurgischen OP-Bereich, in dem häufig Gastdozenten hospitieren, um die lokalen Chirurgen in spezifischen Operationstechniken zu schulen. Dieser neue OP-Trakt ist technisch vergleichbar mit deutschen Verhältnissen.

Als Student ist man sowohl im modernen als auch in den älteren Bereichen tätig. Es kommt ganz auf den Arbeitsplan des jeweiligen Arztes an, den man begleitet, da die meisten Ärzte sowohl in den modernen als auch in den alten Sälen tätig sind. Da der Lernerfolg aber insbesondere mit dem lehrenden Arzt zusammen hängt, war es kein Problem in den älteren Sälen zu assistieren, denn auch dort hat man viel Wissen mitgenommen. Trotz der Erklärungsfreudigkeit der Ärzte empfiehlt es sich, ein deutsches Lehrbuch der Chirurgie mitzunehmen, so dass man die gesehenen Operationen nochmals nacharbeiten und mit dem deutschen Standard vergleichen kann. Das Ergebnis dieser Vergleiche war aber meist jenes, dass in Hue die gleichen Operationstechniken angewandt wurden wie in Deutschland. Daher kann man also das in Hue Erlernte auch gut im deutschen Staatsexamen und später im Ärzteleben anwenden.

Land und Kultur

In der malerischen Umgebung von Hue

In Vietnam ist es sehr einfach, neue Leute kennenzulernen, da die Menschen sehr offen und interessiert sind. Dies erleichtert das Eingewöhnen am Anfang und ermöglicht es zudem, das Tertial sowohl alleine, man hat sehr schnell Anschluss, oder zu zweit zu absolvieren. Die Offenheit der Vietnamesen trägt ferner dazu bei, sich sehr schnell in den Arbeitsalltag in der Klinik zu integrieren und einen Freundeskreis in Hue aufzubauen. Einladungen zum Essen und zu Ausflügen sind an der Tagesordnung und können gerne angenommen werden, auch gemeinsames regelmäßiges Sporteln oder die Anfrage nach einem Englischkurs für die Stationsschwestern und Stationsärzte sind keine Seltenheit. All dies macht die Zeit in Hue so einmalig und lockert den Klinikalltag auf.

Vietnam hat auch landschaftlich sehr viel zu bieten. Da es von Hue aus sowohl gute und günstige Bus- als auch Flugverbindungen gibt, ist es möglich, an den Wochenenden die wichtigen Ziele im Land zu besuchen. So kann man Ausflüge an das Mekong-Delta und an die Strände des Südens machen als auch Wanderungen im nördlichen an China grenzenden Bergland. Und wenn man keine Lust auf Reisen hat, dann bietet bereits Hue eine vielfältige Natur wie mit dichtem Grün bewachsene Hügel rund um den idyllischen Parfümfluss, nur wenige Kilometer vom Meer und dem Strandgebiet entfernt.

Was das Wetter angeht, empfiehlt sich am besten das deutsche Frühjahr. Wer erst im August reist, muss mit schwülen Temperaturen um die 40 Grad rechnen und wer im Oktober kommt, mit starken Regenfällen und leichten Überschwemmungen. Aber jede Wetterlage hat ihren Charme und Hue ist meines Erachtens nach das ganze Jahr über sehenswert.

Zudem bietet Hue als ehemalige Kaiserstadt eine unerwartete Vielfalt an verschiedenen Speisen, die dem europäischen Magen gut bekommen und zudem sehr preiswert sind, so wie fast alles Übrige in Hue und Vietnam.

Zusammenfassung

Blicke ich heute zurück auf das Chirurgie-Tertial meines Praktischen Jahres, bin ich sehr zufrieden mit all meinen Erfahrungen, die ich in Vietnam machen durfte. Gerne denke ich an den Alltag im Universitätsklinikum Hue und an all die Ärzte und Medizinstudenten, die durch die gemeinsame Zeit in der Klinik und in der Freizeit zu guten Freunden geworden sind. Dann bin ich froh, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, denn in der Universitätsklinik Hue konnte ich vieles lernen und zudem einen Einblick in viele verschiedene chirurgische Bereiche gewinnen.

Julia Völker
München, Februar 2012

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2 Kommentare

  • Liebe Julia,

    ich würde auch sehr gerne ein Teil meines PJ in VN machen, aber ich weiß nicht, wie man sich dafür bewirbt! Ich habe auch schon angefragt, aber keine Antwort erhalten. Die Webseiten verraten mir (auf Vietnamesisch teilweise) leider auch nicht viel. Könntest du mir ein paar Tipps geben, wie du es angestellt hast? 🙂 ich würde mich riesig freuen!

  • Hallo Julia Völker,

    Ich hätte da ein paar sehr dringliche Fragen zu deinem PJ in Hue, kannst du dich bei mir melden? Ich habe leider deine eMail-Adresse nicht.

    Grüße
    Martin Noske

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