Assistenzärztin in Irland – Notaufnahme

22. März 2012

in Assistenzarzt im Ausland, Chancen im Ausland, Irland, Notfallmedizin

Irland, Cork, South Infirmary – Victoria University Hospital (11.07.-18.10.2011)

Meine ersten 100 Tage als Assistenzärztin in der Notaufnahme in Irland. Zu meinem ersten Job als Ärztin hatte ich den Sprung auf die grüne Insel gewagt. Mit diesem Bericht möchte ich meine Erfahrungen, wie es mir als Berufsanfängerin ergangen ist, an diejenigen weitergeben, die vielleicht ähnliches planen. Der Anfang war reichlich schwer und persönliche Einschätzungen, Tipps und Infos im Vorfeld hätten mir dabei sehr geholfen.

Wie es dazu kam…

So schnell geht das, gerade noch zittert man vor dem Hammerexamen und kann sich nicht vorstellen, dass es jemals vorbei sein könnte – da steht auch schon der erste Job vor der Tür. Und das auch noch in Irland, Cork, Notaufnahme. Gerade sitze ich noch in Neuseeland, nichts ahnend, was da im Juli auf mich zukommt.

Da man oft vergisst, wie man sich alles vorstellt, und wie man versucht, die Job-Beschreibungen zu verstehen, hier ein kleiner Einblick: Nach dem netten Interview kann ich es kaum glauben, sie nehmen mich direkt, und dann noch ohne Arbeitserfahrung. Da man in Irland als Deutsche direkt auf SHO (Senior House Officer) Level anfängt, also das Intern-Jahr nicht machen muss, werden alle, die mit mir arbeiten, mir ein Jahr voraus sein. Oje, und das auch noch in der Notaufnahme.

Zur Emergency Medicine bin ich auch nur per Zufall gekommen. Es gab dort viele Jobangebote, da dachte ich mir: Warum nicht? Schließlich kann eine richtige Ausbildung in diesem Bereich – und sei es nur für ein halbes Jahr – in jedem weiteren Berufsfeld helfen. Außerdem hatte ich immer ordentlich Respekt vor Notfällen. In der Theorie lernt man ja alles, aber in der Praxis… Also war das Motto: das Schlimmste erst einmal aus dem Weg schaffen. Und wenn das wirklich alles so wird, wie es sich anhört… Naja, mal langsam, durch meine Krankenschwesterausbildung vor dem Medizinstudium bin ich lange genug im Geschäft, um zu wissen: Jobs im Krankenhaus sind selten komplett großartig.

Was ich bis jetzt von Irland zu hören bekommen habe, scheint zu gut, um wahr zu sein. Man bekommt anscheinend richtiges Training, hat so etwas wie „Kommilitonen“ bzw. Mitarbeiter, die alle mit einem am 11. Juli jeden Jahres anfangen, also ist man nicht allein. Es soll viele Tutorials geben, man hat sogenannte Mentoren und man wird gefördert bzw. evaluiert. Nach einem halben Jahr steht einem die erste Reference (Empfehlungsschreiben) ins Haus, dann sollen alle weiteren Bewerbungen einfach sein, auch in der UK.

Der Dienstplan erscheint mir fast zu nett. Man hat anscheinend ein wöchentlich rotierendes Muster, erst Dienst A (mit vier Tagen Dienst in unterschiedlichen Zeiten und dann zwei Tage frei), dann Dienst B, dann C, die sich nur in Uhrzeiten unterscheiden und welche zwei Tage man frei hat. Es scheint, als ob man fast alle vier Tage zwei Tage frei hat… Ob das stimmen kann? Nach A, B und C kommt eine Woche Nachtschicht von 21:00 Uhr bis 9:00 Uhr morgens und dann soll man doch tatsächlich eine Woche frei haben… Dann eine Woche „Locum“, also Springer, wahrscheinlich auf anderen Stationen, oder man nimmt seinen Urlaub und dann geht der ganze Spaß von vorne los. Auch soll man drei Wochen Urlaub in nur sechs Monaten haben. Und alle Überstunden sollen bezahlt werden. Da bin ich gespannt. Von Deutschland kenne ich diese Gesetzgebung auch, doch oft darf man die Überstunden gar nicht aufschreiben – so existieren sie gar nicht.

Auch auf die Bezahlung bin ich gespannt. Es wurde mir ein SHO-Gehalt Jahr 1 nach „Scale“ zugesagt. Die einzige „Scale“, die ich gefunden habe, sagt 38.839.- Euro pro Jahr. Ob das vor oder nach der Tax ist, bestimmt vor, sonst würde man monatlich 3.236,58 Euro verdienen – das wär´s ja noch. Ich denke, man kommt mit etwas über 2.000 Euro pro Monat raus, aber wir werden sehen.

Anscheinend werden auch ACLS (Advanced Cardiac Life Support) Kurse gemacht und man soll freie Tage für die Weiterbildung bekommen, und diese sogar teilweise finanziert. Es hört sich nach „Schlaraffenland“ an, wir werden sehen…

Ankommen

Chateau en irlande

Endlich in Irland. Die Registrierung dauert länger als gedacht. Am Freitag war sie endlich durch, am Samstag ging der Flieger und am Montag ging der erste Unterricht los. Das nennt man auf den Punkt geplant. Sämtliche Laboruntersuchungen werden sowieso noch einmal gemacht, da sollte man vorher nicht extra alles machen lassen. Und wenn man etwas früher da ist, kann man schon seine PPS-Nummer beantragen, wofür man seine Sozialversicherungsnummer, den Pass und den Führerschein (zwei Ausweise mit Lichtbild) braucht als auch einen Brief, der einem an die irische Adresse geschickt wurde – da schummeln die Krankenhäuser und stellen Euch den aus. Mit dieser PPS-Nummer könnt Ihr dann ein Irisches Bankkonto eröffnen, was man benötigt, um bezahlt zu werden. Zudem muss man gleich die Tax-Geschichte losschicken, dies wird größtenteils schon vom Krankenhaus vorbereitet.

Wenn Ihr erst spät nach Irland kommt so wie ich und dann erst Eure PPS-Nummer beantragen könnt, könnt Ihr zu der Bank gehen, mit der Euer Krankenhaus zusammenarbeitet und manchmal auch ohne PPS-Nummer ein Konto bekommen. Denn ohne Konto, kein Gehalt. Ich habe die ersten zwei Monate ohne Gehalt aushalten müssen.

Ohne PPS-Nummer wird das erste Gehalt mit der „Emergency Tax“ abgerechnet, das heißt, es wird viel abgezogen, was Ihr aber, ohne etwas machen zu müssen, im nächsten Monat dann wiederbekommt. Um einen Anhalt zu haben: Als SHO im Jahr Eins habe ich für drei Wochen mit „Emergency Tax“ 1.300Euro erhalten. Mehr im Kapitel über das Gehalt. Wichtig bei der „Tax“ ist, das Ihr den Brief, den Ihr von dem Tax-Office erhaltet, kontrollieren lässt. Soweit ich weiß, gibt es drei „Tax-Reliefs“, das heißt Gutschriften, damit man mehr netto herausbekommt. Bei mir haben sie einen „Relief“ glatt vergessen und ich habe es nur durch Zufall herausgefunden.

Der Unterricht bzw. das Teaching

Nun geht also das Teaching los, jeden Morgen in den ersten zwei Wochen von 8:30 bis 10:00 Uhr und zusätzlich einen ganzen Tag Einführung. Die Einführung ist sehr gut. Es zeigt einem deutlich die Unterschiede zu unserem System auf und wo die Schwerpunkte liegen. Zum Beispiel wurde uns erzählt, dass hier in der Notaufnahme nicht sehr viel Wert auf Laborparameter gelegt würde. Natürlich nimmt man einen FBC (Full Blood Count), U&E (Urea & E´lyte) etc. ab, aber man sollte nicht mit dem Rest auf das Labor warten. Man muss seine Diagnose stellen, dementsprechend handeln und sich genau fragen, ob ein Laborwert etwas daran ändern würde. Natürlich sind die Herzenzyme wichtig wie bei uns. In der Praxis sieht das etwas anders aus. Ohne, dass man die Laborwerte wiederbekommen hat, braucht man die „Medics“ oder besonders die Chirurgen gar nicht anzupiepen. Da kann man zehnmal erklären, dass es keinen Unterschied macht – z.B. CRP bei abdominalen Schmerzen, Patient hat eine Erkältung, also wird der CRP eh hoch sein. Die Herren kommen dann einfach nicht.

Zudem lernt man beim Teaching die anderen SHOs kennen. Es gibt drei Notaufnahmen in Cork. Die eine am Cork University Hospital (CUH), das ist die größte und wohl chaotischste. Dann die im Mercy Hospital, dort soll es gesittet zugehen mit genügend „Registrars“, dafür aber mit langen 12h Schichten. Und schließlich gibt es die im South Infirmary – Victoria University Hospital, dort bin ich, doch dazu später mehr. Es werden einem viele „pitfalls“ zu Gemüte geführt, dass man z.B. bei einer Weberfraktur die hohe Tibia nicht vergessen darf etc. Eine gute Auffrischung und man bekommt sogar etwas zu essen, allerdings wird man dabei von Pharmaleuten über verschiedene Dinge informiert und erhält hinterher eine Lampe oder ähnliches.

Nach den ersten zwei Wochen ist nur noch jeden Mittwoch Unterricht. Manchmal war es schon schwer, dort hinzugehen, besonders nach der Nachtschicht und weil nicht alle Dozenten einem wirklich etwas beibringen. Einer im Besonderen schockte uns jeden Mittwoch um 8:30 Uhr mit Bildern von abgerissenen Körperteilen und irgendwelchen Heldentaten, die mit dem Ablauf im Krankenhaus wenig zu tun haben. Andere machen sehr gutes Teaching mit Querverhören, die das Gehirn in Schwung bringen.

Der erste Tag

Los ging es also. Es dauerte einige Zeit, bis ich meine „Swipecard“ bekommen hatte, die mich überall hineinließ, und meine „Scrubs“, so heißen die Kasacks, hatte ich immer noch nicht, aber gut. Eine Einarbeitung gab es nicht, man nimmt sich gleich den ersten Patienten vor. Die Notaufnahme im „South“, wie mein Krankenhaus kurz genannt wird, ist sehr klein und eng. Drei Kabinen mit Vorhängen und drei Zimmer sowie etliche Stühle, die sich auf dem Flur aneinanderreihen. Der Schock-Raum ist auch Aufbewahrungsraum aller Blutentnahme-Teilstücke, dementsprechend geht es dort viel rein und raus. Blutentnahme-Systeme können gottweiss sehr unterschiedlich sein. Das in Irland besteht aus mehreren Teilstücken, die dann am Ende ein nach hinten offenes Röhrchen haben, in das die Blutentnahme-Röhrchen per Vakuum gedrückt werden. Unangenehm, wenn das Vakuum weg ist und der Zugang doch nicht richtig lief, nun geht nichts mehr. Also immer ein paar mehr Röhrchen mitnehmen.

Ebenfalls wichtig zu wissen: es gibt Schnelltester für Herzenzyme, D-Dimere und BNP. Dafür muss aus dem Lila Röhrchen eine Probe auf ein Plastikstück getröpfelt werden. Ich nahm immer zwei Lila Röhrchen ab, damit ich das für den FBC und CRP schon ins Labor schicken und das andere fürs Troponin neben dem Messgerät stehen lassen konnte, natürlich mit Patientenkleber, falls ich noch D-Dimere brauchte oder es nicht geklappt hatte.

Das Gesundheitssystem, Krankenhaushierarchie und Dein Job

In Irland und auch in England sieht die Karrierestaffel so aus: ganz unten der „Intern“, der gerade sein Medizinstudium abgeschlossen hat, dann der „Senior House Officer“ (SHO), so fangen wir an, dann folgt der „Registrar“, der sozusagen die Station schmeißt und alles überwacht. Ganz oben steht der „Consultant“, der eigentlich auch da sein sollte, den man aber so gut wie nie sieht.

Das Irische Gesundheitssystem ist am Boden, eigentlich sogar „unterirdisch“. Es gibt bei uns im „South“ nur einen „Registrar“. Sie macht 8-16h Schichten und alles davor, danach, in der Nacht und am Wochenende wird von den SHOs, also Dir dann ganz alleine geschmissen. Meist sogar von einem alleine, also noch nicht einmal ein zweiter SHO. Dies sieht angeblich in den beiden anderen Krankenhäusern in Cork im Cork University Hospital und im Mercy Hospital anders aus. Ohne „Registrar“ heißt: Ihr nehmt Patienten auf, müsst selber wissen, welche Untersuchungen Ihr machen müsst, was anamnestisch nicht vergessen werden darf und welche Therapie Ihr vorsieht, inklusive sämtlicher iv. Medikamente, Antibiotika etc.

Da wir Deutschen ja schon direkt als Senior House Officer anfangen, haben wir also kein Jahr „Schonzeit“ wie die Iren in ihrem Jahr als „Intern“, in dem sie das ganze System kennenlernen, wann ein Ultraschall gemacht wird, wo die Richtlinien anders sind, wie das ganze Gesundheitssystem aufgebaut ist, warum die ganzen „General Practitioner“ (GPs), also die Allgemeinärzte, alle Patienten, die ein Röntgenbild brauchen, in die Notaufnahme schicken. Ambulant ist eine wochenlange bzw. bis monatelange Wartezeit nicht auszuschließen. Ferner erfahren die „Intern“ in dieser Zeit, wohin man die Patienten überweisen darf als ED-Doktor (Emergency Departement = ED oder A&E), wann man sie erst zu ihrem GP schicken muss, damit er sie überweist etc. Und sie erfahren, welche Labore zuständig sind. Das „South“ hat das Hämatologie Labor nur von 9:00-17:00 Uhr, danach und die gesamte Biochemie, also E´lyte, Enzyme etc., gehen immer ins Cork University Hospital. Mit einer Wartezeit von mindestens 2h muss gerechnet werden. Da es dementsprechend hektisch im ED zuging, schrieb ich mir eine Checkliste auf, von welchem Patienten das Blut bzw. Röntgenbild wann online sein müsste. So verlor man nicht den Überblick.

Das Computersystem ist auch ein Thema für sich. Es ist leider kein PACS da und somit ist man von den anderen Krankenhäusern abgeschnitten. Die Labore sind ja von 9:00-17:00 Uhr zweigeteilt, also musste man sich bei jedem einloggen und versuchen, die Suchmaschine zu knacken. Manchmal funktionierte der Geburtsname des Patienten, manchmal nur das Geburtsdatum, ganz selten mal die Patientennummer, und recht oft alles in seltsamen Kombinationen. Die Röntgenbilder sind recht schnell da, man muss sie nur selber befunden. Wenn man nett ist und es nicht zu oft „wagt“, kann man auch im Zweifel schnell zu den Radiologen hinüber laufen – jedenfalls, wenn es vor 17:00 Uhr ist – und fragen. Ansonsten: „Ran an den Speck“ und nichts übersehen! Man sollte dem Patienten auch immer sagen, besonders bei „query fracture“ (Verdacht auf Fraktur), dass man vielleicht eine nicht gesehen hat. Die Radiologen schauen alle Bilder in den nächsten ein bis drei Tagen an und falls sie etwas finden, wird der Patient wieder einbestellt.

Arbeitsablauf und Tipps im Alltag

Der typische Arbeitsablauf sieht ungefähr so aus. Es gibt drei Fächer mit den Patientenakten. Die Neuankömmlinge gehen durch die Triage und werden entweder in Rot, Gelb oder Grün eingeteilt. Rot sind diejenigen, die zuerst gesehen werden müssen. Dann heißt es gucken, ob überhaupt Platz ist und den Patienten hereinrufen. Vergesst dabei nicht, Euch vorzustellen. Dann Anamnese, körperliche Untersuchung und Labor mit venösem Zugang legen.

Der venöse Zugang ist so eine Sache. Mal hat man Tage, da ist jeder eine Qual und alle Venen scheinen sich gegen einen verschworen zu haben, mal geht es leichter. Normalerweise wird mindestens FBC (Full Blood Count), U&E (Nierenwerte und E´lyte) und CRP abgenommen. Alles Weitere hängt von der Verdachtsdiagnose ab. Inzwischen haben die Schwestern schon ein EKG geschrieben, auf das man tunlichst zügig einen Blick werfen sollte – und nicht vergessen, wenn kein „Reg“, kurz für „Registrar“ da ist, dann seid Ihr diejenigen, die entscheiden, ob etwas faul ist. Auch sollte man nicht vergessen, die Vitalzeichen, die bei Aufnahme gemessen wurden, zu checken. Dann wird erst einmal 2h auf das Labor gewartet und in der Zwischenzeit z.B. bei Brustschmerzpatienten ein Chest X-ray (CXR) geordert oder bei „frequent flyern“ die alte Akte geholt. Das CXR kann man dann oft vor dem Labor schon einsehen. Wenn man dann alles zusammen hat, ruft man entweder die Chirurgen oder die Internisten.

Etwas unglücklich ist, dass ab der zweiten Juliwoche alle neu sind. Das heißt, die Inneren- oder Chirurgie-Senior House Officer haben womöglich genauso wenig Ahnung wie Ihr, wenn sie vorher nicht schon ein Jahr mindestens gearbeitet haben. Alle drei Monate rotieren die SHOs entweder in andere Krankenhäuser oder in andere Fachrichtungen und wieder geht alles von vorne los. Besonders für die Krankenschwestern ist dies eine große Belastung, aber dazu später mehr.

Doch weiter im Tagesablauf. Bis man also die Fachdisziplinen rufen kann, wenn sie denn im Haus vorhanden sind, ist der Patient womöglich schon zwei bis drei Stunden auf einer Trage bei uns im Emergency Departement. Wenn es ihm einigermaßen geht, wird er im Stuhl warten müssen oder sogar im Warteraum. Bis die „Medics“, also die von der Inneren, oder Chirurgen dann Zeit haben, ihn anzuschauen, vergeht oft noch eine Stunde, da sie viel zu tun haben oder wenn es Chirurgen sind, sich auch gerne mal weigern zu kommen. So etwas sollte man dokumentieren, aber auch hierzu später mehr.

Man muss also das gesamte „workup“ machen, bevor man den Patienten in andere Hände geben kann, das heißt, alles ist belegt und es ist schwer, nicht die Fassung zu verlieren, wenn man sieht, dass die Mindestwartezeit meistens sechs bis neun Stunden beträgt. Vor der Tür und im Flur des ED stapeln sich die Patienten und man ist alleine. Versteht mich bitte nicht falsch, die Arbeit macht mir höllisch Spaß, aber man muss eben wissen, worauf man sich einlässt. Man bewegt sich auf einem feinen Grad, und meiner Meinung nach ist es nur eine Frage der Zeit, bis etwas schief geht und ich nicht weiß, wie der Patient behandelt werden soll.

Wichtig ist es daher, sich abzusichern. Ich habe Emails geschrieben und mit meinem Consultant gesprochen, um klarzustellen, dass ich keine Arbeitserfahrung habe und ich reichlich aus meiner Komfortzone heraus getrieben werde. Es werden aber keine Neuen eingestellt, also kann man nur mit der Einstellung herangehen, wie ich es damals in Afrika gemacht habe: Wenn ich nicht da bin, ist keiner da. Vielleicht kann man dem Patienten helfen, ihm wenigstens durch Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft die Lage verbessern und nach bestem Wissen und Gewissen handeln.

Ich frage zum Beispiel bei jeder Kleinigkeit die Schwestern. Unterschätzt mir bloß die Schwestern nicht! Sie wissen sehr viel mehr, als Ihr denkt. Bei allen iv. Medikamenten oder eigentlich bei allen Medikamenten bin ich ziemlich aufgeschmissen, nicht nur weil ich für mein komplettes PJ-Jahr im Ausland war und überall alles anders hieß, sondern auch weil hier in Irland Markennamen verwendet werden. Aspirin hat ca. vier verschiedene Namen, wo drin weder „ASS“ noch „Salizyl“ oder ähnliches vorkommt wie z.B. bei Caprin oder Nusil.

Auch wissen die Schwestern die Dosierungen, was gewichtsadaptiert sein muss, welche Schmerzmedikamente hier verwendet werden – z.B. oft Paracetamol mit Codein gemischt und Novalgin gibt es sowieso nur in Deutschland. Überall sonst ist es verboten wegen der Agranulozytose-Gefahr. Und die Schwestern wissen, was hier der Standard ist.

Hat man nun also alle Laborwerte, eventuelle Röntgenbilder etc. zusammen, kann man den „Medic“ (Innere) oder den Chirurgen rufen. Beide sind oft sehr beschäftigt und die Chirurgen wollen oft nicht kommen. Hier muss man sich durchsetzen. Man muss sich seiner Entscheidungen sicher sein und glaubt mir, das wird man binnen 24 Stunden. Ich hatte gedacht, ich hätte keine Ahnung von der Praxis, mir fehlt, wie gesagt, ein großes Stück „Pharma“, und das mündliche Examen ist über ein halbes Jahr, das Schriftliche 10 Monate her. Man hat das Gefühl, man weiß gar nichts mehr. Aber man kann seinen gesunden Menschenverstand nutzen und wir haben doch gelernt zu wissen, was wir nicht wissen und wann wir Hilfe benötigen. Also lasst Euch nicht von einem Chirurgen abwimmeln. Wenn Ihr den Patienten nicht guten Gewissens entlassen könnt, bleibt er da, bis er vom Chirurgen oder wem auch immer gesehen wurde und Euch die Entscheidung abgenommen wird.

Dokumentiert, wann Ihr Eure Kollegen angepiept habt, denn falls etwas in der Zwischenzeit passiert, habt Ihr Euch wenigstens abgesichert, auch wenn dies dem Patienten leider nicht viel hilft. Ich schreibe zudem oft auf, wenn ich mich mit jemandem über einen Patienten unterhalte, ob derjenige das auch so sieht. Ich würde gar nicht unbedingt erwähnen, dass Ihr das aufschreibt, denn das wird natürlich nicht gern gesehen, aber als blutiger Anfänger muss man seinen Rücken frei halten.

Weiterhin ist der Schlüssel, um große Fehler zu vermeiden: Denkt nicht, Ihr schafft das alleine! Die meisten Fehler passieren, wenn man gerade keine Hilfe holt. Wenn man einmal zu oft jemanden wachklingelt, muss man sich nur einen Anraunzer gefallen lassen. Holt man aber keinen um Hilfe und versucht irgendwelche heroischen Dinge selber zu tun, wird einem das nicht verziehen. Nicht vergessen: Ihr seid für Eure Handlungen haftbar!

Versteht Euch gut mit den Krankenschwestern, das ist der Schlüssel zum Erfolg. Behandelt sie mit Respekt und sie werden Euch in allem helfen und den Rücken freihalten. Ein Kollege hier versteht sich nicht besonders gut mit den Schwestern und sein Leben wird ihm zur Hölle gemacht. Sie lassen ihn auflaufen und es wird sich über ihn beschwert, dass er keine Fragen stellt und lieber die Dinge alleine in die Hand nimmt, ohne wirklich etwas davon zu verstehen. Das kann schnell ungerecht werden und hat man erst einmal seinen Ruf weg – dann „Gute Nacht“. Ferner müssen wir Deutschen aufpassen, wie wir reden. Wir hören uns schnell arrogant an, wenn wir Deutsch direkt ins Englische übersetzen. Sperrt also am Anfang die Ohren auf, es wird hier viel Nettes drum herum gesagt und nicht in leichter „Kommandosprache“ wie bei uns, denn da kann man schnell anecken.

Interessant ist es auch, dass die Tage eine Art „Thema“ zu haben scheinen. Gestern z.B. war „Chestpain-Tag“, jeder Patient kam mit Brustschmerz. Vorgestern waren sämtliche verrenkte Knochen vorstellig, als ob sich die Patienten abgesprochen haben.

Patientenfälle und was man nicht vergessen sollte…

Hier ein paar Fälle, was Euch so erwartet. Die wichtigste „Message“: Verlasst Euch auf Euer Bauchgefühl, und wenn Ihr keines habt, schafft Euch eines an. Mann lernt die Leute in den ersten Sekunden zu beurteilen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob sie wirklich krank sind oder irgendetwas Seltsames nicht stimmt. Die folgenden Beispiele sollen keine Lobeshymne auf mich sein, denn wie bereits gesagt, war der Anfang reichlich schwer und man hangelt sich von einem Patient zum nächsten. Mein Gedanke, dabei ein paar Fälle aufzuschreiben, ist, dass es mir geholfen hätte, hätte mir jemand ein paar Beispiele gegeben, wie einfach man etwas verpasst und wie leicht etwas schiefgehen kann.

Hier also ein paar Beispiele:
Ein 86jähriger Mann kam mit 10 Tagen ungeklärter Verwirrtheit zu uns. Er war angeblich bei zwei GPs und am vorherigen Tag bei einem Geriatrie „Consultant“, der ihn komplett durchgecheckt hatte. Das Ergebnis war unklar. Sein Cousin erzählte mir, das er seit 10 Tagen die verrücktesten Dinge tue, Butter in den Kaffee schütte, versuche, sich mit einem Kamm die Zähne zu putzen, plötzlich in sein Auto steige und auf der falschen Seite der Straße fahre. Es gab kein Trauma und auch sonst nichts Auffälliges. Der Geriater hatte dem Patienten Zyprexa verschrieben, was in meinen Augen bei ungeklärter Verwirrtheit recht fahrlässig ist, aber vielleicht ist mein Wissen nicht groß genug, um den Grund zu sehen.

Nun hatte ich diesen Patienten vor mir. Seine rechte Nasolabialfalte war leicht verstrichen und auch die Anamnese hörte sich irgendwie verdächtig nach Schlaganfall an. Bei der körperlichen Untersuchung stellte sich eine ganz leichte Schwäche beim Zusammenkneifen des rechten Auges heraus und ein minimal weniger beweglicher rechter Mundwinkel. Ansonsten war die neurologische Untersuchung unauffällig. Da es um diese Uhrzeit kein CT mehr gibt und ich nicht mit dem Geriater reden konnte, entschied ich, den chirurgischen SHO zu rufen. Dieser weigerte sich zu kommen, doch ich konnte es nicht verantworten, einen Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall einfach wieder nach Hause zu schicken. Nach langer Diskussion kam sie schließlich und entließ den Patienten. Dies ist ein Beispiel fürs Durchhalten! Wenn Ihr es nicht verantworten könnt, den Patienten zu entlassen, lasst es andere tun, die mehr Wissen haben und es eher verantworten können. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der Patient einen Schlaganfall hatte.

Ein Fall zum Lernen:
Ein 30jähriger Methadonpatient mit leichtem Druckgefühl im Bauch kommt in die Notaufnahme. Er hat einen Diabetes und wird mit Insulin behandelt. Das bekommt man aber erst von der Schwester gesagt, da der Patient auf die Frage nach irgendwelchen Krankheiten sagt, er wäre kerngesund. Also immer auf die Schwestern hören! Ein Kollege erzählte mir später, dass er diesen Patienten kenne. Er käme immer ins Krankenhaus, wenn er eigentlich in den „Knast“ solle, und er würde uns nur manipulieren. Nach ewigem Warten auf das Labor, bei Ankunft wurde eine normale Blutglucose gemessen, hatte ich zum Glück auch Glucose mit angekreuzt. Nach drei Stunden Wartezeit hatte der Patient eine Glucose von 30.2 mmol/L, also wahrscheinlich ist er in der Ketoazidose.

Die Panik kommt hoch, was nun? Als erstes schaue ich mir den Patienten an. Noch sitzt er, er schwitzt zwar ein wenig, aber er will noch mal schnell eine rauchen gehen, also so schlecht kann es ihm nicht gehen. Insulin muss er irgendwie bekommen, nochmal schnell daran gedacht, dass Insulin den Kaliumspiegel runterhaut, also Kalium nachgucken. Leicht erhöht, das passt. Insulin also. „Iv.“ sagt die Schwester, das mache ich nicht, war mein erster Gedanke und habe es s.c. gegeben. Kein Risiko eingehen, wenn man nicht weiß, worauf man achten muss bzw. was passieren kann und ob man mit den Folgen klarkommt. Iv. Insulin könnte den Kaliumspiegel so schnell absacken lassen, dass ich nicht hinterherkomme, und wie man Kalium substituiert, weiß ich nicht. Also s.c. ist sicherer. Flüssigkeit steht in meinem „Oxford Handbook of Medicine“, also Saline (NaCl) rangehängt und rein im Schuss, schließlich hat der junge Bursche nichts mit dem Herzen.

Ein Insulinschema wird abgeschrieben und das Messen und Spritzen an die Schwestern weitergeleitet, die das eh viel besser können. Die Moral von der Geschichte: Bauchschmerzen und Diabetes müssen Eure Warnglocken klingeln lassen. Eine BGA muss her, um die Azidose zu beurteilen, U-Stix für Ketone und die „Medics“ rufen. Lasst Euch nicht von Alkohol, Methadon oder Kollegen ein Urteil über Euren Patienten aufdrängen, guckt ihn Euch mit wachen Augen an und überseht nichts!

P.S.: Zwei Monate später hatte ich einen anderen jungen, sehr kräftigen gesunden Mann, der mit Ketoazidose hereinkam. Er hatte es vier Tage ausgehalten, bevor er sich entschloss, zu uns zu kommen. Den Azeton-Geruch, den er durch Hyperventilieren verbreitete, werde ich nie vergessen. Also Flüssigkeit, Flüssigkeit, Flüssigkeit hatte ich von dem ersten Herrn gelernt, was diesem Patienten wahrscheinlich das Leben gerettet hat. Er war schon halb im Koma, als er endlich auf Intensiv kam.

Wie man lernt, nie etwas zu übersehen:
Ein 65jähriger Herr mit Schmerzen im linken Bein kommt flott auf Dich zugelaufen. Die Schmerzen haben vor einem Jahr nach einem langen Spaziergang mit einer „snapping-pain“, was soviel heißt wie Schmerzen mit dem Gefühl, das etwas reißt, angefangen. Seitdem habe er die Schmerzen dreimal wieder gehabt, punktuell an der linken Wade und sie seien besonders schlimm beim Gehen und beim Abrollen des Fußes. Alles deutet auf einen Muskelfaserriss hin, man guckt sich das Bein an.

Würde man nur das betroffene Bein angucken – der Patient sitzt schließlich auf einem Stuhl mitten in der Notaufnahme, alle gucken zu, dann hat er auch noch eine enge Anzughose an, man will ihn ja nicht komplett ausziehen – würde man ein normaltemperiertes Bein kräftigen Umfanges sehen, keine Erwärmung, keine Rötung, keine Varizen, nichts was auf eine DVT (deep vein thrombosis) hindeutet. Guckt man sich beide Beine im Vergleich an, sieht man, dass das linke mindestens um 2-3 cm dicker ist. Auch war die Antwort des Patienten auf die Frage, wo der Schmerz sei, eine punktuelle Angabe. Wer nun nicht den Verlauf der Vena saphena magna abtastet, weiß nicht, dass er im gesamten Verlauf Druckschmerzen hat und somit mit dem Oedem schon einen Wells-Score von 2-3 hat (Risiko score für DVT und PE, Lungenembolie). Also D-Dimere, sind erhöht auf 2759 und damit der Verdacht auf DVT im Raum. Innohep s.c. gespritzt, Laborwerte wie Kreatinin abgenommen, um die Nierenwerte zu prüfen (ob er Kontrastmittel bekommen kann) und ab zur Venografie. Eine leicht zu missende Diagnose, zumal keine Reiseanamnese etc. zu erheben war.

Vorurteile sind grausam:
Ein 67 Jahre alter Obdachloser kommt mit Brustschmerzen und ordentlich Geruch in die Notaufnahme. Es ist nicht ganz herauszukriegen, ob er nun Brustschmerzen hat oder Rückenschmerzen, er erzählt einem lieber, wie er vor 10 Jahren überfallen worden ist und ihm das ganze Gesicht gebrochen worden ist. Es hat mich einige Zeit gekostet, endlich eine Schwester zu einem EKG überreden zu können, und da war sie: die ST-Hebung. Das Blut wurde abgenommen, ich düste zu unserer Troponin-Maschine und gab das Sample ein. Inzwischen bekam er 2 Hub Nitro und tatsächlich, es ging ihm viel besser. Troponin war negativ, also wahrscheinlich instabile Angina.

Untersuchungen dürfen, auch wenn es riecht, nicht unterlassen werden. Basale Rasselgeräusche ließen mich ein zweites Mal nachfragen, ob er nicht doch Husten hätte und ein wenig erkältet wäre. Ja also, wenn er es sich recht überlege, dann hätte er Husten gehabt. Der CRP bestätigte das, und ab ging es zu den Internisten. Hier wäre ein Herzinfarkt, wenn er einen gehabt hätte, nicht diagnostiziert worden, weil keiner ein EKG geschrieben hätte und dem Vorurteil nachgegangen wäre: Er sucht ja nur wieder ein Dach überm Kopf.

Körperliche Untersuchung ist extrem wichtig:
Ein 77jähriger Patient kommt mit unklarer Synkope, die mit 2tägiger Aufnahme ins Krankenhaus letzte Woche als vasovagal deklariert wurde. Das EKG ist etwas bradykard, sieht aber gut aus, kein Arrhythmien. Der Mann sieht gesund aus, und wurde schon telefonisch von „Consultants“ wieder nach Hause geschickt, er ist aber geblieben und will unbedingt einen Arzt sehen.

Man hat das Gefühl, er ist gesund. Bei der Auskultation des Herzens bleibt meines auch fast stehen: ein klarer Bigeminus tönt mir entgegen. Sogleich versichert mir der Patient, das habe er schon seit seiner Kindheit. Er wurde später von den Internisten gesehen, er war gesund. Aber es hätte ein neu aufgetretener Bigeminus sein können. Hätte ich das Herz nicht abgehört, weil das EKG ja blande aussah, hätte ich den Bigeminus nie mitbekommen.

Auch unbequeme Situationen kommen auf einen zu. Besonders, wenn man als Berufsanfänger plötzlich alleine in der Notaufnahme steht.

Ein Beispiel:
Eine Patientin mit Schwellung und Rötung der linken Gesichtshälfte, erhärtet und erwärmt sowie mit großen Schmerzen kommt in die Notaufnahme. Wegen langjährigem, fürchterlichen Zahnstatus bin ich mir ziemlich sicher, dass es von den Zahnstumpen kommt, also ein Abszess, der sich auf der ganzen linken Gesichtshälfte ausgebreitet hat. „Maxfax“, die MundKieferGesichts-Chirurgen im Unikrankenhaus, sind dafür zuständig.

Natürlich ist Wochenende, also erreicht man nur die „Consultants on call“, die eh schon die Faxen dicke haben. Also Situation geschildert, doch da ich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen kann, dass es von den Zähnen kommt, darf ich den Patienten nicht einfach überweisen. Beim Überlegen fiel mir dann die HNO ein. Die können mit ihren kleinen Kameras besser in die Mundhöhle gucken, haben mehr Ahnung und sind sogar im Haus. Also habe ich den „Registrar“ angeklingelt und mir eine Schimpftirade angehört, was mir denn einfalle, nur, weil ich keine eigene Diagnose fällen könnte, sie zu fragen. Lustiger weise wird uns im Unterricht immer erzählt: „Wenn Ihr nicht weiter wisst, fragt Euren Registrar. Wenn Ihr den nicht habt, helfen Euch die anderen Fachdisziplinen weiter“.

Naja, hier wohl nicht. Sie wollte die Patientin nicht angucken, ist sehr persönlich geworden und hat praktisch aufgelegt. Irgendwie tat es ihr dann doch leid, jedenfalls sah ich sie kurze Zeit später aus dem Zimmer der Patientin schleichen. Und nach langem Suchen fand ich einen Bericht, dass es wohl vom Zahn komme und die Patientin zu den „Maxfax“-Leuten überwiesen werden müsse. Mit mir zu reden, ist wohl unter der Würde. Aber Ende gut, alles gut. Nur in solchen Situationen wächst einem plötzlich alles über den Kopf, man will ja nur das Beste für den Patienten und nicht für sich. Dass einige in ihrem Beruf so feststecken, dass sie den Enthusiasmus verlieren und auch gleich die Hilfsbereitschaft, ist traurig, aber leider nicht selten.

Interessante Fälle kommen besonders am Wochenende:
Gestern, ich war alleine, kam eine uralte Dame mit Sturz und Platzwunde per Krankenwagen zu uns ins Hospital und die Sanitäter warnten uns schon, dass sie ein recht temperamentvolles Frauenzimmer sei. Sie hört extrem schwer, ist praktisch blind und hat ein riesen Horn, das aussieht wie ein displazierter Fussnagel auf der Nase und hat auch sonst recht viel Ähnlichkeit mit jemandem, der Zauberkunststücke vollbringen könnte. Die alte Dame hatte schon die meisten unserer Schwestern verbal ins Jenseits verbannt, nun war es an mir, ihre Stirnwunde zu flicken.

Ein Trick half mir recht gut. Da die Tochter da war, ließ ich die Tochter alles erklären, mich hätte die Dame sowieso nicht verstanden. Ich glaube, sie hat ihre Tochter auch nicht verstanden, war aber besänftigt und ließ alles geschehen, ohne mir eine „zu langen“.

Eigentlich behandeln wir keine Trauma-Fälle bei uns, aber wer durch die Tür kommt, muss natürlich behandelt werden:
Neulich kam ein 13jähriger Junge herein, der von einer Glasflasche an der Flanke aufgeschlitzt worden war. Der arme Kerl war völlig neben sich und hatte Todesangst. Die Därme quollen ein wenig hervor und es wurde hektisch, besonders als die panischen Eltern und Freunde hereinstürmten. Also Ruhe bewahren, ein Elternteil darf mit rein in den kleinen Raum, alle anderen raus. In der Hektik nicht vergessen, erst einmal mit dem Jungen zu reden, sagen, dass man der Arzt ist, und vor allem, dass er nicht sterben wird, das ist nämlich seine größte Angst. Egal, wie groß die Verletzung ist, das denken Kinder schnell.

Venöser Zugang muss rein, das muss sitzen und schnell gehen. Die Schwestern messen die Vitalzeichen und Blut wird abgenommen, inklusive Blutgruppenkreuzen. Sofort den Chirurgen an die Strippe geholt, der erst erbost war, dass ich mir die Wunde nicht selber angeguckt habe, sondern den erfahrenen Schwestern geglaubt habe, dass die Därme schon herauskommen, doch da muss ich nicht auch noch rumpieken und den Jungen komplett verrückt machen. Der Chirurg wurde dann aber schnell ruhig, als er die Verletzung sah: ein guter Grund schnell zu kommen. Sofort Sauerstoffmaske, Morphin gespritzt, und bitte langsam spritzen, damit der arme Kerl nicht wie bei uns plötzlich das Gefühl hat, er bekommt keine Luft, bevor er schön schmerzfrei ist – und Augmentin Antibiotika i.v. fertigmachen. Den Chefarzt der Chirurgen rufen und ab in den OP. Hoffentlich hat er kein Glas in der Wunde, hoffentlich reicht eine Laparoskopie aus und es wird kein großer Schnitt.

Nun bin ich anscheinend lange genug im Job, drei Wochen, dass ich die ersten Patienten schon wiedererkenne. Der Methadonpatient mit Diabetes und Ketoazidose ist wieder da, anscheinend wurde er das letzte Mal auf Station aufgenommen. Er ist abgehauen, hat irgendwelche Drogen genommen, sich in den Fluss gestürzt, der leider nur halbvoll war, weil Ebbe war, also wurde er mit dickem blauen Fleck herausgefischt und postwendend zurückgesandt. Diesmal hat er wieder eine Ketoazidose, nun weiß ich, was zu tun ist: Laborwerte, Blutzucker, Blutgasanalyse, zwei Zugänge und ordentlich Flüssigkeit und das Insulinslidingscale starten, bis die „Medics“ kommen. Übung macht den Meister.

Man darf sich auch mal sicher sein:
Dann heißt es, sich durchzusetzen. Ein junger Mann kommt in die Notaufnahme, seine rechte Schulter hängt um einiges tiefer als die linke, den Arm hält er angewinkelt an den Körper gepresst. Luxierte Schulter ist die Blickdiagnose der Triage-Schwester, doch bei näherer Betrachtung kann man eine Fraktur in der Clavicula tasten und schon habe ich die Vermutung, dass das Sternoclaviculargelenk disloziert ist. Die Schulter – ein Glück – ist an sich intakt, keine Luxierung.

Ab ins Röntgen nach der DMS (Durchblutung, Motorik, Sensibilität) Prüfung und siehe da, die Clavicula hängt medial im 45 Grad Winkel nach unten. Also das Unikrankenhaus angerufen und die Orthopäden an die Strippe geholt, der Herr braucht eine Operation. Dreimal musste ich anrufen! Jedes Mal wurde ich nicht zurückgerufen, mit der Begründung, die Clavicula könne gar nicht vom Sternum disloziert sein, das würde fast nie passieren. Aber ich bin mir sicher, und es war schließlich ein Sturz vom springenden Pferd, da können doch seltsame Scherkräfte auftreten? Also wieder angerufen, nach einer Stunde wird mir dann endlich geglaubt und der Patient übernommen. Feedback kam leider nicht, aber am nächsten Tag wurde mir meine Diagnose vom Radiologen bestätigt. Also man kann sich auch mal selber vertrauen entgegen sämtlicher Orthopäden. Nicht den Mut verlieren, es ist ja nur zum Wohl des Patienten!

Die erste Nachtwache.. und gefährliche Situationen…

Und schon ist sie da, die erste Nachtwache, und dann sind es gleich sieben an der Zahl. Von Anfang an hing sie wie ein Damoklesschwert über mir, denn man muss alleine durch die Nacht, kein „Registrar“ ist da, der einem über die Schulter schaut. Und das auch am Wochenende.

Die erste Nacht von Montag auf Dienstag fing bei mir mit ordentlich „Karacho“ an. Eine Subarachnoidalblutung mit Midline-shift und dilatierten Ventrikeln war schon dort, als ich um 21:00 Uhr eingetroffen bin. Im Wartezimmer waren an die 30 Patienten gestapelt mit recht missmutigen Gesichtern. Mir wurde auch gleich klar, warum alle so schauten. Es gab keine freien Tragen mehr, also konnte man nur die halbkranken Patienten auf Stühlen untersuchen, alle anderen mussten warten, bis wir ein paar Patienten auf die Stationen verteilt hatten. Das hört sich einfach an, ist aber eine Marathonarbeit. Alle Stationen sind chronisch überfüllt und es verstopft sich sozusagen zurück bis zu uns in die Notaufnahme.

Also ran an den Speck und einen Patienten nach dem anderen abgearbeitet. Wieder einmal sind die Schwestern meine Rettung. Sie haben schon Blut abgenommen, das heißt, die zwei Stunden Wartezeit für die Ergebnisse fallen weg – ein Segen!

Ein Patient kommt mit einem reichlich zerquetschen Fuß, ein riesiger Baum war darauf gefallen. Auf dem recht zerstückelten Röntgenbild „lachen“ mich mindestens zwei bis drei Frakturen an. Also wieder die Orthopäden an die Strippe holen, die ihn gleich verlegt haben wollten: ein Kompartmentsyndrom droht! Das ist mir gedanklich irgendwie entfallen, aber Lektion gelernt, das passiert mir nicht nochmal.

Ein wenig später eine Dame mit Colles Fraktur (distaler Radius) mit dorsaler Verschiebung. Die Dame nimmt Marcumar und hat schon ein ordentliches Hämatom. Wieder die Chirurgen angerufen, die mit einer Schiene und „review“ in drei Tagen glücklich sind. Das kam mir etwas „spanisch“ vor, also habe ich mich mit dem „Registrar“ in der Notaufnahme im Unikrankenhaus kurzgeschlossen, der mir aber nur sagte, wenn ich sie nicht verlegen dürfe, sei das halt so. Also alles genau dokumentiert, auch, dass ich die Röntgenbilder den Orthopäden zugeschickt hatte, und am nächsten Tag vergewissert, dass die Dame wirklich in drei Tagen gesehen wird und nicht die üblichen drei Wochen Wartezeit „aufgebrummt“ bekommt. Und einen Brief an den Hausarzt: Er soll den originalen Bericht der Radiologen einfordern und ihren INR bei uns abfragen, den ich gleich mal abgenommen habe, vielleicht ist der ja viel zu hoch.

Also lauter Trauma Patienten, die eigentlich nichts bei uns zu suchen haben, aber was zur Tür reinkommt, wird halt behandelt. So auch eine Dame mit abgescherter Nase nach einem Sturz. Nach ewigem Hin und Her – die Plastiker wollten sie nicht sehen, die HNOler auch nicht, doch schließlich mussten die Plastischen Chirurgen klein beigeben. Die Parole lautet demnach wie immer: Nicht nachgeben! So einen Patienten, dem die Nase auf einer Seite vom Gesicht
abgerissen ist, kann man nicht mit Steristrips nach Hause schicken, auch wenn einem das ein „Registrar“ am Telefon sagt. Und was gibt man dem Patienten? Genau, Tetanus wenn nötig und Augmentin 625mg p.o. zur Infektionsprophylaxe.

So, die Nachtschicht ist um. Sieben Stück, dann eine Woche frei. Wenn alles gut geht, ist es gar nicht so schlimm… Die ersten fünf Nachtschichten waren ok, doch dann ging es rund und es wurde gefährlich:
Erst kam einer mit gebrochener Nase von einer Hochzeit, der versuchen wollte, sich umzubringen. Nach 20 min Überzeugungsarbeit auf dem Parkplatz blieb er dann schließlich. Gleichzeitig kam ein Herr, der noch nie im Krankenhaus war und das im Alter von 80 Jahren. Da muss man immer die Ohren spitzen. Er hatte die letzten Tage Blut gespuckt, habe Luftnot und hätte Brustschmerzen, die in den linken Arm und Kiefer ausstrahlen. Auch das noch. Also Verdachtsdiagnose Herzinfarkt, Lungenembolie und obere GI-Blutung. Womit also anfangen?

Sauerstoff, Blut abnehmen und einfach direkt die „Medics“ anrufen, das wird mir zu viel. Die Notaufnahme brummt und der junge Herr mit gebrochener Nase ist schon wieder auf dem Weg nach draußen – und damit ins „Jenseits“. Ihn also wieder zurückbeordert und das Versprechen abgenommen, er müsse jetzt bleiben, mindestens bis ich ihm die Stirn zugenäht habe. Der „Medic“ kommt, ist selber sehr konfus und ist sich nicht sicher, ob der Herzinfakrt/Lungenembolie/GI-Butungs-Patient nun Aspririn bekommen soll oder nicht. Er wirft unterschiedliche hektische Anweisungen in den Raum, erst ein PPI, dann doch Aspirin, dann erst das eine und dann das andere – und ach ja Nitro solle er noch bekommen und auf jeden Fall Morphium.

Ganz wichtig! Wenn Hektik ausbricht, müsst Ihr einen Riegel vorschieben. Bei all den Anweisungen an mich und verschiedene Schwestern wusste keiner mehr, was der andere tat. Sehr gefährlich! Ich wurde nun dazu verdonnert, Morphin i.v. zu spritzen. Was ich nicht wusste: eine Schwester hatte dem Patienten Nitrospray gegeben und ich das Morphin gleich hinterher. Wahrscheinlich hätte ich das im Kopf haben und fragen sollen, gar nicht gut. Also was passierte: der Blutdruck rauschte ins Bodenlose und mein Herz gleich mit. Flachgelegt und Sauerstoff dran, Ruhe bewahren. Und vor allem durchsetzen.

Der „Medic“, der Arme war auch nur ein unerfahrener SHO, redete hektisch an mich hin, ich solle den Sauerstoff wegnehmen, um eine BGA (Blutgasanalyse) zu machen, damit wir sehen können, ob er eine Lungenembolie hat. Da habe ich mich glatt geweigert! Der arme Kerl hat keinen Blutdruck mehr, da nehme ich ihm nicht auch noch den Sauerstoff weg, und wen interessiert es, ob er eine PE hat, wenn er nicht mehr lebt. Außerdem würde es das Treatment in dem Moment nicht beeinflussen, da es eh kein CT gab und Lyse bei oberer GI hört sich auch nicht gut an. Also aufs Troponin gewartet und tatsächlich: Riesiger, zweiwandiger Herzinfarkt, nun auch sichtbar im zweiten EKG. Auch hier demnach die „Message“: Ruhe bewahren und nicht konfusen Anweisungen folgen! Ich konnte erst einmal ein paar Tage nicht schlafen, weil ich fast einen „um die Ecke gebracht habe“.

Noch einmal gefährlich:
Die Notaufnahme tobt, es herrscht absolutes Chaos. Man ist froh, wenn man den einen oder anderen Patienten an die Chirurgen oder „Medics“ abgegeben hat. Leider möchten die Herren dennoch gerne, dass wir die Patienten teils weiterhin behandeln. So sollte ich z.B. einer sehr kranken Patientin mit Gallenblasenkarzinom, die schon im Halbkoma war, Augmentin und Metronidazol geben. Die Schwester stand neben mir, als der Chirurg die Order gab und sagte, sie bereite es vor. Da ich die Patientin nicht nach Allergien hätte fragen können, kam mir irgendwie die Eingebung, obwohl ich und die Schwester uns vorher schon versichert hatten, doch noch einmal nachzufragen. Also Augmentin und Metronidazol? Nein! Die Patientin hätte eine Penicillin-Allergie… Er hatte sich versprochen in der Hektik. Und ich hätte die alte Dame mit der intravenösen Injektion buchstäblich ins „Jenseits“ befördert.

Mein letzter Fall. Dann geht’s nach drei Monaten ins nächste Krankenhaus. Und dieser Fall hatte es in sich:
Junger fitter Rugby-Spieler kommt um 5:00 Uhr morgens in die Notaufnahme. Er hätte gestern um 14:00 Uhr Rugby gespielt und einer sei ihm in die linke Seite gelaufen, nicht besonders doll. Er sei komplett in Ordnung, wenn er stehe, aber beim Liegen hätte er leichte Schmerzen bei der Ausatmung (!), in beiden Schultern und rechts unten in der iliac fossa. Wieder aufgesetzt und zack ist alles wie ein Spuk verflogen. Alle Schwestern meinten, dem gehe es doch gut.

Das dachte ich zunächst auch! Keine Schmerzen bei der Kompression des gesamten Brustkorbes und ich hatte ordentlich gedrückt. Keine Schmerzen bei der Einatmung, die auf Rippenprellung schließen könnte, kein Hämatom, und keine Schmerzen bei Palpation der Milz und dem Rest des Bauches. Schultern frei beweglich. Tja. Irgendwie hingen mir trotzdem noch die Wörter Milz und Schulter im Kopf und ich nahm Blut ab: HB von 12. Eindeutig zu wenig. Das Blut kam leider erst um kurz vor 9:00 Uhr zurück, als ich sehnsüchtig meine „Registrar“ erwartete und ihr gleich beibog, dass ich meine, der Junge hätte eine Milzruptur.

Sie untersuchte ihn und meinte, er hätte starke abdominelle Schmerzen und die Schmerzen im Liegen in der Schulter seien stärker geworden. Sie versuchte ein CT zu bekommen, was leider erst um 12:00 Uhr stattfand – und der HB war runter auf 9! Riesiges Hämoperitoneum war die Diagnose, aufgrund von Milzriss bei geringem Trauma. Ich habe ganz ehrlich „Muffensausen“ bekommen. Vielleicht hätte ich doch den Chirurgen Bescheid sagen sollen, aber ohne den HB hätten die den Jungen 100%ig nach Hause geschickt und ich hätte nichts machen können. Und meine „Registrar“ hat auch noch bis zum Scan gewartet. Trotzdem überlegt man hin und her, vor allem, weil man so knapp davor war, den armen Kerl nach Hause zu schicken.

Also Glück muss man haben und ich glaube, es ist reines Glück, dass nichts Schlimmes passiert ist in diesen drei Monaten. Danke an meine Schutzengel.

Der ACLS Kurs! Man sollte ihn vor Arbeitsanfang machen.

Der ACLS (advanced cardiac life support) ist ein großartiger Kurs. Wenn Ihr ihn in Clonmel macht, kostet er nur 300.- EUR statt 550.- EUR. Bis zu 450.- EUR werden Euch erstattet und Ihr bekommt Bildungsurlaub, allerdings müsst Ihr für Ersatz sorgen, wenn Ihr nicht eh frei habt.

Zwei Tage dauert der Kurs und ist absolut praktisch mit „hands-on“. Vorher muss ein ganzes Buch mit den ganzen Rhythmen von Asystole und PEA über Ventricular Fibrillation and pulsless Ventricular Tachikardia über die anderen Tachikardien und Bradykardien, akutes coronares Syndrom und Stroke gelesen werden. Zwei Tage nonstop in einer 6er Gruppe reanimieren oder den airway managen, Defibrillieren, pacen oder synchroniseirt cardiovertieren und sämtliche Algorhitmen ins Gehirn gehämmert bekommen.

Am Ende gibt es einen 50 Fragen Test, der es in sich hat und einen Megacode. Man muss Teamleader sein und alles delegieren. Harte Arbeit, aber danach ist man fit. Diesen Kurs sollte jeder vor Arbeitsantritt machen, besonders wenn man in der Notaufnahme arbeitet. Reines Glück, dass wir keine Reanimation in meiner Arbeitszeit hatten.

Wie es wirklich ist und ob es sich lohnt..

St Finbarrs Cathedral

Wie gesagt, hängt es vom Krankenhaus ab, wie gut es ausgestattet ist. In der Anzeige für mein Krankenhaus wurde von den Karrieremöglichkeiten und dem großartigen Trainingsprogramm geschwärmt. So kann man es auch nennen, wenn man alleine arbeitet und mit einem Bein im Gefängnis sitzt.

Aber man lernt in drei Monaten, was man sonst in einem Jahr lernen würde. Man wird extrem selbständig und jeden Tag vergisst man weniger. Mir macht so etwas Spaß, auch wenn es gewissensmäßig schon etwas hart ist und man sich bei dem geringen Wissen, das man hat, trotzdem sicher sein muss, dass man alles getan hat, was man konnte.

Ich bin bis auf den letzten Patienten nie in die Situation gekommen, dass ich mich gefragt habe, ob ich etwas vergessen habe oder ob alles richtig ist. Und dies soll kein Selbstlob sein. Einfach nur eins nach dem anderen machen, die Ruhe bewahren und nicht vergessen, was man gelernt hat: Nämlich, wann man sich Hilfe holen muss! Das habe ich nonstop getan.

Also Schichtdienst, so wie am Anfang beschrieben, gibt es nur im „Emergency Room“. In allen anderen Disziplinen hat man die ewig langen „On Call“-Dienste, es sei denn, man arbeitet als „Locum“. Ein „Locum“ ist sozusagen der Lückenfüller wie bei uns die Leute von der Zeitarbeit. Man bekommt einen horrenden Stundenlohn von 45.- EUR, muss sich selbständig machen und kann dann 9-17h „Locum“-Schichten machen. Wir Deutsche, so denke ich, sollten für einen solchen Posten mindestens ein halbes Jahr lang hier in Irland gearbeitet haben – wenn man Berufsanfänger ist, aber dann kann es losgehen. Da die Iren leider sehr wenige Ärzte haben, gibt es sogar „Locum-Jobs“ für drei bis sechs Monate, also nichts anderes, als was ich jetzt mache, nur mit sehr viel besserer Bezahlung. Flexibel muss man sein, wo man hingeht, und wenn man einige Monate an einem Fleck ist, kann man ordentlich etwas lernen und auch von mehr Nutzen sein, als wenn man nur ein, zwei Schichten macht. „Locumlink“ soll eine gute Firma sein, ich werde berichten.

Im normalen Job muss man sich erkundigen, ob die Überstunden noch bezahlt werden. Dies soll nämlich abgeschafft werden. Ansonsten ist das Gehalt um einiges besser als in Deutschland, besonders, wenn man im Juli anfängt zu arbeiten. Da wird die Tax aufs ganze Jahr gerechnet, also hat man mehr Netto. In zwei Monaten und drei Wochen habe ich fast 10.000 EUR verdient. Da macht es auch nichts mehr, dass die Lebenshaltungskosten reichlich viel höher sind. Essen ist ordentlich teuer und Wohnen auch, aber es gibt WGs und dann geht’s. Klamotten sind dafür sehr viel billiger, wenn man nur in den Schnäppchenläden guckt. Ein paar schöne Dinge findet man dort auf jeden Fall.

Nicht vergessen: Den Überstundenzettel muss man vor dem 14. des nächsten Monats abgeben, sonst bekommt man nichts. Und auch den Urlaubszettel, man hat zehn Tage für drei Monate, Samstag und Sonntag zählen mit, muss man vorher einreichen. Die Bezahlung ist inklusiv der üblichen Überstunden, die man gemacht hätte. Sehr nett.

Mein Fazit

Ich kann nur sagen, für mich hat es sich sehr gelohnt. Die Erfahrung, die ich jetzt habe, wird mir in jeglichem Arbeitsbereich weiterhelfen. Man lernt sehr selbständig zu sein und trotzdem sich nicht zu überschätzen. Im meinem nächsten Krankenhaus werde ich nun vier „Registrars“ haben. Man ist also nie alleine, ich bin gespannt!

R., D.
Cork, Irland, Dezember 2011

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5 Kommentare

  • Hallo,

    auch wenn der Artikel jetzt schon etwas älter ist, hoffe ich, dass Sie die Kommentare noch erhalten.

    Konnte man sich das halbe Jahr in Irland problemlos auf die Facharztausbildung anrechnen lassen? Und wo bewirbt man sich am besten?

    Viele Grüße,

    Kristina W.

  • Hallo,

    sehr schöner Bericht, vielen herzlichen Dank. Gibt es eine E-Mail Adresse, die Du mir empfehlen könntest, um Kontakt mit dem Haus aufzunehmen?
    Vielen Dank und viele Grüße!
    Kristina M.

  • Hallo! Ich würde sehr gerne in Irland als Ärztin arbeiten und würde mich freuen, wenn ich zu Ihnen Kontakt aufnehmen könnte. Ich weiss bloss nicht wie? Ganz liebe Grüße,kristina blum

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