Famulatur in Irland – Anästhesie

29. Februar 2012

in Anästhesie, Chancen im Ausland, Famulatur im Ausland, Irland

Irland, Dublin, Adelaide and Meath Hospital – National Children’s Hospital (15.08.-26.09.2011)

Auf die „grüne“ Insel. Bei meiner Famulatur in Irland, genauer gesagt in Dublin, erwartete mich von Beginn an eine ausgesprochene Freundlichkeit und Freude am „Teaching“ und beides setzte sich über die gesamte Länge meiner Famulatur fort. Insofern kann ich die Berichte, die hiervon geschwärmt hatten, aus nunmehr eigener Erfahrung bestätigen. Meine Zeit auf der grünen Insel sollte eine absolut lohnende Erfahrung werden.

Auf ins englischsprachige Ausland!

Mit dem Gedanken, dass im Allgemeinen eine Famulatur im englischsprachigen Ausland eine lohnende Erfahrung zu werden verspricht, bewarb ich mich am Adelaide and Meath Hospital, incorporating the National Children’s Hospital in Dublin. Das AMNCH liegt in Tallaght, einem westlichen Vorort von Dublin, und wurde im Jahr 1998 eröffnet. Es handelt sich dabei allerdings strenggenommen um drei in einem Neubau fusionierte ehemals unabhängige Krankenhäuser – das Adelaide Hospital, das Meath Hospital und das National Children’s Hospital. Diese Klinika gehen auf die Jahre 1839, 1753 und 1821 zurück. Eine interessante Anekdote ist, dass einer der ersten Schüler des National Children’s Hospital später das Great Ormond Street Hospital in London gründete.

Bewerbung

Im Innenhof des Trinity College Dublin

Das AMNCH ist eines der beiden Hauptlehrkrankenhäuser des Trinity College Dublin. Aus diesem Grund erfolgt auch die Bewerbung nicht direkt über das Krankenhaus, sondern über das Trinity College. Auf der Homepage der Medizinischen Fakultät wird unter dem Punkt „Electives“ der Bewerbungsprozess erklärt.

Neben einem Bewerbungsbogen sind ein kurzes Motivationsschreiben, Lebenslauf, aktuelle Noten, Impfbescheinigung, der TOEFL (Test of English as a Foreign Language) bzw. der IELTS-Sprachtest (International English Language Testing System) und ein vom Dekanat auszufüllendes Formular ca. sechs Monate im Voraus einzusenden. Außer einer Bewerbungsgebühr von seinerzeit EUR 75,- fielen keine weiteren Kosten an.

Unterkunft und letzte Vorbereitung

Nach erfolgreichem Abschluss des Bewerbungsverfahrens konnte ich mich auf die Famulatur in der Anästhesie freuen und die Reisevorbereitungen (Flugbuchungen) beginnen. Eine Unterkunft wird leider weder von der Universität noch vom Krankenhaus angeboten. In meinem Fall war eine privat organisierte Unterkunft vorhanden, ansonsten kann auf entsprechende Wohnungsbörsen verwiesen werden.

Ein paar kurze Hinweise noch zum Thema „Unterkunft“: In Tallaght selbst sollte man wegen der relativ hohen Kriminalitätsrate nicht unbedingt wohnen. Darüber hinaus ist es empfehlenswert, eine Unterkunft in der Nähe einer der LUAS-Haltestellen zu finden. Dabei handelt es sich um eine Art Straßenbahn, die sehr regelmäßig und zuverlässig verkehrt.

Die unmittelbaren Vorbereitungen für den Famulaturbeginn erfolgten mit dem Sekretariat der entsprechenden Abteilung. Hierbei ging es um Details wie den Treffpunkt am ersten Tag oder die Kleiderordnung. In der Anästhesie wird quasi ausschließlich OP-Kleidung getragen, ebenso auf der Intensivstation. Im „Pain Service“ dagegen trägt man klassisch Stoffhose, Hemd und Krawatte – ebenso in den meisten anderen Disziplinen, denen ich im Haus begegnet bin.

Meine Famulatur in der Anästhesie

Gleich am ersten Tag wurde ich vom Chef der Abteilung sehr freundlich begrüßt und habe eine Führung durch die Räumlichkeiten als auch einen persönlichen Wochenplan für meine Zeit in Dublin erhalten. Die ausgesprochene Freundlichkeit und Freude am „Teaching“ setzte sich über die gesamte Länge meiner Famulatur fort. Insofern kann ich die vielen Berichte, die hiervon geschwärmt hatten, aus eigener Erfahrung bestätigen.

Insgesamt verbrachte ich drei Wochen im OP, zwei Wochen auf der Intensivstation und eine Woche im „Pain Service“. In den OPs war ich jeden Tag einem anderen Ärzteteam zugeteilt, was es erlaubte, viele unterschiedliche Personen und Vorgehensweisen kennenzulernen. Im Krankenhaussystem unterscheidet man in Irland die „Consultants“, entsprechend unseren Fach- oder Oberärzten, von den „Junior Doctors“. Diese werden wiederum unterteilt in „Senior House Officer“ (SHOs), erste zwei Jahre der Assistenzarztzeit, „Specialist Registrars“ (SPRs), folgende 3 Jahre, und „Registrars“, eine Art Vorstufe zum „Consultant“.

Jeden Morgen gab es darüber hinaus einen 30 minütigen Vortrag zu einem Thema aus den Bereichen Intensivmedizin, Schmerztherapie oder allgemeine Anästhesie. Eine sehr gute Gelegenheit, sich mehr Wissen in diesem Bereich anzueignen. Dies fiel auch über die gesamte Dauer des Aufenthalts sehr leicht, da von allen Ärzten, mit denen ich arbeitete, immer sehr gerne viel erklärt und gezeigt wurde. So wurden nach der Einleitung im OP die Inhalte der diversen Monitore, mögliche Komplikationen und deren Management sowie pharmakologische Interventionen besprochen. Ebenso wurde bei der Visite auf der Intensivstation extra Zeit aufgewendet, um die zugrundeliegenden Krankheitsbilder zu besprechen.

Auch die praktische Arbeit kam nicht zu kurz. Bereits in der ersten Woche hatte ich mehrere Larynxmasken und einen Endotrachealtubus erfolgreich eingesetzt. Gerade im weiteren Verlauf entwickelte sich hierbei eine zunehmende Routine, was sich auch positiv auf die Rate der erfolgreichen Intubationen auswirkte. Dies war leider auf der Intensivstation nicht möglich, weshalb hier eher das Zuschauen beim Legen arterieller oder zentraler Zugänge im Vordergrund stand.

Abschließend kann ich noch berichten, dass das allgemeine medizinische Niveau, soweit ich es beurteilen konnte, sehr hoch ist. Die Medikamente, Apparate und Materialien entsprechen den in Deutschland genutzten. Gleiches gilt für die Anästhesie-Protokolle und auch die allgemeinen Hygieneregeln im OP-Bereich.

Leben in Dublin

The Spire - das neue Wahrzeichen von Dublin

Neben der Arbeit im Krankenhaus, normalerweise montags bis freitags von 8:00 bis 17:00 Uhr, blieb zudem ausreichend Zeit für Erkundungen in Dublin und Umgebung. Dank der LUAS-Anbindung braucht man von Tallaght bis ins Stadtzentrum ca. 40 min. Das Zentrum selbst lässt sich gut zu Fuß bewältigen. Je nach persönlicher Präferenz gibt es sehr interessante Museen, gerade auch zur Geschichte Dublins, sehr schöne Galerien und den bekannten Szenestadtteil „Temple Bar“. Außerdem bestehen in Dublin sehr gute Einkaufsmöglichkeiten; neben der Haupteinkaufsstraße „Grafton Street“ gibt es mehrere größere Einkaufszentren, dessen größter und neuester Vertreter das „Dundrum Shopping Centre“ ist.

Auch in der Umgebung Dublins gibt es sehr viele interessante Freizeitoptionen. Lohnend sind beispielsweise die mit dem „DART“, einer an der Küste entlangfahrenden S-Bahn, erreichbaren Ziele wie z.B. „Howth“, eine wunderschöne Halbinsel mit Fischerdorfcharme, und „Bray“ mit einem beeindruckenden „Cliff-Walk“. Außerdem werden von diversen Anbietern Tagestouren in die Umgebung angeboten, die ebenfalls zu empfehlen sind. Hierbei ist die Touristeninformation eine gute Anlaufstelle. Für weitere Fahrten z.B. nach Cork, Galway, Limerick oder auch Belfast bietet sich das zwar kleine, aber auch sehr zuverlässige „Irish Railway System“ an. Alternativ verkehren auch etwas günstigere Fernbusse.

Ein sehr positives Resümee

Cahir Castle in County Tipperary - eine der zahlreichen irischen Burgen

Abschließend kann ich das Fazit aus meiner Famulatur in Irland ziehen, dass diese Zeit eine fachlich als auch persönlich bereichernde und absolut lohnende Erfahrung war. Neben einer guten theoretischen Fundierung konnte ich einige praktische Fertigkeiten erlernen und üben, und hatte durchgehend das Gefühl, dass die Weitergabe von Wissen ein gern gesehener Teil der Arbeit war.

Darüber hinaus lohnt sich die grüne Insel auch reisetechnisch sehr und bietet ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm.

B., M.
Freiburg, Dezember 2011

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