Famulatur in Spanien – Pädiatrie

27. Oktober 2011

in Chancen im Ausland, Famulatur im Ausland, Pädiatrie, Spanien

Spanien, Salamanca, Hospital Universitario de Salamanca (01.08.-31.08.2010)

Zu einer Famulatur nach Spanien? Dann auf nach Salamanca. Dank der freundlichen Ärzte im Krankenhaus habe ich insgesamt einen guten Eindruck vom spanischen System bekommen und vor allem Spaß an der Pädiatrie gefunden. Wer weiß, vielleicht zieht es mich einmal wieder nach Spanien – und dann entweder zu einem Erasmus Jahr oder zumindest zu einem Teil meines PJs.

Mein erste Wahl – Spanien

Was mich motiviert hatte, nach Spanien zu gehen, war, dass ich es schon immer toll fand, in einem so internationalen Studiengang wie Humanmedizin zu sein und es natürlich sobald wie möglich ausprobieren wollte, wie es ist, auch tatsächlich einmal in einem anderen Land als angehende Ärztin/Arzt zu arbeiten. Spanien wurde schließlich zu meiner ersten Wahl, weil ich ein Jahr vorher angefangen hatte, die Sprache zu lernen und nun meine Kenntnisse für den Alltag und fürs Krankenhaus erweitern wollte.

Außerdem fand ich es gut, erst einmal in Europa einen Austausch zu machen, um zu sehen, wie es mir gefällt und mir dort die Kultur und Sprache nicht grundsätzlich fremd sind. So hatte ich mir erhofft, einen Einblick in ein anderes europäisches Gesundheitssystem zu bekommen und mich später auch mit spanischen Patienten in Deutschland verständigen zu können.

Die Bewerbung …

Da mir schon viele Bekannte nur Gutes von der Stadt Salamanca berichtet hatten, habe ich mich gezielt nach Möglichkeiten umgesehen, um in diese schöne und nicht zu große Studentenstadt zu kommen. Zuerst bewarb ich mich beim BVMD, der Bundesvereinigung Deutscher Medizinstudenten, und hatte Glück, gleich dort genommen zu werden und deren Fördermöglickeiten zu erhalten. Man muss sich dazu auf deren Homepage über die Bewerbung für die jeweiligen Länder informieren und kann einige Städte zur Auswahl angeben. Außerdem muss man ein Motivationsschreiben verfassen und benötigt eine Bescheinigung von einem offiziellen Sprachlehrer über seine Englisch und Spanischkenntnisse. Man muss 100 EUR Bewerbungsgebühr zahlen, wovon man einen grossen Teil zurück bekommt, wenn man nicht genommen wird. Insgesamt war es nicht so schwierig über den BVMD genommen zu werden, Ihr solltet es wirklich versuchen, denn dann werden Euch Unterkunft und Essen gestellt.

Als Alternative hatte ich mir überlegt, mich direkt beim Krankenhaus zu bewerben und die Sekretärin des entsprechenden Chefarztes anzuschreiben. Diese hat mir später auch meine Bestätigung ausgestellt und war wirklich sehr nett und hilfreich, also wendet Euch einfach an sie. Im Nachhinein hätte es sogar gut geklappt, einfach direkt ein paar Tage vorher ins Krankenhaus zu gehen und sich vorzustellen, denn auch nachdem die Studenten vom BVMD uns dort angekündigt hatten, wusste am ersten Tag keiner Bescheid, dass wir kamen und wir wurden trotzdem herzlich aufgenommen.

Im Krankenhaus lernte ich später noch andere Medizinstudenten aus der ganzen Welt kennen, die sich ebenfalls direkt beworben hatten. So offiziell wie bei uns läuft es dort nicht ab, man kennt keine Pflichtfamulaturen. Vor allem in den Sommermonaten Juli und August ist es sehr ruhig dort.

… und die Vorbereitungen

Die Wahl eines europäischen Landes wie Spanien für meine Famulatur hat mir die Vorbereitung einfacher gemacht. Ich hatte mich hauptsächlich auf das Ausweiten meiner Spanischkenntnisse in einem privaten Sprachkurs als auch an der Universität konzentriert und mir etwas medizinisches Fachvokabular angeeignet. Mein Tipp hier wäre z.B. Medizinisches Spanisch pocket, Björn Bruckmeier Verlag, 14,80 EUR. Des Weiteren hatte ich mich über Wikipedia etwas in das spanische Gesundheitssystem und die Stadt Salamanca eingelesen.

Für Spanien gab es keine Anforderungen für spezielle Untersuchungen. Ich habe mir lediglich eine Reiseapotheke mit den wichtigsten Medikamenten eingepackt. Es ist jedoch vorgeschrieben eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Diese habe ich zusammen mit einer Auslandskrankenversicherung abgeschlossen.

Was die Sicherheitslage betraf, hatte ich keine Bedenken, da ich schon vor meiner Famulatur öfters in Spanien war. Man sollte nur an das Übliche denken, z.B. Geld nicht offensichtlich zu zeigen oder nachts alleine nach Hause zu gehen. Im Nachhinein war die Zeit problemlos und ich habe mich zu jeder Zeit wohl gefühlt.

Ich hatte mir ausreichend Bargeld mitgenommen und für den Notfall eine Kreditkarte eingesteckt. In vielen spanischen Städten, so auch Salamanca gibt es auch eine deutsche Bank, bei der man kostenlos Geld abheben kann. Da Unterkunft und Verpflegung gestellt wurden, habe ich hauptsächlich Geld für die Wochenendausflüge sowie ab und zu fürs Tapas essen gehen ausgegeben, was sich aber im Rahmen hielt. Allgemein sind die Lebenshaltungskosten in Spanien geringer als in Deutschland.

An Literatur hatte ich mir, um Gewicht zu sparen, ein knappes Pädiatrie Buch aus der Basics Reihe gekauft und bei Fragen Wikipedia oder den Zugang zu den E-Books unserer Universität genutzt. Damit kam ich sehr gut zurecht. Wer möchte kann sich auch in einem der spanischen Unibuchhandlungen spanische Fachliteratur zulegen, z. B. am Busbahnhof, „Calle de la Alberca“ oder in der „Avenida de Filiberto Villalobos“.

Kleidung hatte ich mir für zehn Tage eingepackt und sie zwischendurch gewaschen. Fürs Krankenhaus wurden ein Kittel und ein Stethoskop benötigt. Wer mag, sollte an Sportsachen für den nahe gelegenen Unisportplatz denken. Wichtig sind noch Laptop, Reiseliteratur, Kreditkarte, evtl. Bettwäsche und Handtücher – auch fürs Schwimmbad. Wenn man etwas vergessen hat, ist es auch nicht so schlimm, denn in der Innenstadt von Salamanca gibt es alle Geschäfte, die man sich wünschen kann.

Eine wichtige Sache – die Sprache

Die Spanier sprechen hauptsächlich Spanisch und verstehen eher noch Italienisch als Englisch. Daher ist es hilfreich, so viel wie möglich vorher zu üben. Im Land selbst kommt man aber mit einem Mix aus Spanisch, Englisch und Gesten überall hin. Ich hatte ein Jahr lang an der Uni einen Spanischkurs belegt und davor einen privaten Sprachkurs für zwei Wochen gemacht, aber das Meiste hatte ich mir selbst beigebracht. Im Land hatte ich ein Notizbuch und habe Dinge, die ich nicht verstanden hatte, gleich notiert, um sie nachzuschauen. So hat sich mein Spanisch in diesem Monat auch sehr verbessert.

Salamanca ist bekannt für sein reines Hochspanisch und die Philologie Universität, daher ist es hier für Ausländer bestimmt am Einfachsten, die Sprache zu verstehen. Auf meiner Station gab es aber auch einen japanischen Famulanten, der nur wenig Spanisch sprach und sich trotzdem zurecht gefunden hat, aber man möchte ja auch die Gespräche der Ärzte verfolgen und auch Fragen stellen können, um etwas mitzunehmen.

Ein paar Reise-Tipps

Von uns aus ist es wohl am Besten, mit dem Flugzeug anzureisen. Man sollte sich einfach nach Erhalt der Bestätigung bei einem Flugpreisvergleicher im Internet, wie www.opodo.com oder www.ebookers.com den aktuell günstigsten Tarif heraussuchen lassen. Ich habe z.B. 150 EUR für einen Billigflug nach Madrid gezahlt. Es gibt auch einige Buslinien, wie Eurolines, die von Deutschland aus nach Madrid fahren, aber mit dem Flugzeug ist es sicherlich komfortabler. Einmal in Madrid angekommen, kann man entweder mit dem Zug ab Madrid „Charmartín“ nach Salamanca fahren – kostet ca. 20 EUR, nicht im Voraus über Deutschland buchbar, daher vor Ort etwas Zeit einplanen für den Ticketkauf, www.renfe.es . Die andere Möglichkeit ist, man nimmt den Bus zum Busbahnhof, der etwas zentraler in Salamanca liegt – www.avanzabus.com , Abfahrt auch direkt von Madrid „Barajas“ möglich, sonst im Zentrum von Madrid, Metros „Méndez Alváro“, Preis 14-22 EUR.

Meine Anreise war etwas anstrengend, weil ich zunächst mit dem Bus direkt vom Flughafen fahren wollte, diesen aber durch eine Flugverspätung verpasst hatte, dann zum Busbahnhof gefahren bin, dort der Bus ausgebucht war und schließlich gerade noch den Zug erwischt habe. Zum Glück war der Zugbegleiter immerhin so nett, mir auch direkt im Zug ein Ticket zu verkaufen, was normal nicht möglich ist, da jeder seinen festen Sitzplatz hat. Bei der Rückreise wusste ich, dass ich wegen eines Streiks mit dem Zug fahren musste, diese werden aber über die Homepage angekündigt.

Unterkunft und Kommunikation

Meine Unterkunft in Salamanca

Unsere BVMD-Gruppe bestand aus 11 Leuten. Wir wurden aufgeteilt auf die Residencia Universitaria „Real Colegio di Oviedo“ und auf ein großes Apartement. Ich hatte das Glück, auch für meine Spanischkenntnisse, mit einer sehr netten Spanierin aus Alicante das Zimmer teilen zu können und über uns wohnten noch zwei Medizinstudentinnen aus Malaga. Die Spanier haben komischerweise einen Austausch in ihrem eigenen Land gemacht, wahrscheinlich, weil man hier keine Famulaturen kennt, aber ansonsten kamen die Medizinstudenten aus der ganzen Welt, wie Italien, Indonesien, Brasilien, Tschechien oder Japan.

Die anderen sieben Leute hatten entweder Einzel- oder Doppelzimmer im Appartment. Da ich einen Tag früher angereist war, konnte ich eine Nacht dort übernachten. Es gab dort alles, was man brauchte, zwei Bäder, Waschmaschine, TV im Aufenthaltsraum und Küche. Im Wohnheim habe ich mich persönlich aber sehr wohl gefühlt. Es wurden drei Mahlzeiten, Bettwäsche und Handtücher gestellt und die Zimmer wurden jeden Tag gereinigt. Außerdem gab es dort, unter anderem, einen kleinen Fitnessraum, Waschmaschinen, TV-Räume mit Flatscreens und eine Bibliothek.

Die beiden Unterkünfte lagen fünf Minuten vom Krankenhaus entfernt und in nächster Nähe zu Sportmöglichkeiten, Supermärkten und der Innenstadt. Ihr könnt Euch auch dort direkt anmelden (Calle Alfonso X s/n, Email: , Telefon: 923 294 680, Fax: 923 294 705), aber es gibt auch andere Wohnheime (siehe http://mommybye.com/residencias/salamanca ), die in den Sommermonaten viel Platz für Gäste haben. Oder Ihr macht es so, dass Ihr für die ersten Tage in ein Hostel geht (siehe www.hostels.com ) und dann vor Ort was sucht. An den Litfasssäulen waren überall Aushänge für private Wohnungsvermittlungen.

Was die Kommunikation betraf, hatte uns ein Medizinstudent vor Ort netterweise sein Passwort gegeben und so konnten wir auf dem Campus das Internet umsonst nutzen. Ich hatte, da ich direkt im Studentenwohnheim wohnte, sehr guten Empfang, aber man kann sich auch über den Hausmeister einen eigenen Zugang organisieren lassen. Die günstigste Methode Kontakt zu halten, ist sicherlich über Skype. Um vor Ort zu telefonieren, empfiehlt sich eine Telefonkarte von „Happy Movíl“ fürs Handy, die umsonst ist und man nur das Guthaben von 15 EUR erwerben muss, z.B. bei „Phone House“ am Hauptbahnhof oder im Zentrum. Natuerlich gibt es in der Stadt auch Dutzende Internet und Call Shops.

Reise und Ankunft

Wie oben schon erwähnt, lief die Anreise mit dem Bus nicht so gut, aber einmal angekommen, lief alles reibungslos. Ich war zwei Tage vorher angekommen und hatte mich mit einem Studenten des BVMD aus Salamanca getroffen und dann auch gleich die anderen kennen gelernt. Es geht natürlich auch alles alleine, aber es war bequemer, jemanden vor Ort zu kennen. In den ersten Praktikumstagen waren wir mit ihm ein paar Mal Tapas essen und er hatte uns zwei Mal eine nette Stadtführung gegeben. Nach der Einführung des ersten Studenten kannten wir uns aber auch schon in der Stadt aus und kamen gut alleine zurecht.

Er war es auch, der uns am ersten Morgen ins Krankenhaus zu den einzelnen Stationen begleitet und uns bei den Ärzten vorgestellt hatte. Wie schon erwähnt, war das Famulatursystem im Grunde genommen unbekannt und keiner wusste, dass wir kamen. So sind wir einfach nach der Visite am Montagmorgen um 09:30 Uhr zum Chefarzt hingegangen und haben uns vorgestellt. Der war ganz überrascht, hat uns aber gerne aufgenommen. Später war das gar kein Problem mehr, jeder hatte den richtigen Platz und einen netten Arzt gefunden, den man begleiten konnte. Es kam nur darauf an, selber einen guten Eindruck zu machen, auf die Ärzte zuzugehen und zu erklären, was man den Monat machen wollte. Am besten irgendwie auf Spanisch, da nur sehr wenige Englisch sprachen. In den ersten Tagen hatte ich außerdem viel die Stadt erkundet und mir eine Telefonkarte gekauft.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Das Hospital Universitario de Salamanca

Am ersten Tag ging es gleich richtig los. Der Chefarzt der Pädiatrie schickte mich und den japanischen Famulanten zunächst einmal auf die Station der „Lactantes“ und „Escolares“, also Klein- und Schulkinder. Dort verbrachte ich die ersten zwei Wochen. Im gleichen Trakt befanden sich noch Betten der Kinderchirurgie und Hämatoonkologie, wo wir auch bei den Visiten zuschauen konnten. Auf der gegenüberliegenden Seite waren die Neonatologie, Intensivstation und Tagesklinik.

Der Tag begann um 08:45 Uhr mit der Morgenbesprechung aller Pädiater. Dann begleitete ich die Ärzte und „Residentes“ (Assistenzärzte) zur Visite und auch zu einigen Untersuchungen wie Sono oder Echokardiographie. Dazwischen traf man sich immer wieder zu Besprechungen im Ärztezimmer. Alle waren von Anfang an uns gegenüber sehr aufgeschlossen und fanden es toll, wenn man etwas Spanisch sprach. Man konnte praktisch jeden Arzt ansprechen und überall hin mitgehen, wenn man wollte. Das war auch oft viel interessanter, denn im August sind das Krankenhaus und die Stadt selbst fast wie ausgestorben und es gab nicht so viel zu tun. Meistens ging ich um 13:00 Uhr nach Hause. Die dritte Woche kam es vor, dass es auf der ganzen Station nur einen Patienten gab, weshalb ich dann zur Neonatologie wechselte.

Auf der Neonatologie wurde ich ebenfalls sehr nett aufgenommen und konnte immer mal wieder selber ein Kind untersuchen, nach der Untersuchung durch die behandelnden Ärzte. Wenn man zeigte, dass man etwas konnte und einfach fragte, war eigentlich alles möglich. Der Vorteil der Pädiatrie war auch, dass die Ärzte hier im Durchschnitt sehr jung waren. Von 52 Ärzten waren 24 Assistenzärzte, hauptsächlich weiblich. So konnte man sich trauen, auch einfache Fragen zu stellen.

Grundsätzlich ist es aber ein Nachteil im spanischen Krankenhaus, dass es nur wenige spanische Medizinstudenten gibt, die Praktika absolvieren und somit das System der Famulatur und des PJ fremd ist. Man muss immer wieder erklären, was man macht und darf bei Weitem nicht so viel praktisch tätig sein wie in Deutschland. Die meiste praktische Arbeit übernehmen die Krankenschwestern, wie z.B. Blutabnahmen und Verbandswechsel. Die „Residentes“ machen die Untersuchungen, während ihnen die Oberärzte („Adjuntos“) über die Schulter schauen. So bleibt eigentlich wenig Arbeit für Medizinstudenten übrig. Zum Glück wurde einem als Student immer Zeit gelassen, sich die Kinder und ihre Akten selbst anzuschauen, so dass man wenigstens viele verschiedene Krankheitsbilder sehen kann. Ein großer Vorteil, wie schon erwähnt, ist es insbesondere, wenn man Spanisch spricht, um einfach mehr aus der Zeit mitzunehmen, da von allen Ärzten, die ich getroffen habe, nur eine Englisch sprach.

Am Ende des Tages hatten wir immer mal wieder die Gelegenheit, über die Unterschiede in unseren Gesundheitssystemen zu sprechen. Mir fiel vor allem auf, dass die Spanier enorme Kosten für ihr System tragen müssen, da die Beiträge zur Gesundheitsversorgung sehr niedrig sind und hauptsächlich der Staat die Kosten trägt. Daher wurde den Ärzten in diesem Jahr auch das Gehalt um 5 Prozent gekürzt. Andererseits wurden damals alle Krankenhäuser in Spanien renoviert und es gab z. B. Pläne, Teile des Universitätskrankenhauses von Salamanca, das mit einem weiteren in der Nähe kooperiert, abzureißen und ein großes Klinikum zu errichten. Die Bauarbeiten dafür waren schon in vollem Gange. Mein erster Gedanke war, dass das Krankenhaus gar nicht so alt wirkte, zwar nicht so modern wie in Deutschland, aber es gleich abzureißen, wäre vielleicht etwas übertrieben.

Außerdem fiel mir auf, dass es praktisch zu viele Ärzte gab, obwohl im August auch viele im Urlaub waren. Meist war die Arbeit recht schnell erledigt und die restliche Zeit wurde mit Warten auf Ergebnisse der Blutabnahmen und Beurteilungen anderer Spezialisten verbracht. Spätestens um 15:00 Uhr endete der Arbeitstag und der „Nachtdienst“ begann. Diesen hatte man als Arzt aber relativ häufig, meistens sieben Tage im Monat. Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Arbeitsatmosphäre viel entspannter als in Deutschland ist, der Tag viel später begann, aber trotzdem wurde irgendwie alles erledigt.

Mit meiner Zimmernachbarin hatte ich mich oft über das Medizinstudium in Spanien unterhalten. Mich beeindruckte vor allem, dass die Medizinstudenten sehr viel Zeit in der Fakultät verbringen, aber hauptsächlich Theorieunterricht haben. Ihr Tag endet so gegen 18:00 Uhr und danach müssen sie noch viel zuhause nacharbeiten. Ferien gibt es hier auch viel weniger, so z.B. keine Semesterferien im Frühjahr. Das beruht wohl auch darauf, dass sie keine Krankenpflegepraktika oder Famulaturen ableisten müssen. Selbst Doktorarbeiten schreiben die Wenigsten, da man hier automatisch den Titel erhält und zudem erst als Assistenzarzt damit anfangen kann. Erstaunlich fand ich ferner die Durchfallquoten von zum Teil 80 Prozent, die Professoren scheinen also ihre Studenten nicht so gut vorzubereiten. Alle Medizinstudenten, die ich getroffen habe, mussten mindestens zwei Klausuren am Ende der Ferien nachschreiben. Wenn man diese nicht bestand, musste man mehr Studiengebühren zahlen, da sich automatisch damit das Medizinstudium verlängerte. Die Gebühren sind hierbei mit 1.000 Euro im Jahr ungefähr gleich.

Freizeit

Der Plaza Mayor in Salamanca

Während der Famulatur hatte man noch genügend Zeit, am Nachmittag oder am Wochenende etwas zu unternehmen. Meistens endete der Tag schon zwischen 13:00 und 14:00 Uhr, es wäre aber mit Sicherheit auch nicht schlimm gewesen, mal nicht zu erscheinen, wenn man ein verlängertes Wochenende machen wollte.

Salamanca ist aber nicht der beste Ausgangspunkt für viele Touren, weil viele bekannte spanische Städte sehr weit entfernt sind, z.B. Barcelona und Andalusien acht Stunden oder Santander sechs Stunden. Im direkten Umland von Salamanca gibt es viele Felder und alles ist sehr ausgetrocknet. Die Hitze von bis zu 38 Grad ließ sich aber durch die trockene Luft ertragen. Was gut zu machen ist, ist ein Wochenende in Madrid, wo es viele günstige Hostels gibt und was man in zweieinhalb bis drei Stunden gut mit dem Bus oder Zug erreicht.

Dadurch, dass die Unterkunft und die Verpflegung (teils) in Salamanca gestellt werden, halten sich die Lebenskosten in der Stadt selbst, wie gesagt, in Grenzen. Außerdem hatte ich je einen Tagesausflug nach Avila und Segovia unternommen, die eineinhalb und zweieinhalb Stunden mit dem Bus entfernt liegen. Diese beiden Städte haben eine gute Größe für einen Tagesausflug, das einzige, was stört, sind die Ladenöffnungszeiten. In vielen Städten schließen die Geschäfte und Sehenswürdigkeiten zwischen 13:30 und 17:00 Uhr, so dass man außer Restaurants nicht so viele Anlaufstellen hat.

Wer Lust auf Sport hat, kann sich an der Uni Fahrräder ausleihen, zum Unisportplatz gehen, der unter der Woche abends geöffnet ist oder eben ins Schwimmbad gehen. In Salamanca gibt es drei städtische Freibäder, die auch recht günstig sind (2,70 EUR). Ein paar Mal waren wir auch im Kino, mittwochs ist für 4 EUR Kinotag.

Im Prinzip kann man in Salamanca alles machen wie in Deutschland, nur die Mentalität der Spanier ist viel offener und freundlicher. Die Stadt ist angeblich auch berühmt für ihr Nachtleben, wovon wir aber nicht so viel mitbekamen, weil die meistens Clubs wegen der Ferien leer waren. Ich würde gerne noch einmal während des Semesters wiederkommen, um die studentische Seite der Stadt mehr kennen zu lernen. In Salamanca gibt es nämlich den berühmten „Plaza Mayor“, auf dem man sich immer trifft, um danach in eine Bar zu gehen, z.B. um „Pinchos“ (Tapas und Getränk für ca. 2 EUR) zu essen. Mir kam dieser ganze Monat insgesamt sehr entspannt vor, ohne negative Zwischenfälle, und eher wie ein Spanischsprachkurs mit tollem Wetter und viel Zeit für Unternehmungen. So konnte ich einen sehr positiven Eindruck von Land und Leuten mit nach Hause nehmen.

Mein Fazit

Die positiven Berichte von Salamanca haben sich bewahrheitet und ich habe hier einen tollen Monat verbracht. Auch wenn es um diese Jahreszeit sehr ruhig war, würde ich jederzeit gerne wiederkommen oder die Stadt jedem z.B. für ein Erasmus Jahr empfehlen. Dank der freundlichen Ärzte im Krankenhaus habe ich insgesamt einen guten Eindruck vom spanischen System bekommen und Spaß an der Pädiatrie gefunden.

Die fachliche Kompetenz und die entsprechenden Einrichtungen sind auf jeden Fall vorhanden, es ist eben nur ein anderes Studiensystem, das Praktika in den Hintergrund stellt. Ich wäre auch nicht abgeneigt, zumindest einen Teil meines PJs in Spanien zu verbringen, vielleicht nochmal in einer anderen Region. Man muss sich nur bewusst sein, dass es an einem selber liegt, viel zu lernen, indem man gut Spanisch spricht, zudem aktiv nachfragt, auch mal etwas machen zu dürfen und Fragen nachliest.

E., V.
München, Oktober 2011

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