PJ Martinique – Chirurgie

6. September 2011

in Chancen im Ausland, Chirurgie, Martinique, Praktisches Jahr im Ausland

Martinique, Fort-de France, Centre Hospitalier Universitaire (CHU) de Fort-de France (05.02.- 02.04.2011)

Mein Entschluss stand fest. Erneut sollte es ein französisch sprachiges Land sein, das ich mir für einen Abschnitt meines Praktischen Jahres aussuchen wollte. Und was soll ich sagen, meine Entscheidung für die Chirurgie auf Martinique war genau richtig. Rückblickend kann ich sagen, dass meine zwei Monate PJ auf Martinique eine traumhaft schöne Zeit waren, in der ich sprachlich und medizinisch einiges dazugelernt – und zudem viele schöne Orte gesehen sowie viele nette, hilfsbereite Menschen getroffen habe.

Mein Wahl – Martinique

Nachdem ich bereits einige Famulaturen als auch mein erstes PJ-Tertial im französisch sprachigen Ausland absolviert hatte, entschied ich mich, einen weiteren Teil meines Praktischen Jahres in der Ferne abzuleisten. Gerne wollte ich noch mal für zwei Monate und zwar für die Chirurgie in ein anderes, warmes Land. Martinique schien hier genau eine perfekte Kombination meiner Wünsche zu sein.

Die Vorbereitungen begannen

Lebhaftes Treiben in der Hauptstadt Fort-de-France

Die Bewerbung für einen PJ-Platz auf Martinique war total unkompliziert. Ich fand die Adresse des Krankenhauses in der LPA-Liste mit den möglichen Auslandskrankenhäusern. Eine einzige Email und ca. zwei bis drei Wochen Geduld genügten und ich hatte meine Zusage im Briefkasten. Ich hatte nur eine Anfrage und meinen Lebenslauf hinschicken müssen. Später dann musste ich noch zusätzlich ein französisches Gesundheitszeugnis und einen Versicherungsnachweis nachsenden. Die gesamte Verwaltung läuft dort deutlich „tranquiller“ ab als hier, aber am Ende klappt alles.
Da ich vorher in der französischen Schweiz gewesen war, war es leicht, eine Gesundheitsbescheinigung auf Französisch zu bekommen. Aber auch in Deutschland stellt dies kein großes Problem dar.

Was ein Visum betrifft, so brauchte ich mich hierum nicht zu kümmern. Martinique gehört zu Frankreich und damit zur EU. Das bedeutet, man braucht weder einen Reisepass, noch muss man sich vorher ums Geldwechseln kümmern. Auch ein Personalausweis reicht theoretisch, allerdings kommt man damit nicht auf die Nachbarinseln, falls man das will.

Ich hatte mich vorher gegen Typhus und Cholera impfen lassen, um dann dort festzustellen, dass es beides dort nicht wirklich gibt. Außer einer normalen Reiseapotheke und viel Sonnencreme, diese ist dort unverschämt teuer, braucht man an nichts Besonderes zu denken.

Reise und Ankunft

Die Reise verlief problemlos. Air Caraibe war deutlich billiger als Air France, und dies selbst mit Bahn Ticket und einer Nacht in einem Hostel in Paris. Auf Martinique angekommen, sind wir mit dem Taxi zum Campus gefahren (ca. 45 EUR). Hier wäre es wahrscheinlich schlau, wenn man sich schon vorher ein Auto organisieren würde, welches man dann direkt am Flughafen mitnehmen kann. Wenn man sich vor Ort eine Ferienwohnung suchen will, ist das „Foyer des jeunes travelleurs“ direkt in Fort-de-France eine gute erste Adresse. Wir waren freitagabends angekommen und hatten dann schon mal Zeit, die Strände zu bestaunen und den Weg zur Klinik zu finden.

Leben und Wohnen auf Martinique

Grande anse des Salines - einer der großen Traumstrände
Grande anse des Salines – einer der großen Traumstrände

In Martinique wird, wie gesagt, mit EURO gezahlt, so dass dies keiner extra Vorbereitung bedarf. Man sollte sich allerdings darauf einstellen, dass gerade Lebensmittel deutlich teurer sind als bei uns in Deutschland.

Auf Martinique wird Französisch gesprochen. Wie im echten Frankreich muss man auch hier lange suchen, um jemanden zu finden, der gutes Englisch spricht. Man sollte sich also schon auf Französisch verständigen können. Da ich gerade aus Lausanne kam, hatte ich keine Probleme mit der Sprache. Es gibt an unserer Uni einen Kurs „Französisch für Mediziner“, der hilfreich ist. Generell denke ich, dass es in der Klinik einfacher mit dem Verständnis ist als im normalen Alltag, weil es doch die gleichen Fachbegriffe sind wie im Deutschen bzw. Latein.

Wir hatten uns ca. zwei Monate vor der Abreise zwei Zimmer auf dem „Campus de Schoelcher“ reserviert (Email: ). Es wäre aber auch noch deutlich kurzfristiger möglich gewesen. Internet gibt es fast in allen Wohnungen und es hat die ganze Zeit super funktioniert. In der Stadt gibt es sonst auch Internetcafés. Dadurch, dass wir auf dem Campus wohnten, hatten wir sofort Kontakt zu den Studenten von dort und haben deshalb viel mehr französisch gesprochen. Viele andere deutsche PJler hatten sich auf der Halbinsel bei „Trois Ilets“ Ferienhäuser gesucht. Sicher auch sehr nett. Von da fährt man dann morgens mit der Fähre und dem Bus zur Klinik. Wir hatten mit dem Auto morgens so etwa 20 Minuten Weg. Mit dem Bus war es eine Stunde.

Auf Martinique braucht man sicher ein Auto, wenn man etwas von der Insel sehen will. In der Hauptstadt Fort-de-France selbst fahren regelmäßig, wenn auch nicht laut Fahrplan, Busse. Um alle schönen Strände zu erreichen, benötigt man allerdings ein Auto. Wir hatten uns für die acht Wochen eines gemietet. Hier als Tipp die Telefonnummer: 00596 596 701477; dies war das billigste und der Service war wirklich super! Andere haben sich für volle vier Monate eines gekauft. In der Klinik im Internat hängen eigentlich immer Anzeigen aus – meist von anderen PJlern.

Nicht vergessen sollte man natürlich Bikini, Badehose, und viel Sonnencreme, da die auf Martinique extrem teuer ist. Ansonsten braucht man vielleicht Wanderschuhe und einen Regenschirm, weil es oft für kurze Zeit richtig schüttet. Ebenfalls nicht vergessen sollte man, Taucherbrille und Schnorchel mitzunehmen. Es gibt viele bunte Fische, Delphine und riesige Schildkröten zu sehen.

In puncto Sicherheitsaspekte muss man nichts extra bedenken. Man wird als Weißer schon mal länger angeschaut und viele fangen einfach aus Interesse an der Supermarktschlange ein Gespräch an, aber ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unwohl oder unsicher gefühlt.

Die Arbeit in der Klinik

CHU Fort-de-France auf Martinique

Am Montagmorgen ging es dann „vers huit heures“ mit unserem PJ-Abschnitt auf der Chirurgie des Centre Hospitalier Universitaire (CHU) in Fort-de France los. Es läuft dort alles etwas langsamer ab. Und nachdem wir nach drei Stunden alle Papiere organisiert hatten, waren wir für den ersten Tag entlassen. Am zweiten Tag wurden wir dann auf die Stationen eingeteilt. Da wir ca. 30 deutsche PJler waren, wurden wir auch in die Urologie, Orthopädie, Herzchirurgie etc. eingeteilt. Alles ja Fächer, in denen wir trotz allem viel im OP sein konnten.

Ich landete auf der Urologie. Die Ärzte waren alle sehr nett und ich durfte schnell viel selber machen. Im OP konnte ich als erste Assistenz mitarbeiten und kleine Eingriffe sogar komplett alleine machen. Am Anfang muss man sich jedoch an eine doch andere Hygiene gewöhnen. Sterilität wird dort lange nicht so groß geschrieben wie bei uns.

Wir begannen morgens um 7:30 Uhr mit der Visite. Selten wurden uns Medizinstudenten dabei Fragen gestellt. Es war eher ein Mitgehen. Nach einer kurzen Kaffeepause konnte ich mir dann aussuchen, ob ich mir die Sprechstunde ansehen bzw. anhören wolle. Dort hatte ich direkt einen Arzt, der gerne auch Dinge erklärte und mich die Untersuchungen machen ließ. Oder ich ging in die Zystoskopie. Recht schnell durfte ich hier alleine die Zystoskopien durchführen. Ich deckte dafür zuerst alles steril ein und holte mir dann die Patienten aus dem Wartezimmer. Sobald alles fertig präpariert war, kam der Arzt, um mir über die Schulter zu schauen und evtl. Hilfestellungen zu geben als auch die zu sehenden Befunde zu erläutern.

Es blieb jedoch nicht immer genug Zeit, sich die Krankengeschichte und den weiteren Verlauf der einzelnen Patienten anzusehen. Handwerklich habe ich hier jedoch echt viel lernen können. Was allerdings das Gesehene für weitere diagnostische und therapeutische Konsequenzen mit sich brachte, verlief sich oft. Mit mehr Einsatz hätte man aber auch vielleicht mehr verfolgen können.

Oder es ging in den OP. Dort stand abwechselnd Zusehen und 1. Assistenz/alleine operieren auf dem Plan. Anfänglich war ich etwas überrascht über das hygienische Verhalten im OP. Es wird alles längst nicht so streng gesehen, wie ich es aus Deutschland gewohnt war. So geht man beispielsweise mit seinen Straßenschuhen plus Plastiküberzieher in den OP und zieht sich selber steril an. Von der Ausrüstung her waren die OPs dort mit unseren annähernd vergleichbar. Alle „modernen“ OP-Techniken stehen auch auf Martinique zur Verfügung.

Das gesamte OP-Personal war sehr viel entspannter, als ich es aus deutschen OPs kannte. Niemand hat etwas gesagt, wenn das Zunähen am Ende etwas länger dauerte, weil es natürlich ein Oberarzt schneller gekonnt hätte als ich. Ich habe einige OPs als 1. Assistenz mitoperieren dürfen. Hierbei hatten die Ärzte viel Zeit und Geduld und ließen mich den Großteil der OP unter direkter Anleitung machen. So habe ich Hydrocele und Beschneidungen (fast) alleine operiert. Bei größeren, komplexeren Operationen blieb uns als Medizinstudenten nur das Zusehen, was zum Teil nicht sehr lehrreich und auf die Dauer zudem wegen der großen Klimaanlagen im OP sehr kalt war. In solchen Fällen konnte man ohne Probleme in den Nachbar-OP wechseln, in der Hoffnung, hier interessantere Dinge vorzufinden.

Insgesamt warten einige Patienten auf Martinique deutlich länger, bis sie zum Arzt gehen, so dass einige Krankheitsbilder deutlich schlimmer ausgeprägt waren als bei uns. So habe ich über Kindskopfgroße Hydrocelen gesehen, komplett nekrotisierte Peniskarzinome und Unterarmlange Priapismen. Es gab aber daneben auch die ganz normalen Krankheitsbilder, die man halt in der Urologie findet.

Es war ein sehr nettes, ungezwungenes Arbeitsklima. Es wurde nichts direkt von uns Studenten erwartet, also z.B. kein stundenlanges Blutabnehmen, aber auf Nachfrage durfte man viel machen. Leider gab es auf der gesamten Station nur einen PC, so dass es keine Möglichkeit gab, mal eben etwas nachzuschlagen.

Sehr nett war auch, dass mich der Chefarzt eines Morgens persönlich abgeholt hat, um mit mir in eine außerhalb der Stadt gelegene Klinik zu fahren und mir die dort durchgeführte Brachytherapie der Prostata zu zeigen. Auf dem Weg dorthin haben wir noch seine Kinder zum Kindergarten gebracht.

Sieht man einmal davon ab, dass einem morgens im Klinikflur Hühner über den Weg laufen konnten, war die medizinische Versorgung in der Klinik nicht anders als bei uns auch. Es war eine sehr schöne Mischung aus weniger modernen und trotzdem europäischen Standards. Der Klinik-Tag endete variabel. Je nach Interesse, konnte ich eigentlich gehen, wann ich wollte. Es blieb also noch genug Zeit für die Strände…

Martinique – ein Traum

Arbeiten im Paradies

Martinique ist eine traumhaft schöne Insel! Uns blieb nach der Klinik meist noch genug Zeit, an einen der vielen Strände zu fahren. Die Insel hat neben weißen Palmenstränden im Süden und schwarzen Vulkansand-Stränden im Norden auch noch Regenwald und eine Ostküste zum Surfen zu bieten.

Die Einwohner von Martinique haben ihr ganz eigenes Lebens-und Arbeitstempo und sind alle super nett und interessiert. Überall läuft immer Musik im Hintergrund und die Leute tanzen unglaublich gut und viel. Von vielen Menschen wurden wir einfach so, sei es in der Klinik, in der Stadt oder am Strand angesprochen und waren erstaunt über die große Hilfsbereitschaft, die uns entgegen gebracht wurde.

Mein Fazit

Meine zwei Monate PJ auf Martinique waren eine traumhaft schöne Zeit, in der ich sprachlich und medizinisch einiges dazugelernt habe. Zudem habe ich in dieser Zeit unglaublich viele schöne Orte gesehen und viele nette Leute getroffen. Ich bin sehr, sehr froh, dass ich auf Martinique war und kann es jedem nur empfehlen.

Annika Elz
Bonn, August 2011

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2 Kommentare

  • Hallo bist du soo lieb und schickst mir die Mail der Ansprechspersonnen in Martinique, leider ist diese uns nicht bekannt und wir würden auch sehr gerne dort unsere Praktika absolvieren.

    Liebe Grüße und vielen Dank
    Kerstin

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