PJ in USA – Chirurgie

12. August 2011

in Chancen im Ausland, Chirurgie, Praktisches Jahr im Ausland, USA

USA, Pittsburgh, University of Pittsburgh Medical Center (28.02.-22.04.2011)

Und wieder ging es über den großen Teich in die USA. Nachdem ich bereits im letzten Jahr eine Famulatur in Pittsburgh in der Radiologie absolviert hatte und ich von der dortigen Lehre durchweg beeindruckt war, hatte ich mich entschieden, auch einen Teil meines Chirurgie-Tertials dort zu verbringen.

Bewerbungsprocedere für Pittsburgh

University of Pittsburgh

Auch wenn das University of Pittsburgh Medical Center (UPMC) nur mit wenigen deutschen Universitäten eine Kooperation hat, ist es auch für Medizinstudenten von anderen Universitäten möglich, einen der begehrten Plätze für ein sogenanntes „elective“ im Rahmen des Praktischen Jahres zu bekommen. Hierfür ist es in diesem Fall erforderlich, sich einen „faculty sponsor“ des UPMC aus dem entsprechenden Fachgebiet zu suchen. Obwohl ich persönlich niemanden aus der Chirurgie kannte, war es nicht schwer, über ein paar Emails an verschiedene Fakultätsmitglieder der Chirurgie jemanden zu finden, der sich bereit erklärte, als Sponsor zu agieren. Der „faculty sponsor“ schickt dann ein Schreiben an den Direktor mit der Bitte um eine Ausnahmeregelung.

Wenn man eine Genehmigung erhält, beginnt der eigentliche Bewerbungsprozess. Hierfür benötigt man neben Versicherungsnachweisen, Zeugnissen, Gesundheitschecks, einem „Letter of Good Standing“, einem Empfehlungsschreiben, einem Nachweis über ein ausreichendes Vermögen u.a. auch einen TOEFL-Test (Test of English as a foreign language). Zusätzlich zahlt man eine Bewerbungsgebühr von derzeit 50$, die nicht rückerstattet wird. Das USMLE Step 1 (United States Medical Licensing Examination), das amerikanische Äquivalent zum Physikum, wird derzeit noch nicht gefordert.

Die Bewerbungsunterlagen durchlaufen dann noch weitere Instanzen. Nach circa vier Monaten hatte ich dann die endgültige Zusage. Und zu meiner Überraschung hatte ich neben einem Platz in der Gefäßchirurgie auch noch einen Platz in der Plastischen Chirurgie erhalten! Als kleiner Hinweis: Leider darf man als internationaler Student nur von November bis April ein „elective“ am UPMC machen! Hier wird leider auch keine Ausnahme gemacht.

Leider ist es nicht sehr preiswert, am University of Pittsburgh Medical Center einen Teil des PJs zu machen. Für zwei Monate zahlt man aktuell 2.100$. Generell ist es internationalen Studenten auch nur erlaubt, eine Gesamtzeit von zwei Monaten zu bleiben.

Wichtige Vorbereitungen

Die University of Pittsburgh erlaubt internationalen Studenten für ein „medical clerkship“, entweder über das „visa waiver“ oder aber über ein B1-Visum einzureisen. Ich hatte ein B1-Visum beantragt, das mir erlaubte, für die Dauer von maximal einem Jahr in den USA einen Teil meines PJs zu absolvieren.

Eine gute Krankenversicherung solltet Ihr Euch auch vorab besorgen. Eine Haftpflichtversicherung gab es in meinem Fall von der Heimatuniversität kostenlos.

Die Flüge sind insbesondere zu den Zeiten der deutschen Semesterferien sehr teuer. Kleiner Tipp: bucht nur einen Flug nach New York City, die man meist sehr günstig bekommt und fahrt dann für ca. 1 $ mit dem Megabus nach Pittsburgh (Dauer 7 Stunden).

Organisatorisches am 1. Tag

Das University of Pittsburgh Medical Center unterhält ein großes Netz an zahlreichen Krankenhäusern in und um Pittsburgh. Der Hauptstandort ist das Presbytarian Hospital in Oakland. Den ersten Tag verbringt man zunächst mit einer Reihe an administrativen Angelegenheiten. Man erhält eine ID, Zugangscodes, Zugangskarten, einen Pieper und weiteres Infomaterial. Die Sekretärin, die sowohl die Bewerbung und auch alles weitere koordinierte, war wirklich immer für mich da!

In der Gefäßchirurgie

Children’s Hospital of Pittsburgh of UPMC

Meine erste Rotation sollte in der Gefäßchirurgie beginnen. Ich muss gestehen, ich war etwas entsetzt, als man mir sagte, dass man hier bereits um 5:15 Uhr visitiert und man erwartet, dass die Medizinstudenten bereits vorher sämtliche Patienten durchgehen. So begann mein Arbeitstag in der Gefäßchirurgie um 4:30 Uhr. Leider fiel auch die erste Begrüßung von Seiten des Teams eher nüchtern aus. Problematisch war, dass die entsprechende Oberärztin im Team eine sehr unangenehme Persönlichkeit war und einem das Leben als auch das Arbeiten unglaublich schwer gemacht hat. Inzwischen wurde aufgrund sämtlicher Beschwerden die entsprechende Person suspendiert. Durch zahlreiche weitere studentische Beschwerden dürfen nun keine Studenten mehr in die Gefäßchirurgie. Hier aber trotzdem ein Einblick in meinen Alltag auf der Gefäßchirurgie.

Unser Team bestand aus einer Oberärztin, einem „Intern“, einem Assistenzarzt und noch einer weiteren Medizinstudentin. Nachdem um 5:15 Uhr mit der Visite begonnen wurde, die meistens gegen 6:30 vorbei war, schrieb man nach Möglichkeit die Berichte („progress notes“) für die eigenen Patienten. In der Regel konnte man sich aussuchen, welche Patienten man betreute. Um 7:15 Uhr startete dann meist der OP. Zeit für ein Frühstück blieb leider nicht und wurde auch nicht gerne gesehen! Aber ein bisschen Zeit für einen heimlichen Müsliriegel auf der Toilette blieb meistens.

Die Gefäßchirurgie führt zwei Operationssäle. In dem einen Raum finden vermehrt endovaskuläre Eingriffe statt. Im anderen Saal sah man weitere typische Eingriffe der Gefäßchirurgie wie Amputationen, Patching, Thromboendarteriektomien, Bypässe aller Art, Shuntanlagen usw. Insgesamt habe ich ein unglaublich breites OP-Spektrum der Gefäßchirurgie gesehen.

Es wurde vorausgesetzt, dass man die Krankengeschichten und die Krankheitsbilder der zu operierenden Patienten perfekt beherrschte. Und selbstverständlich sollte man sich auch vorher mit der jeweiligen Operation und der entsprechenden Anatomie vertraut gemacht haben. Im OP wird je nach Oberarzt sehr viel „gepimpt“, d.h. es wird sehr viel abgefragt. Es gab keine Entschuldigung, einmal nicht die genaue arterielle Versorgung zu wissen. War dies doch der Fall, wurde dies mit mindestens einem Tag Nichtbeachtung bestraft. Immer auch wieder in Abhängigkeit wer operierte, durfte man am Ende die Naht machen. Als Highlight durfte ich am Ende selbständig unter Aufsicht eine Unterschenkelamputation durchführen.

Nach OP-Ende, meist zwischen 18:00 und 21:00 Uhr folgte dann die Abendvisite, die meistens noch eine weitere Stunde dauerte. Jetzt mussten noch die Postoperationsberichte und eventuell noch offen stehende Berichte vom Morgen geschrieben werden. Nach einem Durchschnittsarbeitstag von 15 Stunden hatte man dann endlich „Feierabend“.

In der Plastischen Chirurgie

Willkommen im Children’s Hospital of Pittsburgh of UPMC

Eine wesentlich bessere Zeit sollte mir meine zweite Rotation in der Plastischen Chirurgie bringen. Hier ist es so vorgesehen, dass man in jeder Woche in verschiedene Gebiete der Plastischen Chirurgie reinschnuppert. Zunächst arbeitete ich eine Woche in der Rekonstruktionschirurgie. Man bekommt viele verschiedene Lappenplastiken und andere z.T. seltene Operationen zu sehen. Hier durfte man ebenfalls ab und zu nähen. Einer der Oberärzte ist hier sehr engagiert und lässt Studenten auch kleinere Eingriffe komplett selbst durchführen. So konnte ich einige Abszesse selbst entfernen.

Die zweite Woche verbrachte ich in der Handchirurgie. Diese ist leider etwas weniger gut organisiert. Meist arbeitet man hier mit den Orthopäden zusammen. Aber es war ein angenehmes Team und die Zeit hat trotzdem viel Spaß gemacht.

Die dritte Woche in der pädiatrischen plastischen Chirurgie war mit Abstand die beste Woche. Das Kinderkrankenhaus gehört zu den acht modernsten Kliniken in den USA. Schon beim Betreten des Krankenhauses hat man nicht das Gefühl, in einem Krankenhaus zu sein. Alles ist sehr kinderfreundlich und bunt gestaltet. Das Team war unglaublich nett. Man ist hier auf craniofaciale Operationen spezialisiert. Ich habe bei sehr vielen spannenden OPs mitmachen können und unter anderem mit Dr. Losee, dem wohl bekanntesten Chirurg auf diesem Gebiet, zusammen arbeiten dürfen. Und am Ende der Woche hatte ich die einmalige Gelegenheit, bei einer Monobloc-Operation zugucken zu dürfen.

Am Ende verbrachte ich die letzte Woche in der Frauenklinik – McGee Hospital. Hier fanden vorwiegend Brustrekonstruktionen aller Art statt. Insbesondere bilaterale TramFlaps mit Komplikationen führten zu bis zu 13stündigen Operationen. Zudem hatte ich die Möglichkeit, in der Sprechstunde für ästhetische Chirurgie mitzumachen. Der dortige Oberarzt ist ein super Mentor gewesen, der einen viel hat selbst machen lassen und mich in die „Geheimnisse der Botoxtherapie“ eingeweiht hat.

Die Arbeitszeiten waren hier in jeder Rotation sehr unterschiedlich, aber in der Regel fing man zwischen 6:00 oder 7:00 Uhr an und war meistens um 19:00 Uhr zuhause. Ansonsten fanden mindestens 3-4 Fortbildungen pro Woche statt, die in der Regel sehr lehrreich waren. Da ich glücklicherweise genau zu den Rotationszeiten der amerikanischen Studenten dort war, konnte ich auch sämtliche Vorlesungen und praktischen Kurse wie z.B. Laparoskopiekurs, ATLS usw. mitmachen. Ansonsten muss erwähnt werden, dass man in jeder Rotation auch am Samstag arbeiten muss, aber hier in der Regel nur fünf Stunden.

Das Leben in Pittsburgh

Buntes Treiben in Pittsburgh

Im Verhältnis zu anderen Städten wie z.B. New York ist das Leben in Pittsburgh wesentlich günstiger. Es ist nicht leicht, eine preiswerte möblierte Unterkunft während des Semesters zentral zu finden. Aufgrund der langen und v.a. frühen Arbeitszeiten empfiehlt es sich sehr, sich ein Zimmer in Oakland – dem Campus – zu suchen. Weitere schöne und sichere Bezirke sind „Shadyside“ und „Squirrel Hill“. Am besten, Ihr schaut Euch bei craigslist.com um und schaltet eventuell auch selbst eine Anzeige.

Pittsburgh und Umgebung bieten eine große Vielfalt an Freizeitaktivitäten. Nur leider hat man ohne Auto nicht sehr viele Möglichkeiten großartig herumzukommen. Doch dieses kann günstig gemietet werden. Aber ansonsten lernt man an der Universität sehr viele andere Studenten kennen, mit denen man gemeinsam etwas unternehmen kann.

Mein Fazit

Pittsburgh at Night

Am Ende fällt es mir sehr schwer zu sagen, ob ich es generell weiterempfehlen kann, einen Teil des Praktischen Jahres hier in der Chirurgie zu machen. Auch die Medizinstudenten in anderen chirurgischen Abteilungen haben weitestgehend viel Negatives berichtet. Letztlich würde ich davon abraten in der Traumatologie, Allgemein- und Viszeralchirurgie eine Rotation zu machen.

Durchaus empfehlenswert, aber nun auch sehr speziell, sind die Plastische Chirurgie, die Kinderchirurgie und die endokrinologische Chirurgie. Und wer später plant, seinen Facharzt bzw. seine Facharztweiterbildung („Residency“) in den USA zu machen, sollte nicht zögern, bereits im PJ erste Erfahrungen vor Ort zu sammeln. Die hohen Studiengebühren wirken zunächst sicher abschreckend, aber die University of Pittsburgh und im Speziellen das „Residency-Program“ für die Plastische Chirurgie gehören zu den Besten des Landes.

L., A.

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2011
Berlin, Juli 2011

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

Ähnliche Artikel:

  • Famulatur in USA – RadiologieFamulatur in USA – Radiologie USA, Pittsburgh, Presbyterian Hospital (05.09.-02.10.2010) Zur Famulatur in die USA. Hiervon träumen viele Medizinstudenten. Ich habe mir diesen Traum in Pittsburgh am University of […]
  • PJ in USA – Innere MedizinPJ in USA – Innere Medizin USA, San Diego, University of California San Diego (19.10.-13.12.2009) Nachdem ich die erste Hälfte meines Innere-Tertials in Kanada, genauer gesagt in Montreal an der McGill University […]
  • Famulatur in den USA – Gefäßchirurgie und Onkologische ChirurgieFamulatur in den USA – Gefäßchirurgie und Onkologische Chirurgie USA, New York City, Mount Sinai Hospital und Veterans Affairs Hospital (01.08.-08.10.2009) Über den großen Teich. Mein Ziel – eine Famulatur in New York City, einer der faszinierendsten […]
  • Praktisches Jahr in Dänemark – ChirurgiePraktisches Jahr in Dänemark – Chirurgie Dänemark, Vejle, Vejle Sygehus (07.12.2009-26.03.2010) Nach 16 Wochen in Dänemark stand für uns fest, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten. Wir würden auf jeden Fall […]
  • PJ in Island – ChirurgiePJ in Island – Chirurgie Island, Reykjavik, Landspitali Reykjavik (12.04.-06.06.2010) Island, bekannt für seine Geysire und seit diesem Jahr auch berüchtigt für seine Vulkane. Für mich sollte es das Ziel für einen […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *