Famulatur in Samoa – Gynäkologie und Geburtshilfe

17. August 2011

in Chancen im Ausland, Famulatur im Ausland, Gynäkologie und Geburtshilfe, Samoa

Samoa, Apia, National Health Complex Motootua (14.03.-15.04.2011)

Famulieren im Südpazifik – genauer gesagt in Western Samoa! Ein Traum wurde wahr. Ich sollte so ziemlich alles sehen, was man als Famulant speziell in der Geburtshilfe sehen kann. Wer eigenständig Kinder auf die Welt bringen möchte, ist hier genau richtig. Ich lernte dabei nicht nur von oft im Ausland ausgebildeten samoanischen Ärzten, sondern auch von den vielen Gastärzten. Eine in allen Belangen gelungene Famulatur. Besser geht es nicht.

Meine Motivation

Samoa – eine Perle Polynesiens im Südpazifik
Samoa – eine Perle Polynesiens im Südpazifik

Bevor man eine Auslandsfamulatur plant, stellt sich natürlich die Frage nach dem Warum. Für mich war die Antwort ganz einfach, weil man erstens die Möglichkeit dazu hat und diese auch nutzen sollte, und zweitens, weil es eine wunderbare Gelegenheit ist, im Zweifel Dinge wie praktisches Lernen, Menschen helfen (sollte nicht überbewertet werden, da man über limitierte Fähigkeiten verfügt), fremde Kulturen kennen lernen und Urlaub machen, wunderbar verbinden kann.

Warum hatte ich mich also für Samoa entschieden? Dies war ebenfalls ganz einfach. Als ich vor zwei Jahren, im März 2009, dort war, hatte mir das Land richtig gut gefallen. Damals wollte ich einfach nur so weit weg wie möglich und weiter als Samoa kommt man nun mal nicht. Außerdem liegt es mitten im Südpazifik, abgelegen von den großen Touristenströmen dieser Welt als eine Perle Polynesiens. Und genau das ist es auch. Land und Leute hatten mir so gut gefallen, dass ich da unbedingt wieder hin wollte.

Bewerbung und Vorbereitung konnten beginnen

Resucitation Area der Klinik

Bereits 2009 hatte ich Kontakte zum Krankenhaus geknüpft, was allerdings nicht nötig gewesen wäre, denn mit Email geht heute alles. Die Frage, wo genau man auf Samoa hin geht, hat sich dabei nicht gestellt, da das Land sehr klein ist und mit Ausnahme kleiner Buschkliniken nur ein Krankenhaus besitzt. Dieses liegt in der Hauptstadt und gehört der Oceania University of Medicine an, der einzigen medizinischen Fakultät des Landes und neben Fiji, einer von zweien in Polynesien.

Wer schon einmal in einem tropischen Land war, braucht nichts weiter für die Reise zu beachten. Die allgemeinen Vorbereitungen reichen aus, und alles, was man vergisst, bekommt man in der Regel auf der Insel. Wer gerne Schnorcheln geht, kann sich Brille und Flossen mitnehmen, aber selbst das bekommt man nach längerer Suche auf der Insel.

Zeitlich sollte man die Planung sicher früh angehen. Von der Universität selbst ist kein Vorlauf vorgegeben, da es aber Monate dauern kann, bis man eine Antwort erhält, ist es sicher klug, mindestens sechs Monate vor Antritt der Reise die Oceania University of Medicine anzuschreiben. Auch der Flugpreis steigt mit jedem Tag, den man später bucht. Auch da ist zu empfehlen, mindestens sechs Monate vorher zu buchen. Was Literaturempfehlungen betrifft, ist der „Loneley Planet“ nicht verkehrt, muss aber nicht sein. Ich habe nichts Besonderes gelesen, die besten Informationen zu allen Teilbereichen bekommt man ohnehin vor Ort.

Das Visum beantragt man bei der Samoanischen Botschaft in Brüssel. Das dauert ca. zwei Monate, alle relevanten Informationen findet man im Internet. Man beantragt ein Visum für einen kurzfristigen, studentischen Arbeitsaufenthalt. Dazu muss man geimpft sein, wenn ich mich richtig erinnere, und 100 EUR zahlen. Diese legt man ganz altmodisch in den Briefumschlag, überweisen geht nicht. Unglaublich, funktioniert aber.

Es reichen die Standardimpfungen. Eventuell kann man sich noch gegen Typhus impfen lassen, gefordert wird dies alles aber nicht. Teuflische Dinge wie Tollwut oder Malaria gibt es auf Samoa nicht, also muss man sich auch da keine Sorgen machen.

Eine Haftpflichtversicherung ist als Medizinstudent nie verkehrt. Wird aber nicht gefordert. An eine Auslandsreisekrankenversicherung sollte man denken.

Meine Arbeit in der Klinik

Im Outpatient Department

Am ersten Tag wählt man die Station, auf der man arbeiten möchte, und dann geht’s los. Unter Umständen besteht auch mal die Möglichkeit, zusätzlich zum normalen Tagesablauf auf der eigenen Station für zwei, drei Stunden bei interessanten Dingen auf einer anderen Station vorbei zu schauen und zu helfen.

Ich selbst habe in der Geburtshilfe gearbeitet, weil ich mir dachte, dass bei sechs Kindern oder mehr, die eine samoanische Familie bekommt, sicher was zu lernen sei. Ich sollte Recht behalten. Von der einfachen Untersuchung einer Schwangeren über die Behandlung einer peripartalen Sepsis bis zum Kaiserschnitt habe ich so ziemlich alles gesehen, was man als Famulant in der Geburtshilfe sehen kann. Wer anschließend eigenständig Kinder auf die Welt bringen möchte, ist hier genau richtig.

Wenn man sich mit Ärzten und Hebammen versteht, darf man nach kurzer Zeit so ziemlich alles machen, was geht. Man lernt dabei nicht nur von samoanischen Ärzten, die oft in Australien oder Neuseeland ausgebildet wurden und über entsprechendes Wissen verfügen, sondern auch von den vielen Gastärzten, die die Klinik besuchen. Bei mir war es z.B. ein Professor der University of Auckland, der mir und den anderen Famulanten in zahlreichen Tutorials viel beigebracht hat. Ein Kollege von mir war beispielsweise mit einer Gruppe internationaler Augenärzte unterwegs und konnte dabei nach eigenen Angaben sehr viel lernen.

Ein typischer Tag sieht so aus, dass man gegen 9:00 Uhr in die Klinik kommt und dann mit der Stationsvisite beginnt. Anschließend kann man sich entscheiden, entweder Geburten zu begleiten oder später auch selbst durchzuführen, oder sich um die Schwangerensprechstunde zu kümmern. Dabei untersucht man schwangere Frauen, macht gelegentlich einen Ultraschall und bewertet das Ganze. Sobald einem etwas komisch vorkommt, holt man einen Arzt dazu. Selbstverständlich wird man in allem eingearbeitet, und macht es auch nur, wenn man will.

Wie viel man lernen kann, hängt vom eigenen und persönlichen Engagement ab. Auf der einen Seite kann man den normalen Dienst auf seiner Station ableisten, man kann aber auch um 2:00 Uhr nachts im OP stehen und einen Kaiserschnitt leiten, beides ist möglich. Je nachdem was an stand und wie viele Ärzte gerade da waren, hatte ich mich deshalb entschieden, zusätzliche Stunden in der Klinik zu verbringen. Um 12:00 Uhr mittags ist in der Regel eine Pause, danach geht es mit der Arbeit auf Station weiter und es erwartet einen eventuell gleich eine weitere Geburt.

Arbeiten in den Medical Outreaches

Arbeiten in den Medical Outreaches Menono

Eine weitere sehr schöne Sache sind die „Medical Outreaches“, die regelmäßig stattfinden. Dabei fährt man meistens samstags mit einem Klinikteam, bestehend aus Ärzten, Schwestern und Logistikern, in entlegene Dörfer oder auf kleine Inseln, um die dortige Bevölkerung zu screenen.

Als Student wird man meistens dazu eingeteilt, Blutdrücke zu messen, später auch ganze Untersuchungen zu leiten und eventuelle Auffälligkeiten zu melden. An dieser Stelle sei erwähnt, dass es sicher vorteilhaft ist, sich mit körperlicher Untersuchung auszukennen, um auch helfen zu können. Im Gegensatz zu vielen anderen Famulaturen z.B. in Afrika, ist es aber kein muss. Man kann auch nach Samoa kommen und noch nichts können, man wird nicht als störend wahrgenommen.

Wohnen auf Samoa

Ich habe im Tatiana Motel, ca. 10 min zu Fuß vom Krankenhaus entfernt, übernachtet. Das Motel hat sich darauf spezialisiert, Famulanten und Ärzte aus dem Krankenhaus aufzunehmen, ist also die perfekte Adresse. Es gibt dabei auch spezielle Tarife, wenn man beispielsweise einen Monat bleibt. Die Übernachtung kostet ca. 13 EUR pro Nacht incl. Frühstück und bester Versorgung. Ist man mal für eine Nacht nicht da, kann man das Zimmer räumen und sich am Ende ausbezahlen lassen.

Die Eigentümer sind unglaublich nett und helfen mit allerlei Dingen. Meistens trifft man dort auch auf die anderen Studenten, die aus allen Teilen der Welt nach Samoa kommen. Zu finden ist das Motel im Internet, incl. Kontaktdaten und allem, was wichtig ist. Einfach bei Google (Tatiana Motel Apia) eingeben.

Finanzierung der Auslands-Famulatur

Der Flug ist mit Abstand das Teuerste. Man muss mit mind. 1.400 EUR rechnen, eher mehr. Das Beste ist ein „Around the World Ticket“. Bei mir hieß das: München-Tokyo-Auckland-Apia-Auckland-Los Angeles-München. Vor Ort kommt man mit ca. 25 EUR am Tag, wenn man spart, aus, und da ist die Übernachtung schon dabei. Es kommt natürlich darauf an, wie aufwendig man lebt, nach oben gibt es sicher keine Grenze.

Finanziert habe ich mir das Ganze über ein Stipendium meiner Universität, der Ludwig-Maximilians Universität, über das sog. PROSA-Programm. Man sollte sich genau über die jeweiligen Stipendien informieren, auch der DAAD bietet viel, und sich früh genug bewerben. Aber selbst so ein Stipendium finanziert einem nicht alles, mit einer Eigenbeteiligung von mindestens 1.000 EUR ist zu rechnen, eher mehr. Allerdings ist es eine sehr gute Investition, die man da tätigt.

Leben auf Samoa

Traumhafte Coconut Beach

Die Samoaner sind sicher das, was diese Famulatur so besonders macht. Es ist ein unglaublich freundliches Volk, auf das man da trifft. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern wird man so gut wie nie abgezockt, ganz im Gegenteil. Man wird unzählige Male eingeladen, ohne dass etwas im Gegenzug erwartet wird. Ich habe so etwas noch in keinem anderen Land erlebt, und ich war schon sehr viel unterwegs.

Die Hauptstadt Apia selbst, in der man ja lebt, kommt einem zu Beginn nicht besonders schön vor. Allerdings macht es einem das Nachtleben sehr leicht, die Stadt lieben zu lernen. War man längere Zeit auf dem Land unterwegs, kommt einem Apia vor wie das neue New York. Dabei gibt es nur eine Ausnahme und die gilt überall im Land. Und zwar der Sonntag. Sonntags ist in Samoa gar nichts los, aber wirklich gar nichts. Nichts hat geöffnet, alle Leute sind zu Hause. Am besten man fährt zum Strand.

Das Land selbst ist natürlich traumhaft, so wie man sich den Südpazifik eben vorstellt. Bunte Vögel, dichter Urwald und zuckerweiße Strände. Es ist sehr empfehlenswert, im Anschluss an die Famulatur noch mindestens zwei Wochen dran zu hängen, um das Land zu entdecken. Es gibt alles, was das Herz begehrt. Die schönsten Strände, gutes Bier, von den deutschen Kolonisatoren vor über 100 Jahren nach Samoa gebracht und entsprechend dem bayerischen Reinheitsgebot gebraut, und eben extrem nette Leute.

Samoa ist ein sehr sicherer Ort. Man kann nachts um 3:00 Uhr durch die Hauptstadt laufen, ohne dass etwas passiert. Man braucht sich wirklich vor nichts zu fürchten, außer vor den streunenden Hunden. Allerdings wird einem auch da sehr schnell erklärt, wie man diese los wird. Es sei generell gesagt, dass dieser Ort trotzdem nichts für ängstliche Leute ist. Nicht, weil es gefährlich ist (wie oben bereits erwähnt), sondern weil man als ängstlicher Zeitgenosse das Beste verpasst. Man sollte sich eben kein Auto mieten und nicht in überteuerte Hotels einbuchen, da erlebt man gar nichts. Besser man trampt, sehr einfach, man wird meistens von Leuten der Oberschicht mitgenommen, fährt Bus und schläft in einer Hütte am Strand. Nicht einmal vor den Mücken muss man sich sorgen, Malaria gibt es schließlich nicht.

Mein Fazit

Beeindruckende Natur

Am Ende kann ich nur sagen, dass es eine in allen Belangen gelungene Famulatur war. Besser geht es nicht. Das einzige, was einen stören kann, ist der hohe Flugpreis, den man zahlen muss. Aber auch da kann ich nur sagen, es lohnt sich. Man muss sich einfach trauen, es zu machen, die meisten von uns haben nur diese eine Chance im Leben. Für mich steht jedenfalls fest, dass ich mit Sicherheit ein Tertial meines PJs dort verbringen werde. Samoa ist definitiv ein Land, in dem es sich aushalten lässt. Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

F., M.
München, Juli 2011

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14 Kommentare

  • Hallo:)
    Deine Erfahrungen scheinen ja wirklich positiv gewesen zu sein..dein Bericht liest sich ziemlich gut!
    Ich denke auch, dass Famulatur und PJ tolle Möglichkeiten sind, um sowas zu machen…an einem fernen Ort zu leben und zu arbeiten!:)
    Kommt man mit Englisch ganz gut zurecht, besonders bei Patientenkontakt?
    Würde mich auch sehr freuen von Dir (oder auch jemand anderem, der dort Erfahrungen gesammelt hat) zu hören und vielleicht auch die Kontaktdaten der Klinik zu bekommen…Emailadresse der zu kontaktierenden Person etc.
    Vielen Lieben Dank im Voraus!
    Marlene

  • Hey!

    das hört sich genau nach meinem Geschmack an!
    Wäre auch sehr an den Kontaktdaten zur Klinik interessiert =)
    Wie weit kommt man denn mit Englisch dort?

    Grüße
    Jana

  • Hallo, das klingt wirklich perfekt, vielen Dank für den tollen Bericht! Genau so etwas hatte ich mir für mein PJ vorgestellt. Hast du inzwischen schon dein Tertial dort abgeleistet? Und wenn ja, könntest du mir eventuell die Kontaktdaten mitteilen? Vielen Dank im Voraus!
    Liebe Grüße,
    Christina

  • Hallo F.,
    danke für diesen interessanten und motievierenden Bericht aus Samoa. Bin erst heute (Juni 2015) darauf gestoßen, da ich mich auch für Polynesien und vorallem Samoa interessiere.
    Wäre ebenso an den konkreten Kontaktdaten, Emailder Klinik interessiert.
    Vielen Dank und herzliche Grüße
    R.F. Meloni

  • Hey!
    Ein wirklich toller und faszinierender Bericht! Ich würd super gern Gyn als Wahltertial machen… Darf ich Dich auch um die Kontaktdaten der entsprechenden Ansprechpartner bitten? Wie viele PJler nehmen, die denn so gleichzeitig?
    Vielen Dank!

  • Hallo,
    vielen lieben Dank für den sehr ausführlichen Bericht. Du hast in deinem Text erwähnt, dass du ein PJ Tertial eventuell dort machen möchtest. Hast du mittlerweile ein Tertial dort absolviert? Gibt es eine Hompage von dem Krankenhaus ( Ich kann nämlich keine finden) ?
    Vielen Dank und Liebe Grüße

  • Hallo,

    ich gehe nächstes Jahr für einen Teil meines praktischen Jahres nach Samoa. Allerdings habe ich noch ein paar Fragen bezüglich des Visums. Könntest du mir da vielleicht helfen?

    Vielen Dank!

    Julia

  • Hallo hallo,

    was für ein schöner Bericht, da packt einen ja direkt das Fernweh! Ich schließe mich den Fragen meiner Vorgänger an, könntest Du mir evt. einen Ansprechpartner mit e-Mail Adresse nennen?

    Vielen Dank und viele Grüße

  • Hallo,

    Das hört sich ja alles echt klasse an!
    Wie meine Vorredner würde ich mich über die Kontaktadressen echt freuen.

    Liebe Grüße,
    simon

  • Hallo F.und M;)
    Euer Bericht liest sich sehr interessant;)
    Könntet ihr mir wohl helfen die Kontaktdaten für das Krankenhaus zu finden!
    Vielen Dank und schöne Grüße!

  • Hallo!
    Ich versuche auch die Verantwortlichen in Samoa zu erreichen um eine Famulatur zu organisieren. Wie war Deine Vorgehensweise, wie lange hast Du auf eine Antwort gewartet, hättest Du vielleicht ein E-Mail Adresse?

    Ich würde mich über Deine Antwort sehr freuen.

    Viele Grüße,
    Nina

  • Hallo!
    Hört sich nach einem spannenden Aufenthalt an.
    Würde mich auch sehr über Tipps für eine Bewerbung und die Kontaktdaten der Klinik freuen 🙂
    Vielen Dank und lieben Gruß!

  • Hallo,
    wir haben deinen Bericht gelesen und fanden ihn sehr interessant.
    Uns würde nur interessieren wie das Wetter war, denn wir würden gerne im gleichen Zeitraum gehen, aber das Internet und die Klimakarte sagen eine hohe Niederschlagsrate vorher.
    Wie sieht das mit der Regenzeit dort aus?
    An wen muss man sich für Bewerbungen am besten wenden und hast du noch irgendwelche Tipps.Danke schon mal im Vorraus.
    Grüße aus Würzburg
    Victoria und Franzi

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