Famulatur in Malawi – Innere Medizin

21. Juli 2011

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Malawi, Blantyre, Queen Elizabeth Central Hospital Blantyre  (01.03.2011 – 31.03.2011)

„The warm heart of Africa“ – so wird Malawi in allen Reiseführern bezeichnet und wer die Chance hat, einmal dieses Land zu besuchen und seine Menschen und Eigenheiten kennenzulernen, wird dies bestätigt finden. Meine Zeit in Malawi werde ich wohl nie vergessen und trotz aller Befürchtungen, Ängste und Schwierigkeiten zu Beginn der Reise, am Ende wollte ich gar nicht wieder weg. Ich kann jedem nur empfehlen, diese Erfahrung zu machen, dieses Land zu sehen und sich auf ein kleines Abenteuer einzulassen! Ich habe es nicht bereut!

Malawi – Wo liegt das überhaupt?

Welcome to Queen Elizabeth Central Hospital

Natürlich habe ich oft die Frage gehört „Warum eigentlich Malawi?“, denn viele meiner Verwandten oder Freunde hatten vorher noch nie etwas von diesem kleinen Land gehört, außer vielleicht, dass Madonna ihre Kinder dort adoptiert hat, geschweige denn, dass sie wussten, wo Malawi liegt.

Bevor ich beschloss, sechs Wochen dort zu verbringen, wusste ich ehrlich gesagt auch nicht viel über dieses Land, deswegen war es immer schwer für mich, die Frage nach meiner Motivation zu beantworten. Ich wollte nach Afrika, das stand fest, doch welches Land war mir dabei erst mal ziemlich egal. Ich wollte in Afrika famulieren und neue Erfahrungen sammeln, meinen europäischen Horizont erweitern und mal etwas anderes sehen. Da ich oft überlegt hatte, nach meinem Studium vielleicht auf dem Gebiet der Entwicklungszusammenarbeit tätig zu sein und mich Bereiche wie Tropenmedizin und International Health immer interessiert hatten, sah ich in einer Famulatur in Afrika eine gute Chance, um auszutesten, ob es wirklich das Richtige wäre, ob es mir überhaupt gefallen würde und ob ich mit dieser Art von Arbeit umgehen könnte.

So stand mein Entschluss also fest. Zudem wusste ich, dass in Berlin das Institut für Tropenmedizin ein Seminar mit anschließendem Auslandsaufenthalt organisiert und meldete mich mit einer Freundin zusammen an. Der erste Schritt war getan.

Aber warum entschied ich mich nun für Malawi? Ehrlich gesagt, war der Grund ein Erfahrungsbericht. Zwei Medizinstudentinnen, die im Jahr zuvor in Malawi famulierten, präsentierten im Rahmen einer Ringvorlesung ihre Erlebnisse und Erfahrungen und konnten meine Freundin als auch mich mitreißen. Malawi klang aufregend und spannend, freundlich und aufgeschlossen, wunderschön und faszinierend. Außerdem ist das Krankenhaus in Blantyre, zu dem das Institut für Tropenmedizin in Berlin Kontakt hat, ein Universitätsklinikum. Das bedeutete zum einen, dass es größer ist und über mehr Möglichkeiten verfügt als vielleicht die kleineren Rural oder District Hospitals und zum anderen, dass es auch malawische Studenten gibt und man viel von denen lernen kann.

Und nun kann ich definitiv sagen, dass Malawi die absolut richtige Entscheidung war.

Bewerbung

Unsere Famulatur Plätze im Queen Elizabeth Central Hospital in Blantyre bekamen wir über das Tropeninstitut sichergestellt, allerdings mussten wir trotz alledem noch ein Empfehlungsschreiben und einen Lebenslauf einreichen. Das heißt, wenn man sich in Blantyre bewerben möchte, dann sollte man darauf vorbereitet sein. Dann erhält man eine kleine Broschüre für „elective students“ mit Hinweisen und Tipps, die ganz hilfreich sein können.

Ansonsten verlangt das Krankenhaus pro Woche Praktikum 50 $ und 100 $ für das „medical council“, auch darauf sollte man sich einstellen. Es gibt eine Frau am dortigen College of Medicine, die für die Austauschstudenten und die Praktikanten zuständig ist und mit dieser sollte man sich einfach in Verbindung setzen und diese organisatorischen Dinge klären.

Die Vorbereitungen konnten beginnen!

Leider stand erst relativ spät fest, dass die Reise nach Malawi gehen würde, so dass mir ungefähr vier Monate für die Vorbereitungen blieben. Das Institut für Tropenmedizin in Berlin bietet verschiedene Krankenhäuser in verschiedenen Ländern an und die endgültige Entscheidung, wer wohin fliegen würde, fiel erst Anfang November.

  • Anreise

Zuerst informierte ich mich über mögliche Flüge, denn man sollte möglichst frühzeitig buchen, um billig wegzukommen. Von Deutschland aus fliegt vor allem South African Airlines von Frankfurt oder München über Johannesburg nach Malawi, und zwar sowohl nach Blantyre als auch nach Lilongwe – die Hauptstadt. Die Flüge mit South African Airlines kosten zwischen 1.000 und 1.400 EUR für Hin- und Rückflug. Wir entschieden uns aber dafür, von London mit Ethiopian Airlines über Addis Abeba zu fliegen, was wesentlich günstiger war, denn wir zahlten am Ende, mit einem extra gebuchten Flug nach London, 800 EUR. Wir landeten allerdings nicht direkt in Blantyre, sondern in der Hauptstadt Lilongwe und reisten nach einer Nacht dort mit dem Axa-Bus weiter nach Blantyre.

  • Visum

Wenn man in Malawi einreist, bekommt man automatisch ein Visum für 30 Tage, egal, ob man zum Arbeiten dort ist oder nur als Tourist, aber wichtig ist es immer, sich vorher nochmal auf der Seite des Auswärtigen Amts zu informieren. Nach diesen 30 Tagen musste ich zum Immigration Office in Blantyre, um mein Visum verlängern zu lassen. Laut „Lonely planet“ ist die Verlängerung für weitere 30 Tage ebenfalls kostenfrei, doch vor Ort musste ich feststellen, dass das nicht so ist. Man zahlt für die Verlängerung ungefähr 20 EUR. Im Immigration Office sollte man möglichst früh da sein, Zeit einplanen und geduldig sein.

  • Impfungen

Für notwendige Impfungen sollte man sich am besten im Tropeninstitut erkundigen. Ich war zur reisemedizinischen Beratung bei meinem Hausarzt und hatte mich z.B. auch gegen Tollwut impfen lassen, was vielleicht nicht unbedingt notwendig gewesen wäre. Ansonsten hatte ich die Impfungen gegen Typhus, Tetanus und Meningokokken erhalten – gegen Hepatitis A und B war ich schon geimpft, aber auch wichtig! Später kam auch eine Gelbfieberimpfung, max. 10 Tage vor Abreise möglich, dazu.

Malawi ist zwar kein Gelbfieberrisikogebiet, aber wenn man aus einem solchen anreist, dann muss man bei der Einreise eine Impfung vorweisen können, da es sonst passieren kann, dass man eine Zwangsimpfung am Flughafen erhält. Zuerst waren wir uns nicht sicher, ob dies auch für uns gilt, da wir nur „Transit-Passagiere“ in Addis Abeba/Äthiopien (Äthiopien ist Gelbfiebergebiet) waren und somit nie das Land betreten würden. Das Auswärtige Amt hatte uns die Impfung trotzdem empfohlen und wir ließen uns schließlich impfen. Wie sich heraus stellte, war das eine gute Idee, da am Flughafen in Malawi tatsächlich unsere Impfausweise kontrolliert wurden und auch eine Reisegruppe dort eine Zwangsimpfung erhielt. Also am besten vorher informieren, ob die Länder, in denen man beim Flug umsteigen muss, Gelbfieberrisikogebiet sind!

  • Versicherungen

Ich hatte bereits eine Auslandskrankenversicherung. Diese habe ich schon lange bestehen und sie war zum Glück genau für meine 40 Tage in Malawi gültig. Haftpflichtversichert im Krankenhaus bin ich auch über die Charité Universitätsmedizin Berlin. Zu diesem Punkt sollte man sich vielleicht einfach an seiner Universität erkundigen.

Vorbereitungen auf die Arbeit im Hospital

Ich hatte glücklicherweise direkt vor meiner Abreise ein 2-wöchiges Seminar zum Thema Tropenmedizin besucht, so dass ich einen Überblick und einen kurzen Abriss zu verschiedenen Tropenkrankheiten sowie zu gesellschaftlichen Problem in Entwicklungsländern und zur HIV-Problematik bekam. Dies war insgesamt sehr hilfreich und ich kann nur jedem empfehlen, sich vorher mit diesen Themen auseinanderzusetzen.

Des Weiteren packte ich ein kleines Handbuch „Tropical diseases“ – gut ist das Oxford Clinical Handbook – ein und ein Wörterbuch „Medical English“, was ebenfalls hilfreich war, da man am Anfang immer mal die englischen medizinischen Fachausdrücke nachschlagen muss.

Einen Reiseführer für Malawi zu finden, war nicht ganz so einfach, aber es gibt tatsächlich einen „Lonely Planet“ für Malawi und Sambia, der uns sehr weitergeholfen hat, vor allem, wenn wir nach einer Unterkunft oder nach einer Möglichkeit zu essen suchten. Außerdem hatten wir noch den Reiseführer von „Bradt“ für Malawi dabei. Auch dieser ist gut geschrieben und war oft hilfreich. Vor allem hatte er den Vorteil, dass Telefonnummern bei den verschiedenen Hostels mit angegeben wurden.

Das Queen Elizabeth Central Hospital

Nutrition Centre des Queen Elizabeth Central Hospitals

Das Queen Elizabeth Central Hospital (QECH) Blantyre ist das einzige Universitätskrankenhaus von Malawi und angeschlossen an das College of Medicine. Zum einen bedeutete das, dass es ein Krankenhaus mit vergleichsweise vielen Betten und verschiedenen Abteilungen ist: Innere Medizin, Chirurgie mit Anästhesie und Intensivstation, Gynäkologie, Pädiatrie, Ophthalmologie, Radiologie mit Röntgen und sogar ein MRT, durch Forschungsgelder finanziert, sowie diverse „outpatient-clinics“. Zum anderen werden dort alle Studenten des Landes unterrichtet und die Ärzte lehren auch.

Ich war während meiner Famulatur auf der internistischen Station tätig und habe mir aber auch verschiedene andere Dinge angeguckt. Letztendlich ist es kein Problem, auch in anderen Bereichen einen Einblick zu erhalten und man kann so auf den Stationen rotieren. Ich persönlich fand es jedoch am Ende gut, sich in einer Fachrichtung ein wenig mehr einzuarbeiten, die zuständigen Ärzte und vor allem auch die Fälle zu kennen, so dass man sie mit verfolgen und daraus lernen konnte. Es lohnt sich jedoch auf jeden Fall, einmal für ein paar Tage in die Chirurgie und auf die Intensivstation zu gehen, wobei man sich vorher anmelden sollte.

Die Abteilung für Innere Medizin teilt sich nochmal auf in verschiedene Stationen. Es gibt eine Männerstation, eine Frauenstation, eine Aufnahmestation und eine Tuberkulose-Station. Eine Station bedeutet hierbei ein Saal mit ungefähr 40-50 Betten, in dem aber meistens 70-80 Patienten liegen. Jeder Patient sollte idealerweise auch einen „guardian“ haben, einen Verwandten oder einen Bekannten, der den Patienten ins Krankenhaus begleitet und dort für Pflege als auch Essen zuständig ist und auf den Zustand acht gibt. Dies bedeutet, dass es in der Regel auf den Stationen ziemlich voll ist und man sich erst einmal daran gewöhnen muss.

Meine Arbeit im Hospital

Auf der internistischen Station

Der Tag im „Department of Medicine“ begann jeden Morgen 8:00 Uhr mit der Frühbesprechung. Während dieser präsentierten zuerst immer zwei Medizinstudenten aus dem 5.Studienjahr einen ihrer Fälle und man besprach zusammen Differentialdiagnosen sowie die Therapie. Die Medizinstudenten werden teilweise hart ausgebildet, müssen sich schwierigen Fragen stellen und oft auch die Untersuchungen, die sie durchgeführt haben als auch die Therapien, die sie angesetzt haben, vor allen anderen Ärzten rechtfertigen und sich deren Kritik stellen. Die ausbildenden Ärzte sind zum größten Teil Fachärzte aus Großbritannien und es ist zu spüren, dass die Ausbildung vom britischen System geprägt ist.

Die Medizinstudenten in den höheren Semestern tragen sehr viel Verantwortung und sind in ihren praktischen Fähigkeiten sehr gut ausgebildet, so dass es immer gut war, sich an die Studenten zu wenden, um sich von ihnen helfen zu lassen oder mit ihnen zusammen zu arbeiten.

Gegen 9:00 Uhr ging es meistens auf die Station oder zum Unterricht. Als Famulant hat man im Prinzip alle Freiheiten. Man kann sowohl den studentischen Unterricht mitmachen, als auch auf die Station gehen. Wenn die Studenten allerdings Unterricht haben, trifft man kaum jemanden auf der Station und so ist es durchaus sinnvoll, ab und zu sich mit in die Seminare zu setzen. Zum einen, um Kontakte zu den Medizinstudenten zu knüpfen und zum anderen kann es auch sehr interessant sein zu sehen, was dort Teil der Ausbildung ist. Hierbei kann man einiges über ihr ethisches oder auch gesellschaftliches Verständnis lernen.

Die Visite fand zweimal pro Woche statt. Jeden Montag und jeden Donnerstag wurden dann zusammen mit den Fachärzten alle Fälle intensiv besprochen und zugleich wurde eine weitere Planung erstellt. Die Visite war dementsprechend immer sehr lang, meistens 2-3 Stunden, aber dabei sehr lehrreich.

An den restlichen Tagen konnte man sich auf Station um seine Patienten kümmern, das hieß, dass man jeden Tag nochmal kurz nach ihnen schaute, sie untersuchte und vor allem hieß es, Untersuchungen und Blutentnahmen in die Wege zu leiten. Das klingt erst einmal nicht nach viel Arbeit, aber allein das richtige Labor zu finden, in welches man seine Blutprobe bringen musste, wurde manchmal zur Herausforderung. Schließlich gab es verschiedene Labore und jedes konnte nur bestimmte Werte bestimmen, so dass ich in den ersten Tagen viel durch die Gänge des QECH geirrt bin, auf der Suche nach dem richtigen.

Ansonsten fordert man in der Radiologie Röntgen an, man macht Urin Stix oder bringt Urinproben ins Labor. Man sollte die Ergebnisse seiner Blutprobe auch wieder selbst vom Labor abholen, da es sonst passieren kann, dass sie irgendwo verloren gehen. Man kann auch Lumbal-, Pleura- oder Aszitespunktionen selbst machen, da die Medizinstudenten des 5. Jahres dies sonst auch machen und einem immer gern zeigen. Und so versucht man eben, die Fälle zu „lösen“ und zur richtigen Diagnose als auch Therapie zu kommen.

Am Anfang hatten wir immer viel mit den Studenten zusammen gearbeitet und sie bei ihrer Tätigkeit unterstützt. Später haben auch wir Patienten allein betreuen können, aber man hält natürlich immer Rücksprache mit dem zuständigen Facharzt.

Die Schwierigkeit sowohl bei der Visite als auch bei der selbständigen Stationsarbeit war leider oft die Sprachbarriere. Amtssprachen in Malawi sind sowohl Englisch als auch „Chechewa“, eine Stammessprache, und viele der Einwohner sprechen gutes Englisch, so dass wir außerhalb des Krankenhauses wenige Probleme hatten. Doch leider sprachen die Patienten oft nur „Chechewa“, so dass man auf das Pflegepersonal angewiesen war, das übersetzen musste, oder man arbeitete eben mit einem anderen Studenten zusammen.

Nach einer Mittagspause von 12:00-14:00 Uhr, zu der man gezwungen war, da zu dieser Zeit Besuchszeit auf den Stationen war und man deswegen vor lauter Menschen nicht mehr treten konnte, konnte man am Nachmittag wieder auf Station, den Unterricht besuchen oder in die „outpatient clinics“. Letzteres war eine Art Ambulanz im Hospital und jeden Tag gab es die ART-Sprechstunde für die Behandlung von HIV-Patienten sowie dann weitere Sprechstunden wie „Chest Clinic“, „Neuroclinic“, „Diabetes Clinic“ oder „Hypertension Clinic“. Ich war mindestens einmal in jeder Sprechstunde und fand es immer sehr spannend. Vor allem während der ART-Sprechstunde konnte ich viel über HIV als auch über die gesellschaftliche Stigmatisierung dieser Erkrankung lernen. Zudem waren diese Ambulanzen nicht nur interessant, weil man viele Fälle sah, sondern um gleichzeitig mehr über das Verständnis von Gesundheit und Krankheit in der Bevölkerung zu erfahren.

Gegen 16:00 oder 17:00 Uhr verließ ich dann meist das Krankenhaus mit einem Minibus, zumal man noch vor 18:00 Uhr, wenn es dunkel wird, zu Hause sein sollte. Zudem war es nie ein Problem, wenn ich mal früher gegangen bin, weil es nichts mehr zu tun gab.

Insgesamt kann man also seinen Tag frei einteilen und, wenn man nachfragt, im Prinzip alles mitmachen. Ich hatte in meiner ersten Woche vor allem zugeguckt und mich an den Ablauf gewöhnt. In meiner zweiten Woche war ich auf der Tuberkulose-Station, was ich sehr empfehlen kann, da ich viel über Tuberkulose lernen konnte und die Woche sehr spannend war. In den letzten beiden Wochen war ich vor allem auf der Aufnahmestation tätig und habe dort Patienten selbständig aufgenommen, Untersuchungen wie EKG, Blutentnahmen, Malaria-Schnelltest etc. selbst durchgeführt, Differentialdiagnosen überlegt und Vorschläge gemacht, wie man weiter verfahren sollte und dieses mit dem zuständigen „Intern“ abgesprochen. Dabei kann man vor allem lernen, selbst Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Allerdings war dies meine eigene Wahl, das heißt, wenn man dies nicht möchte, dann muss man auch nicht. Man wird nicht gezwungen, allein zu arbeiten. Die Betreuung durch die Ärzte ist ansonsten sehr gut und man kann ebenfalls beim normalen „bedside-teaching“ viel lernen.

Weiterhin besteht die Möglichkeit, mit den Medizinstudenten des 5. Jahres oder einem „Intern“ Bereitschaftsdienste mitzumachen, wobei man hauptsächlich auf der Aufnahmestation tätig ist. Meine Freundin hatte nachgefragt, war einmal mit zum Bereitschaftsdienst im Krankenhaus und war begeistert. Es ist zwar immer ziemlich hektisch und viel zu tun, aber interessant zu sehen, wie es am Abend abläuft. Nach Hause kommt man danach allerdings nur noch mit einem Taxi, da es dann schon dunkel ist, wenn man aus dem Krankenhaus kommt.

Insgesamt konnte ich aus dieser Famulatur sehr viel mitnehmen. Nicht nur fachlich hat sie mich weitergebracht, auch in meiner persönlichen Entwicklung und meinem Weltbild. Die Wochen waren sehr intensiv und auch wenn vieles gut war, so sollte man trotz alledem eine hohe Frustrationstoleranz mitbringen, da eben nicht immer alles sofort funktioniert und zudem immer noch vieles sehr langsam bzw. mitunter chaotisch abläuft. Gerade am Anfang war es schwer, mit all diesen Dingen, der Armut, der hohen Sterblichkeit und der HIV-Problematik, der Arbeitseinstellung und der Organisation im Krankenhaus umzugehen, da man anderes gewohnt war. Doch trotzdem hat mich genau das weiter gebracht und ich könnte mir auch in Zukunft eine solche Arbeit vorstellen.

Leben in Blantyre

Meine Aussicht von der Kabula Lodge

Blantyre ist das kommerzielle Zentrum des Landes und somit eine größere Stadt. Wir haben unser Leben dort geliebt. Untergekommen sind wir während der vier Wochen in der „Kabula Lodge“. Diese liegt leider etwas weiter weg vom Hospital (ca. 4-5km), so dass man meistens auf die Minibusse angewiesen war, um zur Arbeit zu fahren. Dafür liegt die „Kabula Lodge“ zum einen auf einem Hügel und jeden Morgen beim Frühstück genießt man einen atemberaubenden Blick über Blantyre und Umgebung. Zum anderen lernt man hier viele andere Praktikanten, Doktoranden oder Entwicklungshelfer kennen.

Das Leben dort war also immer spannend. Man kam mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt, saß viel zusammen, hat zusammen gegessen, diskutiert oder „bawo“ gespielt. Wir gingen zudem viel zusammen weg in Kneipen oder Bars, waren unterwegs im Land oder haben einen Sonntagsausflug zum Pool des „Sunbird Hotels“ gemacht. Es wurde also nie langweilig und ferner kann man seine Freizeit in Blantyre mit den verschiedensten Dingen ausfüllen bzw. das Leben genießen, so dass die „Kabula Lodge“ am Ende auch für uns ein zu Hause geworden ist und die Menschen dort eine Art kleine Familie waren.

Für die vier Wochen, die wir dort wohnten, haben wir mit Frühstück ungefähr 350 EUR bezahlt. Eine Nacht kostet 12 $ oder 15 $ pro Person, je nach Zimmer. Man hat eine eigene Küche, um sich zu verpflegen und kann dort das frische, leckere Obst und Gemüse vom Markt zubereiten. Zudem lässt sich aber auch gut in Blantyre essen gehen. Lebensmittel sind sehr billig, es ist jedoch ratsam, den „Weißen-Preis“ auf dem Markt ein bisschen runter zu handeln. Das Gleiche gilt für Preise im Minibus.

Malawi – The warm heart of Africa

Am malerischen Lake Malawi

An den Wochenenden haben wir immer das Land erkundet und waren unterwegs. Malawi ist zwar nicht groß, trotzdem haben wir es nur geschafft, den Süden von Malawi zu sehen und dieser war wunderschön. Man sollte auf keinen Fall verpassen, auf den „Mount Mulanje“ zu klettern oder auch das „Zomba Plateau“ zu erklimmen. Ein Abstecher in den „Liwonde National Park“ lohnt sich ebenfalls sehr. Das „Highlight“ des Landes, den Lake Malawi, hatten wir uns für den Schluss aufgehoben – traumhaft schön, ein kleines Stück Paradies.

Das Großartige an Malawi ist, weshalb dieses Land wahrscheinlich nicht nur als „warm heart of Africa“ sondern auch als „Africa for beginners“ bezeichnet wird, dass die Menschen alle aufgeschlossen und hilfreich sind. Wir haben uns selten unwohl oder gar bedroht gefühlt. Man sollte natürlich trotzdem ein gesundes Misstrauen an den Tag legen, vorsichtig sein und vor allem auf Wertsachen aufpassen. Trotzdem kann man schnell mit den Menschen ins Gespräch kommen, nachfragen und sie sind immer bereit zu helfen – das war eine tolle Erfahrung. Malawi hat den Vorteil, dass es klein ist und noch nicht sehr touristisch erschlossen, so dass man nicht überall befürchten muss, über den Tisch gezogen zu werden.

In Blantyre ist es allerdings nicht zu empfehlen, und sicherlich auch im Land generell, im Dunkeln auf der Straße zu sein. Das heißt, vor 18:00 Uhr sollte man immer wieder zurück sein und wenn man abends ausgehen wollte, so war man auf ein Taxi angewiesen.

Unsere Reisen unternahmen wir immer mit den Minibussen. Dieses System in Malawi ist sehr gut und sehr verbreitet, so dass es nie ein Problem war, einen Minibus zu finden. Wir mussten glücklicherweise auch nie lange warten, bis er voll war. Manchmal musste man sich doch sehr an die Fahrweise gewöhnen und auch daran, dass man grundsätzlich wenig Platz hat und den dann oft mit Hühnern teilt. Für uns war es aber immer ein Erlebnis, wir sind immer gut angekommen und es ist eine sehr günstige Variante, um überall hinzukommen, denn es gibt kaum andere öffentliche Verkehrsmittel.

Ansonsten ist es schwer, das Land und die Leute zu beschreiben. Man sollte es einfach selbst sehen, selbst die Menschen als auch die Kultur dort kennenlernen, um dadurch seine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen sammeln.

Mein Fazit

Abendstimmung im Liwonde National Park

Ich würde es immer wieder machen! Es ist schwer, sich nicht in dieses Land zu verlieben. Es ist auch schwer, diese sechs Wochen kurz zusammen zu fassen. Sie waren aufregend, neu und spannend, intensiv, oft auch anstrengend und manchmal auch frustrierend, doch gelohnt hat es sich auf jeden Fall.

Ich habe viel gelernt, viel Fachliches, viel Zwischenmenschliches, viel über die gesellschaftlichen Probleme und Themen, die Schwierigkeiten und Herausforderungen von Entwicklungszusammenarbeit, aber auch viel Persönliches und viel über meine eigene Lebensplanung.

Man sollte sich dessen bewusst sein, dass wenn man sich für Malawi entscheidet, man eine tolle Zeit erleben wird, viele interessante Menschen sowie Dinge kennenlernt und freundlich aufgenommen wird. Aber auch, dass man viel Armut, viele Probleme und Schwierigkeiten im Land sehen wird, gegen viele Wände stößt und es schwer ist, die Vorstellungen und Ansichten in den Köpfen der Menschen zu ändern.

Ich bin sehr dankbar für alle positiven und auch negativen Erfahrungen, denn letztendlich hat mich alles weitergebracht. Ich werde die Zeit und dieses Land nie vergessen.

Z., M.
Berlin, Juni 2011

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