PJ in der Schweiz – Orthopädie

20. Mai 2011

in Chancen im Ausland, Orthopädie, Praktisches Jahr im Ausland, Schweiz

Schweiz, Bruderholz, Kantonsspital Bruderholz (16.08.- 03.12.2010)

Schweiz, oh geliebte Schweiz! Was hat man als Medizinstudent nicht schon alles über dieses kleine Land gehört. Es soll das wahre Mekka für jeden frisch gebackenen PJler sein. Vieles wird einem in unzähligen Erfahrungsberichten versprochen: ein besseres Arbeitsklima und selbständigeres Arbeiten, man lerne jede Menge, es gebe nettere Menschen, mehr Freiheiten, und es wäre ein tolles Land zum Klettern und Wandern… – was will man nur mehr.

Meine Motivation

Die Schweiz und ihre Berge Luzern am Vierwaldstättersee
Die Schweiz und ihre Berge Luzern am Vierwaldstättersee

Im Sommer 2009 begann ich darüber nachzudenken, wo es zum Praktischen Jahr hingehen sollte. Auf alle drei Tertiale in Mecklenburg-Vorpommern hatte ich nicht wirklich Lust. Hier und da hörte ich, dass einige Medizinstudenten in die Schweiz gehen wollten. Der Gedanke mal endlich wieder ein paar Berge um mich herum zu haben, ließ mir keine Ruhe mehr, sodass ich im Internet alle möglichen Erfahrungsberichte, angefangen bei thieme.de, medi-learn.de, medizinernachwuchs.de und pj-ranking.de, durchlas, um mir einen Eindruck zu verschaffen und letztendlich eine Meinung zu bilden. Natürlich hatte ich auch den Anspruch, meine PJ-Ausbildung so lehrreich wie möglich zu gestalten. Nachdem ich die Zustände in der Uniklinik während des Blockpraktikums erlebt hatte, zogen mich die Lobeshymnen zur Schweizer Ausbildung nur noch mehr in ihren Bann. Ja, die Schweiz schien etwas für mich zu sein, die PJ-Berichte motivierten mich… – versprachen sie mir doch den Mediziner-Himmel auf Erden.

Schlussendlich wählte ich unter meinen drei Zusagen das Kantonsspital Bruderholz (KSBH) aus, ein akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Basel. Bruderholz selbst befindet sich im Randgebiet von Basel, was mir als Dorf-Kind sehr entgegen kam. Es stellte sich heraus, dass das KSBH eine gute Wahl bezüglich der ärztlichen Ausbildung war, denn es wurde viel geforscht und die Medizinstudenten arbeiteten schnell an wissenschaftlichen Projekten mit. Vor allem in der Orthopädie entwickelte das Haus eigene Methoden zur Kreuzbandplastik und dem Operationsverfahren bei Knietotalprothesen. Zu meiner Zeit war das „UKBB-Kinderspital bei der Basel“ dem Kantonsspital Bruderholz noch angelagert und ich arbeitete mit Prof. Dr. Hefti – einer Ikone auf dem Gebiet der Kinderorthopädie – zusammen.

Das Bewerbungsverfahren

Blick auf Basel

Je nach Spital ist dies verschieden, manche haben auch Informationen zum Bewerbungsablauf für Medizinstudenten im Internet zusammengefasst. Nachdem ich mir einige potenzielle Spitäler herausgesucht hatte, sendete ich den Sekretärinnen Anfragen per Email. Später änderte ich meine Taktik und schickte gleich ein Bewerbungsschreiben mit Lebenslauf und Zeugniskopie, da diese Unterlagen meistens automatisch verlangt werden. Achtung, das Bewerbungsschreiben nennt sich in der Schweiz „Anschreiben“ und der Lebenslauf „Curriculum“. Je mehr Absagen von den einzelnen Spitälern kamen, da ich schon spät dran war, umso mehr machte ich mir Gedanken über einen Plan B.

Um meine Chancen zu erhöhen und doch noch einen Platz zu bekommen, entschloss ich mich, mich zusätzlich zur Chirurgie für mein Wahlfach Orthopädie zu bewerben. Gesagt, getan! Hoch motiviert machte ich mich daran, meinen Lebenslauf zu überarbeiten und ein Bewerbungsschreiben zu verfassen. Kein 0815-Schreiben, nein, ich wollte ja genommen werden. Somit durfte die persönliche Note nicht fehlen. Ich schrieb einige Sätze über meinen Werdegang und wie ich mich für die Orthopädie als Wahlfach entschieden hatte, sowie ebenfalls zu meiner Motivation und meinen Erwartungen, die ich an die Unterassistentenzeit in der Schweiz hatte.

Zum Bewerbungsschreiben und dem Lebenslauf fügte ich meiner Email eine Kopie des Physikum-Zeugnisses und meiner Wahlfächer als PDF-Datei bei. Ich habe alle Bewerbungen online abgeschickt und alles Formelle soweit wie möglich auch per Email-Kontakt geregelt.
Auf der Homepage des Kantonsspitals Bruderholz sind nochmals einige Informationen für ausländische PJ-Studenten zusammengefasst.

Und dann begannen die Vorbereitungen

Nachdem ich meine Zusage erhalten hatte, übernahmen die Schweizer Kollegen die Beantragung des Visums. Eine kurze Mail an das Sekretariat des Personalwohnheims hatte mir einen Platz für meinen Aufenthalt gesichert. Autobesitzern rate ich, einen Parkplatz anzumieten, denn die kostenlosen Parkplätze sind rar. Noch in Deutschland besorgte ich mir eine Kredit/Visa Card, um für die erste Zeit Geld im Ausland von meinem deutschen Konto abheben zu können. Ferner hatte ich mich mit dem Bafög-Amt in Augsburg, welches für Schweiz Aufenthalte zuständig ist, in Verbindung gesetzt und versucht, Auslands-Bafög zu beantragen, was jedoch nur bei einer Aufenthaltsdauer von mindestens sechs Monaten oder mehr bewilligt wird.

Bei meiner Krankenkasse musste ich mich von der Familienversicherung abmelden und anschließend bei einer Krankenkasse meiner Wahl selbst versichern. Hier muss jeder für sich selber prüfen und vergleichen, was preiswerter ist. Als mögliche Schweizer Krankenversicherung hatte ich „Sympany“ in Erwägung gezogen. Generell muss die Entscheidung getroffen werden, ob man sich in Deutschland oder in der Schweiz versichern lassen will. In beiden Fällen gilt, dass der Entscheid sowohl der Schweizer, als auch der Deutschen Krankenkasse mitgeteilt werden muss. Dies erfolgt in Form eines „Meldeformulars zur Befreiung von der Versicherungspflicht“, also fragt am besten bei Eurer Krankenkasse nach.

Zusätzlich zu meiner freiwilligen Krankenversicherung schloss ich eine private Auslandsreisekrankenversicherung ab, da der Auslandsschutz meiner Deutschen Krankenkasse nicht ausreichte. Achtung: für die private Auslandsreisekrankenversicherung reicht die normale „Urlaubsversicherung“ nicht aus! Eine Berufshaftpflichtversicherung brauchte ich nicht extra abzuschließen, da ich über die Klinik mitversichert war. Eine kurze Email an das Kliniksekretariat bringt Euch hier Gewissheit.

Impfungen braucht man keine besonderen zu haben. Sollte doch etwas fehlen, dann impft die Betriebsärztin im Kantonsspital Bruderholz nach. Wer gern wandern geht, dem ist die FSME-Impfung empfohlen. Diese bekommt man im Gesundheitsamt.

Meine Unterkunft im Wohnheim

Der Blick aus meinem Zimmer im Wohnheim

Die Personalwohnsiedlung liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Spital. Das Wohnheim besticht nicht gerade mit Charme und Schönheit, hat aber ein eigenes Schwimmbad, ein Musikzimmer und eine Gymnastikhalle, welche wir regelmäßig zum Volleyball spielen nutzten. Jede Etage besteht aus ca. 10 Zimmern mit einer Gemeinschaftsküche. Man kann zwischen renovierten und nicht renovierten Zimmern wählen. Dazu gehören ein eigenes Bad und ein Schlaf/Wohn/Arbeitsraum.

Ich hatte aus Geldeinsparungsgründen die nicht renovierte Variante für 320SFr/Monat gewählt, welche sich zur renovierten Wohnung lediglich durch leichte Abnutzungsspuren unterschied. Bei beiden Varianten befindet sich auf dem Zimmer Küchenbesteck und Geschirr als auch Bettwäsche. Fernseher und Internet sind nicht vorhanden und müssen selbst arrangiert werden.

Arbeiten im Spital und Dienste

Blick auf das Kantonsspital Bruderholz

Meine Zeit im Kantonsspital Bruderholz gliederte sich in drei Wochen UKBB, drei Wochen Handchirurgie und 10 Wochen allgemeine Orthopädie. In der allgemeinen Orthopädie hatte ich die Möglichkeit, Trauma-Dienste auf der Notfallstation mit zu machen, wo ich am meisten gelernt und gesehen habe. Dort durfte ich die Patienten selbstständig zu Unfallhergang und Anamnese befragen und untersuchen, habe Röntgenaufnahmen angemeldet und selbständig befundet, Therapievorschläge gemacht und Briefe geschrieben. Ab und zu konnte ich auch eine Platzwunde nähen. Dies erfolgte natürlich immer unter Rücksprache mit dem zuständigen Assistenz- bzw. Oberarzt.

Ein typischer Tagesablauf in der Orthopädie begann um 7:00 Uhr mit dem Morgenrapport, welcher mit einer „Wake-up-Session“, einer kurzen Weiterbildung, startete und dann mit Röntgendemo sowie Besprechung fortfuhr. Danach folgte eine Kaffeepause mit den Assistenzärzten von ca. 7:30-7:45 Uhr. Von 7:45-8:00 Uhr waren die Unterassistenten damit beschäftigt, Verbände aufzumachen und die Visite vorzubereiten. Von 8:00-8:30 Uhr fand die Chefarztvisite statt. Bedside-teaching war leider eher eine Seltenheit. Wenn es stattfand, dann durch die Assistenz- und Oberärzte, welche besondere Fälle vorstellten und uns Studenten mit Fragen quälten.

Ab 8:30 Uhr teilten sich die Unterassistenten auf und gingen mit auf Teamvisite, um dort vor allem den Verbandswechsel durchzuführen und Redondrainagen zu ziehen. War man nicht bereits ab 8:00 Uhr im OP eingeteilt, dann gab es jetzt verschiedene Möglichkeiten, den Arbeitstag zu gestalten. Entweder ging man in den OP, hospitierte in einer Sprechstunde oder machte auf der Station Aufnahmen/Eintritte. Da Eintritte immer erst um 10:00 Uhr oder 14:00 Uhr einbestellt waren, gab es bis 10:00 Uhr meist noch Zeit für einen Kaffee. Manch einer hat sich aber auch in dieser Zeit mit wissenschaftlichen Projekten beschäftigt. Sprechstunde war sowohl vor- als auch nachmittags.

Im OP war man meistens als erste oder zweite Assistenz eingeteilt. Das OP-Spektrum war sehr breit gefächert. Es wurden Knie-/Hüft-TPs, Arthroskopien, Schulterprothesen, Metallentfernungen, größere Beckeneingriffe bei Frakturen und andere Frakturversorgungen durchgeführt. Lediglich größere Wirbelsäuleneingriffe fanden in externen Häusern statt. Operierte man zusammen mit dem Chefarzt, bemühte dieser sich immer, den Medizinstudenten etwas beizubringen. Er zeigte während der OP recht viel, ließ den Studenten auch mal selber probieren, so z.B. den Hautschnitt setzen, Fäden knüpfen, nähen oder die Hüftgelenkskapsel durchtrennen. Wer viel Glück hat oder in der Handchirurgie hospitiert, darf auch mal kleinere OPs, wie z.B. eine Metallentfernung, selbst machen. Im UKBB-Kinderspital durfte ich auch ab und zu nähen. Um ca. 12:00 Uhr war Mittagspause, mit exzellenten Gerichten! Meist endete diese, inklusive Kaffee trinken, um ca. 13:00/14:00 Uhr.

Am Nachmittag war wieder die übliche Aufteilung zwischen OP, Sprechstunde, Notfall und Station. Ab 14:00 Uhr wurden nochmals neue Eintritte aufgenommen und gegen 15:00/16:00 Uhr an den zuständigen Assistenzarzt übergeben. Die Eintrittsgespräche sind identisch mit denen in Deutschland: Anamnese erfragen und den Patienten untersuchen. Aufklärungen haben immer die Assistenzärzte gemacht. Unsere Aufgabe, neben der stationären Aufnahme, war es, die Anamnese und Befunde in das Computersystem einzugeben und die Verordnungsbögen auszufüllen. Gegen 17:00 Uhr war dann meistens Feierabend – außer freitags, da endete der Arbeitstag oft schon mit dem 15:00 Uhr Rapport.

In der Handchirurgie war der Tagesablauf ähnlich, nur dass dort montags und donnerstags OP-Tag war und die restlichen Tage Sprechstunde von 8:00-14:00 Uhr. Danach folgte noch die Stationsarbeit. Die Unterassistenten assistierten ebenfalls bei den OPs, schrieben OP-Berichte und erledigten die Postop-Verordnungen für die ambulanten Patienten. Auf Station waren meistens weniger Patienten aufzunehmen, da viele ambulant waren. Das Procedere ähnelte somit dem der Orthopädie. Um ca. 16:00/17:00 Uhr fand die Visite statt, mit der der Arbeitstag ein Ende fand. Freitags war oft schon gegen 15:00 Uhr Feierabend.

Im UKBB-Kinderspital begann der Arbeitstag erst um 8:00 Uhr. Montags immer mit dem Rapport, die restlichen Tage traf man sich sofort auf Station. Die Unterassistenten haben die Eintritte aufgenommen, assistierten im OP und halfen in der Sprechstunde. Montags und mittwochs fand ab 14:00 Uhr die immer gut besuchte Chefsprechstunde mir Prof. Dr. Hefti statt, sodass die Unterassistenten auch dabei voll eingespannt waren. Aufgabe war es, die Anamnese zu erheben, den Patienten zu untersuchen, Röntgenbilder auszuwerten und dies dem Chef kurz und knapp zu übergeben, um sich dann mit ihm gemeinsam den Patienten nochmals anzuschauen. Hierbei sollte man gut zuhören, denn es war die Aufgabe des Studenten, anschließend die Epikrise des Patienten zu diktieren. Durch einen gewissen Zeitdruck lernte man dadurch, schnell und effektiv zu arbeiten und zu diktieren. Montags und mittwochs endete der Tag nicht vor 19:00 Uhr, an den anderen Tagen gegen 16:00/17:00 Uhr.

Jeden Mittwoch fand von 17:00-18:00Uhr die „Reunion Scientifique“ statt – klingt französisch, ist aber auf Deutsch. Es wurden vor allem aktuelle wissenschaftliche Themen vorgestellt. Der eine oder andere Gast-Arzt präsentierte in diesem Rahmen seine Klinik und sein Land. Jeden Donnerstag fand von 17:30-19:00 Uhr die Assistentenfortbildung im Universitätsspital bzw. der Anatomie in Basel statt. Diese war immer sehr informativ und lehrreich, da sie eine gute Mischung aus Fallvorstellungen, Lehre und Wissenschaft beinhaltete. Besondere Veranstaltungen waren die Fortbildungen der Firma Stryker, bei der wir Medizinstudenten auch mal selber „Hand anlegen“ durften und am Modell z.B. einen Femurnagel implantieren konnten.

Die Pikettdienste wurden selbstständig unter den Unterassistenten aufgeteilt, im Schnitt hatte ich ca. fünf Dienste im Monat. Während des Pikettdienstes sollte man sich innerhalb einer halben Stunde nach Anruf im OP zur 3.Assistenz einfinden. Sicherlich kann man keine Pauschalaussage dazu treffen, wie oft man gerufen wird. Am Wochenende kam es vor, bei 1-3 OPs zu assistieren; in der Woche war es eher weniger der Fall. Die Dienste empfand ich durch die Möglichkeit des selbständigen Arbeitens als sehr interessant und lehrreich.

Finanzielles

Mit einem Gehalt von 1.700SFr Brutto, das sind ca.1.400SFr Netto, war ich wohl einer der Vielverdiener unter den PJ-Studenten. Pikettdienste und Überstunden wurden nicht zusätzlich entlohnt. Das Geld wurde immer am 25. des kommenden Monats auf ein Schweizer Konto ausgezahlt. Die meisten hatten ein Lohnkonto bei der „Postfinance“ dafür eingerichtet. Nach Abzug von Miete und Internetgebühren blieben ca. 900SFr für das tägliche Leben zur Verfügung übrig.

Nahrungsmittel sind nicht ganz günstig, Aldi und Denner sind insgesamt preiswerter als z.B. COOP, der ca. 15min Fußweg vom Spital entfernt liegt. Auch Fahrten mit der Bahn sind im Vergleich zu deutschen Preisen nicht wirklich günstiger, aber auch da gibt es preiswerte Sparbilette, wie z.B. nach Zürich, Luzern oder Genf. Bei Fahrten nach Deutschland lohnt es sich, mit dem „Schweiz Spezial“ der DB zu fahren.

Auch der Anruf von Deutschland aus in die Schweiz ist über Billigvorwahlen wie z.B. www.teltarif.de ganz preiswert. Für das Telefonieren innerhalb der Schweiz und nach Deutschland bietet es sich an, eine Prepaid-Karte z.B. von „Lebara“ bei der Post zu besorgen.

Leben in der schönen Schweiz

Dank Chefarzt zum Fußballfan geworden
Dank Chefarzt zum Fußballfan geworden

Die Schweiz strotzt nur so vor Freundlichkeit. Das habe ich sehr zu schätzen und zu lieben gelernt. Mit meinen Kollegen und den Mitarbeitern habe ich mich auf Anhieb super verstanden, sodass wir auch außerhalb des Spitals privat viel zusammen unternommen haben.

Die Verkehrsanbindungen waren ein Traum und die Trams als auch die Bahnen immer pünktlich – ein Luxus, den man in Deutschland von Zeit zu Zeit vermisst. Für den nötigen Überblick bezüglich der Verbindungen rund um das Spital besorgt Ihr Euch am besten einen Plan des Liniennetzes für Basel und Umgebung. Infos findet Ihr unter www.bvb.ch .

Das Kantonsspital Bruderholz ist vom SBB aus mit folgenden Linien direkt zu erreichen:

  • Tram Linie 10 (Dornach) ? Umsteigen: Dreispitz ? Bus 37/47 (Bottmingen) ? Ziel: Bruderholzspital
  • Tram Linie 11 (Aesch) ? Umsteigen: Dreispitz ? Bus 37/47 (Bottmingen) ? Ziel: Bruderholzspital
  • Tram Linie 10 (Rodersdorf) ? Umsteigen: Bottmingen ? Bus 47 (Muttenz) ? Ziel: Bruderholzspital
  • Tram Linie 10 (Rodersdorf) ? Umsteigen: Bottmingen ? Bus 37 (Aeschenplatz oder Ulmenweg) ? Ziel: Bruderholzspital

An den freien Wochenenden besichtigte ich unter anderem Basel mit seiner wunderschönen Altstadt, dem Rathaus, das Münster und dem romantischen Rhein als auch Luzern, welches traumhaft schön am See gelegen ist und von Bergen umgeben wird. Bern, klein aber fein, lockt bei schlechtem Wetter mit überdachten Shopping-Meilen. Colmar in Frankreich und Freiburg in Deutschland sind ebenfalls lohnenswerte Ziele.

Neben zahlreichen anderen Wandertouren war die Wanderung von Delémont nach Saint Ursanne ein sehr schönes Erlebnis. Hierbei lohnt es sich, eine gute Karte zu besorgen, da die Wege v.a. in der französischen Schweiz bekannter weise nur schlecht ausgeschildert sind.

In Basel bieten sich viele Möglichkeiten zum Ausgehen. Sehr zu empfehlen, ist ein Besuch in der „Bar Rouge“ im 31. Stock des Messeturms, welche einen grandiosen Ausblick über die Stadt bietet.
Ein Highlight, welches mich zum vorübergehenden Fußballfan machte, war der Besuch eines Spiels des FC Basel gegen Neuchâtel im St. Jakob Stadion in Basel. Die Karten dafür erhielten wir freundlicherweise vom Chefarzt der Orthopädie Prof. Dr. Friederich.

Anfängervokabular für die Arbeit im Spital

„Gruetzi miteinand, Hoi, Bonjourno, Bonjour, Salut, Ciao…“, um nur eine kleine Auswahl von Begrüßungsfloskeln zu nennen. Die Schweiz ist zweifelsohne ein „multilinguales Land“. So viele Sprachen auf kleinstem Raum fordern heraus. Das deutsche „Hallo“ ist übrigens umgangssprachlich ein wenig verpönt, da es nur auf einer „per Du“ Ebene kommuniziert wird. Also Achtung vor allem bei Patientenkontakt – ein „Hallo“, genauso wie ein „Tschüss“, gelten als unhöflich.

Dem Schweizer Patienten „macht es irgendwo weh“ und wenn der Schmerz ganz stark ist, dann „macht etwas fest oder licht weh“. Dies sind Beispiele für alltägliche Sprachgebräuche. Das Knie klang für mich anfangs eher wie „Pneu“, wird aber „Kneu“ oder „Knöei“ ausgesprochen. Ein „Sachet“ (franz.) ist ein Beutel, z.B. Movicol und irritiert gern auf der Medikamentenliste.

Der Eintritt ist die Aufnahme und der Austritt die Entlassung. Das MRT ist bei den Schweizer Kollegen das MRI. Das „Velo“ ist übrigens das Fahrrad, das „Töff“ das Moped und das „Postauto“ der Bus. Ganz klar von Vorteil ist es, französisch und italienisch zu können. Wer nur ein paar Brocken kann, versteht meist, was der Schweizer von einem will.

Äquivalenz-Bescheinigung/Anerkennung

Die Anerkennung im LPA Mecklenburg Vorpommern ist völlig unproblematisch. Das Kantonsspital Bruderholz ist ein akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Basel.

Benötigte Dokumente:
– Äquivalenz-Bescheinigung, welche die PJ-Beauftragte der Universität Basel, Frau Sanchez, ausfüllt.
– PJ-Bescheinigung. Diese füllt der Chef der Orthopädie aus.

Literaturempfehlungen

Am Ziel meiner Wanderung Saint Ursanne

Um einen groben Eindruck von der Schweiz, den großen Städten und möglichen Ausflugszielen zu bekommen, empfehle ich das Heft „GEO Spezial 3/2008 Schweiz“. Einige coole Lokale und Ausflugsziele habe ich mit diesem Heft kennen und lieben gelernt.

Das Buch „Gebrauchsanweisung für die Schweiz“ von Thomas Küng fand ich für meine Bedürfnisse nicht passend. Es hat mehr einen Einblick in die Schweizer Mentalität gegeben, worauf, wie ich finde, kein Buch gut genug vorbereiten kann – diese muss man selbst erlebt haben!

Mein Fazit

Blick zurück - Luzern am Vierwaldstättersee
Blick zurück – Luzern am Vierwaldstättersee

Wer Lust auf Neues, ein wenig Fernweh und die nötigen Möglichkeiten hat, sollte unbedingt darüber nachdenken, ein Tertial in der Schweiz zu verbringen. Es war eine sehr schöne Zeit, an die ich mich gern zurückerinnere und die ich manchmal auch zurücksehne.

Ich denke, die Eindrücke bzgl. der ärztlichen Ausbildung sind in manchen Berichten ein wenig überbewertet, denn auch in der Schweiz ist nicht immer alles rosarot. Eines ist jedoch klar: So viel Selbständigkeit wie dort bekommt man in Deutschland selten. Also ergreift Eure Chance!

U., J.
Greifswald, Februar 2011

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