PJ in den Vereinigten Arabischen Emiraten – Innere Medizin

4. Februar 2011

in Chancen im Ausland, Innere Medizin, Praktisches Jahr im Ausland, Vereinigte Arabische Emirate

Vereinigte Arabische Emirate, Dubai, Dubai Hospital (30.11.2009-15.01.2010)

PJ in Dubai, das bedeutete für mich erneutes Eintauchen in eine fremde Welt, einer Mischung aus westlicher Moderne und orientalischer Exotik. Dieser Aufenthalt war eine wahnsinnige Bereicherung für mich – zum Einen persönlich durch die vielen Erfahrungen, die Menschen und die vielen Gespräche mit Einheimischen. Zum Anderen war es auch fachlich eine Erweiterung meines Horizonts. Wer offen für neue Kulturen und vor allem engagiert im Krankenhaus ist, für den könnte ein Aufenthalt in Dubai empfehlenswert sein.

Mein Ziel – die Vereinigten Arabischen Emirate

Dubai kannte ich bereits aus dem Urlaub und von Anfang an hatte ich mich in diese Stadt verliebt. Ich war beeindruckt von dieser Kombination aus westlicher Moderne und orientalischer Exotik. Nachdem ich einen interessanten PJ-Erfahrungsbericht in der Zeitschrift „Via medici“ gelesen hatte, nutzte ich bereits in meinem Urlaub die Chance, mir einige Krankenhäuser anzuschauen.
Außerdem war es mein Wunsch, Innere Medizin während meines PJ im Ausland auch mal in einem nicht-westlichen Land kennenzulernen, um somit mit einer ganz anderen Kultur und anderen Krankheiten in Berührung zu kommen.

Bewerbung …

Das Dubai Hospital wurde als einziges Krankenhaus vom Landesprüfungsamt NRW anerkannt. Da ich zunächst keinen konkreten Ansprechpartner gefunden hatte, schickte ich die Bewerbung zunächst in elektronischer Form an die Verwaltung, worauf ich keine Antwort erhielt. Als ich dann ein halbes Jahr vor dem geplanten Zeitraum den im obengenannten Bericht genannten deutschen Chefarzt der Chirurgie kontaktierte, war mir die Bewerbung in der Inneren Medizin erleichtert.

Meine Bewerbung schickte ich an die zuständige Ansprechpartnerin und entschied mich dafür, acht Wochen in der Endokrinologie zu verbringen. Ich musste keine weiteren Unterlagen wie Führungszeugnis, Impfnachweis o.Ä. einreichen. Dies war recht komplikationslos. Allerdings haben die Antworten auf einige Fragen etwas länger gedauert, weil das Krankenhaus zu der Zeit keine wesentlichen Erfahrungen mit deutschen PJlern hatte, schon gar nicht in der Inneren Medizin. Letztendlich hatte ich keine große Vorstellung darüber, was mich erwarten würde.

Studiengebühren fielen keine an.

Das Dubai Hospital gehört zu den vier Krankenhäusern, die zur Regierung Dubai DOHMS (Department of Health and Medical Services) gehören. Auf http://web.dohms.gov.ae/dh/ habt Ihr einen Überblick über die verschiedenen Fachrichtungen.

… und Vorbereitungen

  • Burj Khalifa das höchste Gebäude der Welt
    Burj Khalifa das höchste Gebäude der Welt

    Visum

Ein Visum vom Krankenhaus wird nicht gefordert und ich bin deshalb mit einem Touristenvisum eingereist, das 30 Tage ab der Ankunft gültig ist. Da man als PJler mehr als 30 Tage dort bleibt, gibt es die Möglichkeit, sich das Visum durch ein „Visa run“ verlängern zu lassen, d.h. man verreist aus Dubai und holt sich bei erneuter Einreise wieder einen 30-tägigen „Aufenthaltsstempel“. Die Grenze zu Oman war die nächste Möglichkeit, die Grenze zu überschreiten und konnte in einem Tagestrip abgehandelt werden. Ich habe es nur einmal gebraucht, da ich ein halbes Tertial, also knapp zwei Monate dort geblieben bin. Man kann dies beliebig oft wiederholen.

Die etwas offiziellere Variante des Visums ist ein wenig komplizierter. Für das Studenten/Arbeitsvisum, das drei Monate gültig ist und ca. 200 EUR kostet, benötigt man u.a. eine Bescheinigung vom Krankenhaus. Ich kenne niemanden, der dies auf diese Weise gehandhabt hat.

(Anm.d.Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

  • Versicherungen

Über die deutsche Gesetzliche Krankenversicherung ist man im außereuropäischen Ausland nicht krankenversichert. Aus diesem Grund muss man eine private Auslandsreisekrankenversicherung abschließen. Auch rate ich jedem zu einer medizinische/privaten Haftpflichtversicherung (medical malpractice insurance). Zu diesen Themen hatte ich mich im Vorfeld beraten lassen.

Meinen Impfausweis hatte ich zwar mitgenommen, musste ihn aber nirgends vorzeigen. Auch waren keine anderen ärztlichen Untersuchungen erforderlich.

  • Literaturempfehlungen

An Büchern hatte ich den „Herold“ und das „Pocket Medicine“ von Lippincott Williams & Wilkins sowie das Buch „Medical English“ vom Thieme Verlag mitgenommen. Das Gute an diesem Buch „Medical English“ ist, dass auch Abkürzungen dabei sind.

Als Einstieg in die Kultur und zur Orientierung in der Stadt empfehle ich das Buch „Lonely Planet – Dubai“.

  • Mitzunehmen

Den Kittel und alle anderen Utensilien sollte man unbedingt mitnehmen! Im Krankenhaus waren die Meisten schon eher chic gekleidet, aber es war kein unbedingtes „Muss“ wie im anglosächsischen Raum. Jeans waren in dem Sinne nicht „Verboten“. Hauptsache nicht zu kurz.

Blick auf Dubai und die Sheik Zayed Road

Unterkunft und Finanzielles

Mit dem Direktflug der Fluggesellschaft „Emirates“ erreicht man innerhalb sechs Stunden Dubai. Von dort aus nimmt man sich ein Taxi oder die Metro, die es mittlerweile gibt. Das Metro System ist sehr übersichtlich und günstig, was für die Busse nicht zutrifft.

Meine Hauptvorbereitung wurde von der Wohnungssuche eingenommen, da das Krankenhaus zwar ein Studentenwohnheim zur Verfügung stellte, aber es zu meiner Zeit überfüllt war und ich kein Zimmer bekam. WG-Zimmer in Dubai sind äußerst teuer. Unter www.dubizzle.com konnte ich ein Zimmer in „Bur Dubai“ im 4er Dormitory finden, was mit ca. 350 EUR monatlich die günstigste Variante war. In New Dubai waren die Preise noch höher. Man sollte darauf achten, dass man nicht in einem Dormitory/Zimmer in einem typischen Gastarbeiterviertel wie „Karma“ landet.

Was die Kommunikation betrifft, so haben fast alle den günstigen Telefonanbieter „Etisalat“, den man auch direkt am Flughafen findet. Ausländische Gespräche sind jedoch teuer. Dafür habe ich das Internet in meiner WG genutzt, um zu „skypen“.

Die Landeswährung ist der Arab Emirates Dirham (AED). In Dubai ist es sehr üblich, mit Kreditkarten zu zahlen. Am besten eröffnet man ein Girokonto, incl. einer Kreditkarte, mit der man kostenlos im Ausland Bargeld abheben kann.

In „Old Dubai“ ist das Preisniveau für Lebensmittel, auswärts essen gehen als auch für öffentliche Transportmittel niedriger als bei uns. In „New Dubai“ sehen die Verhältnisse schon ganz anders aus. Sehr guten Preisen begegnet man übrigens bereits auch am Duty Free Shop am Flughafen, dem größten Duty Free Shop der Welt.

Wenn man weg gehen möchte, sind die Frauen ganz klar im Vorteil, weil sie meist freien Eintritt und oft freie Getränke an den „Ladies-Night Tagen“ genießen können, die fast jeden Tag woanders stattfinden.

Die Sprache

Die Landessprache ist zwar Arabisch, aber da fast 90 Prozent der Menschen in Dubai Ausländer sind, wird fast genauso häufig Hindi, Urdu, Philippinisch etc. gesprochen. Mit Englisch kommt man gut weit.

Arabisch Kenntnisse sind sicherlich nicht schlecht für den Patientenkontakt, aber fundierte Englischkenntnisse sind sehr wichtig, da alle Krankenakten auf Englisch geschrieben sowie Vorlesungen und Visiten auf Englisch gehalten werden.

Eingang zum Dubai Hospital

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

An meinem ersten PJ-Tag war ich enttäuscht, dass ich eine sogenannte „Überraschung“ war. Ich wurde nachhause geschickt und gebeten, eine Woche später zu kommen, weil zu der Zeit „Eid“ (Opferfest) Feiertage waren. Dies war mir im Vorfeld nicht gesagt worden. Später gab es dann auch keine richtige Einführung, da war Selbstengagement gefragt.

Das Gesundheitssystem lehnt sich an das amerikanische/britische System an. Die Schwestern brachten einem sehr viel Respekt entgegen, denn im Kittel war man „Doctor“ – egal, wie weit man im Studium war.

In der Endokrinologie hatte ich ein nettes Team, allerdings gab es nur ein bis zwei Registrars (Oberarzt), die während der Visite viel Wert auf das Bedside-Teaching legten und uns aufforderten, kurze Vorträge vorzubereiten. Mit den anderen 1st-years, äquivalent zu PJlern, haben wir uns die Arbeit geteilt. Ich muss hinzufügen, dass die Arbeitsbelastung insgesamt geringer war als in Deutschland. Die Routine-Blutabnahmen wurden von den Krankenschwestern erledigt, ab und zu haben wir Braunülen gelegt. Unsere Aufgabe bestand darin, während der Visite die Notizen in die Krankenakte zu machen und danach dem Intern (Assistenzarzt) mit den Aufnahmen zu helfen.

Der Tag fing um 7:30 Uhr mit der Frühbesprechung an, gefolgt von der Visite. Fast alle Stationen waren nach Geschlechtern getrennt, sodass das Team für die Visite aufgeteilt wurde. Um 11:00 Uhr fand die „Mittagspause“ statt und um 14:30 Uhr war Schluss, da ab dann der diensthabende Arzt bis zum nächsten Morgen für die Stationen und die Notfallaufnahme zuständig war. Einen Studientag gab es nicht. Es wurde jedoch drauf geachtet, dass man regelmäßig da war. Am Ende wollte man mir die PJ-Bescheinigung nicht zwei Tage früher ausstellen…

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Arbeitsbelastung bei weitem nicht so hoch war, damit aber auch nicht der praktische Lerneffekt. Ansonsten hatte man in der Ambulanz die Möglichkeit, Patienten aufzunehmen, aber auch dort war man auf die Hilfe der 1st Years angewiesen, da die Patienten oft kein Englisch sprachen.

Selbstengagement war zwar wieder mal das A und O, aber es war schwierig, dies in die Praxis umzusetzen, da der Ablauf – für Deutsche – entweder chaotisch war oder es scheiterte an der Sprachbarriere. Sonntag war wie Montag, Donnerstagabend fing also das Wochenende an.

In der Anästhesie und Chirurgie gab es zwei deutsche Chefärzte, ansonsten stammten die meisten Ärzte aus benachbarten arabischen Staaten, Pakistan oder Indien. Die Krankenhaussprache war zwar Englisch, aber bei den meisten Patienten waren Arabisch und Urdu unerlässlich, zumal viele der Patienten einfache Gastarbeiter waren.

An ein oder zwei Nachmittagen konnte man in der Ambulanz an den Sprechstunden einiger Ärzte teilnehmen. Aber auch dort war es schwierig, „Eigenverantwortung“ zu übernehmen, da nicht alle Ärzte in der Visite Rücksicht auf die Sprachbarriere des PJlers nahmen.

Platz vor dem Emirate Tower

Leben in Dubai

Dubai war eine gute Erfahrung, an die ich mich zunächst gewöhnen musste, denn die deutsche Ordnung und Zuverlässigkeit muss man schon zuhause lassen. Dubai hat zwei interessante Seiten. Die eine Seite ist voller Moderne, mit hohen Skyscrapern, luxuriösen Malls – die andere ist die orientalische, exotische, chaotische Seite. In New Dubai leben fast nur Europäer, in Old Dubai sieht man kulturell mehr und begegnet dem orientalischen Flair.

Die Safari Tour in die Wüste oder ein Besuch des höchsten Gebäude der Wellt, des „Burj Khalifa“, sind einen Besuch wert; auch einige Tage ins gebirgige Oman lohnen sich. Ansonsten gibt es nichts, was Dubai nicht zu bieten hat – von einer Ski Halle, über den Wasservergnügungspark „Wild Water Park“ bis zur größten Mall der Welt, der „Dubai Mall“.

Dubai gilt als eine der sichersten Städte der Welt. Man kann wunderbar alleine als Frau unterwegs sein, wenn man sich durch die penetranten Blicke der ganzen Gastarbeiter nicht irritieren lässt, denn man sieht wenige Frauen in der Öffentlichkeit. Da das Taxifahren nicht nur günstig, sondern auch sicher ist, kann ich es nur empfehlen. Dubai hat strenge Regeln, die man nicht verachten sollte, weil man sehr schnell mit der Polizei zu tun haben kann. Kein Alkohol, keine Freizügigkeit, kein intimer Körperkontakt in der Öffentlichkeit sind einige Beispiele.

An meinem ersten Tag wollte ich den Bus zur Klinik nehmen und wurde zum Ticketschalter als einzige Frau an der Schlange vorgelassen. Da meine Münzen aus einem unerklärlichen Grund nicht akzeptiert wurden, habe ich angefangen, die Münzen am Automaten anzukratzen und prompt wurde mit „Gittern“ gedroht…

Mein Resümee

Safari Tour in der Wüste - eines der absoluten Highlights
Safari Tour in der Wüste – eines der absoluten Highlights

Dubai war eine wahnsinnige Bereicherung für mich – zum Einen persönlich durch die vielen Erfahrungen, die Menschen und die vielen Gespräche mit Einheimischen. Zum Anderen war es auch fachlich eine Erweiterung meines Horizonts. Da geht es um Erkrankungen, die wir hier selten sehen (Tbc, Malaria). Und das, ohne direkt in einem Entwicklungsland zu sein. Man fängt an, den Luxus im deutschen Krankensystem wertzuschätzen, denn in Dubai gab es keine gesetzliche Krankenversicherung und gerade ärmere Patienten konnten sich keine adäquate Behandlung leisten.

Insofern hat sich das PJ für mich dort gelohnt. Ich muss hinzufügen, dass ich mich mit den meisten Patienten in meiner Muttersprache Hindi unterhalten konnte, sodass für mich vieles erleichtert war. Wenn man keine Scheu vor der arabischen Kultur hat und auf die gesamte Bereicherung mehr Wert legt, als darauf, das „Herold Wissen“ umzusetzen bzw. zu vertiefen, dem würde ich das PJ in Dubai durchaus empfehlen.

Ich möchte meinen Dank aussprechen an alle, die mir in Dubai geholfen, mich unterstützt und mir durch Erklärungen die Augen geöffnet haben. Wer später nicht unbedingt Innere Medizin machen möchte, offen für neue Kulturen und vor allem engagiert ist, dem kann ich das PJ in Dubai empfehlen.

G., L.
Bonn, August 2010

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