Famulatur in USA – Radiologie

26. November 2010

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USA, Pittsburgh, Presbyterian Hospital (05.09.-02.10.2010) Zur Famulatur in die USA. Hiervon träumen viele Medizinstudenten. Ich habe mir diesen Traum in Pittsburgh am University of Pittsburgh Medical Center erfüllt. Der Weg dorthin bringt zwar einige Hürden mit sich, aber alle Mühen haben sich gelohnt. Diese Famulatur in der Radiologie war mit Abstand die beste Famulatur, die ich in meinem Medizinstudium absolviert habe. Ich kann jedem, der sich für das Fach Radiologie interessiert, nur empfehlen, hier eine Famulatur zu absolvieren.

Mein Ziel – die USA

Bereits zu Beginn meines Medizinstudiums stand für mich fest, dass ich gerne eine Famulatur und auch einen Teil meines Praktischen Jahres in den USA absolvieren möchte. Doch wie ich schnell feststellen musste, war dies nicht so einfach. Die meisten Universitäten bzw. Krankenhäuser in den USA nehmen nur internationale „visiting students“ an, die bereits ihr USMLE Step 1 (United States Medical Licensing Examination) absolviert haben und bereits in ihrem „final year“ sind. Leider erfüllte ich keine der genannten Kriterien.

Die Suche nach einem Famulatur-Platz

University of Pittsburgh

Trotz alledem bewarb ich mich an vielen Krankenhäusern in den ganzen USA. Nach zahlreichen Absagen hatte ich mich bereits damit abgefunden, dass ein Aufenthalt in den USA vor meinem PJ nicht möglich sein würde. Schließlich erfuhr ich – mehr oder weniger durch einen Zufall – von einem ausgewanderten deutschen Radiologen, dass es möglich sei, in der Radiologie an der University of Pittsburgh (UPMC) zu famulieren. Das dortige Department of Radiology bietet dreimal pro Jahr den elective-course „advanced radiology for senior medical students“ an. Ich zögerte nicht lange und fügte meiner Bewerbung einen „CV“ bei und bekam nur einen Tag später die offizielle Zusage. Aufgrund nur sehr begrenzter Plätze hatte ich meine Bewerbung ca. ein Jahr im Voraus abgeschickt.

Generell ist es auch möglich, in anderen Fachgebieten zu famulieren, doch wenn der offizielle Weg über das „student affairs office“ gewählt wird, fallen hier Studiengebühren in Höhe von ca. 2.000$ an. Um diese zu umgehen, empfiehlt es sich, die einzelnen Fachabteilungen direkt zu kontaktieren und um ein „extramural elective“ zu bitten.

Vorbereitungen

Ich selbst bin über ein ganz normales Touristenvisum eingereist. Auf der Homepage der amerikanischen Botschaft könnt Ihr Euch genauer über die Bedingungen für ein Visum im Rahmen einer Famulatur informieren. Meist wird Euch vonseiten der Universität gesagt, welches Visum erforderlich ist. (Anm.d.Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Versicherungs- und Impfnachweise mussten zwar nicht nachgewiesen werden, aber eine ausreichend hohe Haftpflichtversicherung, die man in meinem Fall über meine Heimatuniversität kostenlos bekommt, und eine private Auslandsreisekrankenversicherung sind aber dringend vorher abzuschließen.

Universität und Klinik

Presbyterian Hospital

Das „University of Pittsburgh Medical Center“, kurz UPMC, besteht aus vielen größeren und kleineren Kliniken, die über die ganze Stadt verteilt sind. Die Famulatur selbst fand am Presbyterian Hospital, welches direkt neben dem großen Studentencampus liegt, statt. Ein Jahr nach meiner Bewerbung war es im September 2010 endlich soweit. Nach einem dreitätigen Aufenthalt in New York kam ich schließlich in Pittsburgh an.

Mein erster Tag am Presbyterian Hospital startete um 9:00 Uhr. Hier traf ich das erste Mal auf meinen Koordinator, einen deutschen Radiologen, der vor einigen Jahren in die USA ausgewandert ist. Während einer Führung durch das Krankenhaus wurde mir erzählt, was mich in den kommenden Wochen in etwa erwarten würde. Schließlich begann um 10:15 Uhr meine erste Kursstunde.

Bei dem „advanced radiology course“ handelt es sich um einen vierwöchigen didaktischen Kurs, der das gesamte Gebiet der Radiologie umfasst. Ich war von der ersten Stunde an wirklich positiv überrascht über die Art des Unterrichtens. Mit viel Humor und einem guten Maß an Lockerheit schaffte der Kursleiter es, die Aufmerksamkeit der Studenten zu gewinnen. Zu Beginn des Kurses wird einem ein wirklich gutes Radiologie-Buch ausgehändigt, so dass ich jedem raten kann, die deutschen Bücher zuhause stehen zu lassen.

Hier ein Einblick in den täglichen Ablauf der Famulatur:

08:30 – 10:00am: erste Vorlesung
10:15 – 11:45am: zweite Vorlesung

Anschließend folgte die anderthalbstündige Mittagspause. Hier ging ich meist mit den anderen 4th year students zur „noon conference“ der Inneren Medizin. Diese einstündige Vorlesung war nicht nur aus informativer Sicht sehr interessant, sondern es gab auch stets ein kostenloses, sehr gutes Mittagessen. Es lohnte sich aber auch, runter auf den Campus zu gehen und dort die „lunch break“ zu verbringen. Wenn noch Zeit war, konnte man auch jederzeit im Computerraum der Radiologie ins Internet gehen.

13:15 – 14:45pm: dritte Vorlesung

Nach der Vorlesung steht es einem frei noch ein bisschen in der Klinik zu bleiben, nach Hause oder noch kurz mit den anderen Studenten in die Bibliothek zu gehen. Hier lohnt sich ein Besuch in der öffentlichen Bibliothek, nur ein paar Block vom „Presby“ entfernt.

Vier bis fünfmal die Woche konnte man statt der genannten Vorlesungen die sogenannten „reading rooms“ aufsuchen. Das sind die Räume, in denen die Radiologen letztlich die Bilder auswerten. Hier waren mehrere Assistenzärzte und meist auch ein Oberarzt, die einem einen guten Einblick in den Alltag eines Radiologen vermittelten. In den USA haben die Radiologen leider noch weniger Kontakt zu den Patienten. So werden die Sonografien z.B. von speziell ausgebildeten Krankenschwestern durchgeführt.

Sehr fasziniert war ich vom „Teaching“, welches in den USA einen viel höheren Stellenwert hat als an deutschen Unis. Von den vier Wochen Vorlesung fiel gerade mal eine Vorlesung aus bzw. sie wurde verschoben und als Entschuldigung hierfür brachte der Arzt beim nächsten Mal gleich Kekse für alle mit. Die Vorlesungen kann man auch nicht als reine Vorlesungen bezeichnen, sondern sie wurden so interaktiv wie möglich gestaltet.

Der Kurs endete in der letzten Woche mit einer „Case Presentation“, die von jedem Studenten erwartet wurde, und einem „Written Examination“, das aus MC-Fragen bestand. Das größte Highlight am Ende war jedoch das „Radiology Jeopardy“.

Wohnen in Pittsburgh

Buntes Treiben in Pittsburgh

Eine bezahlbare Unterkunft in Pittsburgh zu finden, gestaltete sich als sehr schwierig. Es kostete mich ca. vier Monate Zeit, bis ich schließlich eine kostengünstige Unterkunft gefunden hatte. Hier kann ich den „home stay finder“ sehr empfehlen. Ein wichtiger Hinweis an dieser Stelle: Warnung bei der Suche nach einer Unterkunft bei „craiglist.com“. Hier treiben sich viele unseriöse Menschen herum!

Auch wenn Pittsburgh zu den sichersten Städten der USA gehört, gibt es hier trotzdem einige Gegenden, in denen man besser nicht wohnen sollte. Hier sind einige Stadtteile, in denen Ihr Euch bedenkenlos eine Unterkunft suchen könnt: „Shadyside“, „Lawrencehill“, „Oakland“, „Highlandpark“. Es gibt noch ein paar andere schöne Gegenden, nur leider ist hier der Anfahrtsweg zur Universität etwas weiter.

Finanzierung

Und auch das muss natürlich sein
Und auch das muss natürlich sein

Glücklicherweise musste ich keine Studiengebühren an die Universität zahlen. Das lag daran, dass ich für meine Famulatur keinen offiziellen Stempel der Universität für meine Bescheinigung benötigte. Sollte jemand Interesse für ein PJ haben, sieht das leider schon ganz anders aus.

Selbstverständlich kamen auf mich die Kosten für Flug, Unterkunft und die sonstige Lebenshaltung, wie z.B. Busticket für 80$, zu. Pittsburgh selbst ist zum Glück eine sehr günstige Stadt. Und nicht nur das, sie ist auch eine der saubersten und vor allen Dingen sichersten Städte der USA.

Aufgrund der großen Entfernungen in den USA und auch in Pittsburgh würde ich raten, sich ein Auto zu mieten. Da ich selbst nur mit dem Bus unterwegs war, kann ich leider keine Angaben über die entstehenden Kosten machen.

Freizeit

Beim Eishockeyspiel der Pittsburgh Penguines gegen die Blackhawks

Der Kontakt zu den anderen Studenten gestaltete sich dahingehend etwas schwierig, dass alle gerade den Step 2 des USMLE absolvierten und somit täglich viele Stunden in der Bibliothek verbrachten. Aber alle haben dazu beigetragen, dass es eine sehr lustige, schöne und lehrreiche Zeit war.

Ansonsten hat Pittsburgh wirklich eine Menge an Freizeitaktivitäten zu bieten. Hier kann ich vor allem empfehlen, sich eines der Baseball- oder Footballspiele der Collegeteams anzusehen. Pittsburgh bietet auch viele schöne Museen, „outdoor activities“, zahlreiche Kinos, Studentenpartys usw.

Ein Tagesausflug zu den Niagarafällen nach Kanada, ein Trip nach Washington D.C. oder auch nach Atlantic City sollten auf jeden Fall ebenfalls mit eingeplant werden.

Mein Fazit

Pittsburgh at Night

Diese Famulatur war mit Abstand die beste Famulatur, die ich je gemacht habe. In meiner gesamten Zeit in Deutschland habe ich in keinem Kurs an der Universität so viel gelernt wie in Pittsburgh. Ich bekomme jetzt keine Angst mehr, wenn mich jemand danach fragt, z.B. einen Röntgenthorax zu beurteilen. Ich kann jedem, der sich für das Fach Radiologie interessiert, nur empfehlen, hier eine Famulatur zu absolvieren.

Es war aber nicht nur die Famulatur, von der ich begeistert war, sondern ich habe die ausgesprochene Hilfsbereitschaft und Höflichkeit der Menschen hier sehr geschätzt. Ich werde Pittsburgh vermissen und definitiv versuchen, einen Teil meines Praktischen Jahres hier zu absolvieren!

Lutter, A.
Berlin, Oktober 2010

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1 Kommentar

  • Hallo,
    das Bericht über deine Famulatur klingt ja sehr interessant. Es scheint aber ja eher ein theoretischer Unterricht über Radiologie zu sein. Wurde dir denn diese Kursteilnahme als Famulatur in Deutschland angerechnet?

    Viele Grüße,
    Jan

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