PJ Südafrika – Gynäkologie und Geburtshilfe

29. Oktober 2010

in Chancen im Ausland, Gynäkologie und Geburtshilfe, Praktisches Jahr im Ausland, Südafrika

Südafrika, Stellenbosch, Tygerberg Hospital (31.08.-18.12.2009)

Ein PJ-Tertial in Südafrika, am Kap, genauer gesagt in Stellenbosch. Meine Erwartungen an diesen Aufenthalt, an diesen Abschnitt meines Medizinstudiums, wurden mehr als erfüllt. In den vier Monaten in der Gynäkologie und Geburtshilfe am Tygerberg Hospital der Stellenbosch University habe ich viel gesehen, gelernt, geübt und neben den medizinischen auch viele persönliche Erfahrungen gesammelt. Es war eine tolle Zeit in Südafrika und so sind die Wochen wie im Flug vergangen.

Motivation

Das andere Gesicht Südafrikas
Das andere Gesicht Südafrikas

Da sowohl der Berufsalltag als auch der gesamte Arbeitsmarkt immer internationaler werden, halte ich einen Auslandsaufenthalt während des Studiums für äußerst wichtig. Deshalb nahm ich die Gelegenheit wahr und verbrachte ein Tertial meines Praktischen Jahres in Südafrika. Wegen des guten Rufes und einem Austauschprogramm mit meiner Universität hatte ich mich für die University of Stellenbosch entschieden. Von Ende August bis Mitte Dezember 2009 arbeitete ich am Tygerberg Hospital in der gynäkologischen Abteilung. Außerdem sehe ich ein Studium in einem anderen Land als Möglichkeit, seinen eigenen Horizont zu erweitern, viele Dinge einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und andere Kulturen kennenzulernen. In Südafrika mit seinen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen fand ich dies besonders spannend. Von meinem Aufenthalt dort erhoffte ich mir zudem, viel über die bewegte Geschichte dieses Landes und die daraus resultierenden Probleme zu erfahren. Ich denke, dass man vor allem durch den direkten Kontakt mit den Bewohnern dieses Landes einen wirklichen Eindruck über die Lebensweise und über den Umgang mit Themen wie Armut und HIV erhält. Wegen der enorm hohen Geburtenrate und der großen Zahl HIV infizierter Mütter ist die Geburtshilfe in diesem Zusammenhang in Afrika von besonderer Bedeutung.

Die Vorbereitungen begannen

Nachdem der Kontakt mit Ms April, der Zuständigen für Internationale Studenten am Tygerberg Hospital der Stellenbosch University hergestellt war, lief die Bewerbung eigentlich problemlos. Nur sollte man die Termine im Vorfeld mit seinem Prüfungsamt absprechen. Aber zum Glück war Ms April sehr flexibel und so konnte ich zu den vorgegebenen Tertial-Zeiten starten. Dann ging es an das Thema „Visum“. Alle Details zu den Visavorschriften findet man auf den Seiten der Südafrikanischen Botschaft. Medizinstudenten haben eigene Visavorschriften, da sie u.a. ein ziemlich ausführliches Gesundheitszeugnis benötigen. Bis man alle nötigen Unterlagen für das Visum zusammen hat, muss man schon etwas Zeit einplanen. Alles Weitere ist dann denkbar einfach, da München eine eigene Botschaft am Sendlingertor hat (Besuchszeiten Mo-Fr 9:00-12:00 Uhr) hat und man dort alles persönlich abgeben und gleich prüfen lassen kann. Für das Visum braucht man einen Röntgen Thorax zum Ausschluss von Tuberkulose und den Nachweis sämtlicher Standardimpfungen. Da der Norden und Nordosten Südafrikas Malariagebiet ist, sollte bei Reisen in diese Gegend auch über eine entsprechende Chemoprophylaxe nachgedacht werden. Auch um seine Auslandsreisekrankenversicherung sollte man sich rechtzeitig kümmern. Im Vorfeld meines Südafrika-Aufenthaltes hatte ich einen Lonely Planet Reiseführer geschenkt bekommen und der war bei vielen Ausflügen und deren Planung auch sehr hilfreich. Nur die Preisangaben darin waren meist viel zu günstig, da in letzter Zeit, v.a. mit Blick auf die WM 2010, die Preise anscheinend doch sehr angezogen haben. Die Infos zu Land, Leute und zur Geschichte des Landes waren jedoch sehr nützlich. Was gilt es noch mitzunehmen? Nun, je nach Abteilung braucht man im Krankenhaus einen Kittel, Scrubs oder einfach nur Zivilkleidung. Scrubs und Kittel kann man aber auch vor Ort kaufen. Ich bin mit South African Airways (SAA) von München über Johannesburg nach Kapstadt geflogen. Flüge mit SAA ab München gibt es zwischen 550 und 800 EUR. Die Flüge gehen in beide Richtungen jeweils abends und kommen am nächsten Morgen an, so dass man eigentlich keinen Tag verliert. Da Südafrika in der gleichen Zeitzone liegt, fällt auch der lästige Jetlag weg. Beim Hinflug habe ich in Johannesburg einen Stopp Over (ohne Aufpreis) gemacht und konnte so auch den Norden und Osten Südafrikas besuchen.

Ankunft in Stellenbosch und Unterkunft

Das Tygerberg Hospital liegt ungefähr 10 min mit dem Auto vom Flughafen Kapstadt entfernt. Wir hatten Glück und wurden von Ärzten des Krankenhauses, die zufällig Zeuge unserer Verhandlungen mit einem Taxifahrer waren, mitgenommen. Ansonsten kann man mit den Taxifahrern über einen Festpreis verhandeln, da es sonst vorkommen kann, dass man kreuz und quer durch die Stadt gefahren wird. Im Sommer 2009 lag eine einfache Fahrt so zwischen 100 und 150 Rand. Auf dem Campus hatte die Security meine Schlüssel als auch die Unterlagen und in der Lodge war bereits alles vorbereitet. Am Montag musste man sich dann noch im International Office registrieren und bekam eine kurze Einführung, bevor man dann der jeweiligen Abteilung vorgestellt wurde. Für medizinische Austauschstudenten der Stellenbosch University gibt es, wie gerade erwähnt, eine eigene International Student Lodge auf dem Campus. Das hat den Vorteil, dass man ohne große Umstände eine saubere Unterkunft hat, direkt am Krankenhaus wohnt, dort schnell Anschluss findet und andere Leute kennen lernt. Es gibt entweder Einzel- oder Doppelzimmer, eine Gemeinschaftsküche und -bad und einmal in der Woche wird geputzt. Im Prinzip ist für alles gesorgt. Die Mensa hat einen kleinen Supermarkt, in dem man alles Wesentliche kaufen kann. Für 2-3 EUR waschen einem die Putzfrauen die Wäsche und am Pool oder auf einem der Sportplätze kann man sich auch ganz gut die Zeit vertreiben. Jeden Mittwochabend trifft sich dann die ganze Lodge zur „Braai Night“ (Braai = Barbecue). Ein Nachteil der Lodge ist in meinen Augen allerdings, dass dort eben auch viel Deutsch gesprochen wird und man kaum südafrikanische Studenten kennenlernt. Ich war anfangs zum Glück der einzige internationale Student in der Gynäkologie, lernte dadurch schnell lokale Studenten kennen, mit denen ich dann in der Freizeit viel unternommen habe und konnte so auch das normale Leben in Südafrika ganz gut kennenlernen. Was die Kommunikation mit der Heimat betraf, so lief mein Kontakt mit Deutschland zum größten Teil über das Internet. In der Bibliothek auf dem Tygerberg Campus kann man über das Uninetzwerk kostenlos Emails verschicken und über eine Art „Prepaid System“ auch ins Internet. Für ca. 20 EUR wird einem vom IT Service auch ein W-Lan Zugang auf dem eigenen Computer installiert, so dass man in der International Student Lodge direkt ins Internet und dort auch über Skype telefonieren kann. Um mit anderen internationalen und einheimischen Studenten zu telefonieren, kann man sich in jedem Supermarkt eine SIM Karte kaufen und dafür in vielen Geschäften als auch sogar an Automaten im Krankenhaus Guthaben erwerben.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Tygerberg Hospital in Stellenbosch Südafrika
Tygerberg Hospital in Stellenbosch Südafrika

Ich habe an der Stellenbosch University zwei Monate Gynäkologie und zwei Monate Geburtshilfe gemacht. Gleich am Anfang wurde man einem so genannten „Firm“ zugeteilt. In meiner Abteilung bestand ein „Firm“ aus einem „Consultant“ (Oberarzt), einem „Registrar“ (Facharzt), einem „Intern“ und 4-5 Studenten. Jeder „Firm“ hatte eigene Patienten und einen festgelegten Wochenplan. In der Gynäkologie sah mein Plan folgendermaßen aus: Montag: „Admissions“ Am Montag kamen alle neuen Patientinnen, wurden aufgenommen und OP fertig gemacht. Aufgabe von uns Studenten waren dabei Anamnese, Untersuchung, Labor sowie Anordnen und Organisation aller notwendigen Untersuchungen wie EKG, Röntgen, etc. Im Anschluss wurde jede Patientin dem Rest des „Firm“ vorgestellt und mit den Ärzten besprochen. Zusammen mit den Ärzten bzw. unter deren Aufsicht wurde die Patientin dann noch gynäkologisch untersucht und bei Bedarf ein Ultraschall gemacht. Für die selbst aufgenommenen Patientinnen war man als Student dann auch weiterhin verantwortlich, hat bei deren OPs assistiert und musste sie jeden Tag vor der Visite untersuchen als auch dann bei der Visite den Verlauf vorstellen. Dienstag: OP Tag Am Dienstag wurden dann die am Montag aufgenommenen Patientinnen operiert. Mittwoch: „On Call“ Jeden Mittwoch hatte mein „Firm“ 24h in der Ambulanz Dienst. Auch hier mussten die Studenten die Patientinnen aufnehmen, untersuchen und im Notfall mit im OP assistieren. Auch hier wurde jeder Fall im Anschluss mit dem jeweiligen Arzt besprochen. Da hier nur Frauen ohne Termin, entsprechend wenigen Voruntersuchungen und meist recht akuten Problemen kamen, fand ich die Dienste immer sehr spannend und lehrreich. Nachts gab es dann einen „On call room“, in dem man zwischendurch ein paar Stunden schlafen konnte. Donnerstag: „Post Call Day“ Nach der Oberarztvisite konnte man meistens zwischen 9:00 und 10:00 Uhr gehen und hatte den Rest des Tages zum Schlafen. Freitag: „Clinics“ In die „Clinic“ kommen Patientinnen zur Vor- und Nachsorge, zu Routineuntersuchungen sowie Patientinnen mit nicht hoch akuten Problemen. Sie werden dort ambulant versorgt bzw. erhalten Termine zur weiterführenden Diagnostik oder Behandlung. Jedes dritte Wochenende hatte mein „Firm“ zudem entweder am Samstag oder am Sonntag 24h Dienst in der Ambulanz. In der Geburtshilfe war der Wochenplan ähnlich. Da es dort natürlich keine elektiven OPs gibt, hatte man am Dienstag eine Lehrvisite und dann schon etwas früher aus. Dafür war während der Dienste so viel los, dass man eigentlich kaum zum Schlafen kam. In 24h finden im „Labour Ward“ dort so um die 30 Geburten statt. Da in einer Uniklinik in Südafrika hauptsächlich Problemschwangerschaften aufgenommen werden, waren davon manchmal fast die Hälfte Kaiserschnitte. Als Student hat man den Geburtsfortschritt der schwangeren Frauen überwacht, d.h. die Frauen untersucht, bei Bedarf mit der Geburtseinleitung begonnen und die Vitalparameter von Mutter und Kind im Auge behalten. Letztendlich konnte man entweder die Geburt unter Aufsicht selbst durchführen oder ggfs. beim Kaiserschnitt assistieren. Ob man als Student darüber hinaus weitere therapeutische oder diagnostische Maßnahmen durchführen durfte, hing stark vom jeweiligen „Registrar“ ab, aber nachfragen lohnt sich in jedem Fall. Ich hatte Glück und meistens nette und motivierte Ärzte, die mir viel gezeigt und beigebracht haben. Natürlich gab es auch andere Ärzte, aber wie viel man letztendlich dort lernt, hängt auch viel vom persönlichen Engagement ab. Je nach Abteilung nahm man es am Tygerberg Hospital mehr oder weniger genau mit der Anwesenheit der internationalen Studenten. Wenn man jedoch nicht regelmäßig da ist, bekommt man auch keine eigenen Patienten und wird eben auch nicht richtig in das Team eingebunden. Zusätzlich gab es in meiner Abteilung für Studenten eine Art Übergabe am Morgen von 7:30 -8:00 Uhr, in der das Dienst habende „Firm“ interessante Patientinnen vorstellte und diese gemeinsam diskutiert wurden. Mittags in der Zeit von 12:00-13:00 Uhr fand dann jeden Tag ein Seminar zu verschiedenen Symptomen und Krankheitsbildern statt. Aufgrund anderer Krankheitsbilder und fehlender finanzieller Mittel unterscheiden sich die Behandlungsstrategien in Südafrika zwar etwas von den deutschen, aber die meisten Ärzte wissen über europäische Standards Bescheid und wiesen mich auch oft auf die Unterschiede hin. Insgesamt waren, soweit ich das beurteilen kann, die meisten Ärzte sehr kompetent und belesen als auch die Ausbildung der Studenten meiner Meinung nach sehr gut – und v.a. auch etwas Praxis näher als in Deutschland. Und so spärlich die Ausstattung mancher Räume des Krankenhauses auch war, gab es meistens trotzdem moderne Geräte zu Diagnostik und Therapie, nur dass diese nicht so häufig wie in Europa eingesetzt werden.

Leben in Südafrika

Grandioser Blick vom Tafelberg auf Kapstadt
Grandioser Blick vom Tafelberg auf Kapstadt

Südafrika hat 13 offizielle Landessprachen. Neben 11 lokalen Mundarten ist dies „Afrikaans“, das eng mit dem Holländischen verwandt ist, und Englisch. Da die meisten Menschen Englisch können, kommt man damit auch im ganzen Land ganz gut über die Runden. Besonders in der Region um Kapstadt wird von der weißen Bevölkerung noch sehr viel „Afrikaans“ gesprochen. So ist auch die Stellenbosch University eine „Afrikaans“ University und man trifft dort viele Studenten und Dozenten, die aus Stolz und Tradition nur „Afrikaans“ sprechen. Meist hilft es aber, sie wieder und wieder daran zu erinnern, dass man dies nicht versteht und es wird wieder ins Englische gewechselt. Einfach nicht entmutigen lassen und immer wieder nachhaken. Ansonsten war ich überrascht, wie viele Leute Deutsch sprechen. Das sind entweder Kinder deutscher Aussiedler oder Südafrikaner mit einer Verbindung zu Namibia (ehemals deutsche Kolonie). Im internationalen Studentenwohnheim der Stellenbosch University wohnen viele deutsche, holländische und englische Studenten, so dass dort auch viel Deutsch gesprochen wird. Die Währung in Südafrika ist der Südafrikanische Rand. Der Wechselkurs (damals: 1 EUR = ca. 11 Rand) schwankt stark und ist v.a. im Zeichen der WM 2010 weiter angestiegen. Ich habe vor Ort fast alles in bar bezahlt. Es gibt überall, so z.B. an den meisten Tankstellen, Geldautomaten. Dort sollte man allerdings darauf achten, dass man unbeobachtet ist und am Automaten keine Veränderungen vorgenommen wurden, da das Ausspähen von Kartendaten anscheinend häufig vorkommt. Ich hatte eine Kreditkarte einer Bank, mit der man kostenlos an allen Geldautomaten im Ausland Geld abheben kann – dafür ist das Bezahlen mit dieser Karte mit Gebühren verbunden. Die Währungen Swasilands und Lesothos sind 1:1 an den Rand gekoppelt und der Rand wird auch in beiden Ländern akzeptiert. Am Geldautomaten erhält man dort allerdings nur die landeseigene Währung, mit der man zurück in Südafrika nicht bezahlen kann. Was Verkehrsverbindungen betrifft, so bewegt sich im Land fast alles mit dem Auto. In SA fährt man auf der linken Seite, was nach kurzer Gewöhnungsphase aber auch gut klappt. Vor allem Nebenstraßen sind oft in schlechtem Zustand und man muss immer auf z.T. sehr große und tiefe Schlaglöcher achten. Bis auf einige wenige neue Highways sind auch alle Straßen kostenlos. Andere schnellere Verkehrsteilnehmer erwarten, dass man auf den Standstreifen ausweicht und ihnen so das Überholen ermöglicht. An die manchmal etwas undurchsichtigen Geschwindigkeitsbegrenzungen sollte man sich aber immer halten, da im ganzen Land ziemlich viel geblitzt wird. Zudem gibt es gute über Land Busverbindungen und für Backpacker den „BazBus“, der an den meisten „Hostels“ hält. Dann ist man jedoch auf die oft sehr teuren Touren der Hostelbetreiber angewiesen, um mehr zu sehen.

Sicherheitsaspekte

In den Städten gibt es ein Minibussystem. Diese sind aber meist überladen, fahren mehr als waghalsig und sind angeblich auch nicht wirklich sicher. Außerdem ist für Außenstehende das Liniensystem dieser Minibusse nicht durchschaubar und man müsste erst die Zeichensprache zur Verständigung mit den jeweiligen Busfahrern lernen. Ich bin deshalb in der Stadt auch immer mit dem Auto unterwegs gewesen. In Kapstadt gibt es zudem eine Art S-Bahn, von der mir aus Sicherheitsgründen aber auch abgeraten wurde. Die Kriminalität ist sicherlich eines der größten Probleme Südafrikas. Trotzdem hatte ich persönlich kein einziges negatives Erlebnis. Und wenn man dem gesunden Menschenverstand folgt und eben nicht nachts alleine Auto fährt, nicht in problematischen Gegenden unterwegs ist oder offensichtlich Wertsachen trägt, kann man das Risiko auch minimieren. Aufgrund der Sicherheitslage war ein Mietauto allerdings unerlässlich, da davon abgeraten wird, sich zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewegen. Lediglich die Innenstadt Kapstadts und Stellenbosch sind da eine Ausnahme. Mietautos gibt es vor Ort zu relativ günstigen Preisen. Am besten spricht man mit anderen Studenten, die wissen meist, wer zuverlässig und billig ist.

Beeindruckendes Südafrika

An einem Wasserloch im Addo Elefant National Park Südafrika
An einem Wasserloch im Addo Elefant National Park Südafrika

Landschaftlich ist Südafrika einfach wunderschön. Von rauen Felsküsten bis zu traumhaften Sandstränden, von Wüsten bis zu subtropischen Regenwäldern sowie von weiten Ebenen bis zu tiefen Schluchten und schroffen Bergen findet man dort so ziemlich alles. Und unter Giraffen und Elefanten kommt man sich in den großen Nationalparks dann auch fast wie im Zoo vor. Ich kann nur jedem eine Safari in einem der Parks empfehlen, da es für mich deutlich aufregender war, die Tiere selbst zu entdecken, als in einem „Game Park“ zu den Tieren gefahren zu werden. Von Kapstadt und einigen kleinen Städten am „Western Cape“ abgesehen, fand ich die Städte dagegen weniger eindrucksvoll. Diese sind meist noch nicht sehr alt, sehr weitläufig und haben wenig wirklich Sehenswertes zu bieten. Man kann darüber streiten, ob es gut ist, die Armut in den „Townships“ zu besichtigen. Für mich ist aber auch das eines der vielen Gesichter dieses Landes und ich denke, man kann erst dann behaupten, ein Land zu kennen, wenn man weiß, wie ein Großteil dessen Bevölkerung lebt. Kapstadt selbst liegt super schön zwischen Tafelberg und Meer und hat auch eine ganz nette Innenstadt mit z.T. sehr schönen Ecken, wie z.B. das muslimische Viertel „Bo-Kaap“. Tygerberg ist ungefähr 30 Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Fährt man ca. 40 Minuten in die entgegengesetzte Richtung, kommt man in das kleine Städtchen Stellenbosch mit dem Hauptcampus der Stellenbosch University. Stellenbosch ist eine Kleinstadt im Kap-holländischen Stil mit vielen schönen Häusern, Restaurants und Cafés und liegt direkt am Fuß der Berge zwischen vielen Weingütern. Dort kann man übrigens gut den einen oder anderen späten Nachmittag beim „Wine-Tasting“ verbringen. Unweit von Stellenbosch schließen sich weitere nette Städte wie „Paarl“ und „Franshoek“ an. Fast zum Pflichtprogramm in Kapstadt gehört natürlich auch ein Besuch am Kap und der Tafelberg, den man am erstbesten schönen Tag besteigen sollte, da nur allzu oft das so genannte „Tafeltuch“ die Sicht auf ihn und besonders vom Berg herab beeinträchtigt. Mindestens genau so schön fand ich aber auch die Sonnenuntergänge vom „Lions Head“, einem etwas niedrigeren Berg direkt neben dem Tafelberg, von dem man das Meer, Kapstadt und den Tafelberg zugleich sieht. Neben der Landschaft ist natürlich der Mix aus all den verschiedenen Kulturen und Bevölkerungsgruppen faszinierend. In vielen Bereichen des Alltags merkt man, wie jung die bewegte Geschichte dieses Landes mit Kolonisation und Apartheid erst ist. In Fragen der Gleichberechtigung, beim Sport – Weiße verfolgen hauptsächlich Rugby und Kricket, Schwarze v.a. Fußball – oder der Sprache führt dies auch immer wieder zu Spannungen. Verschärft wird diese Problematik eben auch durch die große Schere zwischen Arm (überwiegend farbige Bewohner) und Reich. Abgesehen von diesen Spannungen, fand ich, könnten wir Europäer uns mit unseren vergleichsweise doch eher geringen kulturellen Differenzen am meist ungezwungenen Miteinander vieler Südafrikaner unterschiedlichster Herkunft oft ein Beispiel nehmen. Und trotz aller Sicherheitsproblematik habe ich in Südafrika nur positive Erfahrungen gemacht.

Mein Fazit

Blick auf Kapstadt und den Tafelberg
Blick auf Kapstadt und den Tafelberg

Alles in Allem wurden meine Erwartungen an diesen Aufenthalt mehr als erfüllt. Ich habe im Krankenhaus viel gesehen, gelernt und geübt – und dazu noch sehr viele nette Leute kennen gelernt. Neben medizinischen Erfahrungen konnte ich so auch viele persönliche Erfahrungen sammeln, habe viel vom Land gesehen und eine tolle Zeit in Südafrika verbracht. Und so sind die Wochen dort wie im Flug vergangen. Vor allem der große Unterschied zwischen Arm und Reich und die z.T. sehr unterschiedliche Kultur machten diesen Aufenthalt zu einer eindrucksvollen Erfahrung. Es war zwar mein erstes, aber sicher nicht mein letztes Mal auf dem afrikanischen Kontinent.

R., S. München, Oktober 2010

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