PJ in USA – Innere Medizin

7. Oktober 2010

in Chancen im Ausland, Innere Medizin, Praktisches Jahr im Ausland, USA

USA, San Diego, University of California San Diego (19.10.-13.12.2009)

Nachdem ich die erste Hälfte meines Innere-Tertials in Kanada, genauer gesagt in Montreal an der McGill University absolviert hatte, ging es nun zur zweiten Hälfte ins wesentlich wärmere Südkalifornien. Die Vorfreude, als ich den Flieger bestieg, war groß. Auf mich warteten interessante, lehrreiche Wochen und eine klasse Ausbildung an der University of California in San Diego.

Motivation und Wahl des Fachgebietes

Das erste Tertial meines Praktischen Jahres absolvierte ich je zur Hälfte an der McGill University in Montreal, Kanada, und an der University of California San Diego (UCSD) in den USA. Im Fach Innere Medizin lernte ich hierbei die Spezialgebiete Medizinische Onkologie, Endokrinologie, Intensivmedizin und Rheumatologie kennen.

Meine persönliche Zielsetzung und Motivation für diesen Auslandsaufenthalt im Rahmen des Praktischen Jahres war es, mich über einen längeren Zeitraum in das jeweilige soziale Umfeld integrieren zu können und somit zwischenmenschliche und kulturelle Erfahrungen zu sammeln. Solche Auslandsaufenthalte helfen immens dabei, den eigenen Horizont in menschlicher und professioneller Hinsicht zu erweitern.

Ferner erhoffte ich mir, dabei meine Fremdsprachkenntnisse vor allem auf medizinischem Gebiet und im sensiblen Gespräch mit Patienten weiter vertiefen zu können. Ich denke, dass das Miterleben eines anderen Umgangs mit Patienten und innerhalb des medizinischen Teams eine einzigartige Erfahrung darstellen und sich nach meiner Rückkehr auf mein eigenes Verhalten im und außerhalb des Krankenhauses ausgewirkt haben.

Bewerbung

An der University of California San Diego (UCSD) kann man sich frühestens ab dem 1. August eines Jahres für das kommende Studienjahr bewerben. Erwartet wird aber, dass man seine Unterlagen mindestens drei Monate vor Praktikumsbeginn einreicht. Genau darin lag mein Problem, da ich Ende August nach Montreal abflog und das Praktikum in San Diego ab Mitte Oktober beginnen wollte. Der Beginn der Bewerbungsperiode am 1. August hatte aber Vorrang vor der dreimonatigen Ausschlussfrist.

Zum anderen reicht man zunächst ein Motivationsschreiben und einige weitere Unterlagen als vorab Anfrage ein und erhält dann erst nach positiver Begutachtung einen Bewerbungsbogen, für den aber fast identische Informationen wie für die vorab Anfrage benötigt werden, nur eben noch einmal. So musste ich einen Teil der Unterlagen per Fax aus Montreal einreichen sowie einen Teil meiner Unterlagen mit Bestätigungen vom Dekanat und vom Hausarzt, bezüglich Impfungen, durch meine Eltern nach San Diego schicken lassen. Erst drei Wochen vor Praktikumsbeginn kam schlussendlich die Zusage. Informationen zur Bewerbung findet man auf der Homepage der Medizinischen Fakultät der UCSD: meded.ucsd.edu. Auch hier wird erwartet, dass man sich an den vorgegebenen Praktikumskalender hält.

Visum

Für das Praktikum an der UCSD reicht ein B1-Visum, danach gefragt, hatte im Krankenhaus auch niemand. Bei der Einreise muss man natürlich Rede und Antwort stehen, warum und für wie lange man einreist. Ich hatte aus anderen Gründen bereits ein B1-Visum, kann da also keine PJ-spezifischen Informationen geben. Eine persönliche Abgabe eines umfangreichen Antrags im US-Konsulat in Frankfurt dürfte immer noch notwendig sein. Der Pass samt Visum wird dann nach etwa einer Woche zugeschickt.

(Anm.d.Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich stets und rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

… und zusätzliche Vorbereitungen

Für die University of California San Diego hat bei mir ein recht kurzer Brief vom Hausarzt genügt, in dem bestätigt wurde, dass die Impfungen gegen MMR, Tetanus, Diphtherie, Hepatitis A und B sowie VZV aktuell sind und die Immunitäten durch entsprechende Untersuchungen vor wenigen Monaten bestätigt worden sind. Ebenfalls wurde in diesem Brief der negative PPD Test bestätigt. Ich glaube, die UCSD bittet darum, dass der Test innerhalb von 12 Monaten vor Praktikumseintritt gemacht wird.

Für die UCSD wird zudem eine Berufshaftpflichtversicherung benötigt.

Lehrreiche Wochen an der UCSD

1. Veterans’ Affairs Medical Center

Das Veterans Affairs Medical Center in San Diego

Meinen ersten Monat in San Diego verbrachte ich auf der Critical Care Unit (CCU), der Intensivstation, des Veterans’ Affairs Medical Center. Dieses befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Campus der University of California San Diego in La Jolla.

Als Student auf der CCU beginnt der Tag kurz vor 7:30 Uhr mit der Oberarztvisite. Wenn man mehr als einen Patienten betreut, kommt man häufig schon um kurz nach 7:00 Uhr an, um genügend Zeit zu haben nachzusehen, ob es in der Nacht besondere Vorkommnisse gegeben hat. Während meiner Rotation waren wir drei Studenten, was wohl ungefähr der normalen Anzahl an Studenten entsprechen soll. Man arbeitet gemeinsam mit fünf bis sechs Assistenzärzten, die sich allerdings wegen der Dienste oft abwechseln, so dass immer drei bis vier zeitgleich da sind. Der normale Arbeitstag dauert bis etwa 16:00 Uhr oder 17:00 Uhr, allerdings gibt es auch häufig Tage, an denen bereits um 14:00 Uhr kaum noch Arbeit da ist, so dass es einem nahe gelegt wird, nach Hause zu gehen.

Jeden dritten Tag sollen die Studenten zusätzlich zur normalen Arbeitszeit einen Spätdienst übernehmen, der bis mindestens 22:00 Uhr und manchmal über die ganze Nacht dauert. Diese Dienste schließen Wochenenden und Feiertage mit ein. Dafür wird man am darauf folgenden Tag meistens kurz nach dem Mittagessen nach Hause entlassen.

Die Oberarztvisite dauert häufig über drei Stunden, wobei etwa 15 Patienten gesehen werden. Die Visite teilt sich in zwei Teile, einen mit dem kardiologischen Oberarzt, die selten mehr als eine Stunde dauert, und den zweiten mit einem Pneumologen, Anästhesiologen oder Intensivmediziner, die jeweils abwechslungsweise die nicht-kardiologischen Patienten betreuen. Während der Visite werden die Krankengeschichte und der stationäre Verlauf des Patienten sowie aktuelle Untersuchungsergebnisse oder eingeleitete Intensivmaßnahmen vom Studenten oder vom Assistenzarzt vorgestellt und mit dem Oberarzt besprochen. Hierbei sind die Studenten angehalten, ihre Vorschläge zum weiteren Vorgehen zu äußern. Daraufhin wird in lockerer Atmosphäre darüber mit dem Oberarzt diskutiert, auch wenn oft inklusive Pflege, Pharmatherapie-Beratern und anderen Mitarbeitern über zehn Personen bei der Visite dabei sind und es daher ab und zu Probleme gibt, der Diskussion folgen zu können.

Insgesamt lernt man während seines Aufenthalts auf der Critical Care Unit aber sehr wertvolle Informationen zu Beatmung, Kreislaufstabilisierung, Notfallmedikamente oder intensivmedizinischer Antibiotika Therapie. Darüber hinaus ist man als CCU Besatzung gleichzeitig das Reanimationsteam des Krankenhauses. Während meiner Rotation hatten wir etwa fünf oder sechs Reanimationsalarme, die mehr oder weniger ernsthaft waren, und als Student war man stets aktiv an der Maßnahme beteiligt.

Erst nach einigen Tagen im Veterans’ Affairs Medical Center war es mir plötzlich aufgefallen, dass dort nahezu ausschließlich männliche Patienten behandelt werden. Die wenigen Patientinnen sind meistens Angehörige von Veteranen oder früher selbst in der militärischen Verwaltung Tätige. Die männliche Patientenpopulation bringt es mit sich, dass zum einen manche Krankheitsbilder, die vor allem bei Frauen vorkommen, kaum jemals dort gesehen werden, zum anderen auch eine andere Umgangsart mit den Patienten zu merken ist.

Normalerweise werden bei weiblichen und männlichen Patienten ärztlicherseits unterschiedliche Umgangsweisen benötigt und gewählt, die jeweils darauf abzielen, dem Patienten das Krankheitsgeschehen bestmöglich zu erklären und seine Kooperation bei der vorgesehenen Therapie zu sichern. Im Veterans’ Affairs Medical Center hingegen waren die meisten Ärztinnen und Ärzte stets sehr direkt und manchmal ziemlich befehlend in ihrer Kommunikation mit den Patienten. Möglicherweise ist dies auch durch den militärischen Hintergrund der Patienten erklärbar. Andererseits war der Umgang mit den Patienten durch eine besondere Art von Respekt und Ehrerweisung geprägt, wie ich ihn selten irgendwann zuvor erlebt hatte. War dann doch eine Frau in Behandlung, wurde dies an der Zimmertür gesondert vermerkt und um Anklopfen als auch Diskretion gebeten.

Die Arbeit im Veterans’ Affairs Medical Center war auch aus diesem Grund eine besondere Erfahrung. Die soziale Herkunft reichte von Obdachlosen und Drogenabhängigen bis hin zu Angestellten, wobei sich die besser betuchten Veteranen sicherlich in Privatkliniken behandeln lassen.

2. Veterans’ Affairs Medical Center und UCSD Medical Center

Den zweiten Abschnitt der Tertial-Hälfte absolvierte ich in der Abteilung für Rheumatologie der University of California San Diego. Bei diesem Praktikum rotiert man zwischen den drei mit der UCSD assoziierten Krankenhäusern, dem Veterans’ Affairs Medical Center, dem UCSD Medical Center in Hillcrest und dem UCSD Medical Center Thornton.

In erster Linie übernimmt man als Student, normalerweise zu zweit und gemeinsam mit einem Assistenzarzt sowie einem „Fellow“ (Stufe zwischen „Resident“, Assistenzarzt, und „Attending“, Oberarzt), die Annahme von rheumatologischen Konsilen und die Weiterbetreuung. Oft kommt es vor, dass man Patienten an den unterschiedlichen Standorten hat und da man pro Tag jeden Patienten mindestens einmal visitiert, können schon lange Transferzeiten entstehen.

Zwischen dem Veterans’ Affairs Medical Center und dem UCSD Medical Center Thornton verkehrt ein Shuttlebus, der etwa 20 bis 25 Minuten benötigt. Zum UCSD Medical Center Hillcrest benötigt man mit öffentlichem Verkehr oder UCSD Shuttlebus von den beiden anderen Krankenhäusern in La Jolla jeweils ungefähr 50 Minuten. Ein Auto macht sicherlich vieles einfacher, bringt aber natürlich eine ordentliche finanzielle Belastung mit sich. Etwa 300.- USD pro Monat ist das billigste Angebot bei www.dirtcheapcarrentals.com, altersschwache Autos sind dort allerdings allem Anschein nach die Regel. Manchmal kann man aber von den Ärzten mitgenommen werden.

Montagmorgens (9:00-12:00 Uhr) nimmt man außerdem an der rheumatologischen Sprechstunde im Veterans’ Affairs Medical Center teil, Mittwochnachmittags (13:00-17:00 Uhr) im UCSD Medical Center Hillcrest. Das UCSD Medical Center Hillcrest ist ein modernes Krankenhaus mit einer angenehmen Stimmung und sehr guten Ausstattung, das vor allem die Bewohner des Trend Viertels Hillcrest versorgt. Das UCSD Medical Center Thornton ist eine Klinik für wohlhabende Privatpatienten, als Konkurrenz zu den zahlreichen Privatkrankenhäusern in San Diego gedacht. Entsprechend sind auch die Ausstattung und das Ambiente – beides erinnert sehr an ein Luxushotel.

Der Lerneffekt in der UCSD Rheumatologie war sehr gut und hat unsere Erwartungen übertroffen. In den Konsilen sah man eine Vielzahl an Krankheitsbildern, von Morbus Wegener über Mukokutanes Lymphom sowie die unterschiedlichsten Formen von Lupus, Sarkoidose und Arthritiden. Bei den meisten Patienten waren wir als Studenten angehalten, sie zuerst zu sehen und komplett zu untersuchen, um sie dann dem „Resident“ und dem „Fellow“ vorzustellen. Neben der ausgiebigen Diskussion mit ihnen wird jeder Patient auch mit einem Oberarzt durchgesprochen. Sehr hilfreich für das Lernen war, dass wir Studenten bei neuen Patienten oder neuen Fragestellungen jeweils für den nächsten Tag die Aufgabe bekamen, uns Konzepte bezüglich notwendiger Diagnostik oder Therapieoptionen zu überlegen. Dies beinhaltete sowohl Buchstudium als auch manchmal Literaturrecherche, um aktuelle Fortschritte oder Änderungen der Leitlinien berücksichtigen zu können.

Neben den Konsilen und der Ambulanzarbeit blieb tagsüber eigentlich fast immer noch genügend Zeit, um rheumatologische Inhalte nachzulesen oder sich bezüglich anderer Inhalte der Inneren Medizin fortzubilden. Außerdem gibt es zahlreiche Fortbildungen. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die täglich veranstalteten Kolloquien der Inneren Medizin, in denen neue Erkenntnisse aus Forschung und Klinik vorgestellt wurden. Dies geschah gelegentlich von Rednern aus anderen Universitäten der USA und Kanada, auch wenn die hauseigene Forschung der UCSD ebenfalls auf einem beeindruckend hohen Niveau angesiedelt ist.

Fazit zu meiner Arbeit an der UCSD

Insgesamt gesehen war die Zeit an der UCSD wirklich toll und ich habe sie sehr genossen. Wie an den meisten amerikanischen Universitäten steht die Ausbildung der Studenten sehr im Vordergrund und die Einbindung in das Team funktioniert hervorragend. Die Ärzte geben sich stets sehr viel Mühe, etwas zu erklären.

Die Ausbildung in der Rheumatologie war klasse und mit einigen Abstrichen auch das „Teaching“ in der Critical Care Unit. Im Vergleich zu den Kliniken der McGill University in Montreal, Kanada, merkte man den Ärzten im Veterans’ Affairs Medical Center eher den Fokus auf einer exzellenten klinischen Versorgung und Kompetenz an. Dennoch forschen viele von ihnen ausgiebig. Vor allem die Ärzte an den UCSD Medical Centers in Hillcrest und Thornton waren bei Interesse immer bereit, einiges an Insiderwissen aus ihrem Forschungsbereich weiterzugeben.

Unterkunft in San Diego

Hier lässt es sich wohnen - Mission Beach in San Diego
Hier lässt es sich wohnen – Mission Beach in San Diego

Meine endgültige Zusage für San Diego erhielt ich in Montreal, ganze drei Wochen vor Ablauf der Tertial-Hälfte, also vor dem Umzugsdatum. Von der für das „Visiting Student Electives Program“ zuständigen Koordinatorin erhält man eine umfangreiche Liste mit möglichen Optionen für Untermiete, meistens von UCSD Mitarbeitern, die für Studenten Wohngelegenheiten anbieten. Diese reichen von 400.- bis 1.500.- USD und von 0,2 bis 30 Kilometer Umkreis zum jeweiligen Einsatzort.

Für mich kamen nur wenige Angebote in Frage und nach mehreren Nachrichten, dass das jeweilige Zimmer bereits belegt sei, machte ich mich auf craigslist.org auf die Suche. Die Angebote dort muss man gründlich durchsuchen, um etwas Passendes und vergleichsweise Günstiges zu finden. Im Endeffekt landete ich bei einer WG, die durch eine Maklerin vermittelt wurde (www.missionbeachmanagement.com).

Es handelte sich um einen Ferienbungalow in „Mission Beach“, der außerhalb der Hauptsaison normal vermietet wird. Das Zimmer war ziemlich klein und kostete 800.- USD pro Monat. Dafür war der Bungalow relativ gut ausgestattet, stand in der zweiten Hausreihe am Ozean und die Terrasse mit Riesen-Gasgrill bot direkten Ozeanblick. Ich hatte drei Mitbewohner, der „Marine“ in der angegliederten, großen Wohnung zog aber relativ schnell aus und ging nach Afghanistan. Ansonsten wohnte ich mit einem Aussteiger und Surfer aus New York City und einem Militärangestellten aus Arizona zusammen. Es war eine super Stimmung und eine tolle Zeit mit großartigen Strandparties, und so war es mir rückblickend absolut wert, knapp 200.- USD pro Monat mehr ausgegeben zu haben als für ein vergleichbar großes Zimmer in „Hillcrest“. Dort wohnen die meisten deutschen Studenten und das ist rund 8 bis 10 Kilometer vom Strand entfernt. Mein Arbeitsweg nach „La Jolla“ oder „Hillcrest“ war jedoch mit dem Bus mit etwa 50 Minuten schon ziemlich happig. Die Sonnenuntergänge über dem Ozean auf dem Heimweg haben dafür aber mehr als entschädigt.

Finanzielles

Die UCSD Studiengebühren betrugen 250.- USD pro vierwöchigen Abschnitt.

Der Gabelflug von Deutschland nach Montreal, wie erwähnt wegen meines ersten PJ Abschnitts in Kanada, und von San Diego nach Deutschland, mit Änderungsoption für den Rückflug, weil ja noch keine Zusage von der UCSD zu Beginn vorlag, kostete knappe 900.- EUR; der Flug von Montreal nach San Diego war nur mit Umsteigen in den USA möglich und überraschenderweise mit etwa 300.- USD für die eine Richtung sehr teuer. Ich hätte nicht gedacht, dass Flugverbindungen zwischen Kanada und USA – außer den großen Metropolen – so teuer und kompliziert sind.

Leben in Kalifornien

Der berühmte Grand Canyon
Der berühmte Grand Canyon

Was die Temperaturen betraf, war ich entsprechend froh, nach meinem PJ Abschnitt in Montreal ins warme Südkalifornien weiterreisen zu können. Das Wetter in San Diego erfreut die Bewohner mit fast durchgehendem Sonnenschein und Temperaturen von nur knapp unter 20 Grad im Winter. Ende November sonnte ich mich das letzte Mal am Strand, bei etwa 28 Grad, danach setzte ungewöhnlich regnerisches und eher kühles Wetter ein. Die Badesaison wird aber scheinbar im Januar oder spätestens Februar wieder eröffnet. San Diego hat nur ganz wenige Regentage im Jahr, dafür gleicht ein Regentag einer großen Umweltkatastrophe, unter anderem auch, weil die Kanalisation nicht auf größere Regenmengen ausgelegt ist und somit oft ganze Straßen unter Wasser stehen.

Die Kalifornier sind ein sehr nettes, lockeres und lustiges Volk. Allerdings laufen die zwischenmenschlichen Beziehungen oft auf einer sehr oberflächlichen Ebene ab und viele der Kalifornier haben sich dann leider doch als ziemlich egozentrisch herausgestellt. Die wirklich guten Freundschaften konnte ich vor allem zu Leuten aufbauen, die ursprünglich aus dem Osten der USA oder dem Ausland kamen.

Die Strände in Südkalifornien sind wunderschön und für ausgezeichnete Freizeitbeschäftigungen aller Art geeignet, mit der Einschränkung, dass Grillen und Alkoholkonsum mittlerweile an vielen dieser Strände verboten sind. Surfen ist in San Diego sehr beliebt und die Wellen sind wirklich optimal dafür.

Ansonsten ist San Diego „Downtown“ sicher einen kurzen Besuch wert, die USS Midway, ein Flugzeugträger im Hafen von San Diego, kann besichtigt werden. In „Old Town“ findet man einen eher auf Touristen ausgerichteten, aber dennoch interessanten Nachbau einer südkalifornischen Siedlung. Schön ist auch der Besuch des nahe gelegenen „Presidio Parks“. „La Jolla Village“, auf dem Weg zum UCSD Campus, ist als Kontrastprogramm ebenfalls sehr sehenswert – mit schicken Wohnhäusern, trendigen Restaurants, Hotels und Geschäften. „La Jolla“ soll die größte Dichte an Millionären in den gesamten USA haben. Lohnenswert auch ein Besuch des „Balboa Parks“, sowohl wegen der schönen Natur und Architektur, aber auch wegen den zahlreichen Museen.

In unmittelbarer Nachbarschaft zu San Diego liegt hinter der mexikanische Grenze mit dem riesigen Grenzzaun die Stadt „Tijuana“, früher als billige Party Location bei den Kaliforniern beliebt, heute als Hauptstadt der Drogenmafia und der Drogenkriege eher gemieden, vor allem seitdem dort auch Touristen ums Leben kommen.

Daher sollte man sich eher in die andere Richtung, ins knappe zwei Autostunden nördlich gelegene Los Angeles aufmachen, das mit Hollywood, Beverly Hills, Venice Beach, Malibu und der Getty Villa (zwischen Venice Beach und Malibu) durchaus sehenswert ist. Allerdings sollte man sich besonders von Hollywood nicht zuviel erwarten und sich abends in „Downtown“ LA auf zahlreiche Obdachlose nur wenige Meter abseits der Hauptverkehrsstraßen einstellen.

Wenn man es einrichten kann, so liegt auch der Grand Canyon in Reichweite, und vielleicht schafft man es noch mit dem Flugzeug nach San Francisco. Fast schon obligatorisch ist der Trip nach Las Vegas, etwa sechs bis acht Autostunden entfernt. Die meisten Studenten in San Diego legen mindestens einmal in zwei Monaten ein Vegas-Wochenende ein.

Um die Umgebung von San Diego und eigentlich auch das wirklich weit verteilte San Diego selbst richtig erkunden zu können, empfiehlt sich ebenfalls ein Mietwagen. Ein Roadtrip entlang der südkalifornischen Küste ist ebenfalls herrlich. Für den öffentlichen Nahverkehr kann man bei der UCSD für 15.- USD einen Lichtbildausweis kaufen und damit rund zehn Buslinien umsonst nutzen, die die Krankenhäuser der University of California San Diego anfahren. Natürlich kann man damit auch mit der gleichen Buslinie einfach von daheim bis nach „Downtown“ fahren.

Mein Resümee

Kalifornien und seine Strände
Kalifornien und seine Strände

Zusammengefasst war mein PJ-Tertial der Inneren Medizin in Montreal und San Diego ein großartiges Erlebnis, bei dem ich viele tolle Menschen getroffen und viel über Medizin, Kanada, Kalifornien und mich selbst gelernt habe.

Ich bedanke mich bei der Allianz herzlich für das Reisestipendium und kann jedem nur empfehlen, einen PJ-Abschnitt an der McGill University in Montreal und/oder der University of California San Diego zu absolvieren.

S., A.
Tübingen, Juli 2010

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1 Kommentar

  • Hi, ich bin auch gerade an der UCSD. Ich wollte fragen ob du noch weisst, wo oder von wem du einen Krankenhaus Stempel bekommen hast, wenn überhaupt einen? Ich brauch meinen fürs Landesprüfungsamt, aber kein Arzt scheint einen zu haben.

    Danke im Voraus für deine Zeit und Mühe.

    MfG, Virginia

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