PJ in der Schweiz – Innere Medizin

3. August 2010

in Chancen im Ausland, Innere Medizin, Praktisches Jahr im Ausland, Schweiz

Schweiz, Dornach, Spital Dornach (01.08.-30.11.2009)

Schon viele meiner Kommilitonen hatte es vor mir für einen PJ-Abschnitt in die Schweiz gezogen. Und obwohl ich mich erst verhältnismäßig kurzfristig beworben hatte, klappte es auch bei mir mit der Bewerbung. So weit, so gut. Wie sich in meinem Fall herausstellen sollte, empfiehlt es sich, sich schon früh, am Besten bereits zu Beginn der Bewerbungsphase, einen Eindruck von seinem möglichen späteren Arbeitgeber zu machen.

Praktisches Jahr bei unserem südlichen Nachbarn

Rathaus in Basel
Rathaus in Basel

Die Entscheidung, mich für einen Tertial in der Schweiz zu bewerben, entstand bei mir eher aus dem Wunsch heraus, ein paar Monate im Süden Deutschlands zu verbringen. Da dieses momentan noch auf Grund der eingeschränkten PJ-Mobilität in Deutschland nicht möglich ist, bewarb ich mich in der schweizerischen Grenzregion um Basel. Des Weiteren war es für mich wichtig, dass ich mich nur an kleineren Häusern bewarb, da die Erfahrungen mit kleineren Häusern in Deutschland immer durchaus vorteilhaft für mich waren.

Für mich war somit nicht die gebotene Bezahlung ausschlaggebend. Und, das muss ich schon an dieser Stelle meinem Fazit vorweg nehmen, bin ich mit der Entscheidung, für ein Tertial in die Schweiz zu gehen, nicht unbedingt glücklicher gewesen. Ich habe nicht unbedingt mehr gelernt und bin auch nicht zufriedener mit mir gewesen, als ich es an meiner Heimatuni mit den vielfach kritisierten PJ-Bedingungen an deutschen Universitätskrankenhäusern hätte sein können.

Bewerbung und Zusage

Da es schon viele vor mir für einen PJ-Abschnitt in die Schweiz gezogen hat, war es natürlich erst einmal ein leichtes, mich mit jemandem über sein dort verbrachtes Tertial zu unterhalten. Der nächste Schritt war die Suche nach potenziellen Arbeitgebern. Dafür eignet sich nun mal das Internet und so lud ich mir die Anschriften der Spitäler in der deutschsprachigen Schweiz aus dem Internet runter. Es empfiehlt sich auch schon an dieser Stelle, einen Blick auf www.pj-ranking.de zu tätigen, um sich schon einen Eindruck von seinem möglichen späteren Arbeitgeber zu machen.

Hat man also die Adressen, geht es ans Eingemachte. Ich hatte mich relativ spät, ca. ein halbes Jahr vor Beginn des Tertials, beworben, hatte aber dennoch viele Zusagen erhalten. Es empfiehlt sich im Allgemeinen, sich ca. ein bis ein anderthalb Jahre vor Beginn des Tertials zu bewerben. Es springen aber immer wieder kurzfristig Studenten ab, sodass es sich sogar lohnt, sich sehr kurzfristig zu bewerben. Meist ist es ausreichend, wenn man nur mit einer Email nachfragt, ob eine Stelle frei wäre. Wenn dem so ist und mehr gewünscht wird, bekommt man dieses schon mitgeteilt. Ich hatte mich jedoch von Anfang an mit einem Motivationsschreiben und Lebenslauf beworben.

Nach schon kurzer Zeit erhielt ich eine Zusage von den ersten Spitälern und entschied mich dann, wie schon oben erwähnt, nach der örtlichen Präferenz. Die Wahl fiel also auf Dornach, das in direkter Nachbarschaft zu Basel lag und ebenso nur ein paar Meter von der deutschen Grenze entfernt, was natürlich eine finanzielle Entlastung beim Einkaufen bedeutete. Weil, das sollte man sich vor seinem Aufenthalt in der Schweiz bewusst sein, die Schweiz nicht billig ist und das Gehalt, das man erhält, gerade ausreicht, um die Unterkunft zu bezahlen und sich mit der Supermarkthausmarke über Wasser zu halten. Die Gehälter variieren zwischen 900- 2.000.- CHF, wobei die höchsten meist im Landesinneren gezahlt werden, wo das Leben aber auch um einiges teurer ist.

Hat man also die Zusage erhalten, bekommt man schon bald die erforderlichen Unterlagen des zukünftigen Arbeitgebers zugesandt, die aus Vertrag und Antragsformularen für die Unfallversicherung, die Aufenthaltsgenehmigung, die Schweiz ist ja nun mal nicht EU, und das Personalhauszimmer, etc. bestehen.

Vorbereitungen

Auch wenn die Schweiz für uns EU-Bürger Ausland bedeutet, gibt es Dank gemäßigtem Klima und doch identischen Impfkalendern keine gesonderten Impfvorschriften. Einen ausreichen hohen Hep. A/B- Titer sollte man als Medizinstudent sowieso ins Spital mitbringen und in der Grippesaison kann man sich je nach Zusammenarbeit mit einer Risikogruppe (Kinder, Rentner) auch eine Grippeschutzimpfung zulegen. Ärztliche Untersuchungen werden vor Ort von dem Betriebsarzt durchgeführt und die Ausführlichkeit ist je nach Spital recht unterschiedlich. Bei mir wurde nur ein Blick in das Impfheftchen getätigt und ich galt als kerngesund.

Eine Reiseversicherung lohnt sich natürlich auf jeden Fall! Zwar bezahlt man alle ärztlich erhaltenen Leistungen vorerst privat, jedoch kann man sich das Geld von seiner deutschen Krankenkasse wieder zurückholen. Wenn man gesetzlich versichert ist, sollte man unbedingt zusätzlich eine private Auslandsreisekrankenversicherung abschließen, da man mit dieser sogar eine vage Chance hat, mehr als nur einen Bruchteil seiner ausgelegten Kosten zurückzuerhalten. Wenn man versucht, nur über die gesetzliche Versicherung Erstattung zu erhalten, muss man bald feststellen, dass von der eigentlichen Rechnung nach deutschem Berechnungsmodell die Praxisgebühr abgezogen wird und ja, auch die Medikamente sind in Deutschland günstiger und so bekommt man nur den Betrag für das in Deutschland günstigste Medikament der Produktgruppe zurück. Da reduziert sich eine Rückzahlung von ursprünglichen 300.- € schnell auf nur 80.- €… Entsprechende Versicherungen kann man über mehrere Gesellschaften abschließen. Die Allianz bietet z.B. ein direkt auf das PJ oder auch die Famulatur abgestimmtes Paket an.

Finanzielles

Das Tertial in der Schweiz finanziert sich plusminusnull von selbst. Gibt man wenig aus und verzichtet auf das gelegentliche Sightseeing und Weggehen, reicht das Geld aus. Tut man dies nicht, zahlt man drauf. Die Schweiz ist nicht gerade das billigste Pflaster und vom Gehalt werden monatlich nicht nur die Miete für das Zimmer im Personalwohnhaus abgezogen, sondern auch eine Gebühr für die Unfallversicherung und eine Bearbeitungsgebühr. Zusätzlich will man sich doch noch gelegentlich ein Mittagessen in der Krankenhauscafeteria leisten und das schlägt sich auch auf den Geldbeutel aus. In Dornach hat das tägliche Mittagessen mit kleinem Salat ca. 8.- CHF gekostet, was für die Schweiz sehr günstig ist.

Am Monatsende hatte ich mir das Gehalt immer in bar auszahlen lassen, da die Anschaffung eines „Schweizer Kontos“ schon sehr verlockend war, aber dem Aufwand für die vier Monate Aufenthalt nicht gerecht wurde. Das Bruttogehalt betrug 900.- CHF. Mit Abzug der Miete für das Personalwohnhauszimmer (318.- CHF), Versicherung (ca. 60.- CHF) und Bearbeitungsgebühr (ca. 20.- CHF) blieben ca. 502.- CHF und mit einem weiteren Abzug des Mittagessens (160.- CHF) ca. 342.- CHF übrig, umgerechnet also ca. 240.- €.

In einigen Spitälern bekommt man Rufbereitschaften (Pickett-Dienst) und Nachtschichten bezahlt. In Dornach leider nicht, da kann man sich nur mit einem halbaufgewärmten Mittagessen im Wert von 8.- CHF und mit einem Kompensationstag glücklich schätzen.

Das Spital und die tägliche Arbeit

Gotheanum - Anthroposophisches Zentrum und Fachhochschule
Gotheanum - Anthroposophisches Zentrum und Fachhochschule

Die meisten Spitäler in der Schweiz lassen sich auf ein Arbeitsverhältnis mit ihren Unterassistenten, oder auch liebevoll „Uhu“ (Unterhund) gerufen, ab Monatsanfang ein. So fing mein Arbeitsvertrag auch schon am 01.08.2009 an, also zwei Wochen früher als mein eigentlicher PJ-Beginn. In meinem Arbeitsvertrag bekam ich aber bis zu 8 Urlaubstage (zwei für jeden Monat) zugesichert, die ich auch ganz gut planen konnte. Des Weiteren sollte ich mindestens einen Wochenenddienst abdecken, aber dazu später mehr.

Am Wochenende vor meinem eigentlichen Arbeitsbeginn kam ich nun Dornach an. Dornach wird von einem magischen Hauch anthroposophischer Glückseligkeit umweht. Dornach ist der Nabel der anthroposophischen Welt und im Mittelpunkt steht das „Gotheanum“, ein Bauwerk ohne Ecken, Kanten und rechte Winkel, auf einem Hügel gelegen, zu dem alle hinaufschauen können. Erbaut wurde das erste „Gotheanum“ zu Beginn des 20. Jhd. von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie. Zwischenzeitlich ward es den Flammen fundamentalistischer oder sonst feindlich gesinnten Gruppen ausgesetzt, die dieser weltveränderten Bewegung den Garaus setzen wollten. Aber vergebens, der zweite Bau thront über Dornach und zieht mit seiner anthroposophischen Fachhochschule viele Studenten aus aller Welt an. Die dann auch alle im Personalwohnhaus gewohnt haben… An meinem ersten Wochenende traf ich somit auf Weltverbesserer und Impfgegner, lernte die Grundzüge der Eurythmie kennen und die Vorzüge einer kostenlosen WiFi-Verbindung im „Gotheanum“. Auch machte ich an diesem ersten Wochenende Bekanntschaft mit meinen beiden Unterassistenten-Kollegen, die leider nur in der Chirurgie arbeiten sollten.

Das Personalwohnhaus erwies sich als äußerst rustikal… Ja, es glich sogar manchmal einem Aufenthalt im RTL-Dschungelcamp mit an der Wand rumkrabbelnden Maden und überschäumenden Küchen und Bädern. Das Badezimmer mit Dusche und Klos als auch die Küche wurden von allen Bewohnern einer Etage geteilt.

An meinem ersten Tag sollte ich mit einem anderen Unterassistenten, der ebenfalls an diesem Tag seinen ersten Tag hatte, eine Einführung bekommen, die aber ausfiel, da nicht genügend Teilnehmer sich für eine umfassende Einführung gefunden hatten. Nach der kurzen Hausführung wurden wir unseren neuen Arbeitskollegen vorgestellt und mir wurden kurz die wichtigsten Aufgaben erläutert. Meine tägliche Routine bestand nun darin, dass ich jeden Tag um 8:00 Uhr im Spital aufkreuzte, als erstes die Befunde aus der Röntgenabteilung holte und sie mit der anderen Post in die Briefkästen der Assistenzärzte einordnete (Es fing schon früh an mit Aushilfs-Tätigkeiten…). Danach ging es in den Morgenrapport, in dem der Nachtarzt über die Aufnahmen der vergangenen Stunden berichtete. Jeden Dienstag musste einer der beiden Oberärzte eine Weiterbildung vorbereiten, am Mittwoch übernahm dies der Chefarzt und am Donnerstag waren jeweils die Assistenzärzte und ich mit einer Weiterbildung dran, in denen Themen besprochen werden konnten, die einem als interessant oder wiederholungswert erschienen.

Nach dem Rapport ging es auf Station zur Morgenvisite, die schon mal bis nachmittags um 14:00 Uhr dauern konnte, da die Schwestern auf ihre Pausen mehr Wert legten als auf die Kommunikation mit den Ärzten. Nach der Visite musste ich mir flugs alle Patienten anschauen, die neu aufgenommen wurden, ihre Daten im Computer anlegen und ihre Patientenakte anlegen. Dies alles musste immer bis um 16:00 Uhr am Nachmittag erledigt sein, was manchmal bei bis zu sieben Aufnahmen nicht machbar gewesen ist. Mein Arbeitstag endete meist gegen 19:00 Uhr am Abend.

Die Wochenenden mussten, wie oben schon erwähnt, von jeweils einem Unterassistenten gedeckt sein. Da wir leider nur drei Unterassistenten waren, musste jeder von uns alle drei Wochen ein Wochenende opfern, für das er dann das Mittagessen erhalten hat als auch einen Kompensationstag – also einen Tag frei. Die Dienste fingen Freitagabend um 19:00 Uhr an und hörten Montagmorgen um 8:00 Uhr auf. Alles was in dieser Zeit passierte und die Hand eines Unterassistenten brauchte, oblag dann in dem Bereich unserer Anwesenheit. Kernarbeitszeiten an diesen Wochenenden waren von Samstag- und Sonntagmorgen um 9:00 Uhr bis „Open End“. Meistens bin ich an diesen Wochenenden erst um 20:00 Uhr oder 21:00 Uhr gegangen. Im letzten Monat meines Aufenthaltes in Dornach bekam ich für jedes Wochenende gnädiger weise zwei Kompensationstage.

Wunderschöne Schweiz

Alpen-Panorama
Alpen-Panorama

Die Schweiz eignet sich bekanntermaßen als ideales Wanderland im Sommer und im Winter zum Skifahren. In der zweiten Woche meines Tertials nahm ich an einer Summerschool in Davos teil und genoss in dieser Woche nicht nur interessante Vorträge und Arbeitsgruppen, sondern auch ein herrliches Bergpanorama mit wunderschönen Wanderungen und atemberaubenden Sonnenuntergängen.

Da viele meiner Freunde zum gleichen Zeitpunkt ein Tertial in der Schweiz ableistete, war es ein Leichtes, in der Schweiz rumzukommen und ein Bett zu finden.

Auch die Schweizer Medizinstudenten nahmen mich freundlich auf und so kann ich mit einigen Ausnahmen, nur über gute Erfahrungen mit unseren südlichen Nachbarn berichten.

Fazit meines PJ-Tertials

Wenn man ein begeisterter Wanderer oder Skifahrer ist und man sich nebenbei gerne bis zum Umfallen tot arbeitet, sich dafür noch mit einem doch relativ ernüchterndem Gehalt zufrieden gibt und einem Lerneffekte nicht so wichtig sind, dann ist die Schweiz das perfekte Fleckchen Erde für ein PJ-Tertial.

Man sollte auch nicht der Illusion erliegen, dass man in der Schweiz eine bessere Ausbildung im PJ genießt oder dass man ausreichend verdient, um sich ein Vermögen anzusparen.

Wer sich für die Schweiz interessiert, sollte sich genau überlegen, warum er dort hin will. Vielleicht ist die heimische Uni doch nicht so unrecht…

B., C.
Rostock, Juli 2010

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