Famulatur in Namibia – Innere Medizin und Dermatologie

30. August 2010

in Chancen im Ausland, Dermatologie, Famulatur im Ausland, Innere Medizin, Namibia

Namibia, Oshakati, Intermediate State Hospital Oshakati (16.02.-18.03.2010)

O-Töne in Namibia: Zwischen Outapi, Oshikango, Opuwo und Ondangwa. Eintauchen in ein anderes Gesundheitssystem im Süden Afrikas. Es war eine ganz besondere Sache, exotische Krankheitsbilder zu sehen, aber noch viel mehr, die Dankbarkeit der Patienten zu spüren. Meine letzte Famulatur sollte eine ganz besondere werden – und sie wurde es auch. Und eines ist sicher: Es war bestimmt nicht meine letzte Reise nach Namibia.

Warum gerade Namibia?

Die O-Region
Die O-Region

Meine letzte Famulatur sollte eine ganz besondere werden. Ich hatte schon lange davon geträumt, den afrikanischen Kontinent kennen zu lernen. Da ich ohnehin meine kleine Schwester in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) in Namibia besuchen wollte, sah ich meine Chance für eine Famulatur in Afrika gekommen. Das erste Mal nach Afrika. Oshakati, im Norden Namibias.

Medizinische Erfahrungen auf dem so fernen und geheimnisvollen Kontinent zu sammeln, in einem anderen Gesundheitssystem zu arbeiten und mich auf eine fremde Kultur einzulassen, motivierte mich. Eine Famulatur bietet uns Medizinstudenten die Möglichkeit, direkt mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu kommen, dadurch die Eigenheiten des Landes zu erfahren und zugleich sogar noch helfen zu können.

Bewerbung und erste Einschätzungen

Welche Vorbereitungen musste ich treffen, um am Intermediate State Hospital in Oshakati vom 16.02. bis 18.03.2010 famulieren zu können? Im Sommer 2009 erhielt ich drei Tage nach meiner Faxanfrage eine Email von Dr. Dennar mit der Zusage, mit der ich nach so kurzer Zeit nicht gerechnet hatte. Somit blieb mir viel Zeit, das Abenteuer in Ruhe vorzubereiten.

Psychisch sollte man belastbar sein und mit unvorhergesehenen Situationen umgehen können, da u.a. schwerste Infektionserkrankungen wie AIDS, Tuberkulose (TB) und Wundinfekte im Intermediate State Hospital in Oshakati an der Tagesordnung sind. Besonders belastend war für mich die Versorgung der meist kachektischen HIV-Patienten.

Ferner sollte man auf die Konfrontation mit ausgeprägter Armut gefasst sein. Es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht nach Geld etc. gefragt wird. Außerdem sollte man sich auf einfachste hygienische Verhältnisse im Krankenhaus einstellen.

Die Vorbereitungen begannen

Was das Visum betrifft, so rate ich davon ab, den Aufwand zu betreiben, um ein „Studenten-Visum“ zu beantragen (Kosten von über 100.- EUR). Bei Einreise nach Namibia erhielt ich am Flughafen ein Touristen-Visum, das kostenlos ist und 90 Tage Gültigkeit besitzt. Während der gesamten 50 Tage in Namibia bin ich nicht einmal nach meinem Visum gefragt worden.

(Anm.d.Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Dringend zu beachten ist zudem, dass der Reisepass noch sechs Monate gültig ist. Es bietet sich außerdem an, einen internationalen Führerschein mitzuführen.

Es sind keine Impfungen vorgeschrieben, Impfempfehlungen findet man unter: www.fit-for-travel.de. Ich hatte mich u.a. gegen Gelbfieber (wg. der unmittelbaren Nähe zu Angola), Tollwut, Meningokokken und Typhus impfen lassen. Unbedingt auch an eine Hepatitis A- und insbesondere B-Impfung denken! Man sollte frühzeitig – ca. vier Monate vorher – mit den Impfungen beginnen.

Es werden keine Röntgen- oder sonstige Untersuchungen verlangt.

Persönliche Tipps

Auf dem Klinikumsgelaende vor den Wohnbloecken
Auf dem Klinikumsgelände vor den Wohnblöcken

Für 10.- EUR kann ein beschichtetes Moskitonetz in der örtlichen Apotheke erworben werden.

Was Versicherungen betrifft, ist man für wenig Geld über die Allianz bestens versorgt. Das Wichtigste: Kranken-, Haftpflicht- und Unfallversicherung. Bei der Krankenversicherung ist darauf zu achten, dass mögliche Rückholkosten im Krankheitsfall mit eingeschlossen sind.

Empfehlenswert ist eine Kreditkarte. Ich habe davon profitiert. Tipp: Visa-Card bevorzugen.

Zu Hotel- und Tour-Buchungen ist zu sagen: Wer gerne 3.000 und mehr EUR ausgeben möchte, der hat die Qual der Wahl. Ich kann nicht zu diesen Touren raten, da man auf den vorgegebenen gebuchten Routen überhaupt nicht flexibel ist. Plane Deine Tour lieber individuell und reise mit Bus, Taxi und trampend. Nur so wirst Du die Menschen in Namibia richtig kennen lernen.

An Literatur zum Land ist der Namibia-Reiseführer von Stefan Loose sehr empfehlenswert, in dem auch preiswerte Campingplätze zu finden sind.

Ich bin für 730.- EUR hin- und zurückgeflogen. Je früher, desto billiger. In der Regel kann man als Fluggepäck 30 kg mitnehmen. Air Berlin und Air Namibia fliegen von München bzw. Frankfurt am Main nach Windhoek. Vorteilhaft für das Gepäck ist eine Schutzhülle für den Reise-Rucksack, die man in jedem Trecking-Geschäft erwerben kann, denn speziell auf den Minibusfahrten wird das Gepäck ordentlich eingestaubt.

Internet vor Ort: Während der vier Wochen Famulatur in Oshakati hatte ich die Möglichkeit, im Büro meiner Schwester, die für den Deutschen Entwicklungsdienst (DED) in „Ongwediva“, 15 Minuten mit dem Taxi von Oshakati entfernt, arbeitet, ins Internet zu kommen. Ansonsten gibt es zwei Computer mit Internetzugang in einem Internetcafé auf dem Supermarktgelände gegenüber der Klinik.

Das Intermediate State Hospital in Oshakati

Wartende Patienten am Haupteingang des Intermediate State Hospital in Oshakati
Wartende Patienten am Haupteingang des Intermediate State Hospital in Oshakati

Von der Hauptstadt Windhoek (ca. 400.000 Einwohner) sind es ca. 9 Stunden mit einem Minibus in den Norden Namibias. Das Intermediate State Hospital in Oshakati, einer Stadt mit ca. 40.000 Bewohnern und damit eine der großen Städte des Landes, war für vier Wochen mein Zuhause. Das Hospital ist mit ca. 600 Patienten im stationären sowie täglich bis zu 500 im ambulanten Bereich eines der größeren Krankenhäuser Namibias und verfügt über fast alle wichtigen medizinischen Fachbereiche. Spezialgebiete wie Kinder- und Herzchirurgie werden nur in Windhoek angeboten.

Die Krankenhausgebäude sind alle eingeschossig gebaut, wie auch die meisten Wohnhäuser in Namibia. Es entstehen zurzeit im Rahmen einer Teilmodernisierung des Klinikums neue Gebäude. Häufig fällt der Strom aus oder die Klimaanlagen im OP sind defekt. Manchmal können Notfälle lediglich mithilfe von Notstromaggregatoren operiert werden. Aber nur selten lassen sich die Ärzte, von denen viele aus Simbabwe und nur wenige aus Namibia kommen, dadurch aus der Ruhe bringen.

Die Diagnostik lebt in Oshakati von der Empirie, erstaunlicherweise stellen die Ärzte aber selten falsche Diagnosen. Die technische Ausstattung ist einfach, ein CT ist nicht vorhanden. Vor allem in der Inneren Medizin ist die Hierarchie flach. Dort gibt es beispielsweise keine Chef- oder Oberärzte, sodass die Ärzte große Freiheiten genießen. Es kommt beispielsweise nicht selten vor, dass die morgendliche Tea-Time großzügig verlängert wird oder einige Ärzte nach dem Mittagessen gar nicht mehr erscheinen.

Meine Famulatur in der Inneren Medizin

Die Innere Station Ward 7
Die Innere Station Ward 7

Die Fachbereiche konnte ich frei wählen. Ich famulierte die längste Zeit in der Inneren Medizin, schaute aber auch häufig beim kubanischen Dermatologen und in der HNO vorbei. In der letzten Woche assistierte ich bei einigen OPs in der Chirurgie. Zwischendurch und auch mal nach dem Abendessen ließ ich mir die Gelegenheit nicht nehmen, den Hebammen bei Geburten über die Schulter zu schauen. Dort wurde mir sogar angeboten, eine Geburt selbst durchzuführen. Ich beließ es aber beim Zuschauen.

In der Inneren Medizin hielt ich mich meistens an Dr. Phiri, einen erfahrenen und freundlichen Arzt aus Simbabwe, der bemüht war, mich in die Arbeit einzubinden und vieles zu erklären. Ich genoss große Freiheiten und so war es nie ein Problem, in andere Disziplinen reinzuschnuppern.

In der Inneren Medizin führten wir morgens ab ca. 8:30 Uhr die Visite auf Station durch. Wenn wir nur zu zweit waren, hatten wir ca. 40 Patienten zu betreuen. Die Station ist eine große Halle mit großen Zimmern ohne Türen, in denen bis zu 12 Patienten Platz finden. Auf Ward 7 liegen ausschließlich männliche, auf Ward 8 weibliche Patienten.

An den ersten Tagen war es schwer für mich, mit der hohen Dichte an AIDS- und TB-Patienten zu Recht zu kommen. Häufig leiden die dortigen Patienten an beiden Erkrankungen. Weitere häufige Krankheitsbilder sind: Niereninsuffizienz (meist Stadium 4 oder 5), Anämie, Hypertonie, Pneumonie, Meningitis, Alkoholismus, Gastrointestinale Erkrankungen. Fast jeder Patient wird wegen möglicher TB-Infektion geröntgt, sodass ich viele Röntgen-Bilder während der Visite auswerten durfte. Desinfektion/Hygiene wird in Oshakati im Vergleich mit deutschen Standards klein geschrieben, auch wenn Mundschutz, Handschuhe und Sterilium auf Nachfrage erhältlich sind. Mein kleines Desinfektionsfläschchen aus Deutschland war sehr beliebt.

Da die wenigsten Ärzte die lokale Sprache „Oshivambo“ beherrschen, sind sie auf das Pflegepersonal angewiesen. Das Kommunikationsproblem ist eine Quelle für viele Missverständnisse im Klinikalltag. „Ongaipi, nawa? Nawa“. Nach einiger Zeit hatte ich die wichtigsten „Oshivambo“-Brocken aufgeschnappt, um ein bisschen besser auf die Patienten eingehen zu können. Mit der Zeit wurde ich auch immer sicherer, Lungen- und Herz-Auskultationsbefunde zu erheben.

Im Anschluss an die Visite, die bei Sorgfalt ca. zwei Stunden dauerte, führten wir wichtige Interventionen auf Station durch wie z.B. Liquor- oder Pleurapunktionen, die ich unter Anleitung auch selbständig vornehmen durfte. Das Pflegepersonal, übrigens zahlreicher als in Deutschland, erledigt nicht nur die Blutabnahmen und das Vigolegen, sondern auch mehr invasive Maßnahmen als in Deutschland. Auffällig dabei ist immer wieder, dass die Patienten kaum aufgeklärt werden. Das Mitspracherecht der Patienten ist ziemlich begrenzt, die Meinung des Arztes wird selten in Frage gestellt.

Nach der Stationsarbeit behandelten wir, unterbrochen durch eine einstündige Mittagspause, bis 17:00 Uhr im Outpatient Department (Ambulanz) ca. 60 Patienten mit den unterschiedlichsten internistischen Erkrankungen wie Infektionen (zahlreiche Wurmerkrankungen), rheumatische und muskuloskelettale Beschwerden, Schilddrüsen- und Atemwegserkrankungen, Gastrointestinale Symptome, Pankreatitiden und sonstige Alkohol-Abusus assoziierte Beschwerden und nicht selten Folgen von Unterernährung. Am häufigsten auch hier wie auf Station: TB und AIDS. Häufig kommen Menschen mit psychosomatischen Beschwerden.

Selten sah ich im Krankenhaus Patienten aus soliden Verhältnissen, die Arbeitslosigkeit im Norden Namibias liegt bei erschreckenden 50 Prozent, ca. 40 Prozent der Menschen hier sind mit dem HI-Virus infiziert.

Ich durfte sowohl auf Station als auch im Outpatient Department viel untersuchen und Diagnose-Vorschläge machen. Die diagnostischen Möglichkeiten sind im Intermediate State Hospital in Oshakati, wie oben erwähnt, begrenzt: Es gibt zwei Ultraschall- und vier Röntgengeräte. Das Labor auf dem Klinikumsgelände ist aber gut ausgestattet. Eine Besichtigung lohnt sich.

Zum Ende der Famulatur hin ermunterte mich eine kubanische Ärztin, in der Ambulanz Patienten selbständig zu untersuchen. Sie ließ sie sich später kurz von mir vorstellen. An diesen Tagen lernte ich besonders viel – vor allem Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu fällen.

Meist kommen Patienten aus bis zu 400 Km entfernt liegenden Gegenden. Manchmal kann es vorkommen, dass sie vergeblich viele Stunden in der großen Halle auf Behandlung warten. Die Folge ist, dass diese Patienten unter einfachsten Verhältnissen auf der Straße vor dem Hospital übernachten, um am nächsten Tag eine bessere Ausgangsposition in der Warteschlange zu haben. Am Anfang wunderte ich mich abends, warum so viele Menschen neben dem Krankenhauseingang schlafen, bis ich mit der Zeit begriff, wie im namibischen Gesundheitssystem gearbeitet wird.

Weitere Einblicke in das namibische Gesundheitssystem erhielt ich einerseits durch eine Tageshospitation in der CDC-Clinic (Communicable Disease Control), die hauptsächlich Patienten mit HIV-Infektion aufsuchen, anderseits in der TB-Clinic, in der fast ausschließlich Patienten mit Tuberkulose behandelt werden. Beide Kliniken sind in Form von Ambulanzen organisiert. Die Patienten mit HIV/AIDS sollen dort in regelmäßigen Abständen gesehen werden. Die Ärzte klären die Patienten dort ausführlich auf. Aber leider zu spät … Aufklärungskampagnen zu HIV und TB sind zwar vorhanden, stecken jedoch noch in den Kinderschuhen. Das State Hospital wird zurzeit von einer Ärztin der WHO betreut, die als HIV-Mentorin eine bessere Betreuungssituation der HIV-Patienten in der Region um Oshakati entwickeln soll.

Die Temperaturen im Februar/März betragen um die 35 Grad, an die ich mich schnell gewöhnte. Es handelt sich um eine eher gut auszuhaltende, weil trockene Hitze. Jedoch wird es schnell ungemütlich, sobald die Ventilatoren oder die wenigen Klimaanlagen ausfallen.

Manchmal fragte ich mich, was die Klinik wohl ohne die zahlreichen kubanischen Ärzte machen würde. Es besteht seit vielen Jahren ein Abkommen zwischen Kuba und Namibia, das kubanischen Ärzten die Arbeit in Namibia ermöglicht. Die meisten sprechen schlecht Englisch, was die ohnehin problematische Verständigung mit den Patienten zusätzlich erschwert.

Jeden Montag- und Freitagmorgen lud Klinikdirektor Dr. Kakungulu zur Morgenbesprechung. Dort werden u.a. klinikinterne Probleme diskutiert, so z.B. die Lösung des Problems unleserlicher Dokumente, und Vorträge zu ausgewählten Themen gehalten. Sogar ein Beamer ist vorhanden, was einen Kontrast zur sonstigen einfachen Ausstattung darstellt. Einmal im Monat findet ein halbtägiges Seminar statt, zu dem Ärzte aus der Four-O-Region eingeladen sind; während meiner Zeit zum Thema Mütter- und Kindersterblichkeit.

Abstecher in die HNO und Dermatologie

Wenn ich eine Abwechslung brauchte, ging ich zu Rudolfo, ebenfalls ein Kubaner. Er arbeitete früher als Leibarzt von Fiedel Castro. Rudolfo ließ mich viel in der HNO-Ambulanz machen, fragte immer wieder nach und war sehr freundlich.

Eine besondere Zeit hatte ich bei Carrazana, dem kubanischen Dermatologen, der Patienten, die er nicht behandeln wollte, mit dem Standardausdruck „That’s not mine, go to the surgery!“ wegschickte. Nach wenigen Tagen durfte ich die Diagnosen stellen. Ich sah Krankheiten, die ich bisher lediglich im Lehrbuch zu Gesicht bekommen hatte: Larva migrans, Lepra, HIV-Ekzeme, ausgeprägte Condylomata accuminata, zahlreiche Pilzerkrankungen; aber auch in unseren Breiten bekannte Hauterkrankungen wie Psoriasis, Herpes labialis, Pityriasis rosea, Masern, Windpocken – viele von ihnen in fortgeschrittenen Stadien, da viele Patienten zu lange warten, bevor sie ins Krankenhaus fahren.

Arbeitszeiten und Ärzte

In der Wartehalle im Outpatient Department
In der Wartehalle im Outpatient Department

Nochmals zusammengefasst: Die Arbeitszeiten sind sehr angenehm. Morgens um 8:30 Uhr startete ich nach einem leckeren Frühstück mit traditionellem Maismehlfrüchte-Brei. Am Vormittag kann man sich mindestens eine halbe Stunde zur Tea-time zurückziehen und auch die Mittagspause lässt sich zeitlich flexibel gestalten. Um 17:00 Uhr fällt pünktlich der Hammer. Dann verschwinden die Ärzte schlagartig.

Arbeit gibt es immer, man muss sie sich nur suchen, indem man ein wenig zwischen den verschiedenen Abteilungen springt. Auf der Geburtshilfestation ist man immer willkommen. Wer Lust hat, kann bei Nachtdiensten mithelfen. Besonders am ersten Freitag im Monat (Gehaltsauszahlung) tummeln sich schwer alkoholisierte Menschen in der Notaufnahme. Alkoholmissbrauch ist ein großes Problem in Oshakati.

In der Chirurgie kann ich Dr. Matchokoto, sehr kompetent und freundlich, in der Inneren Dr. Phiri empfehlen. Die meisten Ärzte sind gut ausgebildet. Zu empfehlen ist die wöchentliche Chefarztvisite in der Chirurgie mit Prof. Amambo und Dr. Matchokoto.

Unterkunft und Kosten

Meine Wohnung auf dem Klinikumsgelaende
Meine Wohnung auf dem Klinikumsgelände

Als Famulant lebt man in einer sehr einfachen Wohnung auf dem Klinikumsgelände, die sanitären Einrichtungen sind rudimentär. Es wird kalt geduscht – willkommene Abkühlung! Die Miete beträgt umgerechnet ca. 40.- EUR pro Monat. Es sind für die Famulatur Studiengebühren in Höhe von 200.- EUR an das Krankenhaus zu entrichten.

Für den Hin- und Rückflug sollte man ca. 800.- EUR einplanen, wenn man früh bucht. Ich habe einen günstigen Flug für knapp 700.- EUR fünf Monate vorher bekommen.

Wenn man vorwiegend zeltet, sollte man für eine 20-tägige Rundreise durch Namibia mit Kurztrips nach Botswana und Sambia insgesamt mit Essen, Visa etc. ca. 1.200.- EUR einplanen. Zu beachten: Nicht jede Krankenversicherung übernimmt die Impf-Kosten.

Faszinierendes Afrika

Die Epupa-Falls im Norden Namibias
Die Epupa-Falls im Norden Namibias

Wir erkundeten an den Wochenenden die nähere Umgebung, u.a. den Etosha-Nationalpark, wo wir nicht nur Elefanten, Giraffen, Zebras und bunte Vögel bestaunten, sondern z.B. auch lustig aussehende Warzenschweine. Von Oshakati aus ist man mit einem Mietwagen – am besten bei Avis in „Ondangwa“ – in eineinhalb Stunden im Nationalpark. Für einen Tagesausflug optimal.

Zu den „Epupa“- und „Ruacana“-Wasserfällen im Norden an der angolanischen Grenze sollte man ein ganzes Wochenende einplanen. Die „Ruacana“-Fälle sind aufgrund einer Staumauer meistens trocken. Die „Epupa-Falls“ haben mir sehr gut gefallen. Außerdem ist die Fahrt dorthin durchs „Kaokoveld“ eine tolle Erfahrung. Vom Campingplatz bei den „Epupa-Falls“ aus kann man einen geführten Ausflug in die umliegenden Dörfer der „Himba“ unternehmen, die sich über Gastgeschenke sehr freuen.

Weiterhin empfehle ich den Besuch von Gottesdiensten am Sonntag, um die verschiedenen Freikirchen in Oshakati und den vor Ort gelebten christlichen Glauben kennen zu lernen. Die Gottesdienste dauern in der Regel drei Stunden und werden sehr enthusiastisch gefeiert.

Nach der Famulatur starteten wir mit einem Minibus vom Open Market in Oshakati in Richtung „Katima Mulilo“ im Caprivi-Streifen. Auf der 1.300 Kilometer langen Busfahrt lernten wir interessante Menschen kennen. Generell bietet es sich an, mit Taxis und Bussen zu fahren bzw. zu trampen – sofern man zu zweit reist. Dadurch bekommt man leichter einen Einblick in die dortige Kultur und erlebt wirkliche Abenteuer, als wenn man eine geführte Rundreise bucht oder alle Strecken mit dem Mietwagen zurücklegt. Außerdem ist ein Mietwagen recht teuer. Mit der Bahn kommt man übrigens nur langsam voran.

Nach der Ganzkörperdusche früh morgens in der Gischtwolke der atemberaubenden „Victoria-Falls“ im Grenzgebiet Sambia/Simbabwe/Botswana ging es weiter in den „Chobe River-National-Park“, in dem u.a. 70.000 Elefanten leben. Die Safari war sehr schön, wir sahen sogar Krokodile. In „Kasane“ empfehle ich den Campingplatz der „Chobe River-Safarilodge“.

Die anschließende Rundreise durch ganz Namibia, die wir selbst planten, führte uns u.a. nach Windhoek, „Otjiwarongo“, Swakopmund, Walvis Bay (weltgrößte Robbenkolonie), „Sossusvlei“ (größte Düne der Welt), zum Waterberg, Fish River-Canyon (zweitgrößter Canyon der Welt), ins Damaraland und in die Namibwüste. Lediglich um von Swakopmund in den Süden zu gelangen, ist es ratsam, ein Auto (Allrad) zu mieten.

In Swakopmund hat man den Eindruck, in Deutschland zu sein. Jeder Dritte dort ist Deutscher oder spricht Deutsch. Es war immer wieder lustig, zu sehen, wie glücklich einige Menschen waren, die mit uns ein paar Brocken Deutsch sprechen konnten. In Windhoek sprach uns auf der Straße ein junger Mann in perfektem Deutsch an. Es stellte sich heraus, dass er – wie ca. 400 andere namibische Kinder damals – seine Kindheit in der ehemaligen DDR verbracht hatte. Interesse geweckt?

Sicherheitsaspekte

Als Gruppe fühlten wir uns selten unsicher, auch spät abends braucht man als Gruppe keine Angst zu haben. Alleine als Frau abends längere Strecken zu Fuß zurückzulegen, ist nicht ratsam. Insgesamt gesehen, ist Namibia ein sicheres Reiseland. Dennoch sollte man z.B. immer auf Taschendiebe vorbereitet sein!

Mein Fazit

Elefantenfamilie im Chobe-River-Nationalpark
Elefantenfamilie im Chobe-River-Nationalpark

Ich bin im Oshakati State Hospital freundlich aufgenommen worden und durfte in vielen Fachbereichen Erfahrungen sammeln. Die empirische Medizin vor Ort ist recht unkompliziert und man kann mit viel Eigeninitiative auch selbstständig arbeiten.

Schon nach einigen Tagen geht die namibische Gelassenheit auf einen über, die mich manchmal aber auch störte. Die Uhren ticken dort viel langsamer …, das afrikanische Sprichwort „Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit“ kam mir des Öfteren in den Sinn. Die Organisation im Krankenhaus ist überhaupt nicht mit dem deutschen Standard zu vergleichen.

Es war eine ganz besondere Sache, exotische Krankheitsbilder zu sehen, aber noch viel mehr, die Dankbarkeit der Patienten zu spüren. Erschreckend waren die Eindrücke auf den Stationen, auf denen meist Patienten liegen, die fortgeschrittene Krankheitsbilder präsentieren, die bei uns in solchen Stadien kaum noch vorkommen. Generell haben mich die Schwere der meisten Krankheiten und die eher schlechten hygienischen Verhältnisse geradezu geschockt.

Ich denke, dass es für einen jungen Mediziner wichtig ist, durch die Einblicke in ein anderes Gesundheitssystem das eigene aus einem erweiterten Blickwinkel zu betrachten und vielleicht schätzen zu lernen sowie unsere Probleme anders einzuordnen. Auch tat es mir gut, andere Kulturen kennen zu lernen und den deutschen Wohlstand, nach den Erlebnissen im durch Armut gezeichneten Namibia, nicht als Selbstverständlichkeit anzusehen, sondern dafür dankbar zu sein. Eine Famulatur in Oshakati empfehle ich frühestens ab dem 8. Semester.

Besonders auf der anschließenden dreiwöchigen Rundreise, auf der ich viele, trotz bitterer Armut offene, interessierte und vor allem freundliche, fröhliche Menschen traf, habe ich mich in das Land mit den unendlichen Weiten, den vielfältigen Landschaften, den schönen Tieren und dem farbenfrohen Himmel verliebt. Und ich bin froh, dass ich den Menschen ein wenig durch die Hilfe im State Hospital zurückgeben konnte.

Eines ist sicher: Es war bestimmt nicht die letzte Reise nach Namibia.

H., J.

Freiburg, August 2010

Ähnliche Artikel:

4 Kommentare

  • Hey:) ich habe auch großes Interesse an einer Famulatur in Nambia. Könntest du mir bitte die Kontaktdaten schicken? Danke!

  • Hey,
    Dein Bericht klingt super. Ich suche vergeblich eine Email Adresse oder eine Faxnummer, könntest du mir diese zuschicken falls du sie noch hast?
    Liebe Grüße
    Isi

  • Hallo!
    2010 ist ja schon eine Weile her, aber vll haben sich die Kontaktdaten ja nicht geändert. Magst du mir diese auch mal zukommen lassen, dann probier ich auch mal mein Glück mit ner Famulatur!
    Danke dir!!!
    Lg, Antje

  • Hey:)

    Erst mal vielen Dank für den Artikel mit den Infos, hat mir gut gefallen:)Ich würde total gerne auch in Afrika/Namibia famulieren und wäre dir sehr dankbar wenn du mir die Kontaktdaten(Fax)zukommen lassen könntest.Das wäre super:)

    Liebe Grüße,

    Jana

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *