Praktisches Jahr in Irland – Herzchirurgie

2. Juli 2010

in Chancen im Ausland, Herzchirurgie, Irland, Praktisches Jahr im Ausland

Irland, Dublin, Mater Misericordiae University Hospital (15.03.-09.05.2010)

Zwei Monate Herzchirurgie auf der „Grünen Insel“. Eine Zeit, wie man sie sich wünscht. Arbeiten in einem sehr kollegialen Verhältnis. Freundliches Personal, sehr nette und hilfsbereite Ärzte. Ich habe in diesen zwei Monaten Herzchirurgie sehr viel gelernt und mich wirklich wohl gefühlt.

Warum eigentlich Irland?

Im Rahmen des Medizinstudiums bieten sich vielfältige Möglichkeiten, ins Ausland zu gehen. Sei es für Famulaturen oder gar für ein oder zwei Semester. Ich hatte während meines Studiums keine dieser vielen Möglichkeiten wahrnehmen können und stand, ganz am Ende meiner Ausbildung, vor der letzen Möglichkeit, als Studentin ins Ausland zu gehen – im Praktischen Jahr.

Jetzt oder nie! Und damit ging das Nachdenken auch schon so richtig los. In welchem Fach sollte ich denn ins Ausland? Innere Medizin? Dazu müssten die Sprachkenntnisse für das entsprechende Land schon sehr gut sein. Wahlfach? Nein, das wollte ich unbedingt an der Heimatuniversitätsklinik machen. Chirurgie? Da ist das mit der Sprache nicht so wichtig. Und vor allem soll es hier an der Heimatuniversitätsklinik nicht sonderlich gut sein. Also würde ich wohl nicht viel verpassen, wenn ich ein halbes Tertial im Ausland verbringen würde… Nach einigem Hin und Her entschloss ich mich also dazu, mein Chirurgie Tertial zu splitten und die Hälfte der Zeit im Ausland zu absolvieren.

Nächster Punkt: Wohin? Für mich stand früh fest, dass es das englischsprachige Ausland sein sollte. Sicherlich wären die USA, Australien oder Kanada auch in Frage gekommen, es ist allerdings deutlich teurer, ins außereuropäische Ausland zu gehen. So beschlossen meine Finanzen und ich, in Europa zu bleiben. Großbritannien – oder eben Irland.

Ich hatte bereits vor Studienbeginn ein Jahr in Irland gearbeitet und sah nun meine Chance gekommen, nochmals einen längeren Zeitraum auf der grünen Insel zu verbringen. Der Entschluss war also gefasst: die Hälfte des Chirurgie Tertials sollte in Irland absolviert werden!

Aller Anfang ist schwer

Mater Misericordiae Hospital
Mater Misericordiae Hospital

Irland ist ein recht kleines Land und es bieten sich deutlich weniger Krankenhäuser und Universitätskliniken an, da es einfach nicht so viele gibt wie in Deutschland. Aus diesem Grund hatte ich mich einfach mal bei allen Kliniken, die mein Landesprüfungsamt als Ausbildungsanstalt akzeptiert, beworben. Per Email ließ ich den entsprechenden Sekretariaten meine Bewerbung mit Motivationsschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen zukommen.

Leider war das Ergebnis der Bewerbungen niederschmetternd. Aufgrund der großen Anzahl irischer Medizinstudenten können ausländische Studenten leider nicht für Praktika im gewünschten Zeitraum und wenn überhaupt, dann auch nur für vier und keinesfalls für acht Wochen akzeptiert werden. Leider akzeptiert auch das Landesprüfungsamt nicht alles, vor allem kein Auslandstertial kürzer als acht Wochen.

Ich sah schon meine Felle davon schwimmen, als ich zu guter Letzt, kurz vor Beginn des Praktischen Jahres, doch noch eine Zusage für den von mir gewünschten Zeitraum erhielt. Das Mater Misericordiae University Hospital zu Dublin, genauer die Abteilung Kardio- und Thoraxchirurgie, wäre hoch erfreut, mich für zwei Monate begrüßen zu dürfen! Dokumente, die ich dann noch vor Ort vorzuzeigen hatte, waren der Nachweis über eine bestehende Immunität gegenüber Hepatits B sowie ein negativer Heptitis C Nachweis, welche in der Uniklinik im Rahmen der bei der PJ-Anmeldung durchgeführten Untersuchungen bereits erbracht wurden. Außerdem brauchte ich zwei „Letter of Recommendation“, einen Immatrikulationsnachweis an meiner Universität als auch einen „Letter of the Dean“ sowie ein Passfoto.

An- und Abreise

Dublin verfügt über einen Flughafen, der sowohl von der Lufthansa, als auch von Aerlingus, der irischen Nationalfluggesellschaft, als auch von Ryanair von verschiedenen deutschen Flughäfen aus angeflogen wird.

Nicht immer ist Ryanair die beste und billigste Variante, es lohnt sich auch mal auf www.aerlingus.com nachzuschauen, ob es von Frankfurt aus nicht doch ein günstiges Angebot gibt. Vom Flughafen in Dublin aus fahren ständig Busse in die Innenstadt – mal mit mehr, mal mit weniger Stopps. Kosten ca. 1,80€ – 7€, Fahrtdauer ca. 15-40 Minuten.

Wohnen in Dublin

Jetzt hatte ich also meinen PJ-Platz in der Herzchirurgie in Dublin – aber wo sollte ich wohnen? Das Krankenhaus selber stellte leider keine Zimmer zur Verfügung, so dass ich mich von Deutschland aus selbst darum kümmern musste. Die moderne Technik macht es möglich: über www.daft.ie konnte ich leicht ein Zimmer finden.

Es ist in Dublin nicht unüblich, dass Studenten ihre Zimmer nur für ein paar Monate mieten, da sie oft in der Sommerpause wieder nach Hause zu ihren Eltern ziehen, so dass die Vermieter darauf eingestellt sind, voll möblierte Zimmer für kurze Zeiträume zu vermieten. Allerdings sind die Mieten in Dublin recht hoch. Mit einer monatlichen Belastung von ca. 400-600€ für ein Zimmer muss man leider rechnen. Üblicherweise wird auch noch eine Kaution von ein bis zwei Monatsmieten verlangt. Bezahlt wird das Ganze üblicherweise in bar.

Finanzielles

Wie bereits erwähnt, kommen für die Unterkunft nicht unerhebliche Kosten auf den willigen Auslandsstudenten zu. 400-600€/Monat und eine Kaution von ca. 400€, die man in aller Regel am letzten Tag wieder in bar zurück bekommt, sind die Basis. Dazu dann noch Lebensmittel, die in Irland auch teurer sind als in Deutschland.

In der Klinik sind pro Monat Aufenthalt 100€ „tuition fee“ zu entrichten. Hinzu kommen dann noch die Kosten für den Flug, die mit 100-200€ zu Buche schlagen. Insgesamt, verglichen mit einem Aufenthalt in den USA, ist es insgesamt allein schon wegen der Reisekosten deutlich günstiger, aber eben nicht ganz billig.

Meine Arbeit auf der Herzchirurgie

Das Mater Misericordiae Hospital ist an das University College of Dublin (UCD) angeschlossen. Somit gilt es vollwertig als universitäres Krankenhaus und wird vom zuständigen Landesprüfungsamt auch als solches anerkannt.

Es liegt recht zentral auf der Nordseite der Stadt. Operationen, die hier in der Herzchirurgie durchgeführt werden, sind vor allem Bypassoperationen sowie Klappeneingriffe. Mir wurde es ermöglicht, aktiv an den Operationen teilzunehmen, hin und wieder sogar in der ersten Assistenz. Die Chirurgen waren, wie auch der Rest des OP-Teams, sehr freundlich! Sie waren daran interessiert, mir etwas beizubringen, haben mich gefordert und gefördert und ich kann sagen, dass ich auf diese Weise sehr viel über Herzchirurgie gelernt habe. Angefangen beim Zusehen, bis hin zum selber Thorax aufsägen – natürlich immer unter Anleitung und Überwachung!

Zufälligerweise hatte ein halbes Jahr zuvor ein ehemaliger deutscher Oberarzt im Team von Herrn Hurley, dem Chef der Kardio-Thorax-Chirurgie, angefangen. Das kam mir insofern zugute, als dass ich durch ihn ein „one-to-one teaching“ erhalten habe! Und das Ganze auch noch zum Teil auf Deutsch! Üblicherweise werden die weniger erfahrenen Chirurgen nach und nach mehr in die wichtigen Schritte der Operation eingebunden. Personalmangel hatte mich in die einmalige Situation gebracht, selbst verschiedene Schritte der Operationen durchzuführen – natürlich nicht selbst den Bypass annähen, eher die etwas basalen Dinge.

Vor allem wurde mir beigebracht zu nähen. Die Venen, die für die Bypass Operationen entnommen werden, kommen ja aus dem Bein des Patienten. Und um sie da heraus zu bekommen, wird ein ziemlich langer Schnitt gemacht, welchen ich allein zunähen durfte, während die Ärzte am Thorax weiter operiert haben. Hin und wieder wurde ich auch in andere Säle gerufen, um dort die Beine oder Arme nach der Venen- bzw. Arterienentnahme zuzunähen. Ein nicht sonderlich beliebter Job bei fertigen Ärzten, für mich jedoch eine ganz tolle Möglichkeit, ohne Zeitdruck etwas zu lernen und dabei dann auch noch hilfreich zu sein. Irgendwer musste die Beine und Arme schließlich zunähen!

So entstand recht schnell ein sehr kollegiales Verhältnis und aus Dankbarkeit für meine Hilfe waren die Ärzte noch bereiter, mir mit Frage und Antwort beiseite zu stehen. Bei den Bypass Operationen war es in der Regel meine Aufgabe, das Herz so zu halten, um es dem Operateur zu ermöglichen, die Bypässe optimal anzunähen, unterstützt durch die Assistenz der anderen Chirurgen. An sich wäre es sicherlich auch ohne meine Hilfe gegangen, das extra Paar Hände beschleunigte jedoch die OP und machte es leichter, so dass ich tatsächlich fast nie mit stupiden Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen beschäftigt war, sondern immer auch hilfreich an der OP teilnehmen konnte. Fragen konnte ich immer und überall stellen und das Team bemühte sich stets, mir Antworten zu geben!

Auch die Kardiotechniker waren extrem nett und freundlich. Der Chef der Kardiotechnikabteilung ist ein paar mal eigens für mich einige seiner Lehrvorträge zu Themen wie bspw. die IABP, das Funktionsprinzip der Herz-Lungen-Maschine, oder physiologische Grundlagen der Atmung durchgegangen. Auch gab es für mich die Möglichkeit, die gut bestückte Bibliothek der Abteilung zu nutzen.

Ich war zwar offiziell mit den Chirurgen im Bunde, es war mir jedoch auch möglich, die Anästhesisten zu begleiten. So konnte ich meine bereits im Tertial zuvor erworbenen Kenntnisse aus der Anästhesie wiederholen bzw. vertiefen. Mir wurde ebenfalls angeboten, einen Tag mit dem Kinderherzchirurgen im OP zu verbringen. Leider ist es dann aus terminlichen Problemen doch nicht dazu gekommen. Wäre ich länger vor Ort geblieben, hätten wir jedoch sicherlich einen Ersatztermin gefunden.

Auch irische Studenten sind mir in meiner Zeit im Herz OP begegnet. Diese sind jedoch immer nur eine Woche dort eingeteilt gewesen, was einfach zu kurz war, um sich so integrieren zu können, wie es mir möglich war.

Morgens ging es meist um 8:00 Uhr los. Der Tag endete, wenn der letzte Patient fertig operiert war. Das bedeutete, dass manche Tage kurz waren, andere wiederum sehr lang. Die Arbeitszeiten sind also nicht so fest wie in Deutschland. Wenn Arbeit da ist, wird gearbeitet, notfalls auch bis 22:00 Uhr, wenn jedoch keine Arbeit da ist, also keine Patienten operiert werden müssen, dann muss man auch nicht in die Klinik kommen. Ich war hauptsächlich im OP zugange, es bestand jedoch auch die Möglichkeit, auf der Station und der Intensivstation mit zu arbeiten.

Die Schwestern auf Station und auf der Intensivstation waren ebenfalls sehr nett und hilfsbereit. Einen Tag lang bin ich mit der Stationsleitung mitgelaufen. Sie hat mir den Tagesablauf auf Station erklärt, der sich erstaunlich wenig von dem in Deutschland unterscheidet. Dennoch war es spannend, Stationsarbeit mal auf Englisch zu erleben!

Der Dresscode unterscheidet sich von dem in Deutschland. Turnschuhe und Jeans sind tabu. Stoffhosen und Lederschuhe oder andere Halbschuhe sowie angemessene Oberteile bzw. Hemden für die Herren – eine Krawatte muss nicht sein, wäre aber auch nicht verkehrt – sind erwünscht. Da man aber hauptsächlich im OP ist und den ganzen Tag in der Bereichkleidung herumläuft, auch auf den Stationen, erübrigt sich das „Schick-in-die-Klinik-kommen“ recht schnell. Dennoch empfiehlt es sich, eine Garnitur „Schick“ im Koffer zu haben, man weiß ja nie.

Dublin und Umgebung

Dublin ist die Hauptstadt der Republik Irland. Sie ist mit circa einer halben Million Einwohner die größte Stadt der Insel und hat einen gewissen Charme. Direkt am Meer gelegen, hat man es nie weit zu schönen Stränden.

Der irische Name der Stadt lautet: „Baile Átha Cliath“, (sprich: „Bahlje aha kliah“) und bedeutet „Stadt an der Hürdenfurt“. Der Name „Dublin“ kommt von einem anderen irischen Namen für die Stadt: „Dubh Linn“ – „Schwarzer oder dunkle Tümpel“.

Die „Hauptsehenswürdigkeiten“ sind durchaus an drei bis vier Tagen abzuhaken, jedoch sollte man sich die Zeit nehmen, Dublin zu erkunden. Die Pubs, die auf jeden Fall in das Bild der Stadt gehören und die man auch unbedingt besuchen sollte, sind zahlreich vorhanden.
Es lohnt sich zudem, die freien Wochenenden an anderen Orten der Insel zu verbringen. Mit dem Bus „Buseireann“, so etwas wie der irische „Greyhound“, kommt man sehr kostengünstig zu allen Orten auf der Insel. Vor allem an der Westküste ist es sehr schön!

Mein Fazit

Mater Misericordiae Hospital in Dublin
Mater Misericordiae Hospital in Dublin

Ich habe in den zwei Monaten Herzchirurgie sehr viel gelernt. Freundliches Personal, sehr nette und hilfsbereite Ärzte sowie allgemein eine sehr gute und angenehme Stimmung haben dazu beigetragen, dass ich mich wirklich wohl fühlen konnte.

Irland ist ein wunderbares Land, in dem es sich lohnt zu reisen, um möglichst viel zu sehen. Bei den kurzen Entfernungen ist dies auch kein Problem.

X., Y.

Freiburg, Juni 2010

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