PJ in Island – Chirurgie

31. Juli 2010

in Chancen im Ausland, Chirurgie, Island, Praktisches Jahr im Ausland

Island, Reykjavik, Landspitali Reykjavik (12.04.-06.06.2010)

Island, bekannt für seine Geysire und seit diesem Jahr auch berüchtigt für seine Vulkane. Für mich sollte es das Ziel für einen Teil meines Chirurgie-Tertials sein. Es wurde eine super Erfahrung, die mich in allen Bereichen weitergebracht hat. Prädikat: Jedem sehr zu empfehlen!

Mein Ziel: Island

Für mich war immer klar, dass ich einen Teil meines Praktischen Jahres gerne im Ausland verbringen möchte, denn ich finde, dass gerade auch solche Erfahrungen für die medizinische Ausbildung wichtig sind. Primär wollte ich gerne in ein englisch-sprachiges Land, doch dies stellte sich als sehr schwer heraus. Ich hatte mich zunächst in Irland und England beworben, aber nie eine positive Antwort erhalten. Spontan bewarb ich mich dann in Island, da mich das Land schon immer interessiert hatte.

Bewerbung

Ich schrieb eine einfache Bewerbung mit Lebenslauf an die Sekretärin der Chirurgie und schon einen Tag später erhielt ich die Zusage nebst einigen Tipps zu Themen wie Unterkunft, Kosten etc. In Island gibt es nur ein Universitätskrankenhaus, das sich in Reykjavik befindet – eben das Landspitali Reykjavik. Ein weiteres größeres Krankenhaus befindet sich in „Akureryi“, im Norden Islands. Zahlreiche weitere kleine Krankenhäuser sind über das Land verstreut. Eine Anerkennung vom Landesprüfungsamt gibt es aber nur für das Universitätskrankenhaus „Landspitali“ in Reykjavik.

Im Vorhinein hatte ich mir überlegt, dass es aufgrund der Sprachbarriere sinnvoll sei, ein nicht zu sprachintensives Fach auszusuchen, und da bot sich die Chirurgie an.

Wichtige Vorbereitungen

Island - beruehmt fuer seine Geysire
Island – berühmt für seine Geysire

Ungefähr zwei Monate vor meiner Abreise fing ich an, nach einer Unterkunft zu suchen. Dies stellte sich als schwerer heraus, als bisher angenommen, da mögliche Unterkünfte entweder voll oder zu teuer waren bzw. außerhalb lagen. Ich hatte daraufhin immer wieder Emails an Gästehäuser und Wohnheime geschrieben. Schließlich fand ich ein sehr schönes „Guesthouse“ und bezahlte dafür aber auch pro Monat rund 800.- EUR. Zum Glück waren Internet, Küche und alles im Preis inbegriffen und die Lage war schließlich den Preis wert. Man sollte dennoch früh genug mit der Planung der Unterkunft anfangen, denn gerade ab Mai sind Unterkünfte in Reykjavik rar.

In Reykjavik angekommen, bekommt man sicherlich auch die Chance, in einer WG unterzukommen, aber dies ist ohne Sprachkenntnisse und von Deutschland aus etwas schwerer zu organisieren.

Ein Visum braucht man als EU-Bürger für Island nicht und auch sonst hatte ich keine besonderen Vorbereitungen wie z.B. Impfungen unternommen, denn Island ist vom hygienischen Standard mit Deutschland vergleichbar. Wie immer im Ausland empfiehlt es sich, eine Auslandsreisekrankenversicherung abzuschließen, damit man dann im Falle eines Falles ggf. die Arztkosten und den Rücktransport bezahlt bekommt.

Als einzige Bedingung gab die Sekretärin an, dass ich einen negativen MRSA-Test vorweisen müsse. Dieser Test durfte maximal sieben Tage vor Abreise und nach Beendigung der Arbeit im Krankenhaus gemacht werden. Ich hatte den Test in meinem Krankenhaus, in dem ich vorher gearbeitet hatte, machen lassen. In Reykjavik angekommen, wurde kurz nachgefragt, ob er negativ sei, was ich bejahen konnte. Danach war die Sache vergessen.

Die Arbeit in der Klinik

Blick auf das Landspitali Reykjavik
Blick auf das Landspitali Reykjavik

In Reykjavik gibt es zwei Kliniken, in die das Universitätskrankenhaus unterteilt ist – „Hringbraut“ und „Fossvogur“. Die Klinik „Hringbraut“ liegt relativ zentral und bietet Allgemeinchirurgie, Herz- und Thoraxchirurgie sowie Urologie. Die andere Klinik „Fossvogur“ liegt eher am Stadtrand, nahe dem Vorort „Kopavagur“. Dort befinden sich die Gefäß-, die Neuro- und die Plastische Chirurgie, Orthopädie, HNO und die Notfallaufnahme. Zwischen beiden Kliniken gibt es einen Shuttle, den man als Student umsonst nutzen kann.

Man kann selber mitbestimmen, in welche Bereiche man gehen möchte, und die sehr nette Sekretärin versucht auch, alle Wünsche möglich zu machen. Die Organisation ist super! Ich wurde am Busbahnhof abgeholt, danach wurde mir die Klinik gezeigt. Man bekommt einen eigenen Spind, in dem man seine Sachen lassen kann, erhält einen Klinikausweis und es werden Fotos der Studenten ausgehängt, damit uns die Ärzte zuordnen können.

Generell sind die Ärzte immer gerne bereit, etwas zu erklären und freuen sich, wenn man Interesse zeigt. Alles ist in Island mehr ein Miteinander als ein Muss und viel hängt vom eigenen Engagement ab. Da man aber mehrmals die unterschiedlichen Chirurgie-Richtungen wechselt, fühlt sich kein Arzt so richtig für einen zuständig, was sie aber nicht daran hindert, im OP alles zu erklären und einen am Anfang der Woche persönlich zu begrüßen.

Der Tag beginnt immer um 8:00 Uhr mit einer Röntgen-Besprechung und einer nachfolgenden Kurvenvisite. Danach, ab 9:00 Uhr, bestanden unsere Hauptaufgaben darin, Patienten aufzunehmen, Untersuchungen durchzuführen oder im OP zu assistieren. Aber alles war mehr oder weniger freiwillig, und man konnte sich je nach seinem Interessensgebiet einbringen. Mittags ist jederzeit ein Mittagessen möglich und die Zeit kann man sich frei einteilen.

Nachmittags gab es dann mehrmals die Woche Unterrichtseinheiten, bei denen wir entweder mehrere Patienten besucht und deren Fallgeschichten besprochen haben oder in denen von Studenten oder Ärzten ein Thema vorgetragen wurde. Außerdem fanden nachmittags noch verschiedene Veranstaltungen wie Tumor-Konferenzen, Röntgenbesprechungen oder ähnliches statt. Offiziell geht der Arbeitstag bis 16:00 Uhr, aber ein Verlassen des Krankenhauses war auch schon früher möglich und ich habe je nachdem, ob es noch etwas Interessantes am Nachmittag gab, den Tag im Krankenhaus gegen 15:00 Uhr beendet.

Im “Hirngbraut”-Krankenhaus gibt es einen Studierenden-Raum mit Zugang zum Internet, Drucker etc. In diesen kann man sich jederseit zurück ziehen und selber lernen, wenn das OP-Programm gerade nichts Spannendes bietet. Island eignet sich daher sowohl für Chirurgisch-Interessierte als auch für die, die lieber andere Sachen machen, als im OP Haken halten…

Island – das Land und seine Bewohner

Island - seit 2010 weltweit auch bekannt fuer seine Vulkane
Island – seit 2010 weltweit auch bekannt für seine Vulkane

Island ist ein wunderschönes Land und es gibt einiges zu entdecken. Besonders im Frühling und Sommer, wenn alles grün wird und das Leben auf der Straße anfängt, ist es sehr zu empfehlen. Die Leute sind äußerst freundlich, hilfsbereit, aber dennoch zurückhaltend und überhaupt nicht aufdringlich. Der Umgangston in Island ist sehr freundlich als auch höflich und die Hygienestandards waren überall mit den deutschen vergleichbar!

Die Hauptsprache in Island ist isländisch und es ist sicherlich von Vorteil, wenn man sich diese Sprache vorher etwas aneignet, auch wenn es gerade in der Chirurgie möglich ist, auch mit Englisch weiter zu kommen. Alle Ärzte sprechen englisch und sind nicht überrascht, wenn man kein isländisch spricht. Sie sprechen einen also immer in Englisch an und halten auch die Vorlesungen in Englisch, sobald ausländische Studenten dabei sind. Die Chirurgie stellt wie gesagt ein gutes Fach dar, wenn man vorher nicht die Zeit hat, die Sprache zu lernen. Für Fächer wie Innere Medizin und alle Wahlfächer, denke ich, dass es wichtig ist, der Sprache etwas mächtig zu sein.

Zu den Lebenshaltungskosten ist zu sagen, dass Island ein relativ teures Land ist, und dies auch noch dann, wenn die „Krone“ relativ niedrig steht. Man kann sicherlich eine ganze Menge sparen, wenn man in Discountern wie z.B. „Bonus“ einkaufen geht und selber kocht, denn das Auswärts-Essen ist in Island sehr teuer! Auch bei anderen Dingen wie ein Auto mieten, Touren etc. sollte man die entsprechende Reisekasse dabei haben, denn dieses Land ist viel zu schön, um sich solche Ausflüge entgehen zu lassen und ich möchte keinen davon missen. Noch ein kurzer Tipp: In Island kann man nahezu alles mit der Kreditkarte zahlen, die man daher immer dabei haben sollte!

Ein Resümee

Island ist ein teures, aber absolut lohnenswertes Land! Ich habe die acht Wochen in Island sehr genossen und möchte sie in keinem Fall missen. Die Landschaft ist traumhaft, die Menschen äußerst freundlich und hilfsbereit und das Wetter war im Mai und Juni auch sehr angenehm.

Es war daher sowohl menschlich als auch klinisch eine super Erfahrung, die mich in allen Bereichen weitergebracht hat. Daher kann ich den Island-Aufenthalt im Praktischen Jahr jedem sehr empfehlen!

B., S.
Köln, Juli 2010

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