Famulatur in Mexiko – Kardiologie

28. Juli 2010

in Chancen im Ausland, Famulatur im Ausland, Kardiologie, Mexiko

Mexiko, Guadalajara, Hospital Civil de Guadalajara „Fray Antonio Alcalde“ (01.-30.04.2010)

Die Entscheidung, statt in ein englischsprachiges Land nach Mexiko zu gehen, hatte ich sehr spontan getroffen. Ich hatte definitiv andere Hygienestandards und medizintechnische Möglichkeiten als in Deutschland erwartet. Ansonsten war ich einfach gespannt auf ein mir bis dahin vollkommen fremdes Land. Und ich kann rückblickend nur sagen, es lohnt sich, über die Grenzen hinaus zu schauen und neue Erfahrungen zu machen – für jeden.

Endlich ins Ausland

Nachdem ich während meines ganzen bisherigen Studiums weder ein Auslandssemester noch eine Famulatur im Ausland absolviert hatte, war es für mich langsam an der Zeit, eine solche Erfahrung zu machen. Viele meiner Kommilitonen waren begeistert von ihren Auslandsaufenthalten. Außerdem ist es immer gut, über den Tellerrand hinauszuschauen und andere Gesundheitssysteme, Mentalitäten, Arbeitsweisen und Kulturen kennenzulernen. Vielleicht um zu sehen, wie gut man es hat oder um sich so in ein Land zu verlieben, dass man zurückkehrt – ob fürs PJ oder die weitere Zukunft.

Ich wollte einfach wissen, wie in anderen Ländern gearbeitet wird, wie das Arzt-Patienten-Verhältnis ist, die medizinischen Möglichkeiten und wie mit all dem einhergehend natürlich auch die Lebensqualität.

Blieb nur noch die große Frage: WOHIN? Es sollte englischsprachig (kein Tippfehler, Erklärung folgt) sein und ich wollte Unterstützung bei der Organisation und ein bisschen Sicherheit haben. Kurzum entschloss ich mich für eine Bewerbung für einen Famulantenaustausch bei der „bvmd“.

Nachdem ich sowohl für Kanada, die USA und Großbritannien eine Absage erhalten hatte, entschied ich mich für eine Bewerbung um einen der Restplätze für Mexiko. Das einzige Problem: Ich sprach bis zu diesem Zeitpunkt kein einziges Wort Spanisch…

Spanisch wird zwar von der „ifmsa“, der International Federation of Medical Students‘ Associations, empfohlen, ist aber nicht zwingend notwendig. Deshalb dachte ich mir, dass ich schon irgendwie mit Englisch über die Runden kommen würde. Guadalajara ist schließlich die zweitgrößte Stadt in Mexiko und die USA sind ja auch nicht so weit weg – jedoch weit gefehlt! Im Krankenhaus und in ganz Guadalajara wird fast ausschließlich Spanisch gesprochen. Ich war froh, dass ich wenigstens ein Semester Zeit hatte, die Grundkenntnisse hierfür zu erlernen.

Meine Erwartungen waren nicht besonders hoch. Die Entscheidung, statt in ein englischsprachiges Land nach Mexiko zu gehen, hatte ich sehr spontan getroffen. Auch hatte ich mich vor meiner Bewerbung nie wirklich mit diesem Land und seiner Geschichte auseinandergesetzt. Ich hatte definitiv andere Hygienestandards und medizintechnische Möglichkeiten als in Deutschland erwartet. Ansonsten war ich einfach gespannt auf Land und Leute und das viel gepriesene mexikanische Essen.

Die ersten Vorbereitungen begannen…

Die einzige größere Vorbereitung war der Spanisch-Anfänger-Kurs von der Uni, den ich für ein Semester besucht habe. Das gibt zumindest eine wichtige Grundlage, die Struktur der Sprache zu verstehen und natürlich wichtige Grundbegriffe zu erlernen. Ausreichend ist das aber natürlich noch lange nicht. Lässt sich dann aber schnell ausbauen, wenn man sozusagen gezwungen wird.

Die Bewerbung bei der „bvmd“ hatte ich Anfang Juli 2009 eingereicht. Genaue Informationen zu den Bewerbungsformalitäten bekommt ihr auf deren Homepage. Die Bewerbung ist schon relativ umfangreich. Ihr müsst Motivationsberichte schreiben, einen Englischtest machen und auch sonst noch das eine oder andere Formular ausfüllen. Kostenpunkt: 100€. Bei nicht erfolgreicher Vermittlung bekommt Ihr allerdings volle 85€ zurück. Die endgültige Zusage zur Famulatur bekommt man erst sechs Wochen vorher. Für meinen Geschmack ziemlich kurzfristig.

Andere besondere Formalitäten für das Auslandsprogramm waren nicht zu erledigen. Die sind da in Mexiko ziemlich locker, nicht wie z. B. in den USA. Ich habe auch keine speziellen Seminare oder Vorbereitungskurse besucht – außer dem oben erwähnten Sprachkurs natürlich.

…und weitere folgten.

Einer der langen Krankenhausflure am Hospital Civil de Guadalajara
Einer der langen Krankenhausflure am Hospital Civil de Guadalajara

Ich hatte natürlich die Stadt Guadalajara gegoogelt und u.a. bei Wikipedia darüber gelesen. Auch die Homepage vom Hospital Civil hatte ich mir angeschaut, ebenso die Erfahrungsberichte z.B. auf Stethosglobe.de und bvmd.de über Mexiko. Dazu kaufte ich mir den Stefan Loose Reiseführer und „Medizinisches Spanisch“ aus der Pocket-Reihe. Das alles kann ich auch wärmstens empfehlen. Mehr braucht man aber nicht.

Dann ging es ans Visum – ein eikles Thema. Eigentlich kann man in Mexiko ohne Probleme 90, wie ich gehört habe, oft auch 180 Tage bleiben, ohne ein spezielles Visum zu haben oder sich bei einem „VisaWaiverProgram“ anmelden zu müssen. Allerdings gibt es dazu immer wieder kontroverse Aussagen, wenn man die Flüge mit Zwischenlandung in den USA bucht. Angeblich soll dann die Aufenthaltsdauer auch für Mexiko auf 90 Tage beschränkt sein, da dieses Land nicht als „echtes“ Ausreiseland gelten soll. So das Generalkonsulat in Frankfurt.

Da ich an meinen Mexiko-Aufenthalt von insgesamt sechs Wochen noch sieben Wochen USA anhängen wollte, damit mehr als 90 Tage zusammenkommen und die Zwischenlandung in NY auf dem Hinflug auch schon gebucht war, hatte ich mir ein B1-Visum für knappe 100.- EUR besorgt. Völlig umsonst, versicherte mir der Grenzbeamte am JFK-Flughafen in NY. Das „VisaWaiverProgram“, das kostenlos ist, hätte völlig gereicht. Auf die Frage, warum das Konsulat in Frankfurt mir dann dazu riet, kam als Antwort: „Die wollten wohl einfach ein bisschen Geld dazu verdienen.“ Sehr frech. Also ich würde Euch raten, den Weg über die USA zu meiden, dann habt Ihr dieses Problem erst gar nicht. Es ist sowieso nur unnötig anstrengend: die ganzen Sicherheitsauflagen, man braucht ewig beim Umsteigen, mir hatten drei Stunden kaum gereicht.

(Anm.d.Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Was das Thema Gesundheit bzw. Impfungen betraf, war ich mir diesbezüglich sehr unsicher und hatte für alle Fälle eine ausgiebige Reiseapotheke dabei gehabt. Gebraucht habe ich davon tatsächlich nur das Fenistil-Gel, da die Mücken mich doch sehr gern mochten. Ansonsten kann man auch alles an Medikamenten rezeptfrei bekommen. Ich glaube, die einzigen Medikamente, für die ein Rezept benötigt wird, sind Betäubungsmittel. Antibiotika und so Zeugs alles einfach kaufbar. Und natürlich billiger als in Deutschland.

Man braucht keine spezielle Impfprophylaxe, da wird auch nichts empfohlen, was ein Medizinstudent nicht sowieso schon hat – ich gehe mal davon aus, dass Ihr alle HepA und B geimpft seid. Es wurden auch sonst keine speziellen Untersuchungen gefordert. Generell hat niemand irgendwas kontrolliert. Von Dengue-Fieber, wie in anderen Berichten manchmal beschrieben, habe ich nichts mitbekommen.

An Versicherungen hatte ich eine Auslandskrankenversicherung, Berufshaftpflicht und eine Malpractice Insurance. Letzteres brauchte ich nur für die anschließende Famulatur in New York.

Meine Arbeit am Hospital…

Auf Visite
Auf Visite

Der erste Tag im Krankenhaus war ungewohnt, aber ich wurde gleich nett aufgenommen. Ich hatte viele Sprachprobleme, gerade gegenüber den Patienten und in der Visite. Und in der Kardiologie läuft nun einmal viel über Patientengespräche, vielleicht ist es im OP einfacher.

Mit den Ärzten und den anderen Medizinstudenten habe ich mich zum Glück sehr gut verstanden. Manche waren sehr hilfreich, was die Übersetzung anging. Andere haben sich einfach nur gefreut, zwischendurch auch ein bisschen Englisch reden zu dürfen. Manche haben sich auch „geschämt“ und deshalb strikt geweigert, Englisch zu sprechen. Das war allerdings gut für mich und mein Spanisch.

Der Tagesablauf war ziemlich entspannt. Alles fing um 7:30 Uhr mit der Visite an. Bei ca. 30 Patienten dauert dies dann auch mal drei Stunden. Erst wurde die Runde mit dem höchsten „Residente“ (Assistenzarzt im letzten Ausbildungsjahr), den anderen „Residentes“ und uns Studenten gemacht. Dann kam so gegen 9:30 Uhr der externe „Attending“ (eine Art Chefarzt) dazu und alle Patienten wurden nochmals visitiert. Dabei wurden immer Fragen in die Runde geworfen und somit auch viel gelernt. Bis um 13:30 Uhr wurden dann Patienten aufgenommen, Anamnesegespräche geführt, Untersuchungen gemacht – und dies oft einfach auf dem Flur! Die Studenten waren u.a. für Blutentnahmen sowie Hol- und Bring Dienste zuständig. Dinge wie Herzkatheter Untersuchungen, Echo u.a. wurden von anderen Teams übernommen. Man konnte aber auf Nachfrage auch dort mal zuschauen.

Um 13:30 Uhr begann dann der Unterricht, der ca. eineinhalb Stunden dauerte. Dort wurde aktuelle Literatur besprochen, aber auch Grundlagen über Anatomie und Physiologie, so dass jeder etwas davon hatte. Qualitativ sehr hochwertig!

Der Tag endete gegen 15:30 Uhr. Zwischen 15:00 und 15:30 Uhr war dann für die Ärzte und Studenten mit Nachtdienst noch Nachmittagsvisite auf der Cardio-Intensiv. Teilgenommen hat aber jeder.

…und die Unterschiede zu Deutschland.

Station Kardiologie
Station Kardiologie

Wie wurde behandelt? So wie die finanziellen Mittel des Patienten es zuließen. Da grundsätzlich nur ca. 50-60 Prozent der Menschen in Mexiko versichert sind und diejenigen, die ins Hospital Civil kommen, meistens gar nicht, ist das leider die bittere Wahrheit. Es gibt zwar Sozialarbeiter, welche die finanzielle Lage überprüfen und dann Unterstützung vom Staat anfordern – doch dafür muss man aber wirklich arm dran sein. Im Normalfall wird so lange auf eine Untersuchung oder Intervention gewartet, bis die Familie des jeweiligen Patienten bezahlen kann – im Voraus versteht sich. Da bekommen Zeitfenster nach Myokardinfarkt eine ganz andere Bedeutung. Sie müssen nämlich häufig ignoriert werden. Kein Herzkatheter, keine Laboruntersuchung ohne Geld. Standen genügend Mittel zur Verfügung wurde nach den aktuellen Leitlinien behandelt. Die technischen Möglichkeiten dazu waren eigentlich alle vorhanden.

Meine Aufgaben in der Kardiologie waren eher passiv, was sicherlich auch mit der Sprachbarriere zu tun hatte. Zuschauen konnte man aber natürlich überall. Klar habe ich mal assistiert, auch viele Patienten untersucht und vor allem deren Herz auskultiert, Blut abgenommen (venös/arteriell). Spannend war es aber einfach, kardiologische Erkrankungen zu sehen, die in Deutschland nicht unbedingt mehr so häufig auftreten, wie etwa rheumatisches Fieber oder Tuberkulose. Mit Tbc wird dann auch aufgrund der Häufigkeit und räumlichen Kapazitäten ein bisschen anders umgegangen als hier. Isolation? Wenn ein Bett frei wird…

Manchmal waren die Tage schon lang, vor allem, wenn man selbst nicht so viele Aufgaben hatte. Dies war allerdings weder bei den anderen Studenten noch bei den Ärzten so viel anders. Wir hatten oft viel Zeit für die eine oder andere Geschichte, den einen oder anderen Obstbecher bzw. für „Tacos“. Dabei habe ich allerdings auch einiges über Mexiko, das Gesundheitssystem, die Politik, die Kultur u.v.m. erfahren.

Das Gesundheitssystem hakt an vielen Stellen – besonders bei der Finanzierung. Grundsätzlich sind die Krankenhäuser in Private und Öffentliche Kliniken unterteilt. Wer Geld hat oder versichert ist, geht lieber in ein privates Haus. Aus Erzählungen vermute ich, dass der Standard dort vergleichbar mit dem deutschen ist. In einem Krankenhaus wie dem Hospital Civil, in das jeder gehen kann, ist die Lage ein wenig anders. Abgesehen von der finanziell schlechten Lage der meisten Patienten ist auch die Örtlichkeit an sich nicht gerade der Genesung förderlich. Die Station besteht aus einem ewig langen Flur, in dem auf der rechten und linken Seite viele Betten aufgereiht sind. Theoretisch ist jedes Bett durch einen Vorhang abtrennbar, die aber meistens aus Unbequemlichkeit und Platzmangel nicht zugezogen sind. Also null Privatsphäre.

Personal, sowohl auf Schwestern- als auch auf Ärzteseite gab es meiner Meinung nach genug. Ich hatte nie das Gefühl, dass jemand in Arbeit erstickt und aufgeregt durch die Gegend wuselt, weil er nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht. So etwas trifft man eher in Deutschland. Dies mag aber auch an der unterschiedlichen Mentalität liegen.

Was die Materialien anging, waren alle sehr sparsam. Da wurde keine Packung unüberlegt aufgerissen und auch kein Handschuh zu viel benutzt. Ich bin mir auch nicht so sicher, ob das die günstigste Variante ist, nur einzeln verpackte, gepuderte, sterile Handschuhe zu besitzen… Aber so ist es. Gut, der Stauschlauch bekommt dort seine Bedeutung zurück, weil es nämlich wirklich ein kleiner Gummischlauch ist, denn man zuknotet. Mir wurde erzählt, dass es eher schlecht ist, am Ende oder Anfang eines Jahres Patient zu sein, da dort oft die Materialien aus sind. Da gibt´s dann die eine oder andere Blutuntersuchung nicht, weil das jeweilige Röhrchen nicht vorhanden ist. Ach so, und Blut wird mit einer normalen Spritze mit Kanüle abgenommen und erst danach in die Vakuum Röhrchen gespritzt. Ist halt billiger, man spart die Adapter.

Die medizinische Ausbildung ist gar nicht so anders als die in Deutschland. Der medizinische Wissensstand ist gleichwertig. Die Studenten im Krankenhaus waren in ihrem 5. Jahr und haben so wie wir im PJ praktisch als „Interno“ gearbeitet. Jeden Monat wurde dabei in eine andere Fachrichtung rotiert. Danach folgt ein Jahr „Social Service“, dann „Residency“ für drei Jahre, in denen man durch alle möglichen Fachabteilungen rotiert.

Danach hat man die Möglichkeit, z.B. in einer privaten Klinik zu arbeiten und nebenbei als „Attending“ auch noch Geld in so etwas wie einem Hospital Civil zu verdienen. Als „Residente“ verdient man umgerechnet ca. 600.- EUR im Monat und das ist auch für mexikanische Verhältnisse sehr wenig. Die meisten wohnen zu dieser Zeit noch bei ihren Eltern, genau wie auch meistens während des Studiums. Ausgezogen wird erst, wenn man heiratet. So etwas wie Famulaturen gibt es wohl nicht, dafür fangen die Studenten aber gleich zu Beginn des Studiums schon mit „Bedside-teaching“ an und haben irgendwann in Kleingruppen auch allein ihre eigenen Patienten, über die sie dann berichten müssen.

Unterkunft & Finanzielles

Ich habe bei einer mexikanischen Familie in der Nähe des Krankenhauses gewohnt. Es hat mir dort sehr gut gefallen, vor allem die Gastfreundlichkeit. Dass die Hygienestandards auch dort anders sind, ist zu erwarten, war auch so, kann man aber mit leben. Ansonsten sollte man eine Reise in solch ein Land nicht antreten. Organisiert wurde die Familie über meine Bewerbung bei der bvmd.

Bezahlt wird mit Mexikanischen Pesos. Ich hatte kein Geld vorher umgetauscht, denn die Banken raten davon ab – zu teuer. Ich bin also allein mit meiner kostenlosen VISA-Kreditkarte und einer maestro-Karte losgefahren. Alles lief reibungslos, ich musste kaum Gebühren zahlen und konnte teilweise auch direkt bargeldlos bezahlen. Das mit den „TravellersCheques“ wäre mir zu umständlich. Ich find´s unnötig.

Die Preise sind ein Traum. So gut wie alles ist in Mexiko billiger. Ich habe nur bei Hygieneartikeln wie Duschgel, Shampoo etc. festgestellt, dass es ungefähr so teuer ist wie in Deutschland. Und die Mautgebühren sind hoch. Aber das kann man auch umfahren.

Außer den Bewerbungsgebühren bei der bvmd (100.- EUR) und dem Sprachzertifikat (25.- EUR) musste ich für die Famulatur und die Bewerbung selbst nichts weiter bezahlen. Dazu kam noch der Sprachkurs für 85.- EUR und die Flüge (s.u.). Ich hatte alles allein finanziert. Für Stipendien war ich entweder zu spät dran oder für die Fahrkostenzuschüsse war die Aufenthaltsdauer von vier Wochen zu gering. Da muss man dann halt vorher ein bisschen mehr arbeiten.

Spanisch. Ich hatte, wie schon gesagt, vorher einen Anfänger-Spanisch-Kurs am Sprachinstitut belegt. Zweimal die Woche, je eineinhalb Stunden. Das war gut, aber natürlich viel zu wenig. Mehr war aber leider nach der spontanen Entscheidung nicht drin, ich musste ja auch noch studieren…

Mexiko ist bekannt für seine Floskeln und es gibt einige doppeldeutige Begriffe. Wenn man da allerdings als Ausländer mal in ein Fettnäpfchen tritt, wird das eigentlich immer mit Humor genommen und hinterher erklärt.

Was die Kommunikation betrifft, so hatte ich den Kontakt nach Deutschland über „Skype“ gehalten. Da meine Gastfamilie über wlan verfügte, war dies sogar komplett kostenlos. In Mexiko selbst hatte ich mir eine Prepaid-Sim-Karte gekauft und mit meinem deutschen Handy benutzt. SMS schreiben ist günstig, telefonieren kostet verhältnismäßig viel. Wenn man keine Möglichkeit hat zu „skypen“, kann man sich auch internationale Telefonkarten für Handy oder Festnetz kaufen. Soll nicht so teuer sein, genau weiß ich´s aber nicht.

Reisen in Mexiko

Der riesige Zocalo und die Kathedrale von Mexiko City
Der riesige Zocalo und die Kathedrale von Mexiko City

Nach Mexiko bin ich natürlich geflogen. Mit „Delta Airlines“ nach NY, dort in „Mexicana“ umgestiegen und mit einem Zwischenstopp in Monterrey dann in Guadalajara angekommen. Insgesamt waren das fast 20 Std. Flugdauer. Nicht so schön. Der „Mexicana“ Flug war dazu noch sehr turbulent, wofür allerdings die Gesellschaft wenig kann. Mein Rückflug ging mit „Delta“ von NY aus. Ich hatte alles vor Reiseantritt gebucht und es hat knapp 800.- EUR gekostet.

Zwischen Ankunft und Beginn der Famulatur hatte ich hauptsächlich die Gegend in und um Guadalajara mit meiner Gastschwester und ihren Freunden oder der restlichen Familie erkundet. An den Wochenenden während der Famulatur sind wir dann auch an entlegenere Orte, hauptsächlich im Staat „Jalisco“, gefahren. Gereist wurde dabei ausschließlich mit dem Auto.

Nach meiner Famulatur bin ich via Bus noch nach San Miguel de Allende, Mexico-City und Teotihuacán gereist und von Toluca aus dann mit dem Flugzeug nach Cancun (Playa del Carmen, Isla Mujeres und Tulum). Dafür gibt es sehr komfortable und klimatisierte Busse, in denen man viel Platz und Fernseher hat. So eine Reise von 5-7 Stunden Dauer kostet ca. zwischen 20.- und 27.- EUR. Die Busse waren pünktlich, man bekommt teilweise noch Essen und Getränke kostenlos dazu und ich habe mich sicher gefühlt.

Den Flug nach Cancun hatte ich ziemlich kurzfristig gebucht und er kostete ca. 80.- EUR. Sehr empfehlenswert für solche „domestic flights“ ist die Fluggesellschaft „Volaris“, eine mexikanische Billigairline. Den Flug von Cancun zurück in die USA nach NY hatte ich bereits im Reisebüro in Guadalajara gebucht. Die Fluggesellschaft war wieder „Mexicana“ und der Flugpreis betrug ca. 210.- EUR. Dieser Flug dauerte allerdings auch keine vier Stunden und ging non-stop. Kann ich nur empfehlen.

Ansonsten kann man in Mexiko wohl relativ schlecht mit der Bahn fahren, die Strecken sind nicht gut und nicht flächendeckend ausgebaut. Sind wohl eher touristisch. Die Mexikaner reisen sowieso fast alle mit dem Auto und fahren auch jeden kleinsten Weg damit.

Land und Leute

Kunst in der Innenstadt von Guadalajara
Kunst in der Innenstadt von Guadalajara

Außerhalb des Krankenhauses habe ich viel unternommen. Unter der Woche waren es eher kleinere Dinge in der Nähe, wie z.B. Bars, Restaurants, das Innenstadtzentrum, Straßen-Tacos oder Eis essen, Konzerte besuchen etc. Am Wochenende habe ich meistens größere Trips mit verschiedenen Teilen meiner Gastfamilie und Freunden unternommen. Darunter waren „Chapala“ (schöner See mit Promenade), „Ajijic“ (besonders von Nordamerikanern belagert, tolle Restaurants), „Jocotepec“ (viele Ferienanlagen), „Tlaquepaque“ (wunderschönes Suburb von Guadalajara, Zentrum sehr empfehlenswert), „Tapalpa“ („Pueblo Mágico“, irgendwo im Nirgendwo, sehr hoch, beeindruckende Wasserfälle), „Las Piedrotas“ (Riesenfindlinge, von denen keiner weiß, woher sie kommen – erinnert ein bisschen an „Stonehenge“), „Tenacatita“ (an der Pazifikküste, nicht so touristisch wie z.B. „Puerto Vallarta“ oder „Manzanilla“), „Tequila“ (Besichtigung einer Tequila-Fabrik, mit Verköstigung natürlich und archäologische Fundstätten der „Teuchitlán“-Kultur)… Man sollte so viel wie möglich mitnehmen, jeder Ort hat seine eigenen Reize und ist etwas Besonderes.

Kulturell hat Mexiko und auch speziell Guadalajara einiges zu bieten. Ich war überrascht über die Vielfalt an Kunst, Museen, Architektur, Musik, Theater…

Politik ist ein heißes Thema, viele Mexikaner sind sehr unzufrieden. In Mexiko-City wird beinahe jeden Tag dagegen demonstriert. Vor allem Korruption und Bildung sind Bestandteil. Es heißt, dass die wenigen Mächtigen und Reichen mit Einfluss, Macht und Geld dafür sorgen, dass die einfachen Bürger unterdrückt werden, vor allem in Bezug auf Bildung. Sie sollen Angst haben, dass ihre Position mit höherer Bildung der Bürger gefährdet sein könnte. Ich muss dazu sagen, dass diese Informationen alles Meinungen verschiedener Mexikaner sind, kein fundiertes Wissen.

Generell kann man über größere Städte in Mexiko sagen, dass das Zentrum meist wunderschön, sauber und mit sehr viel Kunst bestückt ist. Kommt man in die umliegenden Gegenden, sieht die Lage ganz anders aus. Es kann in den schlimmsten Fällen dreckig, stinkend und unsicher sein. Auch sucht man hier meist vergeblich nach schöner Architektur. Vereinzelt finden sich tolle Parkanlagen, dies aber meistens in reichen Wohngegenden.

Zu meiner Gastfamilie hatte ich ein super Verhältnis. Ich wurde sofort als vollwertiges Familienmitglied integriert – und zwar in die ganze Familie. Mexikanische Familien sind groß! Ich habe bis zum Ende nicht durchgeblickt, wer jetzt wie mit wem verwandt ist oder wer doch einfach nur Nachbar ist. Und wenn es irgendwie ging, wurde mir auf meiner weiteren Reise dann immer noch Adresse und Telefonnummer von Bekannten, Verwandten im jeweiligen Ort mitgegeben, falls es mal Probleme geben sollte. In Cancun habe ich sogar für über eine Woche bei einer Freundin der Familie wohnen dürfen. Perfekter geht´s nicht! Sie haben sich immer bemüht mir alles Recht zu machen und mir möglichst viel von ihrem Land zu zeigen und zu erzählen. Mit den jüngeren Generationen ging das auf Englisch oft ganz gut, mit den älteren eben meistens auf Spanisch. Aber da alle sehr geduldig mit mir waren – kein Problem.

Meine Gastfamilie war dabei nur repräsentativ für die ganze Bevölkerung Mexikos. Ich kann hier natürlich nicht beurteilen, wie sich z.B. die Menschen weiter im Norden verhalten, aber für die Staaten „Jalisco“, „Colima“, „Guanajuato“, „México“ und „Quintana Roo“ kann ich das behaupten. Ich habe noch niemals so gastfreundliche und auch an meiner Kultur interessierte Menschen getroffen.

Es gibt kaum etwas, das ich gerne anders gemacht hätte. Aber es gibt viele, viele Ziele, die ich außerdem noch gern gesehen hätte, so viel steht fest. Aber dafür sind sechs Wochen Mexiko mit vier Wochen Famulatur einfach zu wenig.

Sicherheitsaspekte

Ich hatte mich nicht speziell auf die Sicherheitslage von Mexiko vorbereitet. Dies war auch, soweit ich das überblicken kann, für Guadalajara nicht nötig. Es gibt ein paar Dinge, auf die man achten sollte, aber da helfen auch immer die Einheimischen. Man sollte als Frau im Dunkeln nicht unbedingt allein durch die Straßen laufen – mir wurde es von meiner Gastfamilie und allen anderen auch „verboten“! Man ist da als Deutscher anderes gewohnt und sollte deshalb schon darauf hören.

Als „Tourist“ – egal ob männlich oder weiblich – wird man fast immer erkannt. Und Touristen haben meistens Geld… Deshalb: Vorsicht! Beim Taxi-fahren immer auf die Lizenz des Fahrers achten – das gilt allerdings mehr und besonders für Mexiko-City.

Ich habe viele Städte in Mexiko gesehen und muss sagen, dass ich mich eigentlich in keiner unsicher gefühlt habe. Dazu muss ich allerdings erwähnen, dass ich – bis auf Mexiko-City – immer mit Mexikanern unterwegs war. Das gab zumindest ein größeres Gefühl an Sicherheit. Ob es anders unsicherer gewesen wäre, ich habe nur vereinzelt vielleicht mal Ausflüge allein gemacht, kann ich nicht so gut beurteilen, glaube es aber nicht.

Mein Fazit

Traumhafte Straende in Tulum
Traumhafte Strände in Tulum

Meine Erwartungen wurden weit übertroffen und ich würde immer wieder in dieses Land zurückkehren – wegen der wunderschönen Orte als auch den einzigartigen Menschen und den Freunden, die ich dort gewonnen habe.

Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dort für länger zu leben und zu arbeiten. Zumindest nicht in diesem Krankenhaus. Es ist kein schönes Gefühl zu wissen, was gemacht werden muss, es aber nicht machen zu können, weil das Geld nicht reicht. Und jede 3. Nacht zusätzlich zu jedem Werktag und oft am Wochenende zu arbeiten („Guardia“) macht auch nicht so viel Spaß, vor allem nicht für diesen Verdienst.

Ich würde so eine Art Auslandsaufenthalt sicher wieder machen, allerdings mit besseren Sprachkenntnissen und vielleicht nicht ganz allein. Das liegt aber an meiner Persönlichkeit.

Ich habe in Mexiko auch gelernt, das deutsche Gesundheitssystem, die Mittel und Hygienestandards zu schätzen. Vieles, das uns hier alltäglich und normal erscheint, ist in anderen Ländern, und ich spreche hier nicht von Drittweltländern, ganz anders. Wir haben das Glück, mit einem komfortablen Gesundheitssystem zu leben, auch wenn mir jetzt gerne Leute widersprechen würden. Dazu kann ich nur sagen: guckt es Euch an. Es lohnt sich, über die Grenzen hinaus zu schauen und diese Erfahrung zu machen – für jeden.

B., J.
Heidelberg, Juli 2010

Ähnliche Artikel:

  • Famulatur  in  Ruanda – Innere MedizinFamulatur in Ruanda – Innere Medizin Ruanda, Butare, Centre Hospitalier Universitaire de Butare (29.07.-14.09.2010). Sieben Wochen Famulatur in Ruanda liegen nun hinter mir – und ich muss sagen, ich habe mich in dieses Land […]
  • Famulatur in China – HNOFamulatur in China – HNO China, Shanghai, Parkway Health Center (26.02.-10.04.2010) Ende Februar 2010, direkt nach meiner letzten Semesterprüfung, flog ich nach Shanghai zu meiner Auslandsfamulatur. Diese […]
  • PJ in Mexiko – ChirurgiePJ in Mexiko – Chirurgie Mexiko, Monterrey, Hospital General de Zona No. 33 / Hospital de Seguridad Popular (07.12.2009-28.03.2010) „Definitiv werde ich eines Tages nach Mexiko zurückkehren, um meine Freunde zu […]
  • Famulatur in Spanien – PädiatrieFamulatur in Spanien – Pädiatrie Spanien, Salamanca, Hospital Universitario de Salamanca (01.08.-31.08.2010) Zu einer Famulatur nach Spanien? Dann auf nach Salamanca. Dank der freundlichen Ärzte im Krankenhaus habe ich […]
  • Famulatur im Sudan – Tropenmedizin, Gynäkologie & Geburtshilfe, NotaufnahmeFamulatur im Sudan – Tropenmedizin, Gynäkologie & Geburtshilfe, Notaufnahme Sudan, Khartoum, University of Khartoum (01.08.-31.08.2016) Die Universität von Khartum richtet seit 2008 einmal im Jahr einen Tropenmedizinkurs für internationale Medizinstudierende aus, […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *