PJ in Mexiko – Chirurgie

6. Juni 2010

in Chancen im Ausland, Chirurgie, Mexiko, Praktisches Jahr im Ausland

Mexiko, Monterrey, Hospital General de Zona No. 33 / Hospital de Seguridad Popular (07.12.2009-28.03.2010)

„Definitiv werde ich eines Tages nach Mexiko zurückkehren, um meine Freunde zu besuchen und wer weiß, vielleicht werde ich ja wirklich den verrückten Plan in die Tat umsetzten und gemeinsam mit einem befreundeten Mexikaner ein mobiles Krankenhaus aufbauen. Später einmal, wenn ich dann eine richtige „Doctora“ bin…!

Warum gerade Mexiko?

Spirituelle Reinigung durch einen Nachkommen der Azteken
Spirituelle Reinigung durch einen Nachkommen der Azteken

Im letzten Sommer vor dem Beginn meines Praktischen Jahres absolvierte ich meine letzte Famulatur in Bolivien und schon vorher war mir bewusst, dass ich unbedingt einen Teil meines PJ im spanisch-sprachigen Ausland machen wollte, schon allein vor dem Hintergrund gesehen, dass ich mich dagegen entschieden hatte, ein Auslandssemester einzuplanen.

Des Weiteren spielte ich und tue dies noch immer mit dem Gedanken, längere Zeit in Lateinamerika zu verbringen. Und so bewarb ich mich ca. eineinhalb Jahre vor dem Anfang des PJ im Akademischen Auslandsamt meiner Universität um einen Austauschplatz. Der PJ-Austausch mit der „UDEM“, der Universidad de Monterrey, ist noch sehr jung und so gehörte ich zu den ersten deutschen PJlern der Universität Rostock, die ihren Weg nach Monterrey/Mexiko antraten.

Bewerbung

Schon seit dem ersten Semester wusste ich von den Austauschpartnern der Universität Rostock. Damals bestanden diese nur mit den Universitäten in La Plata/Argentinien und Santiago de Cuba/Kuba. Ich bewarb mich, da ich schon immer nach Kuba wollte. Leider wurde die Austauschvereinbarung der beiden Universitäten für mein Austauschjahr nicht fortgesetzt und so bat ich das „AAA“ (Akademisches Auslandsamt), mir eine eventuell neue Option anzubieten. Glücklicherweise bot sich die „UDEM“ in Mexiko an und der Kontakt war dank Daniela Rodriguez (Programas Internacionales/UDEM) und Frau Wünsch (AAA Rostock) schnell hergestellt und ich dementsprechend schnell im Programm.

Beworben hatte ich mich beim „AAA“ ca. eineinhalb Jahre vorher. Meine Bewerbung bestand aus dem allgemeinüblichen Lebenslauf und einem Motivationsschreiben sowie einem Bewerbungsgespräch, das in Spanisch gehalten wurde. Ich wurde in diesem Gespräch auf meine damalig erforderlichen kubanischen Geschichts- und Politikkenntnisse auf Herz und Nieren geprüft. Schon am nächsten Tag bekam ich die Zusage für das Auslands-PJ. Nach der Bewerbung hatte ich dementsprechend noch die eineinhalb Jahre Zeit, mich gründlich auf das PJ vorzubereiten. Im Frühjahr 2009 erfuhr ich dann leider, dass der Vertrag zwischen Rostock und Kuba nicht mehr aufrechterhalten wurde und ich mir eine neue Uni im spanisch-sprachigen Ausland suchen müsse.

Wie schon erwähnt, ging das recht schnell und so buchte ich im Juni 2009 meinen Flug nach Monterrey/Mexiko.

Was man bei der Vorbereitung beachten sollte!

Hospital Zona General #33
Hospital Zona General #33

Der Direktflug kostete damals ca. 760 EUR. Flüge nach Mexiko-Stadt sind um einiges günstiger. Diese kosten, wenn man sie rechtzeitig bucht, ca. 500 EUR Hin- und zurück. Ich hatte mich damals jedoch gegen einen Flug nach Mexiko-Stadt oder kurz D.F. (Districo Federal) entschieden, da ein Weiterflug von D.F. nach Monterrey noch einmal ca. 100 EUR gekostet hätte und ich für eine Busreise (D.F. nach Monterrey ca. 30 EUR und 10 Stunden Fahrtzeit) keine Zeit hatte, da ich am nächsten Tag nach meiner Ankunft schon mit dem PJ anfangen sollte.

In der Zeit vor meinem Praktischen Jahr studierte ich noch zwei weitere Semester Spanisch an meiner Uni. Im Frühjahr 2009 stellte ich meine Wohnung für ein Zwischenmietergesuch in die Zeitung, packte meine Siebensachen zusammen, sortierte meine Sachen für meine Aufenthalte in der Schweiz, das Tertial Innere Medizin verbrachte ich in Dornach/Schweiz, und Mexiko in Winter- und Sommersachen, meldete eine Weiterleitung meiner Post zu meinen Eltern an und beantragte eine Kreditkarte bei meinem Kreditinstitut. Hierbei sei vorab erwähnt, dass es nützlich sein kann, sich von seinem Kreditinstitut eine Bescheinigung über den Kreditrahmen (min. 2.000 EUR) ausstellen zu lassen. Idealerweise ist diese in Spanisch, Englisch geht hier aber auch.

Für die ersten zwei Nächte buchte ich noch ein Hostel im Zentrum Monterreys, da ich mich erst vor Ort um eine Wohnung kümmern wollte. Wenn man jedoch nicht warten kann, kann man sich vorab schon über die lokale Zeitschrift (www.elnorte.com.mx) über Wohnungsangebote informieren, bei der Universität anfragen, sich bei einem Couchsurfer für ein bis zwei Tage einmieten (www.couchsurfing.com)  oder erfahrene Monterrey-Reisende nach ihren ehemaligen Unterschlüpfen fragen. Meistens kann man auch bei Ankunft im Krankenhaus seine neuen Kollegen fragen, ob sie eventuell einen „Roomie“ suchen, was häufig der Fall ist.

Die Monatsmieten rangieren zwischen ca. 80 EUR bis 200 EUR und sind stark davon abhängig, wo man wohnt, San Pedro ist das Nobelviertel und teuer, und was man an Ausstattung haben will. Wenn man sein Tertial, wie ich im Winter plant, sollte man nach einer Wohnung/einem Zimmer mit Heizung Ausschau halten oder sich zumindest frühzeitig einen Elektroheizer zulegen, bevor sie im Dezember ausverkauft sind und man frierend mit Winterjacke – ja, die sollte man unbedingt im Norden von Mexiko dabei haben – in der Wohnung hockt.

Vor Reiseantritt muss man sich auch unbedingt überlegen, was alles in den Koffer muss, da man nach den neusten Reisebestimmungen nur noch max. 30kg und ein Reisegepäck plus 10kg Handgepäck mitnehmen darf. Unbedingt im Koffer sollten also die Winterjacke und ein Pullover sein, eine weiße Hose und weiße Shirts sowie eventuell OP-Klamotten („Bitufos“- Schlümpfe, wie die OP-Kittel in Mexiko genannt werden), ferner Stethoskop, Reflexhammer, Ein-Punkt-Leuchte und wenn man will Schoggi und Gummibärchen, um seine neuen Freunde glücklich zu machen. Nicht unbedingt notwendig sind Desinfektionsmittel, die man in jeder Apotheke kaufen kann und Latexhandschuhe, die es in den Krankenhäusern doch ausreichend gibt.

Wenn man im Land angekommen ist, empfiehlt es sich, eine SIM-Karte für sein Handy zu besorgen, da sich die Stationsarbeit und die Kommunikation mit seinen Freunden deutlich erleichtert. Anbieter wären MovieStar, TelCell, etc. TelCell haben die meisten und somit ist das Telefonieren auch etwas billiger.

Auf die Reise kann man sich mit dem „Lonely Planet Mexiko“ machen, obwohl der recht viele inhaltliche Fehler hat, sowie dem „Travel Know How”- Reiseführer. Man sollte sich definitiv noch ein paar andere Reiseberichte durchlesen.

Und dann wären da noch das Visum …

Um ein Visum musste ich mir glücklicherweise keine Gedanken machen, da die „UDEM“ nicht zwingend ein Studentenvisum für meinen Aufenthalt forderte. Das Touristenvisum für Mexiko ist für max. drei Monate gültig und da ich sowieso einen Besuch bei Freunden in den USA einplante, würde sich dieses Touristenvisum sowieso erneuern.

Natürlich ist es möglich, ein Studentenvisum zu beantragen, aber das kostet nur Zeit und Nerven. Man kann das Visum in Deutschland beantragen oder direkt vor Ort mit der Hilfe der Universität. Wenn man den Kontakt über eine Universität herstellt, schicken diese üblicherweise schon im Vorfeld Informationen zur Beantragung eines Visums und eine Liste mit den erforderlichen Dokumenten, die man mitbringen muss, um sich erfolgreich durch den langwierigen Prozess eines Antrages  zu quälen. Dazu gehören u.a. Geburtszertifikat, offizielles Dokument einer Reiseversicherung mit Versicherungsnummer in Spanisch sowie ein von einem staatlich akkreditierten Übersetzer übersetzter Studienausweis. Beantragt man das Studentenvisum in Deutschland, gehört meist noch ein in Spanisch übersetztes Führungszeugnis dazu. Infos dazu findet man auf der Seite des mexikanisches Generalkonsulates oder man beantragt das Visum in Mexiko oder eben gar nicht und reist lediglich als „arbeitender“ Tourist ein.

… die Impfungen/Ärztliche Untersuchungen

Für Mexiko existieren keine zwingenden Impfungen. Für die Arbeit im Krankenhaus sind wie in Deutschland natürlich die Impfungen gegen Hepatitis A/B erforderlich. Des Weiteren empfiehlt sich ein Blick in den Impfpass und eine eventuelle Auffrischung von  Polio, Tetanus, Diphtherie, FSME. Ebenso sollte man die aktuelle Influenzavakzination und eine gegen Schweinegrippe besitzen. Sicher ist sicher! Und sicher, je nachdem, was man an Reisen im Land noch unternehmen will, Gelbfieber und Tollwut. Um ganz sicher zu gehen, empfehle ich sowieso eine Konsultation in einer Impfsprechstunde des nächsten infektiologischen Institutes.

Eine ärztliche Untersuchung musste ich bei Anreise nicht nachweisen. Diese kann jedoch fällig sein, wenn man sich für ein Visum bewirbt.

… und die Versicherungen.

Es ist unabdinglich, eine Auslandsreisekrankenversicherung abzuschließen! Einige Versicherungsinstitute bieten direkt einen Versicherungsschutz für PJler im Ausland (z.B. die Allianz). Sehr, sehr wichtig, das muss ich leider mehrmals betonen, sonst gibt es später ein böses Erwachen, ist, dass man alle wichtigen Dokumente in einer spanischen Übersetzung bei sich trägt – also auch die Bestätigung einer gültigen Auslandsreisekrankenversicherung.

Ankunft: „Houston, wir haben ein Problem“ – und Start

Meine Reise nach Mexiko gestaltete sich schon anfänglich sehr abenteuerlich. Angefangen hatte es damit, dass ich bereits bei meiner Hinreise auf Grund eines „Schneesturms“ in New York meinen Anschlussflug in Houston/Texas nach Monterrey nicht bekommen habe. So verbrachte ich eine Nacht, wartend auf meinen Anschlussflug, in einem Fünf-Sterne-Hotel… So kam ich mit einem Tag Verspätung in Monterrey am Flughafen an, wo ich von einer Freundin, die ebenso wie ich einen Teil ihres PJ in Mexiko verbringen wollte, in Empfang genommen wurde.

Am nächsten Tag ging es dann auch schon los. Früh am Morgen machte ich mich auf in die weit ab vom Schuss gelegene „UDEM“, um mich mit Daniela Rodriguez von den „Programas internacionales“ zu treffen, die sich um meinen Austausch gekümmert hatte. In meiner „Rotación“  war ich für zwei Krankenhäuser – Hospitales – eingeteilt. Vorab hatte ich mich dagegen entschieden, in einem privaten Hospital zu arbeiten, da man in diesen Hospitales nur sehr wenig praktisch machen kann und so musste ich umgerechnet 375 EUR Studiengebühren vor Ort zahlen. Diese kann man in Raten oder auf einmal zahlen. Die Studiengebühr („Campo clinico“) kann man in bar oder mit Kreditkarte zahlen.

Da ich nun schon mal den weiten Weg zur „UDEM“ gemacht hatte, die ganz im Süden der Stadt in „San Pedro“ liegt, habe ich auch gleich meinen Studentenausweis drucken lassen. Man erhält eine Karte, welche einen 50 Prozent Discount auf alle öffentliche Verkehrsmittel in Monterrey und für Überlandbusse gibt und sogar auf archäologische/touristische Attraktionen erhält man einen Discount bzw. freien Eintritt.

Daniela erklärte mir also an meinem ersten Tag, zu welchem Krankenhaus ich hin müsste, gab mir einen Vorstellungsbrief mit und eine halbe Stunde später saß ich einem Bus zum „Hospital Zona #33“ im Zentrum Monterreys. Dort stellte ich mich nun mit der „Carta de Presentación“ bei der „Jefe de Ensenanza“ vor, welche mir meinen „Horario“ (Stundenplan/ Arbeitszeiten) erklärte. Ich war anfangs etwas baff, da sich meine Arbeitszeiten als wirklich taff herausstellten. Ich sollte jeden vierten Tag eine Nachtschicht (36h) – beschreiben wir es besser als Ganztagsschicht – machen und die restlichen Tage von 6:30 bis ca. 17:00 Uhr arbeiten. Das Wochenende hat man nur frei, wenn die „Guardias“, also die Nachtschichten, nicht auf das Wochenende fielen. Feiertage sind frei, so fern man keine „Guardia“ hat. Als ich dann in der zweiten Hälfte meines Tertials in ein anderes Krankenhaus wechselte, hatte ich sogar jeden dritten Tag „Guardia“ und arbeitete in der Nacht in der Notaufnahme mit.

Meine Arbeit und meine Aufgaben in der Chirurgie

Chirurgische Sprechstunde
Chirurgische Sprechstunde

Da es an diesem Tag schon sehr spät war, begann ich mit der Arbeit erst am nächsten Tag. So stand ich nun da – in weißer Hose und Kittel. Diese und OP- Sachen in zweifacher Ausführung zum Wechseln sollte man mitbringen oder vor Ort kaufen, z.B. im „Calle Madero“ gegenüber dem Hospital Universitario oder im Hospital Universitario. An meinem ersten Tag wurde ich einem „Interno“, so heißen die PJler in Lateinamerika, zugeordnet. Mit Diana teilte ich mir im folgenden Monat die Patienten und den „Externo“, den Arzt/Chirurg sowie den „Residente“, den Assistenzarzt.

Die tägliche Routine fing morgens mit den Schreiben der „Indicaciónes“ (Indikationen) für die Patienten an. Jeden Morgen schaute ich mir meine Patienten an, schaute mir ihre Operationswunden an, befragte sie nach ihrem Ergehen und pinselte schließlich die gesamten (!) Indikationen für den Tag vom Vortag mit gelegentlichen Änderungen der Diät oder der Schmerzmedikation ab. Um 7:30 Uhr fand die „Entrega de Guardia“ statt, die „Morgenpredigt“ mit Berichterstattung des vergangenen Tages und mit den Dingen, die kommen sollten. Nachdem die „Residentes“ und die „Internos“ runtergeputzt worden waren, ging es auf Visite, die meist nur kurz dauerte und danach erledigte man seine neuaufgetragenen Aufgaben wie z.B. das Reinigen der Wunden und begab sich anschließend in den OP oder in die Ambulanz.

Im OP war ich meistens mit Haken halten, Führung des Laparoskops und Nähen (Subkutan,- Intrakutan,- Fettgebewebsnaht, kontinuierliche Naht, etc.) beschäftigt, half bei den Vorbereitungen für die OP, schrieb Indikationen. Die „Externos“, die angestellten Ärzte, erklärten immer sehr viel und wenn man nett fragte, konnte man nicht nur den Operationen des eigenen Bereiches, bei mir die „Cirurgia general“,  beiwohnen, sondern auch mal in einer pädiatrischen oder ophthalmologischen. Die Operationen, die ich hier zu sehen bekam, waren sehr selektioniert, da es sich bei meinem ersten Krankenhaus im Speziellen um ein Krankenhaus der „Cirurgia General“ handelte. Dies bedeutete, dass hier hauptsächlich Hernien, Amputationen von diabetischen Füßen, Hämorrhoiden und Cholecystektomien operiert wurden.

In der Ambulanz wurden dann kleinere Operationen wie kleine Abzessdrainagen oder Fibromentfernung von den Studenten unter Anleitung der „Residentes“, der Assistenzärzte, durchgeführt.

Ein wichtiger Bestandteil waren dann schließlich noch die erwähnten „Guardias“, die Nachtschichten. Hier blieb ich gemeinsam mit meinem „Residente“ die Nacht im Krankenhaus, operierte die Notfälle mit, nahm Patienten auf, schrieb Indikationen (…) oder EKGs, reinigte Wunde und erledigte alles, was anfiel. Als „Interno“ ist man in Mexiko übrigens schon für alle ein „Doctor“. Folglich wurde ich immer mit „Doctora“ angesprochen, was ich anfangs noch vehement dementierte. Aber man gewöhnt sich irgendwann an das uneingeschränkte Entgegenbringen von Respekt von Seiten der Patienten und des Pflegepersonals…

Die staatlichen Krankenhäuser in Mexiko sind nur mit dem Nötigsten ausgestattet und in der staatlichen Gesundheitsversorgung werden noch einmal Abstufungen vorgenommen. So existiert neben der luxuriösen privaten Krankenversicherung eine spartanische „Seguridad Social“ für die Angestellten und eine leidlich ausgestatte „Seguridad Popular“ für die Arbeitslosen und Armen. Die Krankenhäuser sind auch nach diesem System aufgeteilt, sodass man ironischerweise nichts von einem Drei-Klassen-System innerhalb des Krankenhauses mitbekommt. In den staatlichen Krankenhäusern sind die Familienmitglieder angehalten, die Pflege ihrer Angehörigen mitzutragen, sodass immer ein „Familiares“ 24 Stunden am Tag am Bett des Patienten wacht als auch bei der Pflege, der Wundreinigung und der Nahrungsaufnahme behilflich ist.

In den Krankenhäusern, in denen ich gearbeitet habe, mangelt es dementsprechend oft an  Material, an Instrumenten jedoch nicht an Arbeitskräften. Für eine Station sind pro Schicht mind. acht Schwestern, sieben „Residentes“ und sieben „Internos“ für die Versorgung der Patienten zuständig, wobei das Pflegefachpersonal und die Studenten hauptsächlich die Stationsarbeit übernehmen. Der OP ist für die Ausbildung der „Residentes“ reserviert, sodass man sich schon gut mit den „Residentes“ und den „Externos“, die die OPs auf die „Residentes“ verteilen, verstehen muss, um  auch außerhalb seines OP-Tages an Operationen teilnehmen zu können.

Finanzielles

Wie schon oben erwähnt, gibt es unterschiedliche Preisklassen für „Departementos“ (80-200 EUR). Weitere Kosten fallen für die täglichen Bus-/Metro-/Taxifahrten ins Krankenhaus an. Die Busse kosten regulär 9 Mx$ (ca. 50ct), mit Studentenausweis 4,50 MX$, Metrofahrten 3 Mx$ (ca.17ct) und Taxifahrten pro gefahrenen Kilometer 4,70 $Mx (ca. 30ct/km).

Frühstück-, Mittag- und Abendessen werden von der Klinik zur Verfügung gestellt. Wenn man jedoch außerhalb der Klinik seine „Tacos“ verzehren will, dann kostet eine vollständige Mahlzeit mit Getränk ca. 30 Mx$ (1,70 EUR) bis 100 Mx$ (6 EUR) für die Luxusvariante.

Unterstützung kann man von seiner Universität in Form einer Fahrtkostenunterstützung beantragen sowie beim „bvmd“. Des Weiteren bestehen die Möglichkeiten, sich um ein Stipendium beim „DAAD“ zu bewerben oder bei stethosglobe.de (Medizinstudentenportal der Allianz). Höchstförderbeträge belaufen sich hierbei meistens um die 500 EUR und können nur bei einem der Förderstellen beantragt werden.

Land & Leute

Panaroma von Guanajuato
Panaroma von Guanajuato

Am Ende meiner vier Monate in der Chirurgie, vielen schlaflosen Nächten, unzähligen Erfahrungen mit Cerveza und Tequila, nahm ich mir für zehn Tage die Zeit, das Land näher kennen zu lernen. Schon während meines Tertials hatte ich ab und an ein freies Wochenende und nutzte dieses, um via Billigfluglinie nach Guadalajara, der Heimat des Tequila und der Mariachi, oder nach Las Vegas zu fliegen oder einmal in die Geisterstadt „Real de Catorce“ zu fahren.

In den besagten letzten zehn Tagen fuhr ich von der Atlantikküste mit Zwischenstopp in D.F. (Mexiko-Stadt) zur Pazifikküste und wieder zurück zur Atlantikküste mit dem Bus kreuz und quer durch Mexiko. Das Reisen mit dem Bus ist in Mexiko, wenn man es denn will, sehr luxuriös, daher sehr angenehm. Die Busse sind mit Liegesitzen und teilweise sogar mit Internet ausgestattet! Man bekommt vor Reiseantritt ein Snack-Beutelchen mit Sandwich und ein Getränk, Decke und Schlafmaske. Die meisten Überlandstrecken fuhr ich in der Nacht, um die wertvolle und knappe Reisezeit nicht mit Tagesfahrten zu vergeuden. Die restlichen Nächte schlief ich bei Couchsurfern, was eine herrliche Erfahrung für mich war. Wenn man das Risiko nicht eingehen will, bei einem Menschen zu übernachten, den man nicht kennt, kann man sich günstig in ein Hostel oder Hotel einquartieren (ab 6 EUR).

In diesen Tagen hatte ich wieder einmal die Gelegenheit, die Gastfreundlichkeit der Mexikaner zu genießen. Der durchschnittliche Mexikaner ist zudem auch sehr hilfsbereit, jedoch sollte man nicht so viel Vertrauen in Wegbeschreibungen oder sonstige verbindliche Angaben haben.

Was mich manchmal jedoch stutzig gemacht hatte, waren die Warnungen der Taxifahrer, dass das Fahren mit Taxis nicht unbedingt das sicherste Fortbewegungsmittel sei, da es in der Vergangenheit oft zu Taxientführungen gekommen sei. Von diesen und anderen Horrorgeschichten hatte ich gelesen, man sollte demzufolge auch darauf achten, dass man immer ein offizielles Taxi (grün in Monterrey, goldrot in D.F., gelb in Guadalajara, rot-weiß in Veracruz) nimmt und sich nachts besser von seinen Freunden nach Hause bringen lässt. Ebenso muss man immer Kleingeld mit sich führen und den Weg kennen, da Taxifahrer einen Europäer sowieso gerne ausnehmen, d.h. nie Wechselgeld dabei haben und gerne mal den einen oder anderen riesigen Umweg fahren, damit es sich auch lohnt – wenigstens für eine teilnehmende Partei.

Bus und Metro sollte man als Europäer oder noch schlimmer als europäische Frau in der Nacht meiden.  Es empfiehlt sich ebenso, nur ein kleines Portemonnaie mit dem nötigsten Bargeld auf Wochenmärkte, etc. mitzuführen.

Im Krankenhaus hatte ich das Glück, entweder ein abschließbares Zimmer zu haben oder ein Schließfach, sodass ich keine Angst hatte, meine Kamera oder auch mal den Laptop für die Abendunterhaltung in der Nachtschicht mitzubringen.

Fazit meines PJ-Tertials in Mexiko

Mein Fazit fällt trotz wahnsinnig langen Wochenarbeitszeiten, annähernd 100 Stunden, sehr positiv aus. Das Arbeitsklima war immer sehr locker. Alle – vom „Interno“ bis zum „Externo“ – waren bemüht, mir mit meinen  sprachlichen Problemen zu helfen.

Bemerkenswert fand ich auch, dass hier, ganz anders als in Deutschland, eine andere Auffassung herrscht, was die Lehre betrifft. Jeder, der etwas weiß oder kann, gibt es dem weiter, der es nicht weiß oder noch nicht kann. Nie hatte ich das Gefühl, jemanden mit meinen Fragen zu belästigen und es ist auch nie passiert, dass ein „Externo“ während des Erläuterns weggelaufen ist.

Was mir etwas gefehlt hat, war der PJler-Unterricht. Den gab es zwar, er fiel jedoch eher spärlich aus oder wenn er geplant war, passierte es häufig, dass er nicht stattfand.

Trotz meines Status als Austauschstudent wurde ich fast hundertprozentig wie ein mexikanischer PJler eingesetzt.  Ich hatte meine eigenen Patienten, musste ebenso  über ein vorgeschriebenes Thema referieren und hatte an den „Guardias“ teilzuhaben. Ein toller Nebeneffekt war natürlich, dass ich mein Spanisch verbessern konnte und jetzt fast genauso furios wie ein Mexikaner fluchen kann!

Definitiv werde ich eines Tages zurückkehren, um meine Freunde zu besuchen und wer weiß, vielleicht werde ich ja wirklich den verrückten Plan in die Tat umsetzten und gemeinsam mit einem befreundeten Mexikaner ein mobiles Krankenhaus aufbauen. Später einmal, wenn ich dann eine richtige „Doctora“ bin…

C. Born,
Rostock 2010

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