Famulatur in Peru – Innere Medizin, Pädiatrie, Gynäkologie und Geburtshilfe

9. Juni 2016

in Allgemein, Chancen im Ausland, Famulatur im Ausland, Gynäkologie und Geburtshilfe, Innere Medizin, Pädiatrie, Peru

Peru, Tucunaré, Clínica Tucunaré (28.03.-30.04.2016)

„Hanuara!“ – Eine Famulatur bei den Eingeborenen des peruanischen Amazonas-Gebietes! Ich tauschte die klimatisierte Bibliothek gegen das Arztzimmer im tropischen Regenwald. Ein unvergessliches Erlebnis! Ich werde die Erfahrungen, die ich dort gemacht habe, nie vergessen! Ich werde mich definitiv nach der Wärme und den tropischen Regengüssen sehnen. Doch am Meisten werde ich die Menschen vermissen, die Kinder und das Team. Am Ende haben sich die Strapazen gelohnt und ich habe den Entschluss gefasst, wiederzukommen.

Meine Motivation – mein Traum!

Die Casa Blanca - mein Zuhause während der Famulatur
Die Casa Blanca – mein Zuhause während der Famulatur

Für viele von uns Medizinstudenten ist es ein Traum, wenn nicht sogar der Grund selbst, sich für das Medizinstudium entschieden zu haben, später einmal mit Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ oder „Medicos del Mundo“ auf Einsatz zu fahren und in den entlegensten und ärmsten Regionen der Welt Menschen zu helfen, die weniger Glück im Leben hatten als man selbst.

Wir nehmen einen großen Teil unserer Motivation aus dem Streben, später kleine Kinder vor dem Tod durch Verhungern, gebärende Frauen vor dem Verbluten oder hart arbeitende Männer nach Unfällen und Wundinfektion zu retten. Wir sitzen stundenlang vor unseren Büchern und wollen uns alles möglichst gut einprägen, nicht nur, um die nächste Prüfung zu bestehen, sondern auch, weil dieses Wissen später dazu dienen soll, Menschenleben zu retten. Und dies nicht nur hier im gesundheitstechnisch gut ausgestattetem Deutschland sondern v.a. in Ländern mit einem weniger gut funktionierendem Gesundheitssystem, mit weniger Geld oder anderen Problemen wie Krieg und Dürre.

Doch so schön und heroisch sich diese Wunschphantasien von uns Gutmenschen auch anhören – es ist so viel mehr von Nöten als nur die eigene Motivation, um auch wirklich seinen Traum vom Arzt ohne Grenzen zu erfüllen. Das Studium bereitet uns nur ungenügend auf jene Herausforderungen vor: Selbst zu leben, ohne jeglichen für uns so normalen Luxus, Sprachbarrieren zu überwinden und mit geringsten diagnostischen Mitteln auszukommen. Wie hört sich nochmal eine Lungenentzündung an, wenn ich gerade kein Röntgen- oder CT-Gerät zur Verfügung habe? Und nicht zuletzt: Wie verkrafte ich selbst den Tod eines Patienten, dem in Deutschland hätte geholfen werden können?

Tausche klimatisierte Bibliothek gegen das Arztzimmer im tropischen Regenwald

Ist es Malaria oder nicht
Ist es Malaria oder nicht

Seitdem ich denken kann, träume ich davon, für Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ zu arbeiten. Ich habe genau die gleichen Träume und Vorstellungen wie tausend Andere meiner Kommilitonen. Doch nach den bisherigen drei Jahren meines Medizinstudiums hat sich dieser Traum weiter und weiter von mir entfernt. Über die Bücher gebeugt, Stunde um Stunde in der Bibliothek sitzend, habe ich langsam vergessen, warum ich  mich überhaupt für dieses Studium entschieden habe. Es hat mir zwar großen Spaß gemacht, aber meine ursprüngliche Motivation rückte in den Hintergrund.

Genau aus diesem Grund entschied ich mich dazu, den gemütlichen Sessel in der klimatisierten Bibliothek gegen das Arztzimmer im tropischen Regenwald einzutauschen. Ich wollte sehen, wie das Wissen über Leben und Tod außerhalb der Mauern eines deutschen Universitätsklinikums angewendet wird. Wie diagnostiziere ich einen Bruch ohne Röntgengerät? Welches Antibiotikum verwende ich, wenn ich keine Resistenztestung machen kann? Wie erkläre ich einem kranken Kind, das mich nicht versteht, welche Medikamente es zu nehmen hat? Und wie sehen denn nun diese seltenen tropischen Krankheiten aus, über die man noch wenig weiß und die man nur selten in einem großen Universitätsklinikum zu Gesicht bekommt?

Ich wollte nicht bis zum Ende meines Medizinstudiums warten, um Antworten auf meine Fragen zu erhalten. Vor allem auf die Frage, ob ich es überhaupt selber schaffe, unter widrigen Umständen zu leben und mich weiterhin auf Patienten zu konzentrieren? Kurz gesagt, handelt es sich bei meinen Vorstellungen wirklich um Träume oder Albträume?

Die Clínica Tucunaré im Amazonas-Gebiet von Peru

Willkommen in der Clínica Tucunaré im Amazonas-Gebiet von Peru
Willkommen in der Clínica Tucunaré im Amazonas-Gebiet von Peru

Also habe ich mich bei einer Deutsch-Peruanischen Organisation um einen Famulatur-Platz in einem Hospital im Amazonas-Gebiet von Peru beworben. Dort ganz tief im Dschungel hat man eine kleine Klinik errichtet, die sich um die Nöte der Eingeborenen kümmert. Die „Urarinas“, ein Indianerstamm, leben hier seit Jahrhunderten und konnten ihre Sprache und Kultur soweit konservieren, dass es sie heute noch in ihrer ursprünglichen Form gibt. Die Begegnung mit dem „Weißen Mann“ brachte in diesem Fall also nicht das missionierte Christentum mit sich, dafür aber die Grippe und die Windpocken. Außerdem ist in den letzten Jahren durch vermehrte Rodung im Amazonasgebiet die Inzidenz der Malariafälle explodiert.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Dies ist kein Schreiben für oder gegen die Entwicklungszusammenarbeit im Allgemeinen und wird dem auch nicht gerecht. Das Projekt ist so konzipiert, dass es in ein paar Jahren selbstständig von Peruanern und „Urarinas“ geleitet werden wird. Die Eingeborenen werden in dem Umgang mit ihnen fremden Krankheiten geschult und zu sogenannten „Promotoren“ ausgebildet. Diese sind Krankenpfleger mit diagnostischer Grundausbildung, die selbstständig in der Lage sind, verschiedene leichte Erkrankungen zu behandeln.

Ich habe selber mit ein paar „Promotoren“ zusammengearbeitet, dazu noch mit einer Hebamme, einer Krankenschwester und der zuständigen Ärztin. Dies war auch schon das komplette Team.

Die Anreise zur Klinik – ein Abenteuer für sich

Am Rio Chambira in Peru - eine andere Welt
Am Rio Chambira in Peru – eine andere Welt

Aber ich will nicht zu viel vorweggreifen. Zunächst musste ich erst einmal zur Klinik gelangen und dies war für sich schon ein Abenteuer. Die größte Stadt im peruanischen Amazonas-Gebiet ist „Iquitos“. Sie erreicht man nur mit dem Schiff oder Flugzeug. Von dort sind es noch drei weitere Tage mit großen und kleinen Booten bis zur Klinik. In „Iquitos“ selbst werden alle Besorgungen gemacht. Medikamente, Essen, Sprit und Gas müssen in großen Mengen herangetragen werden. Das kann eine Weile dauern und um diese Zeit auch zu nutzen, konnte ich für eine Woche bei den Zahnmedizinern im Krankenhaus hospitieren und dort lernen, wie man Zähne zieht. Eine sehr nützliche Sache, wie sich später noch herausstellen sollte.

Nachdem alles besorgt war, ging die Reise los. Alles wurde auf einen sehr großen Frachter geschafft und mit diesem ging es die nächsten 30 Stunden flussaufwärts immer tiefer in den Dschungel. Die meiste Zeit verbrachte man dabei in seiner Hängematte, die Natur bewundernd, wie sie  langsam an einem vorbeizieht. In einem Dorf namens „Ollanta“ angekommen, wurde im Dunkeln unsere Ladung verladen. Wir verbrachten die Nacht hier immer mit einem wachen Auge, damit niemand unsere wertvolle Fracht stiehlt.

Am nächsten Morgen wurde alles in ein viel kleineres Boot umgeladen und nach einem Frühstück aus Bananen und Thunfisch verließen wir die großen Wasserstraßen des Amazonas und schlugen uns in kleinste Seitenäste des Hauptstroms, fast schon ins Unterholz. Dabei begegneten wir rosa farbigen Delfinen, Affen, ein paar Menschen und vielen bunten Vögeln. Nach weiteren zehn Stunden Fahrt waren wir endlich angekommen und es begrüßte uns das Willkommensschild der kleinen Dorfgemeinschaft Tucunaré. Es war schon spät und so sollte meine Arbeit in der Klinik erst am nächsten Tag beginnen. Ich hatte also Zeit, mich mit den abertausend Kakerlaken in meinem Behausung vertraut zu machen, meine Sachen auszupacken, darunter u.a. die Verpflegung für einen Monat, und endlich meine schmerzenden Glieder auszustrecken und zu schlafen.

Famulieren am Rio Chambira

La Gota gruessa - der Dicke Tropfen
La Gota gruessa – der Dicke Tropfen

Die Arbeit in so einer kleinen Klinik wie der Clínica Tucunaré kann vielseitig und auch etwas eintönig sein. Manchmal gibt es Fälle von Leishmaniose, Malaria und Filariose an einem Tag und manchmal kommen 30 Patienten mit Fieber. Von denen hat dann mindestens die Hälfte eine einfache Grippe, ganz wie bei uns in Deutschland. Es gab Tage, an denen ich Babys messen und wiegen durfte, Schwangere schallen und aufklären, aber es gab mitunter auch Tage, da kam kein einziger Patient.

Im Allgemeinen sah unser Tagesablauf aber wie folgt aus: Um 8:00 Uhr öffnete die Klinik und bis 12:00 Uhr nahmen wir dann Patienten auf. Dies bedeutete zusätzlich eine Menge Schreibkram, denn man muss die Fördergelder ja begründen. Also wurde alles dreimal aufgeschrieben und vermerkt. Die große Mehrheit an Patienten stellten Kinder mit Fieber und Schmerzen dar. Dann wurde „La Gota gruessa“, der dicke Tropfen, aus der Fingerbeere abgenommen, denn dies ist Pflicht für die Malariakontrolle. Wir übernahmen zudem das Einfärben und Mikroskopieren und so lernte ich die kleinen Parasiten namens Plasmodium Vivax von Plasmodium falciparum zu unterscheiden.

Zu dem allgemeinen Behandlungsraum gab es noch einen abgesonderten Teil für die Vorsorgeuntersuchungen der Schwangeren und Kinder. Es wird viel Wert darauf gelegt, dass alle Kinder und werdenden Mütter einen kompletten Impfstatus haben. Die Kosten dafür übernimmt der Staat. Sogar hier, in einem so entlegenen Teil der Erde, legt man also Wert auf ausreichende Prophylaxe. Der vom peruanischen Staat empfohlene Impfstatus ist dem vom Robert Koch Institut sehr ähnlich, sogar die HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs wird jungen Mädchen gegeben.

Von den Kindern und Müttern waren viele unterernährt. Die Kost der „Urarinas“ besteht hauptsächlich aus Fisch, Bananen, Reis und „Yuka“. Und wenn kein Fisch im Netz ist, was während der Regenzeit häufiger der Fall ist, dann gibt es eben nur Reissuppe. Um dieses Problem akut zu beseitigen, bekommen die kleinen und großen Patienten Nahrungsergänzungsmittel. Doch gleichzeitig baut das Projekt zusammen mit den „Urarinas“ eine kleine landwirtschaftliche Selbstversorgungseinheit mit Hühnern, Meerschweinchen, nicht zum Streicheln…, Mais, Gemüse und Obst auf. So will man diesem Problem auf lange Sicht begegnen. Ob das klappt, wird sich noch zeigen, denn die meisten „Urarinas“ sind keine arbeitsliebenden Menschen und der Regenwaldboden ist unglaublich arm an Nährstoffen.

Von 12:00 Uhr bis 15:00 Uhr hatten wir Mittagspause. In dieser Zeit war es oft so heiß, dass man sowieso nicht viel machen konnte, außer in der Hängematte zu schaukeln oder seine Sachen und gleich sich selbst mit am Fluss zu waschen. Dabei sah man ab und zu einen rosa farbigen Delfin auftauchen, um seine nächste Ladung Luft zu schnappen. Um 15:00 Uhr wurde die Praxis wieder geöffnet. Wenn es mal nichts zu tun gab, beschäftigten wir uns mit Putzen oder dem Rollen von Tupfern aus Cellulose. Zwei ganze Tage verbrachten wir alleine damit, die Apotheke aufzuräumen und neu zu bestücken. Auch das musste gemacht werden und dabei führte immer einer akribisch Buch.  Gegen 18:00 Uhr wurde die Klinik geschlossen. So hatten wir noch ca. eine Stunde Zeit, um uns am Fluss zu vergnügen, denn ab 19:00 Uhr ist es  stockfinster und die Mücken kommen aus ihren dunklen Verstecken im Wald hervor, um uns Menschen zu plagen und mit Malaria zu infizieren. Zum Glück nahm ich jeden Morgen pünktlich meine Malarone Prophylaxe ein, sodass ich mich nicht mit den für Malaria typischen Fieberschüben plagen musste.

Die Clínica Tucunaré – ein großes Glück für die Urarinas

Ein Patient mit Leishmaniose
Ein Patient mit Leishmaniose

Für Notfälle war die Clínica Tucunaré natürlich immer offen und so brannte auch immer ein Licht in der Dunkelheit. Wirklich Schlimmes sahen wir in dem Monat meines Praktikums zum Glück nur wenig. Ein Mädchen hatte sich ein Auge mit Öl verbrannt und wurde evakuiert. Das bedeutete eine fast zweitägige Reise zum nächsten größeren Krankenhaus.

Ein Mann hatte eine böse aussehende, offene Wunde, die nicht heilen wollte und es stellte sich heraus, dass es sich um Leishmaniose handelte. Die Behandlung dauert einen ganzen Monat und beinhaltet schmerzhafte tägliche Spitzen. Leishmaniose zählt weiterhin zu den vernachlässigten Krankheiten und das schon seit Jahren. Auch wenn sie hier gar nicht so selten ist, haben die Menschen kein Geld, sich teure Medikamente zu leisten und sie besitzen meistens auch keine Versicherung, die sie ihnen bezahlt. Wo kein Markt ist, ist auch keine Forschung und demnach auch keine neuen Medikamente. Die Menschen müssen sich somit durch eine langwierige, schmerzhafte Prozedur quälen, wenn sie geheilt werden wollen. Es verwundert also nicht, dass sich die Abbruchrate dementsprechend hoch verhält und sich die mittels Fliegen übertragene parasitäre Erkrankung weiter verbreiten kann.

Ein Notfall, an den ich mich allerdings noch lange erinnern werde, war ein 14-jähriges Mädchen, das nach einem spontanen Abort im 6. Monat mit hohen Fieber zu uns kam. Während der Geburt ihres toten Kindes hatte sie sich einen Dammriss 2. Grades zugezogen, der auf Wunsch der jungen Patientin nicht medizinisch versorgt wurde und sich infizierte. Als das Fieber auch nach zwei Tagen nicht sinken wollte, konnten wir das Mädchen und ihre Mutter endlich davon überzeugen, sich bei lokaler Anästhesie die Wunde von uns säubern zu lassen. Was wir sahen, war noch schlimmer, als erwartet. Aus Scham und kulturellen Vorstellungen konnten wir die Fistel, die sich zwischen Rectum und Vagina gebildet hatte, erst jetzt feststellen und hätten wir das Mädchen nicht direkt evakuiert, wäre sie wahrscheinlich an einer Blutvergiftung gestorben.

Das Leben mit den Menschen am Rio Chambira in Peru

Beim Fischfang fürs Abendessen
Beim Fischfang fürs Abendessen

Im Großen und Ganzen war die Mehrheit der „Urarinas“ gesund oder kam mit einem kleinen grippalen Effekt in die Praxis. Von den Eingeborenen selbst habe ich ganz unterschiedliche Eindrücke gesammelt. Manche Eingeborenen sprechen fließend Spanisch und sind fast westlich gekleidet, andere tragen ihre traditionelle Tracht, bestehend aus einem blauen Rock und einer roten Bluse, geschmückt mit vielen gelben oder bunten Ketten. Auch unsere gebrauchten Kanülen wurden in den Schmuck mit eingearbeitet. „Contemporary Art“ sozusagen. Außerdem, so meinen die Frauen, seien sie unglaublich praktisch, um Splitter zu entfernen. Viele sahen für unsere Verhältnisse dreckig aus und trugen abgenutzte, mit Flecken gesprenkelte Kleidung. Nach einem ganzen Monat ohne Waschmaschine, nur mit einem Fluss und etwas biologisch abbaubarer Seife zum Waschen meiner Kleidung, habe ich allerdings verstanden, dass die fleckigen T-Shirts nicht unbedingt ein Zeichen schlechter Hygiene sind. Noch dazu müssen viele von Ihnen über mehrere Stunden mit ihrem Kanu anreisen, um zur Klinik zu gelangen. Die einzelnen Dörfer sind weit verstreut und nach vier Stunden unter der heißen Sonne wäre ich auch verschwitzt und nicht mehr die Frischeste.

Was allerdings öfter ein Problem darstellte, waren die Sprachbarrieren. Durch das Auslandsstipendium von Medizinernachwuchs.de und damit die finanzielle Unterstützung konnte ich mir vorab in Ecuador einen Crashkurs in Spanisch für Mediziner organisieren. Doch dies half mir recht wenig bei der Arbeit mit den Eingeborenen, die ihre ganz eigene Sprache haben. Ich bemühte mich zwar, einfache Wörter in „Urarina“ zu lernen, wie z.B. Guten Tag – „Hanuara“, Guten Abend – „Suara“, Tut es weh? – „Kinaí“?, Wie geht´s? – „Enjatuaneí“? – doch damit kann man keinen Patienten versorgen. Also hatten wir zwei Dolmetscher im Team. Als „Urarinas“ teilten sie leider die Arbeitsmoral vieler ihrer Nachbarn. Sie waren oft nicht aufzufinden, übersetzten nur die Hälfte und was am Schlimmsten war, sie übersetzten nicht immer zurück ins Spanische. Mit ihnen darüber zu reden, schien ein aussichtsloser Kampf. So musste man dreimal nachfragen, ob der Patient das eine Medikament schon genommen hat oder was genau die Symptome seien. Man musste sich also mitunter sehr auf die körperliche Untersuchung des Patienten verlassen. Hierbei hatte ich zum Glück viel Zeit und die „Urarinas“ sind durchaus sehr geduldig.

Mein Blick zurück – und nach vorne!

Zusammen mit den Kindern des Dorfes
Zusammen mit den Kindern des Dorfes

So langsam neigte sich meine Zeit in Tucunaré dann dem Ende zu. Ich werde die Erfahrungen, die ich dort gemacht habe, nie vergessen! Ich werde das schöne weiße Haus, in welchem ich recht komfortabel wohnen durfte, vermissen. Ich werde mich definitiv nach der Wärme und den tropischen Regengüssen sehnen. Doch am Meisten werde ich die Menschen vermissen, die Kinder und das Team. Denn egal, wo man auf der Welt ist, ob man sich wohlfühlt oder nicht, ob man Freude an seiner Arbeit hat oder nicht, hängt immer von seiner Begleitung ab und nicht zuletzt auch von einem selbst. Am Ende haben sich die Strapazen gelohnt und ich habe den Entschluss gefasst, wiederzukommen und vielleicht selbst mal eine kleine Urwaldklinik mitten im Nirgendwo zu leiten, sei es hier oder irgendwo sonst auf der Welt.

Und um zum Abschluss Eure Frage zu beantworten, ob es auch was für Euch wäre: Wenn Ihr diese Art von Erfüllung und ein wenig die Herausforderung sucht, wenn Ihr mit Kakerlaken und anderen Tieren auskommen könnt, wenn Ihr offen seid für Neues und Fremdes nicht sofort verurteilt und wenn Ihr immer bereit seid, Neues zu lernen, dann kann das auch für Euch ein unvergessliches Erlebnis werden.

 

Nadja Kutschke

Berlin, Mai 2016

 

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2015-2016

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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1 Kommentar

  • Hallo liebe Nadja!
    Danke für diesen tollen, ehrlichen Bericht, den ich grad völlig zufällig gefunden habe und so spannend finde!
    Ich wollte dich nur kurz fragen, ob du mir sagen könntest über welche Organisation du dich beworben hattest und wie lange zuvor dies geschehen muss.
    Vielen herzlichen Dank!
    Beste Grüße, Duygu

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