Famulatur in Südafrika – Chirurgie

25. September 2015

in Allgemein, Chancen im Ausland, Chirurgie, Famulatur im Ausland, Südafrika

Südafrika, Kapstadt, Groote Schuur Hospital (03.03.-04.04.2014)

Famulatur am Groote Schuur Hospital der University of Cape Town in Südafrika – und dies in der Chirurgie! Eine der besten Erfahrungen meines gesamten Medizinstudiums. Alle meine Erwartungen an diese Famulatur wurden nicht nur erfüllt, sondern bei weitem übertroffen. Ich bin mit den besten Erinnerungen sowie neuen Fertigkeiten in der Chirurgie aus Kapstadt, einer zudem unbeschreiblich schönen und vielseitigen Stadt, zurückgekehrt.

Zur Chirurgie nach Südafrika

Die Entscheidung, eine Famulatur in Südafrika absolvieren zu wollen, fiel bei mir sehr bald nach dem Physikum. Ich hatte begonnen, Gefallen an der Chirurgie zu finden und machte mich auf die Suche nach Krankenhäusern im Ausland, die eine gute chirurgische Ausbildung versprachen. Immer wieder fiel in diesem Kontext das Groote Schuur Hospital in Kapstadt und nicht zuletzt wurde mir auf einer Info-Veranstaltung von Medizinernachwuchs.de zum Thema „Famulatur und PJ im Ausland“ ebenso zu einer Famulatur in Südafrika geraten. So entschied ich mich zu der Bewerbung am Groote Schuur Hospital in Kapstadt.

Zudem hatte ich immer wieder von der Vielfalt und Schönheit Südafrikas gehört und gelesen, was die Entscheidung nicht besonders schwer machte, mich schlussendlich für eine Famulatur in Kapstadt zu entscheiden.

Meine Bewerbung begann

Das Groote Schuur Hospital in Kapstadt
Das Groote Schuur Hospital in Kapstadt

Die Bewerbung bestand bei mir aus einer Email an die für Famulatur und PJ zuständige Ansprechpartnerin der University of Cape Town, in welcher ich mich erst einmal erkundigte, wie viel Vorlaufzeit für einen Famulatur-Platz nötig sei, auf welchen Abteilungen man eingesetzt werden könne und welche Formalien die Bewerbung mit sich bringe. Es kann gesagt werden, dass der eigentliche Bewerbungsvorgang recht einfach ist. Man füllt ein Formular zu Stammdaten, universitärer Ausbildung und bevorzugten Abteilungen im Krankenhaus aus und kann bei Nachfragen mit der zuständigen Ansprechperson stets in Kontakt treten.

Der Knackpunkt bei der ganzen Bewerbung ist die angesprochene Vorlaufzeit. Kapstadt und besonders das Groote Schuur Hospital sind sehr beliebt geworden, was je nach Abteilung bis zu zwei Jahren Vorlauf mit sich bringt, weshalb es gilt, sich frühzeitig über die Verfügbarkeit zu erkundigen. Es muss auch gesagt werden, dass die zuständige Ansprechpartnerin viel beschäftigt ist und nicht immer direkt auf Mails antwortet, hier heißt es einfach dranbleiben.

Gezielte Vorbereitung

Blick auf Cape Town
Blick auf Cape Town

Natürlich sollte man sich ein bisschen mit den gängigen Reiseführern wie z.B. dem „Lonely Planet“ o.ä. auseinandersetzen sowie zusätzlich ein bisschen im Internet nach Tipps und versteckten Berichten googeln. Zusätzlich empfehle ich das Buch des südafrikanischen Literaturnobelpreisträgers (2003) J.M. Coetzee, Titel „Schande“(1999), welches teilweise in Kapstadt spielt und sehr spannend ist. Es ist ziemlich interessant, Plätze in echt zu entdecken, von denen man zuvor bei Coetzee gelesen hat.

Einen Thriller zu Kapstadt gab es kürzlich mit dem Titel „Zulu“ (2013) ebenfalls. Mit einem IMDB Ranking von 6,7 ist er sicher kein Meilenstein der Filmgeschichte, allerdings wirft er doch ein wenig Licht auf das Verhältnis Kapstadts zu seinen Townships und den damit verbundenen Drogenproblemen, denen man im Groote Schuur Hospital auf jeden Fall begegnen wird.

Ein Visum wurde für deutsche Staatsbürger nicht benötigt, solange die Famulatur oder der PJ-Abschnitt drei Monate nicht überschreitet. Ein Reisepass reichte bei Einreise aus. (Anm.d.Red. Um wirklich auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird. Achtung! Gerade was Aufenthalte im Rahmen des Medizinstudiums in Südafrika betrifft, wurden die entsprechenden Visabedingungen im Laufe 2014 geändert!)

Zum Thema Impfungen/Medikamenten ist zu sagen, dass in Kapstadt keine gesonderten Impfungen benötigt werden. Das Groote Schuur Hospital gibt allerdings an, dass Medikamente für eine evtl. Postexpositionsprophylaxe (PEP) nach einer Nadelstichverletzung o.ä. mit kontaminiertem Blut (HIV+) mitgebracht werden sollen. Hierzu muss folgendes gesagt werden: Diese Medikamente sind in Deutschland teuer und werden von den Kassen zum präventiven einfach so „Dabeihaben“ nicht übernommen. Alle Nadelstichverletzungen, die ich im Groote Schuur Hospital erlebt habe, wurden sofort vom Krankenhaus mit einer PEP versorgt und mussten auf gar keinen Fall aus eigener Tasche bezahlt werden. Daher keine Panik. Ebenso verhält es sich mit den Tuberkulose Masken. In den „Guidelines“ der für die Bewerbung zuständigen Ansprechpartnerin der University of Cape Town steht, dass man diese selber mitbringen soll, vor Ort sind diese aber vorhanden.

Was sich allerdings empfiehlt, ist das Mitbringen einer Brille für den OP zum Selbstschutz. Diese Brillen sind Mangelware und jede/r Ärztin/Arzt hat ihre/seine eigene, somit werden diese nicht verliehen.

Ein Stethoskop habe ich in der Chirurgie wenig gebraucht, es schadet jedoch sicher nicht, eines dabei zu haben.

Eine Auslandskrankenversicherung sowie eine Haftpflichtversicherung sind nötig. Da die Charité diese Haftpflichtversicherung Studenten im Ausland nicht mehr anbietet, wurde ich, u.a. von Kommilitonen, auf das Studentenpaket des Ärztefinanzzentrums Berlin – Sobe & Partner aufmerksam gemacht. Ich fand die Betreuung und Beratung durch dieses Team sehr gut. Es gibt aber natürlich auch andere Anbieter, die einem ein Paket schnüren. Einfach informieren.

Meine Famulatur in der Chirurgie am Groote Schuur Hospital

Arbeit im Emergency Department am Groote Schuur Hospital
Arbeit im Emergency Department am Groote Schuur Hospital

Das Groote Schuur Hospital in Kapstadt ist ein akademisches Lehrkrankenhaus der University of Cape Town. Da ich im Emergency Department tätig war, begann der Frühdienst mit einer „Ward Round“ (Visite) um 8:00 Uhr, die alle Betten des Emergency Departments nach dem Triage System visitierte. De Facto waren dies vier komplette Stationen, inkl. Intensivstation. Zusätzlich kamen noch die Akutfälle der einzelnen Stationen hinzu. Diese Ward Rounds bieten kaum Platz für Fragen oder das Einbinden der Medizinstudenten. Im Prinzip gibt der „Consultant“ (Chefarzt) den Takt an und bespricht sich mit seinen Assistenzärztinnen/Assistenzärzten zu Therapie und Vorgehen. In der Regel ist diese „Morning Round“ eine ziemlich überlaufene Angelegenheit. Alles kommt mit, was offiziell aussieht. Hier gilt es, sich einfach einen Platz in den ersten Reihen zu sichern, um zuhören zu können.

Im Anschluss verschwindet der ganze Pulk recht schnell und man befindet sich mit den Assistenzärztinnen/Assistenzärzten im Emergency Room und kann loslegen und mit der Versorgung von Patienten beginnen. Im Groote Schuur Hospital bestanden die meisten Fälle im Emergency Room, neben den aus Deutschland bekannten Krankheitsbildern, aus vielen Gewaltverletzungen wie z.B. Schnitt- , Stich- und Schusswunden sowie zahlreichen Verkehrsunfällen. Nach Dringlichkeit werden die Patienten dann behandelt.

Der Warteraum ist in der Regel voll und die Patienten werden von dem Pflegepersonal triagiert. Das heißt, nach eigener Erfahrung und Absprache mit den Ärztinnen und Ärzten kann man sich den Patienten nun nähern und erst einmal eine Anamnese erheben, diese dann kurz vorstellen und einen Therapievorschlag einbringen. Wenn dieser für gut befunden wird, kann man beginnen zu therapieren. In der Notaufnahme bedeutet dies: Viel nähen, Wunden versorgen, assistieren, sobald z.B. eine Drainage gelegt werden muss, kühlen, Schmerzmittel verschreiben usw. Zwischendurch kommen immer wieder Notfälle dazwischen, welche die sonstige „Notfall-Routine“ unterbrechen. Hierbei sind in der Regel die helfenden Hände der Medizinstudenten gerne gesehen.

Eine Mittagspause kann man sich selber einteilen, d.h., wenn es ein bisschen ruhiger wird, sagt man Bescheid, dass man kurz etwas zu Mittag isst und kommt dann für den Nachmittag wieder und arbeitet weiter.

Für zusätzlichen Unterricht kann man sich einen Teaching-Timetable geben lassen, dieser führt alle Lehrveranstaltungen der Klinik auf – und hier ist man auch als ausländischer Student willkommen und wird voll eingebunden. Das Niveau ist sehr anspruchsvoll und man merkt schnell, dass die südafrikanischen Medizinstudenten sehr viel mehr Praxiserfahrung als man selber haben. Um dies zu ändern, kann man die Ärztinnen und Ärzte immer wieder nach Techniken und Herangehensweisen fragen. Sobald diese Zeit haben, zeigen sie einem sehr viel.

Eine absolute Empfehlung sind jedoch die Nachtdienste. Hier ist die Dichte an Personal deutlich geringer und alles geht weniger hektisch zu als tagsüber. Gleichzeitig kommen jedoch besonders schwere Fälle aus dem kriminellen Milieu eher nachts ins Krankenhaus. Wenn man darauf vorbereitet ist, kann das sehr spannend sein. Natürlich nimmt man sich dann den nächsten Tag frei und beginnt dann erst wieder mit einem Spätdienst. Generell gilt hier, dass man sich mit den anderen Studentinnen und Studenten sowie dem Sekretariat absprechen sollte, wer wann da ist. Ein Arbeitstag hat ca. acht Stunden – sollte man allerdings früher gehen müssen/wollen, weil ein Ausflug oder ähnliches ansteht, ist dies auch kein Problem.

Ein zusätzlicher Tipp

Ein tolles Programm ist die „SHAWCO Clinic“ – eine Studenteninitiative, die ins Leben gerufen wurde, um den Townships den Zugang zu einer regelmäßigen medizinischen Versorgung zu erleichtern. In mobilen Trucks, die zu einer kleinen Klinik aufgebaut werden, begleitet man Medizinstudenten der University of Cape Town sowie Ärzte an unterschiedlichen Tagen in verschiedene Townships und hilft bei der medizinischen Grundversorgung mit. Ein unglaublich tolles Team und eine Erfahrung, die sehr viel wert ist und bei der man ebenfalls die Möglichkeit hat, Einblicke in die Townships und die Lebenssituationen der Menschen zu erhalten, ohne eine der Touren mitzumachen, die einen in einem Bus wie durch einen Zoo kutschieren und den Bewohnern der Townships meines Erachtens nicht würdig wird. Einfach nach der „SHAWCO Clinic“ fragen, sobald man sich einschreibt und dann bekommt man Anweisungen und Infos an die Hand gegeben.

Unterkunft in Kapstadt und die finanzielle Seite

Für mögliche Unterkünfte bekommt man von der zuständigen Ansprechpartnerin der University of Cape Town eine tolle, ausführliche Liste an Lodges/Accommodations. Das Krankenhaus liegt im Stadtteil „Observatory“ und es bietet sich an, sich hier niederzulassen. Es ist das Studentenviertel der Stadt und man spart sich Wege am Morgen und am Nachmittag. Die Gegend ist eine der angenehmsten der ganzen Stadt, man hat viele Bars, Restaurants, Parks und Hostels. Ebenfalls ist man schnell mit dem Taxi im Stadtkern. Meine Empfehlung also: „Observatory“.

Ich selber habe in der „Makulu Lodge“ gewohnt, welche gut 10 Medizinstudentinnen und Medizinstudenten beherbergte, jedoch auch Studierende als auch Praktikantinnen und Praktikanten aus anderen Disziplinen und Ländern. Es ist sehr sauber, es gibt eine große Küche, einen Garten mit Feuerstelle, Pool und allem, was das Herz begehrt. Die Mitbewohner waren zu meiner Zeit echt angenehme Zeitgenossen.

Eine Famulatur kostete für vier Wochen gute 400€ an Studiengebühren, die Unterkunft beläuft sich auf etwa 300€ für einen Monat. Die Lebensmittel kosten etwa ein Drittel des Preises in Deutschland.

Sicherheitsaspekte

In Südafrika wird oft vor der vorherrschenden Kriminalität gewarnt und wenn man das Ausmaß in der Notaufnahme einmal gesehen hat, dann versteht man auch, was damit gemeint ist, jedoch muss man dieses Stigma auch mit Vorsicht genießen.

Wie in jedem Land muss man sich an gewisse „Regeln“ halten, die einem jedoch jedermann vor Ort auch gerne erklärt und die einen nicht wirklich einschränken. Das heißt, man sollte z.B. nicht während der Nacht alleine vom Krankenhaus nach Hause laufen – hier gibt es einen Sicherheitsservice, der einen bis vor die Haustür begleitet. Man sollte keine unbekannten Taxis benutzen und generell nicht nachts in die Wildnis fahren.

Wenn man sich allerdings nicht zu waghalsig verhält, passiert einem i.d.R. auch nichts. Mir wurde nichts geklaut, ich bin nie in eine brenzlige Situation geraten und alle Menschen waren stets hilfsbereit und freundlich.

Persönliche Tipps zum Nachtleben Kapstadts…

BBQ im Foreign Exchange Café in Kapstadt
BBQ im Foreign Exchange Café in Kapstadt

Direkt in die Vollen, starten wir am besten mit dem Nachtleben dieser pulsierenden Stadt und hangeln uns langsam durch weitere unzählige Freizeitmöglichkeiten Kapstadts. Das Nachtleben in Kapstadt kann sehr aufregend werden und so beginnt man am besten erst einmal mit ein paar kalten Drinks in einer der vielen Bars der Stadt.

Sollte man in „Observatory“ wohnen, kann man sich im „Hello Sailor“ in der Lower Main Road mit einem frisch gezapften Bier auf die Nacht einstimmen, um dann im „Café Ganesh“, hier direkt auf die begrünte Terrasse steigen, in der Trill Road den Abend mit einem Cocktail einzuleiten.

Das „Stones“, das „Trenchtown“ und das „Foreign Exchange Café“, alle ebenfalls in der Lower Main Road, sind eher studentisch angehaucht und bieten dementsprechend kalte Getränke in allen Sorten an. Das letztere wartet am Wochenende oft mit Veranstaltungen im hauseigenen Garten auf, meist mit BBQ und Musik – auf jeden Fall einen Besuch wert.

Das hauptsächliche Nachtleben findet jedoch noch immer eher in Zentrumsnähe statt, womit man sich dann einfach in ein Taxi setzen sollte, um sich in Richtung Innenstadt aufzumachen. Eine hervorragende Anlaufstelle für gute Drinks, sehr angenehmes Publikum und gute DJs im Freien ist das „Yours Truly“ in der Kloof Street in „Taberskloof“. Ist man hier einmal durch seine Favoriten auf der Getränkekarte durch, bietet sich das „Clarke’s“ in der Bree Street als nächster Programmpunkt an. Es gibt auch hier jede Nacht einen unglaublich guten und gleichzeitig bezahlbaren „Drink oft the Day“. Das Publikum ist uneingeschränkt genau das, was man sich wünscht – offen zurückhaltend, hübsch, ohne dies zu wollen, halb verschwitzt mit Skateboard unter der Schulter und lächelnd erwachsen.

Dies liegt auch daran, dass sich direkt nebenan, und zugehörig, das „The Pit“ hinter einem unscheinbaren Garagentor versteckt hält, mit Skate-Pool, Tischtennisplatte, Betonflair und verschüttetem Bier zu freudigen Gesichtern – eine der coolsten „Underground Locations“ Kapstadts. Mit wechselnden Live Bands, Skate Sessions und Ping-Pong Turnieren verbringt hier Kapstadts Jugend die Abende und geht für die Verlängerung einfach nach nebenan, ins bereits erwähnte „Clarke’s“.

Zu diesem Zeitpunkt sollte der Abend langsam Gestalt annehmen und man kann sich in das nahegelegene „Aces n Spades“ aufmachen, welches mittwochs mit feinsten „Deep House“ Klängen aufwartet und es gut sein kann, dass man hier bereits auf bekannte Gesichter trifft, insofern man oben angesprochene Läden schon für sich gewinnen konnte oder umgekehrt.

Sollte die Stimmung ein wenig ausgelassener werden, ist das „Assembly“ die perfekte Adresse zum Anschluss. Hier sollte man sich vorher informieren, wer am Abend spielt – was dann meistens mit einem spannendem „Line Up“, ein bisschen Jugendhaus Flair und „High Fives“ im Treppengewirr der Location belohnt wird.

Die Beine werden ja bekanntlich selten müde, wenn alles passt, womit sich einem der einzig richtig gute After-Hour Schuppen der Stadt, die „Bullion Bar“, förmlich aufdrängt. Ab 3:00 Uhr morgens macht es hier Spaß und Kapstadt tanzt sich in die frühen Morgenstunden zu feinstem Techno und Deep House.

Sollte man am nächsten Nachmittag ein wenig schwer in die Gänge kommen, empfiehlt sich die Luft und der Ausblick auf dem Dach des „Grand Daddy Hotel“. Hier kann man mit einem tollen, alten Aufzug über die Dächer Kapstadts fahren und bei einem kalten Wasser oder Bier die Sonne untergehen sehen, bevor man sich wieder ins Getümmel stürzt. Das Grand Daddy Hotel befindet sich in der Long Street.

Die Long Street ist gewissermaßen die Feiermeile Kapstadts, die jedoch abgesehen von einigen kleineren Spots, u.a. das „Grand Daddy Hotel“ oder evtl. das „Fiction“,  tunlichst gemieden werden sollte! Die Jugend Kapstadts geht der Long Street eher aus dem Weg, magisch angezogen wird sie jedoch von trinkwütigen Hostel-Post-Abitur-Albträumen aller Herrenländer.

Hat man sich also wieder in Form gebracht, die Sonne hinter sich gelassen und die Long Street gekonnt umschifft, kann man sich am „Orphanage“ in der Bree Street versuchen. Eindeutig die schickste Variante einer Nacht in Kapstadt, die gerade noch so vertretbar ist, ohne dabei wie ein Banker mit Mitte 40 und vergessenem Ehering zu wirken. Am besten auf einen Drink ausprobieren und bleiben, wenn es gefällt, weiterziehen, wenn nicht…

Diese Liste kann mit Sicherheit noch lange weitergeführt werden, allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass man durch das Kennenlernen der Leute vor Ort den besten Einblick in das Nachtleben bekommt. Daher einfach auf eigene Faust losziehen!

Doch noch etwas: An den Wochenenden gibt es auch immer sehr spektakuläre „Open Air Raves“ rund herum um Kapstadt, die sich durch die Aufmachung und die Natur eindeutig von denen in Europa unterscheiden. Teilweise auf Straußenfarmen, teilweise in stillgelegten Kieswerken, teilweise auf alten Weingütern oder einfach nur in freier Wildbahn. Hierzu auch einfach die „Locals“ fragen. Bei so viel Flüssigem, sollte man sich auch um etwas für den Magen kümmern…

… zum Essen…

Legendäre Ribs im Trenchtown in Kapstadt
Legendäre Ribs im Trenchtown in Kapstadt

Ich habe die besten Erfahrungen in „Observatory“ gemacht, was das Abendessen anbetrifft, deshalb hier meine Empfehlungen für diesen Stadtteil.

Für ein Abendessen lohnt es sich, dem „Sticky Fingers“ einen Besuch abzustatten, man erinnert sich an Frank Underwood’s Ribs in „House of Cards“, genauso, um einmal richtig viel fettiges, sehr gutes Essen zu genießen. Das „Sticky Fingers“ befindet sich in „Observatory“ und ist umgeben von einigen weiteren netten Alternativen.

Da wäre das „Pancho’s“, mexikanisch, dann „Jerry’s Burger Bar“, unbedingt das hauseigene Bier probieren, das „Obz Café“ und das „Narona“. Für eine Runde Sushi kann man sich im „1908 House – Sushi and Grill“ einfinden und in altbewährter Laufband Manier bestes Sushi genießen. Speziell zu erwähnen ist das „Gypsys Café“ – hier gibt es keine Karte, sondern einen Koch, der an jeden Tisch einzeln sprintet und einem enthusiastisch erklärt, was sich in seiner Küche momentan so tut. Die Gerichte wechseln monatlich und in Observatory ist das wahrscheinlich die beste Adresse für den Genießer mit nicht zu großem Geldbeutel.

Das beste Frühstück in Observatory gibt es im „Mango Ginger“ oder, wenn es ein bisschen schneller gehen muss, im „Honey Bun“ – der „Berry Blaze“ ist der beste Smoothie weit und breit.

Was man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte, sind die „Old Biskuit Mill Markets“/“Woodstock Markets“ am Sonntagmorgen. Hier finden sich dutzende Essensstände neben lokalen Designerständen, es kommt Musik, die Stimmung ist immer gut und von dem Essen kann man nicht genug bekommen.

Lässt man seinen Blick einmal an der eigentlichen „Old Biskuit Mill“ hinauf streifen, sieht man auf dem obersten Stock eine verglaste Metallbox thronen. Dies ist der „Potluck Club“, Kapstadts meist gehyptes und oft als bestes Restaurant der Stadt bezeichnetes „Dine out-Erlebnis“. Hier sollte man lange vorher einen Tisch reservieren, d.h. mehrere Wochen vorher, und sich evtl. mit einem Mittags-Tisch anfreunden. Das Menu ist das gleiche wie abends, allerdings ist es einfacher, mittags einen Tisch zu ergattern. Das Restaurant wird von Luke Dale Roberts als hipper Ableger des „Test Kitchens“, direkt nebenan, aber wirklich unbezahlbar, geführt und ist die beste Möglichkeit, einmal Sterne-Küche mit Freunden mitzunehmen. Absolut empfehlenswert.

Als Kontrast hierzu muss abschließend noch „Mzoli’s Kitchen“ genannt werden. Ein Metzger in „Gugulethu“, eines von Kapstadts Townships, der absolut auf dem Programm stehen sollte. Man fährt am besten mit dem Taxi hin und lässt sich auch wieder abholen. Vor Ort bestellt man sich das rohe Fleisch an der Riesentheke und wird dann Zeuge, wie dieses im Hintergrund in Steinöfen zubereitet wird. Am Wochenende steigen hier auch immer richtige Partys neben dem eigentlichen Essens-Spektakel. Unbedingt eine gemischte Platte probieren und sich leider damit abfinden, dass auch einige Touristen Busse hier halten werden.

Bei so viel Essen und Trinken, lohnt es sich, eventuell ein bisschen an Sport zu denken…

… zu Sportmöglichkeiten…  

Auf dem Weg zum Llandudno Beach in Kapstadt
Auf dem Weg zum Llandudno Beach in Kapstadt

In Observatory kann man sehr gut Joggen gehen. Einfach auf Google Maps ein paar Routen raussuchen und los geht’s. Ein günstiges Fitnessstudio ist das Universitätseigene der University of Cape Town. Am Upper Campus gelegen, kann man nach der Arbeit entspannt den Bus nehmen und ein paar Eisen stemmen.

Wer einen Tauchschein hat, darf sich auf keinen Fall die Möglichkeit entgehen lassen, die Unterwasser-Kelp-Wälder zu sehen. Das Tauchen durch ein Labyrinth an Pflanzen, die Lianen artig in die Höhe schießen, ist einzigartig und wenn man Glück hat, trifft man Pyjama Haie, Robben und Rochen. Eine gute Anlaufstelle ist die „Scuba Shack Cape Town“. Bestes Preis- Leistungsverhältnis und familiär geführt. Hier kann man im Übrigen auch einen Open Water Tauchschein machen, wenn man noch nie getaucht ist.

Cape Town ist ebenfalls bekannt für seine Surfspots, die allerdings hauptsächlich den geübten Surfern vorbehalten sind. Den weltbekannten Surf Spot „Dungeons“, zugängig von „Hout Bay“, kann man am besten von der Aussichtsplattform des „Chapman’s Peak Drive“ sehen.

Ein weiterer toller Surfstrand ist der in „Llandudno Bay“. Hier kann man sich auch als Nicht-Surfer einmal einen unvergesslichen Sonnenuntergang anschauen. Wenn man selber einmal ran will, lohnt sich ein Besuch in „Muizenberg“, der dies ist die beste Adresse, um Surfen zu lernen und man hat kleinere Wellen, die einen nicht gleich aus dem Sattel hebeln. Sollte der aktive Sport nichts für einen sein, packt man sich einfach einen Rucksack und macht sich auf zu den unzähligen Bergen der Stadt…

… zu Berg-Touren…

Nachtspaziergang in Hout Bay
Nachtspaziergang in Hout Bay

Ich empfehle, so viele Wandertrips wie möglich in den einzigartigen Berglandschaften rund um Kapstadt in Angriff zu nehmen. Allen vorweg ist natürlich der berühmte „Tafelberg“ zu nennen. Es gibt mehrere Routen nach oben, wie auch nach unten. Persönlich empfehle ich für den Aufstieg „Skeleton Gorge“, Beginn in den „Kirstenbosch Gardens“, was man auch sehr gut mit einer Besichtigung dieser botanischen Landschaften verbinden kann. Nach dem Überqueren der „Tischplatte“ empfehle ich dem abenteuerlustigen, aber nicht wöchentlich bouldernden, Kletterer ohne Ausrüstung als Abstieg die „India Venster“ Route. Eine der spannendsten Routen überhaupt. Man sollte jedoch genug Zeit einplanen und den Abstieg vor Sonnenuntergang einplanen. Im Tal gibt es dann Taxis, die einen wieder in die Stadt bringen. Sollte man sich zur Seilbahn, als Alternative zum Abstieg, entscheiden, muss gesagt werden, dass diese abhängig von Wind und Wetter oft ausfällt. „Only one way down“.

Ein weiteres Wander- bzw. Klettererlebnis ist das Erklimmen des „Devil’s Peak“. Wie bei den meisten Bergen in Kapstadt wartet der „Devil’s Peak“ mit einem atemberaubenden Ausblick auf und verbindet entspanntes Wandern mit sportlichem Klettern. Wie auch auf dem Tafelberg sollte man sich immer mit einer Gruppe auf den Weg machen. Das ist sicherer für alle und macht mehr Spaß. Man findet genug Kletterlustige in Kapstadt, so dass ich von kommerziellen Touren eher abraten würde.

Die einfachste Route ist jene zum „Lion’s Head“. Ein durchgängiger, zum Teil flacher, zum Teil steiler Weg bringt einen im 360 Grad Modus an die Spitze. Hier ist es besonders zu empfehlen, sich einen Rucksack mit Picknick Materialen zu schnüren und den Sonnenuntergang auf dem Gipfel bei Snacks und Drinks zu erleben. Hier ist es auch okay, wenn man nach dem Sonnenuntergang im „dawn“, den Abstieg wagt, da hier einige Gleichgesinnte meist dieselbe Idee hatten und man in der Gruppe auch nicht verloren geht.

Wenn man sich noch weiter in das Leben Kapstadts einfinden möchte, sind die Markets die nächste gute Anlaufstelle…

… und zu den Markets

In Cape Town gibt es unzählige Märkte, auf denen man alles Mögliche an tollem Essen probieren kann und gleichzeitig lokale Designer entdecken kann, die ihre Kreationen meist günstiger als in der Stadt verkaufen und zusätzlich sind diese Markets oft sehr schön gestaltet.

Jeden Donnerstag findet der „Noordhoek Community Market“ statt. Ein Market zwischen Weinreben und See – ein absolutes Muss! Ein weiterer toller Markt ist der „Bay Harbour Market“ in „Hout Bay“ (Freitag, Samstag und Sonntag). Beide Märkte sind in der Nähe des Chapman’s Peak Drive, sodass man einen Besuch auf jeden Fall mit einem unvergesslichen Sonnenuntergang auf Kapstadts bekanntestem Pass verbinden sollte.

Sonntagmorgens bietet sich der weiter oben bereits erwähnte, in „Woodstock“ gelegene, „Old Biscuit Mill Market“ an. In Woodstock gelegen, direkt neben Observatory, hat man hier die Möglichkeit, einfach hinzuschlendern, sollte man in der Nähe wohnen.

Ich hoffe, ich konnte an dieser Stelle einen kleinen Einblick in das Freizeitleben Kapstadts geben. Am besten selber losziehen und die beste Zeit haben.

Mein Blick zurück

Chapman's Peak Drive auf der Kap-Halbinsel südlich von Kapstadt
Chapman’s Peak Drive auf der Kap-Halbinsel südlich von Kapstadt

Diese Famulatur in Südafrika war eine der besten Erfahrungen meines gesamten Medizinstudiums. Ich durfte nie wieder so viel chirurgische Verantwortung übernehmen, s. Blockpraktikum o.ä., und habe auch nie wieder so viele interessante traumatische Krankheitsbilder auf einmal gesehen wie am Groote Schuur Hospital der University of Cape Town in Kapstadt.

Cape Town als Stadt ist so unbeschreiblich schön und vielseitig, dass sich wirklich alle Erwartungen an diese Famulatur nicht nur erfüllt haben, sondern diese bei weitem übertroffen wurden. Ich wurde überall mit offenen Armen empfangen, durfte viel von dem Land kennenlernen und bin mit den besten Erinnerungen sowie neuen Fertigkeiten aus Südafrika zurückgekehrt.

M., T.

Berlin, Juni 2015

 

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2 Kommentare

  • Das klingt so bezaubernd!! Kannst du mir evtl auch die Mailadresse der Ansprechpartner geben? Oder zu mindest einen Tipp wo ich de finden kann!
    Vielen Dank schon mal 🙂
    gesaprinzhorn at web.de

  • Hallo T.,
    die Beschreibungen deines Besuchs hören sich spannend an. Es freut mich, dass es dir gefallen hat.
    Hast du zufällig noch die Email Adresse der Ansprechparterin an der Uni?
    Vielen Dank schon mal.
    Gruß,
    Darius
    (dariuspaydar at hotmail.de)

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