Dr. med. Christian Schulze – ein junger und erfolgreicher niedergelassener Arzt

20. März 2015

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Am 01.04.2005 war es soweit, Dr. Christian Schulze, gerade erst 31 Jahre alt, stieg federführend in die 1893 gegründete Familien-Landarztpraxis seines Vaters Dr. Rolf Schulze ein, der vier Jahre später mit 69 Jahren als Landarzt in Winterburg am südlichen Soonwaldrand endgültig zurücktrat. Eine junge Kollegin stieg in die Gemeinschaftspraxis mit ein. Die Übernahme der väterlichen Praxis wurde von Beginn an ein Wechsel, der es in sich hatte!  

„Schulze geht, Schulze kommt – eine Landarztpraxis im Wandel“

Schulze geht, Schulze kommt – eine Landarztpraxis im Wandel“, so war es seinerzeit überall in Ihrer Region zu lesen und zu hören. Warum haben Sie sich in so jungen Jahren nach Abschluss Ihrer Weiterbildung umgehend für eine Tätigkeit als niedergelassener Arzt entschieden?

Meine Erfahrungen im PJ in England, Südafrika und am Kantonsspital Winterthur in der Schweiz hatten mich zunächst so geprägt, dass ein Arbeiten im Krankenhaus ggf. auch in Frage gekommen wäre. Allerdings habe ich im damaligen AIP (Arzt im Praktikum) in Deutschland schnell gemerkt, dass man im Krankenhaus nur ein kleines Licht darstellt und sich schnell wie im Flipperautomaten zwischen DRG Beauftragtem, Pflegedienstleitung, Direktorium, Chefs und Oberärzten vorkommt. Die Patienten sind mehr oder weniger wie am Fließband abzuarbeiten in einem oft anonymen Setting. Noch dazu wird man als junger Arzt eher dürftig angeleitet, z.B. was Ultraschalluntersuchungen des Bauchs anbelangt. An Selbstverwirklichung als Arzt ist in diesem Umfeld also nicht zu denken. Man ist eher unzufrieden mit der Situation und sieht da wenig Perspektive in der Klinik.

Um noch einmal auf den „Wechsel, der es in sich hatte!“ zurückzukommen. Zusammen mit Ihrer Kollegin Frau Dr. Nicole Wagner, Fachärztin für Innere Medizin, besitzen Sie heute eine hochmoderne, bestens organisierte und hochleistungsfähige Landarztpraxis mit einem großen und engagierten Team. Wo haben Sie denn als erstes die Hebel angesetzt bzw. Veränderungen vorgenommen, um heute so dazustehen?

Wenn man in alt eingefahrene Strukturen kommt, gibt es tausend Hebel, die man ansetzen kann. Man darf aber die dort arbeitenden Menschen und auch die Patienten mit den Änderungen nicht überfordern. Zunächst einmal trifft man auf einen Investitionsstau, den man abarbeiten sollte. Das haben wir getan im Bereich des Gebäudes (Fenster, Dach, Heizung, Dämmung, Fassade) sowie der Einrichtung, Strom- und Netzwerkleitungen, Sicherungen, LED Beleuchtung und Möbel.

Darüber hinaus mussten hygienische Anpassungen stattfinden. QM wurde eingeführt und  Teamsitzungen etabliert. Es erfolgte der schrittweise Aufbau einer Terminsprechstunde, die zuvor auch nicht da war. Alles immer gemeinsam mit dem Patienten, den wir in Patientenbefragungen zu allen Änderungen befragt haben, um hier auch ein Votum für unsere Änderungen beim Patienten abzuholen und mit zu integrieren. Bei allen Maßnahmen verschleißt man leider auch den einen oder anderen Servicepartner, Softwarepartner oder man verliert Angestellte, welche die Schritte des Großteils des Teams nicht mitgehen. Aber auch diese Erfahrungen sind glaube ich normal und spielen sich im Leben immer so ab, es läuft ja selten einmal wirklich reibungslos.

Sie selbst sind Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin. Wie früh in Ihrem Medizinstudium hatten Sie sich für dieses Fachgebiet interessiert? Hatten Sie im Studium spezielle Aktivitäten unternommen, um sich auf dieses Fachgebiet vorzubereiten?

Ich habe in Greifswald intensiv in der Community Medicine mit gearbeitet, die dort 1993 etabliert wurde. Ich war von den Ansätzen fasziniert und habe später zu diesem Thema an der Charité in Berlin auch meine Doktorarbeit geschrieben. Den Ansatz der Polikliniken in der ehemaligen DDR bzw. in Schweden fand ich damals verlockend. Daher entstanden hier auch schon erste Träume für ein integrativ arbeitendes Ärztehaus in einer mittelgroßen Stadt mit guter Verkehrsanbindung.

Auf Ihrem Praxisschild und auf Ihrer hochprofessionellen Internetseite stehen weitere Zusatzgebiete wie Sportmedizin, Akupunktur, Tauchsportmedizin, Reisemedizin, Chiropraktik, Gelbfieberimpfstelle und Manuelle Medizin …

Die Medizin ist eben weitreichend! Ich selbst messe der Anamnese und klinischen Untersuchung schon seit jeher den größten Stellenwert bei. Dazu passt die Manuelle Medizin hervorragend, da ich viele Probleme eben schnell und mit meiner Person und meinen Händen lösen kann. Dabei ist es vollkommen egal, ob dies als „Doc“ an Bord eines A 380 in 10.000 m Höhe ist oder auf einer Weinfarm in der Nähe von Kapstadt oder bei einem Konzert mit tausenden Zuschauern, wo eine Hilfeleistung notwenig wird. Diese Kompetenzen hat man immer dabei. Die Sportmedizin ist hier auch eine gute Ergänzung, gerade in der Behandlung von Menschen jeden Alters zum Thema Bewegung. Mit der Reisemedizin und Gelbfieberimpfstelle habe ich ein Hobby zum Beruf gemacht und berate hier sehr gerne nach den aktuellsten Empfehlungen.

Welche persönlichen Tipps geben Sie jungen Ärztinnen und Ärzten, die sich für eine Niederlassung interessieren? Welche Punkte sollte man bei der Vorbereitung und Planung unbedingt beachten?

Man bzw. Frau sollte vom Charakter her jemand sein, der gerne selbstständig arbeitet und sich da auch sicher fühlt. Man braucht allerdings nie Angst zu haben, alleine zu sein, gerade in einer Gemeinschaftspraxis ist man dies ja ohnehin nie. Und es gibt in Deutschland ja ein sehr gut funktionierendes System, das mir den Notarzt sofort einfliegen lässt, wenn hier dringender Bedarf ist.

Man sollte seine Grenzen kennen und einschätzen, wie o.g. klinisch fit sein und einen Riecher dafür haben, welcher der vielen Patienten derjenige ist, wo gerade „die Lunte brennt“. Aber das lernt man in einer guten Lehrpraxis sehr gut und schnell, denn im täglichen Austausch mit den Weiterbildnern entwickelt man dies sehr zielführend. Ich behaupte sogar, wer in einer guten allgemeinmedizinischen Praxis, die nicht nur Rezepte, Arbeitsunfähigkeiten und Überweisungen ausstellt, arbeitet, braucht für die Facharztprüfung nicht mehr extra zu lernen. Da sitzt einfach alles und noch viel schöner, man hat dann auch das Gefühl der Sicherheit!

Und die zu vermeidenden Fehler oder wie der Engländer so schön sagt „Pitfalls“….

Das sind meist Selbstüberschätzungen oder Fehleinschätzungen, wobei die wirklich jederzeit und in jedem Fachgebiet auch im Krankenhaus auftreten können. Da stirbt sicher auch der eine oder andere Patient, weil man an eine kleine Option nicht gedacht hat. Man sollte immer schauen, möglichst alle Informationen zum Patienten zu haben. Leider ist es eine flächendeckende Unart der Fachärzte, nicht immer zeitnah einen aussagefähigen Arztbrief an den Hausarzt zu versenden, obwohl sie nach §73 SGB 5 Abs. 1.2. dazu verpflichtet sind. Sie haften ja sogar für negative Konsequenzen, die aus einer fehlenden Einleitung einer ans Ziel führenden Behandlung aufgrund des Untersuchungsergebnisses, welches aber zu spät kommt, entstehen.

Wie sieht es mit den Fähigkeiten aus, die es mitzubringen gilt?

Spaß an der Behandlung von Menschen, dem Gespräch und dem Anfassen. Die Gerätemedizin, wie sie in akademischen Kaderschmieden exerziert wird, ist hier auf das Minimum reduziert, welches der Bedeutung neben Anamnese und Klinischer Untersuchung gebührt. 5 Prozent der fehlenden Informationen werden von der Technik geliefert, 15 Prozent vom Labor und 80 Prozent von Anamnese und Klinischer Untersuchung. Daher lohnt es sich, diese 80 Prozent gut zu beherrschen. Und die Psychosomatik spielt natürlich im heutigen Zeitalter eine nicht zu unterschätzende Rolle!

Chance „Niederlassung in Deutschland“. Warum sollten nachfolgende junge Ärztinnen und Ärzten diese ergreifen? Und dies auch ganz gezielt eine „Landarztpraxis“ wie Ihre betreffend?

Weil sie auf dem Land auf nette und verbundene Patienten treffen und deutlich weniger Konkurrenzkampf haben. Sie haben oft niedrigere Kosten und damit höhere Gewinne zu erwarten und können ein sehr persönliches Setting schaffen für ihre Arbeit. Weiterhin haben Sie wenige Repressalien zu erwarten. In der Regel erwartet sie ein geregelter Notfalldienst, in Rheinland Pfalz zum Beispiel ab 2016 flächendeckend an sieben Tagen in der Woche, sodass die rund um die Uhr Versorgung auch der Vergangenheit angehört.

Mein persönlicher Tipp ist es, schon die Famulatur an einem Ort, wo man später ggf. leben möchte zu nutzen, um in eine Praxis, in welche man später einsteigt, kennen zu lernen. Gewachsene Beziehungen sind letztlich immer noch das Beste, um genau die richtige Entscheidung für sich selbst danach getroffen zu haben. Ideal sind Gemeinschafspraxen mit gutem Ruf bei den Patienten und Ärzten, was man im Internet ja alles erfahren kann. Die Wertschätzung durch Patienten und Mitarbeiter ist sicherlich deutlich höher als im Krankenhaus. Die Arbeitszufriedenheit dadurch ebenfalls bei geregelten Arbeitszeiten.

Wie man auf Medizinernachwuchs.de in dem Erfahrungsbericht einer Medizinstudentin, die eine Famulatur in Ihrer Landarztpraxis absolviert hat, lesen kann, sind Sie auch akademische Lehrpraxis der Johannes Gutenberg Universität Mainz.

Dies sind wir seit einigen Jahren und haben somit immer jedes Jahr ca. 12 junge Schülerinnen, Studentinnen und Ärztinnen bei uns zu Besuch oder in Ausbildung. Das macht sehr viel Spaß und wir freuen uns, junge begeisterungsfähige Menschen an die Allgemeinmedizin heran zu führen. Hierzu gibt es bei uns eigene Untersuchungsräume für die Nachwuchskräfte und eingehende Besprechungen der Patienten. Die Rückmeldung ist damit auch in der Regel sehr positiv. Jeder ist begeistert, besonders von der Chirotherapie, aber auch vom professionellen und technisch hochwertigen Arbeiten in unserer Papier freien Praxis.

Und Ihr neuestes „Projekt“. Sie haben vor kurzem eine weitere Praxis in Hargesheim eröffnet.

Unsere Praxis in Winterburg, gegründet 1893 als Hoteletage, ab 1909 in einem Haus und ab 1972 als modernste Landarztpraxis in Rheinland-Pfalz, erweitert auf 180 m² Grundfläche, war schlicht und ergreifend zu klein. Etliche Praxen wurden in den letzten Jahren bereits geschlossen und es drohte die weitere Schließung einer gut eingeführten Praxis. Daher haben wir uns gedacht, warum übernehmen wir nicht einfach diese Praxis in Hargesheim und stellen dort Ärzte an.

Eine weitere Ausdünnung der Praxislandschaft wollten wir verhindern, denn den benachbarten Praxen geht es ja nicht anders als uns. Sodann wurden die 190 m² großen Räumlichkeiten kernsaniert mit neuem Boden, neuen Wänden, neuer LED Beleuchtung sowie neuem Telefon und Netzwerk (600m Kabel verlegt). Somit haben wir ein sehr modernes professionelles Setting geschaffen mit viel Potenzial für den Standort und die dortigen Menschen, aber auch für uns mit unseren beengten Räumen.

Wie sieht denn Ihre aktuelle Stellenausschreibung aus?

Wir suchen aktuell eine Fachärztin, einen Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin bzw. nur Allgemeinmedizin, die bzw. der Lust hat, in einem professionell organisierten Setting ein angemessenes Honorar zu verdienen und gute Kenntnisse als auch Teamfähigkeit mitbringt. Gegenüber der zweiten Praxis liegen eine IGS mit 1.600 Schülern sowie ein Kindergarten, sodass die Arbeit sehr gut mit der Erziehung von Kindern vereinbar ist. Es gibt geregelte Arbeitszeiten, keine Notdienstverpflichtung, 30 Tage Urlaub im Jahr und fünf Fortbildungstage. Ggf. kann ein Dienstwagen zur Verfügung gestellt werden beim Einstieg in die BAG (Berufsausübungsgemeinschaft).

Wie zu erfahren ist, engagieren Sie sich neben Ihrer ärztlichen Tätigkeit zudem sozial sehr stark seit vielen Jahren in Südafrika, einem Land, das Ihre zweite Heimat geworden ist? Können Sie uns hierzu einige Einzelheiten nennen?

In meinem PJ 1998 habe ich ja im GF Jooste Hospital, einem ehemaligen Trauma Krankenhaus im Township von Kapstadt, sehr viel Chirurgie lernen dürfen. Am Ende meines PJ-Abschnittes in Südafrika fuhr mir leider ein alkoholisierter Mensch in mein Auto, als ich bei grün die Kreuzung vor dem Groote Schuur Krankenhaus überfuhr und ich landete für eine Woche im künstlichen Koma. Der Aufenthalt war damit erst einmal beendet, aber dennoch habe ich aufgrund der Amnesie nur gute Erinnerungen an dieses Land und bin seither 13-mal hingereist.

Auf meinem Besuchs-Programm stehen seit sechs Jahren regelmäßige Besuche bei „Amandla Edufootball.org“, einem Fußballbildungsprogramm, das ich seither mit meiner Spendenaktion „Dr. Schulze verdoppelt“ mit mehr als 100.000 Euro gefördert habe. Dieses Projekt ist einzigartig in der Welt und hat es geschafft, dass die Mordraten um das Feld um 33 Prozent und Räuberei sogar um 44 Prozent zurückgegangen sind. Gleichzeitig haben sich die Schulnoten der Kinder um 38 Prozent verbessert, was ein riesiger Lichtblick ist in meinen Augen. Ich bin auch der einzige Spender, der über die Erfahrungen mit den Townships bzgl. Gewalt und Mord aus meiner Tätigkeit im Krankenhaus verfügt und fast schon einmal sein Leben dort unten verloren hat. Daher bin ich auch nicht nur Geldgeber, sondern veranstalte mit den Jugendlichen im „Youth Leadership Programm“ z.B. Mentaltrainingseinheiten auf dem Golfplatz oder wir machen Qi Gong oder Autogenes Training und sprechen über Life Skills.

Und wo bleibt bei all Ihrem ungebrochenen Tatendrang und der riesigen Begeisterung, mit der Sie Ihre Tätigkeit als Arzt ausüben, Ihre Freizeit bzw. Zeit für Privates?

Meine Freizeit widme ich meiner Freundin und ihrem Sohn. Wir machen zusammen Sport, genießen das Leben hier im Naheland mit befreundeten Winzern, reisen und erholen uns an den verlängerten Wochenenden gerne, denn alle zwei Wochen beginnt für mich ja das Wochenende schon Donnerstag mittags um 12:30 Uhr. Kulturell haben wir es ja auch nicht sehr weit, denn in wenigen Minuten ist man in Mainz oder in einer Stunde zudem in Frankfurt. Allerdings finde ich die Landschaft an der Nahe oder am benachbarten Mittelrhein sehr viel erholsamer, um die Seele auch mal baumeln zu lassen.

Den Schritt zum Landarzt habe ich nie bereut und bin sehr zufrieden, hier in Winterburg arbeiten zu können und mich selbst verwirklichen zu dürfen!

Ein ganz herzliches Dankeschön für das Interview. Medizinernachwuchs.de wünscht Ihnen, Ihrer lieben Kollegin und Ihrem gesamten Team weiterhin großen Erfolg.

Kontakt Landarztpraxis Winterburg

Dr. Chistian Schulze & Team Landarztpraxis Winterburg
Dr. Chistian Schulze & Team Landarztpraxis Winterburg

Medizinstudierende, die eine Famulatur (30 Tage, 500 EUR, Kost und Logis frei) in der Landarztpraxis Winterburg absolvieren möchten, als auch Weiterbildungsassistenten und Ärztinnen/Ärzte, die sich für eine Tätigkeit im Team von Dr. Nicole Wagner und Dr. Christian Schulze interessieren, können sich jederzeit direkt wenden an:

Praxis Dr. Wagner & Dr. Schulze
Mühlenstraße 3
55595 Winterburg
Tel.: 06756/232
Fax: 06756/410
E-Mail:
www.dr-christian-schulze.de
 
 
Artikel in der „Allgemeine Zeitung – Rhein Main Presse“:
„In Hargesheim wird die Hausarztpraxis von Dr. Monika Reiner weitergeführt“.

zum Artikel Allgemeine Zeitung – Rhein Main Presse

 
Erfahrungsbericht: Famulatur in Winterburg – Allgemeinmedizin
zum Erfahrungsbericht

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