PJ Südafrika – Chirurgie

31. Mai 2014

in Allgemein, Chancen im Ausland, Chirurgie, Fachgebiet, Praktisches Jahr im Ausland, Südafrika

Südafrika, Kapstadt, Tygerberg Academic Hospital (07.10.2013-27.01.2014)

Alleine aus medizinischer Sicht war der Aufenthalt am Tygerberg Academic Hospital in Kapstadt schon ein voller Erfolg! Selbstständiges Versorgen von Patienten, wirklich super Teaching durch die Ärzte vor Ort. Vor allem die Rettungsstelle nachts ist ein MUSS. Und hinzu kamen die vielen Sehenswürdigkeiten und die faszinierende Natur, die Südafrika nun einmal zu bieten hat.

Motivation

Für mich war klar, dass ich auf jeden Fall ein Tertial meines Praktischen Jahres im Ausland absolvieren möchte. Einmal etwas über den Tellerrand blicken und das Gesundheitssystem bzw. die Versorgung und Behandlung von Patienten in einem anderen Land kennenlernen!

Da mein Französisch seit der Schulzeit schon deutlich eingerostet war, entschied ich mich, im englischsprachigen Ausland nach einem geeigneten Krankenhaus zu suchen, das auch gleichzeitig auf der Liste der zugelassenen Krankenhäuser des Landesprüfungsamtes Berlin steht.

Mein Bewerbungsweg

Nachdem Großbritannien, Australien und die USA, unter anderem auch auf Grund der finanziellen Hürde ausgeschlossen werden musste, stieß ich bei meiner Internetrecherche auf das Tygerberg Academic Hospital in Kapstadt. Dieses Krankenhaus der Maximalversorgung gehört nicht zur ruhmreichen Groote Schuur Klinik der University of Capetown, wo die erste erfolgreiche Herztransplantation durchgeführt wurde, sondern zur kleineren, aber nicht weniger guten University of Stellenbosch.

Die medizinische Fakultät der Universität Stellenbosch hat ihren Sitz in einen Vorort von Kapstadt, Belville, ausgegliedert, direkt an das Tygerberg Academic Hospital. Somit setzte ich eine Bewerbung auf und sendete diese per Mail ca. ein Jahr  im Voraus an die zuständige Dame des „International Office“. Nun hieß es warten… und dies nicht zu knapp. Nachdem selbst nach einigen Monaten keine Antwort eintrudelte, entschloss ich mich, erneut mein Glück in einer Email zu suchen. Und tatsächlich, nach weiteren 3-4 Wochen erreichte mich eine Email mit einer Liste von benötigten Unterlagen.

Wahl des Fachgebietes…

Ich hatte viel Positives über die Lehre in der Chirurgie am Tygerberg Academic Hospital gehört und vor allem in zahlreichen Erfahrungsberichten im Internet gelesen, dass man dort sehr selbstständig Patienten mit zum Teil etwas ungewöhnlicheren Krankheitsbildern wie z.B. Schusswunden etc. betreuen und versorgen darf. Außerdem wird man einer Gruppe von einheimischen Medizinstudenten zugeteilt und nimmt mit ihnen an den täglichen offiziellen Lehrveranstaltungen während des Semesters teil. Zusätzlich kann man auch durch unterschiedliche Stationen wie Allgemein-, Abdominal-, Herz-Thoraxchirurgie und Rettungsstelle rotieren und erhält dadurch Einsicht in die unterschiedlichsten Bereiche der Chirurgie.

Somit hatte ich mich also für eine PJ-Stelle in der Chirurgie beworben, die, wie sich hinterher auch herausstellte, die gefragteste war und man sich daher deutlich im Voraus um einen Platz kümmern muss. Von anderen PJ-Studenten habe ich aber gehört, dass z.B. ein Platz in der Inneren Medizin meist immer verfügbar ist.

… und weitere organisatorische Schritte

In der Email des International Office wurde ein Bewerbungsformular zugeschickt, das man ausfüllen und zurücksenden musste. Neben der Chirurgie kann man auch in sämtlichen anderen Fach-Disziplinen dort sein PJ-Tertial absolvieren, die meisten aber waren in der Chirurgie, ein paar in der Inneren, Pädiatrie und Dermatologie.

Im Anschluss daran bekam man dann eine Liste von Unterlagen, die für ein Tertial am Tygerberg Academic Hospital benötigt werden. Es wird darin auch auf die benötigten Impfungen hingewiesen, gleichzeitig ist man aber durch eine Einmalgebühr, siehe unter Punkt „Finanzielles“, mit HIV-Medikamenten, falls nötig, zur  HIV-Postexpostionsprophylaxe abgesichert. Ich ließ mich im Tropeninstitut der Charité – Universitätsmedizin Berlin beraten und mir die benötigten Impfungen verabreichen. Da ich zudem in den Krüger Nationalpark reisen wollte, entschied ich mich ferner für eine Gelbfieberimpfung. Als „zukünftiger Kollege“ musste ich sogar keine Beratungsgebühren bezahlen, was wirklich sehr nett war!

Unterkunft

International Students Lodge – Tygerberg Academic Hospital in Kapstadt
International Students Lodge – Tygerberg Academic Hospital in Kapstadt

Da die medizinische Fakultät der University of Stellenbosch direkt am Krankenhaus angeschlossen ist, wohnen auch fast alle einheimischen Medizinstudenten auf dem Campus. Ganz angenehm ist, dass man auch gleich per Email über das International Office, hier ist aber Ms Surita Riffel zuständig, ein Zimmer in der International Lodge dazu buchen kann und sich nicht vor Ort um ein Zimmer bemühen muss, wie z.B. beim Groote Schuur Hospital. Diese Zimmer würde ich jedem empfehlen, da man so am schnellsten Kontakt zu den anderen Studenten bekommt und man morgens auch etwas länger schlafen kann.

Es stehen Einzel- oder Doppelzimmer zur Auswahl. Je nach Verfügbarkeit wird einem ein Raum zugeteilt, es kann auch sein, dass man sich für ein Doppelzimmer bewirbt, aber die komplette Zeit alleine darin wohnt. In der Miete enthalten ist die Mitbenutzung des Swimming Pools, der Tennisplätze und einmal die Woche kommen die „Cleaning Ladies“, machen sauber und verteilen neue Handtücher.

Visum

Den meisten Aufwand in der Vorbereitung verursachte das Erlangen der „study permit“ bei der Südafrikanischen Botschaft, da das reine Touristen-Visum nur für 90 Tage gültig ist. Abgesehen davon, dass man eine Barhinterlegung von 900 € bei der Botschaft leisten muss, die man bei erfolgreicher Ausreise aus Südafrika, nachgewiesen mittels Ausreisestempel im Reisepass, wieder zurückbekommt, benötigt man noch zahlreiche andere Unterlagen. So zum Beinspiel einen Röntgen-Thorax zum Ausschluss einer TBC, ein medizinisches Gutachten, dass man an keiner psychischen Erkrankung leidet, Nachweis der finanziellen Verhältnisse usw.

Außerdem benötigt man einen Nachweis über sehr gute Englisch-Kenntnisse, also entweder den TOEFL-Test oder den Nachweis „Englisch für Mediziner“. Da ich bereits eine Famulatur in London nachweisen konnte, reichte ihnen dies aus.

Natürlich muss man auch eine Auslandsreisekrankenversicherung bzw. eine Berufshaftpflichtversicherung für das Ausland vorweisen. Genauere Hinweise für die benötigten Unterlagen findet man unter:

http://www.suedafrika.org/downloads/Studienerlaubnis.pdf

Anreise

Unsere Küche
Unsere Küche

Die Flüge mit Ethiopian Airlines (Mitglied der Star Alliance) von Frankfurt („rail and fly“) nach Johannesburg mit Zwischenstopp in Addis Ababa kosteten ca. 800 €, der extra Flug von Johannesburg nach Kapstadt nochmals ca. 75 €. Diese Möglichkeit war nach längerer Recherche die günstigste, wenn auch nicht die bequemste. Vom Flughafen ging es dann mit dem Taxi, die Preise unterschieden sich je nach Taxifahrer und ob der Taxifahrer einer offiziell zugelassenen Taxifirma zugehörig ist oder nicht, zum Campus, wo man beim 24h-Security-Dienst die hinterlegten Schlüssel und Zahlen-Codes für das Zimmer in der International Students Lodge abholen konnte.

Bei mir lief die Anreise total unkompliziert. Mein Doppelzimmer in Lodge E, die aus vier Doppelzimmern bestand, war wie die Küche und die vorhandenen Einrichtungen einfach, aber ausreichend. Es gab insgesamt drei Duschen, somit gab es auch morgens nie Probleme, es sei denn, dass mal das warme Wasser etwas knapp war und man zu spät dran war. Insgesamt gab es so etwa 9-10 Lodges, manche waren für 4-5 Studenten, manche für 8.

1.Tag

Am ersten Tag trafen sich dann alle neuen PJler, wobei die meisten aus Deutschland oder den Niederlanden kamen, im International Office, wo uns Ms Dietrich empfing und uns die Klinik und das Lehrgebäude zeigte. Wir bekamen eine Art Laufzettel, wo wir am nächsten Tag zu welcher Uhrzeit in der Klinik sein sollten. Diesen mussten wir ihr dann am Ende auch zum Erhalt der PJ-Bescheinigung von unserem „Consultant“, quasi dem Oberarzt, unterschrieben wieder vorlegen.

Im Anschluss erzählte uns Ms Riffel, die für die Unterkunft zuständig ist, einige Dinge zu unseren Zimmern in den Lodges, zu den Waschmaschinen auf dem Campus etc. Im Anschluss mussten wir uns noch um einige bürokratische Dinge bemühen, so muss man z.B. ein bestimmtes Programm auf seinem PC, Smartphone etc. beim Computer-Support-Center installieren lassen, um einen W-Lan-Internet-Zugang zu haben. Leider ist das W-Lan in der Lodge nicht so prickelnd, wobei das abhängig von der Lage der jeweiligen Lodge ist. Der Internet-Zugang ist leider nicht kostenlos, aber er ist günstig. Nur manchmal nervt es beim Skypen, wenn die Verbindung dauernd abbricht.

Da das Tygerberg Academic Hospital in Belville liegt, also ca. 25 Minuten vom Zentrum Kapstadts und etwa 35 Minuten von Stellenbosch entfernt ist, benötigt man auf jeden Fall einen fahrbaren Untersatz. Somit schließt man sich meistens zu dritt oder zu viert zusammen und mietet ein Auto. Oft sind dies ziemlich runtergekommene alte Golfs, aber dafür kostet es auch nicht so viel und sie sind vollkommen ausreichend für den Stadtverkehr. Am schwarzen Brett in der International Lodge hängen Telefonnummern aus, wo man bei Privatleuten Autos gleich für mehrere Monate anmieten kann. Die besten Tipps bekommt man aber von erfahrenen PJ-Studenten vor Ort.

Auf dem Campus gibt es auch eine Studenten-Kantine mit einem kleinen Shop, wo man die nötigsten Dinge wie Milch etc. kaufen kann.

Tagesablauf

Tygerberg Academic Hospital in Kapstadt
Tygerberg Academic Hospital in Kapstadt

Jeden Morgen um 7:30 Uhr begann der Tag am Tygerberg Academic Hospital mit einem Tutorial, welches wir PJler mit den einheimischen 5th-Year-Students zusammen besuchen konnten. Es war keine Pflicht, aber die Tutorials waren echt spitze. Es wurde querbeet wiederholt und reihum Fragen gestellt, da bei den einheimischen Medizinstudenten auch die Abschluss-OSCEs vor der Tür standen.

Man muss dazu sagen, dass die Lehre dort viel strukturierter war und die Studenten vermehrt auf die dort wirklich relevanten Krankheitsbilder und deren Therapie hingewiesen wurden. Es kam nicht darauf an, dass man jetzt den genauen Patho-Mechanismus und Histo-Definition „en detail“  kennt, sondern in logischer Form strukturiert z.B. die Differential-Diagnosen nach Häufigkeit wiedergeben konnte.

Im Anschluss an das Tutorial fand die Visite statt. Diese lief schon etwas chaotischer ab, da die Patienten meist sehr verteilt über das Krankenhaus lagen und man somit die meiste Zeit damit verbrachte, durch die Gegend zu laufen oder auch manchmal einfach 30-45 Minuten auf den zuständigen Arzt wartete. Am Tygerberg Academic Hospital geht alles über „whatsapp“-Gruppen. Nur so erfährt man, wo genau und zu welcher Uhrzeit die Visite anfängt. Außerdem bekommt man auf diese Weise mitgeteilt, welche Patienten z.B. noch eine Blutentnahme etc. benötigen.

Nach der morgendlichen Visite fand ein erneutes Tutorial statt. Hier wurde vor einem Oberarzt oder Chefarzt ein Patient an seinem Krankenbett vorgestellt, den man selber aufgenommen hatte. Dann gab es ein Feedback und die Fragerunde begann. Dies war ebenso sehr lehrreich und interessant. Vor allem Prof. Warren, der Chef der Chirurgie, gab immer wieder witzige und gleichzeitig lehrreiche Anekdoten zum Besten.

Nach diesem Tutorial  versorgte man seine eigenen Patienten, die man im Dienst aufgenommen hatte. Jede Studenten-Gruppe hatte einen Tag in der Woche Dienst auf der Notaufnahme und nahm dort die neuen Patienten auf. Als ausländischer PJler kann man, aber muss nicht, an diesem Dienst teilnehmen, doch rate ich jedem zukünftigen PJler, dies zumindest einmal mitgemacht zu haben.

Ansonsten fand im Anschluss oder nach der Mittagspause die nachmittägliche zweite Visiten-Runde statt. Hier wurde die genaue Uhrzeit wieder per „whatsapp“ mitgeteilt. Auch hier stand es den ausländischer Medizinstudenten frei, ob sie daran teilnehmen wollten oder nicht, da sowohl die Ärzte als auch die anderen südafrikanischen Studenten immer darauf achteten, dass wir genug Zeit hatten, die Kultur und Sehenswürdigkeiten Kapstadts zu erkunden. Es konnte nämlich gut sein, dass die zweite Visite erst gegen 18:00 Uhr anfing und somit die Tagesplanung etwas durcheinander kam. Je nachdem, welcher Abteilung man zugeteilt war, durfte man häufiger in den OP oder nicht.

Das Tygerberg Academic Hospital ist eines der wenigen Krankenhäuser, an denen noch „Africaans“, eine Mischung aus Englisch und Holländisch, gesprochen wird. Daher waren auch viele PJ-Studenten aus den Niederlanden vor Ort. Wenn die Ärzte aber sehen, dass ausländische PJler da sind, man ist gut durch rote Namensschilder gekennzeichnet, sprechen sie zumeist englisch. Manchmal war es etwas ätzend, wenn z.B. im OP die Operateure untereinander „africaans“ sprachen und man kein Wort verstand. Man muss aber auch dazu sagen, dass die Ärzte sehr interessiert an uns waren und zudem manchmal ein persönliches Wort mit uns wechselten und genauer nachfragten, wie wir das in Deutschland handhaben. Wenn aber Zeitdruck in der Visite herrschte, wurde leider häufig „africaans“ gesprochen, sodass uns ein südafrikanischer Medizinstudent nebenher das Gesagte übersetzte.

Zum Patientenklientel ist zu sagen, dass die ganzen umliegenden Townships größtenteils das Einzugsgebiet des Tygerberg Academic Hospitals bildeten. Es ist ein staatliches Krankenhaus, in das also hauptsächlich Patienten ohne Krankenversicherung hinkamen. Als ich auf der Rettungsstelle eingeteilt war, kamen aus den Townships dann also viele Patienten mit Schusswunden und nach Messer-Stechereien zu uns, besonders nach dem „Pay-Day“, wenn die Leute ihr „Gehalt“ bekommen hatten und es in Alkohol investierten oder sich gegenseitig überfielen.

Allgemein kommen die Patienten wirklich nur, wenn es nicht mehr anders geht, also vollkommen gegensätzlich zu Deutschland. Das ist auf der einen Seite ganz angenehm, aber auf der anderen Seite kamen viele Patienten auch deutlich zu spät, sodass der fast Fußball-große Tumor im Bauch (Abdominal-Chirurgie) natürlich überallhin gestreut war. Einige dieser Patienten sprachen auch kein Englisch, sondern eine der acht afrikanischen Sprachen. Also musste man sich eine Schwester oder einen Pfleger suchen, die übersetzen konnten. Dies war aber kein Problem, da diese immer sehr nett und hilfreich waren.

Finanzielles

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man allgemein vor Ort definitiv weniger Geld zum Leben als in Deutschland benötigt. Durch die ganzen Wochenend-Ausflüge, Freizeitaktivitäten wie Surfen, Outlet-Shopping-Centers gibt man schlussendlich jedoch mehr aus.  Aber wenn man schon einmal in diesem wunderschönen Land ist, sollte man auch nicht genau hier zu sparen anfangen. Die Eintritte in die meisten kulturellen Sehenswürdigkeiten sind deutlich  billiger als z.B. in Deutschland. Man kommt sogar meist günstiger weg, wenn man Essen geht, anstatt daheim selber zu kochen.

Hier einfach mal eine Kosten-Übersicht:

  • Gebühren für Visum: siebe Ausführungen „Visum“
  •  Flüge: Mein etwas umständlicher Flug hat insgesamt knapp 880 € gekostet, die meisten anderen PJler haben mit einem Direktflug deutlich mehr gezahlt, meist um die 1.000 €.
  • Einmalige Gebühr (beinhaltet auch den sofortigen Zugang für HIV-PEP, s.o.): ca. 375 €
  • Studiengebühren:  wöchentlich 34 €, max. aber insgesamt 655 €
  • Zimmer: Einzelzimmer: 61 € pro Woche, Doppelzimmer: 51 € pro Woche

Finanzierung

Ich hatte mich im Internet über Reise-/Auslandsstipendien für Medizinstudenten erkundigt, doch leider sind die meisten Stipendien nur für europäische Auslandsaufenthalte konzipiert. Glücklicherweise bin ich auf das Auslands-PJ-Stipendium von „Medizinernachwuchs.de“ gestoßen, denn ich ergatterte schlussendlich eines der heißbegehrten Stipendien in Höhe von 500 €. Ein herzliches Dankeschön nochmals auf diesem Wege! Einfach einen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben und den ausgefüllten Vordruck abschicken und hoffen 😉

Sicherheitshinweise zu Südafrika

Man hört ja immer die schlimmsten Geschichten und auch von den Damen aus dem International Office des Tygerberg Academic Hospitals wird man quasi dauernd gewarnt.

Was man auf keinen Fall machen sollte, ist, abends alleine durch dunkle Gassen zu gehen. Außerdem ist es besser, nur Bargeld, keine Kreditkarten in der Tasche zu haben und Geld nur an den auf dem Campus eigenen Geldautomaten abzuheben. Es wurden einigen Studenten abends Handys, Geldbeutel, einmal auch eine ganze Handtasche geklaut. Außerhalb des Campus wurden auch mal Medizinstudenten an einem Geldautomaten die Kreditkarte abgezogen. Es lohnt sich sowieso, ein altes Handy mitzunehmen und dann eine südafrikanische Sim-Card zu kaufen, sodass man in Kontakt mit den anderen Studenten stehen kann.

Was man aber auch dazu sagen muss, ist, dass wenn man einigermaßen auf sein Hab und Gut achtet und nicht als reicher leichtsinniger Tourist auftritt, man eigentlich keine Sorgen haben muss.

Selbst wenn etwas passieren sollte, helfen die Damen aus dem International Office weiter. Mir ist glücklicherweise nichts passiert, ich habe aber auch zum Beispiel, wenn wir am Wochenende feiern waren, kein Handy und nur etwas Bargeld dabei gehabt.

Freizeit

Blick auf Kapstadt und den Tafelberg
Blick auf Kapstadt und den Tafelberg

Neben den zahlreichen wunderschönen Stränden Kapstadts hat diese ziemlich europäisch geprägte Stadt noch viele weitere Sehenswürdigkeiten zu bieten. Auf jeden Fall sollte man den Tafelberg besteigen, am besten man nimmt den „Skeleton George Trail“, der in den „Kirstenbosch Gardens“ beginnt, wirklich super! Aber vielleicht nicht unbedingt bei 30 Grad und Sonne zu empfehlen. Der Tafelberg, das Wahrzeichen Kapstadts, ist imposant und aus allen Blickwinkeln ein wunderschönes Fotomotiv.

Natürlich sollte man nach „Robben Island“ mit der Fähre übersetzen und die Zelle Mandelas besichtigen. Auch einige interessante Museen hat die Stadt zu bieten, die – ja, es hat auch manchmal geregnet – durchaus einen Besuch lohnen. Um besser in die Kultur einzutauchen, sollte man sich nicht nur in Gebieten aufhalten, wo sich die weißen Reichen und Schönen Kapstadts am Strand oder in angesagten Bars räkeln, sondern zum Beispiel auch mal eine Township-Tour mit einem einheimischen Führer mitmachen, wobei man auch einen Gottesdienst besuchen kann. Hier erfährt man aus erster Hand so richtig, was es heißt, in einem Township groß zu werden, welche Gefahren hier lauern und welche Perspektiven die Leute hier haben.

An einem Wochenende haben wir als Gruppe einen Ausflug in die „Cederberge“ gemacht, dort in Zelten übernachtet, wunderschöne Wanderungen unternommen und abends am Lagerfeuer gegrillt. Grillen, in Südafrika nennt man dies „Braai“, ist dort eine Art Volkssport. Auch wir Studenten der Lodge hatten einmal die Woche einen „Braai“, wo wir alle Studenten zusammensaßen, zusammen grillten und jede Lodge z.B. einen Salat o.ä. beisteuerte.

Eines der besten „Braais“ war das „Mzoli´s Braai“ in „Gugulethu“, einem Township. Hier konnte man vorne bei einem sehr guten Metzger das Fleisch aussuchen. Es war ein großes Zelt mit einem DJ aufgebaut und man tanzte den ganzen Sonntag-Nachmittag und genoss die gute Laune der Leute und das Fleisch, das währenddessen für einen kleinen „Tip“ zubereitet wurde.

Selbstverständlich gehört ein Ausflug zum „Cape of Good Hope“ mit Zwischenstation bei den Pinguinen in „Simon´s Town“ genauso zum Programm wie ein Besuch der zahlreichen Märkte, hier vor allem der „Old Biscuit Mill“ freitagabends mit Live-Musik und jeder Menge leckerem Essen und Weinen. Als Student der University of Stellenbosch ist natürlich ein Besuch der schönen Studenten-Stadt Stellenbosch Pflicht. Dort sollt man auf jeden Fall in der „Oude Bank“ einkehren, bevor man bei einer der vielen Wine-Tastings den weltbekannten Stellenbosch-Wein kostet.

Da ich jetzt hier keinen Reiseführer schreiben möchte, kann ich nur so viel sagen: Es gibt so unglaublich viel zu sehen und zu erleben, dass die Zeit wie im Flug vergeht und man daher bereits zu Beginn bestimmte Dinge planen sollte. Während unseres Aufenthaltes fand z.B. ein Fußball-Spiel Ajax Capetown gegen Kaizer Chief Johannesburg im WM-Stadion von Kapstadt statt. So konnten wir auch in das riesige Stadion und mit „Vuvuzelas“ die Mannschaft von Ajax Capetown unterstützen.

Fazit

Unsere Braai-Stelle – International Students Lodge
Unsere Braai-Stelle – International Students Lodge

Alleine aus medizinischer Sicht war der Aufenthalt schon ein voller Erfolg! Selbstständiges Versorgen von Patienten, wirklich super Teaching durch die Ärzte vor Ort. Vor allem die Rettungsstelle nachts ist ein MUSS, da man dann die richtig spektakulären Fälle sieht und wenn man Glück hat auch mal eine Bülau-Drainage legen oder eine Schulter wieder einrenken darf. Die Ärzte waren sehr dankbar, wenn man ihnen half, sie schickten uns aber auch häufig etwas früher nach Hause, damit wir noch nachmittags Dinge unternehmen konnten.

In der International Students Lodge habe ich mit Australiern, Schotten, Niederländern, Norwegern und natürlich auch vielen Deutschen zusammengewohnt, was ein munteres Miteinander war und man viel als Gruppe zusammen unternommen hat. Man kann also getrost alleine dorthin fahren, da es total einfach ist, neue Leute kennenzulernen.

Es gab dort auch Studenten, die spontan dort verlängert haben, da es ihnen so viel Spaß gemacht hat.

Im Anschluss an meine Zeit am Tygerberg Academic Hospital habe ich noch die „Garden Route“ bereist, bin in den Krüger Nationalpark geflogen und habe den „Hluhluwe-Umfolozi-Park“, den ältesten Nationalpark Südafrikas besichtigt, der mir sogar noch besser gefallen hat, als der Krüger Nationalpark. Wenn man schon mal da ist, sollte man das auf jeden Fall ansehen. Ganz nebenbei verbessert man noch seine Englisch-Kenntnisse und schließt Freundschaften mit Medizinstudenten von überall auf der Welt.

Da es mein drittes und letztes Tertial war, war es für mich ganz schön schwer, sich in Deutschland gleich hinter die Bücher zu klemmen und für das schriftliche Examen zu lernen, doch konnte man sich an dunklen Tagen an die schöne, sonnige Zeit in Kapstadt erinnern!

 

Sebastian Kubik

Berlin, April 2014

Stipendiat im Rahmen der Auslandsstipendien 2013-2014

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

 

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