Famulatur in Australien – Notfallmedizin

26. Mai 2014

in Allgemein, Australien, Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Notfallmedizin

Australien, Cooloongup/Rockingham, Rockingham General Hospital (17.02.-18.03.2014)

In der Nähe von Perth, an der Westküste Australiens erwartete mich eine sehr interessante Famulatur, bei der ich sehr viel lernen sollte. Hinzu kamen sehr engagierte Ärzte, im Februar noch 35 Grad Celsius, die Sonne, das Meer, ein für mich bis dahin vollkommen unbekanntes Land und sehr freundliche Australier.

Australien – ich komme!

Es war mir klar, dass ich einen Teil meiner Famulaturen und des PJ im Ausland machen möchte. Zunächst wollte ich jedoch erst klinische Erfahrung sammeln, um mich dann mit genug Vorwissen und Sicherheit in praktischen Tätigkeiten der Herausforderung einer anderen Sprache und einem anderem Gesundheitssystem zu nähern. Meine 3. Famulatur, nach dem 7. Semester und noch vor Beginn meiner Doktorarbeit, erschien mir dafür der ideale Zeitpunkt.

Bereits über ein Jahr im Voraus fingen eine Freundin und ich an, Krankenhäuser in Australien anzuschreiben. Ich war vorher noch nie in diesem Land gewesen und wusste, dass sich die weite Reise jetzt anbot, bevor ich mit der Doktorarbeit beginnen würde. Außerdem wollte ich in ein Englisch-sprachiges Land, das medizinisch einen guten Ruf genießt.

Bewerbung

Um eine passende Klinik zu finden, googelte ich Krankenhäuser, vorrangig diejenigen, welche ich vorher bereits in Erfahrungsberichten erwähnt fand und nahm, wenn möglich, Kontakt zu den Autoren auf und fragte nochmals nach. Meine Kommilitonin und ich schrieben insgesamt circa 20 Krankenhäuser an und erhielten, drei Antworten: Zweimal ein „vielleicht“ und schließlich eine Zusage.

Die Zusage kam aus der Notaufnahme des Rockingham General Hospitals in Cooloongup, einem Vorort von Perth im Bundesstaat Western Australia. Diese Klinik ist kein Universitätskrankenhaus, bildet aber auch australische Studenten aus. Es fielen keine Studiengebühren an. In zahlreichen Krankenhäusern Australiens muss man bis 1.000 Australische Dollar an Gebühren bezahlen.

Bewerben an sich, musste ich mich nicht mehr, sondern nur einige Dokumente schicken wie z.B. einen Brief vom Dekan meiner Heimatuniversität, eine Inskriptionsbescheinigung, als auch einen Haftpflichtversicherungsnachweis. Nach Australien mitzubringen sollte ich zum Beispiel ein polizeiliches Führungszeugnis, einen Nachweis von Impfungen aka Impfpass – Hepatitis B. Ein MRSA Abstrich wurde vor Ort kostenlos gemacht.

Die Vorbereitungen begannen

In der Pinnacle Desert
In der Pinnacle Desert
  • Literaturempfehlungen

Was mögliche Literatur zur Vorbereitung auf diese Auslandsfamulatur betraf, so informierte ich mich im Internet, besonders auch in Erfahrungsberichten, über Australien und sein medizinisches System. Zusätzlich kaufte ich mir auch das Buch „Medical English“ (Thieme-Verlag) und natürlich einen Reiseführer. Der „Lonely Planet“ ist wirklich zu empfehlen und up to date. Ich fand diese Bücher gut, um mir bei der Anreise die Zeit zu vertreiben. Notwendig ist das „Medical English“ Buch nicht, aber nett zu lesen und gut, um in die englische Fachsprache hineinzukommen.

  • Visum

Was das Visum betrifft, so sollte man am besten bei der Australischen Botschaft hierzulande nachfragen. Ich habe von Leuten gehört, die mit einem Touristenvisum eingereist sind, die Famulatur ist ja unbezahlt, aber es gibt auch ein extra Visum für unbezahlte Praktika, wobei manchen bei der Einreise gesagt wurde, dass, wenn man unter drei Monaten bleibt, dieses Visum nicht notwendig gewesen wäre. Also am besten nachfragen, was Du für Deine Famulatur genau brauchst, dem Krankenhaus war es egal.

(Anm.d.Red.: Um wirklich auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

  • Impfungen und geforderte ärztliche Untersuchungen

Hier muss ein Hepatitis B-Impfschutz nachgewiesen werden. Ein MRSA-Abstrich wird vor Ort am ersten Tag gemacht.

  • Versicherungen

Für das Krankenhaus brauchte ich den Nachweis einer Berufshaftpflichtversicherung. Persönlich hatte ich noch eine private Auslandsreisekrankenversicherung mit einer Reiserückholversicherung abgeschlossen. Zudem eine Reiserücktrittskostenversicherung, da der Flug EUR 1.150 kostete und wir ein halbes Jahr im Vorhinein gebucht hatten. Den Flug so früh zu buchen, ist nicht notwendig, denn ich habe auch Leute getroffen, die erst einen Monat im Voraus gebucht und auch gute Preise bekommen hatten. Um noch einmal auf die Reiserücktrittskostenversicherung zurückzukommen. Man kann immer krank werden oder es passiert etwas Unvorhergesehenes und so eine Versicherung ist ja nicht so teuer. Meine Freundin, mit der ich die Reise plante, musste diese auch in Anspruch nehmen.

Meine Klinik…

Das Rockingham General Hospital liegt im Großraum Perth, 40km vom Zentrum entfernt. Von Rockingham aus gibt es einen Zug nach Perth, die Fahrzeit beträgt 40min, und nach „Mandurah“ als auch einen Bus nach Frementale, wo es viele nette Cafés und Restaurants gibt.

Das Krankenhaus ist mittelgroß. An Fachrichtungen gibt u.a. Chirurgie, Innere Medizin, Pädiatrie, Psychiatrie sowie eine Intensivstation. Aber es gibt auch einige Stationen nicht, wie z.B. Kardiologie und HNO. Notfälle wurden in der Notaufnahme erstversorgt und dann mit der Ambulanz in geeignete Krankenhäuser weitergeschickt, aufgenommen oder nach Therapie wieder entlassen.

… und meine Arbeit in der Notaufnahme

Das Rockingham General Hospital in der Nähe von Perth
Das Rockingham General Hospital in der Nähe von Perth

In Australien gibt es ein anderes medizinisches Versorgungssystem. Krankenschwestern und Rettungssanitäter sind richtig gut ausgebildet. Es gibt z.B. keine Notärzte, sondern das System ist „scoop and run“.

In der Notaufnahme gibt es eine Triage-Nurse, welche die Patienten nach Dringlichkeit reiht, und meist auch einen Triage-Arzt, der gleich Schmerzmedikation gibt und Bluttests anordnet.

In der Notaufnahme gibt es ein sehr breites Spektrum verschiedener Patienten. Vom Säugling, der weniger Appetit hat, bis zum Zwölfjährigen mit gebrochenem Arm, Patienten in Polizeigewahrsam oder den Multimorbiden habe ich alles gesehen. Die spannendsten Fälle für mich waren der akute STEMI, AV-Reentry Tachykardie (mit Vasalvamanöver bzw. wenn frustran mit Adenosin therapiert), Hirnblutung unter Rivaroxaban (neue orale Antikoagulation, kann man nicht antagonisieren), sich verschlechternde neurologische Symptome bis zum Nystagmus in Ruhe und eine Reanimation.

Es gab auch australische Medizinstudenten im letzten Studienjahr in der Notaufnahme und ich durfte die gleichen Tätigkeiten wie diese ausführen. Jeder Patient musste auch von einem Arzt und Oberarzt („Consultant“) gesehen werden und je nachdem mit wem man zusammenarbeitete, variierte mein Aufgabenbereich.

Im Allgemeinen habe ich vorher gefragt, ob ich den Patienten sehen darf. (Nicht so gut bei psychiatrischen Patienten, bei Patienten mit starken Schmerzen oder bei jenen, die „generally unwell“ sind.) An sich gibt es in australischen Notaufnahmen eine Triage und im Computersystem kann man sich ein Bild vom Allgemeinzustand und der Hauptbeschwerde des Patienten machen, da dies bereits bei der Anmeldung vorne von der Triage-Nurse erfasst wird. Und wenn man bei den kritischen Patienten dabei sein will, dann begleitet man den „Consultant“.

Ich durfte Anamnese erheben und Untersuchungen selbständig durchführen. Ich hatte noch keine Neurologie und wenn dann eine neurologische Untersuchung notwendig war, dann wurde mir diese auch öfters gezeigt oder ich führte sie unter Anleitung durch. In Absprache mit einem Arzt wurden dann bildgebende Verfahren wie z.B. CT und Sonographie, MRT gab es nicht in diesem Krankenhaus, sowie Blut- und Urintests angeordnet. Häufig habe ich Nadeln gelegt oder Blut abgenommen, ich lernte Nähen und durfte Gipsen.

Die Ärzte waren alle sehr nett und sehr willig, den Medizinstudenten etwas beizubringen. Wenn es interessante Fälle gab, wurde ich hingeschickt. Wenn ich Fragen hatte, wurden sie beantwortet. Wenn ich einen Patienten vorgestellt habe, wurde dann auch immer eine kleine Fragerunde daraus und es wurde mir viel erklärt, u.a. zur Versorgung von Schlangenbissen.

Dreimal die Woche gab es am Nachmittag ein „Teaching“. Eigentlich ist dies für die jungen Ärzte, aber wir Studenten nahmen auch gerne daran teil. Ich hörte u.a. Vorträge zu zahnmedizinischen Notfällen, Präsentationen von Papers, die Vorstellung von interessanten Fällen aus der Notaufnahme, z.B. einen zum Thema Misshandlung von Säuglingen oder aus der Radiologie über Pneumomediastinum, und war auch bei praktischen Notfalltrainings mit Simulationspuppe dabei.

Ein typischer Tagesablauf in der Klinik

Vor der Emergency des Rockingham General Hospital
Vor der Emergency des Rockingham General Hospital

Die Ärzte waren wirklich alle sehr nett und man konnte sich seine Arbeitszeiten einteilen.

Weiße Kittel gibt es in Australien nicht. Man sollte sich entweder ein bisschen schöner anziehen, ich hatte meist eine schwarze Hose oder einen knie-langen Rock und ein schöneres Oberteil bzw. eine Bluse an, oder eben OP-Kleidung.

Meine Vermieterin brachte mich in der Früh mit dem Auto zum Krankenhaus. Ohne Auto ist es in Rockingham nicht so einfach, aber es gibt Busse. Ich kam dann meist schon um 7:40 Uhr in der Klinik an und je nachdem, wie motiviert ich war, schnappte ich mir den ersten Patienten oder schaute mir die interessanten Fälle der Nachtschicht an.

Um 8:00 Uhr gab es eine Morgenbesprechung, in der die Nachtschicht an die Tagschicht übergeben wurde. Manchmal wurden die Studenten hier auf die verschiedenen Bereiche der Notaufnahme aufgeteilt – Triage, kardiale Notfälle, Notfälle, weniger Akutes, „Short Stay Unit“. Meistens konnte man es sich aussuchen, aber teilweise waren wir fünf Medizinstudenten in der Notaufnahme und dann war es besser, wenn man ein bisschen verteilt wurde.

Um die Mittagszeit ging ich meistens mit den anderen Studenten in die Cafeteria. Diese ist von Freiwilligen betreut und hat echt faire Preise. Meistens saßen wir draußen, um uns von der Klimaanlage ein bisschen aufzuwärmen.

Dreimal die Woche gab es ein „Teaching“, welches dann von 14:00-16:00 Uhr oder 15:00-16:00 Uhr ging. Nach 16:00 Uhr holte mich meine Vermieterin dann wieder ab oder ich fuhr in die Stadt nach Perth, nach Fremantle oder an den Strand. Wie gesagt, die Zeiteinteilung war sehr flexibel. Als ich einmal dienstags nach „Rottnest Island“ gefahren bin, die Fähre ist dienstags billiger, oder manchmal auch etwas früher gehen wollte, war dies überhaupt kein Problem. Generell war ich von montags bis freitags in der Zeit von 8:00-16:00 Uhr im Krankenhaus. Wieviel man lernt, hängt natürlich auch sehr viel von der Eigeninitiative ab.

Unterkunft und Finanzielles

Der Chef der Notaufnahme des Rockingham General Hospital empfahl mir eine Frau, die Zimmer in ihrem Haus in Rockingham untervermietet. Dort wohnte schon mal eine deutsche Medizinstudentin, die sehr zufrieden war. Für 130.- Australische Dollar die Woche bekam ich nicht nur ein Zimmer, sondern auch eine ganze australische Familie. Die Vermieterin holte mich vom Flughafen ab, brachte mich mit dem Auto zur Arbeit oder zum Busbahnhof, lud mich zu Familien BBQs ein und war ein sehr aufmerksamer, liebenswürdiger Mensch.

Insgesamt zahlte ich 1.150.- EUR für den Flug – Gabelflug hin nach Perth, zurück von Brisbane mit „Emirates“. Ich kenne auch Leute, die 900.- EUR zahlten – aber hin- und zurück von Perth. Die Unterkunft kostete 130.- Australische Dollar pro Woche.

Das Essen kostet circa soviel wie bei uns. Ausflüge sind nicht ganz so billig, man sollte aber auf jeden Fall welche machen, wenn man schon mal in Australien ist. Wenn möglich, sollte man nach der Famulatur auch noch reisen, also muss man die Inlandsflüge auch noch mit einrechnen.

Das Leben „down under“

Tagesausflug nach Rottnest Island
Tagesausflug nach Rottnest Island

Australien ist ein riesiges Land mit weiten Distanzen. Perth liegt eher südlich gelegen an der Westküste und hat damit im Februar Sommer. Rockingham ist 40km von Perth entfernt, jedoch ist Perth mit dem Zug gut zu erreichen. In Rockingham selbst ist es ohne Auto schwierig. Meine Vermieterin holte mich jedoch oft ab. Ansonsten nimmt man den Bus, der alle halbe Stunde oder jede Stunde fährt, oder gönnt sich ein Taxi.

Der Bundesstaat Western Australia ist nicht so touristisch wie der Osten. Hier kann man Land und Leute in Ruhe kennenlernen. An den Wochenenden machte ich zusammen mit australischen Medizinstudenten, die ich an meinem ersten Tag im Krankenhaus kennengelernt hatte, Ausflüge, so z.B. einen Roadtrip zu den „Pinnacles“ und den riesigen Sanddünen in „Lancelin“. „Rottnest Island“ ist wunderschön zum Schwimmen und Schnorcheln. Es ist eine Insel, die man nur mit dem Fahrrad befahren kann und dort leben viele „Quokkas“, die wie eine Mischung aus Känguru und Ratte aussehen. „Penguin Island“ war auch schön, allerdings verstecken sich die Pinguine und ich sah nur einige bei einer Show.

Fremantle ist eine coole Stadt mit Charme. Hier sollte man auf jeden Fall zum Café Trinken und zum Essen hingehen. „Cottesloe Beach“ und „Scaborough Beach“ sind die besten Strände in der Umgebung. An dieser Stelle noch ein Tipp: Es lohnt sich, immer darauf zu achten, ob es Festivals gibt. Als ich dort war, gab es in Perth mehrere Festivals mit Straßenmusik und Essensständen, in „Mandurah“ sah ich beim „Wakeboard“ Wettbewerb zu und in „Cottesloe Beach“ sah ich die Statuen-Ausstellung.

Die Australier lieben BBQ. Probiert doch einmal Kängurufleisch, es ist echt lecker. „TimTams“ sind australische Kekse, welche man auf spezielle Art in Milch oder heiße Getränke eintunkt – am besten Ihr fragt die Einheimischen. Und geht Schnorcheln, Tauchen, Surfen oder Wakeboarden – das gehört zum australischen Flair dazu!

Was die Sicherheitsaspekte vor Ort betrifft, so war ich meistens in einer Gruppe unterwegs und habe mich nie unsicher gefühlt. Rockingham an sich ist nicht der beste Vorort von Perth und die Ärzte im Krankenhaus haben uns dies auch öfters gesagt. Dennoch werden die Haustüren nicht zugesperrt und es ist auch nichts passiert. Trotzdem bin ich nachts nicht die 3km vom Busbahnhof zu meiner Unterkunft zu Fuß gegangen, sondern habe mir per Telefon ein Taxi bestellt.

Fazit

Es war eine sehr interessante Famulatur und ich habe viel gelernt. Es lohnt sich auf jeden Fall, eine Famulatur im englischsprachigen Ausland zu machen. In Rockingham hat man dann im Februar noch 35 Grad, Sonne, Meer und sehr freundliche Australier dabei.

 

C. Kraus

München, April 2014

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2013-2014

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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2 Kommentare

  • Hallo 🙂

    ich werde im März ebenfalls eine Famulatur in Rockingham machen. Ich würde mich sehr über einen Kontakt zu deiner Vermieterin freuen. Oder den ein oder anderen Tipp, eine gute Unterkunft in Rockingham zu finden.

    Vielen Dank und liebe Grüße

    Lisa

  • Hallo,

    Ich bin Medizinstudent im 7ten Semester und denke gerade auch über eine Famulatur in Australien nach (Perth/Darwin). Ich würde mich sehr freuen weitere Infos, Tips oder ganz speziell den Kontakt von dem Krankenhaus in Perth.

    Vielen Dank
    Simon Büchler

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